April Morgan
Blind Date 1
Gefangen zwischen Traum und Realität
Dieses Buch hat Elemente von Psychothriller, Entführung, Horror, düstere Romanze. Einige Etappen sind nur schwer zu ertragen.
Für Menschen, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind, könnte es eventuell belastend sein.
Die Geschichte wird von beiden Seiten erzählt, von Opfer und Täter.
Ich habe versucht, trotz der teilweisen starken Zeitsprünge, die wandelnde Gedankenwelt darzustellen und hoffe, mir ist das verständlich gelungen.
Trigger Warnung!
In diesem Buch werden sexuelle Gewalt, Missbrauch, Misshandlungen explizit beschrieben.
Alle Orte, Charaktere und Handlungen sind frei erfunden, dennoch empfehle ich das Buch nicht, wenn man sich mit einem dieser Themen nicht wohlfühlt.
Vielen Dank, dass du dich getraut hast, mein Buch zu holen.
Wenn du dir ein Bild von den Charakteren machen möchtest, findest du sie am Ende.
Viel Spaß beim Lesen.
In Liebe
April
Prolog
Manchmal kommt mir der Gedanke, ob ich vielleicht meinen Wunsch nach Freiheit aufgegeben habe. Ob ich zu wenig kämpfe. Aber dann denke ich über mein Leben nach und über all meine Gefängnisse, in denen ich bisher gelebt habe. Vielleicht bin ich dazu geboren, eine Gefangene zu sein? Gefangen in einer schlechten Kindheit, mit betrunkenen Eltern, die mich vernachlässigen. Gefangen in den ersten Jahren auf eigenen Füßen zu stehen und kaum über die Runden zu kommen. Gefangen in einer lieblosen Beziehung, in der ich nie gut genug war. Gefangen in den Gedanken, dass sich irgendwann alles ändert. Ich glaube, es wäre auf die eine oder andere Art das nächste Gefängnis gekommen und wer weiß, vielleicht wäre es sogar noch schlimmer geworden als das jetzige. Also höre ich auf zu kämpfen und nehme mein Schicksal an. Der Gedanke, endlich nicht mehr kämpfen zu müssen, beruhigt mich und nimmt mir eine enorme Last ab, die ich bereits ein Leben lang mit mir getragen habe und die ich nicht weitertragen will.
Heute
Catherine
Nervös zupfe ich an meinen Ärmel und blicke mich um, noch niemanden zu sehen, der auf die Beschreibung von Damon passt. Also bestelle ich mir einen weiteren Rotwein. Er wird meine Nerven beruhigen und dafür sorgen, dass ich mich nicht noch still und heimlich vor seinem Eintreffen aus dem Staub mache.
Nun sitze ich schon eine halbe Stunde hier in der Bar. Mein Kopf läuft Amok. Es war eine furchtbare Idee, sich auf ein Blind-Date einzulassen.
Du bist viel zu alt dafür, er wird dich grauenvoll finden, vielleicht taucht ein Verrückter hier auf, flüstern mir die gemeinen Stimmen in meinen Kopf zu.
Obwohl wir bereits eine ganze Weile miteinander schreiben, ist es bisher zu keinen Treffen gekommen. Na ja, solange schreiben wir auch bislang nicht, um genau zu sein seit 4 Wochen. Ich halte normal nichts von Internet-Dating und online verabredeten Sex-Treffen. Mehr oder weniger habe ich mich immer über andere Leute lustig gemacht, weil es so verzweifelt wirkt. Irgendetwas an ihm, wie er schreibt, meine dunkelsten Fantasien nach Außen kehrt, macht mich jedoch schwach und zieht mich absolut in den Bann. Ich kann es nicht in Worte fassen, nur die Gedanken an ihn lassen meine Wangen erröten und mein Herz flattern. Normal sollte ich aus diesem Alter raus sein. Zu schwärmen wie ein junges Mädchen, aber durch ihn entdecke ich Seiten in mir, von denen ich bisher nichts geahnt habe; er macht dieses Gefühl, mehr zu wollen. Außerdem habe ich mir nach den letzten Jahren ein wenig Spaß in meinem Leben verdient. Die Angst, von ihm versetzt zu werden, nimmt stetig zu. Vielleicht hat er mich in dieser Ecke sitzen sehen und mich für nicht gut genug befunden. Ein Gefühl der Enttäuschung macht sich breit.
Ich sehe auf meinem Handy, 20:52 Uhr steht auf dem Bildschirm. Selbstverständlich bin ich wie gewohnt viel zu früh und verdrehe die Augen, weil ich von mir selbst genervt bin. Wir sind erst um 21:00 Uhr verabredet. Aufgrund meiner Nervosität zu Hause habe ich mich bereits fünfmal umgezogen und war beinahe so weit, ihm abzusagen. Um mich etwas zu beruhigen, habe ich mich entschieden, früher als vereinbart in die Bar zu gehen. Wieso ich ausgerechnet diese Bar ausgewählt habe, kann ich mir auch nicht mehr erklären. Vielleicht, weil eine U-Bahn-Station direkt davor ist und ich mich bislang nicht so gut in der Stadt auskenne. Sie ist dunkel, hier sind viele Menschen, es spielt Musik aus den 80er-Jahren, ein Lied von Depeache Mode dröhnt gerade aus den Boxen. Eventuell war das der Grund für meine Wahl. Denn ich liebe die Songs aus dieser Zeit sehr.
Das Ambiente ist eher rustikal, viele Leuchtschilder an den Wänden, rote Hocker und kleine Loungebänke. Es ist nicht direkt heruntergekommen, aber trotzdem sieht man, dass die Bar ihre besten Zeiten bereits hinter sich hat. Zumindest sind die Preise gut und wenn alles so läuft, wie ich es mir vorstelle, werden wir hier eh nur auf einen Sprung sein.
Die Gäste sind jünger als ich. Es wirkt ein wenig wie auf einer Studentenparty. Alle scheinen mitten in ihren 20er zu stecken. Top gestylte junge Frauen, die hier etwas fehl am Platz wirken, sehr legere oder schmierige Typen, die darauf hoffen, eines der jungen betrunkenen Dinger mit nach Hause zu nehmen.
Das mit dem Beruhigen hat übrigens nicht geklappt, jetzt kann ich nur in Minutentakt auf meine Uhr starren und mich ganz wunderbar in meine Aufregung hineinsteigern. Pro Tipp für das nächste Mal suche eine bessere Bar aus und komme nicht viel zu früh.
Ich schaue in meinen kleinen silbernen antiken Taschenspiegel, den ich vor kurzen auf einem Trödelmarkt ergattern konnte; er hat eine schöne florale Verzierung und wie diese Bar die besten Zeiten hinter sich, dennoch liebe ich ihn, da ich Dinge mit einer Geschichte und Narben der Zeit mag. Kritisch überprüfe ich noch einmal mein Make-up, dunkel geschminkte Augen im Smokey-Eye Style. Sie geben mir etwas verruchtes und bringen meine hellgrauen Augen schön zur Geltung.
Helles Puder, aber nicht weiß wie eine Porzellanpuppe, dunkelroter Lippenstift, der meinen Look abrundet. Meine dunklen schulterlangen gewellten Haare trage ich offen, sie sind zu einer Art Long Bob geschnitten und rahmen mein Gesicht vorteilhaft ein.
Auch mein Outfit überprüfe ich noch mal. Ein weinroten Rollkragenpullover aus weicher Wolle, der fast bis zu meinen Knien geht. Vielleicht nicht super sexy, aber es ist kalt draußen und da ich mit der U-Bahn unterwegs bin auch funktional. Dazu eine schwarze Hotpants, die jedoch von meinem Kleid ähnlichen Oberteil komplett verdeckt wird. Eine leicht durchsichtige dunkle Strumpfhose. Schwarze Doc Martens und anthrazitfarbene Overknees Wollstulpen. Alles in allem bin ich zufrieden mit der Wahl meines Make-ups und Outfits.
Mein Ex-Freund war oft genervt, dass ich nur dunkle Kleidung trage und auch keine sonderlich große Lust auf schicke Designerklamotten hatte, die er für mich bevorzugt hätte.
Aber das kann mir nun zum Glück egal sein, denn er ist aus meinem Leben verschwunden und ich kann einfach wieder ich sein.
So in Gedanken bemerke ich nicht, dass sich ein Mann nähert. Erst als er direkt vor meinem Tisch steht, blicke ich auf und mir stockt der Atem.
Auch wenn ich noch nie ein Foto gesehen habe, weiß ich sofort, wer da vor mir steht. Bisher habe ich mich nicht getraut, ihm ein Bild von mir mit meinem Gesicht zu schicken und wollte auch keins von ihm. Das liegt nicht daran, dass mein Gesicht so furchtbar ist oder ich zu wenig Selbstbewusstsein habe, sondern die Angst war zu groß, dass ich in letzter Sekunde einen Rückzieher mache und das Date nicht durchziehen kann.
Man stelle sich vor, ich gebe so viel von mir preis, sage dann aber doch ab und wir treffen uns dann zufällig irgendwo auf der Straße und erkennen uns.
Er weiß direkt, wer ich bin oder mir steigt die Schamesröte ins Gesicht, weil ich ihn erkenne. Dann doch lieber die Anonymität des Netzes nutzen; irgendeinen Vorteil muss man ja aus der rein digitalen Ära mitnehmen.
Ich blicke in seine bräunlichen Augen, die stark ins Gelb gehen. Sie lodern förmlich in der Dunkelheit, solch eine Farbe habe ich noch nie gesehen.
Können Augen wirklich gelb sein, frage ich mich unweigerlich, kann mir die Frage jedoch nicht beantworten; ich werde das noch mal genauer recherchieren.
Ich könnte mich darin verlieren, jedes Farbpartikel zu studieren. Als mir bewusst wird, dass ich ihn einfach nur anstarre. Also stehe ich schnell auf und halte ihm meine Hand entgegen. Wenn man genau hinsieht, sieht man mein Zittern und ich hoffe, dass meine Hände nicht nass vom Schweiß sind.
Er mustert mich von oben bis unten, wodurch ich mir trotz meiner Kleidung schutzlos und nackt vorkomme. Meine Wangen glühen regelrecht.
Seine Gesichtszüge werden weicher und er lächelt mich an, mit einem unglaublichen raubtierartigen Lächeln, was mich ein Stück zurückweichen lässt, aber dennoch komplett gefangen nimmt.
„Hallo Catherine, ich freue mich sehr, dich endlich persönlich kennenzulernen.“
Seine Stimme ist so tief und rau, dass sich innerlich alles zusammenzieht. Er legt seinen knielangen dunklen Wollmantel ab; was mir erlaubt, ihn ausgiebig zu mustern. Er ist groß, bestimmt 1,90 m. Muskulös gebaut, aber auch nicht übertrieben durchtrainiert, das gefällt mir persönlich bei Männern absolut gar nicht.
Sein markantes Gesicht wird von einem dunklen Bartschatten geziert. Das Haar ist schwarz und zurück gegelt, nicht auf die schmierige Art und Weise, sondern lässig und dennoch irgendwie elegant.
Mich überkommt das Bedürfnis, hineinzugreifen, aber das mache ich selbstverständlich nicht.
Auch er trägt dunkle Kleidung, ein schwarzes Hemd, oben sind die Knöpfe auf, die Ärmel ein kleines Stück hochgekrempelt. Eine schwarze Jeans, dunkelbrauner Gürtel und dunkle Schuhe, wie man sie zu einem Anzug tragen würde.
Ich muss mich erneut daran erinnern, zu atmen.
Dieser Mann sieht so unfassbar gut aus, beinahe schon perfekt, und das verunsichert mich nur noch mehr.
Ich komme mir vor wie ein unbeholfener Teenager und weiß nicht, wie ich mich verhalten soll.
Auch den jungen Dingern in der Bar ist er schon aufgefallen; man sieht ihre gierigen Blicke; es würde mich nicht wundern, wenn sie gleich mit offenem Mund sabbernd dastehen. Fast schon zum Fremdschämen.
Dann besinne ich mich. Ich bin kein Deut besser als diese jungen Frauen; auch mir läuft gleich noch der Speichel aus dem Mund, wenn ich nicht aufpasse.
Ein kleines Gefühl von Arroganz und Selbstgefälligkeit steigt in mir auf, denn dieser Mann ist heute Abend mit mir hier und scheint auch nur Augen für mich zu haben.
Er nimmt meine Hand, ich schrecke fast zurück:
„Tschh Kätzchen, alles ist gut. Wir wollen uns nur kennenlernen, du musst nichts machen, was du nicht willst.“
Seine beruhigenden Worte erzielen den gewünschten Effekt, und ein wenig Anspannung löst sich. Nun könnte man es albern finden, dass er mich Kätzchen nennt, aber das liegt an meinem unüberlegten Namen in Chat „Cath“, ich weiß, sehr einfallslos. Aber wie zuvor erwähnt, ich habe keinerlei Erfahrung mit Online-Dating. Schnell hatte er aus Cath dann Cat und dann eben Kätzchen gemacht.
Was ich davon halten soll, weiß ich zwar nicht, aber dieser atemberaubende Mann kann mich gerade so nennen, wie er will.
Ich ziehe die Luft scharf ein. Nehme noch einen Schluck von meinem Rotwein, auch wenn ich weiß, dass es besser wäre, nüchtern zu bleiben. Der Alkohol erfüllt seinen Dienst und meine Unruhe nimmt immer mehr ab.
Er setzt sich mir gegenüber, bestellt sich auch einen Wein. Wir kommen ins Gespräch, führen Small Talk, reden über Hobbys, das Wetter und vieles mehr. Aber zum Reden sind wir eigentlich nicht hier.
Natürlich ist ihm auch die interessante Wahl der Bar aufgefallen, als er sich skeptisch umgesehen und mich mit einer humorvollen Art aufgezogen hat; die Musik gefällt ihm, stimmte er mir zu, sodass wir beiden dennoch etwas Positives aus der Location ziehen können.
Langsam fühle ich mich immer wohler bei ihm und bin bereit, dass der Abend weitergeht.
Ich gehe kurz auf die Toilette, mache mich frisch und schaue mich im Spiegel an. Zuversichtlich erwidere ich meinen eigenen Blick, spreche mir selbst Mut zu, dass es völlig in Ordnung ist, heute mit diesem fremden, überaus attraktiven und interessanten Mann die Nacht zu verbringen und ziehe meinen Lippenstift noch einmal nach. Auch wenn ich schon vor einiger Zeit das Rauchen aufgegeben habe, überkommt mich gerade das starke Bedürfnis nach einer Zigarette. Aber diese schlechte Angewohnheit fange ich gar nicht erst wieder an, sonst bringt mich das noch ins Grab.
Ich schüttle den Kopf über meine abschweifenden Gedanken, drehe mich um und gehe zurück zu der kleinen Nische, in der wir sitzen. Bevor ich da ankomme, setzte ich mein hoffentlich verführerischstes Lächeln auf, sehe ihn nervös an und sage etwas zitterig.
„Ich denke, ich bin so weit, auch wenn es wirklich nett ist, mit dir hier zu sitzen und zu plaudern, aber wir hatten den Abend noch etwas anderes geplant, solltest du keine Einwände haben?“.
Ich nehme direkt ein Funkeln in seinen Augen wahr und er setzt dieses Lächeln auf, wie man das nur bei einem Jäger kennt, der kurz davor ist, seine Beute zu schlagen. Mein Herz schlägt höher. Er löst in mir das Gefühl aus, davon rennen zu wollen, aber das gehört vermutlich nur zu seinem Spiel, seiner dominanten Art oder meiner Unerfahrenheit beim Daten.
Mit einem Zug trinke ich meinen letzten Schluck Wein aus, der mir gerade überhaupt nicht mehr schmeckt und fast schon bitter ist.
Wahrscheinlich die Aufregung, denke ich mir. Er steht auf, legt etwas Bargeld auf den Tisch, um die Getränke für uns beide zu bezahlen; danach zieht er sich seinen Mantel an und hält mir meinen entgegen, damit ich hineinschlüpfen kann.
Damon verhält sich wie ein wahrer Gentleman, wodurch sich mein Unbehagen über die ganze Situation löst. Er legt seine Hand auf meinen unteren Rücken, allein diese Berührung bringt mich schon beinahe um den Verstand.
Eifersüchtige Blicke treffen mich von den anderen Frauen. Sanft schiebt er mich durch die Menge Richtung Ausgang.
Draußen angekommen erschlägt mich beinahe die Kälte, die Dunkelheit umhüllt uns, nur die schwache Beleuchtung der Geschäfte spendet uns Licht.
Es sind nicht viele Menschen unterwegs, dafür ist es einfach zu kalt, die meisten werden sich irgendwo drinnen aufhalten. Für November ist es bereits sehr frostig, außerdem ist heute ein leichter Wind und Nieselregen, so wie man sich eben einen ekligen Novembertag vorstellt.
Ich schaue zu ihm rauf, möchte ihm den Weg zeigen, da wir uns geeinigt hatten, zu mir zu gehen; dann könnte ich ihn nämlich jederzeit noch hinausschmeißen, wenn er mir unheimlich wird oder im Notfall schreien, sodass die Nachbarn es mitbekommen.
Er zeigt jedoch in die andere Richtung: „Mein Auto steht dort, ich möchte es nur ungern hier stehen lassen“.
Über dieses Angebot muss ich nicht lange nachdenken. In Anbetracht der Nasskälte hält sich meine Begeisterung, auf die U-Bahn zu warten, ohnehin in Grenzen.
Mir wird ein wenig schwindelig. Der Rotwein scheint mir zu Kopf zu steigen. Dazu die ungünstige Kombination von der heißen, eher stickigen Bar direkt raus in die kühle Luft zu gehen; was mir direkt auf meinen Kreislauf schlägt.
Schnell erreichen wir sein Auto, das ganz in der Nähe steht, worüber ich erleichtert bin, die Feuchtigkeit zieht bereits durch meine Kleidung und ich zittere.
Ein schwarzer Mercedes, ein SUV oder vielleicht doch ein Geländewagen?
Gut kenne ich mich nicht mit Autos aus, aber er passt irgendwie zu ihm.
Er hält mir die Tür auf und ich gleite auf den Beifahrersitz; das weiche helle Leder schmiegt sich direkt an mich. Bestimmt hat dieses Auto eine Sitzheizung, ich werde ihn gleich fragen, ein kleiner Luxus, den ich an neueren Fahrzeugen schätze.
Meine Gliedmaßen fühlen sich schwer an und ich mich immer benommener und müder. Im Augenwinkel sehe ich, wie er auf der Fahrerseite einsteigt und das Auto startet.
Irgendetwas wollte ich ihn fragen, mir fällt es aber nicht mehr ein.
Meine Augen werden schwer und die Gedanken vernebeln sich immer mehr; nichts scheine ich mehr richtig greifen zu können. Ich lalle los:
„Heeyww, ich klaaaube ichhh bin beetruunkän und auch schiemlich müde“
Er schaut mich an und ich höre, wie er mich beruhigt: „Schlaf, Kätzchen, es wird alles gut. Du musst dich nun ausruhen, damit du genug Kraft für dein neues Zuhause und deine neuen Aufgaben hast.“
Ich bin verwirrt. Versteh nicht, wovon er redet. Welches neue Zuhause? Ich bin doch gerade erst in meiner neuen Wohnung eingezogen…. Oder etwa nicht? Ich verstehe nicht, was er meint. Aber momentan ist mir das auch egal. Ich will mich einfach ein wenig ausruhen. Die Gedanken verschwimmen weiter und dann wird es dunkel........
Damon
Endlich schläft sie. Es war schwierig, solange die freundliche Fassade aufrechtzuerhalten, obwohl ich nur ein Ziel hatte, sie schnellstmöglich aus diesem Drecksloch an Bar in meinem Auto zu verfrachten.
Am liebsten hätte ich sie mir sofort gepackt und über die Schulter geschmissen, anstatt die Zeit mit Small Talk zu verschwenden; so wie sie mich angegafft hat, hätte ihr das vermutlich auch noch gefallen. Aber das hätte zu viel Aufmerksamkeit auf uns gezogen. Während ich fahre, greife ich in Ihren Mantel, suche Ihr Smartphone und schmeiße es aus dem Fenster.
Sie wird das nicht mehr benötigen und ich muss meine Spuren gut verwischen.
Ich sehe sie an; wie sie dort sitzt, schlafend und völlig weggetreten.
Am liebsten würde ich sofort über sie herfallen, aber es macht keinen Spaß, wenn sie es nicht mitbekommt. Wobei ich glaube, wenn sie es mitbekommt, wird es ihr auch keinen Spaß machen.
Mir dafür aber umso mehr.
Ich muss schmunzeln. Sie ist nahezu perfekt mit ihrer naiven, kindlichen Art. Allgemein ist sie eine eher unscheinbare Person, hübsch, aber auch nicht überdurchschnittlich attraktiv.
Wie sie errötet ist, nur bei dem Anblick von mir. Ich werde sie noch mit ganz anderen Sachen zum Erröten bringen.
Ganz verschüchtert saß sie in der Bar.
Sie sagt bereits, dass sie bislang nicht viel Erfahrung hat, aber es scheint mir so, als wenn dies für sie das erste Treffen dieser Art war.
Wie ein kleines Lamm, das nicht weiß, dass es gleich zur Schlachtbank geführt wird. Wir haben schon ein paar Wochen gechattet. Ich hatte schon beinahe die Hoffnung aufgegeben, dass sie zu einem Treffen bereit ist; nicht mal Fotos von unserem Gesicht wollte sie austauschen.
Wenn das heute ein Reinfall geworden wäre, hätte ich mich freundlich verabschiedet und mir eine neue für meine Pläne gesucht, aber ihr Gesicht und sie sind sehr ansprechend.
Im Chat habe ich das eine oder andere Mal etwas oberflächlich durchblicken lassen, worauf ich stehe.
Sie war ganz angetan, von dem Gedanken gefesselt zu werden und mir hilflos ausgeliefert zu sein, dass ich ihr den Hintern versohle und etwas Macht demonstriere.
Ob sie immer noch so begeistert davon sein wird, wenn sie angekettet in meinem Keller aufwachen wird?
Ich muss noch mehr grinsen. Allein der Gedanke daran; wie sie hilflos und verwirrt in meinem Keller aufwacht, voller Panik, verschafft mir schon eine Mords-Latte.
Aber ich muss jetzt bei klarem Verstand bleiben. Ich habe noch einen weiten Weg vor mir, denn ich suche mir sicher niemanden für mein Spiel, der direkt aus der Nachbarschaft kommt.
Zuerst war ich mir nicht sicher, ob ich es durchziehen kann, sie einfach zu entführen; denn das mache ich auch nicht jedes Wochenende und das ist einer der Sachen, wo ich noch keine Erfahrung mit habe. Dann sah ich sie und sie war perfekt dafür, wie ein reifer Pfirsich, der gepflückt werden wollte.
Ich habe gemerkt, dass sie mich auch will und als sie auf der Toilette verschwunden ist, habe ich meine Chance gewittert, ihr die K.-o.-Tropfen in den Wein zu schütten. Angst überkam mich, dass sie etwas merken könnte; man soll sie zwar nicht stark schmecken können, aber das Getränk könnte leicht bitter werden und offen gesagt, hatte ich keine Lust, das selbst erst auszutesten.
Ob Ihr niemand beigebracht hat, auf sein Getränk aufzupassen oder nicht zu fremden Männern in das Auto zu steigen?
Klar hätte sie noch sagen können, dass sie den Abend doch abbrechen oder noch länger dort in der Bar sitzen will, aber dann hätte ich mir etwas einfallen lassen.
Das war jedoch gar nicht nötig.
Mein Kätzchen war schon scharf auf mich und wollte mich unbedingt zu sich nach Hause mitnehmen.
Ihr Fehler. Ihre erste Intuition zurückzuweichen war schon richtig.
Sie hätte so weit weglaufen sollen, wie es nur geht, aber dafür ist es nun zu spät. Jetzt gehört sie mir und ich werde sie nie wieder hergeben……
Catherine
Aus einem traumlosen Schlaf wache ich langsam auf.
Es ist kalt. Vielleicht habe ich vergessen, das Fenster zu schließen, immerhin haben wir mitten im November.
Mein Schädel dröhnt höllisch. Ich schaffe es kaum, einen klaren Gedanken zu fassen und kann das Chaos in meinen Kopf nicht ordnen. Mein Mund fühlt sich pelzig an.
Wie viel habe ich denn gestern bloß getrunken? Was ist überhaupt passiert?
Ich war in dieser komischen 80er-Jahre Studentenbar, Damon kam.
Mein Bauch flattert in Erinnerung an diesen attraktiven, makellosen Mann.
Aber was ist dann passiert? Sind wir zu mir?
Es ist typisch für mich. Da lerne ich den heißesten Typen aller Zeiten kennen und ich betrinke mich bis zur Bewusstlosigkeit. Vermutlich ist er schon über alle Berge. Ich benötige dringend einen Schluck Wasser und muss dieses verdammte Fenster schließen, bevor ich noch erfriere.
Als ich es endlich schaffe, die Augen zu öffnen, sehe ich nichts, nur Dunkelheit.
Ist es noch Nacht? Mein Zeitgefühl ist komplett hinüber.
Ich bewege mich ein wenig, Übelkeit setzt direkt ein, dann merke ich jedoch noch etwas Verstörendes, etwas Kaltes, Schweres an meinem Fußgelenk.
Verwirrt greife ich danach. Fühle eine Kette und einen metallenen Ring um den Knöchel.
Panik steigt in mir auf. Ist gestern doch noch etwas gelaufen? Ich will neben das Bett greifen, dort, wo mein Nachtschrank mit dem Handy und der kleinen grünen Vintage-Lampe stehen sollte. Aber da ist kein Nachtschrank oder eine Lampe, sondern der kalte raue Boden.
Leise sage ich zu mir: „Bloß keine Panik, vielleicht sind wir ja doch zu ihm gefahren.“
Fesselspiele waren vereinbart, vielleicht bin ich betrunken ins Koma gefallen und er ist weggegangen, um auf der Couch zu schlafen, denn hier ist er nicht, ich kann keinen anderen Menschen in diesem dunklen Raum ausmachen.“
Mein Herzschlag beschleunigt sich, meine Atmung wird schneller und ich merke erst jetzt, dass ich keine Kleidung mehr trage.
Sofort fange ich an zu zittern, vor Kälte und Angst. Was ist nur passiert? Wieso erinnere ich mich an nichts?
Ich bin unsicher, was ich machen sollte. Soll ich nach ihm rufen oder einfach abwarten und versuchen, nicht auszuflippen?
Die Kopfschmerzen gehen ins Unerträgliche. Ich würde gerade für eine Aspirin morden, um meine Gedanken besser sortieren zu können.
Erneut taste ich hoffnungsvoll um mich. Suche nach einem Lichtschalter oder etwas anderem, was mir jetzt helfen könnte. Direkt zu meiner Linken ist die Wand, auch die fühlt sich kalt und rau an. Kein Lichtschalter. Das Ding, auf dem ich liege, hat das Wort Bett nicht verdient. Eine Matratze, die auf dem Boden liegt, wie man es eher aus einer Junkie-Bude kennt. Ich taste abermals nach der Kette an meinem Fuß und folge ihr mit meinen Händen. Sie ist an einem massiven Ring in der Wand befestigt und die Kette ist recht kurz. Ich werde kaum weiterkommen als da, wo die Matratze liegt. Was mache ich nur? Wie konnte ich hier hineingeraten? Es bleibt noch ein kleiner Hoffnungsschimmer; dass dies hier zu irgendeinem Spiel gehörte, was Damon und ich gestern gespielt haben.
Tränen sammeln sich in meinen Augen, laufen über meine Wange. Da ich keinen anderen Weg sehe, nehme all meinen Mut zusammen und rufe in die Dunkelheit.
„Damon, bist Du da?“ Nichts... „Bitte komm her und mach mich los, ich habe keine Lust mehr auf dieses beschissene Spiel!
Ich will nach Hause."…… Stille……
Damon
Die Fahrt zurück zu mir hat mich ausgelaugt, da es eine recht weite Strecke ist, auf der ich mich durchgehend im Dunkeln und Nassen konzentrieren musste.
Nur durch meinen hohen Adrenalinspiegel konnte ich die Fahrt ohne Pausen machen. Jede Pause hätte das Risiko mit sich gezogen, gesehen zu werden.
Ich habe mir schon ausgemalt, in eine Polizeikontrolle zu geraten, aber es hat alles geklappt. Keine Beobachter oder geblitzt werden wegen Geschwindigkeitsüberschreitung.
Am liebsten würde ich direkt in mein Bett und schlafen, dafür ist jetzt jedoch nicht der richtige Zeitpunkt. Ich habe das Kätzchen schon in Ihr neues Zuhause gebracht. Die lästige Kleidung habe ich Ihr auch abgenommen.
Ungezogenes kleines Kätzchen, da hatte sie doch unter ihrer Kleidung unverschämt sexy Unterwäsche aus schwarzer Spitze an.
Ich war kurz versucht, ihr diese anzulassen, weil es wirklich heiß aussieht und musste mir größte Mühe geben, meine Finger bei mir zu behalten. Aber komplett nackt, angekettet und mir ausgeliefert, das wird ihr Erwachen noch mehr versüßen. Also habe ich Ihre Unterwäsche mitgenommen.
Ihr Höschen habe ich mir erst einmal in die Tasche gesteckt, das kann man sicher noch gebrauchen.
Falls ihr an dieser Stelle gerne einen Grund von mir hören wollt, warum ich eine Frau entführe, um sie in meinen Keller zu quälen und in Ketten zu legen, dann muss ich euch enttäuschen.
Es gibt keinen Grund. Ich hatte eine tolle Kindheit, liebevolle Eltern und auch sonst kein dramatisches Erlebnis, was das erklären könnte.
Vielleicht hat mich die Langeweile des Daseins einfach dazu getrieben.
Ich mache es einfach, weil ich es will und offensichtlich auch kann.
Der Gedanke, eine Frau für mich alleine zu haben, diese zu benutzen, wann ich will und vor allem wie ich es will, ohne so ein lästiges Safeword, der macht mich schier wahnsinnig.
Ich möchte sie komplett besitzen, sie soll mit jeder Faser, ihres Körpers und Geistes mein sein. Sich mir hingeben, auch wenn alles in Ihr schreit, wegzulaufen.
Ich möchte sie in tausend Stücke zerbrechen und danach die Einzelteile wieder zusammensetzen, zu einem perfekten Ding, was nach meinen Vorstellungen geschaffen ist.
Schon früh habe ich gemerkt, dass ich anders war als die anderen.
Keine Angst, ich habe keine Tiere gequält; daran hatte ich nie sonderliches Interesse. Es war eher sexueller Natur.
Wenn wir TV geschaut haben und eine Frau geohrfeigt, grob angepackt wurde oder Opfer einer grauenvollen Entführung wurde, bei der ihr Unaussprechliches angetan wurde, war ich direkt fasziniert und es hat mich erregt wie nichts anderes.
Während andere Jungs in meiner Klasse sich einen heruntergeholt haben, bei den Gedanken Britney Spears oder Pamela Anderson würde ihren mickrigen Schwanz lutschen, habe ich mir einen heruntergeholt, bei den Gedanken, diese Frauen fast tot zu würgen. In meinen Schrank zu meinen Bedingungen zu sperren und so hart zu ficken, dass sie vermutlich tagelang nicht mehr laufen könnten.
Mir war klar, dass es nicht normal ist.
Am Anfang habe ich mich dafür auch so manches Mal gehasst und überlegt, ob ich mir einen Therapeuten suchen soll.
Immer wieder fragte ich mich, was falsch mit mir ist. Ich wollte sein wie die anderen, aber das ist vorbei! Ich wusste es immer zu verstecken und habe dieses Monster in mir gut hinter dicken Mauern und Schlössern eingesperrt.
Lange habe ich mich mit harmlosen Spielen zufriedengegeben.
Aber jetzt bin ich froh anders zu sein, wenn ich meine ehemaligen Schulkameraden, mit ihren langweiligen Hausfrauen, zwei Kinder und die Handvoll Sex im Jahr sehe, wenn man das so nennen darf.
Wenn sie ihren Schwanz immer in das gleiche Loch stecken können, während ihre Frau gelangweilt unter ihnen liegt und dran denkt, was noch alles im Haushalt zu erledigen ist und er daran denkt, wie es wäre, seiner blutjungen Sekretärin gerade in den Arsch zu ficken.
Nein, danke! Darauf verzichte ich. Dann kann man auch direkt im Zölibat leben. Also habe ich die Tür einen kleinen Spalt geöffnet, immer wieder und mittlerweile ist das Brüllen der Bestie nicht mehr zu überhören.
Aber ich schweife mit meinen Gedanken ab. Wollen wir mal sehen, ob sie langsam wach wird. Ich habe es zu lange vorbereitet, um jetzt das Erwachen von Dornröschen zu verpassen.
Langsam mache ich mich auf den Weg in den Kontrollraum. Unterwegs schenke ich mir noch ein Glas Whiskey ein, der beruhigt meine Nerven und hindert mich, etwas Unüberlegtes zu machen.