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Folge 18: In Bunburry läuten die Hochzeitsglocken! Doch die festliche Stimmung nimmt eine düstere Wendung, als das Haus von Rakesh Choudhury, dem angesehenen Besitzer des beliebten indischen Restaurants, von Vandalismus heimgesucht wird. Wer könnte so etwas Schreckliches getan haben? Die Polizei ermittelt, aber Hobbydetektiv Alfie McAlister glaubt, dass noch andere Eifersüchteleien und versteckter Groll im Spiel sind. Ist er der Einzige, der die Wahrheit herausfinden kann?
Über die Serie:
Frische Luft, herrliche Natur und weit weg von London! Das denkt sich Alfie McAlister, als er das Cottage seiner Tante in den Cotswolds erbt. Und packt kurzerhand die Gelegenheit beim Schopfe, um der Hauptstadt für einige Zeit den Rücken zu kehren. Kaum im malerischen Bunburry angekommen, trifft er auf Liz und Marge, zwei alte Ladys, die es faustdick hinter den Ohren haben und ihn direkt in ihr großes Herz schließen. Doch schon bald stellt Alfie fest: Auch wenn es hier verführerisch nach dem besten Fudge der Cotswolds duftet - Verbrechen gibt selbst in der schönsten Idylle. Gemeinsam mit Liz und Marge entdeckt Alfie seinen Spaß am Ermitteln und als Team lösen die drei jeden Fall!
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Seitenzahl: 166
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Frische Luft, herrliche Natur und weit weg von London! Das denkt sich Alfie McAlister, als er das Cottage seiner Tante in den Cotswolds erbt. Und packt kurzerhand die Gelegenheit beim Schopfe, um der Hauptstadt für einige Zeit den Rücken zu kehren. Kaum im malerischen Bunburry angekommen, trifft er auf Liz und Marge, zwei alte Ladys, die es faustdick hinter den Ohren haben und ihn direkt in ihr großes Herz schließen. Doch schon bald stellt Alfie fest: Auch wenn es hier verführerisch nach dem besten Fudge der Cotswolds duftet - Verbrechen gibt selbst in der schönsten Idylle. Gemeinsam mit Liz und Marge entdeckt Alfie seinen Spaß am Ermitteln und als Team lösen die drei jeden Fall!
In Bunburry läuten die Hochzeitsglocken! Doch die festliche Stimmung nimmt eine düstere Wendung, als das Haus von Rakesh Choudhury, dem angesehenen Besitzer des beliebten indischen Restaurants, von Vandalismus heimgesucht wird. Wer könnte so etwas Schreckliches getan haben? Die Polizei ermittelt, aber Hobbydetektiv Alfie McAlister glaubt, dass noch andere Eifersüchteleien und versteckter Groll im Spiel sind. Ist er der Einzige, der die Wahrheit herausfinden kann?
Alfie McAlister entflieht der Londoner Hektik und tauscht sie gegen die Ruhe und Stille der Cotswolds ein. Leider ist die Idylle im Herzen Englands tödlicher als erwartet …
Margaret »Marge« Redwood und Clarissa »Liz« Hopkins leben schon ihr ganzes Leben lang in Bunburry. Sie sind bekannt für den besten Karamell der Cotswolds. Zwischen dem Afternoon Tea und dem abendlichen Gin sind sie kleineren Schnüffeleien nicht abgeneigt.
Emma Hollis liebt ihren Beruf als Polizistin. Und Alfie McAlister.
Betty Thorndike ist eine Kämpferin. Vor allem kämpft sie für Tierrechte. Sie ist das einzige Mitglied von Bunburrys Grüner Partei, macht gerne Yoga und ist mit Haridasa, den Bruder des Pfarrers liiert.
Oscar de Linnet lebt in London. Er ist der beste Freund von Alfie und versucht ihn zurück in die Stadt zu locken. Schließlich »kann auf dem Land jeder gut sein. Dort gibt’s keine Versuchungen.«
Augusta Lytton ist Alfies Tante. Auch nach ihrem Tod ist sie immer für eine Überraschung gut …
Harold Wilson war Polizeichef von Bunburry, aber nach seinem Herzinfarkt hat er sein Leben komplett umgekrempelt.
BUNBURRY ist ein malerisches Dorf in den englischen Cotswolds. Doch hinter der perfekten Fassade lauern finstere Geheimnisse …
HELENA MARCHMONT
Achtsame Ermittlungen
Aus dem Englischen von Sabine Schilasky
»Hass macht genauso blind wie Liebe.«
Oscar Wilde
Der Nachthimmel war tintenschwarz und der Mond nicht mehr als ein silbernes Komma, das über dem Dorf Bunburry hing. Aus der Ferne wehten schwache Geräusche von Musik und Feiernden herbei. Doch in dieser schmalen Kopfsteinpflastergasse befand sich keine Menschenseele, abgesehen von den zwei dunkel gekleideten Gestalten, die durch die Schatten schlichen.
Von Kopf bis Fuß schwarz gewandet, die Gesichter von Skimasken verdeckt, bewegten sie sich zielgerichtet und präzise, um die blassen Lichtkegel der viktorianischen Straßenlaternen zu meiden.
»Hier ist es.« Es war eine Männerstimme, deren heiseres Flüstern vom Wind davongetragen wurde. Der Mann, dem diese Stimme gehörte, zeigte auf einen engen Gang seitlich von einem Gebäude, in dem es keine Straßenbeleuchtung gab.
Sein schmächtigerer Gefährte nickte stumm und folgte ihm zu einer Tür, wo er eine dunkle Tasche abstellte und den Reißverschluss aufzog.
Der große Mann kniete sich neben sie und nahm einen Benzinkanister sowie eine Schachtel mit langen Streichhölzern und ein Stück Stoff heraus.
»Bereit?«, fragte er leise und hielt die Streichhölzer in die Höhe.
Sein Begleiter schüttelte den Kopf und sagte grummelnd: »Ich bleibe lieber an der Ecke, Ausschau halten.« Er ging weg, ohne eine Antwort abzuwarten.
Der Mann neben der Tasche schnaubte angewidert, wollte aber keine Zeit verschwenden, indem er darauf bestand, dass sie zusammenarbeiteten. Wichtig war bloß, dass die Aufgabe erledigt wurde.
Er tränkte den Stofffetzen mit Benzin, öffnete dann lautlos den Briefschlitz und schob ihn durch, bis er den Boden auf der anderen Seite erreichte, aber noch ein Zipfel draußen war.
Dann hielt er den Atem an und entzündete ein Streichholz.
Debbie Crawshaw, Besitzerin von Bunburrys bestem (und einzigem) Schönheitssalon, setzte ihr strahlendstes Lächeln auf.
Dies hier war eine Hochzeit, und eine Hochzeit war einer der schönsten Anlässe, die es gab. Die Kirche sah besonders schön aus. Marge Redwood hatte sich mit dem Blumenschmuck selbst übertroffen. Kleine Sträuße aus Lavendel, Rosen und Schleierkraut steckten an den Seiten aller Kirchenbänke. Hohe Bodenvasen mit Kaskaden von Hortensien, Rittersporn und Efeu flankierten die Türen. Und dann war da das umwerfende Arrangement von Lilien und Orchideen auf dem Altar.
Zu dem Blumenduft mischte sich der von poliertem Holz. Sonnenlicht strömte durch die Buntglasfenster und warf farbige Muster auf die Steinfliesen. Liz Hopkins spielte etwas Wundervolles auf der Orgel, klassisch, aber mit einer hübschen Melodie.
Als Debbie sich umschaute, wurde ihr Lächeln noch breiter. Und gleichzeitig konnte sie nicht umhin, sich mit einer Spur von Traurigkeit zu fragen, ob sie jemals als Braut diesen Mittelgang entlangschreiten würde, anstatt nur in einer geschmückten Kirchenbank zu sitzen.
Sie blickte zu Alfie McAlister, der am Altar stand, groß und schlank, besser aussehend denn je in einem blassgrauen Anzug, das braune Haar ein wenig in die Stirn fallend.
Debbie hatte sich mal Hoffnungen auf ihn gemacht, aber er hatte seine Wahl getroffen, und die war auf Police Constable Emma Hollis gefallen. Emma war eine sehr nette Frau, keine Frage, auch wenn Debbie fand, dass sie nichts aus sich machte. Würde Emma doch nur mal in den Salon kommen! Sie trug ihr Haar viel zu streng. Debbie würde mehr Stufen und Textur in ihren Bob bringen, um ihm einen volleren, leicht zerzausten Look zu geben, und sie zu Make-up beraten. Ein Mascara für mehr Volumen und ein warmer Taupe-Lidschatten wären perfekt, mit einem kleinen Goldschimmer in der Lidmitte. Und ein Hauch Anthrazit-Lidschatten unter dem unteren Lid, für den Smoky-Effekt.
Emmas ältere Schwester Laura saß auf der anderen Seite des Gangs. Es hatte keine Einteilung nach Braut- oder Bräutigamseite gegeben, sondern alle setzten sich einfach dahin, wo frei war, als sie kamen. Die Kirche war gerappelt voll. Das ganze Dorf musste hier sein, weil alle unbedingt die Hochzeit sehen wollten.
Laura saß mit ihrem Partner zusammen, Emmas Vorgesetztem, Sergeant Daniel Angel. Er war inzwischen eine feste Institution in Bunburry, seit Sergeant Harold Wilson aus gesundheitlichen Gründen in den Vorruhestand geschickt worden war. Der neue Sergeant mit seinem blonden Haarschopf und den wie gemeißelten Zügen machte seinem Namen alle Ehre.
Miss Radford-Jones, die mindestens neunzig sein musste, saß in einem wie üblich eleganten Hosenanzug in der vordersten Reihe, das stahlgraue Haar zu einem Chignon aufgesteckt. Ihre eine Hand ruhte auf ihrem Gehstock, der eher ein stilvolles Accessoire denn eine Notwendigkeit zu sein schien. Debbie hatte Miss Radford-Jones von jeher als eine ferne, unnahbare Gestalt in ihrem riesigen Herrenhaus am Dorfrand empfunden. Doch seit die alte Dame einen Teil ihres Zuhauses der öffentlichen Bücherei zur Verfügung stellte, schien sie regelrecht aufzuleben.
Neben ihr saß Gwendolyn, die Bibliothekarin, einzigartig in dem Dorf, weil sie ein Goth war. Debbie konnte sie nur von hinten sehen, aber ihr scharfer Blick dafür, wie Leute gekleidet waren, registrierte sofort, dass Gwendolyn nicht ihr übliches mehrlagiges Kleid anhatte. Stattdessen trug sie ihr besonderes mehrlagiges schwarzes Kleid und dazu eine schwere silberne Halskette. Angesichts des Anlasses war Debbie sich sicher, dass Gwendolyn die Kette trug, die sie auch am World Goth Day anlegte: ein großes rotes Herz, umrankt von schwarzen Rosen.
Der alte Tom saß auf der anderen Seite von Miss Radford-Jones, das Haar mit Pomade zurückgekämmt und den Bart frisch in Form gestutzt. Es war rührend, dass sich die Leute solche Mühe gegeben hatten.
Debbie blickte hinter sich. Da war Dr. Anderson mit seiner Frau, die neben Schwester Gibb und deren Familie saßen. Mrs Burgess hatte sich direkt hinter Dr. Anderson gepflanzt und flüsterte auf ihn ein. Mrs Burgess zählte zu jenen Menschen, denen man unterstellen konnte, dass sie es genossen, nicht gesund zu sein. Dauernd stimmte etwas mit ihr nicht, dabei war Debbie sich sicher, dass es ihr bestens ginge, würde die Frau weniger Serien am Stück auf DVD gucken und sich ein bisschen mehr bewegen. Genau das hatte Debbie so taktvoll wie möglich vorgeschlagen, als Mrs Burgess zu ihrer üblichen Massage in den Salon kam, doch sie hatte es nicht gut aufgenommen. Vielmehr hatte sie gesagt, gäbe es einen anderen Salon in Bunburry, würde sie Debbies nie wieder betreten.
Debbie wandte ihre Aufmerksamkeit von Mrs B. ab und Sumi Chong und Tara Davies zu – ihr Magnolia Inn lief so glänzend, dass sie sich genug Personal leisten konnten, um sich zusammen für diese Hochzeit freizunehmen. Beide trugen eine Magnolienblüte im Haar anstelle eines Huts oder Fascinators, auch wenn Debbie diesen exotischen Touch bei Sumi mit ihrem pechschwarzen Haar passender fand als bei einer Blondine wie Tara.
Auf der anderen Seite des Gangs saß Rakesh Choudhury. Es war immer noch ein Schock, ihn ohne seine Frau zu sehen. Debbies Salon befand sich gegenüber von seinem Restaurant, und sie war selten hingegangen, um sich einen Mango Lassi oder eine Portion Chana Masala zu holen, ohne mit Saroj zu plaudern. Es war schwer zu begreifen, dass sie nicht mehr da war. Rakeshs zwei niedliche Söhne zappelten in der Kirchenbank, obwohl ihre Cousine Nithya sich bemühte, die beiden im Zaum zu halten.
Und da war Noah, inzwischen auf der weiterführenden Schule, aber immer noch eine Stütze der Dorfbücherei. Er bemerkte Debbies Blick und winkte ihr zu, bevor er hastig den Arm senkte, weil er offensichtlich unsicher war, ob man in einer Kirche winken durfte. Seine Mutter Sonia saß sehr nahe bei ihrem Freund, dem gut gebauten Survival-Experten Neil Walker.
Anscheinend fanden dieser Tage alle Partner, bis auf Debbie.
Das war lächerlich, sagte sie sich. Sie durfte nicht an sich denken. Heute ging es nicht um sie, sondern um einen Mann und eine Frau, die in den heiligen Bund der Ehe eintraten.
Der Bräutigam schaute verstohlen auf seine Uhr, und der Vikar ging zu ihm, um ihm beruhigend auf die Schulter zu klopfen.
Debbie war nahe genug, dass sie hörte, was er sagte.
»Es ist das Vorrecht der Braut, sich zu verspäten. Keine Sorge, ich habe noch nie erlebt, dass eine von ihnen gar nicht kam.«
Jemand weit vorn raunte ein wenig zu laut: »Es gibt für alles ein erstes Mal.« Und es wurde leise gelacht. Debbie schürzte die Lippen. Dies war wirklich weder die Zeit noch der Ort für kindische Scherze. Natürlich würde die Braut kommen. Oder etwa nicht?
Einen Moment später wechselte die Orgelmusik zum Hochzeitsmarsch. Alle standen auf und drehten sich zur Tür.
Obwohl Debbie wusste, was sie erwartete, hauchte sie verzückt beim Anblick der Braut, die nun am Arm von Mr Harper die Kirche betrat, gefolgt von ihrer älteren Ehrenbrautjungfer. Das Brautkleid war perfekt: elfenbeinfarbener Satin in A-Linie mit eng anliegendem Miederteil und leicht ausgestelltem Rockteil zur Wade hin. Es war ein besonders schmeichelnder Stil, da Dorothy von der Post recht – Debbie suchte nach dem richtigen Wort – weibliche Hüften besaß.
Vor einer Stunde hatte Debbie das Make-up für Dorothy vorbereitet.
»Ich habe alles hier«, sagte sie. »Eine feuchtigkeitsspendende Basis, eine leichte Grundierung und nur einen Tick Concealer.«
Dorothy hatte unsicher gekichert. »Bei dir klingt es, als wäre ich eine baufällige Bretterbude.«
»Ganz und gar nicht«, erwiderte Debbie ernst. »Wir verstärken nur deine natürliche Schönheit. Pfirsichfarbenes Rouge, ein Satin-Lippenstift mit einem herrlich kultivierten Effekt, und ein Spritzer Fixierspray, damit deine Haut wunderbar taubenetzt wirkt. Er wird gar nicht aufhören können, dich anzusehen.«
Sie hatte recht gehabt. Harold Wilson sah Dorothy voller Bewunderung an, und sein Adamsapfel wippte auf und ab, als er angestrengt schluckte. Der kürzlich pensionierte Police Sergeant schien so benommen, dass es umso besser war, Alfie als Trauzeugen neben ihm zu wissen, der auf ihn achtgab.
Debbie war nicht klar gewesen, dass Ex-Sergeant Wilson und Alfie befreundet waren, wie sie gegenüber Liz und Marge erwähnte, als sie schließlich im Gemeindesaal waren, alle Reden hinter ihnen lagen und das Essen serviert wurde.
»Befreundet?« Marge schnaubte verächtlich, während sie sich über noch ein Blumenkohl-Pakora hermachte. »Sei nicht dumm!«
Schaute man sich die beiden alten Damen an, dachte Debbie, würde man glaube, dass Liz diejenige war, mit der man sich nicht anlegen sollte, war sie doch die größere, kräftigere und sogar ältere von beiden. Marge hingegen war klein, hatte etwas von einem zarten Vogel und dichte weiße Locken, die Debbie zu gern metallic-violett färben würde. Allerdings hätte sie nie und nimmer den Mut, so etwas vorzuschlagen. Denn Liz war stets ruhig und sanft, aber bei Marge konnte man niemals ahnen, wie übel sie auf eine harmlose Bemerkung reagierte.
»Er hat eine ganz reizende Trauzeugenrede gehalten«, sagte Debbie. »Es ist nur, dass ich die beiden noch nie zusammen gesehen habe. Überhaupt nie.«
»Ich hoffe doch, dass Alfie mehr Verstand hat, als sich mit Harold Wilson anzufreunden«, entgegnete Liz weder ruhig noch sanft, die ein gefülltes Paratha auseinanderzupfte. »Weißt du noch, wie Harold ihn ohne jeden Grund verhaftet und eingesperrt hat? Gott sei Dank, dass er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand gegangen ist. Er war nichts als ein Westentaschendiktator, eine Schande für die Polizei.«
Zu spät fiel Debbie wieder ein, dass der Ex-Sergeant ein Thema war, bei dem Liz verlässlich an die Decke ging. Als Emmas Großtante war Liz fest davon überzeugt, dass der Sergeant fünfundneunzig Prozent der Arbeit auf Emma abgewälzt hatte, um dann fünfundneunzig Prozent des Lobs einzuheimsen. Bei einer traditionellen Sitzordnung in der Kirche hätte Liz definitiv nicht auf der Seite des Bräutigams gesessen. Andererseits hätten es dann wohl die meisten nicht, überlegte Debbie. Es war Dorothys Hochzeit, zu der sie hier waren. Die fröhliche Postbotin trug nicht bloß die Briefe und Pakete im Dorf aus, sondern auch die neuesten Nachrichten, und sie war ein unverzichtbarer Teil von Bunburry.
»Ich habe keine Ahnung, warum Alfie zugestimmt hat, Trauzeuge zu sein«, sagte Liz.
Marge seufzte. »Du kennst Alfie doch. Er ist so gutmütig und tut alles, worum ihn jemand bittet.«
Kurzzeitig war Debbie in Gedanken versunken, als sie sich vorstellte, worum sie Alfie bitten könnte. Dann wurde ihr bewusst, dass Marge noch sprach, und sie tat, als hätte sie die ganze Zeit zugehört.
»… für die Hochzeitsfotos«, sagte Marge. »Alfie macht auf jeden Fall mehr her als der Haufen Säufer, mit denen Harry Wilson sich abgibt.«
»Das ist ein wenig unfreundlich, meine Liebe.« Liz war wieder nachsichtig wie immer. »Es ist nur eine Gruppe von Freunden, die sich gern bei ein paar Drinks unterhalten.«
»Oder zehn«, konterte Marge. »Und solch gute Freunde können die nicht sein, wenn sie nicht zum Essen hier sind, sondern nur für den Abendempfang eingeladen.«
»Genau genommen«, sagte Debbie, »ist mir aufgefallen, dass sich Sergeant Wilson nicht mehr so oft mit ihnen trifft. Ich habe ihn schon ewig nicht mehr im Drunken Horse gesehen.«
»Das ist Dorothy zu verdanken«, erklärte Marge weise. »Sie passt auf, dass er gesund bleibt. Immerhin ist sie schon einmal verwitwet, und sie will nicht gleich wieder einen Ehemann verlieren.«
Liz legte warnend eine Hand auf den Arm ihrer Freundin. »Wechsle lieber das Thema, meine Liebe. Rakesh kommt und bringt mehr Essen.«
Als sich der Besitzer des From Bombay To Bunburry, des indischen Restaurants im Dorf, mit großen Platten voller Curry und Reis näherte, riefen ihm die Gäste von allen Seiten Lob zu.
»Rakesh, Sie haben sich selbst übertroffen – das ist wunderbar«, sagte Liz, sobald er bei ihnen war.
»Einfach perfekt«, stimmte Debbie zu.
»Ich hoffe, es gibt mehr von diesem Spinatdings«, sagte Marge.
»Selbstverständlich«, antwortete Rakesh lächelnd. »Ich habe es extra für Sie gemacht.«
Als er wegging, um mehr Brot und Chutneys zu holen, sagte Marge: »Der arme, arme Mann. Was für eine Tragödie! Ich frage mich manchmal, wie er es Tag für Tag schafft.«
»Er muss an die Jungen denken«, erinnerte Liz sie. »Und sicher hat er es genossen, mit dem Catering für die Hochzeit etwas anderes zu machen.«
»Ob sie ihn deswegen genommen haben?«, fragte Debbie. »Normalerweise bekommt man bei Hochzeiten kein indisches Essen.«
»Bei indischen Hochzeiten sicher doch«, konterte Marge spitz. »Und, nein, Dorothy und Harry haben ihn nicht aus lauter Herzensgüte engagiert, sondern weil sie beide sein Essen lieben.«
»Das tue ich auch«, sagte Debbie. »Ich bezweifle allerdings, dass es dem alten Tom genauso geht. Er ist nicht sehr abenteuerlustig.«
»Keine Sorge«, beruhigte Liz sie. »Rakesh hat darauf geachtet, dass jeder etwas bekommt, was ihm schmeckt. Der alte Tom zum Beispiel hat Hähnchen und Pommes frites serviert bekommen.«
Besagter alte Tom bemerkte, dass Debbie zu ihm schaute, und reckte den Daumen in ihre Richtung. Sie erwiderte seine Geste mit einem kleinen Winken und ihrem strahlenden Hochzeitslächeln. Doch noch etwas anderes wunderte sie.
»Mich hat überrascht, dass die Feier nicht im Magnolia Inn stattfindet«, sagte sie. »Aber ich vermute, man kann nicht erwarten, dass Rakesh in der Küche dort kocht.«
»Nein, das ist es nicht, meine Liebe«, erklärte Liz. »Das Magnolia Inn mag ein Luxushotel sein, aber es ist noch recht neu hier. Dorothy ist in Bunburry geboren und aufgewachsen, und sie sagte, es ist von jeher Tradition, dass man in der hiesigen Kirche heiratet und im Gemeindesaal feiert.«
Marge schnaubte spöttisch und aß gleichzeitig von dem Spinat-Paneer auf ihrem Teller. »Das war schon immer die Tradition für Kirchgänger. Dorothy lässt sich nur an Weihnachten und Ostern zum Gottesdienst blicken, und ich bin mir ziemlich sicher, dass Harry Wilson heute zum ersten Mal in einer Kirche war. Der Vikar ist viel zu lasch, wenn ihr mich fragt.«
»Und ich bin mir ziemlich sicher, dass dich niemand gefragt hat, meine Liebe«, murmelte Liz.
»Aber es stimmt doch«, beharrte Marge. »Erinnerst du dich noch an den vorherigen Vikar? Bei ihm musste man regelmäßiger Kirchgänger sein, damit er überhaupt erwog, einen zu trauen, und er duldete nichts von diesem Quatsch, vorher erst mal zusammenzuleben. Der Vikar in Rimingford hält es genauso.«
»Du meine Güte, du klingst wie eine alte Grantlerin. Man würde kaum glauben, dass du ein Kind der Sechziger bist«, entgegnete Liz. »Der frühere Vikar war ein engstirniger Spaßverderber, der einige sehr unangenehme Ansichten vertrat. Wir können von Glück reden, einen solch mitfühlenden Nachfolger wie Philip zu haben.«
»Es gibt mitfühlend, und es gibt trottelig«, sagte Marge. »Wir haben hier lauter Leute, die in unserer Kirche heiraten wollen, bloß weil es hier so malerisch ist, und in neun von zehn Fällen macht Philip das mit. Aber es ist unsere Kirche, keine Fotokulisse. Wegen all der anderen Hochzeitsbuchungen mussten Dorothy und Harry in dieser Jahreszeit heiraten, wenn es um sieben Uhr abends stockdunkel ist.«
»Und wie schön, dass uns eine Hochzeit diese dunkle Jahreszeit erhellt«, folgerte Liz.
»Außerdem ist Harry Wilson geschieden«, merkte Marge krittelnd an.
»Marge, meine Liebe, Geschiedene können seit über zwanzig Jahren kirchlich heiraten, solange der Vikar ihre Absichten überzeugend findet.«