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Die Maske des Guten erzählt die Geschichte von Andreas Kramer, einem scheinbar perfekten Familienvater, Arzt und angesehenen Gemeindeführer, der im Verborgenen ein dunkles Geheimnis hütet. Hinter der Fassade des fürsorglichen Vaters entführt Andreas Menschen, um grausame psychologische Experimente an ihnen durchzuführen. Als ein neuer Detektiv in die Stadt kommt und beginnt, Fragen zu stellen, gerät Andreas' sorgsam aufgebautes Doppelleben ins Wanken. Während er versucht, seine kriminellen Machenschaften zu verbergen, verstrickt er sich immer tiefer in ein Netz aus Lügen und Angst.
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Seitenzahl: 257
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Über den Autor Leonard Varnhold – Eine Biographie
Leonard Varnhold ist ein Schriftsteller, dessen Werke für ihre intensive emotionale Tiefe und ihre düsteren, psychologischen Elemente bekannt sind. Geboren und aufgewachsen in einer Kleinstadt, entwickelte Varnhold früh eine Faszination für das Menschliche, besonders für die dunklen Facetten der menschlichen Seele. Bereits in jungen Jahren verbrachte er seine Zeit damit, die Geschichten von Außenseitern zu schreiben, die in die Abgründe ihres eigenen Geistes blicken mussten.
Varnholds Kindheit war von einer Mischung aus strenger Struktur und tiefer Melancholie geprägt. Er fand Trost in Büchern und in der Natur, oft wanderte er allein durch die Wälder und ließ seiner Fantasie freien Lauf. Diese frühen Erlebnisse spiegeln sich in vielen seiner Romane wider – die Kulisse der Wälder, die als Zufluchtsorte dienen, die Spannung zwischen Geborgenheit und Gefahr. Varnhold wurde in einer Welt der Bücher erzogen, in der Autoren wie Dostojewski, Kafka und Edgar Allan Poe seine frühen Einflüsse prägten.
Titel: Die Maske des Guten
Kapitel 1: Der Schein trügt
Die Straßen der kleinen Stadt Elmwood lagen still unter einer schweren Decke aus Dunkelheit, während die Herbstkälte in die Gassen kroch. Es war eine dieser Nächte, in denen die Welt zu schlafen schien – eine trügerische Stille, die nur von der regelmäßigen Bewegung eines allein durch die Nacht tuckernden Polizeiwagens gestört wurde. Der neue Detektiv, Paul Reinhardt, saß angespannt am Steuer. Er hatte vor Kurzem seine Versetzung nach Elmwood beantragt, um den unruhigen Großstadtdschungel hinter sich zu lassen. Was er nicht wusste, war, dass er stattdessen in ein Netz aus Täuschung und Dunkelheit geraten war, das sich um diese verschlafene Gemeinde spannte.
Paul zog seine Lippen zu einem schiefen Lächeln, als er das Stadtzentrum durchquerte. Elmwood sah aus wie aus einer Postkarte: gepflegte Rasenflächen, einladende Gärten und alte Häuser, die von den Geschichten vergangener Generationen zu flüstern schienen. Er hatte immer geglaubt, dass hinter solchen Orten eine Art Unschuld lag. Doch je mehr er über die Stadt und ihre Bewohner las, desto stärker nagte das Gefühl an ihm, dass hier etwas nicht stimmte. Und dieses Gefühl hatte ihn angetrieben, die nächtliche Rundfahrt zu machen.
Gerade als er die Einfahrt zur Main Street erreichte, bemerkte er eine Gestalt am Straßenrand. Ein Mann, groß, in einen langen Mantel gehüllt, stand im Schatten einer alten Eiche. Paul verlangsamte das Auto, um ihn besser betrachten zu können. Der Mann wirkte wie eine Statue, unbeweglich, nur seine Augen funkelten unnatürlich im Scheinwerferlicht.
Paul schüttelte den Kopf, überzeugte sich, dass er es sich nur einbildete, und fuhr weiter. Die Nächte in Elmwood waren vielleicht doch nicht so ruhig, wie er erwartet hatte.
Am anderen Ende der Stadt, in einer imposanten viktorianischen Villa, saß Dr. Andreas Kramer in seinem Studierzimmer. Ein Mann von unbestreitbarem Charisma, ein angesehener Arzt, liebevoller Vater und Führer der Gemeinde. Die Menschen liebten ihn, vertrauten ihm – in ihren Augen war er die Verkörperung des Guten, jemand, der ihnen Sicherheit gab. Doch Andreas wusste, dass die Wahrheit eine andere war. Eine Wahrheit, die verborgen blieb hinter der Maske des Guten, die er so meisterhaft trug.
Ein sanftes Lächeln spielte auf seinen Lippen, als er das Buch zuschlug, das er gelesen hatte – ein schwerer Band über Psychologie, mit Notizen gespickt, die weit über das hinausgingen, was man in einem gewöhnlichen Fachbuch finden würde. Er erhob sich, ging zur Fensterfront und blickte hinaus in den dunklen Garten. Hinter der perfekt gestutzten Hecke, verborgen im tiefsten Schatten, lag die Tür zum Keller. Eine Tür, die nur er kannte, eine Tür, die zu seinem wahren Reich führte.
Langsam und bedächtig zog er die schwere Holztür auf, die in den Keller führte. Ein modriger Geruch drang ihm entgegen. Die Luft wurde kühler, je weiter er hinabstieg. Das Licht, das er anschaltete, flackerte einmal kurz, bevor es den Raum in ein kaltes, blaues Licht tauchte. Andreas ging durch einen schmalen Gang, bis er vor einer weiteren Tür stand – massives Metall, sicher verriegelt. Seine Finger glitten über das kalte Metall, und ein dunkles Funkeln trat in seine Augen.
„Guten Abend“, flüsterte er, während er die Tür aufschloss. Dahinter befand sich ein Raum, der nichts mit der behaglichen Idylle seiner Villa zu tun hatte. Kalt, karg, mit Betten aus Metall, an denen Lederfesseln befestigt waren. Und in der Ecke des Raumes saß eine junge Frau. Ihre Augen waren weit aufgerissen, ihr Gesicht schmutzverschmiert und ihr Atem stoßweise. Sie hob den Kopf, als Andreas den Raum betrat.
„Wer sind Sie? Was wollen Sie von mir?“ Ihre Stimme zitterte, ein flehender Unterton schwang mit. Doch Andreas lächelte nur, wie er es immer tat, freundlich, väterlich, wie ein Mann, der genau wusste, was er tat.
„Wir werden heute ein kleines Experiment machen“, sagte er mit ruhiger, tiefer Stimme, während er sich langsam zu ihr hinabbeugte. Seine Augen suchten ihre, als wolle er in ihre Seele blicken. „Es wird weh tun, aber das gehört dazu. Schmerz ist der Schlüssel, wissen Sie?“
Die junge Frau begann zu weinen, und Andreas lauschte dem Klang ihrer Verzweiflung. In seiner Welt bedeuteten diese Tränen nichts anderes als Fortschritt. Ein Fortschritt, den er mit jedem seiner Experimente verfolgte – ein Fortschritt, der ihm zeigte, wie Menschen in den dunkelsten Momenten reagierten, wenn alle Hoffnung verloren war.
Draußen fiel ein feiner Regen, das leise Tropfen gegen die Fenster klopfte. Die Stadt Elmwood schlief weiter friedlich und ahnungslos, während Andreas Kramer in die Schatten hinabstieg, tiefer als je zuvor. Die Maske, die er trug, war perfekt. Niemand hätte geahnt, dass der Mann, den sie als Helden sahen, zugleich ihr schlimmster Alptraum war.
Und Paul Reinhardt, der neue Detektiv, ahnte noch nicht, dass er längst in ein Spiel hineingezogen worden war, dessen Regeln niemand kannte – außer dem Mann hinter der Maske des Guten.
Kapitel 2: Die heile Welt
Das helle Licht der Morgensonne strahlte durch die bodenlangen Fenster der Küche, wo ein herrlicher Duft von frisch gebackenem Brot in der Luft lag. Es war Sonntag, und die Familie Kramer hatte sich um den großen Esstisch versammelt. Der Tisch war mit einem karierten Tischtuch bedeckt, darauf standen dampfender Kaffee, frisch gepresster Orangensaft und ein Korb voller noch warmer Brötchen. Ein harmonisches Bild, das wie aus einem Magazin für das perfekte Familienleben wirkte.
Dr. Andreas Kramer saß lächelnd an der Stirnseite des Tisches und blickte liebevoll zu seiner Frau Katharina hinüber, die gerade ihren kleinen Sohn Julian dazu überredete, eine Gabel mit Rührei zu probieren. Katharina war das Herz der Familie – eine Frau mit sanften Zügen und einem warmen, gutmütigen Wesen, das sich in jedem ihrer Worte widerspiegelte. Sie lächelte Andreas an, und es war ein Lächeln, das tiefe Verbundenheit ausdrückte.
„Papa, Papa, schau mal!“, rief seine Tochter Anna fröhlich und hielt stolz ein buntes Bild hoch, das sie während des Frühstücks gemalt hatte. Es zeigte die ganze Familie, lachend und Hand in Hand vor einem sonnigen Himmel. Andreas' Herz klopfte schneller, doch er zeigte nichts davon. Er beugte sich vor, seine Augen glänzten vor Zuneigung.
„Das ist wunderschön, mein Schatz“, sagte er und nahm das Bild entgegen. „Du wirst wirklich immer besser, vielleicht wirst du ja eines Tages eine berühmte Künstlerin.“
Anna kicherte und rutschte von ihrem Stuhl, um ihren Vater zu umarmen. Andreas hob sie hoch und setzte sie auf seinen Schoß. In diesem Moment hätte niemand gedacht, dass er derselbe Mann war, der nur wenige Stunden zuvor den Keller betreten hatte, um seine dunklen Fantasien auszuleben. Jetzt, in den Kreisen seiner Familie, schien Andreas Kramer der perfekte Vater zu sein. Seine Bewegungen waren sanft, seine Stimme warm, und sein Lächeln wirkte, als könnte es alle Sorgen der Welt vertreiben.
Katharina schaute zu, wie ihr Mann die Kinder zum Lachen brachte, und fühlte einmal mehr die tiefe Dankbarkeit, diesen Mann an ihrer Seite zu haben. Andreas hatte immer Zeit für die Familie, trotz seiner langen Schichten als Arzt. Er war der Fels, auf den sie sich stützen konnte, und die Kinder verehrten ihn. In den Augen der ganzen Gemeinde war Andreas nicht nur ein außergewöhnlicher Arzt, sondern auch ein bewundernswerter Familienmensch. Seine Beliebtheit reichte weit über die Grenzen des kleinen Elmwood hinaus.
„Andreas, die Nachbarn haben uns zum Grillen eingeladen“, erinnerte Katharina ihn, während sie den Tisch abräumte. „Sie freuen sich schon darauf, dass du kommst. Sie sagen, du bringst immer so viel Freude mit.“
Andreas lachte leise und nickte. „Das klingt schön. Ich denke, wir sollten hingehen. Es ist wichtig, die Gemeinschaft zu pflegen.“ In seinen Worten lag eine Besonnenheit, die für die anderen überzeugend klang, doch tief in seinem Inneren war es für ihn nur ein weiteres Spiel. Die Maskerade der Perfektion. Der Gedanke, dass jeder um ihn herum so blind für seine wahre Natur war, erfüllte ihn mit einer dunklen Zufriedenheit.
Plötzlich begann das Telefon zu klingeln. Andreas sah auf das Display und erkannte die Nummer seiner Praxis. Mit einer entschuldigenden Geste erhob er sich vom Tisch. „Es tut mir leid, ich muss kurz rangehen“, sagte er und ging hinaus ins Wohnzimmer, um das Gespräch entgegenzunehmen.
„Hier Dr. Kramer“, sagte er in den Hörer, seine Stimme geschäftsmäßig und kontrolliert. Am anderen Ende erklang die Stimme einer seiner Krankenschwestern, die ihm von einem Patienten berichtete, der dringend seine Hilfe benötigte. Andreas versprach, sofort zu kommen, und legte auf.
„Ich muss leider in die Praxis“, rief er zurück in die Küche, wo die Kinder nun fröhlich miteinander spielten. „Ein Notfall, ihr wisst ja, wie es ist.“ Katharina nickte verstehend, ohne einen Hauch von Missmut. „Natürlich, Schatz. Wir schaffen das schon. Wir sehen uns später.“
Andreas küsste seine Frau sanft auf die Stirn und verabschiedete sich von den Kindern. Sein Lächeln verblasste, als er zur Tür hinausging und den Wagen startete. Während er durch die Straßen von Elmwood fuhr, veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Die Sanftheit verschwand, und seine Augen nahmen wieder diesen kalten, berechnenden Ausdruck an. Der Übergang von liebevollem Familienvater zu eiskaltem Manipulator geschah nahtlos, als hätte jemand einen Schalter in ihm umgelegt.
In der Praxis angekommen, nickte er der Krankenschwester freundlich zu, bevor er in sein Büro ging und die Tür hinter sich schloss. In der Dunkelheit seines kleinen Raumes zog er sein Telefon hervor und scrollte durch eine Liste von Kontakten, die niemand außer ihm kannte. Er war auf der Suche nach dem nächsten „Kandidaten“ für seine Experimente. Ein leichtes Lächeln spielte um seine Lippen, als er einen Namen auswählte.
Er wusste, dass seine Familie ihn lieben würde, wenn er heute Abend zurückkehrte, und dass die Gemeinde ihn weiterhin verehren würde. Doch in diesen Momenten, allein in der Stille seines Büros, war Andreas Kramer bei seinem wahren Selbst. Einem Selbst, dass keine Liebe kannte, nur die Freude daran, die tiefsten Ängste der Menschen zu entfesseln – verborgen hinter der Maske des Guten.
Kapitel 3: Der Abgrund hinter der Fassade
Das Kellerlicht flackerte schwach, als Dr. Andreas Kramer die schwere Metalltür erneut öffnete. Ein vertrauter Geruch von Schweiß und Angst strömte ihm entgegen, eine Mischung, die in ihm keine Abscheu, sondern eine eigenartige Faszination weckte. Im Raum auf einem der Metallbetten lag sein neuestes Versuchsexemplar – ein Mann mittleren Alters, kräftig gebaut, doch jetzt schwach und hilflos, gefesselt und mit verzweifeltem Ausdruck im Gesicht.
Der Mann, dessen Name Andreas nicht einmal für wichtig hielt, starrte mit weit aufgerissenen Augen zu ihm hoch. Andreas betrachtete ihn wie ein Wissenschaftler ein Insekt betrachten würde, emotionslos und analytisch. Er spürte, wie sich der Adrenalinstoß durch seinen Körper zog – ein Gefühl von Kontrolle, die absolute Macht über Leben und Tod. Es war nicht das Blut oder die Gewalt, die ihn antrieb, sondern die tiefgründige Erforschung der menschlichen Psyche, die ihn reizte. Was passiert mit dem Geist eines Menschen, wenn er langsam jede Hoffnung verliert?
Der Mann begann zu wimmern, eine flehende Bitte um Gnade formte sich in seinen Augen, während er versuchte, etwas zu sagen. Die Worte erstickten jedoch in seiner Kehle, als Andreas ruhig und methodisch eine Spritze vorbereitete, eine Mischung, die speziell darauf abgestimmt war, Angst zu verstärken und den Körper in einen Zustand der absoluten Wehrlosigkeit zu versetzen. Andreas wusste, dass es keine Rückkehr mehr gab, sobald die Nadel durch die Haut brach.
„Bitte...“, brachte der Mann hervor, seine Stimme brüchig und kaum hörbar. Andreas legte den Kopf leicht schräg, sein Lächeln war beruhigend, fast sanft. „Es wird bald vorbei sein“, sagte er mit der Gelassenheit eines Arztes, der seinem Patienten versichert, dass die Behandlung bald abgeschlossen sei.
Mit der Spritze in der Hand trat er näher, und der Mann begann zu zittern. Tränen rollten über seine schmutzigen Wangen, als Andreas das kalte Metall der Nadel an seine Haut setzte. „Shh“, flüsterte Andreas, während er die Nadel in die Vene gleiten ließ und die Flüssigkeit injizierte. Der Mann keuchte, als die Wirkung einsetzte, sein Blick verlor sich, und ein leeres Starren ersetzte den Ausdruck des Entsetzens. Andreas beobachtete jedes Detail, jede Regung, die nachließ, bis nur noch ein regloser Körper vor ihm lag.
„Das Experiment ist abgeschlossen“, murmelte er fast zu sich selbst, während er den toten Körper musterte. Er fühlte weder Freude noch Trauer. Es war lediglich ein Schritt in seinem Prozess, ein weiterer Versuch, um zu verstehen, wie Menschen unter extremen Bedingungen reagierten. Sein Ziel war nicht, zu töten. Es war, die Grenzen der menschlichen Psyche zu erforschen. Der Tod war nur ein unvermeidlicher Nebeneffekt – ein Opfer, das er bereit war zu bringen.
Nachdem Andreas die notwendigen Notizen gemacht hatte, atmete er tief ein. Die Zeit der Experimente war vorbei, nun musste die Leiche entsorgt werden. Er sah auf die Uhr – es war bereits nach Mitternacht, und Elmwood schlief tief und fest. Die ideale Zeit, um seine Spuren zu beseitigen.
Draußen war die Luft kalt, und die Straßen von Elmwood lagen verlassen. Andreas lud den reglosen Körper in den Kofferraum seines Autos. Die Bewegungen waren routiniert, fast mechanisch. Es war nicht das erste Mal, dass er dies tat, und es würde nicht das letzte Mal sein. Er fuhr durch die stillen Straßen der Stadt, sein Blick auf die leeren Gehwege gerichtet, wo tagsüber Kinder spielten und Nachbarn ihre Gärten pflegten. Alles wirkte so friedlich, als wäre die Welt von Unschuld erfüllt. Aber er wusste, dass diese Unschuld nur eine Illusion war.
Nachdem er die Stadtgrenze hinter sich gelassen hatte, bog Andreas auf einen schmalen, kaum sichtbaren Waldweg ab. Die Bäume schienen ihn zu umschließen, die Dunkelheit wurde dichter, und der Weg führte immer tiefer in das Dickicht. Am Ende des Weges lag eine kleine Lichtung, ein Platz, den Andreas bereits kannte. Hier hatte er zuvor schon andere Opfer beerdigt – ein Ort, an dem niemand suchte, weil niemand wusste, dass er existierte.
Er parkte das Auto und stieg aus, öffnete den Kofferraum und zog den leblosen Körper heraus. Der Mann, der früher noch Kraft und Leben besessen hatte, hing nun schlaff in seinen Armen, ein weiteres Beispiel für die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Andreas hatte bereits im Vorfeld alles vorbereitet – eine Grube, tief genug, um sicherzustellen, dass niemand den Körper jemals finden würde.
Mit einer kühlen, emotionslosen Präzision ließ er den Körper in die Grube gleiten, seine Bewegungen fließend und routiniert. Als die Leiche am Boden der Grube aufkam, nahm Andreas eine Schaufel und begann die Erde darüber zu schütten. Jeder Schaufelstoß fühlte sich wie eine weitere Schicht der Verschleierung seiner wahren Natur an, eine weitere Maske, die er über die Wahrheit legte. Es gab kein Zögern, kein Innehalten – er wusste, was zu tun war, und tat es.
Der Mond schien durch die Baumkronen und beleuchtete kurz Andreas' Gesicht, als er die letzte Schaufel Erde auf die Grube warf. Für einen Moment wirkte sein Gesichtsausdruck nachdenklich, fast melancholisch, doch es verschwand schnell, als er die Erde glattstrich. Niemand würde ihn jemals hier finden, und niemand würde je wissen, was er getan hatte.
Wieder zurück im Auto, ließ Andreas den Motor an und blickte in den Rückspiegel. Sein Gesicht spiegelte nur Ruhe wider, eine Fassade der Unschuld. Doch tief in seinen Augen flackerte etwas Dunkles, etwas, das niemand außer ihm kannte. Während er die Rückfahrt antrat, fühlte er diese seltsame Mischung aus Leere und Kontrolle. Es war wie ein Tanz auf Messers Schneide – zwischen der heilen Fassade, die er in der Öffentlichkeit zeigte, und der dunklen, unbarmherzigen Realität, die er in der Tiefe seiner Seele verbarg.
Auf dem Weg zurück in die Stadt summte er leise eine Melodie. Er dachte an seine Familie, an die Kinder, die ihn mit Freude erwarten würden, wenn er am Morgen wieder zuhause wäre. Niemand würde etwas ahnen, und alles würde weitergehen wie bisher. Er würde wieder den liebevollen Vater spielen, der jedem den Eindruck vermittelte, nichts könnte das Glück seiner Familie jemals trüben.
In der Dunkelheit der Nacht war Andreas Kramer zufrieden. Er hatte seine Kontrolle über das Leben und den Tod bewiesen, seine Macht erneut ausgeübt. Und am nächsten Morgen würde er die Maske des Guten wieder aufsetzen und weitermachen, als wäre nichts geschehen.
Niemand wusste, was für ein Monster hinter dem charmanten Lächeln lauerte. Niemand außer ihm.
Kapitel 4: Ein Fremder in Elmwood
Der Herbstwind fegte durch die Straßen von Elmwood und ließ die bunten Blätter tanzen, als ein schwarzer Wagen langsam in die Stadt fuhr. Der Mann hinter dem Steuer blickte wachsam durch die Windschutzscheibe, seine Augen ruhten auf den Straßenschildern und den Häusern, die ihm fremd erschienen. Detektiv Paul Reinhardt war offiziell in Elmwood angekommen, und er war nicht hier, um die malerische Landschaft zu genießen. Er war auf der Suche nach Antworten – Antworten auf das Verschwinden eines Mannes, das ihm nicht aus dem Kopf ging.
Es war ein Fall, der ihn verfolgt hatte. Sein letzter Auftrag in der Großstadt, bevor er sich entschied, Elmwood eine Chance zu geben. Ein Mann, Mitte vierzig, spurlos verschwunden, zuletzt in Elmwood gesehen. Keiner der bisherigen Hinweise hatte ihn irgendwohin geführt, und Paul war fest entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen. Irgendetwas an diesem Ort, an den Aussagen der Menschen, hatte ihn misstrauisch gemacht. Und nun war er hier, bereit, die friedliche Fassade dieser Stadt zu durchbrechen, falls notwendig.
Paul parkte sein Auto vor dem örtlichen Polizeirevier, einem Gebäude, das in die Idylle passte – rotbrauner Backstein, gepflegte Beete davor, ein freundliches Schild. Er stieg aus, zog seine Jacke enger um sich und trat hinein. Das Innere des Reviers war genauso ruhig wie die Straßen draußen. Ein Beamter, der hinter dem Empfangstresen saß, blickte auf und schenkte Paul ein höfliches Lächeln.
„Kann ich Ihnen helfen?“ fragte der Beamte freundlich. Paul nickte und stellte sich vor. „Detektiv Paul Reinhardt, ich bin hier, um bei einem alten Fall nachzufassen.“ Er zog ein Foto aus seiner Jackentasche und hielt es dem Beamten hin. „Kennen Sie diesen Mann? Sein Name ist Markus Faber, er wurde vor einigen Wochen vermisst gemeldet.“
Der Beamte runzelte die Stirn und nahm das Bild in die Hand. „Ich erinnere mich, dass wir mal eine Vermisstenmeldung hatten, aber… ich glaube, es gab keine weiteren Hinweise.“ Der Beamte blätterte in einem Ordner, als Paul die Tür aufging und ein anderer Mann eintrat – Andreas Kramer. Sein Gesicht war ruhig, er lächelte sanft, als er die Szenerie im Empfangsbereich sah. „Guten Morgen, Officer Grant“, begrüßte er den Beamten freundlich, dann fiel sein Blick auf Paul.
Ihre Blicke trafen sich, und Paul bemerkte etwas an diesem Mann – er konnte nicht sagen, was es war, aber irgendetwas daran wirkte falsch. Andreas Kramer, der beliebte Arzt und Gemeindeführer, bot ihm die Hand an. „Willkommen in Elmwood. Ich bin Dr. Andreas Kramer, ich arbeite im örtlichen Krankenhaus.“ Paul nahm die Hand, schüttelte sie, und zwang sich zu einem Lächeln.
„Detektiv Paul Reinhardt“, stellte er sich erneut vor. „Ich bin hier wegen einer Vermisstenanzeige. Markus Faber. Wissen Sie zufällig etwas über ihn?“ Andreas legte den Kopf leicht schräg, als würde er überlegen. „Es tut mir leid, der Name sagt mir nichts. Ich wünschte, ich könnte Ihnen helfen.“ Seine Stimme klang aufrichtig, freundlich, und doch spürte Paul das leichte Ziehen seines Bauchgefühls – das Gefühl, dass dieser Mann etwas verbarg.
Während Paul sich weiter durch die Akten wühlte und die Menschen in Elmwood befragte, fühlte Andreas, wie sich ein düsterer Schatten über ihn legte. Der Fremde, der Detektiv, suchte nach Markus Faber, seinem letzten Opfer. Andreas wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis Paul beginnen würde, unangenehme Fragen zu stellen. Er musste vorsichtig sein. Die Fassade aufrechtzuerhalten, war entscheidend. Die Maskerade durfte niemals bröckeln, sonst würde alles auseinanderfallen.
Am Abend saß Andreas am Esstisch mit seiner Familie, und ein merkwürdiges Schweigen lag in der Luft. Katharina schaute ihn an, ihre Augen fragten stumm, ob alles in Ordnung war. Andreas zwang sich zu einem Lächeln, eines dieser liebevollen Lächeln, die seine Frau und seine Kinder so sehr schätzten. „Alles in Ordnung, Liebes“, sagte er sanft und legte seine Hand auf ihre. Doch innerlich spürte er die wachsende Anspannung.
Später in dieser Nacht, nachdem alle zu Bett gegangen waren, ging Andreas hinaus in den Garten, hinaus zur Tür des Kellers, die sich hinter den gepflegten Hecken verbarg. Er zog die Tür auf und trat hinab in die Kälte. Er musste sicherstellen, dass keine Spuren von Markus Faber zurückgeblieben waren. In dem Raum, in dem er seine Experimente durchgeführt hatte, war jetzt alles sauber, aufgeräumt, als wäre nie etwas geschehen. Doch die Leiche… Markus Faber lag in der Erde, tief begraben im Wald. Sollte der Detektiv jemals dorthin gelangen, wäre alles vorbei.
Andreas fühlte Panik in seiner Brust aufsteigen, ein seltenes Gefühl für ihn. Normalerweise hatte er alles unter Kontrolle, jede Situation war von ihm geplant, aber die Ankunft des Detektivs war eine unvorhergesehene Entwicklung. Er musste jetzt umso vorsichtiger sein, musste sicherstellen, dass Paul Reinhardt keinen Grund hatte, an ihm zu zweifeln.
Paul saß in seinem Hotelzimmer und studierte die Karte von Elmwood, die ihm der Beamte im Polizeirevier gegeben hatte. Es war eine ruhige Stadt, keine Spur von Unruhe oder Verbrechen. Und doch – Markus Faber war nicht einfach verschwunden. Irgendjemand in dieser Stadt wusste etwas, und Paul würde nicht aufgeben, bevor er die Wahrheit herausgefunden hatte.
Sein Blick fiel erneut auf das Foto von Markus, dann auf die Notizen, die er sich während seiner Befragungen gemacht hatte. Niemand in Elmwood schien Markus gekannt zu haben, als wäre er nur durch die Stadt gereist, bevor er spurlos verschwand. Aber Paul glaubte nicht an Zufälle. Irgendetwas an dieser Stadt und ihren Bewohnern schien falsch.
Am nächsten Morgen beschloss Paul, die örtliche Klinik zu besuchen, um herauszufinden, ob es irgendwelche medizinischen Berichte oder Informationen über Markus Faber gab. Als er die Klinik betrat, sah er Dr. Andreas Kramer im Korridor stehen, im Gespräch mit einer Krankenschwester. Paul ging auf ihn zu, und Andreas hob den Kopf, als er ihn bemerkte. Er lächelte, doch in seinen Augen lag etwas Kaltes, Unnahbares.
„Detektiv Reinhardt“, sagte Andreas und trat ihm entgegen. „Kann ich Ihnen behilflich sein?“ Paul nickte. „Ja, ich wollte nachfragen, ob es vielleicht irgendwelche medizinischen Berichte über Markus Faber gibt, vielleicht ist er hier behandelt worden, bevor er verschwand.“ Andreas hielt den Blickkontakt, sein Lächeln unerschütterlich. „Leider kann ich mich an keinen solchen Patienten erinnern. Aber Sie können gerne die Akten durchsehen.“
Paul nickte, dankte ihm und ging weiter, doch der unangenehme Druck in seinem Bauch ließ nicht nach. Irgendetwas an diesem Mann wirkte zu perfekt, zu glatt. Und Paul hatte gelernt, dass Menschen, die zu perfekt wirkten, meist etwas zu verbergen hatten.
Andreas schaute ihm hinterher, sein Lächeln verschwand, als Paul um die Ecke bog. Er spürte die Kälte in seinen Gliedern. Der Detektiv würde keine Ruhe geben, das wusste er. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Paul etwas fand, das ihn misstrauisch machen würde. Und dann – dann müsste Andreas sicherstellen, dass Paul Reinhardt nicht mehr im Weg stand.
In der Dunkelheit der Nacht wusste Andreas, dass die Zeit für ihn knapp wurde. Der Detektiv war eine Bedrohung für alles, was er aufgebaut hatte, für das Leben, das er so sorgfältig inszeniert hatte. Und Andreas würde nicht zulassen, dass ein Fremder seine heile Welt zerstörte.
Kapitel 5: Die Schulaufführung
Das Schulgebäude von Elmwood war festlich geschmückt, die Fenster mit bunten Zeichnungen der Kinder verziert, und von der Aula drang lebhafter Lärm und Gelächter. Heute war die große Schulaufführung, auf die die Kinder wochenlang hingearbeitet hatten, und die gesamte Gemeinde hatte sich versammelt, um das Talent und die Begeisterung der Kleinen zu bewundern. Die Stuhlreihen füllten sich schnell, und Andreas Kramer nahm in der ersten Reihe Platz, zusammen mit seiner Frau Katharina und den beiden Kindern, Anna und Julian.
Anna trug stolz ihr Kostüm – sie würde eine der kleinen Feen spielen, die dem Prinzen helfen sollten, das verlorene Königreich zu retten. Andreas lächelte sie beruhigend an, als sie aufgeregt auf ihrem Stuhl hin- und her rutschte. „Du wirst wunderbar sein“, sagte er sanft, und Anna strahlte ihn an. Katharina griff nach seiner Hand und drückte sie fest, ein Ausdruck stiller Zuneigung, den Andreas mit einem sanften Lächeln erwiderte.
Doch unter der Oberfläche brodelte etwas. Andreas' Blick schweifte unauffällig durch die Menschenmenge, sein Inneres angespannt wie eine gespannte Feder. Paul Reinhardt war hier, irgendwo zwischen all den Eltern und Kindern, das wusste er. Andreas hatte den Blick des Detektivs gespürt, hatte ihn förmlich auf seiner Haut gebrannt, als er die Aula betreten hatte. Der Detektiv war ihm gefolgt – die Schulaufführung war nur ein weiterer Ort, an dem Paul versuchen würde, ihn zu beobachten, um etwas über ihn herauszufinden.
„Andreas, sie fangen an“, Katharinas Stimme riss ihn aus seinen Gedanken, und er konzentrierte sich wieder auf das Geschehen auf der Bühne. Die Kinder traten in ihren Kostümen auf, ihre Stimmen hell und klar, während sie ihre Rollen spielten. Anna stand stolz in der Mitte, ihre Flügel glitzerten im Licht der Scheinwerfer, und Andreas fühlte einen Moment der reinen Freude, als er seine Tochter sah. Er klatschte, als sie ihre erste Zeile sprach, seine Augen vor Stolz glänzend, und alle um ihn herum lächelten ihm zu. Für alle anderen war er der perfekte Vater, der liebevolle Ehemann – ein Mann, der nur das Beste für seine Familie wollte.
Doch Andreas wusste, dass Paul irgendwo da draußen war, ihn beobachtete, nach einem Anzeichen suchte, dass der Mann, den alle bewunderten, nicht der war, für den sie ihn hielten.
Paul saß ein paar Reihen weiter hinten, seine Augen fest auf Andreas gerichtet. Er sah, wie der Arzt lachte, seine Kinder liebevoll anblickte und stolz applaudierte. Doch irgendetwas an diesem Bild wirkte falsch. Es war zu perfekt, zu inszeniert. Paul konnte nicht erklären, warum, aber sein Bauchgefühl sagte ihm, dass Andreas Kramer etwas verbarg. Der Mann war immer genau dort, wo er sein sollte – als Arzt, als Vater, als Gemeindeführer. Es gab nie eine Ungereimtheit, nie eine Abweichung. Es war, als würde Andreas Kramer ein Schauspiel aufführen, und die ganze Stadt war sein Publikum.
Paul beobachtete, wie Andreas sich zu seiner Frau neigte und ihr etwas ins Ohr flüsterte, woraufhin sie lächelte und nickte. Alles an ihm schien authentisch – das Lachen, die Gesten, die Fürsorge. Doch Paul wusste, dass manche Menschen so gut darin waren, Masken zu tragen, dass es fast unmöglich war, die wahre Person dahinter zu erkennen.
Andreas spürte den Blick auf sich, doch er ließ sich nichts anmerken. Er klatschte mit den anderen Eltern, hob Julian auf seine Schultern, damit er besser sehen konnte, und lächelte die anderen Eltern freundlich an, als die Vorstellung zu Ende ging. Er war der charmante, zugängliche Mann, den alle kannten und liebten – der perfekte Nachbar, der freundliche Arzt. Doch tief in seinem Inneren war Andreas angespannt, jeder Muskel seines Körpers bereit, falls etwas schieflaufen sollte.
Nach der Vorstellung strömten die Eltern auf die Bühne zu, um ihre Kinder zu beglückwünschen. Andreas nahm Anna in den Arm, küsste sie auf die Stirn und sagte ihr, wie stolz er auf sie sei. Er spürte die Blicke der anderen Eltern auf sich und lächelte. Es war ein Lächeln, das alles sagen sollte – die Freude über den Erfolg seiner Tochter, die Zufriedenheit, hier in dieser kleinen, heilen Welt zu sein.
Doch aus den Augenwinkeln sah er Paul, wie er abseits stand, beobachtend. Andreas spürte einen Anflug von Panik, der ihm in die Kehle stieg. Hatte Paul etwas bemerkt? War es möglich, dass seine Fassade Risse bekommen hatte? Er zwang sich, ruhig zu bleiben, ließ sein Lächeln nicht verblassen. Er durfte keine Schwäche zeigen, nicht hier, nicht jetzt, nicht vor seiner Familie.
Paul trat langsam näher, als die Menschenmenge sich auflöste. Andreas sah ihn und nickte ihm freundlich zu, als ob er nichts zu verbergen hätte. „Detektiv Reinhardt“, begrüßte er ihn, „ich hoffe, Sie genießen den Abend.“ Seine Stimme klang warm, sein Lächeln unverändert. Paul erwiderte den Gruß, seine Augen durchbohrten Andreas jedoch, als ob er versuchte, durch die Maske des Guten zu blicken.
„Es war eine schöne Vorstellung“, sagte Paul, seine Stimme sachlich, aber scharf. „Ihre Tochter hat großartig gespielt.“ Andreas nickte dankbar, sein Blick kurz zu Anna gleitend, die immer noch aufgeregt mit ihren Freunden sprach. „Vielen Dank, das bedeutet uns viel.“ Er spürte die Spannung, die wie eine unsichtbare Mauer zwischen ihnen stand, und wusste, dass Paul nicht aufgeben würde. Er musste vorsichtig sein, durfte sich keine Blöße geben.
Katharina kam zu ihnen, die Hände in den Taschen ihres Mantels. Sie schenkte Paul ein freundliches Lächeln, nichtsahnend, dass der Mann vor ihr ihren Ehemann als möglichen Mörder betrachtete. „Kommen Sie doch einmal zu uns zum Abendessen, Detektiv Reinhardt“, sagte sie höflich. „Ich bin sicher, Andreas hätte nichts dagegen, oder Schatz?“ Andreas’ Lächeln war weiterhin perfekt. „Natürlich nicht, es wäre mir eine Freude.“
Paul nickte, ein Hauch von Skepsis in seinen Augen. „Das wäre nett, danke“, sagte er, doch es klang nicht, als wäre er tatsächlich an einem geselligen Abend interessiert. Andreas wusste, dass dies ein Spiel war – ein Spiel, das er nicht verlieren durfte. Er musste Paul beweisen, dass er nichts zu verbergen hatte, dass er der Mann war, für den ihn alle hielten.
Als sie später nach Hause gingen, legte sich eine eigenartige Stille über Andreas. Er beobachtete Katharina und die Kinder, wie sie lachend ins Haus stürmten, das Lachen hallte durch den Flur, und doch fühlte er sich von all dem abgeschnitten. Er spürte, dass der Druck wuchs. Paul Reinhardt würde nicht einfach aufgeben. Er würde weiter graben, bis er etwas fand – und Andreas musste sicherstellen, dass es nichts zu finden gab.
In dieser Nacht, als alle schliefen, saß Andreas in seinem Arbeitszimmer und starrte auf die dunkle Straße hinaus. Das Gefühl, beobachtet zu werden, ließ ihn nicht los. Paul war ein Problem, ein Problem, das er irgendwie lösen musste. Die Maskerade konnte nicht ewig halten, wenn der Detektiv ihm weiter auf den Fersen war. Andreas wusste, dass er handeln musste – und zwar bald, bevor die Fassade zu bröckeln begann.
Die Maske des Guten durfte niemals fallen.
Kapitel 6: Ein riskanter Plan