Die Rettung der Nacht - Christian Seltmann - E-Book

Die Rettung der Nacht E-Book

Christian Seltmann

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Beschreibung

Katha (8) und Jo (10) werden von ihren Eltern ein paar Tage bei ihrer Tante Anna untergebracht. Sie finden nachts ein rätselhaftes Buch, mit dessen Hilfe sie sich in Elben verwandeln können. Feen-artige Wesen, die auf Katzen und Fledermäusen durch die Nacht reiten. Sie lernen Schwarz- und Weiß-Elben kennen, Jo stellt sich als begnadeter Reiter heraus, rettet die Welt in einem Abenteuer voller Gefahren, Fallen und unglaublichen Wendungen – und wird der König aller Elben. Außerdem kommen sie noch hinter das große Geheimnis, das ihre Eltern vor ihnen verbergen… Das Ganze erzählt in der Dramaturgie eines märchenhaft-rasanten Films, mit harten Schnitten und frechen Sprüchen, mit den Bestandteilen einer typischen Mädchenserie und dem Hintergrund eines tiefsinnigen Kinderbuchs.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

1 – Die schillernde Tante

2 – Der schwarze Mann

3 – Das offene Fenster

4 – Das Buch ist weg

5 – Im Krabbelreich

6 – Wagnis

7 – Die Verwandlung

8 – Mit Mühe und Not

9 – Befremdliches Frühstück

10 - Großes Hallo

11 – Eine große Ehre

12 – Die Weiß-Elben

13 – Das Natur-Talent

14 – Die Schlucht

15 – Der Sieger

16 – Die Herausforderung

17 – Nachforschungen

18 – Fragen über Fragen

19 – Erkenntnis

20 – Gefahr

21 – Ein kleiner Junge

22 – Auf der Suche nach einem Ausweg

23 – Nichts als die Wahrheit

24 – Das Rennen

25 – Der Betrug

26 – Die Erkenntnis

27 – Die Herrschaft

28 – Der Pakt

29 – Das neue Heim

30 - Der große König

31 – Papas Gruß

Impressum

Die Rettung der Nacht

Roman für

die NETFLIX-Generation

ab 8

von Christian Seltmann

Die Rettung der Nacht

Copyright @ 2025 Christian Seltmann

Titel-Illustration: Matthia Tiemeyer

Alle Rechte vorbehalten

1 – Die schillernde Tante

„Das wird super!“, freut Katha sich.

„Katharina, Schatz, komm, hast du den Esther?“

„Klar, Mama, ich bin doch kein Baby mehr!“ Katharina hält ihren abgeliebten Teddy hoch. Den Esther.

„Da bin ich mir nicht sicher!“, lacht Papa und wuschelt Jo durch die Haare.

„Lass das! Papa!“ Jo zieht den Kopf weg und vergräbt die Nase wieder in seinem Buch.

„Ach, ihr werdet immer meine Babys bleiben!“, sagt Papa. „Ich vermisse euch jetzt schon.“

„Anna!“, ruft Mama. “Wir sind da!“

Gespannt blickt Katha die Auffahrt der Villa hinauf. Die Villa erhebt sich malerisch über einem Hang voller alter Bäume, Kieswege und sogar einem Teich. Mit einem breiten Lächeln kommt Tante Anna ihnen entgegen. Katha staunt. Anna sieht richtig elegant aus in ihrem grün-schwarz schimmernden Rock und der smaragd-farbenen Bluse.

Schon fallen Mama und Tante Anna sich in die Arme. Dann wendet Anna sich an Katha. „Klingt jetzt doof, weil alte Tanten das immer sagen, aber du bist wirklich groß geworden, Katharina.“

„Du bist doch keine alte Tante!“, sagt Papa.

„Stephan!“ Anna und Papa nehmen sich kurz in den Arm.

„In welcher Klasse seid ihr jetzt? Vierte und dritte?“

„Ich dritte“, sagt Jo.

„Ich zweite“, ergänzt Katharina und bewundert den großen honig-farbenen Anhänger, den Tante Anna an einer Kette mit Holzperlen um den Hals trägt.

„Jetzt aber los“, Papa blickt auf die Uhr. „Sonst verpassen wir den Zug.“ „Vergiss nicht, fürs Konzert zu üben!“, sagt Mama mit einem strengen Blick auf Jos Geigenkasten. „Ja-ha!“ „Und nicht fiedeln!“ „Ja-ha!“

Und schon brausen Mama und Papa davon. Anna und die Kinder winken zum Abschied.

„Dann: herzlich willkommen in der Villa Honigtopf!“ Anna trägt die Kopfkissenpakete und Kathas kleinen Rucksack. Jo nimmt seine Sachen selbst. Katha hält den Esther ganz fest und fragt sich, warum die Villa Honigtopf heißt, was das für ein Anhänger um Annas Hals ist und ob sie es ohne Mama und Papa eine Woche aushalten wird.

2 – Der schwarze Mann

„Was ist das?“ fragt Jo als sie durch den Garten hinauf zum Eingang gehen.

„Ein Insekten-Hotel!“, ruft jemand durch die Büsche. Und da kommt auch schon ein großer Mann mit einem schwarzen Bart und einem noch schwärzeren Hut. Katha erschrickt sich und greift nach Tante Annas Hand. „Ich bin Herr Hirsch!“, der Mann klopft mit einem seiner langen dünnen Finger an die Krempe seines Huts. „Anna!“

„Gustav, ich wusste gar nicht, dass du wieder im Lande bist“, sagt Tante Anna. Für Katha klingt Annas Ton abweisend, und sie fragt sich, was zwischen Tante Anna und dem Mann vor sich geht.

„Willst du es dir mal ansehen?“ Der schwarze Mann wendet sich an Jo.

Jo blickt fragend zu Anna, aber die sagt: „Später vielleicht. Sie müssen erstmal ankommen. Die Kinder meiner Schwester sind bis zum nächsten Wochenende bei mir.“

„Unsere Eltern sind auf Exkursion“, sagt Katha schnell, weil sie irgendwie das Gefühl hat, als müsse sie dem Mann das erklären. „Sie sind Biologen.“

„Ja“, sagt der Mann und beugt sich zu ihr. „Das Leben ist eine faszinierende Sache. Es steckt in allem – aber es ist so zerbrechlich!“

„Wir sehen uns, Gustav“, Anna zieht die Kinder weiter. Jo dreht sich noch einmal um. Der Mann steht an seiner Seite des Gartenzauns und zündet sich eine Pfeife an. Lächelnd hebt er die Hand.

3 – Das offene Fenster

„Tante Anna ist nett!“, sagt Katha, nachdem sie das gesamte Haus durchstöbert, den Garten bestaunt, die Fische gefüttert und einen riesigen Stapel Eierpfannkuchen mit Ahornsirup verdrückt haben. Dann hat Anna ihnen noch eine Geschichte erzählt. Sie hat sie nicht vorgelesen, sondern einfach so erzählt. Als hätte sie sie selbst erlebt. Sie handelte davon, dass zwei kleine Mädchen und ihr großer Bruder in ein merkwürdiges Land kommen, und dort gerät der Bruder in große Gefahr. Nun liegen die beiden im Bett. Jo liest, Katha spricht mit Esther. Da fällt ihr Blick auf etwas unter dem kleinen Tischchen. „Was ist das?“

„Was?“

„Da!“

Jo springt aus dem Bett. „Ein Buch!“

„Pass auf!“ sagt Katha. Der Vorhang am offenen Fenster bewegt sich im lauen Nachtwind.

„Guck mal!“ Jo hat das Buch aufgeschlagen und sein Gesicht leuchtet. Nicht wie sonst, wenn er liest, denn das ist seine Lieblingsbeschäftigung. Sondern wie von innen. Katha hält den Esther fester. „Was denn?“

Jo gibt nur ein Brummen von sich, während er die Seiten umblättert.

„Leg es weg!“ Katha bekommt es mit der Angst zu tun.

Jo kann sich von dem Buch gar nicht lösen. Er hockt auf der Erde, blättert und guckt und liest und irgendwann muss Katha darüber eingeschlafen sein, denn als sie die Augen wieder aufmacht, scheint ihr die Morgensonne ins Gesicht. Jo aber verschläft. Er verschläft das tolle Frühstück und krabbelt erst aus dem Bett als es an der Tür läutet. „Wer das wohl ist?“

Anna steht auf.

Katha knabbert an einem Schokohörnchen als sie Annas unterdrückte, aber eindringliche Stimme hört: „Nein, nein, nein.“ Katha pirscht in den Flur und hört die Stimme von Herrn Hirsch: „Anna, du kannst das doch nicht für immer verheimlichen!“

„Gustav, das ist meine Sache!“

„Du weißt, dass das niemals allein deine Sache sein kann.“

„Ich habe die Verantwortung für sie!“

Da kommt Jo die Treppe heruntergeschlurft. „Morgen!“

„Guten Morgen, du Nachtfalter!“ lacht Herr Hirsch.

„Jo! Das Frühstück ist im kleinen Salon.“ Anna beeilt sich, Jo loszuwerden. Da bemerkt sie Katha. „Und du?“

„Na?“, lacht Herr Hirsch. „Da sind ja alle unsere neugierigen Grashüpfer beisammen!“

„Du? Tante Anna?“, fragt Jo, immer noch ein wenig verschlafen. „Ich habe die ganze Nacht gelesen …“

„Ach?“, wundert Anna sich.

„Ja, wir haben so ein komisches Buch gefunden in unserem Zimmer …“

Anna sieht entsetzt Herrn Hirsch an. „Was?“

„Es lag unter dem kleinen Tisch am Fenster!“, beeilt sich Katha zu sagen.

Anna stemmt empört die Fäuste in die Seiten und funkelt Herrn Hirsch an. „Was?“

„Aber, ich habe nicht viel begriffen“, sagt Jo.

„Das“, Herr Hirsch schiebt sich noch ein wenig weiter in den Flur, sodass er fast die gesamte Türöffnung verdunkelt. „Das liegt daran, dass man manche Bücher laut lesen muss!“

„Und manche besser gar nicht!“, Anna schiebt ihn mit der Hand vor sich her, hinaus auf die Treppe. „Wir haben heute was vor.“

„Viel Spaß dabei!“, winkt Herr Hirsch.

4 – Das Buch ist weg

Und dann folgt ein Tag … ein Tag wie sie ihn noch nie erlebt haben. Tante Anna ist eine wirkliche Wirbel-Dame, die mit vollendeter Eleganz in Garten-Lokalen Eisbomben bestellen, einen Kopfsprung vom Dreimeter-Brett, Auto fahren wie ein Autobahn-Polizist und Kinderherzen zum Fliegen bringen kann. „Mann, jetzt bin ich platt!“ Jo streckt sich, schiebt den Teller von sich und gähnt.

„Junger Mann“, grinsend hebt Tante Anna eine ihrer scharf geschnittenen Brauen und die gift-grünen Augen blitzen.

„Sorry“, Jo hält sich schnell die Hand vor den Mund.

Schwungvoll steht Anna auf und schwebt vom kleinen Salon Richtung Küche, wobei der dünne schwarze Hausmantel hinter ihr her schwebt wie ein Paar silbriger Flügel.

Nach der Gute Nacht-Geschichte, in der die Kinder erfahren, dass der Junge niemals wiedergefunden wurde, löscht Anna das Licht und geht hinaus. Die Vorhänge wehen und ein kleines Stück vom Sternenhimmel kann Katha sehen. „Gut, dass das Buch weg ist!“, sagt sie. Und fällt in einen Schlaf und träumt, dass sie die Welt weit unter sich dahinziehen sieht, die Stadt, die Wiesen, die Flüsse und dann wacht sie auf und es ist immer noch Nacht. Jo sitzt auf dem Boden, neben dem Tischchen. „Guck mal“, flüstert er. „Ich habe das Buch wiedergefunden!“

„Wie denn?“

„Ich weiß es nicht. Ich bin aufgewacht, und da lag es hier auf dem Tischchen.“

„Vielleicht hat es jemand da hingelegt“, wispert Katha.

„Hier, in den zweiten Stock?“, Jo schüttelt den Kopf.

Dann schlägt er die erste Seite auf und beginnt laut zu lesen: „Brudibruda, brandlbrusel, grandich, krada, kruchel.“

„Was soll das heißen?“ Das will Katha sagen, aber sie kann es nicht aussprechen, denn alles an ihr kribbelt. Ihr Haar, ihr Rücken, ihre Füße und dann reißt sie die Augen auf, denn Jo verwandelt sich:

„Du bist …“ sagt Jo. Und seine Stimme klingt seltsam.

5 – Im Krabbelreich

Katha kann es kaum glauben. Die Möbel wachsen in rasender Geschwindigkeit um sie herum, die Wände dehnen sich aus. Die Zimmerdecke scheint so weit entfernt wie der Nachthimmel. „Jo! Wo bist du?“

„Hier!“, ruft Jo und guckt hinter dem Papierkorb hervor, der ihn locker um das Vierfache überragt. „Was passiert hier?“ „Hinter dir!“, sagt Jo und reißt die Augen auf. Es ist nur eine Maus – aber was für eine! Sie ist so groß wie ein Schäferhund und kommt neugierig herangeschnüffelt. Katha weicht zurück. Jo erblickt ein abgebrochenes Streichholz und ergreift es wie einen Speer. „Hey, hey hey!“, brummelt die Maus. „Langsam, mein Freund. Ich bin doch nur ein Mäuschen!

---ENDE DER LESEPROBE---