Depressive Störungen über die Lebensspanne -  - E-Book

Depressive Störungen über die Lebensspanne E-Book

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Beschreibung

Depressive Störungen haben eine hohe Lebenszeitprävalenz. Bis in das Erwachsenenalter haben ca. 15-20% aller Menschen in westlichen Ländern eine depressive Episode durchgemacht. Der Band beleuchtet depressive Störungen interdisziplinär und praxisorientiert auf Basis aktueller Studien und fokussiert auf Risikofaktoren, Verlauf und Therapieansätze. Zudem wird die depressive Störung als Risikofaktor für die Entwicklung komorbider Störungen im Erwachsenenalter oder psychischer Störungen bei den eigenen Kindern diskutiert.

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Seitenzahl: 358

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Depressive Störungen haben eine hohe Lebenszeitprävalenz. Bis in das Erwachsenenalter haben ca. 15-20% aller Menschen in westlichen Ländern eine depressive Episode durchgemacht. Der Band beleuchtet depressive Störungen interdisziplinär und praxisorientiert auf Basis aktueller Studien und fokussiert auf Risikofaktoren, Verlauf und Therapieansätze. Zudem wird die depressive Störung als Risikofaktor für die Entwicklung komorbider Störungen im Erwachsenenalter oder psychischer Störungen bei den eigenen Kindern diskutiert.

Prof. Dr. med. Dr. theol. Christine M. Freitag, Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Klinikum der J.W. Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Prof. Dr. med. Arnd Barocka, Ärztlicher Direktor der Klinik Hohe Mark, Oberursel. PD Dr. med. Christoph Fehr, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Agaplesion Markus Krankenhaus, Frankfurt am Main. PD Dr. med. habil. Michael Grube, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie - Psychosomatik, Klinikum Frankfurt Höchst, Frankfurt am Main. Univ.-Prof. Dr. med. Harald Hampel, M. Sc., Professur für Psychiatrie, J.W. Goethe-Universität, Frankfurt am Main.

Christine M. Freitag, Arnd Barocka, Christoph Fehr, Michael Grube, Harald Hampel (Hrsg.)

Depressive Störungen über die Lebensspanne

Ätiologie, Diagnostik und Therapie

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikrofilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen oder sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.

Es konnten nicht alle Rechtsinhaber von Abbildungen ermittelt werden. Sollte dem Verlag gegenüber der Nachweis der Rechtsinhaberschaft geführt werden, wird das branchenübliche Honorar nachträglich gezahlt.

1. Auflage 2013 Alle Rechte vorbehalten © 2013 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany

Print: 978-3-17-021881-9

E-Book-Formate

pdf:

978-3-17-023557-1

epub:

978-3-17-027488-4

mobi:

978-3-17-027489-1

Inhalt

Verzeichnis der Autorinnen und Autoren

Einführung

Literatur

I Grundlagen

1 Epidemiologie depressiver StörungenMaya Steinmann, Birgit Watzke, Claudia Lehmann, Martin Härter

Einleitung

1.1 Prävalenz und Risikofaktoren depressiver Störungen über die Lebensspanne

1.2 Nimmt die Häufigkeit depressiver Störungen in den letzten Jahren zu?

Literatur

2 Das immunologische Krankheitskonzept der DepressionHubertus Himmerich, Holger Steinberg

Einleitung

2.1 Klinische und technische Meilensteine der psychiatrischen Immunologie

2.2 Bedeutung von Zytokinen für die Pathophysiologie der Depression

2.3 Zytokinantagonisten und Immunmodulatoren gegen Depression

2.4 Wirkung von Antidepressiva auf das Immunsystem

2.5 Zusammenfassung und Diskussion

Literatur

3 Postpartale DepressionMichael Grube

Einleitung

3.1 Was wissen wir über postpartale Depressionen? Definition und Prävalenzrate

3.2 Risikofaktoren für die Entstehung postpartaler Depressionen

3.3 Auswirkungen der postpartalen Depressionen auf die Mutter-Kind-Beziehung

3.4 Partnerschaftsaspekte

3.5 Therapieansätze

3.6 Eigene klinische Erfahrung

Literatur

4 Die depressive Störung der Eltern als Risikofaktor für die kindliche EntwicklungChristine M. Freitag

Einleitung

4.1 Elterliche Depression als biologischer Risikofaktor

4.2 Elterliche Depression als psychosozialer Risikofaktor

4.3 Therapeutische Aspekte

4.4 Zusammenfassung

Literatur

5 Depression im AlterBarbara Schneider, Bernhard Weber, Harald Hampel

Einleitung

5.1 Klassifikation und Klinik depressiver Störungen im Alter

5.2 Epidemiologie

5.3 Therapie

5.4 Versorgungsrelevante Aspekte

5.5 Neuere Forschungsergebnisse zu biologischen Faktoren

5.6 Ausblick

Literatur

II Ausgewählte Therapieansätze

6 Kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlung der wiederkehrenden DepressionChristine Hilling, Ulrich Stangier

Einleitung

6.1 Behandlungsansätze in der Kognitiven Verhaltenstherapie

6.2 Integration der kognitiven Behandlungsansätze: Die CBMT-Behandlung

Literatur

7 Verhaltenstherapeutische und interpersonelle Verfahren bei chronischen DepressionenVera Engel, Eva-Lotta Brakemeier, Elisabeth Schramm, Martin Hautzinger, Mathias Berger

7.1 Chronische Depressionen

7.2 Verhaltenstherapeutische und interpersonelle Ansätze zur Behandlung der chronischen Depression

7.3 Zusammenfassung und Ausblick

Literatur

8 Pharmakotherapie der therapieresistenten DepressionNadine Dreimüller, Klaus Lieb, André Tadić

Einleitung

8.1 Diagnostik

8.2 Pharmakotherapeutische Optionen bei TRD

8.3 Ausblick

8.4 Zusammenfassung

Literatur

9 Evidenzbasierte psychodynamische Ansätze in der Behandlung depressiver StörungenHeinz Böker, Holger Himmighoffen

Einleitung

9.1 Psychodynamische Kurzzeitpsychotherapie und Pharmakotherapie bei depressiv Erkrankten

9.2 Psychodynamische Kurzzeitpsychotherapie: Ergebnisse der Wirksamkeitsstudien

9.3 Psychoanalytische und Psychodynamische Langzeitpsychotherapie: Ergebnisse der Wirksamkeitsstudien

9.4 Manualisierung Psychodynamischer Psychotherapie bei depressiv Erkrankten

9.5 Schlussfolgerungen

Literatur

10 Tiefe Hirnstimulation und Transkranielle MagnetstimulationThomas E. Schläpfer, Sarah Kayser

Einleitung

10.1 Tiefe Hirnstimulation

10.2 Transkranielle Magnetstimulation

Literatur

11 SuizidprophylaxeBarbara Schneider

Einleitung

11.1 Warum brauchen wir Suizidprävention? Die Bedeutung des Suizidproblems

11.2 Risikofaktoren für Suizid

11.3 Welche Initiativen zur Suizidprävention gibt es?

11.4 Strategien der Suizidprävention

11.5 Zukunft der Suizidforschung und -prävention

11.6 Exkurs: Suizidprävention contra Freiheit zum Suizid – Einstellungen, ethische, religiöse und rechtliche Aspekte

Literatur

12 Therapie und Prophylaxe von Burnout – oder: Die Zähmung des Ungeheuers von Loch Ness Arnd Barocka

Einleitung

12.1 Verlauf

12.2 Ätiologische Hypothesen

12.3 Zur Frage nach empirischen Daten

12.4 Burnout und Depression

12.5 Therapie und Prophylaxe

12.6 Abschließende Bemerkung

Literatur

Stichwortverzeichnis

Verzeichnis der Autorinnen und Autoren

Prof. Dr. med. Arnd Barocka

Ärztlicher Direktor der Klinik Hohe Mark

Psychiatrie – Psychotherapie – Psychosomatik des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes GmbH

Friedländerstraße 2

61440 Oberursel

Prof. Dr. Mathias Berger

Universitätsklinik Freiburg

Abt. Psychiatrie und Psychotherapie

Hauptstraße 5

79104 Freiburg

Prof. Dr. med. Heinz Böker

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

Klinik für affektive Erkrankungen und Allgemeinpsychiatrie Zürich Ost

Lenggstrasse 31

Postfach 1931

CH-8032 Zürich

Dr. Eva-Lotta Brakemeier

Universitätsklinik Freiburg

Abt. Psychiatrie und Psychotherapie

Hauptstraße 5

79104 Freiburg

Dr. med. Nadine Dreimüller

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Untere Zahlbacher Str. 8

55131 Mainz

Dipl.-Psych. Vera Engel

Universitätsklinik Freiburg

Abt. Psychiatrie und Psychotherapie

Hauptstraße 5

79104 Freiburg

Prof. Dr. med. Dr. theol. Christine M. Freitag

Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters

Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität

Heinrich-Hoffmann-Str. 10

60528 Frankfurt a. M.

Priv.-Doz. Dr. med. habil. Michael Grube

Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie – Psychosomatik

Klinikum Frankfurt Höchst

Akademisches Lehrkrankenhaus der J. W. Goethe Universität Frankfurt a. M.

Gotenstr. 6 – 8

65929 Frankfurt a. M.

Prof. Dr. med. Harald Hampel, M. Sc.

Professur für Psychiatrie

Johann Wolfgang Goethe-Universität

Heinrich-Hoffmann-Str. 10

60528 Frankfurt a. M.

Prof. Dr. Dr. Martin Härter

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, W26

Martinistraße 52

20246 Hamburg

Prof. Dr. Martin Hautzinger

Universität Tübingen

Schleichstraße 4

72076 Tübingen

Dipl.-Psych. Christine Hilling

Klinik Hohe Mark

Psychiatrie – Psychotherapie – Psychosomatik des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes GmbH

Friedländerstraße 2

61440 Oberursel

Prof. Dr. med. Hubertus Himmerich

Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Medizinische Fakultät der Universität Leipzig

Semmelweisstraße 10

04103 Leipzig

Dr. med. Holger Himmighoffen

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

Klinik für affektive Erkrankungen und Allgemeinpsychiatrie Zürich Ost

Lenggstrasse 31

Postfach 1931

CH-8032 Zürich

Dr. Sarah Kayser

Uniklinikum Bonn

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Sigmund-Freud-Straße 25

53105 Bonn

Dr. phil. Claudia Lehmann

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, W26

Martinistraße 52

20246 Hamburg

Univ.-Prof. Dr. Klaus Lieb

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Untere Zahlbacher Str. 8

55131 Mainz

PD Dr. Holger Steinberg

Archiv für Leipziger Psychiatriegeschichte

Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Medizinische Fakultät der Universität Leipzig

Semmelweisstraße 10

04103 Leipzig

Prof. Dr. med. Thomas E. Schläpfer

Uniklinikum Bonn

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Sigmund-Freud-Straße 25

53105 Bonn

Departments of Psychiatry and Mental Health

The Johns Hopkins University, Baltimore, USA, MD

Priv.-Doz. Dr. Barbara Schneider

Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie

Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität

Heinrich-Hoffmann-Str. 10

60528 Frankfurt a. M.

Prof. Dr. Elisabeth Schramm

Universitätsklinik Freiburg

Abt. Psychiatrie und Psychotherapie

Hauptstraße 5

79104 Freiburg

Prof. Dr. phil. Ulrich Stangier

Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie

Johann Wolfgang Goethe-Universität

Varrentrappstraße 40 – 42

60486 Frankfurt a. M.

Dipl. Psych. Maya Steinmann

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, W26

Martinistraße 52

20246 Hamburg

Dr. André Tadić

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Untere Zahlbacher Str. 8

55131 Mainz

PD Dr. phil. Birgit Watzke

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, W26

Martinistraße 52

20246 Hamburg

Dr. Bernhard Weber

Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie

Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität

Heinrich-Hoffmann-Str. 10

60528 Frankfurt a. M.

Einführung

Arnd Barocka

»Depression« als Bezeichnung für ein psychiatrisches Krankheitsbild taucht erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf; der Begriff »mental depression« ist an die »cardiac depression« der Internisten angelehnt (Berrios 1996). Griesinger stellt 1861 die »psychischen Depressionszustände« – Hypochondrie, Melancholie, Schwermut – den »psychischen Exaltationszuständen« – Manie, Tobsucht, Wahnsinn – gegenüber. In der 8. Auflage seines »Lehrbuchs für Studierende und Ärzte« (1909 – 1915) fasst Kraepelin alle affektiven Störungen unter dem einen Begriff des »manisch-depressiven Irreseins« zusammen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickeln sich zwei Konzepte, die uns noch heute beeinflussen: Die Bipolaren Erkrankungen werden – in einer Gegenbewegung zu Kraepelin und seinen Nachfolgern – als Sonderform der großen Gruppe der Affektiven Erkrankungen wieder separiert (Leonhard 1957, Perris 1966, Angst 1966, Winokur et al. 1967; mehr dazu bei Marneros 1999). Dafür werden bei den »unipolaren« Depressionen weitergehende klinische Differenzierungen – z. B. die Dichotomien neurotisch/psychotisch oder endogen/reaktiv – aufgegeben oder in vergessene Subtypen der Klassifikationssysteme (z. B. Subtyp »Melancholie« im DSM) verschoben und damit im Ergebnis aufgegeben. Dies resultiert im relativ weit gefassten Begriff der »Depressiven Episode«, die durch ein Schweregradkriterium definiert ist. Leichtere Verläufe müssen als Dysthymie oder Anpassungsstörung klassifiziert werden, sodass eine »leichte« depressive Episode immer noch einen höheren Schweregrad als eine Dysthymie oder eine Anpassungsstörung aufweist – für Fachfremde nicht immer ganz leicht nachzuvollziehen. Fluktuationen im Schweregrad führen zur Verdoppelung, zur »double depression«, einfach dadurch, dass Perioden geringeren Schweregrads (Diagnose »Dysthymie«) und solche höheren Schweregrads (Diagnose »Depressive Episode«) aufeinander folgen. Der Begriff »Episode« ist insofern optimistisch, als jede Episode ja einmal zu Ende geht. Tritt sie erneut auf, kommt es zur »rezidivierenden depressiven Störung«, die die Frage der Prophylaxe dringlich macht. Doch liegt zwischen Episode und Rezidiv immerhin eine Atempause, manchmal von vielen Jahren. Die Chronifizierung der Episode über einen Zeitraum von zwei Jahren hinaus ist in ICD-10 und DSM-IV gegenwärtig nicht vorgesehen, kommt leider aber dennoch vor.

Dieses hier notwendigerweise grob skizzierte Krankheitsbild der singulären, rezidivierenden, chronischen oder anderweitig modifizierten unipolaren depressiven Episode stellt ein massives gesellschaftliches und sozialmedizinisches Problem dar, das lange Zeit vom öffentlichen Bewusstsein verdrängt wurde. Das Erstaunen und die Fassungslosigkeit, wenn Fußballprofis, also sportliche junge Männer, an einer Depression erkranken, ist ein Beleg dafür. Gleichzeitig besteht kein Mangel an Büchern über Depression, warum also dieses?

Bei einer Diskussion unter Kollegen stellte sich heraus: Es besteht Einigkeit darüber, dass Depressionen außerordentlich häufig sind. Aber werden sie auch häufiger? Die Ansichten dazu waren sehr unterschiedlich. Immer wieder zeigt sich, dass es in der Psychiatrie oft schwerfällt, empirisch begründete Antworten auf einfache Fragen zu geben. Aus diesem Grund haben die Herausgeber Fachleute gebeten, den momentanen Forschungsstand zu wichtigen Einzelaspekten des Themas »Depression« darzustellen. Das Problem der steigenden Lebenserwartung und damit der Wechselwirkung von Alter und Depression ebenso wie das Problem depressiver Eltern zeigt die Bedeutung der Lebensspanne für die Ausprägung des Krankheitsbilds. Es gibt das Problem der Epidemiologie mit ihren immer größer werdenden Zahlen oder das Problem der modernen Arbeitswelt, aus der das geheimnisvolle Burnout-Syndrom entstanden sein soll. Es gibt neue und alte Therapieverfahren. Ohne das Inhaltsverzeichnis in seiner Gänze kommentieren zu wollen, konnten diese Beispiele, wie wir hoffen, unser Anliegen illustrieren: Wir möchten aktuelle empirische Daten vorstellen zu häufig gestellten Fragen beim Thema »Depression«.

Literatur

Angst J (1966): Zur Ätiologie und Nosologie endogener depressiver Psychosen. Berlin u. a.: Springer.

Berrios GE (1996): The History of Mental Symptoms. Cambridge: CUP.

Griesinger W (1861): Die Pathologie und Therapie der psychischen Krankheiten. 2. Auflage. Stuttgart: Krabbe.

Kraepelin E (1909 1915): Psychiatrie. Ein Lehrbuch für Studierende und Ärzte. 8. Auflage, 4 Bd. Leipzig: Barth.

Leonhard K (1957): Aufteilung der endogenen Psychosen. Berlin: Akademie Verlag.

Marneros A (1999): Handbuch der unipolaren und bipolaren Erkrankungen. Stuttgart: Thieme.

Perris C (1966): A study of bipolar (manic depressive) and unipolar recurrent psychoses. Acta Psychiat Scand; 194 Suppl:1 89.

Winokur G, Clayton P (1967): Two types of affective disorders separated according to genetic and clinical subtypes. In: Wortis J ed.: Recent Advances in Biological Psychiatry. New York: Plenum.

IGrundlagen

1 Epidemiologie depressiver Störungen

Maya Steinmann, Birgit Watzke, Claudia Lehmann, Martin Härter

Einleitung

Depressionen1 sind mit einer Zwölf-Monats-Prävalenz von 10,7 % in der deutschen Allgemeinbevölkerung sehr weit verbreitet und zählen damit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen (Jacobi et al. 2004). Sie sind in der Regel mit einem hohen Ausmaß an persönlichem Leid, einer hohen Krankheitslast und starken Beeinträchtigungen verbunden (WHO 2001). Depressive Störungen stellen für das Gesundheitswesen eine große Herausforderung dar und sind – aus ökonomischer Perspektive – mit stark erhöhten direkten sowie indirekten Kosten verbunden (Von Korff 1997). Mittels detaillierter Schätzungen lässt sich prognostizieren, dass die mit Depressionen einhergehende Krankheitslast in den nächsten 20 Jahren weiter zunehmen und dass depressive Störungen nach kardiovaskulären Erkrankungen die zweitwichtigste Ursache für Beeinträchtigungen und frühzeitiges Versterben in den wirtschaftlich entwickelten Ländern darstellen werden (WHO 2001).

Im vorliegenden Beitrag wird zunächst ein Überblick zur Prävalenz depressiver Störungen und zu Risikofaktoren für das Vorliegen einer Depression gegeben. Im Anschluss daran wird die Auftretenshäufigkeit von Depressionen über die Lebensspanne detailliert beschrieben. Darüber hinaus wird die Frage untersucht, ob die Häufigkeit depressiver Erkrankungen in den letzten Jahren zugenommen hat.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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