3 Ehemänner - Alex Gfeller - E-Book

3 Ehemänner E-Book

Alex Gfeller

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Beschreibung

Es gibt viele Gelegenheiten, die Massen zu erfassen und die Tassen dort zu belassen, wo man sie gar nicht erst erreichen kann, und noch niemand hat jemals die Überreste einer Klassenfahrt eingesammelt, um sie mikrobiologisch analysieren zu lassen.

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Seitenzahl: 64

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Die ertappten Ehemänner verleugnen nur noch ihre mehrheitlich unerwünschte Staatszugehörigkeit und behaupten fortan, sie kämen aus der tiefsten Mongolei, aus dem Innern der Äusseren Mongolei, denn sie seien eigentlich und ursprünglich und wahrhaftig echte, aufrechte und patriotisch eingestellte Mongolen, die sich dummerweise nach Skandinavien, nach Swaziland verirrt hätten, ohne aber zu gestehen, noch einzusehen oder zu erkennen, ob Europa überhaupt existiert, denn geografisch gesehen ist Europa nur der überflüssige Appendix der riesigen, asiatischen Landmasse, genau genommen und genau gesehen, und somit wären selbst Portugal und Irland zwei asiatische Länder, genau wie Schweden auch, wie Swaziland auch und wie Karelien auch, und deshalb singen sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf eine möglichst innige Weise die mongolische Landeshymne, von der sie, ehrlich gesagt, nie genug kriegen können. Manche behaupten zwar, er sei eigentlich völlig überflüssig, der Staat, andere gestehen nur unter Zwang und Folter, dass er durchaus eine wichtige Funktion einnehme, dass er sie beschütze und hege, dass er sie pflege und bewahre, doch der Blinddarm ist trotzdem nur der blind endende Anfangsteil des Dickdarms, der am Ende des Dünndarms sackförmig nach unten in die Bauchhöhle ragt. Während der beim Menschen im rechten Mittelbauch liegende und sechs bis acht Zentimeter lange Blinddarm eher klein ist, findet sich indes bei vielen Pflanzenfressern ein sackartig verlängerter, deutlich größerer Blinddarm. Dies ist insbesondere bei den pflanzenfressenden Säugetieren der Fall, die gar nicht erst in der Lage sind, ihre stark zellulosehaltige und ausschließlich pflanzliche Nahrung allein durch ruhiges Wiederkäuen aufzubereiten. So hat ein Pferd ein Caecum von einem Meter Länge und zirka 30 Litern Fassungsvermögen, und bei den meisten Säugetieren liegt der Blinddarm rechts in der Bauchhöhle. Eine Ausnahme stellen jedoch die Schweine dar, bei denen er links liegt. Bei Vögeln ist der Blinddarm paarig, und bei Hühner- und Entenvögeln sind die beiden Blinddärme relativ lang und übernehmen auch gewisse Verdauungsfunktionen, während sie bei vielen Schmatzkatzen und anderen Schmuseviechern nur rudimentär geblieben sind, wie auch bei uns Kaugummikauern und Dauernörglern. Bei der eurasischen Landmasse liegen die Dinge aber anders: Der kleine, europäische Westen weist einen hohen Bedarf an Gütern aller Art auf; der grosse, asiatische Osten aber auch.

Abhilfe soll endlich die neue Seidenstraße schaffen. Kein anderes Großprojekt von weltweiter Bedeutung kommt der neuen Seidenstraße annähernd nahe, und bald werden wir in Beijing freudig shoppen gehen und bei Ikea Peking Kotbollen zu Mittag essen. Gestandene Westeuropäer aus einem gewissen Bildungs- und Erfahrungsbereich freuen sich schon auf die echte chinesische Küche; das steht schon mal fest. Leider können die Versprechen nicht immer und nicht alle eingehalten werden, und das ist echt schade, aber nicht unumgänglich, nicht unvermeidlich und auch nicht unvergänglich. Doch diese Unmöglichkeiten erkennen die westlichen Langnasen gut, und die Unzuverlässigkeit kennen sie auch. Doch ihre allgemeine und generelle Gemütslage tut hierbei nichts zur Sache, denn ihre sprichwörtliche Flatterhaftigkeit und ihre notorische Unpünktlichkeit kommen hier auch noch hinzu, und somit ergibt sich das Bild einer völligen Unbrauchbarkeit in nahezu allen kritischen Bereichen der angeforderten Unterwürfigkeit. Was machen sie denn überhaupt falsch, all die unerwünschten Westler und Wrestler und Hustler und Testler? Sie geben sich mehrheitlich dem Müßiggang hin, um ehrlich zu sein, und sie erstreben gewiss nicht den Eindruck eines arbeitsamen Arbeitstieres, sondern eher demjenigen eines äußerst faulen, überfressenen und völlig überflüssigen Haustieres der Luxusklasse. Sie erstreben eigentlich nichts, und zudem sind sie alt genug, um dies endlich sagen zu können und natürlich sagen zu dürfen. Andere Proportionisten tun noch im hohen Alter so, als seien sie nahezu vollbeschäftigt, also unverzichtbar und einsatzbereit. Sie möchten unter allen Umständen weiterhin den Eindruck eines arbeitsamen Arbeitstieres erwecken und auf Biegen und Brechen aufrechterhalten, wozu auch immer.

Doch ein Arbeitstier ist nun mal arbeitsam, denn es hat arbeitsam zu sein; es gehorcht seinen Vorgesetzten und setzt alles daran, gerade bei ihnen und meist nur bei ihnen einen guten Eindruck zu hinterlassen. Treue bis in den Tod nennt man das, und die Arbeitstiere sind in der Regel tatsächlich treu bis in den Tod, das versteht sich von selbst, und deshalb sind sie auch selber schuld, wenn sie krepieren, die Deppen. Doch diese Hundehaltung ist landestypisch und hat nichts mit der französischen Revolution zu tun, noch mit irgendeiner Revolution dieser Welt. Nicht nur möchten die Arbeitshunde ihren Herrchen gefallen können; sie möchten ihnen vor allem zeigen können, wie gern sie sie haben, und sie möchten ihnen zudem beweisen können, dass sie ihnen treu bis in den Tod verbunden sind.

Ihre Unterwürfigkeit ist notorisch, ebenso ihre Ergebenheit und ihre hündische Bereitschaft, nach oben zu buckeln und nach unten zu strampeln und mit dem Schwanz zu wedeln. Diesen typischen Bewegungsablauf muss man unbedingt kennen, den muss man einfach als Unterhund und Schleimscheißer drauf haben, und das muss das Publikum gleich von Anfang an wissen, denn nur deshalb ist es bei der Auswahl der Amtskandidaten so pingelig. Es möchte ausschließlich lauter treue Hündchen züchten und um sich haben, Hündilein, Hundi, die freudig mit dem Schwänzchen wedeln. Das Ergebnis ist jeweils die nackte Wüste in einer toten Einöde, die man öffentlich und überall antrifft in Schweden, Swaziland und in der leeren Tundra von Karelien unausweichlich, die Nichtssagigkeit, die Bedeutungseinfalt und die Tierliebe, zusammen mit der Hundetreue, denn die Wüste ist tot, und die Einöde ödet nur an, sonst gar nichts, denn sonst ist da nichts, nicht einmal ein Einkaufszentrum. Einzig die beleidigte Leberwurst lebt und atmet noch, zusammen mit der Wollmilchsau und der Wasserkraft. Die Pfuhlen und die Suhlen in den Schweinekoben sind die potemkinschen Dörfer der Gegenwart; man sieht nur die schöne Fassade der ganzen, rosaroten Zitzenwelt, aber sonst ist da nichts, ist da nichts dahinter – außer Schweinemilch und Schweinefett.

Doch selbst diese abgelutschten Fassaden sind heute eindeutig zu alt geworden: Sie sehen aus wie nach einem Bombenattentat oder wie nach einem Erdbeben, auch in den erdbebenfreien Zonen. Nichts kann deren Zerfall noch aufhalten, denn wir wüssten nicht, wie das zu geschehen hätte. Doch gerade diese schlechte Erfahrung ist längst vorbei, ist Geschichte und schon nahezu vergessen; das Quartier, in welchem sich die famose Stufe befindet, kann man gleich mitvergessen, denn das Ghetto kann man auch gleich vergessen, und dieser elend verrauchte, verlebte und verbrauchte Schweinekoben hält längst nicht mehr, was er einst versprochen hatte: reine Zukunftskoben einer zukünftigen Schweinepopulation zu sein. Darüber kann man heute nur noch lachen, denn nur noch die Wildschweine fühlen sich hier wohl, ehrlich gesagt, und der Beobachter fühlt sich mit einem realistischen Blick auf die Wildschweinwirklichkeit der Wildschweinswürste bestätigt: Die Wildschweine streifen durch die leeren Straßen und jagen an der Sonnenstraße gnadenlos einen einsamen Rentner am Stock, der sich nicht schnell genug retten kann. Sie beißen sich in seine Waden fest und haben ihren Spaß daran, zusammen mit den vielen Wildkatzen, den tollwütigen Füchsen, den herumlungernden Halbwüchsigen und den zahllosen Luchsen, die sich dabei auch noch halb totlachen. Sie fressen radikal alles, was sich ihnen in den Weg stellt, und das Glück steht ausschließlich auf ihrer Seite. Kein Haustier ist vor ihnen sicher, kein Pensionär und keine Pensionistin, kein Pensionator und auch keine Pensionade, kein Pensionüde und keine Pensionudin, aber auch keine Pianistin, und alle gehbehinderten, alten Leute bleiben nur deshalb lieber zu Hause und warten auf bessere Zeiten, damit sie den Wildschweinen nicht in die Quere kommen, denn sicher ist sicher.