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Studienarbeit aus dem Jahr 1997 im Fachbereich Theologie - Biblische Theologie, Note: 1,0, Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Erzählungen der Genesis sind, abgesehen von den Texten, die sich für die feministische Theologie eignen, gegenwärtig weitgehend in die Kinderzimmer verbannt. Die vorliegende Auslegung von Gen 181-15 hat zum Ziel, den ursprünglichen Sinngehalt des Textes wieder zur Sprache zu bringen, um so methodisch verantwortlich einen Transfer in unsere Gegenwart zu ermöglichen.
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Veröffentlichungsjahr: 2006
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Die Erzählungen der Genesis sind, abgesehen von den Texten, die sich für die feministische Theologie eignen, gegenwärtig weitgehend in die Kinderzimmer verbannt. Die vorliegende Auslegung von Gen 181-15 hat zum Ziel, den ursprünglichen Sinngehalt des Textes wieder zur Sprache zu bringen, um so methodisch verantwortlich einen Transfer in unsere Gegenwart zu ermöglichen.
Bevor der auszulegende Text übersetzt werden kann, sollte er textkritisch untersucht werden. Aufgabe dieses Arbeitsschrittes ist es, jener Textgestalt möglichst nahe zu kommen, in der sich Gen 181-15 nach der Endredaktion des Pentateuch dargeboten hat. Die wichtigsten Handschriftenfamilien für das hebräische Alte Testament sind (in dieser Reihenfolge) der MT, die LXX und der samaritanische Text (ST), die aber in sich ebenfalls differieren können.1Allerdings verbietet es die Überlieferungslage, allein auf Grund äußerer Bezeugung zu entscheiden.2Im folgenden werden nur solche Varianten berücksichtigt, die wenigstens von einigem Gewicht oder überlieferungsgeschichtlich bedeutsam sind.3In der vorliegenden Perikope fällt zunächst in V. 1 auf, daß der Plural,ינלאבwie er sich im MT findet, der Singularformןלאבin der LXX, im ST sowie in der Vg gegenübersteht. Ausschlaggebend für die Entscheidung, welche Lesart die ursprünglichere ist, sind zunächst die anderen Stellen, an denen dies Baumheiligtum erwähnt wird: In Gen 126, 1318, 1413 und Dtn 1130 ist der Singular anzutreffen. Außerdem ist in 184.8je von einem Baum die Rede, und zwar determiniert, als sei es der einzige/ der bereits erwähnte.4Einem lokalen Heiligtum scheint es außerdem adäquater, von einem einzigen hervorstechenden Naturdenkmal auszugehen (vgl. nur Gen 2811). So sprechen die inneren Gründe eindeutig dafür, daß die Singular-Version besser ist, der Plural ist unverständlich und darum auch nicht als lectio difficilior anzusprechen. Die Änderung zu erklären wird allerdings schwerfallen: Sie ist erst in
1VerwendeteBibelausgaben: Biblia Hebraica Stuttgartensia, ed. K. Elliger et W. Rudolph, Editio quarta emendata 1990 (= BHS). Biblia Hebraica (= BHK3), ed. R. Kittel, Leipzig31937. A. v. Gall, Der hebräische Pentateuch der Samaritaner, Giessen 1914-1918 (Nachdruck 1963). Septuaginta, ed. A. Rahlfs, Editio minor, Duo volumina in uno, Stuttgart 1979. Biblia Sacra iuxta Vulgatam Versionem, ed. R. Gryson e.a., editione quarta emendata, Stuttgart 1994. Novum Testamentum Graece, ed. E. Nestle/ K. Aland271993 (= NA27).
2Vgl. zu diesem Abschnitt E. Tov, Textual Criticism of the Hebrew Bible, Minneapolis/ Assen 1992, S. 293-311. Sowohl hinsichtlich innerer wie auch äußerer Kriterien orientiert sich die vorliegende Arbeit an diesem Abschnitt.ὁ ϱ ὰ ῦ ῦ3So bleiben z.B. die LXX-Versionenθεόςin V. 1 undπα το θεοunerörtert. Im Verzeichnis der in Qumran gefundenen Texte von E. Ulrich, An Index of the Passages in the Biblical Manuscripts from the Judean Desert (Part 1: Genesis-Kings), DSD 1 (1994) ist zu Gen 181-15 keine Variante angegeben.4Vgl.R. Kümpel, Die "Begegnungstradition" von Mamre, in: Bausteine biblischer Theologie, FS G.J. Botterweck, hg. v. H.-J. Fabry (= BBB 50), S. 153. Vgl. W. Gesensius/ E. Kautsch, Hebräische Grammatik (GesK), Leipzig281909 (Nachdruck 1962), § 35a.
