8 Babylon - Alex Gfeller - E-Book

8 Babylon E-Book

Alex Gfeller

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Beschreibung

In regelmäßigen Abständen zwicken sie sich in die Arme oder in die Beine, um sich selber zu versichern, dass sie noch leben, denn sie möchten nicht in aller Öffentlichkeit auf dem Gartenmäuerchen für immer eingeschlafen sein und bleiben.

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Seitenzahl: 64

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Textbeginn

Die 9 Akte der Suite

Impressum

Einzig Babylon liegt uns noch am Herzen, am breiten Fluss von Babylon gelegen, on the River of Babylon, an einer der wichtigsten Lebensadern der damaligen Welt, wo wir uns einst hingesetzt haben, erklären Koni Dick und Toni Dünn, genannt Dick und Dünn. Doch Babylon gibt es längst nicht mehr, denn schon Herodot hat damals beschlossen, dass es Babylon gar nicht mehr geben soll, indem er es einfach nie mehr erwähnte, nie mehr beschrieb und nie mehr am Fernsehen zeigte, und damit hatte es sich, denn damit war Babylon, die einst größte und wichtigste Stadt der Welt, erledigt. Ein ganzes Zeitalter wurde einfach im medialen Klo hinuntergespült, und schwupps! war es weg! Ein glänzendes Zeitalter, ein blendendes Zeitalter voller Verblendungen und Erglänzungen, nota bene, ein blühendes Zeitalter voller Veränderungen und Ergänzungen, das des Weiteren die Welt komplett umgekrempelt hatte, war somit verschwunden! Endgültig! Auf Nimmerwiedersehn! Allein durch konsequente Nichterwähnung im mesopotamischen Reiseführer! Was für ein unerhörter Affront im Abendrot! Was für eine Anmaßung im Morgengrauen! Denken Sie nur an die Keil schrift! Die Einführung der Buchhaltung! Der Anfang der Literatur! Nur noch ein paar lächerliche, rötliche Sandhaufen sind davon übrig geblieben, und daran können all die Resopaldiagnostiker und Personalapologeten, aber auch all die Rotbrüstchen, die Rotkehlchen und die Rotschwänzchen, aber auch die Herrenkrächzer, die Rattenschwänzchen und die Tigerenten erahnen und erwahnen, was immer sie wollen. Der russische Komponist Chinzgi-Rinzgotlet hat allein darüber die weltberühmte Oper «Wurstsalat mit Ziegenkäse» komponiert, und all die geneigten Zuschauer können dabei zusehen, wie es auch allen andern aufgeregten Zukunftsforschern ergehen wird: Sie werden alle als kleine, wertlose Sandhaufen mitten in der Wüste enden, und das ist alles. Ist das nicht skurril? Ist das nicht putzig? Ist das nicht lebertranig? Somit bleiben den Herrenschneidern nur noch die Kragen und Reißverschlüsse und damit die allerletzten Schnipsel der kognitiven Geometrie übrig: Der allerhöchste Ansatz an Absatzmöglichkeiten besteht nur noch auf dem Papier, denn vom Papier kommt alles, und zum Papier geht alles hin, und alles wird allein durch das Nachdenken darüber nur zu Papier, weil Papier geduldig ist, weil sowieso alles aus Papier ist und weil der tonnengewaltige Nonplusultrakomponist aus Sakristanien bei Kastanien nur noch fades Bier trinkt. Bier ist Papier, und William Shakesbier aus Stratford-on-Avon ist und bleibt ewig und unsterblich, möge da kommen, was da wolle, zusammen mit seinem Freund Gottlieb Wendehals Molière. So sieht es aus. Gewisse Kreise aus der Papierbranche möchten allerdings mit den Mächten der Nächte überhaupt nicht mehr in Verbindung gebracht werden, doch das tut heute nichts mehr zur Sache, denn einzig die Dichte der medialen Erwähnung zählt noch etwas Weniges. Aber die Öffentlichkeit merkt sich, immer zusammen mit der Affentlichkeit und der Waffentlichkeit, die Anzahl der namentlichen Erwähnungen in den Massenmedien genau; jede einzelne Erwähnung und Ermahnung wird sorgfältig registriert und katalogisiert und numeriert und positioniert, und sei sie noch so nebensächlich. Einzig die Anzahl und vor allem die Dichte der Erwähnungen und Ermahnungen, der Erzählungen und Erwählungen, lösen noch Befremdungen und Erhellungen aus, doch das entscheidet heute noch über Sieg oder Niederlage der Ostgoten und der Westgoten über die Zentraltoten und die Postboten. So weit haben wir es gebracht. Der gotische Knoten ist gelüftet, der Knöterich ist zerschlagen, der Wüterich hat abgespeckt und die Kurden können endlich erleichtert aufatmen; niemand wird sie noch jemals belästigen und bedrohen, und niemand wird ihnen noch jemals die Sahnefüllungen von den Kuchenböden klauen; das kann ihnen fortan versichert sein, weil sich die Zeiten wieder einmal geändert haben, wie wir alle inzwischen gemerkt haben sollten. Gewisse Rücksichten müssen aber immerzu berücksichtigt werden, sonst fallen die Türfallen ins Schloss und die Gerichte ins Gewicht und geben den Bienenvölkern keine Hinweise mehr betr. Flugdichte, Flugabwehrmaßnahmen, Flughunde und Flugwetter. Das wollen die Bienenbevollmächtigten auf keinen Fall mehr durchgehen lassen; zu sehr sind die untergeordneten Bienenvölker damit beschäftigt, die Ankündigungen der übergeordneten Bienenvölker zu bevollmächtigen, zu unterschlagen und zu betreffen. Diese ziemlich kostbaren Bevollmächtigungen der bevollmächtigten Bevollmächtigern bedeuten aber nicht, dass die Ge wehrsalven der Exekutionskommandos hinter den Stadtmauern überhört werden können; zu sehr sind die leckeren Crèmeschnitten damit beschäftigt, ihre Überzuckerungen in den Griff zu kriegen. Sie pumpen sich Tonnen von Insulin, Globulin und Terpentin in die Gedärme und glauben fest, dass sich dadurch sogar der Reinheitsgrad von Goldplättchen in den Zahnplomben übertreffen lässt. Dabei verstehen sie nicht einmal, dass nur die richtigen, also die echten Glaubensbekenntnisse in dieser Frage dem Volksganzen noch weiterhelfen können, weil auch – die Kamikazepiloten1 müssen es leider zerknirscht zugeben – ausgerechnet die Regenbogenforellen auf der ganzen Linie versagt haben. Durch gezielte Umschulung ließe sich vielleicht nachträglich noch etwas bewirken, aber niemand weiß etwas über die Nebenwirkungen der oszillierenden Tauchröhren. Auf Anfrage bestätigen indes die vollzeitbeschäftigten und triebhaften Triebwagenschaffner und die eh schon massiv untervertretenen Schwellenanwärter, zusammen mit den Weichenstellern und den Meerrettichrasplern, dass zwischen den gewagten Aussagen der Wortverdreher und den getroffenen Maßnahmen der Wortgläubigen kein wirklicher Zusammenhang, noch ein wesentlicher Unterschied besteht. Zu viele Ärzte verderben den Kranken den Brei; das wissen auch die Köche und die Störche, die Rochen und die vereinzelten Kerzendochte in Australien. Nur wenige Urlauber sind lebend wieder zurückgekehrt; die meisten sind einfach im Urlaub geblieben, sind dort verendet oder verelendet und haben dort verständlicherweise beschlossen, nie mehr zurückzukehren. So viel zur unverbrüchlich und unüberbrückbaren Heimatbindung. Auf zwei Radikalversionen kommen immer mindestens dreizehn Widersprüche, und auf vier Departemente kommen immer gut und gern fünfzehn leere Appartemente voller leerer Versprechungen. Diese unverrückbare Metapher ist, so verrückt sie auch klingen mag, eindeutig flämisch, denn weil die Flamen immer zwischen den Beinen der Damen kramen, haben ausgerechnet die läppischen Schamanen und die Karawanen von Anstandsdamen den Flamencos immer viel zu viel zu verzeihen und Platz einzureihen. Dieses eindeutige Axiom bezeichnet nicht nur die relative Gewogenheit der Wallonen; sie spie gelt auch den Verlauf der Fressorgien rund um den Kölner Dom und in Ausnahmefällen im Dom selber, der seinerzeit als einziger Bau stehengeblieben ist, völlig verrusst und verkohlt zwar, aber immerhin noch auf den Beinen. Die Ausgangslage ist somit klar: Eine detektivische Vorsorge bewirkt noch lange keine inkriminatorische Euphorie, und wer heute noch im Ernst annimmt, die akribisch belegte Unverwertbarkeit der Statutenänderungen sei praktisch abendfüllend, sieht sich sofort getäuscht. Nur die Verwerfungslosigkeit der offensichtlichen Widersprüchlichkeit allein bestätigt dem Spitzenreiter den Übergang von Kurzvisiten zu Langzeitverfahren, zumal auch die Bergstürze in Goldau allmählich zu überborden drohen, rein bildlich gesprochen. Und wenn es der Ornithologe genau nimmt, dann nimmt er allerdings an, dass diese praktisch konstant rollenden Überroller der himmlischen Engelschöre nur die Vorboten von noch größeren und gewaltigeren Umschlagsmonstern seien, und männiglich stellt sich fortan darauf ein, die längst bereitgestellten portugiesischen Fliesen zu legen, indem die Fluten geflutet werden und zudem die kaukasischen Sendboten gebeten werden, doch bitte die anderen Boten nicht zu schälen oder anderswie zu quälen, zum Beispiel nicht nur die bereits erwähnten Postboten und die Westgoten, sondern einfach auch die Normannen ausreichend zu entmannen und somit zu zähmen, zu zählen und kurz danach zu vermählen, denn auch kurzzeitige Qualen können die Lage nur noch verschlimmern, auch wenn die wenigen noch übriggebliebenen Bootswerften den Lockerungen äußerst skeptisch entgegensehen und den unvorhersehbaren Verwerfungen des Schiffsbaumarktes durchaus kritisch gegenüberstehen. Keine Macht der Welt könnte diese Aggressionen noch dämpfen oder gar erfolgreich bekämpfen; es handelt sich hierbei um eine geologisch-tektonische Übermacht, die bislang allerdings nur in Tasmanien festgestellt worden ist. Das tasmanische Schnabeltier jedenfalls ist vorgewarnt; es zeigt mit dem Finger eindeutig auf Humphrey Bogart, der in seinem Hut angeblich eine kleine Nuklearbombe versteckt hält, nur um die Welt zu erschrecken und zu erpressen, doch niemand ahnt das wahre Ausmaß, und niemand kennt den wahren Lochfraß, denn die ganze moderne, also miniaturisierte Nukleartechnologie steckte in