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Studienarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Pädagogik - Allgemein, Note: 1,5, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, Veranstaltung: Konflikte in der Schule, Sprache: Deutsch, Abstract: 2 Einführung Ein Konflikt wird in dieser Arbeit als „eine Auseinandersetzung, Belastung und/oder Schwierigkeit verstanden, die bei der beteiligten Person oder den beteiligten Personen zu einer emotionalen Betroffenheit und zu Beeinträchtigungen von unterschiedlicher Relevanz führt.“ Um die Konfliktrelevanz besser einordnen zu können ist eine Unterteilung in Schein-, Rand-, Zentral-, oder Extremkonflikt hilfreich. „Scheinkonflikte führen nur zu einer momentanen Betroffenheit und hinterlassen keine Beeinträchtigung. Randkonflikte bewirken eine kurzzeitige und geringe emotionale Betroffenheit und hinterlassen nur geringe Beeinträchtigungen. Zentralkonflikte führen zu einer starken emotionalen Betroffenheit mit Langzeitwirkung und starken Beeinträchtigungen. Extremkonflikte hinterlassen eine sehr starke dauerhafte emotionale Betroffenheit und führen zu Beeinträchtigungen, die nicht korrigierbar sind.“ Wir orientieren uns also danach, wie emotional betroffen die Beteiligten eines Konfliktes sind, und betrachten in gleichem Maße die psychischen, physischen, sozialen und kognitiven Beeinträchtigungen. Damit das Vorgehen des Einteilens ein bisschen klarer wird, werde ich jetzt das Fallbeispiel, mit dem wir uns während der gesamten Arbeit beschäftigen werden, vorstellen, und später den Versuch unternehmen, dieses in eine Konfliktgruppe einzuteilen.
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Veröffentlichungsjahr: 2009
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können. Lehrer sind herausgefordert, mit all diesen Nebenwirkungen des Lehrberufes umgehen zu können.
Deshalb haben sich verschiedenste Wissenschaftler mit dem Thema „Konflikte in der Schule lösen“ beschäftigt und sind zu unterschiedlichsten Ergebnissen gekommen. Manchen Autoren geht es lediglich darum Konflikte beizulegen, bei Auseinandersetzungen zu schlichten, weil sie einen Konflikt generell als schlecht einstufen. Anderen geht es hauptsächlich um die gewaltfreie Lösung von Konflikten, wobei sie teilweise das Recht auf Verteidigung gegenüber einem ungerechtfertigten Angriff unterschlagen. Andere Autoren tendieren dazu, die Streitschlichter-Programme überzubewerten. Sie haben den Blick dafür verloren, dass es bei extremen Konflikten immer noch die Aufgabe der Lehrer ist, mit der Situation vernünftig umzugehen. Andere Themen werden eher außer Acht gelassen, so zum Beispiel die strukturellen Probleme, die durch die Schule selbst ausgelöst werden, wie zum Beispiel die frühe Unterteilung in Haupt-, Realschule und Gymnasium. Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Konfliktanalyseschema von Georg E. Becker, weil er ein Programm darstellt, in dem nicht eine Methode Absolutheitsanspruch erhält, sondern ein multikausaler Ansatz vorherrscht, bei dem alle Bereiche der Konfliktlösungsstrategien differenziert und offen bearbeitet werden.1Es geht hier weniger darum, was in welchem Fall wie zu tun ist, sondern hilft Lehrern vielmehr, die auftretenden Konflikte einzuschätzen und die daraus nötig werdenden Konsequenzen zu ziehen. Dies bedeutet eine Folge von Bearbeitungsschritten zu durchlaufen, bei der evtl. auch noch andere Personen miteinbezogen werden. Je nach Ausmaß des Konflikts müssen unterschiedlich viele Schritte durchlaufen und dem Fall entsprechend intensive Überlegungen und Nachforschungen angestellt werden. Am Ende steht eine selbst erarbeitete Lösungsstrategie, von der jeder Beteiligte sagen kann, dass sie durchdacht, begründbar und anderen gegenüber vertretbar ist.
Im ersten Teil der Arbeit werde ich klären, was ein Konflikt eigentlich ist und die erste Hälfte eines Fallbeispieles vorstellen, dadurch ergibt sich die Möglichkeit darzustellen, was ein inter- und was ein intrapersonaler Konflikt ist. Diesen Überlegungen folgt die zweite Hälfte des Fallbeispiels und der Versuch, diesen Fall in Beckers Konfliktunterteilungsschema einzuordnen. Da dies sich als schwierig gestaltet, folgt eine gewisse Modifizierung des ursprünglichen Falls, der übrigens der Realität entspricht2, damit wir besser mit ihm arbeiten können. Hier wird bereits deutlich, dass Theorien nur begrenzt sind, und die Wirklichkeit oft fassettenreicher ist.
1Vgl. E. Becker (2006) S. 17
2Erfahrung eines Realschullehrers an der Haupt- und Realschule Blaufelden.
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Um die vernünftige Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis geht es auch im zweiten Teil der Arbeit. Darin werden die einzelnen Schritte der Konfliktanalyse Beckers dargestellt. Um diese verständlicher und anschaulicher zu machen, wechselt die Theorie ständig mit der praktischen Anwendung ab. Jeder Analyseschritt wird mit der entsprechenden Teilbearbeitung des modifizierten Fallbeispiels unterstützt, das sich durch die gesamte Arbeit ziehen wird. Dabei werde ich kritisch beobachten, inwieweit Beckers Theorie praktisch ist. Um den Umfang der Arbeit nicht überzustrapazieren, bemühe ich mich ab Punkt 3.5 die kritischen Stimmen eher zu zügeln, dafür aber zügig zum Abschluss zu kommen.
Ein Konflikt wird in dieser Arbeit als „eine Auseinandersetzung, Belastung und/oder Schwierigkeit verstanden, die bei der beteiligten Person oder den beteiligten Personen zu einer emotionalen Betroffenheit und zu Beeinträchtigungen von unterschiedlicher Relevanz führt.“3Um die Konfliktrelevanz besser einordnen zu können ist eine Unterteilung in Schein-, Rand-, Zentral-, oder Extremkonflikt hilfreich.