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Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. "Toni, der Hüttenwirt" aus den Bergen verliebt sich in Anna, die Bankerin aus Hamburg. Anna zieht hoch hinauf in seine wunderschöne Hütte – und eine der zärtlichsten Romanzen nimmt ihren Anfang. Hemdsärmeligkeit, sprachliche Virtuosität, großartig geschilderter Gebirgszauber – Friederike von Buchner trifft in ihren bereits über 400 Romanen den Puls ihrer faszinierten Leser. Toni und der alte Alois saßen auf der Terrasse der Berghütte. »Schau mal, da kommt Wolfi!«, rief Toni. Er stand auf und ging ihm entgegen. »Grüß Gott, Wolfi!« »Grüß Gott, Toni!« Die Freunde umarmten sich herzlich und klopften sich auf die Schulter. »Hast du heute frei?«, fragte Toni. Sie gingen zum Tisch, an dem der alte Alois saß. Gewolf Irminger, der Wolfi gerufen wurde, begrüßte ihn. »Ja, ich habe frei, heute und morgen. Übermorgen fährt meine Kollegin Chris in Urlaub. Zuerst macht sie zwei Wochen Urlaub, anschließend geht sie auf eine Fortbildung. Ich werde drei Wochen ohne sie auskommen müssen.« »Du bist ein starker Bursche. Drei Wochen durcharbeiten, das schaffst du«, sagte Alois. Toni holte noch einen großen Becher Kaffee. »Durcharbeiten muss ich nicht.
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Seitenzahl: 131
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Toni und der alte Alois saßen auf der Terrasse der Berghütte.
»Schau mal, da kommt Wolfi!«, rief Toni. Er stand auf und ging ihm entgegen. »Grüß Gott, Wolfi!«
»Grüß Gott, Toni!«
Die Freunde umarmten sich herzlich und klopften sich auf die Schulter.
»Hast du heute frei?«, fragte Toni.
Sie gingen zum Tisch, an dem der alte Alois saß. Gewolf Irminger, der Wolfi gerufen wurde, begrüßte ihn.
»Ja, ich habe frei, heute und morgen. Übermorgen fährt meine Kollegin Chris in Urlaub. Zuerst macht sie zwei Wochen Urlaub, anschließend geht sie auf eine Fortbildung. Ich werde drei Wochen ohne sie auskommen müssen.«
»Du bist ein starker Bursche. Drei Wochen durcharbeiten, das schaffst du«, sagte Alois.
Toni holte noch einen großen Becher Kaffee.
»Durcharbeiten muss ich nicht. Ich habe in jeder Woche einen Werktag frei, dann kommt ein Kollege aus Kirchwalden. Ich muss nur an den Wochenenden hier in Waldkogel sein und Bereitschaftsdienst machen. Für die Wochenenden habe ich keine Vertretung bekommen. Es wäre auch unsinnig, jemand aus Kirchwalden oder gar aus München Bereitschaftsdienst machen zu lassen. Das wäre zu umständlich.« Wolfi nippte an seinem Kaffee. »Der ist genau richtig, mit viel Milch und Zucker, Toni.« Wolfi trank noch einen Schluck. Er sah Toni an. »Ich dachte, ich reiße dich hier los und wir beide machen eine Klettertour. Wie steht es damit?« Er schaute sich um. »Es ist im Augenblick wenig los hier, wie ich sehe.«
Toni lachte. »Das ist die Ruhe vor dem Sturm. Bei dem schönen Wetter werden die Tageswanderer zum Mittagessen hereinfallen wie die Heuschrecken. Wir sind ausgebucht, Wolfi. Unsere Hüttengäste sind schon früh zu ihren Touren aufgebrochen. Sie kommen erst gegen Abend wieder. Aber ich kann trotzdem nicht mitkommen.«
»So, warum nicht?«
»Anna ist nach Kirchwalden zum Einkaufen gefahren. Sie will zwar wieder bis zum Mittag zurück sein, aber es kann auch später werden. Sie hat sich mit Leos Frau verabredet. Die beiden gehen bummeln.«
»Geh ruhig, Toni!«, sagte der alte Alois.
Toni schüttelte den Kopf. »Des kommt net infrage. Du hast deine Sommergrippe noch net richtig auskuriert. Der Ansturm zum Mittagessen ist zu viel Arbeit für dich, Alois.«
»Ja, ich verstehe schon. Du zählst mich schon zum alten Eisen«, brummte Alois.
Toni seufzte. »Alois, was redest du da für einen Schmarrn? Du musst niemandem beweisen, was für ein toller Bursche du bist. Ich habe Martin versprochen, darauf zu achten, dass du dir eine Weile mehr Ruhe gönnst. Du hattest hohes Fieber. Das darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen.«
»Schmarrn! Das war vor einer Woche. Habe ich vielleicht am Hüttenabend schlapp gemacht? Na, das habe ich nicht. Ich war einer der Letzten, der schlafen gegangen ist.«
Toni rieb sich das Kinn. »Das stimmt. Aber ich habe darauf geachtet, dass du nix machst. Du hast nur für Musik gesorgt. Aber ich will jetzt nicht darüber diskutieren. Es bleibt dabei. Heute gehe ich nicht mit Wolfi klettern. Das machen wir ein anderes Mal.«
»Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, Toni«, sagte Wolfi. »Ich rufe dich an und sage dir, wann ich meinen nächsten freien Tag habe und dann verabreden wir uns. Vielleicht kann sich Martin eine Vertretung für die Praxis besorgen und kommt mit. Ich werde mit ihm reden.«
»Das ist eine gute Idee«, stimmte Toni zu. »Dass wir Freunde die Gipfel erstürmen, ist ohnehin längst wieder fällig.« Toni nippte an seinem Kaffee. Er warf Wolfi einen Blick zu. »Hast du das Madl wiedergesehen, mit dem du so oft auf dem letzten Hüttenabend getanzt hattest?«
»Du meinst die Mira?«
»Wolfi, wen denn sonst? Sie saß an deinem Tisch. Ihr habt geredet und getanzt.«
»Na, ich habe sie nicht gesehen und bin auch nicht traurig, wenn ich sie nicht sehe.«
»So?«, staunte Toni.
Toni und der alte Alois sahen Wolfi überrascht an.
»Was schaut ihr so?«, fragte Wolfi.
»Wir dachten, vielleicht gefällt sie dir. Sie ist ein fesches Madl, die Mira.«
»Toni, ich habe nicht behauptet, sie sei hässlich.« Wolfi seufzte zuerst, dann grinste er. »Mira hat heftig geflirtet mit mir. Das war nicht zu übersehen. Jedes Mal, wenn Alois Damenwahl ausgerufen hat, hat sie mich zum Tanz aufgefordert. Höflich, wie ich bin, habe ich nicht abgelehnt.«
»Ich dachte, du hast auch mit ihr geflirtet«, bemerkte Toni.
»Na, des habe ich nicht. Das wäre gefährlich gewesen.«
»Dann ist sie net dein Typ?«
»Toni, was soll ich darauf sagen? Typ hin, Typ her! Es war ein netter Hüttenabend. Wir haben geplaudert und getanzt. Aber sonst war da nix, jedenfalls nicht von meiner Seite aus. Ich weiß gar nicht, wie du darauf kommst, dass mir Mira gefallen sollte?«
Toni schmunzelte. »Einfach so, weil du den ganzen Abend mit ihr zusammen gewesen bist.«
»Nicht freiwillig, Toni! Das sage ich dir. Mira hing an mir wie eine Klette. Sie lief mir nach, wie ein junger Hund.«
»Du hast ihr wohl gefallen, Wolfi«
»Ja, so sah es aus. Sie redete davon, dass wir zusammen wandern gehen und gemeinsam in den Bergen biwakieren könnten.«
Toni und der alte Alois lachten.
»Das Madl hat es auf dich abgesehen, Wolfi. Sie versucht, dich einzufangen«, sagte Alois.
»So scheint es mir auch. Doch zu einem Paar gehören zwei. Ich will nix von ihr, bestimmt nicht«, sagte Wolfi. »Ich habe ihr deutlich zu verstehen gegeben, dass ich weder wandern oder in den Bergen biwakieren will. Auch dass ich kein Interesse habe, mit ihr in Kirchwalden in die Disco zu gehen, ins Kino oder ein Restaurant. Aber sie war sehr hartnäckig. Das Madl will einfach ein Nein nicht gelten lassen.«
»Sie wird sich in dich verliebt haben, Wolfi«, sagte der alte Alois.
»Das habe ich mir auch schon gedacht. Aber, wie gesagt, zur Liebe gehören zwei. Sie wird es hoffentlich einsehen. Ich weiß, wie es ist, unglücklich verliebt zu sein. Jetzt lerne ich die andere Seite kennen. Und erfahre es am eigenen Leibe, wie lästig es ist. Es kommt mir vor, als suche sie den Knopf, den sie drücken muss, damit ich anspringe.« Gewolf Irminger stöhnte. »Ich hoffe, sie kapiert bald, dass es nichts nützt. Zu meinem Unglück hat sie die Ferienhütte für den ganzen Sommer gemietet. Sie studiert Luft- und Raumfahrttechnik und schreibt an ihrer Examensarbeit.«
»Oh, dann scheint sie ein kluges Madl zu sein«, sagte der alte Alois. »Respekt!«
Wolfi seufzte.
»Das ist sie, und Durchsetzungsvermögen hat sie auch. Der Bereich, den sie studiert, ist wohl noch eine Männerdomäne. Aber sie hat sich durchgebissen, wie sie mir erzählt hat. Bewundern kann man das schon«, sagte Wolfi. »Sie ist ein starkes Madl, das weiß, was es will.«
Toni trank einen Schluck Kaffee. »Hast du Angst vor starken Madln, Wolfi?«
»Na, so will ich das nicht sagen. Aber ich habe genaue Vorstellungen. Das Madl, das ich irgendwann hoffentlich finden werde, das muss Augenhöhe haben, verstehst du?«
Toni schüttelte den Kopf und grinste.
»Was gibt es da zu grinsen, Toni?«
»Wolfi, das hört sich ziemlich altmodisch an, findest du net? Schau mich und Anna an! Anna ist mir weit überlegen, was Bildung und Ausbildung betrifft. Sie ist eine Studierte. Sie hat Wirtschaft studiert und Karriere in einer Bank gemacht. Wie ist es jetzt? Sie lebt mit mir auf der Berghütte und ist meine Hüttenwirtin. Sie sagt mir jeden Tag, wie glücklich sie ist. Sie kann nicht verstehen, dass sie sich in ihrem anderen Leben wohlgefühlt hatte, wie sie ihr Leben in Hamburg nennt. Sie hat Kostüm und Stöckelschuhe gegen Dirndl und Haferlschuhe getauscht.«
»Du bist eben ein Glückspilz, Toni! Ich gönne es dir. Aber ich kenne sehr viele Fälle, da ist es schiefgegangen. Die Lebenswelten waren zu unterschiedlich. Außerdem, jetzt sei mal ehrlich, Toni! Hast du damals nicht auch Bammel gehabt? Du mit deinen Träumen, als Hüttenwirt auf der Berghütte und sie, die studierte Bankerin?«
»Ich habe Anna geliebt. Ich habe mich beim ersten Blick in sie verliebt. Ich wusste es einfach hier drinnen im Herzen«, sagte Toni mit Nachdruck und legte sich die Hand auf die Brust. »Ich war verliebt und habe sie erobert. Liebe hat doch nichts damit zu tun, was einer ist, was jemand hat und aus welchem Stall er kommt. Liebe baut Brücken. Liebe überbrückt die tiefsten Schluchten, um im Bild zu bleiben.«
Wolfi nickte. »Das ist mir schon klar, Toni. Aber dazu müsste ich mich verliebt haben. Das habe ich nicht. Ich empfinde nichts für Mira.«
Toni lächelte und nippte an seinem Kaffee. »Anna hat sich damals gegen jedes Gefühl gewehrt. Du weißt, dass sie mit einem Mann in Hamburg zusammen war. Doch dann führte uns die Liebe zusammen. Vielleicht entdeckst du doch noch die Liebe zu Mira?«
»Schmarrn! Dein Vergleich hinkt, Toni. Anna hatte sich in dich verliebt, wollte es aber nicht zugeben. Sie wehrte sich gegen alles, was mit den Bergen zu tun hat, weil ihre Eltern dort so tragisch verunglückt sind. Bei mir ist es nicht so. Ich wehre mich nicht gegen Gefühle. Es ist nur so, ich habe keine Gefühle, was Mira angeht. Da ist nichts, und da wird auch nichts werden.«
Wolfi trank seinen Kaffee aus. Er fragte Toni, ob er seine Klettersachen auf der Berghütte deponieren könne. Weil Toni keine Zeit für eine Klettertour hatte, wollte er nur eine Wanderung machen.
Toni und der alte Alois sahen Wolfi nach, wie er über das Geröllfeld ging.
»Ist schon tragisch, irgendwie«, sagte Toni leise. »Zuerst verliebt sich Wolfi in ein Madl, das ihn nicht will. Dann verliebt sich ein Madl in Wolfi, der nix für das Madl empfindet. Mal so, mal so! Er kann einem schon leidtun, der Wolfi. Er sehnt sich so nach einem Madl. Er will eine Familie haben.«
»Er kann es nicht erzwingen, Toni. Bestenfalls kann er warten oder vielleicht muss er von seinen, Idealen Abstriche machen. Nicht jedem ist die große Liebe vergönnt.«
»Na, Alois, das denke ich nicht. Die große Liebe, die gibt es für jeden Menschen«, sagte Toni. »Ich hoffe, dass es Wolfi gelingt, sie zu finden.«
Toni und der alte Alois gingen in die Küche. Sie bereiteten sich auf den Ansturm der Gäste zur Mittagszeit vor.
*
Tanjas Handy meldetet eine Nachricht. Sie war von ihrer besten Freundin Lina.
Hallo, Tanja, wollen wir uns in unserem Lieblingscafé treffen? Lina
Sie musste nicht lange überlegen und schrieb zurück:
Hallo, Lina, prima Idee! Warte dort auf mich! Tanja
Tanja, die Architektin war und in einem großen Architektenbüro arbeitet, druckte noch schnell den Plan aus, den sie fertiggestellt hatte. Dann raffte sie ihre Sachen zusammen und verließ das Großraumbüro.
Draußen schlug ihr die Hitze des Sommertages entgegen. Davon war in dem klimatisieren Büro nichts zu bemerken gewesen.
Tanja fuhr mit dem Auto in die Münchner Innenstadt. Sie gönnte sich das teure Parkhaus, denn sie wollte sich nicht auf die Suche nach einem Parkplatz machen.
Bald saß sie im Eiscafé und trank einen extragroßen Eiskaffee mit gewaltiger Sahnehaube.
»Was ist mit dir los?«, fragte Lina. »Seit zwei Wochen machst du dich rar. Du rufst nicht an. Warum meldest du dich nicht? Das bin ich nicht gewöhnt von dir.«
Tanja löffelte die Sahne in sich hinein. »Ich bin im Stress. Zum Glück ist Wochenende. Nächste Woche kommt endlich meine Omi aus ihrem Urlaub. Dann kann ich nachts auch wieder besser schlafen. Tut mir leid, dass ich mich nicht gemeldet habe. Aber ich hüte ja die Wohnung meiner Omi, und zu allem Überfluss hatte ich mein Handy verlegt. Und dann schlafe ich nicht mehr durch, weil mich dieses Vieh mehrmals nachts aus dem Schlaf reißt.«
»Du sprichst von dem dicken fetten unförmigen Kater deiner Großmutter, richtig? Ist er wirklich so schlimm?«
»Lina, er ist noch schlimmer. Du kannst dir das nicht vorstellen. Er schmollt, weil meine Omi verreist ist. Ist sie da, ist er ein richtiger Kuschelkater. Ist sie weg, verwandelt er sich in eine Bestie, in ein kratzendes, beißendes, zerstörerisches Ungeheuer. Er klaut mir alle Nerven und die Nachtruhe. Ich bin in der Firma schon mehrmals eingeschlafen, einfach so am Schreibtisch. Er ist unmöglich!«
»Du übertreibst doch.«
»Lina, ich übertreibe nicht. Er verwüstet die Wohnung. Ich habe alle Gegenstände ins Badezimmer eingeschlossen, die zerbrechen können. Aber er findet immer noch etwas, was er umwerfen kann. Letzte Nacht machte er sich über das Besteck her. Ich hatte gestern Abend noch gespült und hatte Geschirr und Besteck in den Geschirrständer getan. Heute Nacht werde ich von einem Klirren und Scheppern aus dem Tiefschlaf gerissen. Mohrle hatte das Besteck auf den gefliesten Küchenboden geworfen. Ich hätte ihm am liebsten den Hals umgedreht. Als ich in die Küche kam, saß er oben auf dem Küchenschrank und putzte sich. Tat vollkommen unschuldig. Ich mache drei Kreuze, wenn Omi nächste Woche wieder hier ist. Bei ihr macht er solche Sachen nie, nur bei mir.« Tanja trank einen Schluck Eiskaffee. »Mir graust schon vor dem, was er wieder angestellt hat. Mit Wonne kratzt er das Katzenstreu aus der Katzentoilette und verteilt es über den ganzen Flur. Es ist jeden Abend so, als Erstes muss ich sauber machen.«
»Er drückt eben seinen Missmut aus, dass deine Omi nicht da ist. Katzen sind sehr feinfühlig.«
»Das weiß ich. Aber ich kann jeden Abend aufräumen und sauber machen. Er wirft Bücher vom obersten Regalbrett. Im letzten Jahr war es genauso. Meine Omi hatte mir es nicht geglaubt. Dieses Jahr habe ich Fotos gemacht.« Tanja holte ihre Digitalkamera aus der Handtasche und zeigte Lina die Bilder.
»Himmel, der macht ja Sachen! Das sieht ja wirklich schlimm aus.«
»Das habe ich doch gesagt! Mohrle ist ein Teufel, das schwöre ich. Ich gehe jede Wette ein, dass ich gleich wieder mal eine Stunde Ordnung machen darf.«
»Warum sperrst du ihn nicht in ein Zimmer?«, fragte Lina.
»Vergiss es! Das habe ich probiert. Ich habe ihn tagsüber, während ich arbeitete, in die Gästetoilette gesperrt. Es war reine Verzweiflung. Ich habe ihm seine Katzentoilette hineingestellt und Futter, Wasser und sein Katzenkörbchen. Aber«, Tanja seufzte, »ich hatte vergessen, das Waschbecken abzuräumen und ein Regal. Was war das Ergebnis? Scherben und ein Besuch beim Tierarzt!«
An der Wand hatte Großmutter ein kleines Regal aufgestellt, auf dem Parfumflaschen standen. Tanja war der Meinung gewesen, dass Mohrle nicht dahin gelangen konnte.
»Das war ein Irrtum. Er hat es geschafft, das Regal abzuräumen. Die Flaschen zerbrachen auf dem Fliesenboden. Und er schnitt sich an einer Scherbe in die Pfote. Du glaubst nicht, wie ich erschrocken war. Dann ging es los. Ich musste ihn einfangen, in den Transportkorb setzen und zum tierärztlichen Notdienst bringen. Der Tierarzt wollte wissen, wie es passiert sei. Als ich es ihm berichtete, wurde er sehr ärgerlich. Ich hätte ihn nicht einsperren dürfen, tadelte er mich. Der Kater vermisse sein Frauchen. Ihn dann noch zu kasernieren, das sei nicht richtig.«
»Der hat wohl eine Meise. Tyrannisieren kannst du dich doch auch nicht lassen. Hast du ihm nicht die Fotos gezeigt?«
»Ach, vergessen wir es! Am Montagmorgen kommt meine Omi zurück, dann bin ich erlöst. Samstag und Sonntag, die zwei Tage und den heutigen Abend, das schaffe ich noch.«
»Ich komme mit dir, Tanja. Wenn du willst, kann ich dir übers Wochenende Gesellschaft leisten. Mein Liebster ist auf Geschäftsreise und kommt erst am Dienstag zurück.«
»Das würdest du tun? Das wäre wunderbar. Vielleicht bringst du ihn zur Ruhe?«
»Das werden wir sehen.«
Sie gingen zum Parkhaus und holten ihre Autos. Dann fuhren sie zu dem kleinen Einfamilienhaus mit dem großen Garten, das an der Münchner Stadtgrenze lag.
Schon beim Eintreten sah Lina, dass Tanja nicht übertrieben hatte. Die Haustür knirschte, als Tanja sie öffnete. Katzenstreu war im Flur verstreut. Mohrle saß im Wohnzimmer auf dem leeren obersten Bücherbrett und miaute kläglich. Aber nicht nur das Bücherbrett hatte er abgeräumt, sondern auch die Bretter darunter.
Tanja verteilte sofort die Arbeit. Lina sollte die Bücher neu einsortieren. Sie selbst würde den Flur säubern.