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Beschreibung

War einmal ein Bumerang; War ein Weniges zu lang. Bumerang flog ein Stück, Aber kam nicht mehr zurück. Publikum - noch stundenlang - Wartete auf Bumerang. Joachim Ringelnatz

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Seitenzahl: 142

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Herausgegeben von Julia Gommel-Baharov

Ich schenk dir ein Lächeln

Heitere Geschichten und Gedichte

 

Inhalt

Freude soll lachen, glänzen und singen.

Joachim Ringelnatz: Freude

Joseph von Eichendorff: Wünschelrute

Anastasius Grün: Rezept für die Heiterkeit

Joachim Ringelnatz: Morgenwonne

Joseph von Eichendorff: Wunder über Wunder

Ich würde dir ohne Bedenken Eine Kachel aus meinem Ofen Schenken.

Joachim Ringelnatz: Ich habe dich so lieb!

Christian Friedrich Daniel Schubart: Freundschaft

Matthias Claudius: Freundschaft

Franz Grillparzer: Wert der Freundschaft

Friedrich Hölderlin: Freundschaft

Ludwig Heinrich Christoph Hölty: Der Bund

Wilhelm Busch: Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter

Kurt Tucholsky: In der Hotelhalle

Ob er mich küßte? Wohl tausendmal, tandaradei …

Nikolaus Lenau: Liebesfrühling

Walther von der Vogelweide: Das Blumenbette

Joachim Ringelnatz: Offener Antrag auf der Straße

Heinrich Heine: Die Harzreise

Hermann Löns: Auf der Gartenbank

Johann Heinrich Voß: Mailied eines Mädchens

Burkart von Hohenfels: Tanzlied

Friedrich Schiller: Kastraten und Männer

Heinrich Heine: Hast du die Lippen mir wund geküßt

Heinrich Heine: Es drängt die Not

Ludwig Tieck: Liebesblume

Joachim Ringelnatz: Ferngruß von Bett zu Bett

Kurt Tucholsky: Frauen sind eitel. Männer? Nie –!

Kurt Tucholsky: Ein Ehepaar erzählt einen Witz

Laßt euch vom Vergnügen Und vom Wein besiegen.

Hans Sachs: Das Schlaraffenland

Victor Auburtin: Ein Tag in der Sommerfrische

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau: Lob der Vergnügung

Novalis: Burgunderwein

Johann Peter Uz: Der Sommer und der Wein

Paul Scheerbart: Sommernacht

Johann Arnold Ebert: Trinklied

Joseph von Eichendorff: Trinken und Singen

Theodor Storm: Oktoberlied

Ludwig Thoma: Der Münchner im Himmel

Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Gott lob!

Josef Weinheber: Der Phäake

Wilhelm Busch: Es wird mit Recht ein guter Braten

Gotthold Ephraim Lessing: Lob der Faulheit

Gotthold Ephraim Lessing: Die Faulheit

Franz Hessel: Die Kunst spazierenzugehen

Kurt Tucholsky: Die Kunst, falsch zu reisen

Kurt Tucholsky: Die Kunst, richtig zu reisen

Rainer Maria Rilke: Das Karussell

O wunderschön ist Gottes Erde, Und werth darauf vergnügt zu seyn.

Johann Wolfgang Goethe: Ländlich

Eduard Mörike: Er ist’s

Friedrich Hölderlin: Der Frühling

Hermann Löns: Es steht die Welt in Blüte

Else Lasker-Schüler: Groteske

Wilhelm Busch: Frühlingslied

Heinrich Heine: Das Fräulein stand am Meere

Ludwig Christoph Heinrich Hölty: Aufmunterung zur Freude

Johann Wolfgang Goethe: Maifest

Joachim Ringelnatz: Sommerfrische

Alfred Lichtenstein: Sommerfrische

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Der Sommer

Paul Gerhardt: Geh aus, mein Herz

Johann Wilhelm Ludwig Gleim: An die Sonne

Christian Weise: Die Rose blüht

Matthias Claudius: Im Junius

Heinrich Heine: Sommer in Hamburg

Wilhelm Müller: Juni

Theodor Fontane: Meine Kinderjahre

Wilhelm Busch: Wie man Obstauflauf macht

Theodor Storm: August

Adalbert Stifter: Sommergarten

Theodor Fontane: Mittag

Else Lasker-Schüler: Ist’s die Schwüle?

Kurt Tucholsky: Dreißig Grad

Johann Klaj: Vorzug deß Sommers

Wilhelm Busch: Die Mücken

Johann Wolfgang Goethe: Lynkeus der Türmer

Rainer Maria Rilke: Sonntag

Friedrich Hebbel: Der junge Schiffer

Conrad Ferdinand Meyer: Zwei Segel

Wolfgang Borchert: Muscheln, Muscheln

Kurt Schwitters: Herbst / Die letzte Fliege

Gerhart Hauptmann: Eislauf

Christian Morgenstern: Wie sich das Galgenkind die Monatsnamen merkt

Der kekke Lachengekk koaxet / krekkt / und / quakkt

Anonym: Ick sitze hier und esse Klops

Joachim Ringelnatz: Im Park

Christian Morgenstern: Fisches Nachtgesang

Joachim Ringelnatz: Ein Lied, das der berühmte Philosoph Haeckel am 3. Juli 1911 vormittags auf einer Gartenpromenade vor sich hinsang

Johann Klaj: Der kekke Lachengekk

Joachim Ringelnatz: Unter Wasser Bläschen machen

Christian Morgenstern: Der Schnupfen

Johann Peter Hebel: Das seltsame Rezept

Barthold Heinrich Brockes: Hüben sich die Augen-Lieder

Joachim Ringelnatz: Überall

Johann Wolfgang Goethe: Die wandelnde Glocke

Rainer Maria Rilke: Der Ball

Joachim Ringelnatz: Der Bücherfreund

Christian Morgenstern: Das ästhetische Wiesel

Joachim Ringelnatz: Kuttel Daddeldu erzählt seinen Kindern das Märchen vom Rotkäppchen

Gustav Hochstetter: Lustiges aus dem Hundeleben

Wilhelm Busch: Fipps der Affe

Hans Sachs: Der Koch mit dem Kranich

Joachim Ringelnatz: Bumerang

Nachweise

Freude soll lachen, glänzen und singen.

Joachim Ringelnatz

Freude

Freude soll nimmer schweigen.

Freude soll offen sich zeigen.

Freude soll lachen, glänzen und singen.

Freude soll danken ein Leben lang.

Freude soll dir die Seele durchschauern.

Freude soll weiterschwingen.

Freude soll dauern

Ein Leben lang.

Joseph von Eichendorff

Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,

Die da träumen fort und fort,

Und die Welt hebt an zu singen,

Triffst du nur das Zauberwort.

Anastasius Grün

Rezept für die Heiterkeit

So höre denn und gib recht acht,

Wie man Heiterkeit braut und macht,

Denn nicht eine jede ist echt und fein,

Doch diese hier hilft dir bei jeglicher Pein.

Zuerst schau ins Herz und spül’ es recht aus

Und wasch’ alle Selbstsucht recht heraus,

Dann nimm Geduld und Nachsicht zur Hand

Und schüttle sie um, mit etwas Verstand.

Ein Tröpfchen Lethe tu auch dabei,

Es macht von vergangenem Weh dich frei,

Nicht Leichtsinn, doch leichten Sinn rühre darein,

Ein bißchen Witz, doch gerieben fein,

Viel guten Willen und feste Kraft,

Und Menschenliebe, die wirkt und schafft;

Ein wenig Selbstvertraun und Mut,

Bescheidenheit, Hoffnung und ruhiges Blut.

Und alles rühre zusammen fein

Und nimm’s mit reinem Herzen ein,

Und schlägt es dennoch und will nicht zur Ruh,

So blicke bittend nach oben dazu.

Du wirst es sehen, dann kömmt dir der Mut

Und alles, alles wird wieder gut,

Die Träne trocknet, die Lippe lacht,

Und doch weiß keiner, wie du’s gemacht.

Joachim Ringelnatz

Morgenwonne

Ich bin so knallvergnügt erwacht.

Ich klatsche meine Hüften.

Das Wasser lockt. Die Seife lacht.

Es dürstet mich nach Lüften.

 

Ein schmuckes Laken macht einen Knicks

Und gratuliert mir zum Baden.

Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs

Betiteln mich »Euer Gnaden«.

 

Aus meiner tiefsten Seele zieht

Mit Nasenflügelbeben

Ein ungeheurer Appetit

Nach Frühstück und nach Leben.

Joseph von Eichendorff

Wunder über Wunder

Du wunderst wunderlich dich über Wunder,

Verschwendest Witzespfeile, blank geschliffen.

Was du begreifst, mein Freund, ist doch nur Plunder,

Und in Begriffen nicht mit einbegriffen

Ist noch ein unermeßliches Revier,

Du selber drin das größte Wundertier.

Ich würde dir ohne Bedenken Eine Kachel aus meinem Ofen Schenken.

Joachim Ringelnatz

Ich habe dich so lieb!

Ich würde dir ohne Bedenken

Eine Kachel aus meinem Ofen

Schenken.

 

Ich habe dir nichts getan

Nun ist mir traurig zu Mut.

An den Hängen der Eisenbahn

Leuchtet der Ginster so gut.

 

Vorbei – verjährt –

Doch nimmer vergessen.

Ich reise.

Alles, was lange währt,

Ist leise.

 

Die Zeit entstellt

Alle Lebewesen.

Ein Hund bellt.

Er kann nicht lesen.

Er kann nicht schreiben.

Wir können nicht bleiben.

 

Ich lache.

Die Löcher sind die Hauptsache

An einem Sieb.

 

Ich habe dich so lieb.

Christian Friedrich Daniel Schubart

Freundschaft

Freundschaft, Himmelstochter,

 Komm und höre mich!

Im geweihten Liede

 Göttin, sing ich dich.

Laß von Sympathieen

Meine Seele glühen,

Daß von deinem Licht erhellt,

Dir das Lied gefällt.

 

In der Wüste trauernd

 Hat ein Menschenfreund

Einstens vor dem Himmel

 Seinen Gram geweint:

»Schöpfer meines Herzens,

Kenner meines Schmerzens,

Sprich, was soll dies Zittern hier,

Dieser Drang in mir?

 

Löw’ und Wolf und Tiger,

 Wild und zahmes Vieh

Haben für mich Armen

 Keine Sympathie.

Felsen, Berge, Meere

Füllen nicht die Leere,

Hellen nicht die Dunkelheit,

Die mein Herz entweiht.

 

Gott der Menschenvater

 Hört den Klager an;

Und, mit Himmelsklarheit

 Lieblich angethan,

Kam zum Menschenfreunde,

Der in Wüsten weinte,

Freundschaft. – Groß und gut und mild

War der Göttin Bild.

 

Ihre Lippe hauchte

 Sanft ins Menschenherz

Mitgefühl für Freude,

 Mitgefühl für Schmerz;

Seelen wurden Flammen,

Schlangen sich zusammen,

Und zum Herzenbilder drang

Nun ein Zweigesang.

 

Freundschaft macht die Menschen

 Gottes Engeln gleich,

Macht sie froh im Kummer,

 In der Armuth reich;

Und an ihrem Stabe

Wandeln wir zum Grabe,

Sprechen zu dem Freunde: dort

Daurt die Freundschaft fort.

 

Freunde, stark und dauernd

 Wie die Ewigkeit

Ist die Brudertreue,

 Die ich Euch geweiht.

Macht nicht Mädchenliebe

Oft das Leben trübe?

Nur die Freundschaft hat allein

Ewig Sonnenschein.

Matthias Claudius

Freundschaft

(…)

Von der spricht nun einer: sie sei überall; der andre: sie sei nirgends; und es steht dahin, wer von beiden am ärgsten gelogen hat.

Wenn du Paul den Peter rühmen hörst, so wirst du finden, rühmt Peter den Paul wieder, und das heißen sie denn Freunde. Und ist oft zwischen ihnen weiter nichts, als daß einer den anderen kratzt, damit er ihn wieder kratze, und sie sich so einander wechselweise zu Narren haben; denn wie du siehst, ist hier, wie in vielen andern Fällen, ein jeder von ihnen nur sein eigner Freund und nicht des andern. Ich pflege solch Ding »Holunder-Freundschaften« zu nennen. Wenn du einen jungen Holunderzweig ansiehst, so sieht er fein stämmig und wohl gegründet aus; schneidest du ihn aber ab, so ist er inwendig hohl und ist so ein trocken schwammig Wesen darin.

So ganz rein gehts hier freilich selten ab, und etwas Menschliches pflegt sich wohl mit einzumischen, aber das erste Gesetz der Freundschaft soll doch sein: daß einer des andern Freund sei. Und das zweite ist, daß dus von Herzen seist und Gutes und Böses mit ihm teilst, wies vorkömmt. Die Delikatesse, da man den oder jenen Gram allein behalten und seines Freundes schonen will, ist meistens Zärtelei; denn eben darum ist er dein Freund, daß er mit untertrete und es deinen Schultern leichter mache.

Drittens laß du deinen Freund nicht zweimal bitten. Aber wenns not ist und er helfen kann, so nimm du auch kein Blatt vors Maul, sondern gehe und fordre frisch heraus, als obs so sein müßte und gar nicht anders sein könne. Hat dein Freund an sich, das nicht taugt, so mußt du ihm das nicht verhalten und es nicht entschuldigen gegen ihn. Aber gegen den dritten Mann mußt du es verhalten und entschuldigen. Mache nicht schnell jemand deinen Freund, ist ers aber einmal, so muß ers gegen den dritten Mann mit allen seinen Fehlern sein.

Etwas Sinnlichkeit und Parteilichkeit für den Freund scheint mir zur Freundschaft in dieser Welt zu gehören. Denn wolltest du an ihm nur die wirklich ehr- und liebenswürdigen Eigenschaften ehren und lieben, wofür wärst du denn sein Freund; das soll ja jeder wildfremde unparteiische Mann tun. Nein, du mußt deinen Freund mit allem, was an ihm ist, in deinen Arm und in deinen Schutz nehmen; das Granum Salis versteht sich von selbst, und daß aus einem edlen kein unedles werden müsse.

Es gibt keine körperliche Freundschaft. Nach der werden auch zwei Pferde, die eine Zeitlang beisammen stehen, Freunde und können eins des andern nicht entbehren. Es gibt auch sonst noch mancherlei Arten und Veranlassungen. Aber eigentliche Freundschaft kann nicht sein ohne »Einigung«; und wo die ist, da macht sie sich gern und von selbst. So sind Leute, die zusammen Schiffbruch leiden und die an eine wüste Insel geworfen werden, Freunde. Nämlich das gleiche Gefühl der Not in ihnen allen, die gleiche Hoffnung und der eine Wunsch nach Hilfe einigte sie; und das bleibt oft ihr ganzes Leben hindurch. Einerlei Gefühl, einerlei Wunsch, einerlei Hoffnung einigt; und je inniger und edler dies Gefühl, dieser Wunsch und diese Hoffnung sind, desto inniger und edler ist auch die Freundschaft, die daraus wird.

Aber, denkst du, auf diese Weise sollten ja alle Menschen auf Erden die innigsten Freunde sein? Freilich wohl! und es ist meine Schuld nicht, daß sie es nicht sind.

(…)

Franz Grillparzer

Wert der Freundschaft

So feurig, unverfälscht und rein,

wie unsers Vaterlandes Wein,

muß Freundschaft sein; fest muß sie halten,

wenn auch des Schicksals Mächte schalten;

Sie kann uns Seligkeit bereiten,

selbst wenn wir mit dem Unglück streiten,

und nimmer reizt selbst Krösus Gold

den Glücklichen, dem sie ist hold;

er wird nicht nach dem Glücke laufen,

um das sonst Menschenkinder raufen,

und wenn die Freunde Freund ihn grüßen,

kann keine Unbild ihn verdrießen.

Friedrich Hölderlin

Freundschaft

Wenn Menschen sich aus innrem Werte kennen,

So können sie sich freudig Freunde nennen,

Das Leben ist den Menschen so bekannter,

Sie finden es im Geist interessanter.

 

Der hohe Geist ist nicht der Freundschaft ferne,

Die Menschen sind den Harmonien gerne

Und der Vertrautheit hold, daß sie der Bildung leben,

Auch dieses ist der Menschheit so gegeben.

 

d. 20. Mai 1758.

Mit Untertänigkeit Scardanelli.

Ludwig Heinrich Christoph Hölty

Der Bund

Dem Kußgelispel ähnlich, wenn Freunde sich

Umarmen, rausche, Harfe! Du Lindenbaum,

 Geuß dein Geflüster in die Saiten

  Hainings! Er glühet im Wonnetaumel.

 

Mein Gottschalk nennt mich Bruder! Der Name tönt

Mir süßre Lispel, als mir das Lüftchen tönt,

 Das durch die jungen Maien säuselt,

  Wo sich mein Mädchen des Lenzen freuet.

 

Weg, Liederharfe! – – Teuthard und Minnehold,

Das Herz im Auge, taumeln mir an die Brust,

 Und unsre deutschen Liederseelen

  Strömen in Gluten. – Was weilst du, Raimund,

 

Im Mondglanzschatten? – Reiß dich, o Bardenhold,

Aus Raimunds Armen! Flügle dich, schnellen Flugs,

 An meinen Busen! – Ah, du strömest

  Mir in die bebenden, offnen Arme!

 

Verlaßt mich, Freunde, daß mir die trunkne Brust

Im kühlern Taumel brenne! – – Mein Bardenhold

 Entheb mein Spiel dem Eichensprößling,

  Daß ich mein Herz in die Saiten singe!

 

Noch Einen Rundkuß, Freunde, bevor mein Schwur

Den Bund versiegelt, welchen die Tugend knüpft;

 Noch Einen Handschlag vor den Augen

  Gottes, der unsichtbar um uns wandelt!

 

Durch alle Sterne hallt er! Eloa blickt

Aus seiner Wolke nieder, und segnet uns;

 Die Geister unsrer Väter schweben

  Lichthell und lispelnd um unsre Saiten.

 

Seid Zeugen, Engel! – – Haining beschwört den Bund! –

Der Mond blinkt heller, goldner und goldner malt

 Sich jede Wolke, die melodisch

  In das Gewirbel der Harfe murmelt.

 

Seid Zeugen, Geister! – – Haining beschwört den Bund! –

Mein Spiel verstumme flugs, mein Gedächtnis sei

 Ein Brandmal, und mein Name Schande:

  Falls ich die Freunde nicht ewig liebe!

 

Kein blaues Auge weine die Blumen naß,

Die meinen Totenhügel beduften; falls

 Ich Lieder töne, welche Deutschland

  Schänden und Laster und Wollust hauchen!

 

Der Enkel stampfe zornig auf meine Gruft,

Wann meine Lieder Gift in das weiche Herz

 Des Mädchens träufeln, und verfluche

  Meine zerstäubende kalte Asche! – –

 

Die Geister flüstern lauter – – die Linde haucht

Mir tiefre Schauer – Schleuß mich in deinen Arm,

 O Gottschalk, daß die Seelenschauer

  Sich in Entzückung der Freude wandeln!

Wilhelm Busch

Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter

Wie wohl ist dem, der dann und wann

Sich etwas Schönes dichten kann!

 

Der Mensch, durchtrieben und gescheit,

Bemerkte schon seit alter Zeit,

Daß ihm hienieden allerlei

Verdrießlich und zuwider sei.

Die Freude flieht auf allen Wegen;

Der Ärger kommt uns gern entgegen.

Gar mancher schleicht betrübt umher;

Sein Knopfloch ist so öd und leer.

Für manchen hat ein Mädchen Reiz,

Nur bleibt die Liebe seinerseits.

Doch gibt’s noch mehr Verdrießlichkeiten.

Zum Beispiel läßt sich nicht bestreiten:

Die Sorge, wie man Nahrung findet,

Ist häufig nicht so unbegründet.

Kommt einer dann und fragt: Wie geht’s?

Steht man gewöhnlich oder stets

Gewissermaßen peinlich da,

Indem man spricht: Nun, so lala!

Und nur der Heuchler lacht vergnüglich

Und gibt zur Antwort: Ei, vorzüglich!

Im Durchschnitt ist man kummervoll

Und weiß nicht, was man machen soll. –

 

Nicht so der Dichter. Kaum mißfällt

Ihm diese altgebackne Welt,

So knetet er aus weicher Kleie

Für sich privatim eine neue

Und zieht als freier Musensohn

In die Poetendimension,

Die fünfte, da die vierte jetzt

Von Geistern ohnehin besetzt.

Hier ist es luftig, duftig, schön,

Hier hat er nichts mehr auszustehn,

Hier aus dem mütterlichen Busen

Der ewig wohlgenährten Musen

Rinnt ihm der Stoff beständig neu

In seine saubre Molkerei.

Gleichwie die brave Bauernmutter.

Tagtäglich macht sie frische Butter.

Des Abends spät, des Morgens frühe

Zupft sie am Hinterleib der Kühe

Mit kunstgeübten Handgelenken

Und trägt, was kommt, zu kühlen Schränken,

Wo bald ihr Finger, leicht gekrümmt,

Den fetten Rahm, der oben schwimmt,

Beiseite schöpft und so in Masse

Vereint im hohen Butterfasse.

Jetzt mit durchlöchertem Pistille

Bedrängt sie die geschmeid’ge Fülle.

Es kullert, bullert, quitscht und quatscht,

Wird auf und nieder durchgematscht,

Bis das geplagte Element

Vor Angst in Dick und Dünn sich trennt.

Dies ist der Augenblick der Wonne.

Sie hebt das Dicke aus der Tonne,

Legt’s in die Mulde, flach von Holz,

Durchknetet es und drückt und rollt’s,

Und sieh, in frohen Händen hält se

Die wohlgeratne Butterwälze.

 

So auch der Dichter. – Stillbeglückt

Hat er sich was zurechtgedrückt

Und fühlt sich nun in jeder Richtung

Befriedigt durch die eigne Dichtung.

Doch guter Menschen Hauptbestreben

Ist, andern auch was abzugeben.

Der Dichter, dem sein Fabrikat

So viel Genuß bereitet hat,

Er sehnt sich sehr, er kann nicht ruhn,

Auch andern damit wohlzutun;

Und muß er sich auch recht bemühn,

Er sucht sich wen und findet ihn;

Und sträubt sich der vor solchen Freuden,

Er kann sein Glück mal nicht vermeiden.

Am Mittelknopfe seiner Weste

Hält ihn der Dichter dringend feste,

Führt ihn beiseit zum guten Zwecke

In eine lauschig stille Ecke,

Und schon erfolgt der Griff, der rasche,

Links in die warme Busentasche,