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"Enzo und der Weihnachtsmann - als die Welt nicht mehr Klang war" Was, wenn es Weihnachten nicht mehr gäbe? Was, wenn die Menschen nie wieder miteinander reden könnten? Enzo ist Außenseiter und ein richtiger Wirbelwind. Zu zappelig, zu risikofreudig und oft eigensinnig. Als der böse Zauberer die Welt mit einem Bann belegt und obendrein den Weihnachtsmann entführt, um ihn zu vernichten, ist Enzo zur Stelle. Denn manchmal können vermeintliche Schwächen in den Augen Erwachsener auch Stärken sein! Wird es Enzo gelingen, den Weihnachtsmann zu befreien und die Welt zu retten? Und wird Enzo auf seinem Abenteuer noch viele andere Seiten an sich entdecken? In dem Buch: "Enzo und der Weihnachtsmann-als die Welt nicht mehr Klang war," werden nicht nur Kinder mit einer gehörigen Portion Bewegungsfreude und Eroberungsdrang zu einer fantastischen Reise eingeladen, auch Erwachsene lernen wieder die Welt mit anderen Augen zu sehen. Ein Weihnachtsbuch zum Vorlesen und selber lesen ab 8 Jahre und für alle Erwachsenen, die Weihnachtsgeschichten lieben und im Herzen jung geblieben sind.
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Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Inspiriert von Ideen ihres Sohnes Lorenzo Gotzler und seiner Schwester Luna, ist dies nun nach „Leonies Haus“ das zweite Kinderbuch von Roswitha Schreiner.
Im Deutschen Sprachraum bekannt wurde die stolze Zwillingsmama als Schauspielerin in vielen Filmen und TV Serien wie „ Liebling Kreuzberg“, „Die Wicherts von nebenan“, „Regina auf den Stufen“, 15x als Kommissarin im Düsseldorfer „Tatort“ und 500 Folgen „Rote Rosen“.
Ihre Biografie „Blickwinkel, die etwas andere Biografie“ ist bei Tredition und inzwischen auch als Hörbuch erschienen.
Maya Gisèle Ahrens besucht die 11. Klasse des Carl Bechstein Gymnasiums in Erkner. Die Malerei ist seit klein auf ihre Leidenschaft. Nach dem Schulabschluss möchte sie sich weiteren künstlerischen Projekten widmen
Carolin Sündermann besucht ebenfalls die 11. Klasse des Carl Bechstein Gymnasiums in Erkner, ihr Lieblingsfach ist Kunst und sie strebt nach dem Abitur eine Laufbahn in Kunst und Design an.
Die Welt hat sich verändert
Lily
Der Auftrag
Ein geheimnisvoller Hinweis
Eine Ausrede
Eine Entdeckung
Erste Begegnung
Fragen über Fragen
Neue Pläne
Aufbruch
Der Ausflug
Der Flug
Im Palast vom Weihnachtsmann
Was, wenn?
Vergeblich
Wieder neue Pläne
Der ungastliche Uhu
Eine neue Spur
Eine unheimliche Entdeckung
Ein neuer Freund
Anders als gedacht
Planänderung
Familienfehde
Gefangen
Wieder frei
Überraschende Verwandlung
Geteiltes Leid
Abschied
Besuch und Epilog
Es herrschte Stille.
Enzo warf die Decke zurück, kletterte aus dem Bett und lief zum Fenster.
Alles schien wie immer an so einem Dezembertag. Er riss das Fenster auf und setzte sich, die Füße nach draußen baumelnd, aufs Fensterbrett.
Seine Mutter würde ausflippen! Sie hatte jedes Mal Angst, er könne aus dem 3. Stock fallen. Ihm könne schwindelig werden.
Warum sollte es das? Ihm wurde nie schwindelig! Und er liebte es, auf alles zu klettern, was hoch war. Ganz oben zu sein, das fand er toll!
Toll, wenn ihm die Welt zu Füßen lag, so wie die Stadt jetzt.
Und er war alt genug auf sich selber aufzupassen.
Draußen leuchteten noch die Lichterketten, die die Stadt am Vortag anzünden ließ.
Sie gaben der morgendlichen Dämmerung etwas Verheißungsvolles, Feierliches.
Der Schein war trügerisch. Wie hatte es nur soweit kommen können?
Alles fing ganz harmlos an, als die Tage kürzer wurden. Wie immer meckerten die Erwachsenen mehrmals am Tag ihre Kinder an: „Sei leise“, „Sprich nicht so laut“, „Gib doch mal endlich Ruhe.“
Dass in jedem Kindergeschrei das Geheimnis der Lebensenergie verborgen war, hatten die Erwachsenen nicht begriffen.
Und nun war es zu spät.
Enzo seufzte und kletterte zurück ins Bett. Er zog sich seine Bettdecke über den Kopf und probierte vorsichtig einen Laut von sich zu geben.
„Ja! Haaaaa! Uh. Kahh.“
Er schloss die Augen mit einem Lächeln und atmete auf, es klappte noch! Seine Stimme versagte nicht. Noch hatte ER ihn nicht erwischt. Aber ihm war klar, es musste was geschehen. Und das bald.
Ob es noch mehr von ihnen gab, die nicht ganz verstummt waren? Das galt es herauszufinden, aber wie?
Draußen fing ein neuer Tag an, sich durch die Wolkendecke zu fressen.
Die Lichterketten erloschen pünktlich mit der ersten Helligkeit des Tages.
Und wie durch ein Wunder stieg die Sonne doch noch am winterlichen Horizont empor, um ihren Platz, als Königin über die Welt, einzunehmen.
Wie sehr hatten sich die Menschen immer darauf gefreut.
Früher.
Die Vögel sangen und zwitscherten dazu. Das war voller neuem Elan.
Damals.
Und jetzt?
Stille.
So lautlos, dass man nicht gleich bemerkte, dass etwas fehlte. Alles kam einem nur so unwirklich vor, so „weit weg“. Wie hinter einer dicken, dicken Glasscheibe.
Obwohl es die nicht gab.
Nun kamen auch die ersten Menschen, die zur Arbeit eilten, die Straße entlang.
Schweren Schrittes. Ihre Gesichter ohne ein Lächeln. Ernst, traurig, antriebslos, wie Roboter. Den Blick gebannt auf ihre Smartphones gerichtet, so wie früher. Nur, dass sie es noch mehr im Auge behielten, weil sie nur noch damit tippend kommunizieren konnten. Kinder liefen traurig neben den Erwachsenen. Brav und konzentriert. Kein einziges rannte oder hüpfte mehr freudig vor sich her.
Alles war bleischwer geworden.
Zögernd stand Enzo auf und zog sich an. Er hatte keinen Bock mehr auf Schule, auf seine gemeine Mathelehrerin und das sich verstellen müssen.
Was, wenn die anderen herausfanden, dass er seine Stimme noch behalten hatte?
Er hörte seine Mutter in der Küche den Geschirrspüler ausräumen und wie sie ihm zum Frühstück Grießbrei hinstellte, so wie sie es schon seit Jahren tat.
Er liebte seinen Grießbrei, das war so wunderbar vertraut, links sein Löffel mit der Hasenverzierung und vor ihm die Flasche mit dem klebrig süßen Ahornsirup.
an
aus
an
aus
dazwischen das Surren der Zeitschaltuhr im 4 Minuten Takt, bis das Dunkel des Kellers Enzo wieder umhüllte und er sich zum Lichtschalter robben musste.
Irgendwann war es ihm egal. Er beschloss sich an die schummerige Dunkelheit, die nur durch eine einzelne kleine Fensterluke unterbrochen wurde, zu gewöhnen.
Ständig aufstehen war mühsam. Er steckte seinen Kampfkreisel wieder in die Tasche.
Genug gespielt, jetzt könnte er eigentlich ein Nickerchen machen. Das war in der Schule ja verboten. Er kuschelte sich an die gluckernden Heizungsrohre, die wohlige Wärme ausstrahlten und ließ seine Gedanken schweifen: wie es früher auf der Erde war, als noch alle fröhlich brüllten, sangen, tobten. Oder er mit seinen Kumpels auf dem Schulhof laut stritt.
Er vermisste das Gemecker seiner Mutter, wenn er wieder irgendeinem Blödsinn angestellt hatte, trotzdem er wusste, dass es verboten war. Sogar das wäre ihm noch lieber gewesen als diese stumme Welt jetzt.
Sicherheitshalber fing er an, leise ein Weihnachtslied vor sich hin zu summen.
Stille Nacht, heilige Nacht …...
So wie er früher im Wald gesungen hatte, mit Papa, wenn es schon dunkel wurde und er sich fürchtete. Seine eigene Stimme zu hören hat etwas Mutmachendes.
Alles schläft hm hm, einsam wacht......
Morgen gehe ich wieder in die Schule, dachte Enzo noch, als ihm langsam die Augen zu fielen. Beim Wegdämmern erinnerte er sich an lauter Wortfetzen, die er früher einmal gehört hatte. So, als wären sie in seinem Gedächtnis eingraviert worden.
Er sah seine Mama, wie sie bei ihm am Bett saß und versuchte, ihn liebevoll in den Schlaf zu singen. Ihm fiel auf, dass sie nicht immer den richtigen Ton fand. Enzo musste lächeln.
Und dann hörte er die schneidende Stimme seiner blöden Mathelehrerin, wie sie seinen Freund Martin vor der Klasse als lahme Schnecke niedermachte und all die Jungs seiner Klasse, die darüber hämisch lachten. Froh, dass sie nicht selber runtergeputzt wurden.
Plötzlich tauchten in Enzos Kopf Bilder auf, wie er mit ziemlichem Bammel vor einem Weihnachtsmann in Turnschuhen stand und ein Gedicht aufsagen musste, in der Hoffnung, dass dieser nicht wusste, dass Enzo an Lilys Sachen war und ihren pinken Lippenstift einfach aufgegessen hatte, weil der so lecker nach Erdbeerkaugummi roch. Mist! Er wusste es doch! Der Weihnachtsmann ermahnte ihn, er solle netter zu seiner Schwester sein.
Seine Schwester … Enzo seufzte.
Das war alles bevor dieser dumme Tag passierte. Warum musste Papa auch sein Motorrad nehmen bei solchem Sauwetter? Seitdem war Weihnachten für Enzo gestorben.
Und Ostern.
Ja sogar auf seinen eigenen Geburtstag freute er sich nicht mehr.
Seine Gedanken trugen ihn zum kommenden Weihnachtsfest in knapp drei Wochen.
Das zweite Weihnachten ohne Lily und Papa. Ob es überhaupt stattfinden würde, jetzt wo die Welt verstummt war? Er hätte nie gedacht, dass er Lily so sehr vermissen würde.
Wie oft hatte er sich gewünscht, sie wäre tot. Weil er doch immer eifersüchtig war, dass sie so viel durfte und er nicht, nur weil sie zwei Jahre älter war.
Länger aufbleiben, bei Freunden übernachten, sogar allein mit Freundinnen ins Kino gehen.
Was liebte er es, wenn sie noch in der Schule war, sich in ihr Zimmer zu schleichen, um von ihren gehorteten Süßigkeiten zu naschen. Lily war immer so sparsam! Zu Ostern hatte sie noch das ganze Zeug von Halloween im Schrank, während er schon nach einer Woche alles verputzt hatte.
Ja, seine Schwester, an der er sich ein Vorbild nehmen sollte, weil sie so brav war, nie was kaputt machte und so lustige Bilder malte.
Manchmal kritzelte er ihr einfach ein kleines, unbeholfenes Strichmännchen ins Bild oder schnitt mit der Schere ein Loch oder einen Schlitz in ihre Zeichnungen.
Das Geschrei war groß, wenn Lily heimkam und seinen Streich entdeckte.
Lilys Geschrei! Wie herrlich erschien ihm das jetzt in der Vergangenheit! Wie toll, dass es das mal gab und wie toll, als es Lily noch gab.
Mit einem tiefen Seufzer ließ Enzo sich in den Schlaf sinken, den Kopf auf seinen Ranzen gebettet und die dicke Daunenjacke kuschelig unter seinem Rücken ausgelegt.
„Enzo! Enzo, wach auf! Hey, was machst Du hier im Heizungskeller? Was meinst Du, was Mama sagt, wenn sie rausfindet, dass Du die Schule schwänzt?“, tönte es Enzo direkt ins Ohr.
Enzo schlug die Augen auf. „Mensch Lily, mecker doch nicht wieder rum. Weißt Du nicht, dass in der Schule eh keiner mehr redet? Äh, Moment mal, redest Du mit mir? Und wo bist Du überhaupt?“ Überrascht richtete Enzo sich suchend auf.
„Enzo! Du kannst mich nicht sehen, das weißt Du doch, aber meine Stimme, die kannst Du hören, denn da, wo ich jetzt bin, hat der Zauberer keinen Zugriff auf unsere Welt“, kam es zurück.
„Was weißt Du über den Zauberer, Lily? Kennst Du ihn? Wieso tut er uns allen das an?“ Enzo wurde hellwach.
„Das erkläre ich Dir später, dafür ist jetzt keine Zeit oder am besten, Du findest es selbst heraus. In drei Wochen ist Weihnachten und es wäre furchtbar, wenn es nicht stattfindet.“, wisperte Lily.
„Du meinst, es fällt aus, weil alle verstummt sind?“
„Nein Enzo, nicht deshalb. Der Zauberer will den Weihnachtsmann entführen! Er ist sein größter Gegner.“, erklärte seine Schwester ihm sachlich, als sei es das Selbstverständlichste der Welt. „Das darf nicht geschehen. Wenn Weihnachten ausfällt, verlieren die Menschen ihren Glauben an den Weihnachtsmann. So kann der Zauberer den Weihnachtsmann vernichten. Denn glaubt der Mensch nicht mehr an den Weihnachtsmann, wird dieser sterben! Dann wird es nie wieder ein Weihnachten geben. Du musst ihn warnen!“
„Ach Lily, mir ist Weihnachten egal, seitdem Du nicht mehr bei mir bist“, antwortete Enzo traurig.
„Ich weiß, Enzo, aber hier geht es um mehr. Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Freude. Wenn es das nicht mehr gibt, wenn die Menschen auch noch diese kleine Insel der Besinnlichkeit verlieren, dann hat der böse Zauberer gewonnen! Weil die Welt dann unwiederbringlich in Freudlosigkeit versinkt, wie in klebrigen schwarzen Teer und endgültig verstummt. Sogar Du!“
„Auch ich? Lily, sag mal, gibt es noch mehr außer mir? Wie stellst Du Dir das denn vor? Wie komme ich überhaupt zum Weihnachtsmann, um ihn zu warnen? Lily? Lily!“
Enzo starrte in die Dunkelheit.
Außer dem Schatten der Heizanlage mit dem kleinen LED-Licht war nichts zu erkennen.
Wieder auf der Straße schlug Enzo die feuchte kühle Winterluft entgegen.
Die Sonne hatte sich offenbar verkrümelt, um Nieselwolken Platz zu machen.
Wenn es wenigstens schneien würde! Aber nein! Die Schneeflocken, die immer für riesigen Spaß bei den Kindern sorgten, schienen auch verbannt worden zu sein.
Enzo zog den Reißverschluss seiner Daunenjacke bis zum Anschlag hoch und kroch noch tiefer in den Halsausschnitt seiner Jacke. Er musste schauen, was in der zweiten Hofpause auf dem Schulhof abging.
Vielleicht entdeckte er jemanden, mit dem er sich zusammentun könnte.
Am Zaun des Schulgeländes äugte er beim Fahrradkäfig vorsichtig um die Ecke, die Kapuze seiner Jacke tief in die Stirn gezogen.
Auf dem Schulhof herrschte Stille. Ein paar Kinder spielten lustlos balancieren am Drehrad oder schaukelten.
Es tat weh zu sehen, wie sie ihre Münder öffneten und kein Ton folgte.
Lily hatte recht. Es musste was geschehen. Er, Enzo, sollte etwas unternehmen, hatte Lily gesagt. Nur, wo sollte er anfangen? Und weshalb ausgerechnet er? Der doch sonst immer ausgegrenzt wurde, weil er zu zappelig war, zu wild, zu unkonzentriert.
Er sah alle Kinder wieder ins Schulgebäude verschwinden. Es war Essenzeit.
Nein, hier würde er nichts ausrichten können. Und er sah auch niemanden, dem er sich anvertrauen könnte.
Zu Hause angekommen stiefelte Enzo erstmal an den Kühlschrank und schnappte sich einen der Joghurts mit bunten Schokokugeln.
Genüsslich löffelnd schlenderte er in Lilys altes Kinderzimmer. Ja, das gab es noch!
Mama brauchte immer noch Lilys Flair, um sie ein bisschen um sich zu spüren. Deshalb hatte sich kaum etwas verändert. Nur der Kleiderschrank war leergeräumt.
Mama hatte im Sommer Lilys gesamte Garderobe zum Eltern-Kind-Zentrum getragen. Sollten sich andere Mädchen an den schönen Kleidern erfreuen.
Dafür saßen Lilys Puppen im Regal und starrten Enzo an.
An den aprikotfarbenen Wänden waren immer noch Lilys Bilder gepinnt, auf die er einstmals so eifersüchtig gewesen war.
Und da verspürte er wieder einen Stich im Herzen.
Ja, wie schön Lily malen konnte! Jetzt konnte er es eingestehen. Bunte lustige Einhörner, schimmernde Schmetterlinge mit einem Hauch Glitzer.
Aus ihr wäre sicher eine große Künstlerin oder Illustratorin geworden.
Ob es dort ebenso zauberhaft war, wie auf ihren Bildern? Dort, wo Lily jetzt war?
Sein Blick wanderte weiter, streifte Lilys Tanzmedaillen und blieb an der Fotowand hängen, die sie über ihrem Bett angebracht hatte. Überall waren sie beide zu sehen: in den Bergen mit Helm und Fahrrädern, oben auf einer Alm.
Sie beide, Arm in Arm im Wasser am Langbürgener See, mit nassen Haaren und er mit zwei Zahnlücken. Beide strahlten sie um die Wette in die Kamera.
Daneben Lily und er wild geschminkt zu einem Halloween-Fest.
Mama war auf den Fotos nur selten zu sehen. Seine Mutter fand sich nicht hübsch genug und vermied es, von Papa fotografiert zu werden.
Enzo atmete tief durch und stromerte weiter zu Lilys Schreibtisch. So, als würde er von einer Macht getrieben sein.
Irgendetwas musste ihn doch auf die Spur bringen, wenn er sich das im Keller heute früh nicht bloß eingebildet hatte.
Und was, wenn doch?
Dann könnte er jetzt ebenso gut seinen Ranzen nehmen und den Wochenplan abarbeiten. Er war zwar angeblich ein Wirbelwind mit mangelnder Aufmerksamkeit, weil er nicht gut stillsitzen mochte, aber ehrgeizig war er trotzdem.
Was wussten Erwachsene schon über Kinder wie ihn? Er liebte es, zur Schule zu gehen. Zumindest früher.
Er schlurfte zu seinem Ranzen und holte seine Hefte raus.
Eigentlich konnte er sich jetzt auch an Lilys Schreibtisch setzen, denn schließlich störte sich niemand mehr daran, wenn er es tat.
Und Mama war noch nicht da.
Er warf mit Schwung sein Matheheft auf Lilys Schreibtisch, als sich ein Flyer in die Luft hob und zu Boden segelte. Enzo kroch unter den Tisch und hob ihn wieder auf.
Es war ein Flyer aus der Zooschule vom Heimtiergarten.
Komisch, wo kam der denn her? Enzo hätte schwören können, dass er gestern nicht auf Lilys Schreibtisch gelegen hatte. Wieso sollte er auch? Ob Mama was gesucht hatte? Aber gerade eben, bevor er seinen Ranzen holte, war er ihm auch nicht aufgefallen.
Nachdenklich ließ Enzo den Flyer durch seine Finger gleiten und ihm war, als würde er einen leichten Windhauch über seinem Kopf verspüren.
Sollte das ein Zeichen sein? Hatte Lily die Spur gelegt, um ihn auf etwas aufmerksam zu machen? Gesetzt den Fall, es stimmte, was hatte das mit Weihnachten zu tun? Und was bitte schön, sollte er im Heimtierpark finden? Er fand es dort nicht wirklich spannend mit den heimischen Eulen und Rehen. Keine coolen Tiere, so wie im Zoo! Keine Elefanten, keine Löwen! Okay, es gab mal eine Luchsfamilie , die wieder ausgewildert wurde, aber ansonsten hielt sich die Exotik im Heimtierpark in Grenzen.
Also, was gab es dort? Das Quartier des Zauberers? Das Geheimrezept, der Welt die Sprache wiederzugeben? Eine Spur zum Weihnachtsmann? Halt! Hatte Lily nicht gesagt, der Weihnachtsmann sei in Gefahr?
Und es sei höchste Eile geboten, den guten alten Mann zu alarmieren, bevor er entführt wird? Damit die Welt nicht gänzlich in Trübsal versank!
Enzo war hin und hergerissen. Um das herauszufinden, war es vielleicht nicht verkehrt, der Spur nachzugehen.