Hic & Hec - Honoré Gabriel Riqueti de Mirabeau - E-Book

Beschreibung

Honoré Gabriel Victor de Riqueti, Marquis de Mirabeau (1749-1791) war ein französischer Politiker, Physiokrat, Schriftsteller und Publizist in der Zeit der Aufklärung. Er beteiligte sich an der Französischen Revolution und nahm bis zu seinem plötzlichen Tod einflussreiche Positionen ein. Parallel zu seinen politischen Aktivitäten fertigte der schriftstellerisch begabte Mirabeau im Verborgenen einige erotische Werke an, die bis heute einen großen Anklang finden. Seine Romane gehören zu den freizügigsten erotischen Bücher der Aufklärung, mit denen Mirabeau für sexuelle Freiheit und Selbstbestimmung der Geschlechter plädiert sowie für die Notwendigkeit einer Verbindung zwischen geistiger mit körperlicher Liebe. Nur dadurch entsteht seiner Meinung nach das vollkommene Glück. Dieses Weltbild passt in das philosophische Selbstverständnis der Aufklärung, welches die größtmögliche Glückseligkeit der Menschen als Ideal sah.

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Seitenzahl: 135

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Hic & Hec

Hic & HecMeine Herkunft und meine BildungBei den ValbouillantsJungfer BabetNeuer ZugangMeine BeförderungDes Bischofs ErzählungAls Prinz von PeguDie neuen PferdeWasserspieleVon Signora Magdalanis ersten LiebesfreudenGeschichte von der Kupplerin SarahNeue BelustigungenDas Liebesabenteuer des Marquis in Lothringen

Honore-Gabriel de Riquetti Comte de Mirabeau

Hic & Hec

Die Stufenleiter der Wollust

Meine Herkunft und meine Bildung

   Dass ich auf die Welt gekommen bin, verdanke ich der Zerstreuung eines ehrwürdigen R. R, eines Jesuitenpaters aus Avignon, der mit meiner Mutter, einer Wäscherin des dortigen Ordenshauses, promenierend, in der Dunkelheit den ihm bekannten engen Pfad einschlug statt des breiten, aber ihm nur wenig vertrauten Hauptweges.

Ich war kaum sechs Jahre alt, als mich seine väterliche Liebe aus Barmherzigkeit in die niederste Klasse der Klosterschule aufnehmen ließ; dort verrichtete ich alle Dienste, die man von meinem Alter erwarten durfte. Dank den glücklichen Anlagen, mit denen mich die Natur ausgestattet hatte, zog ich meinen Nutzen daraus. So konnte ich mit zwölf Jahren bereits die Tertia ausfegen und für Pater Natophilos, der dort Regens war, Besorgungen erledigen.

Ich war frühreif in allem; mein hochaufgeschossener und schlanker Wuchs, mein rundes, zartes Gesicht, mein kastanienbraunes Haar und meine großen verständigen schwarzen Augen ließen mich älter erscheinen, als ich in Wirklichkeit war: Man hielt mich für einen Knaben von vierzehn Jahren. Meine niedere Herkunft und meine ärmliche Kleidung ließen keine nähere Bekanntschaft mit meinen Schulkameraden zu und hielten mich somit ihrer Sittenverderbnis fern. So gab ich mich allein dem Studium hin. Der Regens, zufrieden mit den Fortschritten, die ich machte, gewann eine Vorliebe für mich. So gewährte er mir die Gunst, sein Zimmer in Ordnung zu bringen, sein Bett zu machen und ihm alles zu besorgen, was er so brauchte. Als Belohnung gab er mir nach Schulschluss Privatstunden auf seinem Zimmer. So durfte ich bereits Autoren lesen, die man ansonsten in der Öffentlichkeit nicht in die Hand bekam und auch nicht übersetzte.

Eines Tages – ich war damals reichlich dreizehn Jahre – hielt er mich zwischen seinen Beinen fest, um mir bei der Übersetzung einer Satire des Petronius mit den Augen zu folgen; dabei bemerkte ich, wie sich sein Gesicht erhitzte, seine Augen zu funkeln begannen, er schneller atmete und ab und zu schnaufte. Ich beobachtete das mit Besorgnis erregender Neugier, die mich, da ich nicht mehr ganz bei der Sache war, einen Übersetzungsfehler machen ließ.

»Was denn, du kleiner Schelm«, sagte er mit einem Ton in der Stimme, die mich vor Angst erbeben ließ, »nicht einmal ein Sextaner würde einen solchen Fehler machen! Du hast die Rute verdient!«

Ich mochte noch so um Entschuldigung und um Gnade flehen, es war alles vergebens. Das Urteil war gesprochen, und ich musste mich der Strafe unterwerfen. Er bewaffnete sich also mit einem Bündel dünner Ruten, befahl mir alsdann, meine Hose herunterzulassen, stieß mich auf sein Bett, und in der Besorgnis, ich könnte mich vielleicht der Züchtigung entziehen, legte er mir seinen linken Arm um die Hüfte, dergestalt, dass seine Hand mein Edelreis zu fassen bekam, dessen Gebrauch ich noch nicht kannte, obgleich seine zeitweilige Steifheit mir seit einem Jahr mancherlei Anlass zum Grübeln gegeben hatte.

»Also, du Schlingel, ich werde dir deine Schwäche, die Syntax zu beherrschen, schon einbläuen!«

Alsdann versetzte er mir leichte Schläge mit seinen Ruten auf meine Hinterbacken, sie dabei mehr anreizend, als sie zu verletzen. Meine Furcht oder vielleicht auch nur das sanfte Reiben seiner Hand ließ das auferstehen, was er festhielt.

»Na, du Schlingel, was fühle ich denn da an dir? Ah, nun wirst du sie erst richtig zu spüren bekommen!« Dabei fuhr er mit seiner sanften Rutenstreichelei fort, bis dass, überwältigt von Wollust, sich ein Strom von warmem Nektar ergoss, der seine Bemühungen krönte und mich bis zur Glückseligkeit erhob. Darauf legte er die Ruten beiseite und fragte:

»Wirst du das nächste Mal besser auf die Syntax achten?«

»Ach, Pater«, antwortete ich, »es gibt kein süßeres Mittel, als von Eurer Hand korrigiert zu werden!«

»Du siehst also ein, dass ich zornig werden musste, und verzeihst mir? Nun gut, dann sei in Zukunft fleißiger! Wenn du dies tust, werde ich dich ebenso sehr belohnen, wie ich dich soeben mit der Rute bestraft habe.«

Voller Freude küsste ich ihm die Hand, er umarmte mich, strich mir über meine hinteren Globen und bedeckte mich mit Küssen.

»Da du ja mit deiner Strafe so zufrieden warst, mein liebes Kind«, fuhr er dann fort, »müsstest du eigentlich meine Mühen mit Gleichem vergelten.«

»Niemals würde ich mir unterstehen … Hand an meinen Regens zu legen und ihn zu schlagen!«

»Versuch es, er bittet dich darum! Wenn nicht, gebietet er es dir.«

Schamhaft errötend ergriff ich die Ruten, er ließ seine Hose herunter und entblößte seinen Hintern. Nur sehr vorsichtig wagte ich ihn mit den Ruten zu berühren, er aber schrie mir heiser zu: »Stärker, viel stärker! Die Fehler der Lehrer müssen strenger gezüchtigt werden als die der Schüler.«

Ich fasste mir schließlich ein Herz, packte sein Zepter, wie er es mit mir gemacht hatte, und peitschte so heftig auf ihn los, dass ihm vor Vergnügen die Tränen kamen.

Von diesem Tage an herrschte zwischen uns engstes Vertrauen; er täuschte eine Erkältung vor, um jemanden bei sich als Hilfe haben zu können, und ließ also mein Bett in ein Zimmerchen stellen, das neben dem seinen lag, doch geschah dies nur der Form halber, denn sobald er sich niedergelegt hatte, rief er mich zu sich, damit ich, von ihm umschlungen, schlief oder wachte. Auf diese Weise wurde er mein Sokrates und ich sein Alkibiades.

Der Reihe nach aktiver und passiver Teil, setzte er seinen Ehrgeiz darein, meine Erziehung zu vervollkommnen.

Als ich vierzehn Jahre alt war, beherrschte ich Griechisch und Latein, besaß Grundkenntnisse in Logik und Philosophie und kannte mich auch schon ein wenig in der Theologie aus. Doch um mich in dieser angeblichen Wissenschaft gründlicher auszubilden, die so oft den Dolch des Fanatismus gewetzt hatte, musste ich, da Pater Natophilos fast ausschließlich für die schöne Literatur zuständig war, in andere Hände übergehen und meine Studien unter Professor Acontini fortsetzen.

Nichtsdestoweniger behielt ich meine Schlafstätte bei Pater Natophilos, der recht wohl begriff, dass ich, um in meiner neuen Laufbahn besser vorwärts kommen zu können, verpflichtet sein würde, Acontini die gleichen Gefälligkeiten erweisen, und so setzte er mir zuliebe selbst die Artikel des Teilungsvertrages auf. Um für den Kurs in Theologie zugelassen werden zu können, bedurfte es der Zustimmung des Superiors. Natophilos stellte mich diesem vor, und da ich nach seinem Geschmack war, so blieb mir nichts anderes übrig, als ihm meine Studiengebühr in Naturalien zu entrichten.

In dem nun folgenden Jahr verbrachte ich meine Tage mit dem Studium der Theologie, die Nächte aber, um mir die Gunst meiner Lehrer zu verdienen. Auf Grund meiner Fortschritte hatte ich mir einen Namen gemacht, und mir eröffneten sich schon die glänzendsten Aussichten, als die Katastrophe hereinbrach, die die Gesellschaft Jesu vernichtete.

Niedergeschmettert durch diesen Schicksalsschlag, beschlossen Natophilos und Acontini, sich nach Italien abzusetzen; Natophilos jedoch, um mich nicht mittellos zurückzulassen und mir einen Brotverdienst zu verschaffen, empfahl mich Madame de Valbouillant, die für ihren siebenjährigen Sohn einen neuen Hauslehrer suchte, da der bisherige gerade gestorben war.

Mein Ansehen und Aussehen, verbunden mit dem Zeugnis, das meine beiden Lehrer mir ausstellten, waren ausschlaggebend, dass ich trotz meines jugendlichen Alters den Posten zugesprochen bekam.

Bei den Valbouillants

   Madame de Valbouillant mochte etwa vierundzwanzig Jahre alt sein, sie hatte perlweiße Zähne, dunkle Augen, eine Stupsnase, üppiges braunes Haar, eine herrlich zarte Haut, einen schwellenden Busen, einen prallen Hintern und Hände von entzückender Schönheit. Mein Zögling war ihr einziges Kind, ihr Gemahl weilte seit sechs Monaten in Italien zwecks Regelung einer Erbschaft, die ihm zugefallen war. Pater Natophilos stellte mich ihr vor und trug auch Sorge, dass ich mit der Kleidung eines Abbe und ein wenig Wäsche ausgestattet war.

Die Dame empfing mich sehr wohlwollend, ja liebenswürdig, und versprach Pater Natophilos, mich so zu behandeln, dass zwischen ihr und mir jenes gegenseitige Vertrauensverhältnis entstünde, das meinen Bemühungen um ihren Sohn zugute käme.

Sobald mein Einführer gegangen war, maß mich die Dame von oben bis unten mit einem langen und angeregten Blick; ich aber senkte die Augen und errötete. Ich war wohl imstande, den lüsternen Blicken all meiner Lehrer standzuhalten, doch die einer reichen und vornehmen Frau, von der mein Schicksal abhängen sollte, machten mich schüchtern und brachten mich derart außer Fassung, dass ich es nicht beschreiben kann.

»Was sehe ich denn da!«, sagte sie. »Sie erröten? Sollte mich Pater Natophilos getäuscht haben? Sie haben nicht nur die Züge eines jungen Mädchens, Sie sind auch so schüchtern wie ein solches. Vielleicht sind Sie am Ende sogar eines?«

Bei diesen Worten errötete ich noch mehr.

»Na«, fuhr sie lachend fort, »da würde ich ja meinem Sohn einen hübschen Lehrer beibringen! Dessen will ich mich doch erst einmal vergewissern.« Damit griff sie mir unter das Jabot meines Hemdes und tat so, als suchte sie an meiner Brust feststellen zu wollen, ob ich ein Mädchen wäre. Ihre Brüste, die sich fast gänzlich meinen Augen zeigten, versetzten mich in einen Zustand, der ihre Zweifel hinlänglich hätten zerstreuen können. In dieser Situation verlor ich all meine Schüchternheit, nahm ihre andere Hand und drückte sie auf den greifbaren Beweis ihres ungerechtfertigten Verdachtes.

»Oh«, rief sie aus, »wie ich mich getäuscht habe! Sie haben aber auch ein zu hübsches Gesicht! Aber mein Irrtum ist verzeihlich; aber noch so jung … und schon einen von solcher Größe! Auf Ehre, Abbé, Sie sind ein Ungeheuer!«

»Aber leicht zu zähmen«, erwiderte ich und kniete zu ihren Füßen. »Ich würde mein Leben für das Glück hingeben, nur Ihnen zu gefallen.«

»Ach, mein Irrtum ist in der Tat ärgerlich. Ohne ihn lägen Sie mir nicht zu Füßen! Aber so stehen Sie doch auf … Was für eine Kühnheit!«

»Nein, Madame, ich stehe erst dann wieder auf, wenn Sie mir Pardon gewährt haben, und ich werde ihn erhalten, wenn Sie die Macht Ihrer Reize beschauen; die Wirkung Ihrer Reize auf mich, ich muss es gestehen, ist schier unglaublich …«

Ihre Augen hefteten sich auf meinen Außerordentlichen, dessen Hochmut dabei sichtlich noch wuchs. In den Augen einer Frau gibt es keinen so beredten Strafverteidiger als einen solchen. Ich bemerkte den Erfolg seines wortlosen Plädoyers, ergriff wiederum ihre Hand und presste sie auf den Maître.

»Ah, Schlingel!«, rief sie aus und legte ihren anderen Arm um meinen Hals. Wie sie mein Gesicht an ihren Busen drückte, fühlte ich sogleich die Bedeutung dieses „Ah, Schlingel!«, nutzte die Gelegenheit und die günstige Stellung und wurde so sehr mit Händen und Knien tätig, dass in Sekundenschnelle alle Hindernisse aus dem Weg geräumt waren und die innigste Vereinigung meine Bemühungen krönte. Ihre Augen schmolzen halbgeschlossen dahin, ihr Atem schien unter Seufzern zu vergehen, und ihre Lippen hingen an den meinen. Von Wollust hingerissen, waren unsere Zungen viel zu sehr beschäftigt, um Worte für unsere Verzückungen zu finden; und so blieben wir einige Augenblicke restlos in jener Trunkenheit versunken, indes einen die Sinne unbeschreiblich überwältigen. Mein Erguss erfüllte meine Wünsche, ohne unsere Begierden zu entkräften, und das Haupt mit Myrten geschmückt, ruhte ich nicht eher, als bis ich einen neuen Triumph errungen hatte.

Mein Liebesstreiter, bezaubert von seiner Niederlage und seiner hartnäckigen Tapferkeit, stürzte sich mit Eifer neuerlich ins Gefecht, das, nun weniger rasant, aber stärker genossen, uns in einen Sinnestaumel stürzte. Sobald wir aus diesem Meer von Wonne wieder aufgetaucht waren, bedeckten wir alle Reize, die wir einander durchkostet hatten, mit glühenden Küssen und kamen überein, die strikteste Diskretion gegenüber der Welt und den Domestiken über unser Verhältnis zu wahren, uns aber beim Tete-a-Tete der größten Ausgelassenheit zu überlassen.

Jeder Tag enthüllte mir neue Reize bei meiner Eroberung, die sich mir, immer mehr gefesselt durch die Sinnenlust, mit der Zärtlichkeit einer Liebenden hingab. Da das Zimmer meines Zöglings, in dem auch ich schlief, eine Verbindungstür zu ihrem Kleidergemach besaß, so schlich ich mich des Abends, sobald alles im Schlaf lag, in ihren Alkoven, um in ihren Armen meine Liebesglut zu löschen. Noch bevor der Tag graute, kehrte ich auf demselben Weg in mein Zimmer zurück. Ohne irgendwelche Störung genossen wir die Liebe, als Monsieur de Valbouillant, der seine Geschäfte erfolgreich zu Ende geführt hatte, von seiner Reise zurückkehrte.

Ich wurde ihm vorgestellt, aber als er mich sah, schien ich ihm reichlich jung für einen Hauslehrer. Da er das Temperament seiner Frau kannte, zweifelte er keinen Augenblick, dass sie meine Bemühungen nicht ausschließlich nur ihrem Sohn zufließen ließ. Doch war er alles andere als eifersüchtig, im Gegenteil, er hatte in Florenz Geschmack an der sokratischen Liebe gefunden, und deshalb war ich Jüngling für ihn verführerisch. Er glaubte, die Schwäche seiner Frau nutzen zu können, um sich meiner Gefälligkeit zu versichern.

Am Abend gab er vor, unter Kopfschmerzen zu leiden, entschuldigte sich, dass er allein in seinem Zimmer schlafen wolle, und sagte zu Madame, indem er sie zärtlich in die Arme nahm, er hoffe, sie zu entschädigen, sobald diese unvorhergesehene Unpässlichkeit ihn nicht mehr quälen würde. Sie gab mir daraufhin einen Wink mit den Augen, den ich sogleich verstand. Als ich sicher war, dass er sich zurückgezogen hatte, schlüpfte ich ins Bett meiner Schönen, und wir beeilten uns, eine Gelegenheit nicht verstreichen zu lassen, die sich uns, wie wir glaubten, so bald nicht mehr bieten würde. Doch wir waren kaum beim Werkeln, als wir Valbouillant im Hemd eintreten sahen, in der Hand einen Dolch. Er riss uns die Decke vom Bett, packte mich mit der linken Hand und sagte: »Man betrügt mich nicht ungestraft, doch ich bin kein Unmensch. Trefft Eure Wahl zwischen den beiden Dolchen hier!« Mit diesen Worten hob er den, den er in der Hand hielt, und zeigte mir den, mit dem Jupiter in der Sage Ganymed den Hintern spießte.

Mein Lebenswille ließ mir keine andere Wahl, als mich den herrschenden Umständen zu fügen. Und Madame de Valbouillant, glücklich, sich so glimpflich aus der Affäre gezogen zu sehen, hielt mich in der Stellung zurück, in der ich mich befand, und so wurde ihr Mann der meine.

In seinem heftigsten Entzücken mit mir überschüttete er seine Frau mit Küssen und pries ihre Untreue, die ihm eine so köstliche Lust verschaffte.

»Du verzeihst mir doch?«, fragte sie und umarmte ihn.

»Wie kann man denn zwei so liebenswerten Missetätern böse sein? Dieser Busen«, sagte er und küsste ihn – sie hatte aber auch einen prächtigen – »und diese Zwillingshügel hier«, fügte er hinzu und strich mit der Hand über den Altar, auf dem er soeben geopfert hatte, »würden einen Tiger besänftigen. Überdies habe ich, da ich dein Temperament kenne, nicht damit gerechnet, dass du mir während meiner so langen Abwesenheit treu sein könntest. Meine Reise hat mir eine ansehnliche Erbschaft und Hörner auf dem Kopfe eingebracht. Die Erbschaft verschafft mir mehr Gewinn als die Hörner Schaden bringen. Vermeiden wir es, uns dem öffentlichen Hohngelächter auszusetzen, deshalb lasst uns diskret sein und uns bedenkenlos aller Wollust hingeben, die unser Alter und unser Vermögen uns bieten; allein dem Skandal dürfen wir uns nicht aussetzen, alles andere soll uns ein Lächeln kosten.«

Madame de Valbouillant war entzückt über die Art, wie er ihre Untreue hinnahm, und überhäufte ihn mit Zärtlichkeiten.

»Ach, mein Freund, deine Güte überwältigt mich! Nein, niemals im Leben möchte ich dir mehr Anlass zu irgendwelchen Vorwürfen geben! Von jetzt an verzichte ich …«

»Halte ein und keine Schwüre! Ich würde dir sowieso kein Wort von alledem glauben. Ich erwarte lediglich Vertrauen von dir, keine Treue, Letzteres wäre wohl ein unmögliches Ansinnen. Schau dir nur unseren Abbe da an, wie er strahlt! Ich habe zwar euer Vergnügen unterbrochen, doch will ich euch desselben nicht berauben; also, Hic & Hec, nehmen Sie Ihr Werk wieder auf.«

»Dieser Scherz scheint mir zu bitter, mein Freund, wo du doch siehst, dass ich bereue«, erwiderte Madame de Valbouillant.

»Zu scherzen liegt mir fern«, sagte der Marquis, »denn ich habe dem Abbe das gegeben, was ich dir zugedacht habe. Und es ist nur recht und billig, dass er dich dafür entschädigt. Das Vergnügen, das du mit ihm genießt, kann meine Gefühle nicht verletzen, da es meine Zustimmung findet und meine Augen dieses Bild genießen werden.«

Mit diesen Worten brachte er seine Frau in eine mir bequeme Position und drängte mich, ich solle mich in ihre Arme werfen. Dies alles erschien mir merkwürdig und ließ mich zögern. Er jedoch bestand darauf, und ich gab nach, gestehe aber, dass ich es nur allzu gern tat. Hierauf schloss er uns beide in seine Arme und bedeckte uns mit Zärtlichkeiten. Seine Frau, anfangs verlegen, ließ es darauf ankommen, drückte ihm die Hand, gab sich rückhaltlos meiner Leidenschaft hin und kam zur gleichen Zeit wie ich zum gewünschten Ziel.

»Nun, meine Lieben«, sagte Monsieur de Valbouillant daraufhin, »bin ich nicht ein äußerst gefälliger Ehemann?«

Wir antworteten mit neuerlichen Liebkosungen.

»Da, schau dir die Wirkung an«, sagte er zu seiner Frau, »die euer Schauspiel bei mir erregt hat!« Dabei entblößte er sein Liebeszepter, das aufs Respektabelste in die Höhe starrte.

»Wie bedrohlich es anzusehen ist!«, rief sie.

»Ach, mein lieber Hic & Hec, machen Sie sich darauf gefasst, doch noch erdolcht zu werden!«

»Aber nein, Madame, diesmal werde ich mit meiner Leidenschaft über Sie herfallen. Sollten Sie mich vielleicht in neun Monaten zum Vater werden lassen, möchte ich nicht die Gewissheit haben, dass das Kind nicht von mir ist.« Mit diesen Worten nahm er seine Rechte als Ehemann wahr und den Platz ein, den ich ihm geräumt hatte.