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Bachelorarbeit aus dem Jahr 2012 im Fachbereich Pädagogik - Medienpädagogik, Note: 1,0, Fachhochschule des Mittelstands, Veranstaltung: Eventmanagement und Entertainment, Sprache: Deutsch, Abstract: Unterhaltung und Bildung, zwei Begriffe, die im allgemeinen Sprachgebrauch im Widerspruch zu stehen scheinen, werden mit dem Neologismus Edutainment zusammengeführt. Sind Wissenserwerb und Unterhaltung miteinander vereinbar, oder ist der Trend, der einen starken Anstieg des Edutainments zeigt, eine Gefahr für die Bildung? Spätestens seit POSTMANS medienkritischem Buch "Wir amüsieren uns zu Tode" (1986), in dem diese zwei Bereiche als klare Gegensätze aufgefasst werden, ist die Diskussion um das unterhaltsame Lernen in der Medienwissenschaft und Pädagogik entfacht. Mehr und mehr erhält diese Thematik aber auch Einzug in das Aufgabenfeld des Eventmanagers. Bei Incentives, der Unternehmenspräsentation oder auch kulturellen Events hat die Symbiose aus Bildung (Education) und Unterhaltung (Entertainment) eine tragende Rolle. Zu untersuchen ist nun, inwieweit sich diese Bereiche tatsächlich vereinbaren lassen. Ist Edutainment als große Chance bei der Wissensvermittlung zu verstehen, oder besteht die Gefahr, durch unterhaltsame Aufbereitung von Informationen, deren Ernsthaftigkeit in Frage zu stellen und den Wissenszuwachs der Rezipienten zu vermindern? Kann Unterhaltung wirklich eine Methode des Lehrens und Lernens sein? Können mit emotionalisierenden Edutainment-Veranstaltungen nachweisliche Erfolge bei der gesundheitlicher Präventionsarbeit erzielt werden? Und sollte In Folge dessen Entertainern und Eventmanagern Zutritt in Bildungsinstitutionen gewährt werden?
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Veröffentlichungsjahr: 2013
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Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Begriffserklärung und Gegenstandsbestimmung
2.1 Der Bildungsbegriff
2.1.1 Historische und wortgeschichtliche Annäherung an den Begriff Bildung
2.1.2 Festlegung eines Bildungsbegriffs
2.2 Der Unterhaltungsbegriff
2.2.1 Allgemeine Überlegungen zum Begriff Unterhaltung
2.2.2 Festlegung eines Unterhaltungsbegriffs
2.3 Definition: Edutainment
3 Anwendungsfelder des Edutainments
3.1 Medien
3.1.1 Fernsehen
3.1.2 Internet und Computerspiele
3.2 Incentive-Events/ Incentive-Reisen
3.3 Museen
3.4 Science-Center
3.5 Markenwelten
3.6 Schulveranstaltungen
4 Edutainment als Grundlage gesundheitlicher Präventionsmaßnahmen: Exemplarische Untersuchung schulischer Alkoholprävention
4.1 Das Forschungsumfeld: Willy-Brand-Realschule
4.2 Ziel der empirischen Untersuchung
4.3 Methodik der Untersuchung
4.4 Die Ausgangssituation
4.4.1 Das veränderte Trinkverhalten von Jugendlichen
4.4.2 Die spezifische Alkoholgefahr für Jugendliche
4.5 Das Präventionsprogramm
4.5.1 Inhalte der Alkoholprävention
4.5.2 Der gezielte Einsatz von Emotionen
4.6 Die Erfolgskontrolle
4.6.1 Der Wissenstest
4.6.2 Die Durchführung
4.6.3 Ergebnisse
5 Fazit und Ausblick
Literaturverzeichnis
Anhangsverzeichnis
Abbildung 1: Bildungskomponenten Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Wiater (2002)
Abbildung 2: Unterhaltungskomponenten Quelle: eigene Darstellung
Abbildung 3t Anteil alkoholkonsumierender 12- bis 17-jähriger Jugendlicher in %
Abbildung 4: Anteil alkoholkonsumierender 18- bis 25-jähriger Erwachsener in %
Abbildung 5: Die Verteilung der Fehleranzahl in den Edutainment-Gruppen Quelle: eigene Darstellung
Abbildung 6: Die Verteilung der Fehleranzahl in den Lehrer-Gruppen Quelle: eigene Darstellung
Abbildung 7: Fehleranzahl nach Einflussfaktor Geschlecht Quelle: eigene Darstellung
Abbildung 8 Fehleranzahl nach Einflussfaktor Alter Quelle: eigene Darstellung
Abbildung 9: Fehleranzahl nach Einflussfaktor Jahrgangsstufe Quelle: eigene Darstellung
Abbildung 10: Einfluss auf das Trinkverhalten (Edutainment-Gruppen) Quelle: eigene Darstellung
Abbildung 11: Einfluss auf das Trinkverhalten (Lehrer-Gruppen) Quelle: eigene Darstellung
Abbildung 12 + 13: Einfluss auf das Trinkverhalten (unter Ausschluss der Option 4) Quelle: eigene Darstellung
Abbildung 14 + 15: Einfluss auf die Lernmotivation Quelle: eigene Darstellung
Unterhaltung und Bildung, zwei Begriffe, die im allgemeinen Sprachgebrauch im Widerspruch zu stehen scheinen, werden mit dem Neologismus Edutainment zusammengeführt. Sind Wissenserwerb und Unterhaltung miteinander vereinbar, oder ist der Trend, der einen starken Anstieg des Edutainments zeigt, eine Gefahr für die Bildung? Spätestens seit Postmans medienkritischem Buch "Wir amüsieren uns zu Tode" (1986), in dem diese zwei Bereiche als klare Gegensätze aufgefasst werden, ist die Diskussion um das unterhaltsame Lernen in der Medienwissenschaft und Pädagogik entfacht. Mehr und mehr erhält diese Thematik aber auch Einzug in das Aufgabenfeld des Eventmanagers. Bei Incentives, der Unternehmenspräsentation oder auch kulturellen Events hat die Symbiose aus Bildung (Education) und Unterhaltung (Entertainment) eine tragende Rolle. Zu untersuchen ist nun, inwieweit sich diese Bereiche tatsächlich vereinbaren lassen. Ist Edutainment als große Chance bei der Wissensvermittlung zu verstehen, oder besteht die Gefahr, durch unterhaltsame Aufbereitung von Informationen, deren Ernsthaftigkeit in Frage zu stellen und den Wissenszuwachs der Rezipienten zu vermindern? Kann Unterhaltung wirklich eine Methode des Lehrens und Lernens sein? Können mit emotionalisierenden Edutainment-Veranstaltungen nachweisliche Erfolge bei der gesundheitlicher Präventionsarbeit erzielt werden? Und sollte In Folge dessen Entertainern und Eventmanagern Zutritt in Bildungsinstitutionen gewährt werden?
Um der Frage, ob Edutainment als sinnvolle Bildungsmethode zu verstehen ist, auf den Grund zu gehen muss eine Begriffsdefinition des Edutainments erfolgen. Für eine Bedeutungserklärung des Neologismus ist in einem ersten Schritt eine Betrachtung der Begriffe Bildung und Unterhaltung und deren Definition erforderlich. Nach einer historischen und wortgeschichtlichen Annäherung an den Begriff Bildung, bei dem exemplarisch Ansätze aus der Philosophie und der Pädagogik betrachtet werden, folgt die Erarbeitung eines Unterhaltungsbegriffs. Des Weiteren werden diese beiden Kernelemente des Edutainments festgelegt und auch der Begriff des Edutainments definiert. Im nächsten Schritt werden verschiedenen Anwendungsformen und -gebiete des Edutainments vorgestellt. Dabei wird sowohl die Motivation und der Leitgedanke der Betreiber bzw.
Der Begriff Bildung lässt sich als Homonym, also Wort mit zwei Bedeutungsebenen, bezeichnen denn er beschreibt sowohl den Prozess des Gebildetwerdens als auch das Endergebnis dieses Prozesses. Bildung ist demnach eine gewollte Aneignung und Weiterentwicklung von Kenntnissen und Fähigkeiten, sowie deren Besitz. In der pädagogischen Diskussion wird der Bildungsbegriff dabei vorrangig aus kulturanthropologischer, lernzieltheoretischer oder soziologischer Sicht betrachtet. Beim kulturanthropologischen Ansatz stehen die Übermittlung und Weiterentwicklung von Kulturgütern im Vordergrund, betrachtet wird demnach eine subjektive Seite der Kultur. Der lernzieltheoretische Ansatz fokussiert die Befähigung zum allgemein erfolgreichen Umgang mit der Welt, während der soziologische Ansatz als Arbeit an Verhaltensweisen, die das Leben als Individuum und soziales Wesen in einer Gesellschaft sichern, verstanden werden kann[1]. Wortgeschichtlich ist der Begriff Bildung auf das Wort „Bild" zurückzuführen, das in seiner althochdeutschen Form „bilidi“ seit dem 9. Jahrhundert in der deutschen Sprache nachweisbar ist. Erste Ursprünge des Begriffs lassen sich aber bereits in der Schöpfungsgeschichte der Bibel finden. „Dann sprach Gott: Lasst uns den Menschen machen als unser Abbild uns ähnlich“[2], heißt es dort im Buch Genesis und der Apostel Paulus schreibt im 2. Korintherbrief: „Wir alle spiegeln mit enthülltem Antlitz die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn“[3]. Auch diese Bibelverse lassen ein doppeltes Verständnis von Bildung zu. Zum einen wird auch hier die Bildung als ein Prozess und eine Entwicklung verstanden, denn der Mensch wird zu einem Abbild geformt. Zum anderen bezeichnet Bildung auch in diesen Versen einen Ist-Zustand, denn der Mensch ist als ein Abbild Gottes geschaffen, seine Bildung also das Ergebnis der Schöpfung[4].
Auch zum Ende des 15. Jahrhundert fand der Bildungsbegriff noch vorrangig religiöse Verwendung. Das Verhältnis von Gott, Mensch und Natur stand hier im Mittelpunkt des Bildungsdenkens. Paracelsius (1493-1541) näherte sich dem Begriff aus einem naturphilosophischen Ansatz heraus, indem er sein Verständnis für Bildung als eine Entwicklung der Beziehung des Menschen zu Gott, aber auch seiner Umwelt beschrieb. Für Luther bestand die Bildung um 1520 aus drei Bereichen: „zum einen: daß er wisse, was er tun und lassen soll. Zum anderen: wenn er nun siehet, daß er aus seinen Kräften nicht tun noch lassen kann, dann soll er wissen, wo ers hernehmen, suchen und finden soll, damit er das tun und lassen könne. Zum dritten: daß er wisse, wie ers suchen und holen soll"[5]. Mit diesen Ausführungen zur Bildung konzentrierte sich Luther bereits auf die Selbstbildung und gezielte Weiterentwicklung des Menschen. Laut seiner Definition ist ein Mensch demnach dann gebildet, wenn er weiß, wie er sich in seiner Umwelt und in seiner Beziehung zu Gott verhalten kann und wo und auf welche Weise er dies erlernen kann.
Ihren eigentlichen Höhepunkt erreichte die Deutung des Bildungsbegriffs mit dem Neuhumanismus, wenngleich in gegensätzlicher Interpretation durch Wilhelm von Humboldt (1767-1835) und Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1731). Für Hegel stand Bildung im Dienste der Allgemeinheit. Er verwendet diesen Begriff synonym mit den Substantiven Erziehung und Pädagogik. „Die Pädagogik ist die Kunst, die Menschen sittlich zu machen"[6], so formuliert Hegel den Auftrag der Bildung. Damit drückt er aus, dass ein Mensch dann gebildet ist, wenn er nach den Normen und Regeln seiner Gesellschaft leben kann und alles Schlechte ablegt. Hegels Auffassung von Bildung hatte also weniger mit der individuellen Weiterentwicklung des Menschen zu tun, als mit einer Anpassung an den Staat und an allgemeine Moralvorstellungen[7].
Ganz anders sah dieses Verständnis bei Humboldt aus. Für Humboldts Bildungsverständnis war die Individualisierung des Menschen von zentraler Bedeutung, für die nach seiner Auffassung jegliche Freiheitsbeschränkungen störend sind. „Der wahre Zweck des Menschen - nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt - ist die höchste und proportionirlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist die Freiheit die erste, und unerlassliche Bedingung"[8], schreibt
