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Eine Frau, die sich ins Leben stürzt, ohne Rücksicht auf eigene Schrammen – und das Erlebte in ihre Verse fließen lässt: Ich schreibe mir alles von der Seele und bete, dass ich den Ausstieg nicht verfehle. Rhythmus und Klang der Texte sind hypnotisch – und einige könnten in jedem Poetry-Slam brillieren: Ich kann das Gefühl nicht abstellen, nonchalant reiten auf den Wellen, (…) einfach die coole Ale markieren und mich nicht vergaloppieren. Wenn es mich eiskalt erwischt, bin ich, wenn er denn fischt, dem Köder heillos ausgeliefert. Einem Wildpferd gleich, das entsetzt wiehert, weil man es eingefangen hat, windet man sich, hatte es doch satt und sieht sich Zucker essend all die Vorsätze vergessend wieder dort, wo man einst war: schluchzend beim Keeper an der Bar ...
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Seitenzahl: 56
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
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© 2023 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99130-266-7
ISBN e-book: 978-3-99130-267-4
Lektorat: Falk-Michael Elbers
Umschlagabbildung: MarinaPravnikArtist
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
Innenabbildungen: Marcin Piwowarski, Alejandra Maria Falcone
www.novumverlag.com
Widmung
Für meine Kinder
ANSICHTEN EINER GÖRE
Das Hintertürchen
Viel habe ich schon als Göre
in einem Stimmengewirr der Chöre
vom berühmten Hintertürchen
reden hören.
Und ich könnte schwören,
dass ich keines sah.
Ich ging sogar ganz nah
an der Hauswand entlang –
es war Neugierde, kein Zwang –
und suchte diese berühmte Öffnung.
Aber nichts, keine Schöpfung
dieser Art.
Es wäre smart,
dachte ich bei mir,
hätte ich gar vier.
Doch nicht mal eine Hintertüre,
die mich irgendwohin führe,
zum Beispiel zum Schlaraffenland,
war jemals hinter dieser Wand.
Nun schaut gern selber nach –
seid ihr schon wach? –,
ob ihr so was euer Eigen nennt
oder gar jemanden kennt,
der regelmäßig dort hinausspaziert,
etwas Bestimmtes anvisiert
und sich köstlich amüsiert.
Ich aber bleibe meiner einen Türe treu,
deren tägliche Nutzung ich nicht scheu.
ZWISCHEN HIMMELREICH UND WILDNIS
Danke
Am frühen Morgen und am Tag ist alles gut.
Vor der Nacht bin ich jedoch auf der Hut.
Brauche keine Stoffe, noch nicht mal Wein.
Ich lenke die Gedanken, wasche sie rein.
Und wenn sie dann einbricht, die Dämmerung,
beruhige ich mein Herz mit folgender Segnung:
Herr, ich danke dir, dass du mir vertraust,
dass du dein Feld der Liebe auf mich baust.
Hier wachsen deine Früchte in allen Farben.
Herr, heile auch meine frischen Narben.
Lass mein inneres Licht niemals ausgehen.
Lass mich bereit sein und nicht am Glücksrad drehen.
Du gabst mir das Leben ja nicht ohne Grund
und malst die Welt für mich bunt.
Auch wenn sie manchmal grau erscheint,
ist es nur für kurze Zeit, dann sind Herz und Seele wieder vereint …
Wo zum Geier …?
„Wo zum Geier ist Loßburg, dieses Kaff?“,
haben die Kommilitonen mich damals gefragt
als Frischling an der Uni, unter Studierenden hochbetagt,
mit nem feuchten Händedruck, so schlaff.
Und auch später, als Reporterin vielerorten,
wo die Stadt nicht schläft und vibriert,
wo das Leben (scheinbar) pulsiert,
erwiderten sie mein Lächeln mit diesen Worten.
In Berlin, Venedig, Rom und Paris,
auch in Hamburg, London und Prag
immer dieser Blick – ja, frag mich doch, frag!
Und ich sagte ihnen dies:
Loßburg, das ist meine Zuflucht, mein Zuhause.
Und wenn mich auch das Fernweh packt,
ich weiß, wohin ich gehöre, hier stehe ich in Kontakt,
denn hier macht der liebe Herrgott eine Pause
von all dem ungeheuerlichen Trubel auf der Welt,
von Materiellem, von Oberflächlichkeit,
von Gangstertum und Eitelkeit.
Und ganz im Vertrauen: Für München reichte ihm nicht das Geld!
Staatenlos glücklich
Wenn ich eines gelernt hab im Leben,
dann ist’s, nichts auf die Flagge zu geben.
Was auf einem meiner Papiere steht,
definiert nicht, wohin meine Reise geht,
Italien, Argentinien oder Deutschland.
Ich sehe darin gar keinen Vorwand,
mich größer, kleiner oder anders zu fühlen.
Ich bewahr lieber einen klaren Kopf, nen kühlen.
Nach hitzigen Debatten in der Vergangenheit
oder der leidigen Frage nach der Zugehörigkeit
geb ich heute einen feuchten Kehricht
auf die staatlich angeordnete Pflicht,
sich patriotisch zu zeigen.
Das ist nur was für die Feigen,
wie schon Schopenhauer schrieb
(als philosophischer Seitenhieb):
Wer sonst auf nichts stolz sein kann
– der arme Wicht, kein Mann! –,
der greift rückwärtsgewandt zum Nationalstolz.
Selbst Pinocchio war schlauer – und er war aus Holz!
Ich bin, wer ich bin – sang einst Gloria Gaynor.
Und auch ein mir wohlbekannter Senior
bestätigte mir: „Du bist nicht entwurzelt,
sondern frei!“
Und wenn hier einer die Stirn runzelt – das ist mir einerlei!
Ich danke Gott, dass ich genug Verstand besitze,
um zu erkennen, dass es purer Zufall ist, dass ich hier sitze!
Beirut – Teil I
Oh, Beirut! Du wunderbare Stadt,
die so unterschiedliche Gesichter hat.
Hier findet das wahre Leben statt.
Du vereinst in dir Ruine und Glanz,
arabische Tradition und modernen Tanz,
französische Kultur und dekadenten Popanz.
Ich gestehe, ich sah dich erst mit Argwohn.
Aber der unerschrockenen Abenteuerin Lohn
ist wie die Liebe einer Mutter für ihren Sohn,
und er wird dich vermissen, wenn er geht,
aber er muss, weil’s in seinem Buche steht.
Doch während Vergangenes davonweht,
bleibst du in unseren Herzen.
Zünde für dich tausend Kerzen
und eine für ihn, den Heiler aller Schmerzen.
Der Mensch
Die Arroganz der Menschen geht so weit,
dass sie glauben, alles zu beherrschen.
Kein intelligentes Wesen weit und breit
ergötzt sich eigentlich an Gewaltmärschen.
Sind zu Gräueltaten bereit
nur die Stupiden (deren Zahl beachtlich wächst), nehmen sich zu wichtig.
Ihre Existenz ist jedoch nichtig,
solange sie nicht verstehen
und endlich aufhören mit dem Vergehen,
endlich mit dem Morden aufhören
und die Natur nicht stören.
Denn wo immer der Mensch seine Griffel hat,
findet unglaubliches Barbarentum statt.
Die Erde kommt ohne Mensch gut aus.
Auch die Katze, der Hund, die Maus,
sie feiern ausgelassen ein rauschendes Fest
und singen: Der Mensch – schlimmer als Cholera und Pest.
Beirut – encore une fois
Gegensätze schmelzen in dir
wie das Wachs an Heiligabend,
Sternensinger vor der Tür.
Ein Firmament, den Halbmond tragend,
die Menschen grüßen „Bonjour“.
Sie lächeln trotz der Narben.
Ein Mensch, der hierherfuhr,
vergisst niemals deine Farben.
Beirut und deine Kinder,
Gibran, Fairouz und Sadeeh,
und der Geist der Erfinder,
Abschied nehmen tut zwar weh,
aber wir sehen uns wieder.
Ich kenne den Weg, der mich zu dir führt
– zu Hause singe ich deine Lieder …
Eine Melodie, die uns eint und tief berührt
Pendel
Wir sind lebende Pendel,
hin- und herschwingend
bis zum letzten Atemzug.
Dann steht das Pendel still.
Erfreuen uns an Lavendel,
erwachen fröhlich singend,
verabscheuen Lug und Trug,
nicht nur weil’s Gott so will.
Mal hören wir Bach, dann lieber Händel,
argumentieren laut, um Worte ringend,
überhören den Schuss vor dem Bug
und kämpfen wie in KILL BILL.
Freiheitsliebend schenken wir einander Bändel
als Leine, einander bindend,
ernten wir des anderen Saat mit dem Pflug
und hetzen – das ist des Menschen Drill.
Dabei ist das Leben doch eine Wendel:
Hin und her müssen wir nicht zwingend,
doch eher aufwärts mit dem Aufzug.
Ob es jemals einer kapieren will?
Syrien
Der Duft des Jasmins umschmeichelt meine Nase.
Diese Liebe, das ist nicht nur eine Phase,
nicht das Strohfeuer einer tentativen Nacht.
Es ist die tiefe Verbundenheit, die einmal erwacht,
mich nicht mehr loslässt, sich entzieht dem Vergleich.
Das sind besondere Gefühle, einer Offenbarung gleich.
Ich atme deine Luft und schmecke deine Früchte,
das unsagbare Leid, das in mir schmerzt,