Gedichte - Irene Dannenberg - E-Book

Gedichte E-Book

Irene Dannenberg

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Beschreibung

Gedichte fassen in Worte, was anders kaum gesagt werden kann. Ihr neuntes Buch widmet Irene Dannenberg wieder ausschließlich der Dichtkunst.

Das E-Book Gedichte wird angeboten von BoD - Books on Demand und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Gedichte,Sonette,Dichtkunst,Reisen,Lebensgedichte

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Seitenzahl: 83

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 Reisegedichte

Kapitel 2 Schicksalsgedichte

Kapitel 3 Berufe

Kapitel 4 Stimmungen und Gedanken

1. Reisegedichte

Wismar-Poel – ein Insel-Sonett

Wismar am Ostseestrand

Im schönen Mecklenburger Land.

Drei Kirchen sind Dein Wahrzeichen.

Die rauen Ostseewinde über Deine Flanken streichen.

Verkaufsboote haben am alten Hafen festgemacht

Und die Sonne wieder vom Himmel lacht.

Möwen ziehen ihre Kreise

Und wir halten im Eiscafé auf unserer Stadtreise.

Schiffe fahren in den Hafen ein

Seien sie groß oder klein

Und grüßen herüber.

Die See singt ihre uralten Lieder

Ewig schlagen die Wellen an den Strand

Und spülen über den Ufersand.

Die blaue Stunde – Murnau-Sonett

Die Sonne ist gegangen

Die Berge sind wolkenverhangen

Und schimmern bläulich herüber.

Überall erklingen der Vögel Frühlingslieder.

Ein Lüftchen weht

Der Tag geht

Alles wird still

Vergessen des Tages Unbill.

Friede kehrt ein

In der Welt.

Drüben drohen die Bergriesen unterm Himmelszelt.

Die Wälder atmen gute Luft

Ein einsamer Vogel noch ruft

Dann bleibt nur noch das Wehen der Nacht.

Staffelsee-Sonett

Endlich, endlich darf ich Dich schauen

Ich kann meinen Augen noch gar nicht trauen.

Es ist noch früh am Morgen

Die Berge sind noch unter Wolken verborgen.

Seehausens Kirchturm spitzt

Über die Bäume itzt.

Ein Löffler ruft herüber

Und der Vögel Lieder

Erfüllen die laue Morgenluft

Und der Blütenduft

Lockt die Insekten an.

Eine Glocke schlägt von Ferne

Und friedlich ist die Welt.

So sie mir gefällt!

Abend in Murnau am Staffelsee – Sonettenduett

1. Mich zieht es zum Schloss hinauf.

Vielleicht ist das Museum schon bald auf?!

Schon geht es flugs die Burgstraße hinauf.

Da geht ein Remisentor auf.

Der Herr gibt Auskunft geschwind,

Dass ab Morgen Museum und Geschäfte geöffnet sind.

Zur Straße nach Seehausen geht es dann.

Wo ich mir ein Eis kaufen kann.

Zur Post geht es nun hinauf

Zum Kulturhaus.

Da sieht es mir auf einmal wie damals aus.

In dieser Ecke war ich vor vierzig Jahren schon

Ich erinnere mich, als ich mit meinen Eltern hier war

Vor Tag und Jahr.

2. Die Rathausfenster hell erleuchtet sind.

Die Lüftlmalereien gut zu erkennen sind.

Die Straße liegt verlassen da

Romantisch beleuchtet von alten Laternen gar.

Beim Laufen kommen mir Melodien in den Sinn

Und auf dem Heimweg ich lustig am Pfeifen bin.

So fröhlich war ich schon lange nicht mehr,

Ach, das letzte Mal ist schon lange her.

Die Berge sind regenverhangen

Und dräuen herüber.

Aus Baum und Strauch tönen der Vögel Lieder.

Zurück geht es geschwind,

Denn der Regen hat meine Jacke durchnässt.

Die Stunden so schnell vergangen sind!

Alpenglühen – Sonettenduett

1. Der späte Wanderer zieht auf Ramsach zu

Und genießt den Abendfrieden.

Über den Bergen ist Ruh’

Und die Wolken ziehen auf und zu.

An der Ramsach entlang

Zieht der späte Wandersmann.

Er genießt von einer einsamen Bank

Der Berge Abendbann.

Rötlich die Felsen glühen

Darüber die weißen und grauen Wolken ziehen

Und der Schneefirnis glänzt im Abendsonnenschein.

Kuhglocken bimmeln im Abendhauch

Vöglein fliegen von Ast zu Ast, von Strauch zu Strauch

Und zwitschern ihr fröhliches Lied.

2. Deine Schätze durfte der späte Wanderer nicht sehen,

Erfuhr nur, was in den vielen Jahren geschehen

Und von der keltischen Kultstätte an diesem Ort,

Alten Kultes Hort.

Geheimnisumwoben ist das Heiligtum

Ein Zeugnis aus dem frühen Christentum.

Ein irogallischer Mönch hat es gebracht.

Merke wohl und es beacht’!

Ein Glockenklang weht darüber hin

Und weckt nach Abendandacht mir den Sinn.

Und der Blick in die Berge lässt mich Gottes Frieden erahnen.

Der wie ein Zeiger erhobene Turm will uns gemahnen,

Der Pesttoten zu gedenken

Und ihnen in seinem Schatten die ewige Ruhe zu schenken.

Seehausener Abendstimmung – Sonettenterzett

1. Mich wehen Erinnerungen an

Sobald ich etwas von damals finden kann.

Der See liegt verzaubert im Abendlicht.

Wunderschön ist die Abendbergsicht.

Grillen zirpen im Moor

Die Wolken bilden ein Tor

Für die Abendsonnenstrahlen,

Die ihre Farben aufs Wasser malen.

Still bewegt ist der See

Der Lufthauch ist voll stillem Weh

Um die vergangene Zeit.

Damals ward ihr noch da, ihr Lieben.

Wo sind die schönen Stunden mit euch geblieben?

Im Abendhimmel ist der Übergang von der Zeit zur Ewigkeit.

2. Fröhlich die Vögel singen

Ihre Lieder klingen

Übers abendliche Moor

Und das Schilfrohr

Wiegt sich im Abendhauch.

Baum und Strauch

Bedecken den Hügel vor mir.

Im Gebüsch raschelt so manches Getier.

Eine Bachstelze hüpft mit wippendem Schwanz

Und die Mücken vollführen ihren abendlichen Tanz

In der lauen Luft.

Im nahen Wald ein Kuckuck ruft

Schon lange ist das her

Und das Herz wird mir vor Erinnerungen schwer.

3. Stille senkt sich herab

Boote dümpeln auf und ab

Im sanften Wellenspiel.

Ach, das Abendtreiben mir stets gefiel!

Die Wolken sich am Himmel türmen

Als wollten sie das Gebirge beschirmen.

Ein Wasservogel breitet seine Schwingen aus

Und fliegt in die Weite hinaus.

Die Wellen schwappen auf den Strand

Die Sonne hat ihre letzten Strahlen gesandt

Und lässt die Berge erglühen

Und die weißen Wolken, die wie Boote im Himmel vorüberziehen.

Die Kirchturmglocke schlägt die Stunde

Und ich beende meine Erinnerungsrunde.

Murnau am Staffelsee – Sonett

Oh, schöner Staffelsee,

Scheiden tut so weh!

Enten aller Art

Tummeln sich im blauen Wasser so zart.

Deine Ufer sind so grün.

Wolken über den Bergen zieh’n.

Vögel singen so schön.

Die Berge sind so schön anzuseh’n.

Es murmelt der kleine Bach.

Wellen schwappen an den Strand.

Grün ist das Land.

Stier, Kühe und Kälber

Sind zusammen auf der Weide so saftig und grün

Und am Himmel die weißen Wölkchen zieh’n.

Hiddensee-Sonett

Heute ging es nach Hiddensee.

Die Wellenkämme waren weiß wie Schnee.

Durch Wald und Häuser gesäumte Wege dann

Ging es über eine Treppe zum Friedhof hinan.

Ein Blick in die Kirche hinein:

Klein, aber fein!

Zum Grab dann

Von Hauptmann.

Die Imbisse muten wie in Jurmala an

Es stand sogar Soljanka dann und wann

Auf der Speisekarte.

Warte, warte!

Schon blickt es durch die Bäume,

Das Hauptmannhaus meiner Kindheitsträume!

Abend am Sund – ein Sonett

Die Wolken ziehen

Die Tage fliehen.

Die Möwen gellend lachen.

Übers Wasser ziehen Segelboot und Nachen.

Vögel singen so schön.

Laue Lüftchen weh’n.

Das Wasser streichelt meine Beine so angenehm.

In der Ferne ist das Ufer von Rügen zu seh’n.

Die Wellen schwappen an den Strand

Füße tappen über den Sand

Möwen wandern futtersuchend umher,

-->

Mein Blick geht hinaus aufs weite Meer.

Segelboote ziehen.

Die Stunden entfliehen.

Abschied von Stralsund – ein Sonettenduett

1. Morgen muss ich scheiden

Von dir, du schöne Stadt

Und von den schönen Inseln den beiden,

Wo mich so manche Tour hingezogen hat.

Stralsund meerumschlungen

Am schönen Strelasund

Nun sei dir noch ein Abschiedslied gesungen

Beim Blick ins pastellfarbene Abendrund.

Die Wellen schlagen an den Strand

Darüber der zartfarbene Abendhimmel

Und drüben das schöne Rügenland

Mit der Kreidefelsen schönem Malmotiv gar

Und dem See von Sellin und Baabe

Der Möwen und Raben Schar.

2. Hiddensee

Du süßes Inselland

In der schönen Ostsee,

Wo Gerhart Hauptmann einen Arbeitsort fand.

Die gellenden Schreie der Lachmöwen dringen herüber

Die ich schon einmal gehört.

Bringen mir teure Erinnerungen wieder.

Manchmal haben sie unsere Nachtruhe gestört.

Muscheln bringt das Meer herein

Beim letzten Abendschein.

Die letzten Vögel singen.

Bald hörst du nur noch das Rauschen der Wellen,

Die unaufhörlich an den Strand schnellen

Und ab und zu einer Möwe Schrei.

Meine jungen Jahre – ein Sonettenterzett

1. Lang, lang ist’s her,

Als ich hörte die Mär’

Von meiner Mutter Heimatland.

Und ich lauschte gebannt

Ihren Erzählungen gar.

Mein größter Wunsch es war

Einmal dorthin zu fahren. -

Nach langen Jahren

Es mir schließlich gelang.

Ich hab’ noch ihrer Stimme Klang

In meinem Ohr.

Und so fuhr ich los.

Die Aufregung war groß.

Der Rathausturm sich in der Weite schon verlor,

2. Da endlich war ich da,

War ihr so nah,

Wie lange nicht,

Sehe noch immer ihr liebes Gesicht.

Kindheitstage,

Wie seid ihr so fern,

Strahlt so vage,

Wie ein einsamer Stern

Im weiten Himmelsmeer.

Ach, wie vermisse ich Dich doch so sehr!

Du und Deine Erzählungen sind

So fern wie meine Tage als Kind

Und doch so nah,

Als wärst auch Du noch immer da.

3. Es war, als wärst Du mein Begleiter

Auf meiner Tour durch Deine Stadt.

Es ging noch immer weiter

Zur „guten Stube“, wo sich nichts verändert hat.

Der exotische Garten blüht wie eh’ und je

In den trutzigen Wallanlagen.

Es war, als wenn ich Dich noch immer seh’,

So, wie Du warst in Deinen Kindertagen,

So, wie Dich die alten Fotos zeigen,

Die die lange Flucht mitgemacht.

Es ist, als wenn wir noch sitzen und schweigen

Und haben über das Erzählte nachgedacht.-

Es ist so weit und doch ganz nah,

Als ob es gestern geschah.

Schweizausflug – Sonettenquartett

1. Unter einer dunklen Wolkendecke

Die Schweizer Berge liegen.

Der Dampfer fährt stampfend die Strecke.

Als wir um die Ecke biegen

Reißt die Wolkendecke auf

Und der Blick wird frei in die Berge hinauf.

Wunderschön grün sind die Matten

Durchbrochen von Waldesschatten.

Da grüßt schon Rorschach herüber.

Ach, heute seh’ ich es wieder.

Lang, lang ist’s her.

Erinnerungen werden wach

An die vergangene Zeit.

Meine Reisegefährtin ist schon in der Ewigkeit.

2. Ach, so schön war es mit ihr!

Nun bin nur noch ich hier,

Alle sind sie gegangen,

Die schönen Stunden mit’nander vergangen!

Wo ist die Zeit geblieben?

Wie viel ist mir noch beschieden

Von diesseitigem Glück?

Heute blicke ich auf vergangene Tage zurück

Und genieße den schönen See.

Doch schon kommt wieder der Abschied

Und der tut doch so weh!

Wasserburg, das Kleinod auf dem Eiland,

Eine Perle im Bayernland,

Grüßt zur Ankunft so schön voraus.

3. Langenargen im Abendglast

Empfängt mich als letzte Station.

Ab fällt des Tages Last.

Schiff voraus taucht das Schloss auf als alte Bastion.

Unterm Sonnenglanz

Auf den Wellen ein Lichtertanz.

Musik klingt herüber

Und meine Seele findet den Frieden wieder.

Der See in seiner Abendstimmung gar

Lockt mich zu spielen vor der Zuhörerschar

Ringsum auf den Bänken.

Ich schöpfe meine Melodien

Aus den Wolken die vorüberzieh’n,