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ÜBER DIE HELLEN UND DUNKLEN WEGE DES LEBENS Sepp Mall versammelt GEDICHTE IM ZEICHEN DES HOLZES. In einem SPIEL DER ASSOZIATIONEN lockt er in ein LABYRINTH, das uns zwischen BILDERN DER GEBORGENHEIT UND DES SCHRECKENS wandern lässt. Seine Gedichte führen vom WALD, DEN MAN VOR LAUTER BÄUMEN NICHT MEHR SIEHT, zum BAUM DER ERKENNTNIS, vom MÄRCHENHAFTEN ZAUBERWALD zum VERGANGENER GRÄUEL. Mall entwirft eine sanfte und eindringliche POESIE ÜBER VERTREIBUNG UND FLUCHT sowie über die NATUR IN IHRER BEDROHLICHEN WIE GÜTIGEN SCHÖNHEIT. EIN FASZINIERENDES SEELENPANORAMA VON MENSCH UND NATUR Unaufgeregt und präzise geht Sepp Mall DEN WÖRTERN AUF DEN GRUND und eröffnet dabei vielfältige Assoziationsräume. So spürt er dem LAUF DER ZEIT nach, dem WECHSEL DER JAHRESZEITEN, dem STETEN HINEINWIRKEN DER VERGANGENHEIT IN DIE GEGENWART. Es geht ihm um ZYKLEN DER VERWANDLUNG UND VERGÄNGLICHKEIT, gleichermaßen IM MENSCHLICHEN WIE IM BOTANISCHEN. Im Schwinden der Farben, im Verklingen des Lebens und in der ZERBRECHLICKEIT DER EXISTENZ verdichtet und findet Mall VERGANGENE AUGENBLICKE. Seine GROSSE SPRACH- UND BILDKRAFT zeigt sich in einer leisen, kraftvollen Poesie.
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Seitenzahl: 21
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Sepp Mall
Holz und Haut
Gedichte
Für S. (Josef Roman)
Die Holzfäller kommen am Morgn
wo alles noch atmet / in langen
Zügen
: die Motorsägen geschultert Ge-
wehren gleich / oder Sensen
Vorsichtig bewegen sie sich
unter den hängenden Ästen
die erste Fichte / wird angesprochen
behutsam gestreichelt
: man redet ihr gut zu
Die Holzfäller / kommen am Morgen
und gehen am Abend
: müde zu ihren Frauen zurück
mit blutenden Schuhn
Vielleicht / dass etwas in dir ist
(ein Glimmen ein
Funke am Rand der Synapsen)
: das abhebt
mit dem Schwarm / mit-
schwingt im Geschwader
(dahin)
einem ferneren Sommer zu / ins weite
Gleiten eingehüllt
Warum sonst / kannst du deinen Blick
nicht nehmen
Von diesem Atmen Wiegen Sirrn
dem Flatterlicht / hoch
ins Blau gespannt
Die Kaninchen unserer Kindheit
trommelten bei Gefahr auf den
Boden / sie machten Männchen
wenn wir Futter brachten
ans Türchen
: zarte Blätter aus Mutters Garten
Man musste vorsichtig sein / wegen
der Inzucht fuhren wir
bis ins Nachbardorf
Unsre Kaninchen waren richtige
Hasen / nicht bloß
Kaninchen
den Sonntagsbraten aßen wir
mit zusammengebissnen Zähnen
So war es doch
: dass wir dem Papier
mehr vertrauten
Als dem Holz / der Biegsamkeit
der Weiden
der Zypressen / die sich duckn
im Sturm
dem Stöckchen durchs Gitter
Oder dem Knistern des Grubenholzes
(das uns warnte)
Es war ein Singen zwischen den Häusern
ein Schwingen / ein heller Ton
Und dann der gellende Schmerzens-
laut / wenn das Sägeblatt sich ins Holz
: frisst
So läutet man den Herbst ein (hier)
mit einem Tötungsritual
Und stumm sieht das Dorf zu