21,99 €
Viele moderne Bücher tragen nichts zur harmonischen Entwicklung einer Persönlichkeit bei oder sind vom Standpunkt eines religiösen oder politischen Konzeptes geschrieben. Sie beschleunigen den Verfall und töten das Wertvollste in unserem Leben - die Zeit. Dieses wunderbare Buch mit realen Geschichten interessanter Persönlichkeiten tut weder das eine, noch das andere und unterscheidet sich dadurch. Von Lesern in 15 Sprachen übersetzt, bietet das preisgekrönte Buch dem Leser die Möglichkeit, nicht nur die Zeit angenehm zu verbringen, sondern bringt ihm vieles bei. Tausende von Leuten bestätigen, dass dieses Buch ihr Leben komplett zum Positiven verändert und dass jeder in diesem Buch etwas Nützliches finden kann, was sein Leben zum Besseren verändert.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 286
Veröffentlichungsjahr: 2025
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
© 2025 novum publishing gmbh
Rathausgasse 73, A-7311 Neckenmarkt
ISBN Printausgabe: 978-3-99130-637-5
ISBN e-book: 978-3-99130-638-2
Lektorat: Dominique Schneider
Umschlagabbildung: Denis Rybchinsky
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
www.novumverlag.com
Einleitung
Diese erstaunliche Geschichte, welche die Weltanschauung und das Leben vieler Menschen verändert hat, nahm ihren Anfang im Fluggastraum der Maschine, die über dem Atlantik zu einem anderen Kontinent (von London nach Toronto) unterwegs war. Ich betrat das Flugzeug und setzte mich auf meinen Platz. Neben mir saß ein Mann, der eine russische Zeitung las. Woher er sie hatte, ist schwer zu sagen. Ich dachte: „Also, ein Russe … ein russisch sprechender Mensch.“
Bevor die Gangway hochgezogen wurde, betraten noch einige Menschen das Abteil der ersten Klasse. Der Erste war ein Mann von außergewöhnlichem Äußeren, in der Tat ungewöhnlich. Es war schwierig festzustellen, welcher Nationalität er entstammte. Er hatte einen dichten grauen Haarschopf, einen weisen Blick und Falten im Gesicht. Nichts von alldem war geeignet, sein Alter zu bestimmen, aber nach seinem Äußeren zu urteilen, wirkte er älter als 40 Jahre und strahlte Ruhe aus. Als Nächstes kam ein Mann mit einem Kind. Als Letzte betrat eine schöne junge Frau den Fluggastraum, die ziemlich reizvoll und auffallend gekleidet war.
Sie alle saßen nicht weit weg von mir. Der erste Mann, den ich spontan als „einen Weisen“ eingestuft hatte, setzte sich mir gegenüber auf die andere Seite des Mittelganges. Der Mann mit dem Kind und die junge Frau setzten sich vor mich. Der Mittelgang trennte uns voneinander.
Gleich nachdem die junge Frau das Flugzeug betreten hatte, versuchte sie, ihre kleine Tasche nach oben in das Fach für das Handgepäck zu stellen. Sie erwartete, dass alle ihr zur Hilfe herbeieilen würden. Eine solche Einstellung zum Leben ist manchmal bei schönen Frauen anzutreffen, die durch die ihnen überall entgegengebrachte Aufmerksamkeit verwöhnt sind, es gewohnt sind, zum Ausgehen eingeladen zu werden, und denen bei jeder sich bietenden Gelegenheit angeboten wird, ihnen behilflich zu sein.
Die Tasche aber war leicht und nicht groß und die Ausstrahlung der jungen Frau war abstoßend-negativ, so dass man keine Lust hatte, ihr behilflich zu sein. Umso mehr, da es offensichtlich nicht nötig war. Ihre Koketterie verwandelte sich schnell in Gereiztheit.
Alle nahmen ihre Plätze ein. Nun kam die Durchsage, dass wir jetzt starten würden. Die Maschine rollte auf die Startbahn, wegen deren Auslastung wir jedoch noch beinahe eine Stunde stehen blieben – was relativ selten ist, aber leider vorkommt. In dieser Zeit geschahen interessante Ereignisse.
In erster Linie beobachtete ich den „Weisen“. Er fragte die Stewardess, wann wir unter Berücksichtigung dieser Verspätung ungefähr ankommen würden. Ihre Antwort zeichnete für eine Sekunde Verwirrung in das Gesicht des Mannes. Aufgrund der zweistündigen Verspätung müsse er die ganze Nacht am Flughafen Toronto verbringen (nach seiner Ankunft sollte er eigentlich umsteigen und mit einer anderen Maschine in eine der Städte der USA fliegen).
Interessant war, dass der Mann friedlich und gelassen aussah. Er schaute ziemlich ruhig auf seine Uhr, obwohl er sich, wie es aus seinem Gespräch mit der Stewardess klar geworden war, zu einem wichtigen Treffen oder einer Konferenz verspätete. Es war auch klar, dass er kein kanadisches Visum hatte. Deshalb würde er das Flughafengebäude nicht für eine Übernachtung in einem Hotel verlassen dürfen, obwohl er erst am nächsten Tag würde weiterfliegen können.
Mir fiel auf, wie der Mann reagierte und die Ereignisse aufnahm und dass er Ruhe ausstrahlte, obwohl die Maschine Verspätung hatte. Er ärgerte sich nicht und stellte keine Ansprüche. Erst später erfuhr ich, dass unsere drei Helden im Flughafen sehr streng und ziemlich grob kontrolliert worden waren und beinahe unsere Maschine verpasst hätten. Aber auch das störte seine innere Ruhe nicht.
Gleichzeitig war es interessant, den kleinen Jungen zu beobachten. Er war fünf Jahre alt, obwohl ich zunächst von einem Alter von acht bis zehn Jahren ausging. Er hatte einen ungewöhnlich klugen Blick – einen für ein Kind weisen Blick. Er stellte laut und aufdringlich Fragen an seinen Vater, der außer Atem war und etwas unzufrieden und verlebt aussah. Trotzdem antwortete er seinem Sohn ziemlich höflich.
„Papa, warum stehen wir?“
„Weil die Maschine Verspätung hat und andere Flüge den Flugplan durcheinandergebracht haben. Viele Maschinen starten, viele landen. Die Startbahn ist besetzt.“
„Und warum? Warum ist das passiert?“
„Manchmal kommt so etwas vor.“
„Warum fliegen wir mit dieser Maschine? Wir hätten mit einer anderen fliegen können. Ich habe ja noch zwei Wochen Ferien, und wir hätten diese Zeit schön bei der Oma verbringen können.“
„Ich muss arbeiten.“
„Wozu muss man arbeiten?“
„Damit wir etwas zum Leben und immer etwas zum Essen haben.“
„Wofür muss man leben? Was für einen Sinn hat das? Was für einen Sinn hat dein Leben, Papa? Kennst du den Sinn deines Lebens?“
Bis dahin hatte der Mann sehr sicher geantwortet, aber in diesem Moment stockte er.
„Na ja … nun, weiß ich … wenn du groß bist, verstehst du das.“
„Aber welchen, Papa? Welchen, sag doch.“
Und da begann der Mann irgendetwas Allgemeines zu reden, aber das passte dem Jungen nicht und er stellte weiterhin die Frage „Und warum?“, die den Vater in die Enge trieb: „Warum muss man sich beeilen? Warum muss man schwer arbeiten, um etwas zu verdienen? Warum muss man eigene Pflichten erfüllen? Warum muss man den Menschen helfen?“ Und so weiter und so fort.
Es war lustig, dies alles zu beobachten. Und am Ende wieder:
„Papa, wofür leben wir? Wozu ist dies alles? Was für einen Sinn hat das?“
Der Junge stellte diese Frage mehrmals.
„Nun, ich weiß das noch nicht ganz, und ich denke, dass wenige Leute das wissen …“
Das Kind hätte beinahe geweint.
„Leben dann alle, sogar Gelehrte, sinnlos? Wozu muss man dann geboren werden, lernen, arbeiten, alt werden und dann sterben?“
„Vielleicht gibt es gar keinen Sinn …“
Plötzlich antwortete der Weise in einwandfreiem Russisch:
„Warum? Es gibt doch einen Sinn im Leben.“
„Und Sie wissen das wirklich?“, fragte der Vater des Jungen. Sie kamen in ein interessantes Gespräch. Ich konnte alles gut hören, weil sie nur einen Meter von mir entfernt saßen.
„Ja, ich weiß den Sinn des Lebens und habe ein Ziel im Leben“, sagte der Weise.
Er sagte das so überzeugend und ruhig, dass ich spürte, dass er bewusst sprach. Ich spürte Zuversicht in seinen Worten.
Der Vater des Jungen fragte:
„Sie haben wahrscheinlich den Sinn Ihres Lebens gefunden?“
„Nein, ich kenne meiner Meinung nach den allgemeinen Sinn des Lebens für alle Menschen. Jeder von uns hat auch seine Vorbestimmung und es ist sehr wichtig für jeden Menschen, sie zu finden.“
Und nachdem der „Weise“ das Wort „Vorbestimmung“ zum Ausdruck gebracht hatte, zeigten unsere Helden – der Mann und die junge Frau – Interesse. Die junge Frau sprach, wie sich herausstellte, auch Russisch.
Der Mann und der Junge fragten fast im Chor:
„Und was für einen Sinn hat das Leben? Was für eine Vorbestimmung?“
„Erzählen Sie, erzählen Sie!“ Der Junge hätte beinahe geweint.
Der Mann, der neben mir saß, bat ebenfalls:
„Erzählen Sie. Es ist für alle interessant. Wie sind Sie dazu gekommen und wie sehen Sie das, ob jeder seine Vorbestimmung finden kann?“
„Dafür müsste ich fast über mein ganzes Leben erzählen. Dafür braucht man viel Zeit.“
Alle fingen an, ihn heftig zu bedrängen, dass es ihnen nichts ausmachen würde. Sie hätten Zeit und würden sich darüber freuen.
Der „Weise“ begann sehr ruhig und ernst zu erzählen. Manchmal machte er Pausen, die fast einige Minuten lang waren. Das Erzählen dauerte etwa drei Stunden, mit Pausen für Mahlzeiten. Nach diesem Ereignis traf ich mich mit dem „Weisen“ noch einmal und sprach mit ihm auch am Telefon. Mit seiner Zustimmung habe ich dies alles aufgeschrieben. Aber die Hauptgrundlage dieses Buches sind Notizen von Arthur (das ist der richtige Name des „Weisen“), die er selbst gemacht hat und deren Kopien er mir gegeben hat. Dabei bat er mich darum, die Namen der Haupthelden dieser Ereignisse zu ändern.
Als Ergebnis entstand eine sehr interessante Geschichte, mit der ich Sie hier bekannt machen möchte.
***
Ich erzähle kurz über meine Reisegefährten, mit denen ich mich später anfreundete. Nachdem wir erfahren hatten, was für eine Lebensgeschichte jeder hatte, war es für alle wieder klar, dass es keine Zufälligkeiten gibt und dass Gott Menschen nicht umsonst zueinander bringt.
Die junge Frau (nennen wir sie Natascha) flog aus Europa nach Kanada und Amerika, um dort als Model an irgendeiner Show teilzunehmen. Sie war eine erfolgreiche Ökonomin, was man ihrem Aussehen nach nicht geahnt hätte. Sie sollte einige Auftritte bei dieser Show haben.
In der letzten Zeit spürte sie immer mehr, dass sie mit ihrem Leben nicht zufrieden war. Sie war fast 30 Jahre alt und hatte mehr erreicht, als sie wollte: Glänzend hatte sie ein renommiertes Institut absolviert und eine gute Stelle bekommen. Auf der Arbeit wurde sie sehr geschätzt, in erster Linie dafür, dass sie ein wirtschaftliches Konzept ausgearbeitet hatte, welches ihrer Firma half, erfolgreich voranzukommen. Weil es sie interessierte, hatte sie irgendwann beschlossen, sich im Modelbusiness auszuprobieren. (Sie hatte schon immer gewusst, dass die Mehrheit der Mädchen diesen Beruf für sehr attraktiv hält, weshalb sie bereit waren, große Opfer zu erbringen, nur um zu dieser Tätigkeit zu kommen.) Eine Schulfreundin, die als Managerin in einer großen Modelagentur tätig war, hatte sie dorthin eingeladen.
Natascha hatte ein Portfolio erstellt, um bestimmte Leute auf sich aufmerksam zu machen. Dann war eine erfolgreiche Europatour gefolgt und jetzt noch eine. Es schien, dass ihr Traum in Erfüllung ging, sie hatte Geld und Ruhm, aber das Gefühl der Unzufriedenheit mit dem Leben verließ sie nicht.
Sie saß im Flugzeug und dachte: „Wozu lebe ich? Wozu brauche ich diese Reise? Ich bin schon 30 und was kommt danach?“
Diese Gedanken plagten sie.
„Worin besteht meine Vorbestimmung? Wofür wurde ich geboren? Es ist so sinnlos, einfach Geld zu verdienen und mit allen Mitteln Ruhm zu erreichen, wie meine Freundinnen es machen!“
Ihre Freundinnen und Kollegen spielten vielleicht das schöne Leben, aber das Glück strahlten sie nicht aus.
***
Der Mann rechts von mir hatte auch eine interessante Geschichte. Er hieß Sergej.
Er erzählte, wie er darüber nachdachte, dass die zweite Hälfte seines Lebens viel schneller vergeht als die Erste, und je älter er wurde, desto deutlicher merkte er das. Es schien ihm, dass das Jahr gerade erst angefangen hatte und schon ging es zu Ende.
Insgesamt könne man sich an zwei bis drei ausgefallene Ereignisse im laufenden Jahr erinnern. Das sei ähnlich einer Reise mit einem ultramodernen Schnellzug, der immer schneller und schneller fahre, während es in unserer Kindheit geschienen habe, als schleppe er sich mühsam vorwärts. „Warum ist das so? Wohin rast dieser Zug?“, fragte er sich und versuchte, eine logische Antwort darauf zu finden.
Aber das brachte ihn noch mehr durcheinander. Und er ging einen anderen Weg (der ihn nie im Stich ließ), von dem er in irgendeinem spirituellen Buch gelesen hatte. Er betete und bat Gott, ihm zu helfen, sich dabei zurechtzufinden.
Einige Tage später betrat er dieses Flugzeug und sah in der Sitztasche eine Zeitung auf Russisch mit einem ihm unbekannten Titel, die wohl nach der Reinigung liegen geblieben war. Es war eine Zeitung – ein Informationsblatt – einer abgelegenen russischen Region, die auf irgendeine Weise hierher nach London gekommen war.
Er interessierte sich gar nicht für die Nachrichten dieser Region und er hatte auch keine Lust, Zeitung zu lesen. Er wollte das Buch zu Ende lesen, das er nach seiner Rückkehr seinem Freund zurückgeben sollte. Aber diese Zeitung zog irgendwie seine Aufmerksamkeit auf sich. Er schlug die Zeitung in der Mitte auf und sah einen großen Artikel, welcher dem Vergleich der Psyche von Kindern und Erwachsenen gewidmet war.
Der Artikel begeisterte ihn schon mit der ersten Zeile. Dort gab es viele interessante Tatsachen.
Es stellte sich heraus, dass Kinder etwa 400-mal am Tag aufrichtig lachen, und ein normaler Erwachsener maximal 10- bis 20-mal, einschließlich Lächeln. Die Kinder können sich schöpferisch beschäftigen – malen, modellieren, einfach so und dabei haben sie viel Vergnügen. Sie werden kaum einen Erwachsenen finden, der sich damit beschäftigen würde, ohne etwas zu erwarten – Geld, Preise in Ausstellungen gewinnen, Ruhm usw.
Die Kinder leben in der Regel bewusst im Hier und Jetzt und genieren sich nicht, eigene Emotionen auszudrücken. Für die vollwertige Entwicklung eines Kindes sind, außer der gesunden Ernährung, die Aufmerksamkeit und Fürsorge sowie die emotionale Nähe zu beiden Eltern notwendig.
Erwachsene leben mechanisch, träumen ständig von der Zukunft und bedauern das Vergangene. In der Regel sind sie nie im Zustand des Hier und Jetzt. Sie setzen verschiedene Masken auf und können kaum die Frage beantworten, wer sie tatsächlich sind. Die Kinder stellen ständig Fragen und sind offen für neue Erkenntnisse. Bei der Mehrheit der Erwachsenen entwickelt sich etwa bis zum 40. Lebensjahr eine eigene Weltanschauung, auf die sie sehr schwer und oft überhaupt nicht verzichten können (im Artikel stand noch die Bemerkung, dass es unterschiedlich ist – bei einigen seit der Schule, bei anderen vielleicht erst im Alter von 35 bis 40 Jahren). Jedes Ereignis schätzen sie vom Standpunkt ihrer Erfahrung, ihrer Vision ein und stellen sehr selten aufrichtige, aufschlussreiche Fragen.
In diesem Artikel ging es auch um die Bedeutung der Kindererziehung und darum, dass die moderne Pädagogik oft eine zerstörerische Wirkung auf Kinder hat: Sie werden so erzogen, dass sie immer ein bestimmtes Ergebnis erzielen müssen. Es wird ihnen beigebracht, was gut und was schlecht ist, aber so, wie Erwachsene das verstehen. Sie alle werden in mittelmäßige Bedingungen eingetaucht und bekommen keine praktischen Kenntnisse. Diese Pädagogik ist im Grunde autoritär und – was das Wichtigste ist – sie enthält keine moralischen und ethischen Normen.Es fehlt die richtige geistige Grundlage. Den Kindern wird eine egoistische und konsumierende Einstellung zum Leben beigebracht, was eine Katastrophe sowohl für ihre Persönlichkeit als auch für die ganze Gesellschaft ist.
Das Hauptziel der modernen Bildung ist, in ein Kind möglichst viel Wissen hineinzupressen. 95 % dieser Kenntnisse benutzt es nie und folglich vergisst es diese schnell. Wichtig ist, dass das Kind Prüfungen in Mathematik, Physik usw. ablegt.
In diesem Artikel wurden Beispiele von großen Pädagogen angeführt, die aus normalen Kindern glückliche Genies erzogen. Es wurden die Namen (S. A. Amonaschwili, W. N. Neustruew, F. S. Makarenko, W. A. Suhomlinskij und andere) genannt, die unserem Helden nicht besonders bekannt waren. Und Sergej wollte mehr über sie erfahren.
Die Hauptidee sei die bedingungslose Liebe. Menschen, die sie in ihrer Kindheit ausreichend bekamen, wuchsen zu harmonischen, gesunden Menschen heran, verwandelten sich mit der Zeit in gute Eltern und konnten ihr Potenzial nahezu voll realisieren.
„Und in welchem Alter braucht ein Mensch diese bedingungslose Liebe nicht?“ Sergej lächelte spöttisch, während er diesen Artikel las.
Weiter handelte der Artikel davon, dass Kinder oft seriöse philosophische Fragen stellen. Wenn man ihnen auf diese Fragen als Erwachsener antwortet, dann beginnen sie sehr schnell Fortschritte zu machen. Und wenn man ihnen zuhört, dann versteht man dieses Sprichwort: „Kinder und Narren sprechen die Wahrheit.“
Immer öfter stellen Kinder dann Fragen nach dem Sinn des Lebens und es ist dabei sehr wichtig, diese Fragen ehrlich zu beantworten, und wenn man nicht sicher ist, dann soll man dem Kind versprechen, später eine Antwort zu geben, da eine unüberlegte Antwort das Kind für sein ganzes Leben programmieren kann, und das manchmal auf eine tragische Weise.
Plötzlich passierte etwas Interessantes. Er lehnte sich im Sessel zurück und hörte in diesem Moment, wie der Junge dem Vater Fragen stellte: Wozu? Wofür? Warum? Und so kamen die Fragen nach dem Sinn des Lebens. Der Vater antwortete mühsam und man spürte eine gewisse Gereiztheit dabei, in der Art und Weise, wie er antwortete.
Und plötzlich begann ein Mann, der in der nächsten Reihe saß, zu erzählen und seine Geschichte veränderte das Leben von Sergej vollständig. Das war wie ein Wunder: Eben hatte er den Artikel zu diesem Thema gelesen …
Also, hier ist diese Geschichte.
Kapitel I
Jugendliche Suche und Offenbarung
Noch bevor Arthur lesen konnte, hatte er die gleiche Frage gestellt, welche jetzt der kleine Peter (Petro, so nannte ihn sein Vater) im Flugzeug stellte. Er hatte diese Frage immer wieder gestellt. Die Eltern hatten ihm geantwortet: „Wenn du groß bist, erfährst du das.“ Als Jugendlicher hatte er Fragen an kluge Menschen gestellt, die er für Allwissende und erfahren hielt, aber niemand hatte ihm beantworten können, wozu wir eigentlich leben.
Letzten Endes erhielt er allgemeine Antworten: Wenn du groß bist, erfährst du das … stell keine dummen Fragen … das weiß niemand … den Kommunismus aufbauen … Kinder großziehen, das Leben in Würde leben, ein Vorbild für die heranwachsende Generation werden, damit der Name in die Geschichte eingeschrieben wird usw.
Niemand konnte konkret und eindeutig antworten. Später schockierte ihn, dass sogar gebildete Personen diese Frage nicht beantworten konnten und nur irgendwelche allgemeinen banalen Dinge von sich gaben. Aber innerlich gab Arthur nicht klein bei. Intuitiv wusste er, dass unser Leben nicht sinnlos sein kann. Sogar exakte Wissenschaften zeugen davon, dass es für alles bestimmte Ursachen gibt. Wenn wir dieser Logik folgen, sogar wenn wir lediglich mechanische oder chemische Substanzen sind, dann haben wir irgendeinen Grund für unsere Geburt und eine Vorbestimmung.
Einmal fuhr er mit seinen Freunden ins Gebirge und am ersten Tag bestieg er den höchsten Berg. Von diesem Berg aus eröffnete sich ein wunderschöner Blick, der ihn bezauberte. Er sah ein schönes Panorama, viele Kilometer weit um sich herum. In der Ferne war ein kleines Städtchen zu sehen, welches einige Kilometer von ihrem Lager entfernt war. Die Menschen in diesem Städtchen sahen wie kleine Punkte aus, und die Busse waren nicht größer als Streichholzschachteln. Ihr Verkehr erschien von oben als unnötige und lächerliche Hektik. Das fiel besonders im Vergleich zu den großartigen Bergen auf, die im Laufe von Zehntausenden von Jahren den Wechsel nicht nur einer Zivilisation gesehen haben. Die Fragen, die ihn viele Jahre beschäftigten, kamen ihm plötzlich wieder in den Kopf: Was soll die ganze Hektik? Wer hat diese Schönheit geschaffen? Welchen Sinn gibt es in all dem? Was für einen Sinn hat mein Leben und hat es überhaupt einen Sinn?
Außerdem geschah etwas, was er von sich nicht erwartet hatte. Er sank auf die Knie und wandte sich inständig an … er konnte nicht einmal sagen, an wen … an irgendein höheres Wesen, an einen Schöpfer, der all das geschaffen hatte – diese ganze Großartigkeit und Schönheit. Die umgebende Atmosphäre und Einsamkeit trugen zum Kontakt mit Ihm bei.
„Wenn es Dich gibt, hilf mir zu verstehen, wofür all dieses Leben bestimmt ist, was für ein Sinn in ihm steckt. Ich will nicht in dieser Hektik leben. Ich will mein ganzes Leben dem widmen, meine eigene Vorbestimmung begreifen und den Sinn meines Lebens erkennen, wenn es ihn gibt. Hilf mir, ich habe niemanden mehr, an den ich mich wenden kann.“
Nachdem er das zum Ausdruck gebracht hatte, fühlte er eine große innere Befriedigung und Freude. In der Nähe sang wunderschön ein kleiner Vogel, wodurch dieses Gefühl noch stärker wurde. Als er vom Berg herunterging, verschwand die Sonne hinter dem Hügel und plötzlich wurde es gleich dunkel, obwohl es noch relativ früh war.
Das machte den Abstieg schwieriger, viel schwerer als den Aufstieg, zumal unser Held hinauf einen anderen Weg gegangen war. Er wäre beinahe abgestürzt, nachdem er auf einen Stein getreten war, der durch seine Füße losgerissen wurde. Er griff nach einem dornigen Busch und das rettete ihm sein Leben. Er hing über einem Abgrund! Ganz langsam, Zentimeter für Zentimeter bewegte er sich von dort weg. 25 Minuten später erreichte er das Lager unten auf dem Plateau.
Nachdem alles vorbei war, zitterte er wie Espenlaub. Er bemerkte, dass er bis dahin im Zustand Hier und Jetzt gehandelt hatte. Es hatte den Berg und ihn gegeben und die Vergangenheit und die Zukunft hatten nicht existiert. Er konnte sich an jeden Augenblick und jede Bewegung erinnern. Als er endlich unten war, befand er sich noch unter dem Einfluss dieses Vorfalls.
In diesem Zustand kam er vom Berg zu seinen Freunden herunter, die ziemlich leidenschaftlich die letzten Schulneuigkeiten besprachen.
Er aß, nahm etwas teilnahmslos an dem Gespräch teil, schlüpfte in seinen Schlafsack hinein und schaute lange zum Himmel, der voll von Sternen war. Im Gebirge scheint es immer so, als gebe es mehr Sterne am Himmel, die leuchtender und schöner sind. Es fiel ihm ein, dass er vor Kurzem gelesen hatte oder dass im Unterricht erzählt worden war, dass diese Sterne Millionen von Lichtjahren entfernt sind, und er erlebte wieder eine innerliche Demut vor dieser Großartigkeit. Je mehr er auf diese Sterne schaute und über diese Großartigkeit nachdachte, desto mehr bekam er Respekt und ein feines geistiges Gefühl.
Die Frage nach dem Sinn des Lebens, die dadurch, dass er eben beinahe ums Leben gekommen wäre, noch deutlicher geworden war, stand jetzt besonders aktuell vor ihm. „Wofür ist das alles? Wozu bin ich geboren? Was sind der Sinn und die Vorbestimmung meines Lebens? Ich will nicht einfach so existieren. Ich bin zu allem bereit, um den Sinn des Lebens zu begreifen und damit zu leben.“
Schon am Einschlafen hörte er plötzlich deutlich eine Stimme. Er hatte das Gefühl, als klinge diese Stimme von innen und von außen, als sie ihn bestimmt und gleichzeitig liebevoll fragte:
„Bist du wirklich bereit, dein Leben dafür zu opfern, um Antworten auf diese Fragen zu bekommen? Bist du bereit, deinen eigenen Weg zu gehen?“
„Ja!“, sagte er sehr sicher. Das rief in ihm eine Steigerung des Gefühls von unbegreiflicher Glückseligkeit hervor. Es schien ihm, als ob das Licht am Himmel stärker wurde – und der Himmel antwortete: „Gut, ich wünsche dir Erfolg.“
Er schaute in die Himmelsferne, aber nach einer Zeit wurde alles trüb und er schlief ein. Nachdem er morgens aufgewacht war, fing er an sich fertig zu machen und maß diesem Schwur keine Bedeutung bei. Aber die Empfindung, dass der Zug seines Lebens sich stark beschleunigte, seinen Lauf änderte und auf ein interessanteres und gleichzeitig jedoch riskantes Gleis wechselte, verließ ihn seit diesem Tag nicht mehr.
Kapitel II
Die Schule des Lebens begann in der Schule
Nachdem sie zurückgekehrt waren, begann einige Tage später wieder die Schule (es war seine Abiturklasse). Bald kam ein neues Mädchen in die Klasse. Sie war teils östlicher Nationalität, jemand von ihren Vorfahren hatte mongolische Wurzeln. Sie war unauffällig, ein gewöhnliches Mädchen. Sie hieß Lena.
Arthur und Lena freundeten sich an. Im Haus ihrer Eltern gab es sehr viele Bücher. Arthur liebte, wie auch Lena, das Lesen sehr. Auch bei ihm zu Hause gab es eine reichhaltige Bibliothek. Sie tauschten Bücher aus und besprachen sie in der Pause. So wurden sie schnell Freunde. Sie lasen Bücher von Autoren wie Dumas, Stanislavskij, Stankewitsch, Jack London, Dickens und von vielen anderen Schriftstellern der russischen Klassik und der Weltliteratur …
Einmal geschah etwas, was einen bitteren Nachgeschmack hinterließ. Viele Jahre später würden sie sich wieder treffen, er würde sie dafür um Verzeihung bitten und danach das Gefühl haben, als fiele ihm ein Stein vom Herzen. Aber bis dahin …
Einmal waren sie mit ihren Freunden nachmittags in einem Park, der direkt am Schulausgang war: Jemand saß auf einer Bank, jemand stand, jemand rauchte heimlich. Man sprach darüber, dass Mädchen nicht gut seien, man könne ihnen nicht vertrauen, dass es besser sei, man habe vor der Einberufung kein Mädchen, dass es Freundschaft nur zwischen Männern geben könne und die Mädchen niedrigere Geschöpfe seien. Das war eine männliche Prahlerei (wie sie damals meinten).
In der Ferne sah er Lena, die das Schulgebäude verließ. Sie begannen, sie laut auszulachen. Es gab schon erste Fröste, sie rutschte auf den Stufen aus und fiel hin. Das Aufstehen fiel ihr schwer. Die erste Reaktion Arthurs war, ihr entgegenzueilen, um ihr zu helfen und die Spöttelei zu stoppen. Aber er tat es nicht, er stand mit den anderen zusammen und lachte – wenn auch nicht ganz so laut.
Nachdem sie aufgestanden war, sah sie, dass Arthur mit allen unter einer Decke steckte. Für einen Augenblick wurde sie noch trauriger. Das war sogar aus der Ferne an ihrem niedergeschlagenen Ausdruck zu merken. Mit Mühe und Not ging sie langsam weiter, dabei hinkte sie stark, ihre Hand war irgendwie unnatürlich nach unten gebogen.
Am nächsten Tag kam sie nicht in die Schule. Einige Tage später entschloss sich Arthur, sie anzurufen. Lena ging nicht ans Telefon. Ihre Mutter brachte eine Bescheinigung in die Schule, dass Lena eine ernsthafte Knie- und Handgelenkverletzung hatte. Auch hatte sie sich auf dem Heimweg eine starke Erkältung zugezogen. Die Schule würde sie bestimmt einige Wochen nicht besuchen können. Sie bekam einen Gipsverband und lernte selbstständig zu Hause.
In die Schule zurück kam Lena erst nach den Neujahrsferien. Sie und Arthur verkehrten seit jener Zeit praktisch nicht mehr miteinander. Er wusste, dass er sich nicht richtig verhalten hatte. Trotzdem näherte er sich ihr und sagte: „Ach, lass das …“ Sie schaute ihn aufmerksam an und antwortete ruhig: „Es ist nicht wichtig, wie viel wir über würdige Taten lesen, wichtig ist, wie gut wir miteinander umgehen können, wie edelmütig und anständig wir in unserem Leben sind. Abhängig zu sein von der Masse ist das Los der niederen Geschöpfe.“
Das Wort „anständig“ klang für ihn sehr unangenehm und irgendwie neu. Es war ihm peinlich, obwohl sie ohne Vorwurf redete. Sie sprach sehr klar darüber, wie sich unser Wissen in unserem Charakter zeigt, wie gut es ist, wahrhaft gebildet zu sein, wie störend sich unsere Abhängigkeit vom Herdengefühl und der Meinung der Umgebung auswirkt und dass niemand Verräter und Feiglinge liebt. Wir sollten lernen, gute Freunde, einfach gute Menschen zu sein, aber nicht belesene stolze Menschen und Feiglinge.
Er schnitt eine Grimasse und wollte alles als Scherz abtun, aber sie schaute ihn traurig an und ging fort. Er blieb stehen und empfand ein großes innerliches Ekelgefühl.
In den nächsten Monaten schaute er sich einige Filme an, in denen es um Freundschaft, Würde und Anstand ging und wo Feiglinge und Verräter ausgelacht wurden. Das Buch „Zwei Kapitäne“ von W. Kaverin beeinflusste ihn besonders. Er schwor sich selbst, dass er ab jetzt „edel“ sein und niemals mehr jemanden verraten oder im Stich lassen würde.
Er beendete die Schule, aber diese Lehre blieb noch lange in seinem Gedächtnis haften. Weiter bemühte er sich, edelmütig zu sein, niemanden im Stich zu lassen und zu verraten.
Kapitel III
Von einem armen Studenten zu einem reichen Geschäftsmann
Arthur absolvierte die Schule verhältnismäßig gut. In erster Linie dank seiner Eltern, die seit Februar Nachhilfelehrer für ihn eingestellt hatten. Sie träumten davon, dass er ein gutes Institut besuchen möge. Er lernte sehr viel und dank der Unterstützung seines Vaters trat er in ein renommiertes Institut in Moskau ein. Das erste Studienjahr war für ihn sehr belastend, im zweiten Studienjahr hatte er mehr Freizeit. Er begann zusammen mit seinen Freunden verschiedene Partys zu besuchen, aber das interessierte ihn nicht und er hatte nicht viel Spaß dabei.
Die Hauptidee dieser Partys war, sich sinnlos zu amüsieren, sich zu betrinken, derbe Späße zu machen und eine Nacht mit irgendeinem Mädchen zu verbringen, das keine moralischen Normen hatte. Am Morgen, wenn man an der Seite eines Menschen aufwacht, den man nicht liebt, fühlt man sich physisch gut, man hält sich für einen Helden, aber es gibt dabei keine innerliche Befriedigung. Man spürt die Leere und den Stumpfsinn im Kopf. Er dachte nach, ob der Sinn des Lebens darin bestehe.
Er zog es vor, lieber ins Theater zu gehen und sich mit interessanten Menschen zu treffen. Seine Studienkameraden grinsten, aber das störte ihn nicht. Auch seine Hochschullehrer im Institut trugen dazu bei, dass er über den Sinn des Lebens nachdachte.
Die Dozenten des Instituts erhielten einen guten Lohn, hatten verschiedene Vergünstigungen und es war für sie ziemlich leicht, einen wissenschaftlichen Grad zu erlangen. Deswegen bemühten sich viele Hochschullehrer, die vorher dieses Institut absolviert hatten, auch nach der Beendigung des Studiums hier zu arbeiten. Nachdem sie 10–30 Jahre irgendwo gearbeitet hatten, kamen sie an ihre Universität zurück, um hier eine Stelle zu bekommen und zu unterrichten. Arthur beobachtete sie und sah, dass sie nicht besonders glücklich waren.
Um an einen Lehrstuhl zu gelangen, wandten einige von ihnen nicht besonders schöne Methoden an: Sie erzählten schlechte Dinge übereinander, intrigierten gegen eigene Kollegen, versuchten mit allen Mitteln, hierzubleiben, und ließen ihre Beziehungen spielen. Einige von ihnen waren Alkoholiker geworden, besonders jene, die einen maximal hohen Lohn erhielten, eine gute Wohnung hatten, eine Doktorarbeit verteidigt hatten und in Zukunft eine gute Rente erwartete …
Einer der Hochschullehrer versetzte ihn in Erstaunen. Er hielt Vorlesungen im Fach „Wissenschaftlicher Kommunismus“ und sprach sehr viel über die Moral. Doch gleich zu Beginn der Perestroika verließ er das Institut und eröffnete neben dem Institut eine Kneipe. So verdiente er sein Geld, verkaufte den Studenten Alkohol und ließ sich auf unsaubere Sachen ein! Arthur dachte oft über dies alles nach und stellte den Institutslehrern Fragen über den Sinn des Lebens. Zur Antwort bekam er, dass der Sinn des Lebens darin bestehe, im sozialen Leben erfolgreich zu sein. „Wir müssen im sozialen Bereich Erfolge erzielen, einen guten Beruf bekommen, zum Beispiel zum Militär gehen oder Ingenieur, Arzt, Leiter irgendeines Betriebes werden.“
So eine Einstellung war für ihn nicht neu. In der Schule wurde dies doch auch beigebracht. „Nun gut“, dachte er, „ich widme 20–30 Jahre meines Lebens dem Ziel, ein angesehener Professor zu werden. Und darin besteht der Sinn des Lebens?“
Einmal nahm er an einem Treffen mit einem bekannten Schauspieler teil, der alles erreicht hatte, wovon er in seiner Karriere nur träumen konnte: Ruhm, Geld, Verehrer … er gab zu, dass er sich mit jedem Tag immer weniger glücklich fühlte, obwohl er kein langweiliges Leben hatte. Das alles gab Arthur den Anstoß, über sein weiteres Schicksal nachzudenken. Er verstand trotzdem, dass es zunächst wichtig war, das Institut zu beenden und erst dann ins Handeln zu kommen.
Seit seiner Schulzeit wusste Arthur, dass der Körper nicht ewig ist und wir alle sterblich sind. Aber man muss den Körper trotzdem pflegen. Ohne gute Gesundheit können wir nichts erreichen, das Leben nicht genießen. Er trieb gerne und aktiv verschiedene Sportarten, härtete sich ab, machte im Sommer Wanderungen.
***
Vor seinem Abschluss am Institut (das war die zweite Hälfte der 80er-Jahre) begann die Perestroika.
Im letzten Studienjahr las er das Buch von A. Solschenizyn „Der Archipel Gulag“. Er erkannte die Fäulnis des Systems, das auf Betrug und Gewalt aufgebaut war und sich gegen Millionen von Menschen richtete. Er hatte keine Lust, im Staatsapparat zu arbeiten, obwohl er Angebote bekam, dort tätig zu sein. Dabei hätte er Dienstreisen ins Ausland machen können, wovon jeder träumte. Er verzichtete kurzerhand auf alle schmeichelhaften Vorschläge.
Er legte seine Prüfungen erfolgreich ab und erhielt das sogenannte rote Diplom. Für zwei bis drei Monate blieb er noch im Studentenwohnheim, da er beim Training gestürzt war und sich stark am Knie verletzt hatte.
In jener Zeit erschienen die Vorboten der Freiheit der Meinungsäußerung: Fernsehübertragungen ohne kommunistische Zensur und verschiedene Zeitungen. Ein neuer Meilenstein in der Wirtschaft waren Genossenschaftsläden und Restaurants.
In der Studentenmensa lernte er beim Mittagessen einen gewissen Orlowski kennen. Der bat ihn, gegen Bezahlung, ein paar Mal auf irgendwelche gelieferten Kisten aufzupassen. „Du kannst sowieso nicht laufen, dann verdiene doch etwas Geld“, sagte er zu Arthur. Dabei zwinkerte er ihm zu.
Der Familienname passte sehr gut zu Orlowski – er war wirklich einem Adler ähnlich. Orlowski beschäftigte sich auf kommerzieller Basis mit Lieferungen von verschiedenen Einrichtungen für das Institut.
Einen Monat später begegneten sie sich wieder im Café des Instituts. Sie kamen ins Gespräch und wurden Freunde. Orlowski erkannte ihn als ehrlichen und verantwortungsvollen Kerl und schlug Arthur vor, mit ihm – gegen eine gute Bezahlung – zusammenzuarbeiten. Die Arbeit war sehr interessant. Sie reisten sehr viel. Die Hauptaufgabe bestand darin, zunächst etwas zu kaufen und dann wieder zu verkaufen.
Orlowski hatte eine geschäftstüchtige Ader und wusste, wer was und wann brauchen könnte. Er eröffnete einige illegale Werkstätten, darunter eine Schneiderei, wo Unterhosen genäht wurden. Sie verkauften ihre Produkte erfolgreich und machten einen großen Gewinn. Außer dem guten Verdienst erhielt Arthur von jedem guten Geschäft eine ordentliche Provision. Innerhalb eines Jahres wurde er ein sehr reicher Mensch. Im Laufe einer Woche konnte er leicht so viel verdienen wie der Rektor des Instituts im ganzen Jahr. Dabei musste man keine Parteiversammlungen besuchen oder in der Arbeit intrigieren.
Arthur kaufte ein neues Auto (Lada Schiguli), eine große und gute Wohnung in Moskau, eine neue Wohnung für die Eltern und eine Datsche, wovon seine Eltern seit Langem geträumt hatten.
Einmal während einer „Dienstreise“, noch am Anfang ihrer gemeinsamen Tätigkeit, fragte er Orlowski, was der Sinn dieses hektischen Lebens sei. Und Orlowski sagte ihm Folgendes: „Du kannst im Leben großen Erfolg haben, aber wenn du kein Geld hast, dann gibt es keinen Sinn darin. Wenn man Geld hat, kann man alles machen, was man will, und alles haben, was man will, und sich mit dem beschäftigen, was man will.“ Und Orlowski steckte Arthur mit diesem Lebensstil „Geld um des Geldes Willen“ an.
Arthur entschied sich, ein Jahr mit Orlowski zusammenzuarbeiten und dann seiner eigenen Wege zu gehen. Obwohl er alles erreicht hatte, was er wollte, Urlaub machen konnte, wo er wollte – wovon viele nur träumten –, bekam immer wieder neue und neue materielle Wünsche und tauchte immer tiefer in diesen Lebensstrudel ein, aus dem, wie sich herausstellte, nicht so leicht zu entkommen war.
***
Nach anderthalb Jahren geschah etwas, was das Leben von Arthur stark veränderte. Eines Abends stiegen Orlowski und er aus dem Auto, um irgendwo zu Abend zu essen. Vor ihnen hielten zwei Autos: ein Mercedes 600 und ein neuer Lada WAZ, Serie 9. Aus den Autos stiegen riesige Kerle. Sie griffen Orlowski am Hals und schlugen ihn einige Male gegen die Wand.
Arthur hielten sie für seinen Fahrer, warfen ihn auf den nassen Asphaltboden und drohten, wenn er sich rühren würde, würden sie ihm die Kehle durchschneiden. Die Gesichter der Kerle versprachen nichts Gutes. Sie fragten Orlowski aus, warum er das Geld nicht zahlte. Obwohl es noch nicht sehr dunkel war und einige Menschen auf der Straße liefen, hatte keiner den Mut, ihnen zu helfen oder die Polizei zu rufen. Die Kerle drohten, wenn Orlowski ihnen nicht eine große Geldsumme geben würde, dann würden sie viele ungute Sachen mit ihm und seinen Verwandten machen. Arthur erschrak. Warum wollten sie so eine große Geldsumme? Die Kerle fuhren weg. Orlowski zitterte vor Angst. Anschließend im Restaurant bekam er kei