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Akademische Arbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Soziale Arbeit / Sozialarbeit, Note: 1,0, Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, Sprache: Deutsch, Abstract: Der vorliegende Text befasst sich mit den theoretischen Grundlagen systemischer Beratung. Zunächst erfolgt zunächst eine Beschreibung sozialer Systeme (Punkt 1.1). Nachfolgend werden grundlegende Aspekte Systemischer Beratung erläutert (Punkt1.2). Der dritte Teil widmet sich ausgewählten systemischen Interventionen (Punkt 1.3). Abschließend werden die zentralen Aussagen dieses Kapitels in einem Resümee zusammengefasst (Punkt 1.4). Da die systemische Beratung ihren Ursprung in der Familientherapie hat und Sozialarbeiter und Sozialpädagogen in der Beratungspraxis häufig mit Problematiken konfrontiert sind, die direkt oder indirekt mit der (Herkunfts-) Familie im Zusammenhang stehen, konzentrieren sich die Ausführungen dieses Kapitels auf die systemische Beratung von Familien. Wenn von Systemischer Beratung gesprochen wird, so ist der Ausdruck gleichzusetzen mit Systemischer Therapie. Von Schlippe und Schweitzer weisen in ihrem Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung darauf hin, dass sie „zwischen systemischer Therapie und systemischer Beratung keine grundsätzlichen theoretischen oder methodischen Unterschiede sehen“ (von Schlippe/ Schweitzer 2003, 15). Da in der Sozialen Arbeit Beratung und nicht Therapie Anwendung findet, wird in dieser Arbeit der Ausdruck der Beratung verwendet.
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Veröffentlichungsjahr: 2015
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Interkulturelle systemische Beratung
1.1 Aspekte interkultureller Beratung aus systemischer Perspektive
1.1.1 Kulturelle Zugehörigkeit aus systemischer Sicht
1.1.2 Zirkularität von kultureller Differenz und Integration
1.1.3 Kulturelle Differenz in der Beratung
1.2 Die Nützlichkeit der systemischen Perspektive für die interkulturelle Beratung
1.2.1 Gestaltung einer konstruktiven Beratungsbeziehung
1.2.2 Berücksichtigung des kulturellen Kontextes
1.2.3 Berücksichtigung des migrationssspezifischen Kontextes
1.3 Leitfaden für die systemisch-interkulturelle Beratung
1.3.1 Erstkontakt
1.3.2 Erstgespräch
1.3.3 Abschluss des Beratungsprozesses
1.4 Resümee
2. Systemisch-interkulturelles Praxisbeispiel
2.1 Falldarstellung und Auswertung der systemischen Vorgehensweise
2.2 Fallanalyse
2.3 Einsatz systemischer Prinzipien und Interventionen
Fazit
Abbildungen
Literatur (inklusive weiterführender Literatur)
„In der Begegnung mit Fremden kann die Toleranz nur der Anfang sein.“
(Johann Wolfgang von Goethe)
In einer Gesellschaft, die von Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft geprägt ist, gehören interkulturelle Begegnungen zur alltäglichen Realität.
Dem Statistischen Bundesamt zufolge, haben die in Deutschland lebenden Migranten Ende 2005 8,2% der Gesamtbevölkerung ausgemacht. Spätaussiedler, Folgegenerationen und Eingebürgerte nicht einbezogen (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2006, 79). Die Begegnung unterschiedlicher Kulturen stellt eine Bereicherung dar, birgt aber auch Konfliktpotenzial. Entscheidend ist, wie Mehrheitsgesellschaft und Minderheiten den Aspekt kultureller Differenz bewerten.
Spätestens seit dem 11. September 2001 ist deutlich geworden, dass Toleranz für ein friedliches Zusammenleben nicht ausreicht. Der konstruktive Umgang mit kultureller Differenz erfordert eine kontinuierliche Selbstreflexion und die Bereitschaft, sich auf transkulturelle Prozesse einzulassen. Damit ist gemeint, sich über den kulturellen Austausch auf einen gemeinsamen Veränderungsprozess zu begeben.
Die Zahl der Klienten mit Migrationshintergrund im Handlungsfeld der Beratung nimmt zu. Beratungsstellen müssen sich der Aufgabe stellen, interkulturelle Dimensionen zu entwickeln. Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen sind herausgefordert, interkulturelle Kompetenz zu erwerben.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit interkultureller und systemischer Beratung. Es wird untersucht, welchen Beitrag systemische Konzepte für die interkulturelle Beratung in der Sozialen Arbeit leisten können.
Die Arbeit versucht die These zu belegen, dass interkulturelle Beratung nach systemischen Konzepten verlangt und befasst sich mit der Synthese interkultureller und systemischer Beratung. Es wird ein Leitfaden für die systemisch-interkulturelle Beratungspraxis erstellt.
Anhand eines Fallbeispiels werden Möglichkeiten systemischer Konzepte für die interkulturelle Beratung veranschaulicht.
Sowohl über systemtheoretische als auch über interkulturelle Beratung gibt es zahlreiche Fachliteratur. Demgegenüber besteht ein vergleichsweise geringes Angebot an Literatur, die sich mit der Verbindung beider Ansätze befasst. Das wissenschaftliche Interesse daran hat jedoch in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen.
Meine persönliche Motivation, mich mit der interkulturellen Thematik zu befassen, beruht auf eigenen kleinen „Migrationserfahrungen“. Vor der Aufnahme meines Studiums absolvierte ich einen sechsmonatigen Europäischen Freiwilligendienst in Spanien. Die Erfahrung fremd in einem Land zu sein, verdeutlichte mir die Relativität der eigenen kulturellen Denk- und Verhaltensmuster und weckte mein Interesse an anderen Kulturen und Sichtweisen.
Den Anstoß für die Bearbeitung des Themas erhielt ich während eines Praktikums in der Migrationsberatung beim Fachdienst für Integration und Migration. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte ich mich im Rahmen der Vorbereitung auf die Prüfung im Fach Konzepte Sozialer Arbeit mit Modellen systemischer Beratung. Die Erfahrung mit der Praxis des interkulturellen Handlungsfelds einerseits und der theoretischen Auseinandersetzung mit systemischen Konzepten andererseits, weckten meine Neugier, die beiden Konzepte miteinander zu verbinden.
Ich hoffe, den Leser mit meiner Diplomarbeit für die interkulturelle Dimension zu sensibilisieren und ihn anzuregen, sich beruflich oder privat, für den interkulturellen Dialog mit Menschen anderer Kulturen zu öffnen.
Anmerkungen zur Begriffsdefinition:
Zugunsten des Textflusses habe ich diese Arbeit in der männlichen Schreibweise verfasst.
Die von mir verwendete Bezeichnung Migranten
Nachdem die Bedeutung von interkultureller Kompetenz als Schlüsselqualifikation für die interkulturelle Beratung herausgestellt und grundlegende Aspekte der systemischen Perspektive erläutert worden sind, beschäftigt sich dieses Kapitel mit der Synthese voninterkultureller und systemischer Beratung.
Zu Beginn des Kapitels werden zentrale Aspekte interkultureller Beratung aus der systemischen Perspektive betrachtet (Punkt 1.1). Anschließend wird die Nützlichkeit der systemischen Perspektive für die interkulturelle Beratung analysiert (Punkt 1.2). Der für die systemisch-interkulturelle Beratung entwickelte Leitfaden schließt das Kapitel ab (Punkt 1.3). Im abschließenden Resümee werden die Ergebnisse dieses Kapitels zusammengefasst (Punkt 1.4).
Im Folgenden werden Aspekte interkultureller Beratung aus der systemischen Perspektive beleuchtet. Zunächst werden die Erkenntnisse des zweiten Kapitels angewendet, um eine systemische Bestimmung kultureller Zugehörigkeit vorzunehmen. Anschließend wird die Zirkularität von kultureller Differenz und Integration herausgestellt. Es folgen die aus dieser Diskussion resultierenden Konsequenzen für den Umgang mit kultureller Differenz in der Beratung.
Aus systemischer Perspektive stellt Kultur ein symbolisches System dar. Menschen sind als Rollenträger Angehörige des Kultursystems. Als psychisches System gehören sie der Systemumwelt an (Miller 2001, 118-121). Durch Beobachtung differenzieren sie ihr Umfeld und konstruieren mittels Sprache subjektive Beschreibungen über die Welt (Kersting 2002, 192). Diese Konstrukte unterscheiden die jeweilige Kultur von anderen Kultursystemen. Kultur entsteht erst durch die Differenzierung von Kultur und Umwelt. Entsprechend der systemspezifischen Struktur reproduziert das Kultursystem seine Elemente (Werte, Normen, Lebensstile, Sprache, Religion etc.) autopoietisch durch Kommunikation und Handeln.
Einzelne Kulturelemente können sich widersprechen. So verhalten sich beispielsweise Religion und Wissenschaft in einigen moralischen Grundfragen konträr zueinander (z.B. in Bezug auf die embryonale Stammzellenforschung). Die Unterscheidung einer Kultur von anderen Kultursystemen definiert die Grenze, innerhalb derer die autopoietischen Prozesse stattfinden (Miller 2001, 117-118).
Die zu Beginn dieser Arbeit vorgenommene Definition von Kultur betont deren Dynamik und Gestaltbarkeit. Kultur schließt selbstreferenziell an die eigene Struktur an. Über fremdreferenzielle Prozesse ist es möglich Veränderungen im System anzuregen, wodurch sich die Struktur der Kultur neu gestaltet.
