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Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Theologie - Praktische Theologie, Note: 1,0, Universität Augsburg (Theologische Fakultät), Sprache: Deutsch, Abstract: Es besteht die landläufige Meinung, das II. Vatikanische Konzil habe das Latein als Liturgiesprache abgeschafft und tatsächlich findet man mit Ausnahme mancher Ordenskirchen kaum noch Messen in lateinischer Sprache. Dieses Verschwinden des Lateinischen ist auch nicht auf die katholische Kirche in Deutschland beschränkt. Liest man die Texte des Konzils, so erkennt man nicht nur hier, dass die Konzilsinterpretation bzw. dessen Umsetzung häufig mit den Texten verwechselt wird, obwohl sie nicht selten über die Textintention hinausgeht. Der folgende Text zeigt, dass es den Konzilsvätern um die Zulassung der Volkssprache ging, ohne dass damit das Latein gänzlich verdrängt wird. Ein kluger Mann hat einmal festgestellt: „Das Konzil wollte die Volkssprache in der Liturgie, nicht die Liturgie in der Volkssprache.“ Angesichts der heutigen Globalisierung, dem unverminderten Reisetrend und der Tendenz, alles in englischer Sprache auszudrücken, ist es sicher ein Verlust, dass die katholische Kirche ihre weltweite Sprache nahezu aufgegeben hat und man nicht mehr in der ganzen Welt an einer Messe aktiv teilnehmen und mitbeten kann. Der Vorstellung der Texte des Konzils folgt zunächst ein Abriss, in dem dargestellt wird, welche Rolle das Lateinische als Liturgiesprache bis ins 20. Jahrhundert spielte. Im zweiten Hauptteil wird dann auf das Zweite Vatikanische Konzil und seine Öffnung zur Volkssprache näher eingegangen. Der dritte Teil befasst sich mit der Folgezeit, die zum einen aus weiterführenden Instruktionen und Stellungnahmen des kirchlichen Lehramtes bestand, zum anderen aber neben breiter Zustimmung immer wieder Kritik und Widerstand hervorrief.
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Veröffentlichungsjahr: 2005
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Beginnen möchte ich diese Abhandlung über die Liturgiesprache mit einer provokanten Äußerung, die der Benediktinerpater und große Verteidiger der römischen Liturgie Prosper Guéranger1in seiner Liturgischen Unterweisung aus dem Jahr 1840 machte: „Haß gegen die lateinische Sprache ist dem Herzen aller Feinde Roms angeboren; sie sehen in ihr das Band der Katholiken auf dem Erdkreise, das Arsenal der Rechtgläubigkeit gegen alle Subtilitäten des Sektengeistes … Gestehen wir es, es ist ein Meisterstück des Protestantismus, der heiligen Sprache den Krieg erklärt zu haben; wenn es gelingen könnte, sie zu zerstören sein Triumph würde weit vorgerückt sein.“2
Nun besteht die landläufige Meinung, das II. Vatikanische Konzil habe das Latein als Liturgiesprache abgeschafft und tatsächlich findet man mit Ausnahme mancher Ordenskirchen, ich denke z.B. an die Zisterzienser, kaum noch Messen in lateinischer Sprache.3Dieses Verschwinden des Lateinischen ist meines Erachtens auch nicht auf die katholische Kirche in Deutschland beschränkt. Liest man die Texte des Konzils, so erkennt man nicht nur hier, dass die Konzilsinterpretation bzw. dessen Umsetzung häufig mit den Texten verwechselt wird, obwohl sie nicht selten über die Textintention hinausgeht.
Wir werden sehen, dass es den Konzilsvätern um die Zulassung der Volkssprache ging, ohne dass damit das Latein gänzlich verdrängt wird. Ein kluger Mann hat einmal festgestellt: „Das Konzil wollte die Volkssprache in der Liturgie, nicht die Liturgie in der Volkssprache.“ Bei meinen Vorbereitungsarbeiten unterhielt ich mich auc h mit Pater Manfred Probst, der seit vielen Jahren als Liturgiewissenschaftler an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar tätig ist. Er gab den Rigoristen die Schuld an der Entwicklung, die entweder gänzlich beim Latein bleiben wollten, oder die ganz zur Muttersprache wechseln wollten. Er ve rtrat die Auffassung, dass man eine gesunde Mischung hätte wählen sollen.
Angesichts der heutigen Globalisierung, dem unverminderten Reisetrend und der Te ndenz, alles in englischer Sprache auszudrücken, ist es sicher ein Verlust, dass die katholische Kirche ihre weltweite Sprache nahezu aufgegeben hat und man nicht mehr in der ganzen Welt an einer Messe aktiv teilnehmen und mitbeten kann.
1Vgl. A. Nocent, Guéranger: LThK24, 1263f.
2Prosper Guéranger, Liturgische Unterweisungen. Aus dem Französischen übersetzt von Jakob Fluck. 1. Buch (Geschichte der Liturgie), 1. Teil, Regensburg 1854, 415f.
3Bei dieser Ausdrucksweise beziehe ich mich immer auf die Messe im neuen Ritus.
