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Masterarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik, Note: 1,3, Universität Vechta; früher Hochschule Vechta (Pädagogik), Sprache: Deutsch, Abstract: Ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel sind die Hauptgründe für zunehmendes Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen. Ess- und Trinkgewohnheiten werden bereits in der Kindheit entscheidend geprägt. Erziehung und Bildung haben daher einen hohen Stellenwert bei der Gesundheitsförderung von Kindern. In einer Zeit, in der Nahrungsmittel jederzeit, überall und im Überfluss für jeden verfügbar sind, lässt unsere momentane Ernährungssituation dennoch viele Fragen offen. Erziehung, Bildung und Gesundheit hängen eng miteinander zusammen. Neben bestimmten Gesetzestexten und Erlassen, schreiben die Kultusministerien in den Rahmenrichtlinien vor, Ernährungslehre als wichtigen Unterrichtsbestandteil zu behandeln. Nach einer kurzen Erläuterung der Grundlagen der Ernährung von Kindern wird die tatsächliche Versorgung von Schulkindern beschrieben. Weiterhin wird auf das Ernährungsverhalten eingegangen (Triebbefriedigung, Einflussfaktoren, Ernährungswissen und Interesse). Eltern sind Vorbilder für Kinder. Die Ernährungserziehung in der Familie bildet ein wichtiges Fundament für eine gesunde Ernährungsweise, denn die Folgen einer falschen Ernährung werden in der Schule, in der Leistungsfähigkeit und Konzentration gefragt sind, sichtbar. Aufgaben, Ziele und Formen der schulischen Ernährungserziehung werden in diesem Teil der Arbeit erläutert. Doch eine gesundheitsorientierte Ernährung im Kontext mit Sport und Bewegung, haben in unseren Schulen nach wie vor eine untergeordnete Bedeutung. Viele Schulbücher sind veraltet und langweilen die Schüler regelrecht. Mit dem Beispiel einer Projektwoche soll ein abwechslungsreicher Beitrag für eine interessante Ernährungslehre gezeigt werden. Der praktische Teil der Arbeit wird durch die Teilnahme einer dritten Klasse am „Schüler-Fitnesscup“ gestaltet. Im Sinne eines ganzheitlichen Lernens werden Inhalte der Gesundheitserziehung zur Ernährung und Bewegung durchleuchtet und in einer Projektwoche behandelt. Die Kinder lernen, den Schulalltag und die Freizeit aktiv und gesund zu gestalten. Freude an der Bewegung und ein Ernährungsbewusstsein sollen entwickelt werden, wodurch eines der wichtigsten Erziehungsziele erreicht werden kann.
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Veröffentlichungsjahr: 2014
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Allgemeines
1.1 Begriffserläuterungen
1.2 Politische und sachliche Voraussetzungen
1.2.1 Bildungsstandards
1.2.2 Kerncurriculum Sachunterricht
1.2.3 Grundsatzerlasse
2. Ernährung von Kindern
2.1 Grundlagen der Ernährung von Kindern
2.2 Ernährungssituation von Schülern
2.3 Folgen falscher Ernährung
2.3.1 Übergewicht
3. Ernährungslehre in der Grundschule
3.1 Vermittlungsinstanzen der Ernährungserziehung
3.2 Lehrbücher
3.3 Ernährungsmodelle
4. Unterrichtsprojekt „Schüler-Fitnesscup“
4.1 Allgemein
4.2 Methodik
4.2.1 Methodische Überlegungen
4.2.2 Motivation der Schüler
4.2.3 Mitarbeit der Eltern
4.3 Der Wettbewerb
4.4 Die Projektwoche
4.4.1 Rund ums Frühstück (1. Tag)
4.4.2 Rund um Bewegung und Trinken (2. Tag)
4.4.3 Rund ums Getreide (3. Tag)
4.4.4 Rund um Obst und Gemüse (4. Tag)
4.4.5 Rund um Milch (5. Tag)
4.5 Kreativbeitrag
4.6 Reflexion
5. Der Stellenwert von Erziehung und Bildung
5.1 Gesundheitsfördernde Schule
5.3 Handlungsbedarf von Gesellschaft und Politik
Fazit
Literatur
Gesundheit ist das kostbarste Gut des Menschen und Voraussetzung für Lebensqualität und Leistungsfähigkeit. Ernährung bildet im Zusammenhang mit körperlicher Bewegung und der nötigen Hygiene die Basis für die Gesundheit von Menschen aller Altersgruppen. Gerade in jungen Jahren ist eine ausgewogene Ernährung nicht nur für die geistige und körperliche Entwicklung wichtig, sondern auch für die Vermeidung ernährungsbedingter Krankheiten.
In den Industrieländern hat sich in den letzten Jahrzehnten die Ernährungssituation von Kindern und Erwachsenen durch die gesellschaftlichen Entwicklungsprozesse entscheidend verändert und ein adäquater Umgang mit dem Ernährungswohlstand ist dadurch erschwert. Kindheit und Jugend sind heute mehr denn je gekennzeichnet durch Bewegungsmangel, Fehlernährung und Übergewicht. Daraus resultieren gesundheitliche und emotionale Probleme. Den Risikofaktoren für die Entstehung von Krankheiten muss frühzeitig entgegengewirkt werden, denn der Grundstein für Verhaltensweisen und Fähigkeiten zu einer gesunden Lebensweise wird entscheidend im Kindesalter gelegt.
Die Ernährung von Kindern wird zum großen Teil von den Eltern beeinflusst, damit verbunden ist die Übernahme positiver aber auch negativer familiärer Ernährungsgewohnheiten. Veränderte Familiensituationen wie Berufstätigkeit beider Elternteile, Alleinerziehung, sozial schwache Verhältnisse oder einfach mangelnde Handlungskompetenzen erschweren, ein positives Ernährungsverhalten der Heranwachsenden zu fördern. Vor dem Hintergrund dieser Umstände in den Familien nimmt die schulische Erziehung und Bildung bei der Gesundheitsförderung von Kindern einen hohen Stellenwert ein. Da Kinder und Jugendliche einen großen Teil ihrer Kindheit und Jugend in der Schule verbringen, ist diese ein Ort im Prozess des Erwachsenwerdens, an dem sie sich einen gesundheitsfördernden Lebensstil aneignen können.
Aktuelle wissenschaftliche Studien weisen vermehrt auf eine Zunahme von Übergewicht bei Schulkindern hin. Der frühzeitige Einsatz präventiver Maßnahmen ist erforderlich, um zukünftiges Übergewicht bei Jungen und Mädchen zu vermeiden. Die Ernährung der Kinder ist somit heute eines der wichtigsten Themen der schulischen Gesundheitserziehung. Das Ernährungsthema wird in vielen Grundschulen in Deutschland jedoch unzureichend behandelt und vermittelt.Der Schwerpunkt liegt vorrangig auf Informations- und Wissensvermittlung. Maßnahmen mit Praxisbezug und Stärkung der Handlungskompetenz sind bislang die Ausnahme. Für die Gewährleistung einer gesunden körperlichen und seelischen Entwicklung und Leistungsfähigkeit von Kindern sind Schulen dazu verpflichtet, den Defiziten entgegenzuwirken. Eine nachhaltige Ernährungsbildung in der Schule benötigt die Etablierung geeigneter unterstützender Strukturen. Das europäische Kerncurriculum Ernährungsbildung bietet ein langfristig angelegtes Konzept, um ein nachhaltig wirksames Gesundheitsverhalten von Schülern[1] zu fördern.
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Vermittlung der Ernährungslehre in der Grundschule auseinander. Dabei wird der Stellenwert von Erziehung und Bildung bei der Gesundheitsförderung von Kindern hervorgehoben. Die Themenauswahl greift die aktuelle Diskussion über die gesellschaftliche und institutionelle Verantwortung für Ernährung und Gesundheit der Kinder und Jugendlichen auf. Nach einer Einleitung über derzeitige politische und sachliche Voraussetzungen folgt der empirische Teil mit der Darstellung der Grundlagen und Situation der Ernährung von Kindern. Kapitel drei dient als Ausgangspunkt für die Diskussion über den Stellenwert von Erziehung und Bildung in Kapitel fünf. Es wird auf die Vermittlungsinstanzen der Ernährungserziehung - Elternhaus und Schule - hingewiesen. Nach einer kritischen Auseinandersetzung mit Lehrbüchern des Sachunterrichts werden noch verschiedene Ernährungsmodelle vorgestellt.
Den praktischen Teil bildet die im Kapitel vier vorgestellte Projektwoche „Schüler-Fitnesscup“ zum Thema Ernährung und Bewegung. Sie soll als Beispiel für eine abwechslungsreiche Ernährungsbildung dienen. Im letzten Kapitel wird auf den Zusammenhang von Bildung, Erziehung und Gesundheit hingewiesen und das europäische Kerncurriculum ‚Schulische Ernährungsbildung’ als Grundlage für Lehrpläne und Bildungsstandards vorgestellt.
Verschiedene Begriffe, die mit dem Thema Ernährung zusammenhängen, werden im Folgenden erläutert.
„Gesundheit“
Die Weltgesundheitsorganisation WHO (World Health Organization) definiert Gesundheit als einen „Zustand vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechlichkeit.“[2] Der Mediziner Affemann beschreibt Gesundheit als „die Fähigkeit, trotz eines gewissen Maßes an Mängeln und Schäden, arbeiten, genießen und zufrieden sein zu können.“[3] Der Mensch ist nicht nur ein körperliches Wesen, sondern zugleich ein seelisches und soziales Wesen, sodass auch das geistig-seelische sowie das soziale Wohlbefinden berücksichtigt werden muss. „Diese ganzheitliche Betrachtungsweise des Menschen stellt eine sehr wesentliche Voraussetzung für das Verstehen der Gesundheitserziehung als Erziehungsprinzip dar.“[4]
„Gesundheitserziehung“
Die Gesundheitserziehung ist das „Gebiet, das sich mit der Veränderung des Verhaltens zum Zweck der Verhütung von Krankheiten und der Erhaltung der Gesundheit befasst. [..] Sie soll den Menschen befähigen, selbstbestimmend und verantwortungsvoll seine Gesundheit zu stabilisieren oder zu verbessern.“[5]
„Gesundheitsbildung“
„Gesundheitsbildung ist die persönliche Bemühung, eine eigene, persönlich richtige Lebensweise/Lebensführung aufzubauen. […] Es ist ein Prozeß der Bewusstwerdung, der Erlebens- und Erfahrenswerdung […] und zielt auf selbstbestimmtes, mit- und eigenverantwortliches Handeln, um so bessere Voraussetzungen für Lebensqualität und Lebensbewältigung zu schaffen. Gesundheitsbildung soll aktiv-partizipative Bildung sein, d.h. Gesundheit muß durch aktives Handeln eingeübt, erlebt, erworben, erarbeitet, gesichert, gepflegt und entfaltet werden.“[6] Weiterhin bezeichnet Gesundheitsbildung „die Vermittlung von gesundheitsbezogenem Wissen und Fertigkeiten durch dafür ausgewiesene Fachkräfte. Der Begriff der Gesundheitsbildung löste die alte Bezeichnung Gesundheitserziehung ab und unterscheidet sich von ihr u.a. dadurch, dass sie auf Belehrungen und damit den ‚erhobenen Zeigefinger’ verzichtet.“[7]
„Gesundheitsförderung“
Die Gesundheitsförderung wird als Prozess verstanden, der allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung ermöglicht. Sie umfasst Maßnahmen und Aktivitäten, mit denen die Stärkung der Gesundheitspotenziale der Menschen erreicht werden sollen. Dabei steht Gesundheit als positiver Begriff im Mittelpunkt der Anstrengungen. Gesundheitsförderung zielt nicht nur auf Wissen, Einstellung und Verhalten des Individuums, sondern gleichfalls auf seine Lebensweise, die in Wechselwirkung mit Familie, Schule und Gesellschaft steht. Gesundheitsförderung konzentriert sich auf die „protektiven Faktoren“ Gesundheitsverhalten und Gesundheitsverhältnisse. Die Menschen sollen zu verantwortungsbewussten Entscheidungen hinsichtlich ihrer Gesundheit befähigt werden.[8]
„Ernährung“
Ernährung ist die Aufnahme der Nährstoffe[9] durch den Organismus, die zur Aufrechterhaltung der Lebensvorgänge notwendig sind. Sie dient als Energiequelle aller körperlichen, geistigen und psychischen Leistungen und stellt die Stoffe für das Wachstum sowie für den Ersatz verbrauchter Substanzen bereit. Die Versorgung des Menschen mit Nahrung erfolgt durch Aufnahme von Speisen und Getränken.[10]
„Ernährungserziehung“
„Ernährungserziehung richtet sich an Kinder und Jugendliche und stellt für diese Menschen verbindliche Lebensregeln zur Vermeidung von Risikofaktoren auf, um vor Krankheiten zu schützen. Es liegt die Annahme zugrunde, dass geeignetes Wissen durch Informationen zu entsprechendem Handeln im Alltag befähigt. Angst- und Verantwortungsappelle sowie Gewohnheitsbildung durch Konditionierung sind häufig benutzte Mittel.“[11]
„Ernährungsbildung“
„Ernährungsbildung wird als das Bemühen des Menschen angesehen, eine persönlich sinnvolle Ernährungsweise durch gesunde Lebensführung aufzubauen, worin er Unterstützung und Begleitung erfährt. Dabei beschränkt sie sich nicht nur auf die Korrektur und Entfaltung individueller Handlungsweisen, sondern berücksichtigt soziale, ökologische und ökonomische Aspekte eines selbstbestimmten und mitverantwortlichen menschlichen Handelns.“[12]
„Ernährungslehre“
Ernährungslehre ist die „Theorie der gesunden und richtigen Ernährung“.[13] Die bekannteste Ernährungslehre ist die Vollwerternährung (s. Kapitel 2.1). Alternative Ernährungsformen sind Vegetarismus, Rohkost, Makrobiotik, Trennkost, Ernährungslehre der Traditionellen Chinesischen Medizin (Ernährung nach den 5 Elementen) und nach Ayurveda.[14]
„Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung sind zentrale Anliegen im Bildungswesen. Grundlage von Bildung ist der Erwerb von gesichertem Verfügungs- und Orientierungswissen, das die Schülerinnen und Schüler zu einem wirksamen und verantwortlichen Handeln auch über die Schule hinaus befähigt.“[15] Die Grundschule soll demnach die Basis für weiterführendes Lernen bilden. Der Bildungsauftrag der Schule beschreibt, dass die Schüler zu „kritischen Persönlichkeiten heranzubilden“ sind und dass sie befähigt werden sollen, „gesundheitsbewusst zu leben“.[16] Wandel von Alltagskultur und Lebensweisen sind im Fachunterricht und in Unterrichtsprojekten zu thematisieren. Hierzu gehören Unterrichtssequenzen zu einer umweltverträglichen und gesundheitsfördernden Ernährung.[17]
Der Grundschulverband empfiehlt zu den aktuellen Bildungsstandards, dass Grundschulkinder elementare Grundsätze einer gesunden Ernährung und Lebensführung kennen sollen. Ein zeitgemäßer Sachunterricht ist dazu verpflichtet, Kinder in diesen Bereichen zu bilden. Er zielt auf die Gewinnung von Handlungskompetenz, wobei das eigene forschend-entdeckende Tun des Kindes das primäre Medium der Aneignung ist.[18]
