4,99 €
Als Levi Phan und Jayson Youngs Blicke sich kreuzten, begann ihre Reise in eine neue Gefühlswelt für dasselbe Geschlecht. Nach langem Hin und Her sind sich die beiden nun einer Sache bewusst: ihrer Liebe füreinander. Beide sehnen sich nach nichts anderem, als die Hand des anderen nicht nur hinter verschlossenen Türen zu halten. Jayson Young wünscht sich nichts mehr, als öffentlich zu seiner Zuneigung für Levi stehen zu können. Alles, was sie tun müssen, ist über ihren Schatten zu springen und ihre Liebe in der Öffentlichkeit zu zeigen. Doch Levi hütet ein Geheimnis, um seine erste Liebe und dessen aufblühende Karriere als Basketballer zu schützen. Nur wird ihre Liebe das verkraften?
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2025
Chestnut EyedCrimson K.
Crimson K.
Chestnut Eyed
MPRESSUMChestnut Eyed Crimson K. © 1. Auflage 2025 Priscille-Tutonda Castlo Alle Rechte vorbehalten. Crimson K. c/o WirFinden.Es Naß und Hellie GbR Kirchgasse 19 65817 Eppstein Beta Reader: Paul Bardele Lektorat & Korrektorat: Florentine Bannat Umschlag, Illustration: Bring Design (www.bringdesign.net) E-Book-Formatierung: Stefanie Scheurich Dieses Buch darf ohne die schriftliche Erlaubnis der Autorin auf keiner Weise (weder auszugsweise noch vollständig) in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen elektronischen oder mechanischen Mitteln, einschließlich Informationsspeicher- und -abrufsystemen vervielfältigt werden. Die Charaktere in dieser Geschichte sind ein Produkt der Fantasie der Autorin. Ähnlichkeiten zu realen Personen, Orten und Ereignissen wurden nicht beabsichtigt.
An meinen besten Fighter,Mein 16-jähriges Ich.Ohne dich wäre ich nicht hier.
explizite Szenen vulgäre Sprache depressive Verstimmung verbale und körperliche Gewalt Homophobie Erwähnung eines Missbrauchs (nicht beschrieben)
Diese Auflistung gewährt keine Vollständigkeit. Altersempfehlung: ab 16 Jahren.
Dieses Buch ist die Fortsetzung meines in 2023 veröffentlichten Debütromans Brown Eyed.
Nach einem dreijährigen Schreibprozess (beide Teile zusammen) und einer erneuten Überarbeitung 2024, schließt Chestnut Eyed die Liebesgeschichte zwischen Jayson Young und Levi Phan ab.
Brown Eyed ist jederzeit über shop.tredition.com auf deutscher und englischer Sprache erhältlich.
Das ist zwar das Ende von Brown Eyed, aber dank deiner Unterstützung nur der Anfang meiner Laufbahn als Autorin.
Vielen Dank.
Woo – BAEKHYUNHow Does It Feel? – FLOPray It Away – ChlöeNicki Hendrix (feat. Future) – Nicki Minaj, FutureWhat About Love – LAYLast Time I Saw You – Nicki MinajLet Me Calm Down – Nicki Minaj, J. ColeDon’t Go – EXOIs It Love – LoreenCold Heart – BAEKHYUNAngel Of My Dreams – JADE舟 (I Got All I Need) – Vinida WengNext 2 U – KehlaniInsomnia – NormaniCinderella – EXOPopcorn – D.O.Somebody – D.O.Run Back To You – LAY, LauvBending My Rules - FLOLOVE ATTACK – RESCENE
Das Lächeln auf meinem Gesicht verschwand nicht. Meine Mundwinkel schmerzten bereits, doch das machte mir nichts aus. Nicht im Geringsten.
Die Glückshormone, die meinen Körper durchströmten, lösten in mir das Bedürfnis aus, den gesamten Planeten umarmen zu wollen. Meine Beine trugen mich von allein zu dem weißfarbigen SUV meiner Eltern. Dabei blendete ich meine Umgebung komplett aus.
All meine Gedanken drehten sich um Levi und das Gefühl seiner Lippen. Das Gefühl, als sie sich berührt hatten und ich sein Gesicht in meinen Händen hielt.
Aus der Ferne hörte ich noch einige Gratulationen von Leuten, die sich noch immer auf dem Gelände befanden. Jedoch reagierte ich auf keine davon.
Alles, woran ich dachte, waren die Lippen, die ich endlich geküsst hatte.
„Da freut sich aber jemand“, grüßte mich Gracie grinsend, als ich neben ihr auf dem Beifahrersitz einstieg. Sie packte ihr Handy in die Hosentasche und griff nach dem Sicherheitsgurt. „Gratuliere zum Sieg“, fügte sie hinzu und startete den Motor, der daraufhin laut aufheulte.
„Ich habe ihn geküsst.“
Vier Worte, die mir leicht über die Lippen kamen. Meine Freude zu verbergen war sinnlos, immerhin wussten meine Eltern von meiner Schwärmerei.
Im Seitenspiegel starrte ich mein Spiegelbild an, welches mein verträumtes Lächeln widerspiegelte. Solch ein Hochgefühl hatte ich zuletzt bei unserer ersten Umarmung, bei der sich unsere Körper so nahe waren und ich meine Freude kaum im Zaum halten konnte. Dennoch war dieses Hochgefühl kein Vergleich mit dem, was ich beim Kuss gespürt hatte. Ich war unglaublich vernarrt in Levi und konnte dies nicht weiter vor ihm verbergen. Nicht nach diesem Tag.
Nicht nach diesem Kuss.
Dann flog mein Oberkörper plötzlich ruckartig nach vorne und wieder zurück.
Erschrocken wirbelte ich zu Gracie, die mich wiederum empört anstarrte.
„Willst du uns umbringen oder warum bremst du?“
„Du hast was?! Einfach so?“, fragte Gracie und fuhr glücklicherweise weiter, ohne einen Unfall zu verursachen. Ich hätte doch lieber selbst fahren sollen.
„Ja, einfach so. Ich konnte nicht anders“, murmelte ich.
Immerhin hatte ich es nicht geplant. Es war einfach passiert. Mein Körper hatte reagiert, bevor mein Gehirn es getan hatte. Ihn dort auf mich warten zu sehen, hatte mir geholfen, über meinen Schatten zu springen und den nächsten Schritt zu wagen.
Etwas, was ich früher hätte machen sollen.
„Und was ist dann passiert?“, fragte sie nach mehr Details.
Details, die nicht existierten.
„Ehm … Ich habe tschüss gesagt und bin gegangen?“, beantwortete ich ihre Frage und wurde von Wort zu Wort leiser. Erst jetzt realisierte ich, wie dumm das gewesen war.
Weg waren die Glücksgefühle.
Ich bin einfach gegangen.
Plötzlich trat Gracie mit voller Kraft erneut auf die Bremse, wodurch ich fast gegen das Armaturenbrett geflogen wäre, wenn der Sicherheitsgurt nicht gewesen wäre.
„Wie, du bist gegangen?“, rief Gracie empört. Hinter uns hupten bereits die anderen Autofahrer.
„Kannst du bitte weiterfahren? Die Ampel ist nicht mal rot!“, flehte ich meine Stiefmutter an.
„Du kannst du doch niemanden küssen und dann verschwinden! Das ist genauso schlimm, wie wenn du ein Mädchen schwängerst und abhaust“, schimpfte sie weiter und beachtete das Gebrüll der anderen Fahrenden nicht.
„Wie kommst du ständig auf die schlimmsten Beispiele? Und was hätte ich sonst machen sollen? Ihm einen Heiratsantrag machen?!“
„Das wäre eine Option gewesen!“, rief sie zurück. Dafür trat sie endlich auf das Gaspedal.
Erleichtert atmete ich aus und lehnte mich zurück. Mit meiner Hand berührte ich mein Haar, das in einer neuen Farbe gehüllt war. Die Idee hatte ich schon damals, als Levi erwähnte, wie gern er mich mit meiner Naturhaarfarbe sehen würde. Da hatte ich beschlossen, dass ich mich bald von dem silber-grauen Chaos auf meinem Kopf verabschieden würde. Vorerst.
Meinen Afro wieder in seine Naturfarbe zurückzuverwandeln, war ein Schritt, den ich sonst nie gewagt hätte. Auch meine Eltern waren verwundert, schließlich war ich mit meiner Naturhaarfarbe ein Ebenbild meines Erzeugers, welches ich verfluchte. All das Färben hatte seine Gründe, die ich für einen Wunsch von Levi sofort über Bord geworfen hatte.
„Ich rufe ihn nachher an“, entschied ich mit klarem Kopf. „Dann hat er Zeit zum Nachdenken.“
Es war sicher nicht verkehrt, mit dem Schlimmsten zu rechnen. Zwar hatte er mich nicht von sich gestoßen, aber das musste nichts heißen. Vielleicht war er in dem Moment zu überwältigt gewesen, um reagieren zu können, und bereute es jetzt, wo er das Geschehene verarbeitet hatte.
„Glaubst du immer noch, dass er dich nicht mag?“
Sie klang gereizt. Immerhin war es nicht das erste Mal, dass wir darüber diskutierten.
„Ich glaube nichts, was ich nicht aus seinem eigenen Mund höre“, erwiderte ich und schloss meine müden Augen.
Ein langer Tag neigte sich dem Ende zu und ich hoffte inständig, dass das echte Ende dieses Tages nicht zum Albtraum werden würde.
Nach dem Abendessen machte ich mich auf den direkten Weg in mein Zimmer, um Levi anzurufen. Mein Magen zog sich bei all den Szenarien, die sich in meinem Kopf abspielten, zusammen.
Genügte ein Anruf? War das nicht zu unpersönlich?
Verzweifelt raufte ich mir das Haar. Ich hätte ihn direkt anrufen sollen, als ich in mein Zimmer gegangen war. Stattdessen war eine Stunde vergangen. Eine Stunde, in der Levi entschieden haben könnte, sich von mir abwenden zu wollen.
Die Zeit verstrich, in der ich weiter Panik schob, anstatt den Anruf zu tätigen. Je länger ich wartete, desto wütender wurde ich auf mich selbst, weil ich uns in diese Situation gebracht hatte. Angst, es versaut zu haben, bevor es je etwas richtiges zwischen uns gab, machte sich in mir breit.
Plötzlich fühlte ich mich nicht mehr so selbstbewusst wie nach meiner spontanen Aktion.
Die Entscheidung wurde mir abgenommen, als das Display meines Handys aufleuchtete. Eingehender Anruf von Levi.
Mein Herz pochte, mein Mund wurde trocken und mein Kopf war auf einmal leer. Mit geschlossenen Augen atmete ich kurz durch, bevor ich den Anruf annahm.
„Ja?“, sprach ich ins Mikrofon und versuchte, mir meine Nervosität nicht anmerken zu lassen.
„Hast du kurz Zeit?“
Seine zarte Stimme ertönte von der anderen Seite, doch er klang bitterernst, wodurch ich stutzig wurde. Gefangen in meiner Unsicherheit befürchtete ich das Schlimmste: Einen Korb zu erhalten.
„Natürlich. Worum geht’s?“
Als wäre dies nicht offensichtlich.
„Ich weiß, es ist spät und du bist bestimmt müde. Aber können wir uns irgendwo treffen? Ich möchte das gerne persönlich besprechen.“
Beunruhigt stand ich von meinem Bett auf und lief ein paar Schritte im Kreis, da ich nicht wusste, wie ich mit dieser inneren Unruhe umgehen sollte.
„Wenn du willst, kannst du gerne vorbeikommen“, erwiderte ich. „Ich schick dir die Adresse.“
„Danke. Bis gleich dann“, flüsterte er und legte anschließend auf.
Kein weiteres Wort. Keine Freude in seiner Stimme.
Mir wurde übel.
Langsam entfernte ich mein Handy von meinem Ohr und starrte auf das dunkle Display. Durch die Spiegelung erkannte ich meinen düsteren Gesichtsausdruck, der das Gegenteil von vor einer Stunde war.
Kraftlos ließ ich mich auf mein Bett fallen. Etwas anderes als zu warten, blieb mir schließlich nicht. Zum ersten Mal war ich verunsichert, ob ich mich auf unser Treffen freute.
Alles begann an diesem einen Samstagabend, als ich sein Gesicht in der Masse des Publikums fand und unsere Blicke sich kreuzten. Das Nachsitzen, welches durch einen Regenschauer glücklicherweise ein schnelles Ende nahm und ich ihn anschließend nach Hause gefahren hatte. Nur, um ihm am selben Abend erneut zu begegnen, als ich in meiner Panik lieber zurück nach Hause gegangen wäre.
All diese Momente hatten für ein Kribbeln im unteren Bereich meiner Magengrube gesorgt. Doch erst als Levi mich zusammengekauert auf dem Fußboden der Toilette vorgefunden und mir ins Gewissen geredet hatte, dass ich nichts für meine Probleme konnte, war es um mich geschehen.
Von da an träumte ich von seinen Augen und wachte mit ihm als ersten Gedanken auf.
Durch das Läuten der Klingel erwachte ich aus meinem Tagtraum und realisierte, dass ich mich der Realität stellen musste. Statt meinen Eltern Bescheid zu geben, dass Levi vorbeikommen würde, hatte ich mich seit dem Telefonat nicht aus dem Bett bewegt und mein Gesicht in ein Kissen vergraben.
Von unten nahm ich Gracies Stimme wahr. Bestimmt öffnete sie Levi die Tür und erklärte ihm den Weg zu meinem Zimmer.
Mir fiel es schwer, mich aufzurappeln. Auf einmal war da diese Angst, ihm gegenüberzutreten.
Schließlich klopfte es zart gegen meine Zimmertür, die das einzige war, das Levi und mich noch voneinander trennte.
„Jayson?“
Ich sprang über meinen eigenen Schatten, richtete mich auf und verließ die Geborgenheit meines Bettes. An der Tür angekommen, drückte ich die Klinke hinunter und stellte mich meinem Schicksal.
Trotz der angespannten Situation überwältigte mich seine atemberaubende Schönheit.
Zwar hatten wir heute den halben Tag miteinander verbracht, aber es hatte sicher niemand von uns damit gerechnet, dass wir uns jetzt nochmal unter diesen Umständen wiedersahen. Nichts hatte sich an seinem Gesicht verändert. Dennoch verlor ich jedes Mal meinen Atem, wenn ich in seinen braunen Augen blickte.
Es wäre so leicht zu vergessen, dass wir ein ernstes Gespräch miteinander führen mussten.
Spielend einfach wünschte ich vortäuschen zu können, dass Levi und ich uns liebten und ich erneut seine Lippen liebevoll berühren dürfte.
Nur durch meine Willenskraft schaffte ich es, ihn nicht in meine Arme zu nehmen, obwohl der Drang danach so wahnsinnig überwältigend war.
Ihn zu umarmen, als seien meine Arme der sicherste Ort der Welt.
„Komm rein“, sagte ich und machte einen Schritt zur Seite. „Ich bin noch nicht dazu gekommen aufzuräumen.“
Levi betrat mein Zimmer und setzte sich auf die Bettkante. Er war das erste Mal hier und einen besseren ersten Eindruck gab es wohl nicht.
Unachtsam griff ich nach allem, was ich schnell genug in meine Finger bekam, und sammelte zumindest ein paar Klamotten vom Boden auf, um diese halbherzig in meinen Schrank zu werfen.
„Bin ja nur ich“, winkte er höflich ab.
Gerade weil es er war, der sich in meinem Zimmer befand, war mir der Zustand peinlich. Die Meinung jeder anderen Person war mir egal. Levis war mir am wichtigsten.
Ich saß ihm gegenüber auf meinem Drehstuhl. Die Arme verschränkt vor meiner Brust.
„So, worüber wolltest du reden?“, eröffnete ich das Gespräch. Ein bitterer Geschmack füllte meinen Mund.
Ich sollte mich für mein Verhalten entschuldigen, doch es brannte mir auf der Seele zu wissen, was er mir zu sagen hatte.
Nervös schaute er mich an, während ich angespannt auf seine Antwort wartete. Entweder wurde die Luft im Raum dünner oder ich bildete mir das ein.
„Über uns. Oder was auch immer das zwischen uns ist“, fing Levi zögerlich an und spielte nervös mit seinen Händen. „Da ist etwas, worüber wir reden müssen. Ed-“
„Ich mag dich“, platzte es aus mir heraus, wodurch ich ihn mitten im Satz unterbrach. Er stockte und riss seine Augen weit auf. Farbe kehrte zurück in seinen Wangen. Insgeheim fand ich es schon von Anfang an niedlich, wenn er wegen mir rot wurde „Ich mag dich sogar sehr, Levi.“
Nun gab es keinen Rückzug. Ich wollte meine Gefühle nicht länger für mich behalten.
Soll doch die gesamte Welt wissen, was ich für den Schwarzhaarigen empfand.
„Aber …“
„Bitte, lass mich ausreden“, unterbrach ich ihn erneut.
Es war an der Zeit, die Wahrheit auszusprechen. Aus Nervosität stand ich vom Stuhl auf und kniete mich vor ihm auf den Boden. Ich nahm seine kalten Hände in meine und hoffte, dass er diese nicht zurückziehen würde.
„Ich trag das schon viel zu lange mit mir herum. Ich war derjenige, der dich gefragt hat, ob wir Freunde werden könnten. Eine Freundschaft war in Wahrheit aber nicht das, was ich mir mit dir erhofft hatte. Ganz am Anfang schon. Irgendwann habe ich realisiert, dass ich mich bloß selbst belog. Mit dir befreundet zu sein, ist das Beste auf der Welt. Ich hätte auch nichts dagegen, nur dein bester Freund zu sein.“ Ich streckte meine Hand aus, um mit meinem Daumen über seine Wange zu streichen. Weder wich er zurück, noch schob er meine Hand weg, was ich als ein gutes Zeichen wahrnahm. „Ich wäre bereit alles für dich zu sein, solange ich dich nicht verliere. Ich möchten nicht, dass wir beide erneut zu Fremden werden. Doch mein Herz wird sich niemals damit zufriedengeben, nur ein Freund für dich zu sein. Wonach ich mich sehne, ist, dein fester Freund zu sein. Dein Partner. Du gingst mir nicht aus dem Kopf, nachdem ich dich das erste Mal gesehen habe. Als ich dich dann näher kennenlernen durfte, fieberte ich danach, irgendwann deine Hand halten, dich umarmen und beschützen zu dürfen. Es hatte lange gedauert, bis ich die ersten Schritte gewagt habe. Erinnerst du dich an das erste Mal, als du dich in der Bibliothek an mich gelehnt hast? Mein Herz ist fast explodiert. Bei unserer ersten Umarmung schwebte ich im siebten Himmel. Wenn du sprichst, kleben meine Augen förmlich an deinen Lippen. Ohne dich hätte ich meinen Problemen nie ins Auge geblickt. Ohne dich würde ich die Tage nur durchleben, ohne sie wirklich zu fühlen. Bin ich etwa verrückt? Das habe ich mich die ganze Zeit über gefragt. Bis mir bewusst wurde, dass ich nicht verrückt bin. Ich bin nur verliebt. In dich, denn ich liebe dich.“
Sobald die Worte meine Lippen verließen, verspürte ich eine enorme Erleichterung. Die Last auf meinen Schultern verschwand augenblicklich.
Ich fühlte mich leichter. Im Frieden mit mir selbst.
Was auch passieren mochte, zumindest konnte ich diese Gedanken endlich laut aussprechen.
„Du tust was?“ Seine Stimme zitterte und seine Augen wurden glasig. Diesen Ausdruck in seinen Augen konnte ich nicht deuten, was dazu beitrug, dass die Angst in mir ihre Nahrung bekam. Seine Augenlider schlossen sich, was dazu führte, dass Tränen seine Wangen hinunter kullerten. Mit meinen Daumen strich ich diese hinfort, da ich es verabscheute, ihn Weinen zu sehen.
„Ich liebe dich, okay? Du musst es nicht erwidern und es tut mir leid, falls dich das anwidert. Aber so fühle ich nun mal und man kann nichts für seine Gefühle. Ich -“
Diesmal war es Levi, der mich unterbrach und meine Hand drückte.
„Warte, Jayson. Denkst du etwa, ich bin hier den Tränen nah, weil du mich anekelst?“
„Warum denn sonst?“, fragte ich verwirrt.
„Weil ich es nicht realisiere, dass du genauso fühlst wie ich“, sprach Levi genau die Worte aus, nach denen ich mich Monatelang gesehnt hatte. „Aber geht das nicht … zu schnell? Wir kennen uns erst seit knapp einem halben Jahr.“
Seine Unsicherheit war durchaus berechtigt. Allerdings erlaubte ich dieser nicht, sein eigenes Glück zu sabotieren.
„Levi, in der Liebe gibt es keine Anweisungen, die man Schritt für Schritt befolgen muss, damit sie funktioniert“, belehrte ich ihn mit einem traurigen Lächeln. „Jeder liebt anders. Manche brauchen Jahre, um den Wert einer anderen Person zu erkennen. Ich aber nicht. Ich weiß bereits jetzt, du bist mir viel zu kostbar, um dich zu verlieren.“
Schweigen hüllte mein Zimmer ein. Keiner von uns sprach mehr ein Wort. Levi ließ meine Worte in sich hineinsinken, während seine Hände zusammengefaltet auf seinem Schoß lagen und er grübelte. Wie sehr ich mir in diesem Moment wünschte, seine Gedanken lesen zu können.
Ich dagegen schaffte es kaum, still zu bleiben. Der Junge meiner Träume empfand ebenfalls was für mich. Dennoch war die Situation unsicher und niemand konnte mir sagen, ob es am Ende dieses Tages ein 'Wir' geben würde.
„Du liebst mich?“, fragte er mich.
Es gab Fragen, die ich ungern beantwortete. Auf manche Fragen existierten schlicht keine Antworten, oder sie waren mir nicht bekannt.
Allerdings musste ich nicht mal eine Sekunde nachdenken, um seine Frage beantworten zu können.
„Und wie sicher bist du dir dabei? Was versichert mir, dass du mich nicht nächste Woche schon verlässt und deine Meinung änderst? Ich habe keine Ahnung, wie sich Liebe anfühlt. Alles, was ich weiß, ist, dass ich dich ebenfalls nicht verlieren möchte.“
Levi mied meinen Blick, indem er seinen Kopf nach unten geneigt hatte. Ich nahm sein Kinn in meine Hand, um seinen Kopf hochzuheben, damit wir uns in die Augen sehen konnten.
„Dann gib uns beiden eine Chance, unsere Gefühle zu erforschen“, wendete ich ein. Ich war noch nicht bereit aufzugeben. „Wir müssen nicht gleich eine überstürzte Beziehung eingehen. So sehr ich dich auch gerne als meinen Freund hätte, ich kann warten. Es ist nicht nur das erste Mal, dass ich so für ein Jungen empfinde. Ich habe solche Gefühle zum ersten Mal in meinem Leben. Deswegen kann und werde ich auf dich warten, Levi. Sei dir aber bewusst, ich werde um dich kämpfen. Ich kann dich zu nichts zwingen, aber gib mir diese eine Chance dir zu zeigen, wie es sich anfühlt, von mir geliebt zu werden.“
In seinen Augen schimmerte etwas, was ich nicht deuten konnte.
„Wie genau meinst du das?“
„Geh mit mir aus. Lass mich all deine Seiten näher kennenlernen und du meine. Schau, ob deine Gefühle zu mir sich ändern. Sieh es als eine Art Beziehung … auf Probe? Keine feste Bindung. Wenn es dir zu schnell geht, lass es mich jederzeit wissen. Ich passe mich deinem Tempo an. Und wenn sich deine Gefühle ändern … wenn du das alles nicht mehr möchtest, beenden wir es sofort.“
Sekunden verstrichen, in denen er nichts von sich gab. Obwohl ich nicht religiös war, betete ich, dass Levi uns eine Chance gab, die er nie bereuen würde.
„Würde es dich stören, wenn andere von uns wüssten?“
Plötzlich war da dieser dunkle Unterton in seiner Stimme.
Verständnislos runzelte ich meine Stirn. Das kam unerwartet. Was hatte die Meinung Fremder damit zu tun, ob wir eine Beziehung eingingen?
„Unser Privatleben hat niemanden außer uns etwas anzugehen. Allerdings würde ich dich ungern als ein Geheimnis behandeln. Menschen haben doch immer etwas zum Meckern. Ja, am Anfang habe ich mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, was die anderen in der Schule denken würden. Nicht zu vergessen das Team. Aber ich will mit niemanden befreundet sein, der mich nicht nimmt, wie ich bin. Selbst wenn alle mir den Rücken zudrehen würden, du bleibst meine erste Wahl. Im schlimmsten Fall verlasse ich das Team. Dann wird Marcus wahrscheinlich Kapitän werden“, antwortete ich schmunzelnd.
„Du liebst Basketball und das ist dein letztes Jahr in der Mannschaft“, erinnerte er mich.
Dies war mir schmerzhaft bewusst. Allein der Gedanke das Team zu verlassen, tat weh, obwohl ich das kommenden Sommer sowieso vorhatte. Es machte aber einen Unterschied gezwungenermaßen auszutreten, weil mein Team nicht damit leben konnte, dass ich einen Jungen liebte. Doch meine Freunde und Eltern brachten mich zur Besinnung. Wer wollte schon von Leuten umgeben sein, die einen nicht akzeptierten? Dieses Leben gehörte mir allein.
„Ich wünschte, ich könnte dasselbe von mir behaupten. Mein Vater würde mich umbringen und das Gerede in der Schule auch“, erklärte er niedergeschlagen. „Im Gegensatz zu dir muss ich diese Leute noch für ein weiteres Jahr aushalten.“
„Was willst du mir damit sagen?“
„Wie sehr würde es dich stören, wenn wir die Sache für uns behalten?“, fragte er zögerlich. „Ich möchte, was auch immer das zwischen uns ist, weiterentwickeln. Allerdings habe ich Angst, Jayson. Ich kann das nicht so, wie du es erwartest.“
Es wäre eine reine Lüge zu behaupten, dass es mich nicht traf. Allerdings war ich tatsächlich selbstsüchtig gewesen und hatte nur an mich gedacht. Nicht, wie sehr es ihn treffen könnte und er keine zwei Elternteile hatte, die ihn bedingungslos unterstützten. Vermutlich verlangte ich zu viel von ihm. Dabei ging es mir darum ihm zu beweisen, wie ernst es mir mit ihm war.
„Dann soll es so sein“, flüsterte ich. „Ich tue alles, damit du dich wohlfühlst. Es ist in Ordnung für mich, wenn ich dein Geheimnis bleibe.“
Allerdings fragte ich mich, für wie lang.
„Ehrlich?“, fragte er hoffnungsvoll.
„Ehrlich. Vor ein paar Stunden hätte ich noch alles dafür gegeben, um zu wissen, ob du mich auch magst. Jetzt, wo ich es weiß, will ich mir die Chance nicht entgehen lassen, mit dir zusammen zu sein. Wenn auch nur auf Probe.“
Schließlich überbrückte ich endlich die Lücke zwischen uns, neigte meinen Kopf zur Seite und schloss langsam die Augen, als meine Lippen seine zärtlich liebkosten.
Levi erwiderte den Kuss, in dem er seine Lippen behutsam gegen meine bewegte und ein Feuerwerk in mir entfachte. Während meine rechte Hand an seiner Wange lag, nahm ich seine Hände auf meinen Schultern wahr, die mich näher an sich zogen. Er lehnte sich immer weiter zurück. Ich folgte seiner Bewegung, bis er rücklings auf meinem Bett lag und beugte mich über ihn, während ich mich mit meinen Armen neben ihm abstützte, um ihn nicht mit meinem Gewicht zu erdrücken. Ohne Unterbrechung küssten wir uns weiter, sinnlicher, vergaßen alles andere und genossen den Moment. Erforschten gemeinsam dieses neue Gefühl. Wie oft ich hiervon geträumt hatte.
Ich liebte ihn und er wusste es nun.
„Daran solltest du dich gewöhnen“, flüsterte ich, als wir uns voneinander lösten und ich ihm paar Strähnen aus der Stirn strich. „Deine Lippen machen nämlich süchtig.“
„Falls das ein Traum ist, will ich bloß nicht aufwachen“, flüsterte er zurück und strich mit seinem Zeigefinger die Konturen meiner Lippen nach.
Augenblicklich bekam ich eine Gänsehaut. Wir waren uns so nahe, wie noch nie zuvor.
„Das ist real. Genau wie meine Gefühle zu dir“, versicherte ich Levi und fiel neben ihm auf die linke Seite des Bettes und zog ihn in eine feste Umarmung. Danach nahm ich seine Hand, um jeden einzelnen seiner Finger zu küssen.
„Bleibst du die Nacht hier?“, fragte ich aufgeregt. Die Uhr auf meinem Nachttisch zeigte, dass bald Mitternacht sein würde. Durch das heutige Spiel war ich körperlich ausgelaugt und konnte es nicht abwarten, schlafen zu gehen. Vor allem mit Levi an meiner Seite.
„Wenn ich darf? Ich müsste aber noch meinem Vater Bescheid geben. Er wird sowieso nichts dagegen haben, wenn ich deinen Namen erwähne“, sagte er und holte bereits sein Handy aus der Hosentasche.
„Natürlich darfst du. Dumme Frage. Morgen früh stelle ich dich dann offiziell meinen Eltern vor.“
„Du meinst Gracie. Mrs. Young ist mir schließlich nicht fremd. Komisch, im Haus meiner Geschichtslehrerin zu sein … und ihren Sohn zu küssen“, sprach er und schnitt eine Grimasse.
„Tut mir leid, aber außerhalb der Schule ist Loren nur noch halb so furchtbar“, scherzte ich. „Aber ich muss dich warnen. Sie schließen sehr wahrscheinlich gerade Wetten ab, ob ich dir nun meine Gefühle gebeichtet habe oder nicht. Manchmal sind die beiden ein Albtraum von Eltern.“
„Deine Eltern wissen, dass du mich … liebst?“
„Natürlich. Es gibt kaum etwas, was ich vor ihnen verheimliche. Außerdem habe ich durch sie den Mut gefasst, zu meinen Gefühlen zu stehen. Übrigens, Levi. Wie machen wir das jetzt genau? Darf ich Marcus und Lacie von uns erzählen? Er würde es dann sowieso May sagen. Es sei denn, ich bitte ihn darum es nicht zu tun. Aber das würde ich ungern.“
May und Marcus verheimlichten rein gar nichts voneinander. In der Vergangenheit hatte Marcus mal versucht die Probleme zwischen ihm und seinem Vater vor ihr zu verbergen, doch dies führte bloß zu Spannungen in ihrer Beziehung.
„Es sind deine besten Freunde. Sag es ihnen ruhig. Ich werde es Blake wohl auch sagen.“
„Was ist mit Aliyah?“
Levis Gesichtsausdruck änderte sich schlagartig.
Was genau zwischen ihm und seiner besten Freundin vorgefallen war, wusste ich nicht. Um ihn nicht damit zu belasten, hatte ich meine Neugier gezügelt.
„Jetzt kann ich es dir ja sagen“, murmelte er. „Ich habe ihr von meinen Gefühlen zu dir erzählt, aber ihre Reaktion war nicht die, die ich erwartet hätte. Aliyah fand die Wahrscheinlichkeit, dass du diese Gefühle jemals erwidern würdest, sehr gering, um es nett auszudrücken.“
„Und woher soll Aliyah wissen, wie ich fühle?“, fragte ich leicht gereizt.
Mit Aliyah hatte ich nichts zu tun. Ich war mir nicht mal sicher, ob ich je eine Unterhaltung mit ihr geführt hatte. Dennoch bemühte ich mich, mich ihr gegenüber von meiner besten Seite zu zeigen, da sie seine beste Freundin war. Doch seitdem die beiden sich voneinander distanzierten, sah ich sie nicht mehr als das verspielte Mädchen, für das sie sich ausgab.
Levis Gesichtsausdruck allein bewies mir, wie sehr ihn das mitnahm und bedrückte.
„Bitte sei ihr nicht böse. Ich war auch negativ überrascht, und Blakes Reaktion hast du ja mitbekommen. Ich muss einfach mit ihr reden und das endlich klären. Die Aliyah, die ich kenne, ist ganz anders“, versicherte er mir.
„Kennst du sie denn wirklich?“, wandte ich ein.
Ich werde das Bild nie aus dem Kopf kriegen, als ich Levi völlig aufgewühlt hinter Blake stehen sah, nachdem die zwei die Cafeteria damals verlassen hatten.
„Ja“, erwiderte er leise. „Aber lass uns nicht über Aliyah sprechen. Ich will deine Laune nicht verderben.“
„Meine Laune kann mir niemand verderben. Du erst recht nicht. Heute war nämlich der beste Tag meines Lebens“, beteuerte ich mit einem Lächeln.
Vor meinem inneren Auge ließ ich den ganzen Tag noch mal Revue passieren. Es schien mir zu surreal. Vom Schwimmen im See zum heutigen Sieg, zu meinem ersten Kuss mit Levi bis hin zu unserer Beziehung auf Probe. Der Moment, als ich mich nach so langer Zeit wieder mit meinem braunen Afro-Haar im Spiegel gesehen hatte, war der seltsamste Augenblick des heutigen Tages.
Doch ehe ich auch nur eine Sekunde damit verschwendete, an meinen Erzeuger zu denken, löste ich mich widerwillig von Levi, um nach geeigneten Klamotten für ihn zu suchen.
Ich musste lernen, dass ich trotz meines Aussehens nicht mein Vater war und seine Taten nichts mit mir zu tun hatten.
„Bevorzugst du eine Shorts oder eine Jogginghose? Oder schläfst du lieber in Boxershorts?“
Ich drehte mich zu Levi, der es sich im Schneidersitz auf meinem Bett gemütlich gemacht hatte. Seine Wangen nahmen bei der Frage ein zartes Rosa an. Sofort musste ich an den Anblick denken, der sich mir am Strand offenbart hatte. Auf einmal wurde mir warm.
„Weißt du …“, fing er an. „Eigentlich schlafe ich nackt.“
Fast verschluckte ich mich an meinem Speichel. Er sollte meinem Kopf nicht noch mehr Nahrung zum Fantasieren geben.
„Okay, nein. Das war bloß ein Witz. Schau mich nicht so an.“ Peinlich berührt schüttelte er seinen Kopf, während ich schmunzelte. „Ich hätte gern die Jogginghose.“
Nach einer kurzen Erklärung, wo sich das Bad befand, verließ er mit T-Shirt und Hose mein Zimmer. In seiner Abwesenheit zog ich mich ebenfalls um.
Die Tür öffnete sich wenig später wieder und Levi tapste in meiner Kleidung ins Zimmer. Seine Klamotten legte er sauber gefaltet auf den Drehstuhl, um sich danach ins Bett zu legen.
„Ich darf es meinen Freunden sagen, oder?", versicherte ich mich nochmal.
Er nickte und ich machte es mir neben ihm auf der Matratze gemütlich, um schließlich einen Videoanruf in unsere Gruppe zu starten. Während ich wartete, achtete ich extra darauf, mein Handy so zu positionieren, dass man Levi nicht sah. Noch nicht.
Paar Sekunden später blickten mir einige entgeisterte Gesichter entgegen. Marcus' Haar war zerzaust, der Fleck an seinem Hals blieb nicht unbemerkt.
May, die neben ihm ins Bild kam, grinste allerdings über beide Ohren und schaute amüsiert aus, während Marcus aufgebracht in die Kamera guckte.
„Ich hoffe, es ist wichtig, weil wir echt beschäftigt sind.“
„Was wollt ihr von mir?“, nörgelte Lacie.
Ich entschied mich, sofort auf den Punkt zu kommen.
„Muss euch allen etwas erzählen“, verkündigte ich schließlich. „Ich habe Levi geküsst.“
Ihre Reaktionen waren unbezahlbar. Vor paar Sekunden hatte Marcus mich noch mit seinem Blick getötet. Jetzt fielen ihm fast die Augen heraus. Lacie blinzelte mehrmals und rieb sich die Augen.
„Hör ich richtig? Der Hosenscheißer hat sich endlich mal was getraut“, gab Lacie von sich.
Aus dem Augenwinkel erkannte ich, wie Levi sich die Hand vor den Mund hielt, um sein Kichern zu ersticken.
„Moment, Moment. World stop“, rief Marcus. „Jayson Young. Bitte scherzen Sie nicht mit uns. Darüber macht man keine Witze.“
„Hast du gerade Beyoncé zitiert?“, fragte May ihn wiederum von der Seite.
„Babe, wir haben gerade viel wichtigeres zu klären“, sagte er und schaute durch die Kamera wieder zu mir. „Antworte, Jayson.“
„Das ist kein Witz“, rückte ich mit der Sprache raus. „Nach dem Spiel, als ihr alle euch verpisst habt, habe ich ihn… geküsst.“
„Und was ist danach passiert?“, möchte Lacie wissen.
„Ich bin gegangen.“
Alle drei schauten mich genauso verständnislos wie meine Eltern an.
„Boy, sei froh, dass ich nicht aus dem Display springen kann“, stöhnte Lacie und klatschte sich mit der flachen Hand auf die Stirn. „Manchmal sollte Dummheit wehtun.“
„Bruder muss los“, sagte Marcus. „Ich wiederhole, musstest du uns stören?“
Ich guckte unauffällig zu Levi. Er lächelte mich an und gab mir zu verstehen, dass ich es nun sagen sollte.
„Ich bin noch nicht fertig.“
„Noch mehr Dummheit?“, seufzte Lacie.
„Wenigstens kann er Körbe werfen“, murmelte Marcus und schlürfte an einem Metall-Strohalm.
Die Matratze bewegte sich, als Levi sich aufsetzte. Er lehnte seinen Kopf an meine Schulter und schaute schüchtern in die Kamera. Ich schaute zu ihm runter, nur um festzustellen, dass er ebenfalls zu mir schaute. Ein weiterer kurzer und unschuldiger Kuss, der jedoch erneut für ein warmes Gefühl in meinem Bauch sorgte. Meine Freunde hätte ich fast vergessen, wenn Marcus nicht solche hohen Töne beim Schreien getroffen hätte, die von Mariah Carey hätten kommen können. Levi und ich lösten uns voneinander und widmeten uns wieder unserem Publikum.
„Okay, wow“, staunte Lacie. May hielt sich die Hand vor den Mund, aber sah überglücklich aus.
„Zwei Stunden!“, rief Marcus. „Wir haben uns vor zwei Stunden noch gesehen! Was haben wir in der Zeit verpasst?!“
„Die Details können wir euch ein anderes Mal erzählen. Wir gehen schlafen. Gute Nacht“, wünschte ich ihnen und winkte zum Abschied in die Kamera.
Trotz ihrer lautstarken Proteste beendete ich bösartig den Anruf und legte mein stummgeschaltetes Handy auf den Nachttisch. Seufzend ging ich zum Lichtschalter neben der Tür, um das Licht der großen Lampe zu erlöschen.
„Das wäre erledigt.“ In der Dunkelheit hatte ich keine Probleme. Meine Augen gewöhnten sich schnell und ich lief einmal um das Bett herum, um die kleine Lampe auf meinem Nachttisch anzuschalten, die genug Licht spendete, damit ich Levis Gesicht wieder sah. Ich gesellte mich zu ihm ins Bett. Sanft deckte ich uns beide zu.
„Müde?“, fragte ich.
„Nach allem, was heute alles passiert ist, sollte ich müde sein“, erwiderte er.
„Aber?“, hackte ich nach.
„Glaubst du, ich werde es heute hinkriegen, ein Auge zuzumachen, wenn du neben mir liegst?“
Kurzerhand rückte ich näher in die Mitte des Bettes, um meinen Arm um seine Hüfte zu legen.
„Versuch zu schlafen. Wenn du nicht kannst, dann weck mich.“
„Warum soll ich dich wecken?“
„Weil ich Schuldgefühle kriege, wenn du kein Auge zumachst, während ich neben dir schnarche.“
Nun war Levi derjenige, der anfing zu lachen, während er sich an meine Brust schmiegte. Ich gab ihm einen Kuss auf die Stirn und schaltete die Nachtlampe aus. In der Dunkelheit kuschelte sich Levi noch weiter an mich, während ich mit meinen Lippen nach seinen suchte.
Die Müdigkeit überrollte mich wie ein Laster. Es war ein langer Tag und meine Kräfte waren am Ende. Meine Gedanken hörten dennoch nicht auf, um Levi zu kreisen. Die nächsten Tage, Wochen oder gar Monate würden erst beweisen, ob aus uns jemals ein wir werden würde.
„Daran kann ich mich gewöhnen“, wisperte Jayson mir ins Ohr. Sein Atem kitzelte auf meiner Haut.
„Mhmm“, stimmte ich zu und kuschelte mich an seinen Körper.
Die Sonne schien schon lange hinter den Gardinen, doch weder er noch ich sahen einen Grund darin, den heutigen Tag richtig zu beginnen. Es fühlte sich surreal an, hier zu liegen in seinem Bett, in seinen Armen. Im Wissen, dass er meine Gefühle erwiderte und mich als sein Freund bezeichnen möchte.
Wir beide waren schon länger von unserem Schlaf erwacht, aber meine Augen schlossen sich immer wieder von Neuem und ich fiel für weitere Minuten in einen himmlischen Schlaf.
So ausgeschlafen hatte ich mich schon länger nicht mehr gefühlt.
Beinah war das gestrige Ereignis nach dem Kuss vergessen.
Ruckartig schlug ich meine Augen auf. Die Glückseligkeit von vor wenigen Sekunden entzog sich mir komplett und löste sich auf wie Nebel.
Ursprünglich war genau dieses Ereignis der Grund, wieso ich Jayson unbedingt sehen wollte. Von dem Moment an, als ich in der Turnhalle zurückgelassen wurde, hatte ich mich in einem Zustand der Leere befunden, den ich nie zuvor durchlebt hatte.
Blake fuhr mich nach Hause, doch kein einziges Wort verließ meine Lippen und mein Körper übte alle Befehle wie auf Autopilot aus. Die ganze Zeit über war ich durch den Wind und zerbrach mir den Kopf, indem ich mir die schlimmsten Szenarien ausmalte.
Mit Jayson persönlich darüber zu sprechen, erschien mir überaus logisch. Immerhin betraf es uns beide und wer besprach solche Angelegenheiten schon übers Telefon.
Ich hatte nicht einmal die Chance, mich gedanklich dem Kuss zu widmen. Umso mehr traf mich der Schock, als er mir auf einmal seine Liebe gestanden hatte.
Unser Gespräch nahm eine völlig unerwartete Wendung, fern von meiner Vorstellung.
Sein Liebesgeständnis hatte mich überwältigt, weil ich es mir von Herzen gewünscht hatte.
Wieso hatte ich ihm dies dann nicht gebeichtet? Ich hätte nur meinen Mund öffnen brauchen, und wir hätten nun ein Pärchen wie May und Marcus sein können.
Jedoch hatte ich aus dem Nichts einen Gedanken, der mich diese Frage stellen ließ: Ob er tatsächlich dazu bereit wäre, öffentlich zu uns zu stehen.
Seine Antwort überzeugte mich nicht im Geringsten. Ich glaubte, dass Jayson nicht begriff, wie wichtig ihm Basketball war und welche Folgen dies für ihn haben könnte.
Er liebte diesen Sport, was man ihm ansah. Auch wenn er keine Profikarriere anstrebte, bedeutete es ihm alles, zusammen mit seinem besten Freund zu spielen.
Ihr Abschluss im Sommer rückte immer näher, und viel Zeit blieb ihnen nicht mehr, bis sie schließlich getrennte Wege gehen würden.
Ich weigerte mich, der Auslöser dafür zu sein, dass seine eigenen Teammitglieder ihn womöglich verabscheuen oder gar aus dem Team vertreiben könnten. So sehr ich ihn auch liebte, ich wollte nicht zusehen, wie Jayson Opfer brachte, nur um mit mir zusammen zu sein.
Sollte Edmund diese Bilder veröffentlichen, würde es Jayson augenblicklich zerstören.
Daher beschloss ich, diese lästige Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen.
Was auch immer Edmund vor hatte, ich würde dafür sorgen, dass sein Druckmittel schleunigst aus der Welt verschwand, und anschließend Jayson meine Liebe gestehen.
Danach lag an Jayson, ob er sich wirklich damit wohlfühlte, mich nicht nur im Verborgenen zu lieben. Wenn alle von uns wüssten.
Zumindest würde ich nicht zulassen, dass sein letztes Schuljahr die lebende Hölle für ihn wurde. Komme was wolle.
Vom ganzen Grübeln bekam ich Kopfschmerzen, und ich hasste es, wie eine einzige Person Macht über meine Gedanken und Emotionen hatte.
Da ich nun hellwach war, schaute ich hoch zu Jayson, der mich bereits angrinste.
Im Sonnenlicht strahlten seine Augen noch heller und hatten solche eine beruhigende Wirkung auf mich. Plötzlich legte er seine rechte Hand um meinen Nacken und zog mich näher an sich. Jayson näherte sich mir, legte seinen Kopf schief und schloss langsam seine Augen. Ich tat es ihm gleich und spürte darauf die Süße seiner Lippen auf meinen eigenen. Geschmeidig bewegten sich unseren Lippen langsam gegeneinander.
Ich selbst blieb nicht untätig.
Mit meiner Hand suchte ich sein Gesicht, um über seine weiche Wange zu streichen. Schließlich fuhr ich mit meinen Fingern seine Haut nach, bis ich meine Hand auf seiner Brust ruhen ließ. Seine linke Hand nahm ich an meinem Oberschenkel wahr.
Jayson fuhr mit seiner feuchten Zunge über meine Unterlippe, wodurch es in meiner Unterhose langsam enger wurde. Folgsam öffnete ich meinen Mund einen Spaltbreit und fühlte gleich danach seine Zungenspitze, die spielerisch gegen meine stupste.
Mein Herz hämmerte kräftiger gegen meine Brust. Unsere Zungen umspielten sich gegenseitig, neckten sich und einmal saugte er sogar an meine Zunge, was mir ein leises Stöhnen entlockte. Ich nahm wahr, wie Jayson in den Kuss hineingrinste.
Allerdings lösten wir uns voneinander, um nach Luft zu schnappen. Er ließ mir aber keine Pause zur Erholung, sondern bedeckte meinen Hals mit lauter kleinen Küssen. Ich genoss jede Sekunde, in der seine Hände mich berührten und er meinen Hals liebkoste. Er wanderte weiter hinunter bis zu meinem Schlüsselbein, und da spürte ich einen kurzen Schmerz, als er in die dünne Haut biss und an der Stelle saugte.
„Jayson“, stöhnte ich ein weiteres Mal, hielt ihn aber nicht davon ab fortzufahren.
Mein Körper erstarrte jedoch, als ich Jaysons Hand unter meinem T-Shirt wahrnahm. Ihm fiel die schlagartige Veränderung sofort auf, wodurch er augenblicklich von mir abließ.
„Tut mir leid, habe ich es übertrieben? Ich war zu voreilig", entschuldigte sich der Ältere augenblicklich und nahm mein Gesicht in seine Hände.
„Nein, es tut mir leid. Ich wollte die Stimmung nicht versauen“, entschuldigte ich mich.
„Levi, du hast nichts versaut", tadelte er empört. Seine Gesichtszüge verhärteten sich. „Du fühlst dich gerade offenbar nicht wohl. Denkst du, ich könnte dann einfach so weitermachen, wenn du es nicht genießen kannst? Ich will mit dir nicht nur wegen deinem Körper zusammen sein. Ich will, dass du bei mir dein Kopf ausschalten und all deine Sorgen vergessen kannst. Bitte sag mir nur, was ich falsch gemacht hab, damit ich es nie wieder tue, wenn du dich dadurch Unbehaglich fühlst.“
Lustigerweise half er mir tatsächlich dabei, den Kopf auszuschalten. Seine sanfte Stimme war einfühlsam, seine Worte ließen mich dahin schmelzen.
„Ich bin noch nicht so weit“, beichtete ich. „Das vorhin war phänomenal. Du bist der erste Junge, den ich je geküsst habe, und ich würde dich liebend gern ewig so nah bei mir haben. Aber irgendwie dachte ich gerade, … dass du mich ausziehen wolltest, und da wurde mir bewusst, was wir eigentlich taten, und für diesen großen Schritt bin ich noch nicht bereit. Allein darüber zu reden ist mir … peinlich.“
Er war zwar der erste Typ, dem ich je so nah gekommen war, doch unerfahren war ich nicht. Meine erste Beziehung hatte ich mit einem Mädchen. Sie war zwar schön, endete ein halbes Jahr später jedoch. Vielleicht lag es daran, dass wir uns zwar gegenseitig angehimmelt hatten, aber am Ende gar nicht wirklich verliebt waren. Mit ihr hatte ich meinen ersten Kuss, doch es blieb auch nur dabei. Nicht, dass dies ein Problem gewesen wäre. Ich hatte mich bloß nie nach mehr gesehnt.
Bei Jayson war alles so anders. Schon nachdem wir Freunde geworden waren, sehnte ich mich nach seiner Nähe. Sei es auch nur, neben ihm am Tisch zu sitzen.
Wenn er mich anlächelte, musste ich auch sofort lächeln und jede kleine Berührung von ihm brachte mein Herz zum Flattern. Unser erster Kuss war keine vierundzwanzig Stunden her, und dennoch lagen wir hier eng beieinander.
Für andere würde dies sicherlich viel zu schnell gehen. In meinen Augen schien alles so himmlisch.
„Du dachtest, ich würde mit dir schlafen, wenn meine Eltern im Haus und wir nicht mal ein richtiges Paar sind?“ In seiner Stimme hörte ich keinen Hauch von Abneigung oder Wut.
„Versteh mich nicht falsch, ich bin dankbar für deine Ehrlichkeit und dass du mir mitgeteilt hast, was in dir vorgeht. Ich respektiere das auch hundertprozentig. Ich habe null Erfahrung und hab mich einfach von der Lust treiben lassen. Hoffentlich kannst du mir das Verzeihen. Du bist die erste Person mit der ich je … mit der es jemals so weit ging. Eigentlich bist du wortwörtlich meine erste Liebe. Ich habe dir doch schon gesagt, ich werde dich nie zu irgendwas drängen. Aber selbst, wenn du es gewollt hättest, ich habe nicht vor mit dir zu schlafen, bis ich dich offiziell meinen Freund nennen darf."
„Findest du es nicht komisch? Wir haben uns erst gestern entschieden, es auszuprobieren, und nun reden wir von Sex.“
Meine Wangen wurden heiß, als ich das Wort endlich aussprach. Jayson schien dies zu amüsieren und er gab mir einen kurzen Kuss auf die Wange.
„Ist doch schön, wenn wir offen miteinander kommunizieren können. Du musst mir sagen, was dir am Herzen liegt. Was wäre gewesen, wenn ich vorhin weitergemacht hätte, ohne auf dich zu reagieren. Hättest du irgendwas gesagt oder es stumm über dich ergehen lassen? Das will ich mir nicht mal vorstellen“, erwiderte er mit schmerzerfüllter Stimme und zuckte kaum merklich zusammen.
Meinen Kopf legte ich auf seine Brust und schlag meine Arme um seinen Oberkörper.
„Denk nicht mal daran. Wir haben es geklärt und sollten jetzt nach vorne schauen.“
Ich lehnte mich etwas zurück, um ihn anlächeln zu können. Es dauerte nicht lang, bis er mein Lächeln erwiderte und mich wieder in seinen Armen schloss.
Letztendlich zwangen wir uns ein wenig später aus dem Bett. Die Uhr signalisierte uns, dass der Morgen schon längst vom Vormittag ersetzt worden war.
Als wir irgendwann die Treppen Hand in Hand hinunter ins Erdgeschoss liefen, trafen wir seine Eltern an, die bereits an der Haustür standen und uns anlächelten.
„Guten Morgen ihr beiden“, begrüßte uns seine Stiefmutter Gracie. „Ihr seid also noch am Leben. Wir waren uns da ein wenig unsicher, aber wollten euch nicht stören. Wer weiß, bei was wir euch sonst erwischt hätten. Aua.“
Ms. Young, Loren, schlug ihrer Ehefrau auf den Arm, damit diese aufhörte. Ich spürte die Hitze in meinen Wangen.
„Hi Levi“, grüßte Loren mich kurz angebunden mit einem sanften Lächeln, während Gracie sich ihren Arm rieb.
„Hallo Ms. Young“, grüßte ich sie zurück. Was war wohl komischer, meine Lehrerin privat anzutreffen oder mit ihrem Sohn ein Verhältnis zu haben?
„Ach, nenn mich Loren. Wir werden dich wohl häufiger hier zu Gesicht kriegen“, erwiderte sie schmunzelnd und deutete auf unsere ineinander verschränkten Hände. „Bei Gracie findet heute ein Event in der Firma statt. Essen ist im Kühlschrank.“
„Okay, viel Spaß. Macht nichts, was ich nicht auch tun würde“, rief Jayson ihnen nach und erntete ein Augenrollen von seiner Mutter.
Die Beziehung zwischen Jayson und seinen Eltern war für mich so schön mitanzusehen. Ich erinnerte mich an den Moment zurück, wo er sich noch fürchtete, ihnen beibringen zu müssen, dass er Basketball nach der Schule nicht weiterführen wollte. Zwar war dies nur ein kleiner Einblick in ihren Umgang miteinander, doch ich konnte mir denken, woher Jayson seine Gelassenheit hatte.
Nachdem seine Eltern das Haus verlassen hatten und wir allein waren, wärmte Jayson das Essen in der Mikrowelle auf. Schweigend aßen wir in Ruhe im Wohnzimmer und richteten unsere Aufmerksamkeit auf den großen Flachbildschirm.
Verwunderte blickte ich zu meinem - noch nicht festen - Freund, als er eine Streaming-Plattform am Smart-TV anklickte und eine zufällige Folge One Piece startete.
„Ich dachte, du magst kein Anime?“, fragte ich belustigt.
„Tu ich auch nicht, aber du schon. Außerdem …“, fügte er verlegen hinzu. „… habe ich ein paar Folgen geguckt und Marcus drum gebeten, mir paar Dinge zu erklären. Eigentlich wollte ich nur wissen, wer dieser Law ist, von dem du so geschwärmt hast.“
„Eifersüchtig?“, neckte ich ihn grinsend.
„Immer“, gab er sofort zu.
„Dann kann ich dich beruhigen. Laws Tattoos sind zwar unheimlich attraktiv, aber du bist mir lieber.“ Zur Aufmunterung küsste flüchtig seine Wange.
Nach einer weiteren Stunde, in der mein Kopf auf Jaysons Schoß ruhte und wir weiterhin die Kultserie schauten, klopfte es plötzlich an seiner Haustür.
Während Jayson zur Tür ging, setzte ich mich aufrecht und pausierte meine Lieblingsserie.
„Was macht ihr denn hier?“, hörte Jayson sagen.
„Dich besuchen, nachdem du gestern so eine große Neuigkeit platzen lassen hast?“, ertönte daraufhin Marcus Stimme am Eingang.
„Ich habe mich ihnen einfach angeschlossen“, nahm ich Mays gut gelaunte Stimme wahr, und auf einmal kehrte diese Nervosität zurück.
Keiner seiner Freunde war mir fremd, doch ich war längst nicht mehr nur ein Freund von Jayson, weshalb die Aufregung stieg, je mehr sich die Stimmen näherten.
„Ihr hättet mich vorwarnen können", sagte Jayson, aber klang kein bisschen genervt.
Daraufhin trat May als erstes in den Wohnbereich, gefolgt von ihrem Freund und Lacie.
„Levi“, sprach May meinen Namen entzückt aus. „So nicht überraschend, dich hier zu sehen.“
„Ist auch schön, dich zu sehen“, erwiderte ich lächelnd und stand auf, als sie mich kurz in ihre Arme schloss.
„Levi!“
Marcus vergaß schon wieder, wie viel Kraft in ihm steckte. Seine Umarmung war so fest, dass er mir kurz die Luft abschnürte.
„Bring mich nicht um, sonst sterbe ich noch, bevor Rihanna ein neues Album veröffentlicht“, murmelte ich und atmete erleichtert auf, nachdem mich Marcus losließ.
Lacie war eher … sie selbst. Sie nickte mir zu und setzte sich kommentarlos auf den Sessel, während die anderen es sich auf dem Sofa gemütlich machten.
Jayson setzte sich neben mich und warf mir einen entschuldigenden Blick zu.
„So, was wollt ihr hier? Ich bin beschäftigt, wie ihr sehen könnt.“
Mit seinem Kopf deutete er auf mich und ich lächelte bloß nervös.
„Entspann dich, Kurzer. Beschäftigt? Wahrscheinlich bist du eh nach fünf Minuten schon durch, und Levi muss sich allein zum … Finale kämpfen“, warf Lacie mit einem teuflischen Schmunzeln ein.
„Oh, wenigstens habe ich jemanden für diese fünf Minuten. Besser als allein mit meiner Hand zu spielen“, erwiderte Jayson provokant und sah seine beste Freundin herausfordernd an.
„Autsch, Punkt für dich.“ Lacie verschränkte ihre Arme. „Wir wollten dich ausquetschen, nachdem ihr uns gestern solch eine Show geliefert habt.“
„Konnten ja nicht wissen, dass die Show sogar hier vor Ort ist,“ fügte May hinzu. „Wie auch immer, Glückwunsch ihr beiden. Wurde auch mal Zeit.“
„Es hat schon weh getan, euer heimliches Geflirte mitanzusehen, was nicht so unauffällig war, wie ihr vielleicht glaubtet.“ Marcus schien unter Storm zu stehen, und sein riesiges Grinsen ließ zu keiner Sekunde nach.
„Und lass uns nicht von eurer zufälligen, gleichen Abwesenheit in den Mittagspausen anfangen“, gab Lacie wieder und rollte mit den Augen.
„Und wie du mich in den Ferien sitzen gelassen hast, um quasi jeden Tag mit Levi zu verbringen?“, merkte Marcus an und tat so, als sei er zutiefst verletzt, nur um mit dem nächsten Atemzug hinzufügen: „Lass uns einmal auf ein Doppeldate gehen. Das wäre so süß!“
Augenblicklich tauschten Jayson und ich einen Blick miteinander aus, der Bände sprach, worüber wir beide gleichzeitig nachdachten.
„Da ist noch etwas, das ihr Wissen solltet …“
„Und deswegen seid ihr kein Paar? Ihr … probiert es nur?“, fragte Marcus verblüfft.
„Ja“, antworteten wir gleichzeitig, woraufhin sich ein Schweigen in der kleinen Runde breitmachte.