Was die Spatzen im Zoo von den Dächern pfeifen - Ellen Driechciarz - E-Book

Was die Spatzen im Zoo von den Dächern pfeifen E-Book

Ellen Driechciarz

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Beschreibung

Haussperlinge haben es heutzutage schwer, außer sie leben in einem Zoo. Als im Nest von Elise und Anton vier Junge schlüpfen, ahnen sie noch nicht, dass ihre Sprösslinge nach dem Flüggewerden nicht wie andere Spatzenkinder zu Hause bleiben wollen, sondern lieber eine Entdeckungsreise durch den Zoo unternehmen möchten. Zum Glück kann Opa Gustav, der sonst die große Spatzenbibliothek leitet und sich in der Tier- und Pflanzenwelt bestens auskennt, die Spätzchen begleiten. Im Zoo erleben Heiner, Lisa, Moni und Tine dann ungeahnte Abenteuer, lernen aber gleichzeitig etwas über die Natur und über die Lebensweise verschiedener Zoo- und Wildtiere.Erst Anfang des Winters kehren die unternehmungslustigen Spatzen nach Hause zurück. Doch sogleich sind alle Haussperlinge aus der Nachbarschaft zur Stelle, um sich ihren fantastischen Reisebericht anzuhören. Und weil Spatzen ein geschwätziges Volk sind, hört man sie fortan diese erstaunlichen Geschichten von allen Dächern pfeifen.

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Veröffentlichungsjahr: 2021

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Was die Spatzen im Zoo von den Dächern pfeifen

Wahre Geschichten einer Abenteuerreise

Ellen Driechciarz

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Impressum

Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Besuchen Sie uns im Internet - papierfresserchen.de

© 2021 – Papierfresserchens MTM-Verlag GbR

Mühlstr. 10, 88085 Langenargen

Alle Rechte vorbehalten. Taschenbuchauflage erschienen 2018.

Herstellung: CAT creativ - cat-creativ.at

Lektorat: Melanie Wittmann

Fotos: © Ellen Driechciarz

Bilder Cover: © noriokanisawa, © M. Schuppich, © Carola Schubbel, © jb_stock

– lizenziert Adobe Stock.

ISBN: 978-3-86196-742-2 - Taschenbuch farbig

ISBN. 978-3-96074-435-1 - E-Book

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Inhalt

Vorwort

Es beginnt im Frühling

Ein Nest voll junger Spatzen

Muntere Kinderstube unter dem Dach

Die Ermahnungen der Spatzeneltern

Der erste Ausflug in den Zoo

Junge Haussperlinge erobern die Welt

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Aufbruch mit kleinen Hindernissen

Ankunft bei Opa Gustav

Die große Spatzenbibliothek

Aus dem Familienleben der Weißkopfseeadler

Aufbruch zur großen Wanderung

Bei den Jägern der Nacht

Die Launen der Natur

Alles schön langsam, aber wie geht das bloß?

Nicht nur Hunde können bellen

Nur eine kurze Freundschaft

Nachts sind nicht nur alle Vögel grau

Die schwierige Suche nach einem Nachtquartier

Die Badeanstalt am Wasservogelteich

Rosaroter Flamingoschwarm

Der Herbst ist da

Die Gaben der Natur

In Lebensgefahr

Buntes Herbstlaub, wohin man schaut

Abenteuer im Giraffenstall

Eine wundersame Begegnung im Nebel

Warum Sträucher auffällige Früchte tragen

Ein unheimlicher Untermieter

Überraschung bei den Rentieren

Glückliche Heimkehr

Die Autorin

Unser Buchtipp

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Vorwort

Hallo Kinder! Habt ihr das gehört?

In der dichten immergrünen Hecke neben dem Streichelzoo findet eine ohrenbetäubende Vollversammlung statt. Hier treibt sich nämlich ein Schwarm Haussperlinge herum und alle scheinen um die Wette zu tschilpen. Dann sammeln sie sich oben auf den frischen Trieben und – wusch – die ganze Sippe schwirrt eilig über den Weg in den Stall der Ziegen.

Habt ihr das gesehen, Kinder?

Frech und lärmend fallen die Spatzen in das Stallgebäude ein. Dort suchen sie gemeinsam nach Futter oder sie tragen Material für den Nestbau zusammen. Aber bald darauf fliegen sie weiter zu der offenen, sandigen Fläche und nehmen prompt ein ordentliches Sandbad. Zuerst scharren sie eifrig im trockenen Sand, dann kullern sie darin herum und am Ende schaufeln sie ihn sich sogar ins Gefieder. Da fragt sich sicher so mancher: „Sind sie etwa Dreckspatzen?“

Aber nein! Ein gründliches Staubbad befreit Sperlinge ganz einfach von lästigen Parasiten. Und auch sonst nehmen die munteren Gesellen die Gefieder- und Körperpflege sehr genau. Regelmäßige Wasserbäder und ausgiebige Sonnenbäder tragen ebenfalls zum Wohlbefinden und zur Gesunderhaltung von Haussperlingen bei.

Vom Luxusbad im Sand schwirren die Spatzen wieder in die schützende Hecke zurück. Behaglich schließen sie die Augen und halten ausnahmsweise mal den Schnabel. Doch lange hält die Ruhe nicht an. Schnell zwitschern sie wieder aus vollem Halse durcheinander und man merkt sofort, was Haussperlinge auch immer tun, gern tun sie dies gemeinsam. Deshalb sind sie überall im Zoo in kleinen oder in größeren Trupps anzutreffen. Es scheint allenthalben so, als trieben sie sich gern in Banden herum.

Zweifellos finden Haussperlinge in der Nähe von Tierhaltungen eine Heimat genau nach ihrem Geschmack, denn Orte wie diese bieten ihnen optimale Lebensbedingungen mit ausreichend Nahrung und Nistgelegenheiten. Streng genommen hängt heute davon sogar ihr Überleben ab. Als ausgesprochene Kulturfolger waren Haussperlinge stets da, wo auch Menschen lebten, und sie fanden in deren Nähe immer Nahrung und Wohnstätten. Aber im Laufe der Zeit haben sich die menschlichen Gewohnheiten verändert, wobei im gleichen Zuge die Überlebensmöglichkeiten für Haussperlinge schwanden. In der betonierten Stadt sind die geselligen Vögel häufig schon verschwunden. Doch zum Glück konnten sie sich in die grüne Oase mancher Zoos zurückziehen.

Das Hauptquartier von Haussperlingen ist entweder eine schützende Hecke, ein dichter Busch oder eine üppige Strauchzeile. Wie Mäuse huschen sie im Astwerk mal hierhin und mal dorthin, denn sie versuchen stets, sich neugierigen Blicken zu entziehen. Man würde sie kaum bemerken, doch dann verraten sie sich durch lautes Tschilpen. Erschreckt nicht! Es erinnert eher an Radau als an Vogelgesang, denn es ist ein unmelodisches, lärmendes Zwitschern und wird gern gemeinsam aus allen Kehlen vorgetragen.

Im dichten, unzugänglichen Gestrüpp sind Haussperlinge vor Feinden wie Katzen oder Greifvögeln ziemlich sicher. Von dort aus können sie jederzeit die Lage überblicken und dann entweder zum Futterfassen ausschwärmen oder sich bei Gefahr heimlich und leise tief in die sichere Deckung zurückziehen. Und nicht nur das. Im dichten Strauchwerk verbringen Spatzen sehr gern, weil nahezu unbeschwert, einen großen Teil ihres geselligen Familienlebens. Und überall dort, wo sie heimisch sind und sich auskennen, also in ihrem Revier, da sind sie weder zu übersehen noch zu überhören. Mitunter tummeln sie sich sogar mitten im Menschengedränge auf dem Boden und suchen zänkisch nach Nahrung.

Im Zoo lebt ein munterer Schwarm Haussperlinge beispielsweise mit Hausziegen unter einem Dach. Ein Stall wie dieser und die sich anschließenden Anlagen bieten einer fröhlichen Spatzengesellschaft ein attraktives Zuhause. Am Ziegenstall, entlang der Dachschrägen und unter den Schindeln, befinden sich genügend geräumige Nischen für den Nestbau. Das Nistmaterial wie etwa Heu, Strohhalme, weiche Tierhaare oder bunte Federn finden die Spatzen in nächster Nähe und Futter für die Jungen gibt es reichlich. So besetzen Jahr für Jahr zahlreiche Spatzenpärchen die Höhlungen und brüten in einer kleinen Kolonie die Eier aus. Jeder Spaziergänger kann leicht ihre Anwesenheit erkennen, denn die Nester machen mit unordentlich heraushängenden Halmen einen liederlichen Eindruck und nicht wenig Schmutz verursachen hinterlassene Futterreste und der Kot. Aber bereitwillig werden diese Beeinträchtigungen in Kauf genommen, sodass für die Spatzen die Welt noch in Ordnung scheint.

Werden jedoch in Zukunft Haussperlinge mit ihren Lebensansprüchen die Veränderungen in unserer gemeinsamen Heimat überstehen? Es bleibt zu hoffen. Verstummte der Tumult dieser stets fröhlichen Begleiter der Menschen, würde sicher etwas fehlen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ihre Gegenwart schon sehr lange und wie selbstverständlich im menschlichen Alltagsleben verwurzelt ist.

Sind jedoch Spatzen da, dann sind sie selten still. Immer tschilpen sie sich etwas zu. Darum könnt ihr, liebe Kinder, das muntere Spatzenvolk bei eurem nächsten Zoobesuch an vielen Stellen beobachten.

Vielleicht pfeifen sie wirklich spannende Geschichten von den Dächern, vielleicht auch solche, wie sie in diesem Buch beschrieben sind. Ihr müsst nur richtig hinhören.

*

Es beginnt im Frühling

Außergewöhnlich laut schallt an diesem Morgen das Hämmern eines Spechtes durch den Zoo. Immer wieder trommelt der Bursche auf den Stamm einer alten Birke ein, huscht um den Stamm herum und klopft an anderer Stelle weiter. Weil zur Stunde noch eine besondere Ruhe herrscht, ist der Hall der hämmernden Schnabelhiebe weithin zu hören. Dabei ist die Luft kühl und klar und verspricht einen freundlichen Frühlingstag. Aber nach und nach gesellen sich weitere Geräusche zum Trommelwirbel des Spechtes, denn muntere Vögel stimmen ihr Morgenkonzert an. Etwas später lassen sich auch die ersten Zootiere vernehmen und dann ist die Geräuschkulisse wie an jedem anderen Tag.

Die große Birke steht seit Jahr und Tag am Ziegenstall und ihre eindrucksvolle Erscheinung bietet allem ringsum wie selbstverständlich Schutz und Zier. Vor allem die weiße Rinde verleiht dem Baum ein freundliches Aussehen, obwohl das Alter die Borke am unteren Teil des Stammes hat schwarz aufreißen lassen. Lange, noch blattlose Zweige hängen in üppigen Strähnen von den Ästen herab und rascheln leise im Wind. Sie mögen jetzt noch kraftlos erscheinen, aber schon bald werden aus prallen Knospen zartgrüne Blätter sprießen.

Es ist erst Anfang März, doch das Brutgeschäft der Haussperlinge ist in vollem Gange. Vorerst stört sie niemand dabei, denn die Zugvögel kommen einige Zeit später aus dem warmen Süden in den Zoo zurück. Aber unter ihnen gibt es ein paar Nistplatzkonkurrenten, die sich ebenfalls für Brutplätze, wie sie Spatzen bevorzugen, interessieren. Haussperlinge verbringen jedoch auch den Winter am heimatlichen Ort, wo sie selbst in der kalten Jahreszeit genügend Nahrung und trockene Unterkünfte finden. Natürlich nutzen die Spatzenpärchen den Zeitvorsprung im Frühling aus, um sich beizeiten in ihren Brutrevieren häuslich einzurichten. Und dort geben sie dann, für alle weithin hörbar, den Ton an. Der Schwarm vom Ziegenstall hat nun ebenfalls die Nischen und Höhlen unter dem Dach des Hauses in Beschlag genommen und in Spatzenmanier machen alle Vögel viel Aufhebens darum. Die Nistplätze sind hart umkämpft und jede Eroberung wird lautstark bekannt gegeben. Das ganze Theater bekommen im Moment freilich die wenigsten Zoobesucher mit, denn so früh im Jahr und bei unbeständigem Wetter lassen sich selten welche sehen.

Überall sind die Spatzen zunächst mit der Balz und dem Nestbau beschäftigt. Bei der Werbung machen die Männchen den Weibchen schöne Augen und werfen sich mächtig in die Brust. Sogar auf ihr Aussehen bilden sie sich etwas ein, obwohl es da nicht viel zu sehen gibt. Haussperlinge haben schlichte Gefiederfarben, jedoch erscheinen die Männchen mit ihrem aschgrauen Scheitel, den kastanienbraunen Streifen an den Kopfseiten und dem schönen schwarzen Brustlatz bedeutend attraktiver als die unauffälliger gefärbten Weibchen. Und voller Elan zeigen sie das jedermann.

Der von Sperlingsmännchen vorgetragene Gesang betört wohl auch nur Spatzendamen. Für menschliche Ohren hört sich das unmelodische Tschilpen nicht gerade schön an, aber ihr gefällt es. Vor der Hochzeit hüpfen die Männchen aufgeplustert und mit aufgeregt flatternden Flügeln um das auserwählte Weibchen herum. Doch oftmals streiten sich mehrere Herren heftig um eine Dame, sodass es bei der Partnerwahl ganz schön ruppig zugeht. Sind sich jedoch zwei einig, wird ohne Scheu vor aller Augen und ziemlich beharrlich die Paarung vollzogen.

An derlei ungestümen Hochzeitsbräuchen beteiligen sich Anton und Elise nicht mehr. Die beiden haben sich vor etlichen Jahren gefunden und sind seitdem ein Paar. Damals hat sich Anton sofort in das reizende, junge Spatzenmädchen mit der weißen Feder im Brustgefieder verguckt. Und diese kleine, von ihrem Vater geerbte Eigenheit liebt Anton bis heute. Er dagegen hat Elise mit seinem großen Geschick beim Nestbau beeindruckt und für sich gewonnen. Sie gehören zusammen, so wie sich auch andere Haussperlinge ein Leben lang treu bleiben.

Anton und Elise sind längst keine Anfänger mehr. Sie haben jahrein und jahraus zuverlässig für gesunden Nachwuchs gesorgt, sodass sie es heute im gesetzten Alter gemächlicher angehen lassen und sich vor allem auf das Wesentliche konzentrieren. Während sich andere Spatzenpärchen noch um die Nistplätze raufen, haben sich Anton und Elise schnell für einen Brutplatz entschieden und ihn gleich besetzt. Doch letztlich gibt es in der Nähe für alle genügend Nistmaterial und reichlich Futter für die Jungen. Auch spendet die große, anmutig wirkende Birke den Spatzennestern unter dem Dach Schatten und sorgt damit in heißen Sommern für angenehme Kühle. Doch vor allem lieben Anton und Elise die Aussicht. Von ihrem Nest aus können sie jederzeit das lustige Treiben der Ziegen und sogar das der Zoobesucher beobachten.

An ebendieser idealen Stelle hat der fesche Baumeister Anton seiner Elise auch diesmal wieder ein sehr kunstvolles Nest präsentiert. Er baut nicht einfach nur stabil, nein, er überrascht Elise gern mit ausgesprochen weichen Daunen als Polstermaterial und schmückt das Nest zusätzlich mit bunten Federn aus. Nur er weiß, wo man so schöne Federn findet. Obwohl die Nachbarn über so viel Luxus verwundert die Köpfe schütteln, genießt Elise diese Aufmerksamkeiten und richtet sich für das bevorstehende Brutgeschehen in der prunkvollen Unterkunft gemütlich ein.

In der Zwischenzeit hat Elise vier helle, unterschiedlich graubraun gefleckte Eier gelegt, die nun die volle Aufmerksamkeit der Spatzeneltern verlangen. Jetzt heißt es beharrlich brüten, denn nur aus gleichmäßig gewärmten Eiern schlüpfen kräftige Junge. Dazu wechseln sich beide Partner ab, aber Elise übernimmt, wie alle Spatzendamen, die Hauptarbeit.

Dann beginnt es zu regnen und das Wasser rinnt unaufhaltsam an den überhängenden Zweigen der Birke herab. Dem Baum verleiht das einen traurigen Ausdruck, der jedoch zum trübsinnigen Wetter passt. Das Nest aber liegt geschützt und trocken. Beim Brüten unterstützt Anton seine Elise tatkräftig und er bringt ihr jeden Tag eine neue, bunte Feder als Nestschmuck mit. Dafür fliegt er weite Wege in den Zoo hinaus. Aber weder diese Anstrengung noch das schlechte Wetter macht ihm etwas aus. Des Nachts schlüpft er mit ins Nest und zwitschert mit Elise in trauter Zweisamkeit. Gespannt erwarten beide das Ende der fast 14 Tage dauernden Brutzeit.

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Ein Nest voll junger Spatzen

Es ist der Morgen eines außergewöhnlichen Tages. Der Regen hat aufgehört und nach einem wunderschönen Sonnenaufgang lassen die Wolken nun endlich der Sonne den Vortritt am Himmel. Anton ist längst draußen unterwegs und genießt das schöne Wetter.

Aber was ist das? Deutlich spürt Elise in den Eiern ein kräftiges Zappeln und sie kann schwaches Piepsen hören. Ihr Herz macht einen kleinen Satz. Die Jungen wollen sich aus dem Ei befreien! Aufgeregt wartet Elise auf die Rückkehr von Anton, um ihm stolz die gute Nachricht zu verkünden. Während sie wartet, nimmt sie mit leisem Zwitschern Kontakt zu den Schlüpflingen auf und diese antworten ihr prompt. „Anton, es ist so weit!“, ruft sie ihm bei seiner Ankunft entgegen und widmet sich rasch wieder den wackelnden Eiern.

Anton bleibt etwas länger am Nest, um Elise hilfreich zur Seite zu stehen. Angespornt von der Spatzenmutter, öffnen die Spatzenküken mit einem kleinen Eizahn auf ihrem Oberschnabel geschickt die Eischale und sprengen mit kräftigen Bewegungen letztlich die Hülle. Nach und nach schlüpfen im Nest vier gesunde Spätzchen aus den Eiern. Sofort nimmt Elise die Sprösslinge unter ihre Fittiche, denn junge Sperlinge sind erst einmal nackt und frieren schnell ohne Wärmequelle. Bis ihnen ausreichend Federn gewachsen sind, müssen sie von den Spatzeneltern gewärmt werden. Aber schon wollen die Spatzenküken mehr. Sie sperren munter ihre gelb umrahmten Schnäbelchen auf und verlangen nachdrücklich Futter. Von nun an werden die Eltern keine ruhige Minute mehr haben.

Das Geschehen im Nest hat Anton vom Rand aus neugierig verfolgt. Und nun sind die aufgerissenen Schnäbel der Startschuss für ihn, eilends Futter herbeizuschaffen. Elise wirft ihm ebenfalls einen auffordernden Blick zu und Anton macht sich mit einem kurzen Winken der Flügel auf den Weg.

Erwachsene Spatzen ernähren sich vorwiegend vegetarisch von Getreidekörnern und Sämereien. Die Jungvögel jedoch sind auf Gedeih und Verderb auf tierische Kost wie Ameisen, Blattläuse und Raupen angewiesen. Und nun ist Anton auf unermüdlicher Jagd danach, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.

Mit viel Schwung landet Anton auf dem Nestrand und schon recken sich ihm die weit aufgesperrten Rachen seiner Kinder entgegen. Aber auch andere Vogeljunge reißen bei jeder Erschütterung des Nests instinktiv den Schnabel auf und dieser Anblick veranlasst Vogeleltern, dort tüchtig Futter hineinzustopfen. Alle Sperlingsvögel verhalten sich so. Es ist allerorts ein naturgemäßes Zusammenspiel, um das Überleben zu sichern.

Anton hat aus der reichhaltig bestückten Speisekammer in der Nähe für jedes Spätzchen etwas mitgebracht. Das Futter verteilt er nun geschickt, aber auch gerecht an die bettelnde Schar. Nachdem alle Rachen gestopft sind, schwirrt er wieder davon und ist bald darauf erneut mit gefülltem Schnabel zurück. Der ist diesmal sogar so voll, dass ihm die begehrten Futterbissen rechts und links heraushängen. Anton sieht aus, als ob er neuerdings einen Bart trüge, und Elise muss kichern. Dann schenkt sie ihm einen zärtlichen Blick.

Nachdem Anton den Weg zur Futterquelle noch etliche Male zurückgelegt hat, löst er Elise im Nest ab, die nun an seiner Stelle die Futtersuche übernimmt. Arbeitsteilung während der Jungenaufzucht ist bei Haussperlingen üblich und so halten es auch die beiden. Bis zum Abend wechseln sich die Partner immer wieder ab, doch schließlich ist es geschafft. Satt und zufrieden sind die drallen Spätzchen eingeschlafen und Elise nimmt sie schützend unter ihre Flügel. Die Sperlingskinder zwitschern wohlig im Schlaf, denn unter Mamas Federdecke schläft es sich so richtig gut. Daraufhin sinkt auch Anton dankbar ins Nest und kuschelt sich behaglich an.

Genauso wie die Haussperlinge legt sich auch der Tag zur Ruhe und die sanfte Dämmerung verspricht eine ruhige Nacht. Schnell schlafen Anton und Elise ein, denn Erholung ist jetzt wichtig.

Der nächste Morgen weckt die Spatzenfamilie wieder mit schönstem Sonnenschein. Eifrig beginnt Anton sein Tagwerk mit der Nahrungsbeschaffung und Elise kümmert sich um die Aufgaben am Nest. Es wird stets sauber gehalten und auch immer wieder mit frischen Halmen oder neuen Federchen ausgebessert. Jedoch bleibt nun für eine bunte Feder als Nestschmuck keine Zeit mehr. Immerhin erweist sich die ergiebige Futterquelle in der Nachbarschaft als verlässlicher Helfer bei der anstrengenden Jungenaufzucht. Und nach einiger Zeit werden die Eltern auch von den Jungen unterstützt, denn sie sorgen selbst für Sauberkeit, indem sie ihren Kot über den Nestrand nach draußen fallen lassen.

Dann wird das Wetter schlagartig unbeständig. Im Freien hat sich ein böiger Wind erhoben, der unermüdlich dunkle Wolken zusammentreibt, nur um sie ein wenig später wieder auseinanderzujagen. Dabei wechseln sich in schneller Folge kurze, kräftige Regenschauer mit leuchtendem Sonnenschein ab. Nachts ist es wieder ziemlich kalt, wohingegen die Temperaturen am Tag schon in angenehme Bereiche klettern. Alles in allem finden zurzeit merkwürdige Wetterkapriolen statt. Aber darüber wundern sich Anton und Elise nicht. Sie wissen, das ist der April und der macht nun einmal, was er will. Auch die anderen Mitglieder der Spatzenkolonie schenken dem Wetter keinerlei Beachtung, weil überall der Nachwuchs nach der Fürsorge der Eltern schreit.