Julia und ihr Jäger - Anne Altenried - E-Book

Julia und ihr Jäger E-Book

Anne Altenried

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Beschreibung

Nebel wallte über die Hänge, als Johanna vom Begräbnis des Großvaters heimkehrte. Sie stand nun allein im Leben und war noch keine Achtzehn. Das Dorf Winkl blieb im grünen Tal zurück. Nur die wild schäumenden Wasser des Eisbachs begleiteten das junge Mädchen bis hinauf zur heimatlichen Hütte. Schratthütte wurde sie genannt. Johannas Großvater war den Talbewohnern immer wie ein Waldschratt, ein sagenhafter Berggeist, erschienen. Als Johanna die kleine Stube betrat, überkam sie noch einmal die ganze Trauer. Erst jetzt begriff sie, was sie verloren hatte. Um vor ihren Gefühlen zu bestehen, machte sie sich an die Arbeit. Johanna befreite die angepflockten Geißen und zog mit der kleinen Herde zum Waldrand hinauf. Hier setzte sich das junge Madl ins Gras und schaute auf die Berggipfel, die zwischen ziehenden Wolken immer wieder auftauchten. Plötzlich schreckte Johanna zusammen und lauschte. Unter der Widderwand krachten zwei Schüsse. Das Echo grollte wie Gewitterdonner. Johanna hatte viel von dem unbekannten Wildschützen gehört, der das Gebiet um die Widderwand unsicher machte. Als der Abend aus dem Tal heraufdämmerte, wollte die junge Hirtin mit ihrer Herde heimkehren. Da hörte sie ein Stöhnen, das aus dem dunklen Bergwald kam. Dicht vor ihr zerteilte jemand die Zweige und wankte ihr entgegen. Fast hätte Johanna aufgeschrien. Sie hatte den Burschen nie zuvor gesehen. Er hatte ein sonnenbraunes schmerzverzerrtes Gesicht und lebhafte dunkle Augen. Seine Hemdbrust war von Blut gerötet, und unter seinem Janker schaute der Lauf eines Kugelstutzens hervor. Johanna wunderte sich, dass der Bursch trotzdem nicht gefährlich oder furchterregend wirkte. Sie vermisste das rußverschmierte Gesicht, an das sie bei E-Book 1: E-Book 2: E-Book 3:

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Seitenzahl: 343

Veröffentlichungsjahr: 2016

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4er Liebesroman – 1 –Julia und ihr Jäger

Ein kleiner Kuss mit großen Folgen

Anne Altenried

Die Fremde vom Geiereck

Man traut ihr nichts Gutes zu…

Roman von Anne Altenried

Matthias ließ das Dorf und den Achegrund hinter sich zurück, während er durch den sommerlichen Bergwald empor zu den Almen stieg, die sich am Fuß der mächtigen Weißwand ausbreiteten. Dicht über ihm, halb verdeckt von den Fichtenwipfeln, streckte sich die sonnenhelle Zinne des Geierecks in den tiefblauen Himmel. Da oben stand auch der halbverfallene Hof des alten Duregger, den Matthias’ Vater zum eigenen Grund dazukaufen wollte.

Als der Bursche die Höhe erreichte, sah er eine fremde junge Frauensperson im Rahmen der Haustür stehen. Ihr kupferfarbenes Haar leuchtete in der Nachmittagssonne wie Dukatengold.

Matthias grüßte verlegen. Die Fremde war bildsauber und trug das Gewand der einheimischen Bäuerinnen. Wer war sie?

Die Frau beantwortete seine stumme Frage mit einem kleinen Lachen. »Ich bin die neue Hofbäuerin«, erklärte sie dann mit ihrer dunkeltönenden Stimme.

Matthias schaute betroffen. »Hofbäuerin? Hat der Duregger heimlich verkauft?«

»Verkauft schon, aber nicht heimlich«, antwortete die Fremde in sanftem Spott. »Wer bist du?«

»Der Tschugger-Matthias.«

»Vom Tschuggerhof hab ich gehört.«

»Hoffentlich Gutes«, strahlte er sie an.

Statt darauf einzugehen, fragte die Frau: »Was willst auf meinem Hof?«

»Auf deinem Hof«, brummelte er. »Daran muß ich mich erst gewöhnen. Wir haben das Geiereck kaufen wollen, weil unsere Alm am Fernerkogel zu klein wird.«

»Das Geiereck gehört jetzt mir.«

»Da hast gewiß Glück gehabt.

Aber wart ab, der Winter wird heroben hart.«

»Den Winter fürcht ich nicht.« Das klang abschließend. Sie tat einen Schritt in den Hausgang zurück.

»Behüt dich Gott«, grüßte der Bursche und marschierte benommen weiter.

Matthias schaute von der Höhe auf den Dureggerhof zurück.Viel war das kleine Bauernhaus nicht mehr wert. Windschief und morsch wirkte es mit den bemoosten Steinen auf dem Schindeldach. Aber der saftige Wiesengrund rundum hätte eine gute Alm abgegeben.

Ob die schöne Fremde Geld hatte, ihren Hof herzurichten? Sie sah mehr wie jemand aus, der vor der Welt davongelaufen war, um eine Enttäuschung zu überwinden.

Der Tschuggersohn erreichte eine bewirtschaftete Almhütte, aus deren Kamin Rauch stieg. Hier hauste die Beda, eine Sennerin aus Längenfeld.

Die Kühe weideten mit dunkeltönenden Halsglocken im Schatten der Felsen. Ein sonntäglicher Friede lag über dem Ganzen.

Beim Betreten der Hütte erlebte Matthias eine weitere Enttäuschung. In der Almstube saß der Jäger, mit dem er wegen der Tochter des Adlerwirts in kriegerischer Feindschaft lebte.

Der Grünrock höhnte sogleich:

»Ja, da schau her! Jetzt steigt er den Sennerinnen nach! Da wird die Jula staunen!«

Beda, ein derbes braunhaariges Madl, lachte nur und forderte den Besucher zum Hinsetzen auf.

»Darfst mir eine Buttermilch bringen!« bat der Besucher.

Nachdem Beda die Milch aus dem Felsenkeller heraufgeholt hatte, sagte sie zum Jäger: »Der Matthias vergibt sich nix bei einer andern. Der ist seiner Adlertochter treu. Er sucht vielmehr eine zweite Alm, damit er wieder zwanzig Kühe dazukaufen kann. Hab ich recht?«

»Ungefähr wird’s stimmen«, nickte Matthias.

Der Jäger spöttelte: »Möchte kein Tschuggerbauer sein. Der kommt vor lauter Geldzählen zu keinem richtigen Leben mehr.«

»Mir würd’s gefallen«, stichelte Beda. »Wollt er mich gegen seine Jula eintauschen, tät ich einen Juhuschrei zur Weißwand hinaufschicken.«

»Und nachher keinen einzigen Schilling in die Hand kriegen, weil der alte Tschugger auf seinem Geldsack hockt wie eine Gluckhenne«, hängte der Jäger an. »Hab ich auch der Jula gesagt, aber die wird net gescheit, selbst wenn ihr der Matthias das Bier mit abgerissenen Hosenknöpfen zahlt.«

Beda lachte laut. »Du bist dem Matthias bloß neidig.«

»Pfff!« machte der Jäger verächtlich. »Mir ist mein freies Jagerleben lieber.«

»Aber Adlerwirt willst halt doch gern werden wegen der schönen Jula.«

»Wer ist die Fremde vom Geiereck?« lenkte Matthias ab.

»Weiß selber nicht«, meinte Beda in ernstem Ton. »Dabei ist sie schon eine ganze Woche hier.«

»Noch länger«, verbesserte der Jäger. »Zwei Kühe hat sie, zwei Geißen und sechs Hennen. Und Haare hat sie auf den Zähnen.«

»Ach, hast du’s schon bei ihr probiert?« spottete die Sennerin. »Hat sie dich gebissen?«

»Seit der Tschugger hier hockt, redest mit mir, als hättest mich vorher net leiden können«, parierte der Jäger. »Aber ich kann auch in einer anderen Hütte zukehren, wo ich willkommener bin.«

»Bleib sitzen, Jäger«, mischte sich Matthias ein und stand auf. »Ich muß eh weiter!« Er bedankte sich bei der Beda für die Milch und verabschiedete sich.

Die Fremde vom Geiereck ging ihm nicht mehr aus dem Sinn. Lebte sie wirklich ganz allein auf dem alten Einödhof?

*

Beim Adlerwirt spielte der Schmieder-Klaus zum Tanz auf. Die Fenster standen offen. Matthias vernahm deutlich die Stimmen seiner Kameraden und das Lachen der Madln. Eigentlich hatte er heute abend nicht einkehren wollen. Doch nun kam er nicht vorbei.

Von der Wirtstochter wurde er mit einem aufleuchtenden Blick begrüßt. Sie verschaffte ihm sogleich einen guten Platz und brachte ihm ungefragt ein Viertel Roten, den er gewöhnlich trank.

»Hast eine Alm gefunden?« fragte sie.

»Den Hof auf dem Geiereck hat uns jemand weggekauft.«

»Ach, darum schaust du so grantig. Den alten Dureggerhof hat einer vom Inntal erstanden.«

»Wieso einer? Es haust bloß ein junges Madl droben.«

»Ein Madl? Vielleicht ist er verheiratet und hat eine junge Bäuerin mitgebracht«, vermutete die Wirtstochter. »Aber das soll uns net stören.«

»Mich stört’s aber.« Matthias nahm einen Schluck aus seinem Glas. »Einer aus dem Inntal? Hast du ihn gesehen?«

»Er hat bei uns gewohnt und hier den Kaufvertrag unterschrieben.«

»Wie heißt er?«

»Tschöll, mein ich. Genau kann ich’s nimmer sagen.« Erstaunt fügte sie an: »Warum regst dich so auf?«

»Hab nur gemeint – weil ich droben nur das Madl gesehen hab…«

Jula, die sich mit den Mannsleuten auskannte, forschte in seinem Gesicht. Gleich darauf wurde sie an einen anderen Tisch gerufen.

Der Kreuzweger-Markus setzte sich nun zu Matthias. Dann kam auch noch der Schmieder-Klaus herüber, der auf seiner asthmatischen Ziehharmonika spielte und mittendrin manchmal einen lauten Juchzer losließ, wenn sein Blick dem einer jungen Tänzerin begegnete.

»Was hast denn heut?« wunderte sich Markus und betrachtete das maskenhafte Gesicht des Tschuggersohnes. »Macht euch daheim das viele Geld Sorgen? Bei mir könntest ein paar davon loswerden. Ich könnt hundert Schilling brauchen. Besorgst sie mir?«

»Die müßt ich gleich abschreiben. Tu halt schaffen ums Geld! Wir suchen einen Knecht.«

»Seh ich so dumm aus? Führ ich die Fremden in die Berge, hab ich’s leichter.«

Der Schmieder-Klaus beendete sein Stück und zog die Arme aus den Gurten der Ziehharmonika. Jula stellte ihm ein Bier hin und eilte weiter. Er trank und beugte sich dann vertraulich über den Tisch. »Matthias, ich hab was für dich. Ein bildsauberes Madl!«

»O mei«, lachte der Kreuzweger-Markus, »laß dir nix einreden! Die er dir anpreisen will, ist eine Hexe und hat ihn das Fürchten gelehrt!«

Räuspernd schob Klaus sein Bier beiseite. »Du sei stad, gell! Ein Dirndl zum Anbeißen ist sie, auf Ehr! Kriegst du die, kannst deine Jula einmotten.«

»Ich möcht aber gar net«, lachte Matthias. »An mir kannst dir keinen Kuppelpelz verdienen.«

»Mir hat er sie auch schon angepriesen«, höhnte Markus. »Sie muß eine arge Zwiderwurzen sein. Beim Fensterln hat sie ihn mit der Ochsenpeitsche von der Leiter getrieben.«

»Stad bist, hab ich gesagt!« Klaus wurde ernstlich böse. »Warum sollt der Matthias als reicher Erbe kein Glück bei ihr haben?«

Markus blieb still. Nun berichtete der Musikant, wie er auf die Fremde vom Geiereck aufmerksam geworden war und er es bei ihr mit allen Mitteln versucht hatte. »Das ist eine!« schwärmte er. »Aber nix zu machen: Sie wartet auf einen Prinzen.«

»Auf den Matthias Tschugger«, spottete Markus. »Leider darf er keine Fremde nehmen. Und zweimal schon keine solche Bettelbäuerin.«

Matthias war errötet. »Ist sie net verheiratet?«

»Verheiratet. Wer behauptet das?«

»Die Jula.«

»Jula!« schrie Klaus nach der Wirtstochter, erhaschte die Vorbeieilende beim Schürzenbandl und bugsierte sie an den Tisch heran. »Jula, ist’s wahr? Hat die Neue vom Dureggerhof einen Mann?«

»Weiß doch ich net«, schimpfte sie, riß sich los und trug das große Tablett mit Gläsern weiter. »Hab keine Zeit. Die vom Geiereck droben geht mich eh nix an.«

»Das wird anders, sobald ihr dein Matthias nachsteigt«, lachte Markus.

Jula blitzte den Spötter aus schillernden Augen an. »An mir und meinem Matthias brauchst du dir den Schnabel nicht zu wetzen!« Fort war sie.

»Huii!« feixte Klaus und zog den Kopf zwischen die Schultern. »Spaß versteht sie heut keinen.«

»Das war kein Spaß«, brummte Matthias vorwurfsvoll. »Gebt Ruhe jetzt!«

»Hast du die Fremde überhaupt schon gesehen?« fragte Klaus beharrlich.

»Heut war ich droben.«

»Und?«

»Nix und! Ich hab meine Jula.«

»Klaus, bitt schön, tu weiterspielen!« rief ein Mädchen vom Nachbartisch herüber. »Kriegst nachher ein Busserl dafür.« Die Bittstellerin blitzte den schmucken Musikanten herausfordernd an.

Der Schmieder-Klaus stand auf und ging hinüber. »Das Busserl als Anzahlung, dann spiel ich.« Er holte es sich und war zufrieden.

Drüben beim Eingang tauchte nun der junge Jäger auf, stand eine Weile abwartend da und verfolgte die zwischen den Tischen hantierende Wirtstochter mit heißen Blicken.

»Einmal spannt er dir die Jula aus, der Ortner-Hans«, prophezeite Markus dem Matthias. »So eine hartnäckige Lieb wie dem seine führt bei den Weibsleuten immer ans Ziel.«

Als Jula dem Jäger ein Bier zutrug, legte er seinen Arm um die Wirtstochter und hielt sie fest. »Jula, ich muß mit dir reden«, beschwor er. »Hast du nachher Zeit?«

»Heut am Sonntag, bei Hochbetrieb? Hans, du bist net gescheit!«

»Aber nach Feierabend. ..«

»Dann fall ich todmüde ins Bett!«

»Ich steig in deine Kammer ein. Dann findest mich dort.«

»Noch was?«

»Für den Matthias hättest gewiß Zeit!«

»Der ist mein Schatz!« parierte sie und eilte weiter.

»Hex!« zischte er ihr nach und begann mit den Zähnen zu mahlen. Immer wieder der Matthias! Der Weidmann wünschte, der protzige Bauernbursch käme einmal auf den Gedanken zu wildern und begegnete ihm im Bergrevier.

Jedesmal, wenn Jula ihren Matthias mit freundlichen Blicken bedachte, stieg dem Jäger das Blut auf. »Einmal vergeß ich mich!«

Dann dachte er an die schöne Fremde auf dem Geiereck. Die könnte ihm auch gefallen. Doch erstens hatte sie ihm ihre Abneigung deutlich zu spüren gegeben und zweitens wollte er doch lieber die Jula, welche die einzige Tochter war und später erben würde.

Was brauchte der große Tschuggerbauer auch noch das Wirtshaus? Ihm, dem armen Jäger, könnte es die Lebensgrundlage bilden.

Während er so vor sich hin grübelte, wurde er von Jörgl, dem Knecht des Adlerwirts, angestupft.

»Jager, träumst du?« Der Knecht schob das Kinn vor und wies auf Jula, die eine freie Minute zu einem Schwatz mit Matthias nutzte. »Wenn du die fangen willst, mußt du’s schlauer anstellen.«

»Dazu brauche ich deinen Rat gewiß net.«

Der Jörgl zupfte lächelnd an seinem schwarzen Schnurrbart. »Hältst mich für dumm, Jager. Tät ich reden…«

»Willst sagen, du weißt was, das die Jula und den Tschugger auseinanderbringt?« horchte der Jäger auf.

»Was zahlst?«

»Zahlen?« dehnte Hans. »Geld hab ich weniger als eine Kirchenmaus.«

»Ich will kein Geld, Jager. Ist dir in deinem großen Bergrevier kein Gamsbock feil?«

»Ach, auf die Art zielst du! Jörgl, meine Jagerehr verkauf ich net.«

»Auch für die Liebe der Jula nicht?« bohrte der Knecht.

»Die könntest du mir eh net verschaffen.«

»Bei der Jula zählt mein Wort, Jager! Verlaß dich drauf! Und Gamsböcke hast du mehr als genug an der Weißwand droben.«

»Keinen für dich«, wehrte Hans. Er beobachtete noch immer die Wirtstochter, die sich jetzt mit lachendem Gesicht zu Matthias niederbeugte und ihm etwas ins Ohr flüsterte. Seine Hände ballten sich zusammen.

»Jager, ich weise dir einen Weg, der zwei Gamsböcke wert ist«, lockte Jörgl.

»Was liegt dir daran? Hast früher gewildert?«

Darauf lächelte der Jörgl nur in jener hinterlistigen Art, die ihm den Ruf eines einfältigen Menschen eingetragen hatte.

»In meinem Revier hat es noch keine Schwarzschützen gegeben«, grollte der Jäger finstergesichtig.

»Das könnt noch kommen.«

»Dann weiß ich, wer’s ist und brauchte dich bloß der Gendarmerie melden.«

»Dann kriegst die Jula eben nicht«, erklärte Jörgl in einem Ton, der sein Gegenüber aufhorchen ließ. »Auch der Tschugger kriegt sie nur, wenn ich will.«

»Da schau«, staunte der Ortner- Hans. »Jetzt mußt reden! Wie ist das gemeint?«

»Ich sag nix, bevor ich net den Gamsbock geschossen hab.«

»Und ich soll dabei zuschauen und dich noch schützen?«

»Du kriegst keinen geringen Lohn dafür.«

Der Jäger schüttelte den Kopf. »Auf so was laß ich mich nicht ein. Zumindest müßtest deutlicher werden.«

»Ich will eine Nacht darüber schlafen.« Jörgl ließ den Jäger allein.

*

Der Tschuggerhof stand in seiner wuchtigen Größe wie eine Glucke unter ihren Küken. Kein anderes Anwesen im Dorf reichte auch nur annähernd an ihn heran.

Der Bauer Korbin Tschugger hatte es sich sogar erlauben können, den ihm mehrfach angetragenen Posten des Bürgermeisters auszuschlagen.

»Ich bin doch net dumm! Als Bürgermeister müßt ich gegen mich selber wirtschaften! Mir soll einmal das ganze Dorf gehören, aber nicht mein Hof der Allgemeinheit!«

Gar so verbohrt ins Geld war sein Erbe, der Matthias, nicht. Ihn mochten die Leute gut leiden, auch die Ärmsten derArmen. Saß er doch manchmal mit solchen Bettelburschen wie dem Schmieder-Klaus an einem Tisch.

Aber zum Heiraten war ihm die Wirtsjula vorbestimmt. Sie war die einzige Tochter und Erbin des zweitreichsten Mannes im Dorf.

An einem heißen Juliabend brachte der alte Tschugger das Wort darauf. »An wem liegt’s, daß ihr beide nicht heiratet?«

»Am Adlerwirt, der will die Jula so lange wie möglich als billige Kellnerin halten.«

»An dir oder dem Madl liegt’s nicht?« fragte der Tschugger.

»Die Jula würde morgen schon wollen.«

»Und du?«

»Ich?« dehnte Matthias, um Zeit zu gewinnen. Dann nickte er verlegen. »Alsdann, von mir aus…«

»Wie meinst du das?«

»Heirate ich halt, damit endlich Ruhe ist.«

»Gut, verhandel selber mit deinem Schwiegervater. Zwischen uns Alten ist eh alles klar. Die Jula erbt später alles, was zum Wirtshaus dazugehört.«

Beim Abendessen meinte die Tschuggerin: »Wieso hat der alte Duregger das Geiereck an eine Fremde verkauft?«

»An einen«, verbesserte der Bauer. »Außerdem gönn ich dera das Gütl. Einer, der sich heutzutag noch den eigenen Hof erwirtschaften will, hat meine volle Achtung.«

»Ich hab nur eine junge Frau auf dem Dureggerhof gesehen«, mischte sich Matthias ein.

»Ist ja gut, wenn er schon eine Bäuerin hat. Von hier wäre kaum eine mit ihm aufs Geiereck gegangen.«

Als Matthias nach dem Essen noch einmal nach draußen schaute, spazierte grad der Kreuzweger-Markus vorbei.

»Matthias, du bist daheim? Freilich, wem das Haserl durch die Lappen ist, muß verzichten können.«

»Was soll denn das blöde Geschwätz?« begehrte der junge Tschugger auf.

»Ja, weißt du noch nix?« erschrak Markus.

»Was soll ich wissen?«

»Deine Jula hat einen Schatz!«

»Freilich hat sie einen! Mich!«

»Das glaubst du! Aber seit einer Woche sieht man sie in der Wirtsstube ständig mit dem Neuen zusammenhocken.«

»Mit welchem Neuen?« erbleichte Matthias.

»Tschöll heißt er und ist Bauer auf dem Geiereck.«

Matthias packte den Freund an der Hemdbrust und schüttelte ihn. »Jetzt einmal Spaß beiseite!«

»Ich mach keinen Spaß«, versicherte Markus und versuchte sich aus dem harten Griff zu befreien. »Der Tschöll sitzt jeden Abend im Wirtshaus und läßt die Jula keinen Moment lang aus. Geh doch selber hin!«

»Das tu ich auf der Stell«, brummte Matthias. »Hast du mich angeschmiert, erlebst was!«

»Was schreit ihr denn so narrisch?« erkundigte sich die Bäuerin von der Haustür her.

»Der Markus sagt, die Jula hätt’ einen anderen!«

Die Mutter schwieg. Sie traute der lebenslustigen Wirtstochter manches zu und hatte sich noch nie für die geplante Heirat begeistern können.

Matthias und Markus stiefelten dem Wirtshaus zu.

Der junge Bauer vom Geiereck, der Tschöll, saß tatsächlich an einem Tisch. Er war ein kraftvoller breitschultriger Mann mit kantigem Berglergesicht und scharfblickenden Augen. Fast hätte sogar Matthias sich unter dem Blick dieses Mannes geduckt.

Der Fremde schien von seiten der Dorfburschen keinen Gruß erwartet zu haben und es auch er nicht zu bedauern, daß sich niemand zu ihm an den Tisch setzte.

Jula wirkte verändert. Sie trug ein luftiges Sommergewand, das Matthias seit dem vorigen Jahr nicht mehr an ihr gesehen hatte. Damals war Jula mit ihm in den Bergen gewesen. Den ganzen Tag hatten sie einander gebusserlt und verliebte Worte zugeflüstert.

Jula trat an den Tisch der Burschen, nahm ein paar Bierdeckel in die Hand und schaute fragend um sich. Matthias blickte sie nicht an.

»Mir bringst ein Bier«, wünschte Markus. »Und dem Matthias ein amtliches Dankschreiben. Er glaubt net, daß er bei dir ausgedient hat!«

Jula schoß die Röte in die Wangen. Zornig zischte sie den Spötter an: »Du wartest bis morgen auf dein Bier, wenn du bis dahin nicht verdurstet bist!«

»Hat er was Unwahres behauptet?« erkundigte sich der Schmieder-Klaus unschuldig.

»Mit euch rede ich nimmer«, regte sich die Wirtstochter auf und verschwand.

Am anderen Tisch zeigte der Tschöll ein strahlendes Gesicht. Aber auch ihn beachtete Jula nicht.

Matthias sinnierte vor sich hin und beteiligte sich nicht am Gespräch seiner Kameraden. Die Wirtstochter blieb in der Küche und ließ die Burschen trocken sitzen.

So kam der Adlerwirt hinter der Theke hervor und nahm die Bestellungen auf. Zu Matthias sagte er wie nebenbei: »Mit dir möcht ich nachher reden!«

»Ist recht.«

»Wirst dir was anhören müssen, weil du dich net intensiver um das Madl gekümmert hast«, prophezeite Markus schadenfroh.

Als die Burschen ihr Bier hatten, kam der Hausknecht Jörgl durch die Hintertür. Er schaute sich um, bedachte den Fremden mit feindseligem Blick und kam zum Tisch der Dorfburschen.

Klaus stichelte sogleich: »Jörgl, du bist einer! Verkuppelst die Jula an den da drüben!«

»Spinnst du? Den Fremden kauf ich mir noch! Hat daheim eine blitzsaubere Bäuerin und sitzt von früh bis spät im Wirtshaus!«

Der Wirt brachte seinem Hausknecht ein Bier und stieß Matthias an. »Komm geschwind!«

Sie marschierten ins Nebenzimmer, das sonst den örtlichen Vereinen vorbehalten, doch heute leer war.

»Was wird aus dem Hochzeitmachen?« fragte der Adlerwirt ohne Umschweife.

»Nach mir wären wir lange schon verheiratet«, erwiderte Matthias.

»Und warum seid ihr’s net? Warum kümmerst dich so wenig um das Madl?«

»Ich hab gemeint, du warst gegen eine sofortige Heirat, weil du die Jula im Adler brauchst?«

»Hexenschmarrn!« polterte der Wirt los. »Das Madl hat zu heißes Blut. Du wirst ihr gleich heut die Faxen austreiben. Mir gefallt’s net, wenn sie dem Fremden schöntut.«

»Mir auch nicht!«

»Aber schuld bist selber, weil du allweil den unschuldigen Bräutigam spielst und auf die ferne Hochzeitsnacht setzt. So kann einer heutzutag kein Madl mehr bei der Stange halten.«

»Ich hab halt gemeint, alles sollt in Ehren…«

»In Ehren«, schnappte der Adlerwirt. »Die Ehr wär gleich beim Teufel, wenn das dumme Madl so einem Bettelmann in den Heustadel nachläuft!«

»Ich hab ihr voll vertraut bis heut…«

Der Wirt seufzte, ließ den Burschen stehen und marschierte in die Küche. Hier fuhr er die Tochter grob an: »Hock dich ein bisserl zum Matthias!«

»Da müssen zuvor die andern weg sein«, gab die Tochter hitzig zurück. »Ihr Spotten geht mir auf die Nerven. Und das lahme Benehmen vom Matthias auch.«

»Ich hab’s ihm schon klargelegt. Lock ihn halt ein bisserl!«

»Ich werf mich doch keinem an den Hals!«

»Bei dem Fremden tust es aber.«

»Der Veit lockt mich! Das ist der Unterschied!« Sie rauschte in die Gaststube.

Hier war inzwischen auch der Jäger anwesend. Er hatte sich zu Jörgl gesetzt. Beide schwatzten eifrig miteinander.

Trotzig setzte sich Jula neben Matthias und ließ den Vater bedienen. Sie sprach keinWort.

Schließlich fragte Matthias: »Ist’s wahr, daß du mit dem da drüben schöntust?«

»Das haben die dir eingeredet!« Sie wies auf seine Freunde. »Der Tschöll ist unser Gast und wenn er allein sitzt, braucht er mal eine Unterhaltung.«

»Von dir?«

»Von wem sonst?«

Matthias schwieg finster.

Klaus feixte gegen die Wirtstochter: »Wenn deine Gesellschaft und deine Busserln so leicht zu haben sind, werde ich mich morgen den ganzen Tag in deine Gaststube setzen.«

Jula beachtete ihn gar nicht. Aber auch zwischen ihr und Matthias herrschte gespannte Stille.

Um so eifriger redeten der Jäger und Jörgl. Der Wirtshausknecht hatte sich etwas ausgedacht. »Da schlägst gleich beide Mucken mit einer Patsche, Jager. Machst du mit?«

»Mir ist das zu gefährlich.«

»Ungefährlich kriegst gar nix auf derWelt. Entweder du bringst soviel Schneid auf und tust mit, oder ich kann dir nimmer helfen.«

»Weiß net«, zögerte der Jäger und kratzte sich hinterm Ohr. »So was muß überlegt sein.«

»Da wirst den Anschluß verpassen und nachher saudumm schauen.« Und noch einmal drängend: »Es kostet dich bloß einen einzigen Gamsbock, Jager.«

»Vielleicht noch den Beruf dazu!«

»Das hängt von deiner Schlauheit ab.« Jörgl wies mit dem Kinn auf den Fremden. »Willst so einem die Jula lassen?«

»Kriegt er sie net, kriegt sie der Tschugger«, brummelte der Grünrock resignierend.

»Verlaß dich auf mich, dann schalten wir garantiert alle beide aus!«

»Alsdann – sollst deinen Bock haben«, grimmte der Jäger. »Aber wenn’s schiefgeht, dann hab ich von überhaupt nix eine Ahnung!«

Strahlend trank Jörgl sein Bier leer und stand auf. »Ich schau, wie das Wetter wird.«

Auch Matthias war aufgestanden und nahm die Wirtstochter mit vor die Haustür. »Mir ist die Wirtshaushockerei zuwider«, bekannte er brummig. »Ich will jetzt wissen, wie du dir das mit unserer Hochzeit gedacht hast.«

»Ist alles längst abgesprochen«, erwiderte Jula in provozierendem Ton.

»Und du scharwenzelst um einen andern herum!«

„Er ist unser Gast.«

»Deinem Vater gefällt’s auch net.«

»Ich weiß«, seufzte die Wirtstochter und legte ihm die Arme um den Hals. »Er meint, du vernachlässigst mich. Matthias, weißt denn net, daß ich bloß dich allein gern habe?«

»Mich, oder den Tschuggerhof?«

Sie forschte in seinem Gesicht und lachte. »Dich, Schatz!« Jula schmiegte sich leidenschaftlich an ihn, bis er sie küßte. Ganz war er noch nicht zufrieden.

»Madl, dann solltest auch danach handeln.«

»Werde ich, Matthias. Und du darfst net gleich eifern, wenn ich mich mal zu einem Gast setze.«

»Ich hab mich wohl von den andern aufhetzen lassen«, gestand er reumütig.

»Wenn du jetzt heimgehst, darfst du ganz beruhigt sein. Ich bin deine Braut. Noch vor dem Winter heiraten wir. Einverstanden?«

Ein weiterer Kuß besiegelte die Abmachung.

Als Jula allein in die Gaststube zurückkehrte, meinte der Kreuzweger-Markus: »Jetzt hat sie ihn heimgeschickt, damit sie wieder mit dem andern schöntun kann.«

Die Jula rauschte hocherhobenen Hauptes am Tisch der Burschen vorbei und setzte sich an die Seite des Fremden vom Geiereck. »Ist dir die Zeit auch net zu lang geworden?«

»Ich hab Geduld, das weißt du ja.«

Jula atmete auf. »Ich hab gefürchtet, du könntest mir bös sein.« Sie fing einen mahnenden Blick ihres Vaters auf und erhob sich wieder. »Magst noch ein Bier?«

»Bring mir lieber einen Roten.«

Währenddessen saß der Jäger mit verkniffenem Gesicht an seinem Tisch.

Der Schmieder-Klaus und Markus steckten die Köpfe zusammen und berieten. Irgendwie mußten sie Matthias davon überzeugen, daß Jula ihn hinterging »Ich hab’s«, rief Markus unvermittelt und sprang auf. »Warte hier! Ich komme gleich wieder.« Draußen war er.

Als er zurückkam, verbarg er etwas unter seinem Janker und tuschelte mit dem Freund. Sie zahlten und gingen. Hinterm Wirtshaus, wo die beiden Tage zuvor den Fremden und die Wirtstochter beim heimlichen Abschiednehmen ertappt hatten, warteten sie.

Es wurde Mitternacht, bevor der Fremde im Hof erschien. Sekunden später kam Jula zur hinterenTür heraus und ließ sich von dem Mann umarmen.

»Heut busserln sie sich sogar schon ab!« zischelte Klaus.

»Still!« forderte der Kreuzweger- Markus pirschte sich näher an das Paar heran und ließ das Blitzlicht seines Fotoapparates aufflammen. Dann sprangen die beiden Spitzbuben lachend davon.

*

Am Sonntag zeigte Markus dem jungen Tschuggerbauern das entwickelte Foto. »So hast du deinen Goldschatz gewiß noch net gesehen!«

Matthias riß dem Spötter das Bild aus der Hand und betrachtete es. Sein Gesicht wurde ziemlich fahl.

»Ja gell, da schaust!« triumphierte Markus. »Anders hättest uns ja nie geglaubt.«

»Das Bild mußt mir lassen«, entschied Matthias, ließ den Freund stehen und stürmte ins Haus.

Markus marschierte unterdessen zum Adlerwirt und fand dort den Jäger. »Hans, willst was sehen?« Er legte eine zweite Ausführung des Fotos auf den Tisch. »Schau dir das an!«

Der Ortner-Hans schaute und wurde abwechselnd blaß und rot. Dann starrte er zu Jula hin, die soeben ein paar Bauern am Stammtisch bediente. Freundlich und bildsauber wie immer wirkte sie – und vollkommen unschuldig.

»So eine Hex, so eine hinterhältige«, entschlüpfte es ihm.

»Bist du geheilt?« grinste Markus schadenfroh.

»Ich sag ihr noch was!«

»Das mit dem Bildl ist kein Geheimnis. Sie kennt sich aus.«

»Darf ich’s behalten?«

»Gern! Ich hab noch mehr.«

Zur selben Minute verließ Matthias den Elternhof und stieg entschlossen dem Geiereck zu. Die Sonne war heute nicht zu sehen. Alle Berge hatten sich in dichte Wolkenmäntel gehüllt. Ein kühler Wind blies durch das Tal. Es konnte jeden Augenblick zu regnen anfangen.

Als Matthias den kleinen Hof auf denn Geiereck erreichte, goß es schon in Strömen. Fröstelnd wischte er sich das kalte Naß von Gesicht und Hals. Entschlossen stiefelte er zur Haustür und klopfte an.

Die Bäuerin öffnete. Sie stand im selben Gewand vor ihm wie Tage zuvor, das kupferfarbene Haar war in strenger Flechtenkrone gebändigt.

»Komm herein«, sagte die junge Frau, nachdem sie ihn kurz angeschaut hatte.

Staunend murmelte er: »Hast mich erwartet?«

»Erwartet hab ich niemand. Aber ich kann keinen Menschen vor meiner Tür stehen lassen, der bei einem solchen Wetter anklopft.«

Fröstelnd folgte er ihr in die kleine Stube, die heute vom Taglicht kaum erhellt wurde. Suchend schaute er sich um. »Wo ist dein Mann?«

»Mein Mann?« dehnte sie erst verwundert, meinte aber dann: »DerVeit ist wenig daheim.«

»Das weiß ich«, brummte Matthias und zog das Bild hervor. »Da! Jetzt wirst dich auskennen, was er für einer ist!« Erwartungsvoll beobachtete er ihr schönes Gesicht, während sie das kleine Bild genau studierte.

Schließlich drängte er: »Warum sagst nix?«

»Was soll ich sagen?« Sie sah auf und begegnete seinem Blick. »Ist das die Wirtstochter.«

»Ja, die Julia Stimpfl. Wir nennen sie alle Jula.«

»Wirklich ein sauberes Madl.« Wieder blickte sie das Bild an.

»Sonst sagst nichts?«

Die Bäuerin zuckte die Schultern, merkte plötzlich, wie durchnäßt ihr Besucher war und daß er fröstelte. »Warte, ich such dir geschwind ein trockenes Gewand und heize den Ofen ein, damit du dir nix holst.« Sie verließ die Stube.

Um sich ein wenig zu erwärmen, marschierte Matthias hin und her. In der Stube war alles alt und einfach, aber blitzsauber hergerichtet und gemütlich. Im Herrgottswinkel hing ein aus dunklem Holz geschnitzter Heiland, geschmückt mit Palmzweigen und Almrausch.

Die junge Frau kam mit einem Armvoll Scheite und einigen Gewandstücken wieder. Nachdem sie diese auf den Tisch gelegt hatte, warf sie das Holz in die Kiste beim Ofen und begann Feuer anzufachen. Draußen regnete es noch stärker. Immer düsterer wurde es in der Stube.

»Ein Wetter wie im Herbst«, meinte sie und blies ins Feuer, bis es in prasselnder Flamme das aufgeschichtete Holz erfaßte.

»Du hast dich ja nicht umgezogen«, wandte sich die Bäuerin an ihren Gast. »Streif den Janker und dein Hemd ab, damit beides am Ofen trocknen kann.«

Er tat wie geheißen, schaute zu, wie sie das nasse Hemd sorgsam glättete und auf die Holzstangen hängte, die an der Stubendecke angebracht waren. Aber von den fremden Sachen zog er nichts an. Die mußten dem leichtfertigen Bauern gehören, der drunten mit Jula angebandelt hatte. Unverständlich, daß sich die Frau so wenig aufregte über den Treuebruch ihres Mannes.

»Hast du das Bild geknipst?« erkundigte sie sich, nachdem sie die Sachen wieder weggeräumt und sich zum Tisch gesetzt hatte.

Matthias schüttelte den Kopf. »Jemand hat es mir gegeben.«

»Setz dich doch«, drängte sie und wies auf die Bank am warmen Kachelofen. »Du kannst ja doch net weg, solange es draußen wie aus Kübeln schüttet.«

Der Tschuggersohn setzte sich und ließ seine Blicke wieder durch die kleine gemütliche Bauernstube wandern.

»So was wirst du nicht gewohnt sein«, vermutete sie. »Kommst ja vom größten Talhof.«

»Du kennst mich schon gut.«

»Der Veit versorgt mich je nach Laune mit Nachrichten aus dem Dorf. Er arbeitet drunten in der Sägemühle.«

»Da lügt er dich an.«

»Wieso?« fragte sie betroffen.

»Weil er die ganze Zeit beim Adlerwirt sitzt und mit der Jula schwatzt.«

»Auch werktags?«

»So hab ich reden gehört.«

»Vielleicht geht er nach Feierabend ins Wirtshaus, um die Leute kennenzulernen«, erwiderte sie ruhig. »Er wohnt ja ganz allein drunten, hat bloß ein winziges Stübl überm Sägeschuppen.«

»Warum geht er nicht heim zu dir?«

»Er will von Bauernarbeit nichts wissen.«

»Aber warum hat er sich dann den Hof daheroben gekauft?«

»Der Hof gehört mir, nicht ihm. Und daß es mir daheroben gefällt, weißt ja schon.«

Er schaute sie mit einem seltsamen Blick an. »Mir bleibst ein großes Rätsel«, brummelte er.

Sie lachte. Der Bursche sah, wie dabei ihr ganzes Gesicht buchstäblich leuchtete. Das Treiben ihres leichtfertigen Mannes schien sie wenig zu belasten.

»Du bist eine«, entfuhr es ihm unsicher.

»Ich freue mich am Leben und daran, daß ich es hier so gut getroffen hab. Du weißt ja nicht, in welcher Not wir vorher gesteckt sind, der Veit und ich.«

»Der wird dich bald in eine noch größere hineindrücken, wenn du ihm nicht die Flügel stutzt«, warnte er. »Die Jula ist nämlich meine Braut.«

»Deine Braut?« wiederholte sie ungläubig. Sie nahm das Bild erneut zur Hand. Nach längerer Musterung stichelte sie: »Einen treuen Schatz hast du nicht grad.«

Er spürte, wie ihm unter ihrem forschenden Blick die Hitze ins Gesicht stieg.

Die junge Frau entschärfte die Spannung mit einem kleinen Lächeln. »Das Schicksal wird dir noch rechtzeitig einenWink gegeben haben.«

»Ein feiner Wink!«

»Warum? Jetzt kennst dich bei ihr aus, weißt, daß sie nicht treu sein kann und kannst dich so darauf einstellen.« ,

»Ich hab das Madl gern«, begehrte er auf. »Und wenn ich schon unbedingt heiraten muß, weißt, von meinen Eltern aus, dann möcht ich net grad irgendeine.«

»So werd ich halt mit dem Veit reden«, seufzte sie leise.

»Ja, tu das! Auch du darfst dir das von ihm net gefallen lassen.«

Sie lächelte vieldeutig. »Veit hat schon immer seinen eigenen Dickschädel gehabt. Um mich hat er sich von jeher wenig gekümmert.«

»Sauber, wie du so einem noch das Wort redest!«

»Er hat einen guten Kern, Matthias. Wäre ich sonst so frei und zufrieden?«

Er gab keine Antwort, packte das Bild auf dem Tisch und schob es schnell in die Hosentasche. Dann betastete er seine feuchten Sachen am Ofen. Sie dampften in der Wärme.

»Willst schon gehen? Draußen regnet’s ärger denn je.«

»Du willst mir ja doch net helfen«, warf er ihr vor und fuhr mit den Armen in sein Hemd. »Während ich bei dir meine Zeit vertue, sitzt er wieder beim Adlerwirt und heizt meiner Jula ein!«

»Er sucht halt Anschuß hier im Ötztal.«

»Könnt ich’s nur auch so leicht nehmen wie du!«

Ihre Augen blitzten ihn an. »Tu’s doch!«

Matthias war gebannt von diesem Blick. Er schluckte verlegen. »Wenn die Jula nicht wär und du noch frei...« Erschrocken brach er ab, als er die aufkeimende Abwehr in ihren Augen gewahrte.

»Auf die Art darfst du mir nicht kommen«, wies sie ihn auch gleich zurecht. »Euch Mannsbilder kenn ich besser, als du meinst. Ich hab bittere Erfahrungen hinter mir.«

Reuig brummelte er: »Hab nur so geredet, beispielsmäßig sozusagen, ohne darüber nachzudenken.« Und weil sie nur lächelte, fügte er an: »Nie konnt ich mit einer anbandeln, die verheiratet ist wie du.«

Nun glitzerten ihre Augen in deutlichem Spott. »So marschier halt heimzu, wenn du das Ende vom Regen nicht abwarten kannst.« Sie brachte ihm den Janker, der noch vom Regenwasser getränkt war.

Bei der Tür zögerte Matthias, stand da wie ein armer Sünder.

Die junge Bäuerin wandte keinen Blick von ihm. »Warum sagst du dem Veit nicht persönlich, daß die Wirtstochter deine Braut ist?« fragte sie wohlmeinend. »Dann müßte sich die Jula offen für einen von euch beiden entscheiden.«

»Wie könnt sie sich für einen verheirateten Mann entscheiden? Ich bin doch deshalb gekommen, damit du als seine Frau dich auskennst«

Sie blieb eine ganze Weile stumm, meinte dann verlegen: »Sobald sich der Veit hier wieder einmal sehen läßt, rede ich mit ihm.«

»Ich geh jetzt!« Er griff nach der Türklinke, wollte aber geschwind noch einen Blick aus ihren großen ausdrucksstarken Augen erhaschen. Darum fragte er: »Wie heißt du eigentlich?«

»Bärbl.« Nun strahlte sie ihn wieder so seltsam an.

»Behüt dich Gott«, stammelte er überhastet und eilte hinaus.

»Komm gut hinunter«, wünschte sie, folgte ihm bis zur Haustür und schaute ihm nach. Wolkennebel verschluckte seine schlanke, sehnige Gestalt, bevor er den Bergwald erreichte.

*

Veit Tschöll betrat die Wirtsstube und steuerte den Tisch an, wo Jäger und Hausknecht beisammensaßen. »Jager, ein herzliches Vergelt’s Gott für die Gams soll ich dir von der Bärbl ausrichten! Die Leber haben wir schon vertilgt. Das war eine Überraschung!«

Der Angesprochene saß wie erstarrt und schaute in zunehmender Grimmigkeit zu dem Jörgl, der scheinbar unbeteiligt mit seinem leeren Bierglas spielte.

»Die Bärbl sagt, schöner hättest dich für dein Gebrumm beim ersten Besuch nicht entschuldigen können. Sie hält dich jetzt für einen braven Burschen und bietet dir ihre Hilfe an, falls du die am Geiereck droben einmal brauchen solltest.« Damit ging der Fremde weiter und setzte sich an seinen angestammten Platz in der Ecke, wo er, falls Jula zu ihm kam, am ungestörtesten mit ihr reden konnte.

Der Jäger erwachte aus seiner Starre und herrschte den aufschreckenden Jörgl an. »Siehst nun, wie’s ausgeht, du Schlaufuchs, du neunmalgscheiter?«

»Bist selbst daran schuId«, murrte Jörgl.

»Du hast den Plan gehabt!«

»Hättest eben nachher rechtzeitig eingreifen müssen mit einer Hausdurchsuchung auf dem Geiereck!«

Der Jäger ließ das Kinn sinken. »Ist schon weg, der schöne Gamsbock! Und meine Jagerehr dazu!«

Jörgl beschwichtigte: »Richtig gewildert war das gar net.«

»Freilich hast du gewildert! Was denn sonst?«

»Ich lach gleich kreuzweis! Auf dein Geheiß hab ich das Böckl am Fernerjoch geschossen!«

»Ich hab dich nix geheißen!«

Wild starrten sich die beiden an. Schließlich murmelte der Jäger ergeben: »Ist eh schon alles verfahren.«

»Wieso? Ich hab meine Pflicht getan. Hättest das Geiereck abgesucht, bevor der Fremde die Gams als Geschenk angesehen hätt’... Willst ihm den Gamsbock wirklich lassen?«

»Bleibt mir doch gar nix anderes übrig! Hast net gehört? Er meint, ich hätt ihn der Rothaarigen als Entschuldigung hingelegt!«

Jörgl mußte lauthals lachen.

Darüber regte sich der Ortner-Hans noch mehr auf. »Mit dir laß ich mich auf nix mehr ein!« Grimmig stürzte er sein Bier hinab.

Jörgl belauerte den Aufgebrachten. So naiv, wie er stets tat, war er nicht. Die Leute täuschten sich gewaltig in ihm. Mit seiner scheinbaren Hilfe für den verliebten Jäger verfolgte er einen sehr eigensüchtigen Plan.

Jörgl lebte seit Jahren neben der jungen verführerischen Wirtstochter, himmelte diese an und hatte bis heute nur Spott oder höchstens ein mitleidiges Lächeln von ihr geerntet.

Jula saß schon wieder beim Veit Tschöll im Tischwinkel und hatte ihre Hand auf seinem Arm liegen.

Nachdem der verbitterte Jäger ein paarmal zu dem einträchtigen Paar hingeschielt hatte, wurde er seiner ganzen närrischen Liebe leid und richtete seine ruhelosen Gedanken gewaltsam auf die schöne Fremde, der er mit seinem vermeintlichen Geschenk eine Freude gemacht haben sollte.

Wenn ihr Mann mit der Wirtstochter herumlumpte, wartete sie selbst vielleicht auf einen handfesten Burschen, der sie tröstete.

Der Jäger steigerte sich mehr und mehr in seinen Trotz hinein. Die Fremde vom Geiereck konnte sich durchaus mit der Jula messen!

Oft genug hatte er die junge Bäuerin mit dem Fernglas beobachtet. Im Schein der Sonne leuchtete die Flechtenkrone auf ihrem stolzen Köpfl wie rotes Gold.

Der Jäger erhob sich und warf ein Geldstück hin. »Gib es der Jula.«

»Wo willst hin so geschwind?« lauerte Jörgl.

»Euch hier geht das einen Schmarrn an! Mit dem ganzen Adlerwirtshaus bin ich fertig!«

Der Hausknecht lächelte und nickte nur. Der Jäger war wohl als Nebenbuhler schon ausgeschaltet.

Kaum war Jörgl allein, kam die Wirtstochter zu ihm herüber und flüsterte an dessen Ohr: »Hat dir schon einer ein Bild gezeigt, auf dem ich mit dem Veit drauf bin?«

Der Knecht schüttelte verwundert den Kopf.

»Sobald du was hörst oder siehst, gib mir Bescheid«, schaffte sie in dienstmäßigem Ton an und verschwand. Das Zechgeld des Jägers hatte sie dem Hausl zugeschoben.

Markus winkte die Wirtstochter heran. »Ich will zahlen und habe kein Geld. Nimmst auch was anderes an?«

Sie riß ihm das hingereichte Foto aus der Hand, erkannte sich darauf im Arm des Veit, zerfetzte das unschuldige Papier und ließ die Schnipsel in ihrer Schürzentasche verschwinden.

»Bier kriegst nur für Geld!« zischte sie.

»Ich hab alle Taschen voll mit solchen feinen Bildern. Eins hat der Jäger, eins der…«

»Zeig sie her!« fuhr die Jula da auf ihn los und fing mit ihm zu raufen an. »Wenn du das dem Matthias zeigst...«

»Der hat als erster eins bekommen. Ein anderes hab ich vergrößern lassen. Das wird ans Gemeindebrett angeschlagen.«

Jula schlug und wollte mit ihrer Hand in die Hosentasche des Burschen, wo sie die Fotos vermutete. Da kam der Wirt herangestapft. »Was tust rangeln mit dem Buben? Hast du keine Arbeit? Am Stammtisch fehlt Wein.«

Und zu dem Burschen gewandt: »Warum spielt heut keiner auf?«

Mit einem Juhuschrei griff der Schmieder-Klaus nach der Ziehharmonika. »Heut soll’s lustig werden, Leut!«

Statt zum Bauerntisch lief Jula vor die Haustür. Grau war alles. Der Abend dunkelte früher als sonst und es regnete. Drunten in ihrem Felsenbett donnerte die Ache.

Schon wollte die Wirtstochter fröstelnd wieder ins Warme, da entdeckte sie eine gebeugte Männergestalt, die den Weg vom Gebirge herunterkam. Das war doch Matthias! Wie ein alter Mann stolperte er daher.

»Matthias!«

»Du laß mich aus!«

Sie versuchte ihn aufzuhalten. »Willst mir net wenigstens sagen, was du hast?«

»Ich muß heimzu«, drängte er weiter. Mit einer, die auch noch so scheinheilig fragen konnte, wollte er nichts mehr zu tun haben.

»Wo warst bei dem Wetter?« wollte sie wissen.

»Auf dem Geiereck!«

Da verbaute ihm die Wirtstochter gewaltsam den Weg. »Was tust denn da droben?«

»Ich hab der armen Bäuerin sagen müssen, wie’s der Veit daherunten treibt!« schnappte er ganz grimmig.

Jula mußte lachen. »Ihr Bauer, das ist gut!«

»Geh, laß mich aus!« Es schüttelte ihn in den nassen Kleidern. Fast klapperten ihm vor Kälte schon die Zähne.

»Matthias, spannst du nicht, wie uns alle auseinanderbringen wollen? Deine sauberen Freunde treiben es am ärgsten.«

»Jula!« schrie im Hausgang der Adlerwirt.

»Matthias, gell, kommst wieder, sobald du dich umgezogen hast«, beschwor sie ihn eindringlich.

Zögernd fragte der Bursch: »Ist er da?«

»FreiIich hockt er wieder bei uns. Soll ich ihn wegschicken?«

»Halt ihn dir gut warm, wenn er dir lieber ist als ich!« Er befreite sich mit einem Ruck und lief weiter.

Jula starrte ihm nach. Also hatte er das Bild wirklich schon gesehen. Wie sollte sie die beste Partie des Tales jetzt zurückgewinnen? Bei dem Fremden hatte sie doch nur das Abenteuer gelockt.

*

Als es dunkelte, zündete die Bäuerin auf dem Geiereck die Petroleumlampe an. Ihr wollte der junge Tschuggerhofer nicht aus dem Sinn. So ein feinfühliger und schmucker Bursch! Warum betrog ihn die Wirtstochter?

Ihr tat der Matthias leid. Sie wünschte ihm, daß er von dieser unglückseligen Liebe loskomme und wieder froh würde.

Mit dem Veit wollte sie ernsthaft reden. Sie kannte ihn. Überall, wo er hinkam, galt sein erster Blick den Weibsleuten. Wenn er nicht gleich mit einer anbandeln konnte, war er nicht froh.

Daß der Veit es ernst meinen könnte mit der leichtfertigen Wirtstochter, glaubte sie nicht.

Sie setzte sich an den Ofen, nahm eine Flickarbeit und lauschte dem Regen, den der Wind übers Haus jagte.

Eine volle Wegstunde war’s bis ins Dorf. Auch die nächste Alm lag nicht näher. Trotzdem fürchtete sich Barbara nicht, freute sich richtig an dem kleinen Hof und hätte ihn für nichts auf der Welt mehr hergegeben.

Da klopfte es an der Haustür. Nun schrak die junge Bäuerin doch zusammen und fragte sich, wer so spät noch Einlaß begehren könnte. Der Veit?

Sie ging mit der Lampe in den dunklen Gang und zögerte bei der Tür. »Wer ist da?«

»Ich bin’s, der Jäger vom Fernerjoch.«

»Was willst du?«

»Möcht reden mit dir.«

»Komm bei Tag vorbei!«

»Da hab ich keine Zeit.«

Es wurde still. Wieder war nur der Regen zu hören und der Wind.

»Was hast denn zu reden mit mir?« fragte sie verwundert.

»Der Veit schickt mich«, schwindelte der Jäger. »Er sagt, du willst mir was sagen wegen dem Gamsbock.«

Nach betroffenem Schweigen rief sie: »War der von dir?«

»Was denn sonst? Wer könnte dir daheroben sonst ein Wild zutragen?«

»Wir waren net sicher, der Veit und ich.« Und dann merkbar verlegen: »Was hast du dir bei so einem Geschenk gedacht?«

»Du gefällst mir«, erwiderte er.

Nach langem Schweigen bat sie: »Komm einmal bei Tag vorbei. Du wirst schon Zeit finden.«

Er antwortete nicht.

»Für das Fleisch danke ich dir. Wir können es brauchen. Sind keine reichen Leut.«

»Ist schon recht«, brummte er. »Behüt dich!« Dann waren seine leisen Schritte zu hören.

In ihrer warmen Stube kam Barbara ins Grübeln. Der Gamsbock hatte eines Morgens vor der Haustür gelegen. Ob das Forstamt etwas wußte von diesem großzügigen Geschenk?

*

Die Gesellschaft des Jägers fehlte dem Hausknecht beim Adlerwirt. So freundete er sich mit den Dorfburschen an, denen er bisher ausgewichen war. Nun brauchte er sie aber für seine geheimen Pläne.

Vor ihnen fing er gegen den Fremden zu hetzen an. »Da kommt er wieder! Die Jula macht uns zum Gespött der Leut. Wir sollten ihr ein Zeichen setzen.«

»Hört, wie schlau unser Jörgl ist!« staunte der Kreuzweger-Markus. »Aber er hat recht. Uns Dorfburschen lacht der Tschöll aus, weil wir uns von ihm das sauberste Madl stehlen lassen.«

»Was können wir noch für den Matthias tun, wenn die Jula einen Narren an dem Kerl gefressen hat?« dämpfte der Schmieder-Klaus.