Wilhelm Tell - Friedrich Schiller - E-Book

Wilhelm Tell E-Book

Friedrich Schiller

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Beschreibung

In Friedrich Schillers Werk 'Wilhelm Tell' wird die Geschichte eines schweizerischen Nationalhelden erzählt, der sich gegen die Tyrannei des österreichischen Besatzers stellt. Das Buch ist in einem dramatischen Stil geschrieben und reflektiert die politischen Ideale und den Kampf um Freiheit, die im 19. Jahrhundert in Europa vorherrschten. Schiller nutzt sein historisches Drama, um die Bedeutung von Mut, Widerstand und Opferbereitschaft hervorzuheben, und schafft damit ein Werk, das bis heute als ein Meisterwerk der deutschen Literatur betrachtet wird. Der Autor Friedrich Schiller war ein bedeutender deutscher Dichter und Dramatiker, der seine Werke oft als Ausdruck seiner liberalen politischen Überzeugungen schrieb. Die Entstehung von 'Wilhelm Tell' ist eng mit den politischen Ereignissen seiner Zeit verbunden, und Schiller nutzte das Drama, um die Unterdrückung durch autoritäre Regime zu kritisieren. 'Wilhelm Tell' ist ein Buch, das nicht nur historisch relevant ist, sondern auch zeitlose Themen der Freiheit, Gerechtigkeit und Widerstandskraft behandelt. Jeder Leser, der an politischer Literatur und dramatischen Werken interessiert ist, sollte dieses Werk von Schiller lesen, um einen Einblick in die politischen und sozialen Bewegungen des 19. Jahrhunderts zu erhalten und die zeitlose Bedeutung von Freiheit und Mut zu erkunden.

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Friedrich Schiller

Wilhelm Tell

            Books
Inhaltsverzeichnis
Personen
Erster Aufzug
Erste Szene
Zweite Szene
Dritte Szene
Vierte Szene
Zweiter Aufzug
Erste Szene
Zweite Szene
Dritter Aufzug
Erste Szene
Zweite Szene
Dritte Szene
Vierter Aufzug
Erste Szene
Zweite Szene
Dritte Szene
Fünfter Aufzug
Erste Szene
Zweite Szene
Letzten Szene

Personen

Inhaltsverzeichnis

Hermann Gessler, Reichsvogt in Schwyz und Uri Werner, Freiherr von Attinghausen, Bannerherr Ulrich von Rudenz, sein NeffeLandleute aus Schwyz: Werner Stauffacher Konrad Hunn Itel Reding Hans auf der Mauer Jörg im Hofe Ulrich der Schmied Jost von Weiler aus Uri: Walther Fürst Wilhelm Tell Rösselmann, der Pfarrer Petermann, der Sigrist Kuoni, der Hirte Werni, der Jäger Ruodi, der Fischeraus Unterwalden: Arnold vom Melchtal Konrad Baumgarten Meier von Sarnen Struth von Winkelried Klaus von der Flüe Burkhardt am Bühel Arnold von Sewa Pfeifer von Luzern Kunz von Gersau Jenni, Fischerknabe Seppi, Hirtenknabe Gertrud, Stauffachers Gattin Hedwig, Tells Gattin, Fürsts Tochter Berta von Bruneck, eine reiche ErbinBäuerinnen: Armgard Mechthild Elsbeth Hildegard Tells Knaben: Walther Wilhelm Söldner: Friesshardt Leuthold Rudolf der Harras, Gesslers Stallmeister Johannes Parricida, Herzog von Schwaben Stüssi, der Flurschütz Der Stier von Uri

Erster Aufzug

Inhaltsverzeichnis

Erste Szene

Inhaltsverzeichnis

Hohes Felsenufer des Vierwaldstättersees, Schwyz gegenüber.

Der See macht eine Bucht ins Land, eine Hütte ist unweit dem Ufer, Fischerknabe fährt sich in einem Kahn. Über den See hinweg sieht man die grünen Matten, Dörfer und Höfe von Schwyz im hellen Sonnenschein liegen. Zur Linken des Zuschauers zeigen sich die Spitzen des Haken, mit Wolken umgeben; zur Rechten im fernen Hintergrund sieht man die Eisgebirge. Noch ehe der Vorhang aufgeht, hört man den Kuhreihen und das harmonische Geläut der Herdenglocken, welches sich auch bei eröffneter Szene noch eine Zeitlang fortsetzt.

Fischerknabesingt im Kahn: Melodie des Kuhreihens Es lächelt der See, er ladet zum Bade, Der Knabe schlief ein am grünen Gestade, Da hört er ein Klingen, Wie Flöten so süss, Wie Stimmen der Engel Im Paradies. Und wie er erwachet in seliger Lust, Da spülen die Wasser ihn um die Brust, Und es ruft aus den Tiefen: Lieb Knabe, bist mein! Ich locke den Schäfer, Ich zieh ihn herein.

Hirteauf dem Berge: Variation des Kuhreihens Ihr Matten lebt wohl, Ihr sonnigen Weiden! Der Senn muss scheiden, Der Sommer ist hin. Wir fahren zu Berg, wir kommen wieder, Wenn der Kuckuck ruft, wenn erwachen die Lieder, Wenn mit Blumen die Erde sich kleidet neu, Wenn die Brünnlein fliessen im lieblichen Mai Ihr Matten lebt wohl, Ihr sonnigen Weiden! Der Senne muss scheiden, Der Sommer ist hin.

Alpenjägererscheint gegenüber auf der Höhe des Felsen: Zweite Variation Es donnern die Höhen, es zittert der Steg, Nicht grauet dem Schützen auf schwindlichtem Weg, Er schreitet verwegen Auf Feldern von Eis, Da pranget kein Frühling, Da grünet kein Reis; Und unter den Füssen ein neblichtes Meer, Erkennt er die Städte der Menschen nicht mehr, Durch den Riss nur der Wolken Erblickt er die Welt, Tief unter den Wassern Das grünende Feld.

Die Landschaft verändert sich, man hört ein dumpfes Krachen von den Bergen, Schatten von Wolken laufen über die Gegend.

Ruodi der Fischerkommt aus der Hütte,Werni der Jägersteigt vom Felsen,Kuoni der Hirtekommt, mit dem Melknapf auf der Schulter.Seppi, sein Handbube, folgt ihm.

Ruodi: Mach hurtig Jenni. Zieh die Naue ein. Der graue Talvogt kommt, dumpf brüllt der Firn, Der Mythenstein zieht seine Haube an, Und kalt her bläst es aus dem Wetterloch, Der Sturm, ich mein, wird dasein, eh wir’s denken.

Kuoni: ‘s kommt Regen, Fährmann. Meine Schafe fressen Mit Begierde Gras, und Wächter scharrt die Erde.

Werni: Die Fische springen, und das Wasserhuhn Taucht unter. Ein Gewitter ist im Anzug.

Kuonizum Buben: Lug Seppi, ob das Vieh sich nicht verlaufen.

Seppi: Die braune Liesel kenn ich am Geläut.

Kuoni: So fehlt uns keine mehr, die geht am weitsten.

Ruodi: Ihr habt ein schön Geläute, Meister Hirt.

Werni: Und schmuckes Vieh – Ist’s Euer eigenes, Landsmann?

Kuoni: Bin nit so reich – ‘s ist meines gnädigen Herrn, Des Attinghäusers, und mir zugezählt.

Ruodi: Wie schön der Kuh das Band zu Halse steht!

Kuoni: Das weiss sie auch, dass sie den Reihen führt, Und nähm ich ihr’s, sie hörte auf zu fressen.

Ruodi: Ihr seid nicht klug! Ein unvernünft’ges Vieh –

Werni: Ist bald gesagt. Das Tier hat auch Vernunft, Das wissen wir, die wir die Gemsen jagen, Die stellen klug, wo sie zur Weide gehn, ‘ne Vorhut aus, die spitzt das Ohr und warnet Mit heller Pfeife, wenn der Jäger naht.

Ruodizum Hirten: Treibt Ihr jetzt heim?

Kuoni: Die Alp ist abgeweidet.

Werni: Glücksel’ge Heimkehr, Senn!

Kuoni: Die wünsch ich Euch, Von Eurer Fahrt kehrt sich’s nicht immer wieder.

Ruodi: Dort kommt ein Mann in voller Hast gelaufen.

Werni: Ich kenn ihn, ‘s ist der Baumgart von Alzellen.

Konrad Baumgartenatemlos hereinstürzend.

Baumgarten: Um Gottes willen, Fährmann, Euren Kahn!

Ruodi: Nun, nun, was gibt’s so eilig?

Baumgarten: Bindet los! Ihr rettet mich vom Tode! Setzt mich über!

Kuoni: Landsmann, was hat Ihr?

Werni: Wer verfolgt Euch denn?

Baumgartenzum Fischer: Eilt, eilt, sie sind mir dicht schon an den Fersen! De Landvogts Reiter kommen hinter mir, Ich bin ein Mann des Tods, wenn sie mich greifen.

Ruodi: Warum verfolgen Euch die Reisigen?

Baumgarten: Erst rettet mich, und dann steh ich Euch Rede.

Werni: Ihr seid mit Blut befleckt, was hat’s gegeben?

Baumgarten: Des Kaisers Burgvogt, der auf dem Rossberg sass –

Kuoni: Der Wolfenschiessen! Lässt Euch der verfolgen?

Baumgarten: Der schadet nicht mehr, ich hab ihn erschlagen.

Allefahren zurück: Gott sei Euch gnädig! Was habt Ihr getan?

Baumgarten: Was jeder freie Mann an meinem Platz! Mein gutes Hausrecht hab ich ausgeübt Am Schänder meiner Ehr und meines Weibes.

Kuoni: Hat Euch der Burgvogt an der Ehr geschädigt?

Baumgarten: Dass er sein bös Gelüsten nicht vollbracht, Hat Gott und meine gute Axt verhütet.

Werni: Ihr habt ihm mit der Axt den Kopf zerspalten?

Kuoni: O lasst uns alles hören. Ihr habt Zeit, Bis er den Kahn vom Ufer losgebunden.

Baumgarten: Ich hatte Holz gefällt im Wald, da kommt Mein Weib gelaufen in der Angst des Todes. »Der Burgvogt liegt in meinem Haus, er hab Ihr anbefohlen, ihm ein Bad zu rüsten.« Drauf hab er Ungebührliches von ihr Verlangt, sie sei entsprungen, mich zu suchen. Da lief ich frisch hinzu, so wie ich war, Und mit der Axt hab ich ihm ‘s Bad gesegnet.

Werni: Ihr tatet wohl, kein Mensch kann Euch drum schelten.

Kuoni: Der Wüterich! Der hat nun seinen Lohn! Hat’s lang verdient ums Volk von Unterwalden.

Baumgarten: Die Tat ward ruchbar, mir wird nachgesetzt – Indem wir sprechen – Gott – verrinnt die Zeit –

Es fängt an zu donnern.

Kuoni: Frisch Fährmann – Schaff den Biedermann hinüber.

Ruodi: Geht nicht. Ein schweres Ungewitter ist Im Anzug. Ihr müsst warten.

Baumgarten: Heil’ger Gott! Ich kann nicht warten. Jeder Aufschub tötet –

Kuonizum Fischer: Greif an mit Gott, dem Nächsten muss man helfen, Es kann uns allen Gleiches ja begegnen.

Brausen und Donnern.

Ruodi: Der Föhn ist los, ihr seht wie hoch der See geht, Ich kann nicht steuern gegen Sturm und Wellen.

Baumgartenumfasst seine Knie: So helf Euch Gott, wie Ihr Euch mein erbarmet –

Werni: Es geht ums Leben, sei barmherzig, Fährmann.

Kuoni: s’ist ein Hausvater, und hat Weib und Kinder!

Wiederholte Donnerschläge.

Ruodi: Was? Ich hab auch ein Leben zu verlieren, Hab Weib und Kind daheim, wie er – Seht hin Wie’s brandet, wie es wogt und Wirbel zieht, Und alle Wasser aufrührt in der Tiefe. – Ich wollte gern den Biedermann erretten, Doch es ist rein unmöglich, ihr seht selbst.

Baumgartennoch auf den Knien: So muss ich fallen in des Feindes Hand, Das nahe Rettungsufer im Gesichte! – Dort liegt’s! Ich kann’s erreichen mit den Augen Hinüberdringen kann der Stimme Schall, Da ist der Kahn, der mich hinübertrüge, Und muss hier liegen, hülflos, und verzagen!

Kuoni: Seht wer da kommt!

Werni: Es ist der Tell aus Bürglen!

Tellmit der Armbrust.

Tell: Wer ist der Mann, der hier um Hülfe fleht?

Kuoni: ‘s ist ein Alzeller Mann, er hat sein Ehr Verteidigt, und den Wolfenschiess erschlagen, Des Königs Burgvogt, der auf Rossberg sass – Des Landvogts Reiter sind ihm auf den Fersen. Er fleht den Schiffer um die Ueberfahrt, Der fürcht’t sich vor dem Sturm und will nicht fahren.

Ruodi: Da ist der Tell, er führt das Ruder auch, Der soll mir’s zeugen, ob die Fahrt zu wagen.

Tell: Wo’s not tut, Fährmann, lässt sich alles wagen.

Heftige Donnerschläge, der See rauscht auf.

Ruodi: Ich soll mich in den Höllenrachen stürzen? Das täte keiner, der bei Sinnen ist.

Tell: Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt, Vertrau’ auf Gott und rette den Bedrängten.

Ruodi: Vom sicheren Port lässt sich’s gemächlich raten, Da ist der Kahn und dort der See! Versucht’s!

Tell: Der See kann sich, der Landvogt nicht erbarmen, Versuch es Fährmann!

HirtenundJäger: Rett ihn! Rett ihn! Rett ihn!

Ruodi: Und wär’s mein Bruder und mein leiblich Kind, Es kann nicht sein, s’ist heut Simons und Judä, Da rast der See und will sein Opfer haben.

Tell: Mit eitler Rede wird hier nichts geschafft, Die Stunde dringt, dem Mann muss Hülfe werden. Sprich, Fährmann, willst du fahren?

Ruodi: Nein, nicht ich!

Tell: In Gottes Namen denn! Gib her den Kahn, Ich will’s mit meiner schwachen Kraft versuchen.

Kuoni: Ha, wackrer Tell!

Werni: Das gleicht dem Waidgesellen!

Baumgarten: Mein Retter seid Ihr und mein Engel, Tell!

Tell: Wohl aus des Vogts Gewalt errett ich Euch, Aus Sturmesnöten muss ein andrer helfen. Doch besser ist’s, Ihr fallt in Gottes Hand, Als in der Menschen! Zu dem Hirten: Landsmann, tröstet Ihr Mein Weib, wenn mir was Menschliches begegnet, Ich hab getan, was ich nicht lassen konnte.

Er springt in den Kahn.

Kuonizum Fischer: Ihr seid ein Meister Steuermann. Was sich Der Tell getraut, das konntet Ihr nicht wagen?

Ruodi: Wohl bessre Männer tun’s dem Tell nicht nach, Es gibt nicht zwei, wie der ist, im Gebirge.

Werniist auf den Fels gestiegen: Er stösst schon ab. Gott helf dir, braver Schwimmer! Sieh, wie das Schifflein auf den Wellen schwankt!

Kuoniam Ufer: Die Flut geht drüber weg – Ich seh’s nicht mehr. Doch halt, da ist es wieder! Kräftiglich Arbeitet sich der Wackre durch die Brandung.

Seppi: Des Landvogts Reiter kommen angesprengt.

Kuoni: Weiss Gott, sie sind’s! das war Hülf in der Not.

Ein Trupp Landenbergischer Reiter.

Erster Reiter: Den Mörder gebt heraus, den ihr verborgen.

Zweiter: Des Wegs kam er, umsonst verhehlt ihr ihn.

KuoniundRuodi:

Zweite Szene

Inhaltsverzeichnis

Zu Steinen in Schwyz. Eine Linde vor des Stauffachers Hause an der Landstrasse, nächst der Brücke.

Werner Stauffacher, Pfeiffer von Luzernkommen im Gespräch.

Pfeiffer: Ja, ja Herr Stauffacher, wie ich Euch sagte. Schwör nicht zu Östreich, wenn Ihr’s könnt vermeiden. Haltet fest am Reich und wacker wie bisher, Gott schirme Euch bei Eurer alten Freiheit!

Drückt ihm herzlich die Hand und will gehen.

Stauffacher: Bleibt doch, bis meine Wirtin kommt – Ihr seid Mein Gast zu Schwyz, ich in Luzern der Eure.

Pfeiffer: Viel Dank! Muss heute Gersau noch erreichen. – Was ihr auch Schweres mögt zu leiden haben Von eurer Vögte Geiz und Übermut, Tragt’s in Geduld! Es kann sich ändern, schnell, Ein andrer Kaiser kann ans Reich gelangen.Seid Ihr erst Österreichs, seid ihr’s auf immer.

Er geht ab. Stauffacher setzt sich kummervoll auf eine Bank unter der Linde. So findet ihnGertrud, seine Frau, die sich neben ihn stellt, und ihn eine Zeitlang schweigend betrachtet.

Gertrud: So ernst, mein Freund? Ich kenne dich nicht mehr. Schon viele Tage seh ich’s schweigend an, Wie finstrer Trübsinn deine Stirne furcht. Auf deinem Herzen drückt ein still Gebresten, Vertrau es mir, ich bin dein treues Weib, Und meine Hälfte fordr ich deines Grams.

Stauffacher reicht ihr die Hand und schweigt.

Was kann dein Herz beklemmen, sag es mir. Gesegnet ist dein Fleiss, dein Glücksstand blüht, Voll sind die Scheunen, und der Rinder Scharen, Der glatten Pferde wohlgenährte Zucht Ist von den Bergen glücklich heimgebracht Zur Winterung in den bequemen Ställen. – Da steht dein Haus, reich, wie ein Edelsitz von schönem Stammholz ist es neu gezimmert Und nach dem Richtmass ordentlich gefügt Von vielen Fenstern glänzt es wohnlich, hell, Mit bunten Wappenschildern ist’s bemalt, Und weisen Sprüchen, die der Wandersmann Verweilend liest und ihren Sinn bewundert.

Stauffacher: Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, Doch ach – es wankt der Grund, auf den wir bauten.

Gertrud: Mein Werner sage, wie verstehst du das?

Stauffacher: Vor dieser Linde sass ich jüngst wie heut, Das schön Vollbrachte freudig überdenkend, Da kam daher von Küssnacht, seiner Burg, Der Vogt mit seinen Reisigen geritten. Vor diesem Hause hielt er wundernd an, Doch ich erhub mich schnell, und unterwürfig Wie sich’s gebührt, trat ich dem Herrn entgegen, Der uns des Kaisers richterliche Macht Vorstellt im Lande. »Wessen ist dies Haus?« Fragt’ er bösmeinend, denn er wusst es wohl. Doch schnell besonnen ich entgegn ihm so: Dies Haus, Herr Vogt, ist meines Herrn des Kaisers, Und Eures und mein Lehen – da versetzt er: »Ich bin Regent im Land an Kaisers Statt, Und will nicht, dass der Bauer Häuser baue Auf seine eigne Hand, und also frei Hinleb, als ob er Herr wär in dem Lande, Ich werd mich unterstehn, euch das zu wehren.« Dies sagend ritt er trutziglich von dannen, Ich aber blieb mit kummervoller Seele, Das Wort bedenkend, das der Böse sprach.

Gertrud: Mein lieber Herr und Ehewirt! Magst du Ein redlich Wort von deinem Weib vernehmen? Des edlen Ibergs Tochter rühm ich mich, Des vielerfahrnen Manns. Wir Schwestern sassen, Die Wolle spinnend, in den langen Nächten, Wenn bei dem Vater sich des Volkes Häupter Versammelten, die Pergamente lasen Der alten Kaiser, und des Landes Wohl Bedachten in vernünftigem Gespräch. Aufmerkend hört ich da manch kluges Wort, Was der Verständ’ge denkt, der Gute wünscht, Und still im Herzen hab ich mir’s bewahrt. So höre denn und acht auf meine Rede, Denn was dich presste, sieh das wusst ich längst. – Dir grollt der Landvogt, möcht gern dir schaden, Denn du bist ihm ein Hindernis, dass sich Der Schwyzer nicht dem neuen Fürstenhaus Will unterwerfen, sondern treu und fest Beim Reich beharren, wie die würdigen Altvordern es gehalten und getan. – Ist’s nicht so Werner? Sag es, wenn ich lüge!

Stauffacher: So ist’s, das ist des Gesslers Groll auf mich.

Gertrud: Er ist dir neidisch, weil du glücklich wohnst, Ein freier Mann auf deinem eignen Erb – Denn er hat keins. Vom Kaiser selbst und Reich Trägst du dies Haus zu Lehn, du darfst es zeigen, So gut der Reichsfürst seine Länder zeigt, Denn über dir erkennst du keinen Herrn Als nur den Höchsten in der Christenheit – Er ist ein jüngrer Sohn nur seines Hauses, Nichts nennt er sein als seinen Rittermantel, Drum sieht er jedes Biedermannes Glück Mit scheelen Augen gift’ger Missgunst an, Dir hat er längst den Untergang geschworen – Noch stehst du unversehrt – Willst du erwarten, Bis er die böse Lust an die gebüsst? Der kluge Mann baut vor.

Stauffacher: Was ist zu tun?

Gertrudtritt näher: So höre meinen Rat! Du weisst, wie hier Zu Schwyz sich alle Redlichen beklagen Ob dieses Landvogts Geiz und Wüterei. So zweifle nicht, dass sie dort drüben auch In Unterwalden und im Urner Land Des Dranges müd sind und des harten Jochs – Denn wie der Gessler hier, so schafft es frech Der Landenberger drüben überm See – Es kommt kein Fischerkahn zu uns herüber, Der nicht ein neues Unheil und Gewalt- Beginnen von den Vögten uns verkündet. Drum tät es gut, dass eurer etliche, Die’s redlich meinen, still zu Rate gingen, Wie man des Drucks sich möcht erledigen. So acht ich wohl, Gott würd euch nicht verlassen, Und der gerechten Sache gnädig sein –