Gelassen durch den Alltag - Oliver Petersen - E-Book

Gelassen durch den Alltag E-Book

Oliver Petersen

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Beschreibung

Streit auf der Arbeit, Konflikte in der Beziehung, Diskussionen mit den Kindern: Immer wieder bestimmen negative Emotionen unseren Alltag. Oliver Petersen zeigt, wie wir solche Momente vermeiden können. Anhand des buddhistischen Konzepts des Gleichmuts lernen wir, entspannt und ausgeglichen zu sein, denn Gleichmut ist die Basis für Lebensfreude und Liebe. Erst, wenn wir uns nicht mehr von unseren Emotionen leiten lassen, sondern Situationen entspannt beurteilen, sind wir bereit für das Glück, das an jeder Ecke auf uns wartet.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Das Buch

Ganz entspannt bleiben egal, was kommt

Glücklich, entspannt und gelassen – so sollte unser Alltag aussehen. Mit Hilfe des buddhistischen Konzepts des Gleichmuts kann uns das gelingen, denn je ausgeglichener wir sind, desto mehr Freude und Liebe kommt in unser Leben. Erst, wenn wir uns nicht mehr nur von unseren Emotionen leiten lassen, sondern Situationen entspannt beurteilen, sind wir bereit für das Glück, das an jeder Ecke auf uns wartet.

Der Autor

Oliver Petersen, geboren 1961, ist seit über dreißig Jahren buddhistischer Lehrer an dem renommierten Institut des Tibetischen Zentrums e.V. Hamburg, das unter der Schirmherrschaft des Dalai Lama steht. Er hat Tibetologie, Philosophie und Religionswissenschaft an der Universität Hamburg studiert.

OLIVER PETERSEN

WIE DIE BUDDHISTISCHE LEBENSKUNST UNS GLÜCKLICH MACHT

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ISBN 978-3-8437-2046-5

© 2019 by Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin

Lektorat: Gudrun Jänisch

Umschlaggestaltung: zero-media.net, München

E-Book: LVD GmbH, Berlin

Alle Rechte vorbehalten.

Inhalt
Über das Buch/ Über den Autor
Titel
Impressum
Vorwort
KANN ICH GLÜCKLICHSEIN TRAINIEREN?
IST GLÜCK GLÜCKSSACHE?
WEGE ZUM GLÜCK
WENIGER IST MEHR
FREUNDE - WICHTIGER ALS RUHM UND MACHT
SCHÖNHEIT UND GLÜCK
ERSATZBEDÜRFNISSE ALS GLÜCKSBRINGER
KRISEN ALS CHANCEN NUTZEN
DIE GEISTIGE AUSRICHTUNG
BESINNUNG ZUM POSITIVEN
KANN ICH MICH WEITERENTWICKELN?
DAS INNERE LICHT
MERKMALE GEISTIGER AKTIVITÄT
DER STETIGE WANDEL
DIE NEUROWISSENSCHAFT BELEGT
IST DER MENSCH GUT?
DIE KRAFT DER GEWOHNHEIT
MEDITATION - WIE GEHT DAS?
DIE PFLEGE DES GEISTES
ETHIK ALS GRUNDLAGE
WIRKUNGSKRAFT DER HANDLUNGEN
EINEN MEDITATIONSORT EINRICHTEN UND DIE INNERE HALTUNG FINDEN
MY HOME IS MY TEMPLE
KÖRPERHALTUNG UND ABLAUF DER SITZUNG
WEITERE PRAKTISCHE RATSCHLÄGE
DAS WUNDER DER ACHTSAMKEIT
DAS TELESKOP DES GEISTES
WAS BEDEUTET ACHTSAMKEIT?
DIE OBJEKTE DER ACHTSAMKEIT
EIN PRAKTISCHES TRAININGSPROGRAMM
DIE VERGEGENWÄRTIGUNG DES KÖRPERS BEIM BODYSCAN
DIE VERGEGENWÄRTIGUNG DES KÖRPERS BEI BEWEGUNGEN UND HANDLUNGEN
DIE VERGEGENWÄRTIGUNG DES ATEMS
DIE VERGEGENWÄRTIGUNG DER EMPFINDUNGEN
DIE VERGEGENWÄRTIGUNG DER GEDANKEN UND EMOTIONEN
DIE VERGEGENWÄRTIGUNG DER EIGENSCHAFTEN ALLER PHÄNOMENE
WIE KOMME ICH MIT MEINEN EMOTIONEN KLAR?
DIE KRAFT DER EMOTIONEN
MUßE ODER DRAMA
DIE FUNKTION DER EMOTIONEN
YES WE CAN
DIE INNEREN FEINDE
DIE INNEREN FREUNDE ALS HEILMITTEL
KONZENTRATIONSSCHULUNG
DAS WESEN UND DIE VORZÜGE DER KONZENTRATION
SCHRITTE ZUR MOTIVATION
DIE EIGENTLICHE ÜBUNG
GENÜGSAMKEIT ALS MEDIZIN GEGEN DIE GIER
DIE MEDITATION DER DANKBARKEIT
GEDULD IST STÄRKER ALS DER HASS
DIE KRAFT DER VERGEBUNG
GEDULD GEGENÜBER SCHWIERIGEN MENSCHEN
WIE FINDE ICH MEINE MITTE? - DIE PRAKTISCHE SCHULUNG DES GLEICHMUTS
EINE UNTERSCHÄTZTE GEISTESHALTUNG: DER GROßE NUTZEN DES GLEICHMUTS
DIE MEDITATION DES GLEICHMUTS
WIR BRAUCHEN EINANDER
DIE MEDITATION DER VERBUNDENHEIT
WAS KOMMT DABEI HERAUS? - DIE VIER HIMMLISCHEN VERWEILZUSTÄNDE
DIE VIER UNERMESSLICHEN GEISTESHALTUNGEN
DAS WESEN VON LIEBE (METTA) UND MITGEFÜHL
DIE METTA-MEDITATION
DIE UNERMESSLICHE MITFREUDE
DIE MEDITATION DES ERFREUENS AN POSITIVEM
DIE MEDITATION DER MITFREUDE AN ANDEREN
AUSBLICK AUF WEITERE DIMENSIONEN GEISTIGER ENTWICKLUNG
LEKTÜRELISTE
Feedback an den Verlag
Empfehlungen

VORWORT

Was ist Glück? Materieller Wohlstand, Lebenslust, Freiheit, Erfolg, ein Haus am See, Schönheit, am Sonntag ausschlafen, eine stabile Partnerschaft, glitzernde Tautropfen am Morgen? Die Liste könnte endlos fortgesetzt werden, wenn wir uns nur an Äußerlichkeiten orientieren. In diesem Buch zeige ich Ihnen einen Weg zum inneren und wahren Glück. Wir müssen nur die Schlüssel dafür finden. Die alten buddhistischen Weisheiten und Praktiken helfen uns dabei. Ich lade Sie deshalb ein, sich gemeinsam mit mir auf den Weg zu machen: auf in ein Leben voller Gelassenheit und Glück.

Eine berühmte Aussage des Buddha lautet sinngemäß, dass wir selbst der hilfreichste Freund, aber auch der schädlichste Feind in unserem Leben sind. Heutzutage bringen die Menschen im Westen dem Buddha und seiner Lehre große Sympathie entgegen, und viele Menschen erhoffen sich davon eine wertvolle Ergänzung in ihrem Leben. Zwar geht es den meisten von uns materiell gesehen recht gut, aber das allein führt offenbar nicht zu innerem Wohlsein und Glück. Im Gegenteil scheinen die Lebensbedingungen in einer sich ständig beschleunigenden Welt – die sehr auf ökonomische Werte ausgerichtet ist – zunehmend psychische Unrast, Ängste und Erschöpfung auszulösen. Auch die menschlichen Beziehungen im Beruf, der Familie und der Partnerschaft vermitteln uns selten die Wärme, Wertschätzung und Nähe, die wir uns er­sehnen. Wir wünschen uns mehr Freude, Leichtigkeit und Gelassenheit und das Gefühl der Sinnhaftigkeit in unserem Leben. Tatsächlich kann die jahr­tausendealte große Tradition der geistigen Schulung des Buddhismus in diesem Zusammenhang eine Ergänzung zu unseren westlichen Errungenschaften in Wissenschaft und Technik darstellen, damit wir nicht nur äußerliche Annehmlichkeiten erfahren, sondern auch inneres Glück finden können. Dieses innere Glück können wir nicht in materiellen Dingen finden. Es ist abhängig davon, welche geistigen Einstellungen und Gewohnheiten wir entwickeln. Bestimmte Denkweisen führen zu Glück im Umgang mit uns selber und anderen. Sie können uns von größerem Nutzen sein als alle Freunde und uns überallhin begleiten. Andere Emotionen und Perspektiven dagegen führen zu mehr Leid, als es uns eine andere Person jemals zufügen kann, und auch dieses wird uns begleiten, wo immer wir hingehen. Wollen wir also in einem tieferen Sinne glücklich werden, tragen wir selbst die Verantwortung, an uns zu arbeiten und positive Eigenschaften hervorzubringen. Jeder ist sein eigener Beschützer, sagt der Buddha dazu.

Ich selbst bin in Deutschland wohlbehütet aufgewachsen, aber musste erfahren, dass sich trotzdem irgendwann große innere Turbulenzen ergaben und ich weit entfernt war von Zufriedenheit und Gelassenheit. Die Begegnung mit dem Buddhismus inspirierte mich deshalb zutiefst. Plötzlich bemerkte ich, dass ich den Schlüssel für mein Wohlergehen selbst in der Hand habe, und mittlerweile widme ich mich dieser indo-tibetischen Lehre in Theorie und Praxis seit über 40 Jahren, 16 Jahre davon als buddhistischer Mönch im Tibetischen Zentrum e. V. Hamburg. Die Freude und das Vertrauen in mich selbst, die ich durch die Lehre geschenkt bekam, hat mich niemals verlassen, und ich vermittle mittlerweile inzwischen seit einigen Jahrzehnten westlichen Schülern meine Erfahrungen, die ich durch die Lehren großer tibetischer Meister – wie dem Dalai Lama oder meinem persönlichen Lehrer Geshe Thubten Ngawang – machen konnte. Zusätzlich profitiere ich dabei von meiner Ausbildung und Praxis als Gestalttherapeut. Ich bemerke bei meiner Lehrtätigkeit, dass meine Schüler die gleichen Bedürfnisse und Fragen haben wie ich, als ich mit der Praxis begann. Sie spiegeln mir oft, dass auch ihnen die Übungen, die ich ihnen weitergebe, von Nutzen sind, um mit ihrem Leben besser zurechtzukommen.

Allerdings stelle ich mich darauf ein, dass die meisten von Ihnen nicht unbedingt religiös sind oder gar Buddhisten werden wollen. Der Dalai Lama spricht in diesem Zusammenhang von der Vermittlung einer »säkularen Ethik« für jedermann. Diese Vorgehensweise hat sich schon bei der Einführung der Achtsamkeitspraxis in die Psychotherapie des Westens als sehr erfolgreich herausgestellt. Es gibt darüber hinaus aber noch sehr viel mehr bisher ungehobene Schätze des Buddhismus, die für die Menschen in unserer Kultur nützlich sein können. In diesem Buch erkläre ich Ihnen, systematisch und leicht verständlich, die buddhistische Geistesschulung und vermittle Ihnen grundlegende Übungen, die Ihnen im Alltag helfen werden, gleichmütig und glücklich zu sein.

Ich hoffe von Herzen, dass Ihnen mein Buch zeigt, dass auch in unruhigen Zeiten ein gelassenes Leben, mithilfe der buddhistischen Lebenskunst, im Alltag möglich ist. Ich verbinde damit auch den Wunsch, dass immer mehr Menschen durch die Entwicklung eines friedlichen Geistes zu einer glücklicheren Zukunft der Menschheit im 21. Jahrhundert beitragen werden.

KANN ICH GLÜCKLICHSEIN TRAINIEREN?

IST GLÜCK GLÜCKSSACHE?

Alle Menschen haben etwas gemeinsam: den Wunsch, glücklich zu sein und nicht zu leiden. Diese scheinbar banale Einsicht besitzt ein großes Potenzial und kann in unserem persönlichen Leben und in der Gesellschaft einen wirklichen Wandel zum Positiven bewirken. Es ist dafür allerdings notwendig, diese Erkenntnis zu einer Erfahrung zu machen, indem man sie nicht nur vom Kopf her akzeptiert, sondern sich davon im Herzen berühren lässt. Dann hat sie das Potenzial, zu einer Veränderung der psychischen Muster des Einzelnen zu führen. Und diese neue Konditionierung kann dann auch zu einem Wandel in der globalen menschlichen Gemeinschaft ausstrahlen.

Einstein sagte einmal sinngemäß, dass man die Probleme nicht mit den Denkstrukturen ändern kann, die sie bewirkt haben. Das entspricht auch der Aussage des historischen Buddha: »Den Dingen geht der Geist voran, der Geist entscheidet.« Dieses Zitat handelt nicht von der Frage, wie die Welt entstanden ist, sondern wovon die Qualität unseres Lebens wesentlich abhängig ist. Äußere Verhältnisse sind demnach nicht die eigentlichen Ursachen unseres Glücks und Leidens, sondern höchstens Umstände, die diese Empfindungen auslösen. Die eigentlichen Wurzeln unseres Wohlbefindens liegen nicht außerhalb von uns, sondern in uns, wo sie unsere Lebenswelt prägen.

Auch in der Neurowissenschaft hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass unser Gehirn formbar und wandlungsfähig ist. Jede Aktivität unseres Geistes in Form von Gedanken, Empfindungen und Wahrnehmungen prägt unser Gehirn. Wir haben also einen wesentlichen Einfluss darauf, wie wir die Welt erleben bzw. kon­struieren. Geist und Gehirn sind untrennbar verbunden. Andere Forschungen zeigen, dass bewusste Meditation – zum Beispiel im Bereich der Achtsamkeit und der Schulung des Mitgefühls – unsere geistigen und neuronalen Strukturen trainiert und verändert. Damit haben wir den Schlüssel in der Hand, auf einer tieferen Ebene etwas für unseren inneren Frieden zu tun. Indirekt können wir damit auch etwas beitragen für die Entwicklung einer angesichts der Krisen der Gegenwart so dringend erforderlichen Kultur des Mitgefühls und des Dialoges. Dieser Prozess ist durchaus vergleichbar mit der Notwendigkeit, den Körper zu trainieren und vor Giften zu schützen, um ihn gesund zu erhalten. Auf der geistigen Ebene gilt das Gleiche, nur dass wir diese Tatsache oft außer Acht lassen und davon ausgehen, dass unsere Charakterstruktur festgelegt und kaum beeinflussbar ist. Tatsächlich ist aber ein noch stärkerer und nachhaltigerer Effekt durch geistige Übungen möglich als durch körperliches Training, das immer limitiert sein wird.

Auf der Grundlage der Überzeugung, dass wir uns zum Positiven, oder wie es im Buddhismus heißt: Heilsamen, entwickeln können, stellt sich nun die Frage, wie wir tatsächlich ein glückliches Leben führen können und welche Bemühungen dazu eher sinnlos oder sogar destruktiv sind.

WEGE ZUM GLÜCK

Als Lebewesen zeichnen wir uns dadurch aus, dass wir Empfindungen von Glück und Leid erleben. Natürlich bevorzugen wir Glück und wollen Leiden vermeiden. Alles, was wir denken und tun, ist von diesem grundlegenden Instinkt motiviert. Sogar bei kleinsten Lebewesen, wie etwa Insekten, können wir beobachten, dass sie ausweichen, wenn sie ein Hindernis oder eine Gefahr auf dem Weg bemerken und sich etwa auf eine Nahrungsquelle zubewegen. Sie verfügen allerdings nur über beschränkte Mittel in ihrem Streben nach Glück, die im Wesentlichen aus Flucht, Angriff oder Nahrungsaufnahme bestehen. Das menschliche Verhalten verfügt über ein weitaus reicheres Repertoire. Die gesamte Kulturgeschichte der Menschheit kann man als ein Experiment mit verschiedenen Strategien sozialer, religiöser und politischer Art zur Erlangung von Wohlergehen betrachten. Aber welche Methoden machen uns nun glücklich?

WENIGER IST MEHR

Die meisten Menschen streben zunächst nach materiellem Wohlstand. Das ist sicherlich legitim, und eine stabile ökonomische Situation trägt auch wirklich zum persönlichen Glück bei. Allerdings zeigen die Untersuchungen der Glücksforschung, die sich mittlerweile etabliert hat, dass bei einem gewissen Maß an materieller Sicherheit eine Sättigung eintritt und der weitere Ausbau des finanziellen Einkommens die Erfahrung von Glück nicht weiter befördert. Im Gegenteil: Übermäßig reiche Menschen neigen eher zu Misstrauen und Ängsten und verspüren keineswegs ein Gefühl der Befriedigung. Die Gier nach materiellem Besitz scheint unstillbar zu sein, als ob man Salzwasser trinken würde und dadurch niemals den Durst löschen kann. Auch wohlhabende Nationen sind nicht zwangsläufig glücklicher als die in eher bescheidenen Verhältnissen lebenden Gesellschaften. Zudem führt das einseitige Streben nach materiellen Gütern zu einer Bindung an viele mühsame Aktivitäten und zu einer Verschwendung wertvoller Lebenszeit, die man besser in befriedigendere soziale Beziehungen investieren sollte. Im schlimmsten Fall lässt man sich zu egoistischen und unmoralischen Handlungen hinreißen, die menschliche Beziehungen belasten und die ganze Gesellschaft – wie im Falle der oft maßlosen Finanzwirtschaft zu beobachten ist – destabilisieren. Auch globale Probleme wie die Klimaerwärmung sind auf mangelnde Genügsamkeit der Menschen zurückzuführen. Deshalb ist es für die eigene Psyche und die weltweite Situation förderlicher, Maß zu halten in seinem Streben nach immer mehr und immer höherwertigerem Konsum.

FREUNDE - WICHTIGER ALS RUHM UND MACHT

Ein Großteil unserer Aktivitäten gilt auch dem Ziel, Einfluss und vielleicht sogar Macht über andere zu erlangen. Prominente werden in den Medien als Vorbilder dargestellt. Wir eifern ihnen nach und glauben, dass wir an ihrer Stelle zufrieden wären. Menschen, die tatsächlich berühmt sind, stellen aber fest, dass solch eine herausgehobene Position auch nicht glücklich macht. Wesentlich wichtiger als etwa Ruhm und Bekanntheit sind stabile Beziehungen im Leben. So hört man zum Beispiel von einigen Hollywood-Stars, dass sie sich für Meditation interessieren. Das ist durchaus nachvollziehbar, da diese Menschen alles erlangt haben, was wir normalerweise an Geld, Ruhm und Attraktivität anstreben. Sie merken jedoch, dass es nicht zu dem gewünschten Wohlbefinden führt. Im Gegenteil muss man auch ständig darum bangen, es wieder zu verlieren. Persönliche Ängste durch das Erlangen von Macht über andere abzubauen scheint auch keine erfolgreiche Strategie zu sein. Um in eine solche Position zu kommen, muss man sich oft vielen Kämpfen stellen, die zumeist nicht von Erfolg gekrönt sind. Hat man aber die gewünschte Stellung erreicht, muss man befürchten, sie bald wieder zu verlieren. Im Zuge dieser Bemühungen kann es passieren, dass man sogar Gewalt anwendet, die letztlich die eigene Persönlichkeit zerstört und im politischen Maßstab bis hin zu Kriegen führen kann. Es ist hilfreicher, sich um einen Freundeskreis und dessen Wertschätzung zu bemühen. Übertriebenes Streben nach Bekanntheit, Ruhm oder gar Macht werden nicht das gewünschte Ziel von Sicherheit und Befriedigung mit sich bringen. Das zeigen auch die Biografien vieler Menschen, die diese Ziele verfolgt haben und oft viel Leid über sich und andere gebracht haben.

SCHÖNHEIT UND GLÜCK

Viel Aufmerksamkeit verwenden wir auf unsere körperliche Attraktivität. Es ist nachvollziehbar, dass man auf die Gesundheit des Körpers und eine gepflegte Erscheinung achten will. Eine Art Kult um den Körper zu betreiben und ihn zu perfektionieren wird aber ein aussichtsloses Unterfangen sein. Attraktive Menschen glauben häufig, dass sie nicht für ihre Persönlichkeit, sondern nur für ihr Äußeres Aufmerksamkeit bekommen. Außerdem müssen sie befürchten, dass diese Wertschätzung mit dem Alter oder bei körperlichen Gebrechen nachlässt. Darüber hinaus sind sie oft sehr kritisch mit ihrem eigenen Aussehen. Es geht viel Energie und Zeit verloren für solche Äußerlichkeiten, die niemals die Nähe zu anderen Menschen herbeiführen können, die wir eigentlich brauchen. Das gilt auch für die Fixierung auf die Sexualität in der Öffentlichkeit, die, wenn sie nicht von mensch­licher Nähe begleitet wird, eher zu Frustrationen und Einsamkeit führt.

ERSATZBEDÜRFNISSE ALS GLÜCKSBRINGER

Vielleicht streben wir nicht so extrem nach Besitz, Macht und Attraktivität wie manche Personen, die in der Öffentlichkeit stehen. Wenn wir aber unser Leben beobachten, werden wir feststellen, dass sich ein großer Teil unserer Aufmerksamkeit auf das Erlangen äußerer Annehmlichkeiten richtet – zum Beispiel auf angenehme Sinneserfahrungen, Attraktivität oder Einfluss. Wir überschätzen diese oft in ihrer Bedeutung für unser Leben. Es besteht zumeist nur die Alternative, frustriert zu sein, weil man diese Dinge nicht in dem Maße erlangt, wie man es sich in seinen Träumen wünscht; oder aber man erlangt sie und wird bemerken, wie unbefriedigend oder unwichtig sie sind.

KRISEN ALS CHANCEN NUTZEN

Krisen können auftreten, wenn wir Erfahrungen der Trennung von Personen, Situationen und Dingen erleben, die uns scheinbar Sicherheit geben konnten. Das kann eintreten, wenn eine Partnerschaft sich auflöst, man den Arbeitsplatz verliert oder gesundheit­liche, vielleicht sogar lebensbedrohliche Probleme auftreten. Die ganze Illusion eines sicheren und glücklichen Lebens durch das Festhalten an äußeren Dingen bricht angesichts der Realität des Wandels aller Erscheinungen und der Unsicherheit jeder Situation in sich zusammen.

Heutzutage beobachten wir, dass psychische Instabilitäten wie Ängste, Erschöpfungszustände und Depressionen zunehmen. Gerade in den wohlhabenden Ländern des Westens grassieren sie fast epidemisch. Das mag auch mit dieser Erfahrung der Sinnlosigkeit allein äußerlicher Bestrebungen zusammenhängen. Diese Situation wird durch die zunehmende Beschleunigung in allen Bereichen der Gesellschaft und die Vereinzelung des modernen Individuums noch verstärkt. Einige Menschen reagieren auf diese Lage, in­dem sie ihre Bemühungen um eine große Karriere, finanziellen Wohlstand und ihre äußerliche Erscheinung noch intensivieren und immer egoistischer ­handeln. Sie bemerken dann jedoch, dass sie sich im sprichwörtlichen Hamsterrad befinden und das Leiden weiter zunimmt.

Für andere stellt diese Krise eine Chance dar, die sie ergreifen, um eine Art Umkehr zu bewirken. Sie fragen sich, ob es nicht auch alternative Lebenshaltungen gibt, die die Sehnsucht nach Glück eher erfüllen können als diese Ersatzbefriedigungen. Vielleicht nutzen sie eine Psychotherapie und beginnen ihre bisherigen Vorstellungen von den Erwartungen des Lebens infrage zu stellen. Welche Bedürfnisse sind in ihrem Leben zu kurz gekommen? Erfreulicherweise orientiert sich mittlerweile zum Beispiel die Positive Psychotherapie mehr an der Entwicklung der inneren Ressourcen eines Menschen, anstatt die Ursachen des Leidens nur in der Vergangenheit zu suchen. So erkundet die Positive Psychotherapie solche positiven Eigenschaften, die Zufriedenheit, Freude, Optimismus und Schwung bewirken. Damit kann diese Therapie sicherlich hilfreich sein. In jedem Fall ist es ein nützlicher Ansatz, die eigenen psychischen Muster in Begleitung einer kompetenten und zugewandten Person zu erforschen. Allerdings ist die Psychotherapie des Westens noch recht jung und verfügt nicht über die Tiefe der spirituellen Traditionen der Menschheit, um die tiefsten Ursachen des Leidens aufzudecken und zu überwinden. Manche Menschen beschäftigen sich auch mit der akademischen Philosophie, um einen Sinn in ihrem Leben zu finden. Auch das ist sicher ein förderlicher Ansatz. Wenn die Erkenntnisse allerdings nicht praktisch umgesetzt werden, wird das keine echte Veränderung der Persönlichkeit mit sich bringen. Trotz der Errungenschaften der Aufklärung und der Entwicklung humanistischer Philosophien, die auch zu der Idee der allgemeinen Menschenrechte führte, kam es im 20. Jahrhundert zu den barbarischen moralischen Regressionen, die sich in zwei furchtbaren Weltkriegen Bahn brachen. Die Ausrichtung auf die Naturwissenschaft ist natürlich auch ein Bemühen der Menschen, zur Erkenntnis der Welt und ihrer Zusammenhänge zu kommen. Doch richtet sie sich heutzutage meistens auf die äußere Welt. Diese Erkenntnisse werden die Menschen nicht zwangsläufig glücklicher machen. Die Bemühung um Kontrolle über die äußere Welt, die sich darin auch oft spiegelt, wird bei allen Fortschritten für die Entwicklung eines angenehmeren Lebens letztlich immer scheitern. Je mehr neue Erkenntnisse vorliegen, desto mehr neue Fragen ergeben sich. Wenn das explosionsartig gewachsene Wissen der Menschheit über die Natur und Technik nicht mit einer inneren Entwicklung einhergeht, können aus dieser Ausrichtung sogar katastrophale Entwicklungen im Bereich der Waffentechnik und der Umweltverschmutzung folgen. Dadurch werden sich neue Leiden einstellen.

DIE GEISTIGE AUSRICHTUNG

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