Kyra und Ignis - Katharina Alterauge - E-Book
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Kyra und Ignis E-Book

Katharina Alterauge

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Beschreibung

Als Kyra auf den Feuergeist Ignis trifft und plötzlich von unheimlichen, dunklen Monstern verfolgt wird, stellt sich ihr komplettes Leben auf den Kopf. Denn sie ist die Elementalistin des Feuers und hat die Aufgabe, zusammen mit vier anderen Mädchen die Elemente zu retten - eine Herausforderung für Kyra, da sie eigentlich Angst vor Feuer hat. Und als sie dann auch noch einen Unfall verursacht, der einen hohen Preis verlangt, will sie endgültig nichts mehr mit der Sache zu tun haben. Doch leider kann sie nicht so einfach vor ihrem Schicksal davon laufen... Band 1 der sechsteiligen Fantasy-Reihe "History of Elements"

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Seitenzahl: 255

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Für meine beste Freundin Nessi,

denn du hast mir klar gemacht, dass

ich meinen Traum verwirklichen kann.

Wir alle tragen ein Feuer in uns.

Es kommt nur darauf an,

ob wir es auch entzünden.

Prolog

Grell. Heiß. Stark.

In Momenten seiner entfalteten Macht ist er gefürchtet unter den fünf Elementen. Er selbst hasst das Wasser am meisten, da er erlöschen würde, wenn es ihn in all den Jahren der Suche berührt hätte.

Er ist Ignis, das Element Feuer selbst. Allerdings hat er keine richtige Gestalt. Noch nicht.

Denn er ist auf der Suche nach einem Elementalisten, der die Macht des Feuers einzusetzen weiß. Einer, der diese Macht nicht nur einsetzen kann, sondern sie auch zu schätzen weiß. Einer, der sich als würdig erweist.

Ignis jagt über die Highlands in Schottland und weicht auf dem Weg immer wieder den merkwürdigen violetten Blitzen aus, die von oben auf ihn zu rasen. Er wirft einen Blick Richtung Himmel, der dunkellila verfärbt ist und unnormale Geräusche von sich gibt.

Das alles ist nicht normal.

Ignis muss so schnell wie möglich weg von der Macht dieses dunklen Nebenelements. Allein, ohne einen Elementalisten, ist er nicht stark genug.

Nach vielen weiteren Stunden des Überlebenskampfes sieht er jedoch in der Ferne endlich den Ort, den er erreichen wollte.

Die schottische Kleinstadt Stonekin.

Dort würde er fürs Erste in Sicherheit sein.

Inhaltsverzeichnis

Kyra-Kapitel 1

Kyra-Kapitel 2

Ignis-Kapitel 3

Kyra-Kapitel 4

Kyra-Kapitel 5

Fulgur-Kapitel 6

Kyra-Kapitel 7

Ignis-Kapitel 8

Kyra-Kapitel 9

Kyra-Kapitel 10

Ignis-Kapitel 11

Kyra-Kapitel 12

Fulgur-Kapitel 13

Kyra-Kapitel 14

Kyra-Kapitel 15

Fulgur-Kapitel 16

Kyra-Kapitel 17

Kyra-Kapitel 18

Kyra-Kapitel 19

Kyra-Kapitel 20

Kyra-Kapitel 21

Ignis-Kapitel 22

Kyra-Kapitel 23

Kyra-Kapitel 24

Ignis-Kapitel 25

Kyra-Kapitel 26

Kyra-Kapitel 27

Kyra-Kapitel 28

Ignis-Kapitel 29

Kyra-Kapitel 30

Kyra-Kapitel 31

Kyra-Kapitel 32

Kyra-Kapitel 33

Ignis-Kapitel 34

Kyra-Kapitel 35

Kyra-Kapitel 36

Kyra-Kapitel 37

Kyra-Kapitel 38

Ignis-Kapitel 39

Kyra-Kapitel 40

Kyra-Kapitel 41

Fulgur-Kapitel 42

Kyra-Kapitel 43

Ignis-Kapitel 44

Kyra-Kapitel 45

Kyra-Kapitel 46

Kyra-Kapitel 47

Kyra-Kapitel 48

Fulgur-Kapitel 49

Kyra-Kapitel 50

Fulgur-Kapitel 51

Kyra-Kapitel 52

Kyra-Kapitel 53

Kyra-Kapitel 54

Kyra-Kapitel 55

Kyra-Kapitel 56

Kyra-Kapitel 57

Kyra-Kapitel 58

Kyra-Kapitel 59

Kyra-Kapitel 60

Kyra-Kapitel 61

Kyra-Kapitel 62

Kyra-Kapitel 63

Kyra-Kapitel 64

Kyra-Kapitel 65

Kyra-Kapitel 66

Kyra-Kapitel 67

Kyra-Kapitel 68

Kyra & Ignis

Kyra

Kapitel 1

„Kyra Mason!“

Erschrocken fahre ich aus dem unbequemen Nickerchen auf meinen Schulbüchern hoch und starre blinzelnd und mit zusammengekniffenen Lippen nach vorne.

Doch es war nicht nur die näselnde Stimme unseres Mathelehrers Mr Ward, die mich aus der Traumwelt vertrieben hat. Vielleicht lag es daran, dass ich vor dem Einschlafen die ganze Zeit in das Licht der roten Duftkerze auf Mr Wards Schreibtisch gestarrt habe, die immer einen beißenden Geruch von einer Mischung aus Kirsche und Zitrone verströmt. Denn gerade, als ich von einem wunderschönen Tag am Strand geträumt habe, wurde auf einmal alles schwarz und ich sah mich selbst, wie ich eine Feuerkugel in der ungeschützten Hand halte. Also wurde der Strand-Traum zu einem Albtraum, was ich meinem Hass gegenüber Feuer zu verdanken habe. Genau genommen habe ich einfach nur eine Scheiß-Angst, aber wer sollte das schon rausbekommen? Dafür bin ich zu gut im Geheimnisse bewahren.

Mr Ward sieht mich immer noch tadelnd an und deutet auf das komisch aussehende Diagramm mit der Gleichung daneben, dass auf der digitalen Tafel angezeigt wird.

„Ms Mason, wenn Sie bitte diese Gleichung lösen würden?“

Widerwillig stehe ich auf und schlurfe nach vorne, um die Aufgabe an der Tafel zu lösen. Das Problem ist nur, dass ich in den letzten Stunden so gut wie gar nicht aufgepasst habe. Aber Mr Ward ist nun mal einer der Lehrer, die so eine langweilige Stimme haben, dass sie die Schüler geradezu in den Schlaf jagt! Und es hilft nicht gerade, dass wir fast jede Stunde einen Wetterbericht anschauen müssen, weil er ein Faible dafür hat. Wie kann man sich überhaupt so für das Wetter interessieren? Jeder Mensch dieser Welt würde sich mit der einfachen Aussage „Es regnet.“ zufrieden geben. Aber Mr Ward brauch noch die Stärke des Regens, die Prozentanzahl von irgendwas und die Niederschlagsmenge. Keine Ahnung, was das ist.

Trotz meines Nichtwissens nehme ich ihm also nach einem kurzen Blick auf die Uhr den digitalen Stift aus der Hand und räuspere mich. Dreimal. Dann kratze ich mich am Rücken und lasse den Stift fallen. Natürlich aus Versehen.

Unser Lehrer seufzt, doch zu meinem Glück ertönt in genau diesem Moment der Schulgong. Meine Taktik hat mal wieder funktioniert!

Nachdem ich meine Sachen zurück in meinen Schulrucksack gestopft habe, folge ich dem Strom der Schüler aus dem Klassenzimmer und durch die Flure der Schule.

Als ich den Schulhof betrete, blendet mich das Licht der Sonne. Sie strahlt heute mal wieder viel zu stark vom Himmel, der von nicht einer einzigen Wolke bedeckt ist. Ich setze mich ein Stück entfernt vom Schulhof auf einen glatten, breiten Stein unter einer großen Kastanie. Das hier ist quasi mein Stammplatz, wo ich jeden Tag nach Schulschluss warte, bis fast alle anderen Schüler weg sind. Erst dann gehe ich nach Hause. Ich bin nämlich nicht unbedingt das beliebteste Mädchen mit den meisten Freundinnen an dieser Schule. Hier bin ich einfach nur die komische, adoptierte Außenseiterin mit den roten, dicken Korkenzieherlocken, die immer dieselbe schwarze Lederjacke über einem roten Shirt trägt. Mich stört das nicht unbedingt, ich hoffe nur, dass ich irgendwann wenigstens eine Freundin haben werde, wenn ich schon Einzelkind bin. Nicht, dass ich nicht versucht hätte, Freunde zu finden, aber leider weiß fast die gesamte Schule, dass ich meine echten Eltern nicht kenne, weswegen auch nie jemand zum Freak kommt.

Genaugenommen gibt es schon einen gewissen Jemand, der mit mir befreundet sein will. Das Problem bei der Sache ist, dass… na ja, ich weiß eigentlich selbst nicht so genau, wo das Problem liegt. Aber das Thema ist jetzt auch nicht das Wichtigste, also… lassen wir das Ganze einfach.

Heute leert sich die Gegend um die Schule glücklicherweise schneller, weil jetzt für eine Woche Ferien sind. Endlich!

Ein starker Windstoß weht mir die Haare ins Gesicht, während ein paar Meter neben mir ein zierliches Mädchen aus meiner Klasse, dessen Namen ich vergessen habe, über ihre eigenen Füße stolpert. Oder hat der Wind sie umgeworfen? Nee, so stark war die Böe jetzt auch nicht.

Als nach ein paar Minuten nur noch einzelne Schüler der höheren Klassen bei den Tischtennisplatten quatschen, mache ich mich langsam auf den Weg nach Hause.

Mein Weg führt mich über einen Steg, auf dem ein Mädchen sitzt und auf das Wasser starrt. Ich kenne sie vom Sehen, weil sie in meine Parallelklasse geht. Sie soll wohl ziemlich arrogant und eingebildet sein, aber das ist nicht mein Problem.

Auch komme ich an dem etwas abgelegenen, kleinen Schulgarten vorbei, in dem noch ein Mädchen irgendetwas einpflanzt. Wenig später beschleunige ich meine Schritte, da ich an einer Bar vorbeikomme, vor der ein paar Jungs aus der höheren Klasse quatschen und leider auch der gewisse Jemand bei ihnen ist. Ich verstecke mich hinter meinen Haaren und werfe einen kurzen Blick auf die Kellnerin, ein Mädchen mit bunten Strähnen in den beinahe weißen Haaren, bevor ich um eine Ecke biege.

Das Ding ist, dass ich nicht so richtig weiß, was ich von diesem Jemand halten soll. Einerseits ist er nett (und vielleicht gutaussehend). Aber auf der anderen Seite auch irgendwie ein bisschen nervig.

Argh. Warum muss das Leben so kompliziert sein!? Es wäre so viel leichter, wenn man jeden Menschen sofort in eine der Kategorien gut für mich oder schlecht für mich einordnen könnte.

Nach ca. 15 Minuten Laufen und Grübeln habe ich endlich das Haus meiner Adoptivmutter Ella Mason erreicht. Es liegt nicht weit vom Strand entfernt und ist ein kleines, weiß angestrichenes Häuschen mit einem braunroten Dach und einem Vorgarten, in dem verschiedene Blumenarten wachsen und ein Hochbeet steht. Durch das Küchenfenster sehe ich Ella am Herd stehen und kochen, während sie die auf einem Ständer stehende Tageszeitung liest.

Unwillkürlich muss ich lächeln. Auch wenn ich meine richtigen Eltern nie kennengelernt habe, bin ich hier in Stonekin glücklich. Meine Adoptivmutter arbeitet als Privatlehrerin, sie unterrichtet also zurzeit ein Mädchen in ihrem Zuhause. Deswegen ist sie auch immer etwas früher von der Arbeit wieder da.

Ich drücke auf die Klingel und lese wie jeden Tag den Spruch auf der Fußmatte:

Erwecke das Feuer in dir und lass dein Herz vor Liebe brennen.

Bevor ich bei Ella eingezogen bin, hatte sie den Fußabtreter auf einen Flohmarkt von einer Frau geschenkt bekommen, die die Matte anscheinend unbedingt loswerden wollte.

Ich weiß zwar auch nach dem unendlichsten Mal Lesen nicht, was der Spruch bedeutet, aber ich werde definitiv niemals Feuer an mich ranlassen. Und schon gar nicht an mein Herz! Ich denke, das erklärt sich von selbst.

Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnet Ella die Tür und wischt sich die Hände an ihrer gestreiften Schürze ab.

„Tut mir leid, Kyra, Liebes. Ich musste noch den Herd ausstellen.“ Sie sieht mich aus ihren strahlend blauen Augen an und umarmt mich. Lächelnd drücke ich sie, wobei mich wie immer ihr schwarzes, schulterlanges Haar an der Nase kitzelt, und schiebe mich an ihr vorbei in den Flur. Sofort schlägt mir der Geruch nach Lauchsuppe, meinem Lieblingsessen, entgegen.

„Uh, wie komme ich zu der Ehre?“, frage ich Ella überrascht, da es Lauchsuppe eigentlich nicht so oft gibt, hauptsächlich an meinem Geburtstag, an Feiertagen oder anderen besonderen Tagen. Es sei denn…

„Zum einen, weil jetzt endlich eine Woche Ferien sind, und ich ja weiß, wie toll du schulfrei findest, und zum anderen, weil heute zum ersten Mal seit Langem wieder das Lagerfeuer am Strand zusammen mit allen Nachbarn ist und ich mich bereit erklärt habe, eine große Portion Lauchsuppe zu kochen. Aber… willst du überhaupt mitkommen?“

Nee, oder!? Ich hasse Lagerfeuer, weil es nun mal freies Feuer ist. Aber ich weiß, dass Ella es liebt, etwas mit unseren Nachbarn zu machen und dass sie sich freuen würde, wenn ich mitkomme, also…

Ich nicke nach ein paar Sekunden und auf Ellas Gesicht breitet sich ein Lächeln aus.

Ich versuche, die aufkommenden Bilder von Lagerfeuern zu verdrängen, und mir selbst einzureden, dass schon nichts passieren wird. Ich werde mich einfach von den Flammen fernhalten und… Wird schon schiefgehen…

Mit gemischten Gefühlen folge ich Ella in die Küche und schaue zur Tageszeitung, bei der auf der Titelseite ein unheimliches Bild abgebildet ist: Ein dunkellila Himmel mit violetten Blitzen.

Ella folgt meinem Blick, nimmt die Ausgabe vom Ständer und reicht sie mir.

„Danke“, murmele ich, setze mich an den Esstisch und fange skeptisch anzulesen:

UNGEWÖHNLICHES GEWITTER SORGT FÜR UNRUHE

Am gestrigen Tag und in der vergangenen Nacht wurde ein schweres Unwetter bei den Highlands in der Nähe von Stonekin gemeldet. Es handelte sich jedoch nicht um ein gewöhnliches Gewitter, wie ein anonymes Video klar zeigte. Denn in den Aufnahmen ist ein dunkler, lila Himmel und leuchtend violette Blitze zusehen, von denen manche wohl auch in die Erde eingeschlagen, jedoch nichts in Brand gesetzt haben.

Es werden immer noch Forschungen…

Ella zieht die Zeitung aus meiner Hand und schiebt mir stattdessen einen Teller Lauchsuppe hin. „Du solltest dich nichtunnötig nervös machen. Gerade jetzt, wo du endlich mal Zeit zum Entspannen hast.“

„Ich bin nicht nervös.“

Ella hebt lächelnd eine Augenbraue und deutet unter dem Tisch auf mein Bein, dass sich schnell auf und ab bewegt.

Ich seufze. „Na guuuuuut, vielleicht bin ich ein bisschen nervös…“

„Na also.“

Schmunzelnd fange ich an zu essen.

Nach zwei vollen Tellern Lauchsuppe mache ich mich auf den Weg nach oben in mein Zimmer. In der ersten Etage liegt das Schlafzimmer von Ella, und das Badezimmer.

In mein Zimmer führt eine Treppe, die man aus der Decke ziehen muss. Ich weiß, ein bisschen seltsam, aber das liegt daran, dass meine Adoptivmutter den Dachboden für mich eingerichtet hat.

Während ich meinen Schulrucksack mit der einen Hand auf der Schulter halte, ziehe ich mit der anderen die schmale Treppe mithilfe einer Kordel aus der Decke. Die kleinen Stufen knarzen, als ich mich nach oben schleppe und eine Klappe über den Eingang lege.

Mein Zimmer hat, da ich unter dem Dach wohne, an beiden langen Seiten Dachschrägen. Auf der einen Seite stehen mein Schreibtischund ein kleines Bücherregal und auf der anderen mein Maltisch und eine längliche, hellbraune Kommode, in der ich meine Kleidung (hauptsächlich in den Farben dunkelrot und schwarz) lagere, und über der ein kleiner Spiegel mit silbernem Rahmen hängt. Der Rest der Wände ist unter den unzähligen Leinwänden in verschiedenen Größen, auf die ich immer ein Bild aus meinen Träumen male, kaum zu sehen. Im Moment sieht man sehr viel Feuer auf ihnen, allerdings habe ich keinen blassen Schimmer, woran das liegt.

Mein Bett steht mit dem Kopfteil zur Wand an der kurzen Seite gegenüber der Luke. Wenn ich liege, befindet sich das kleine Fenster genau über meinem Kopf; ich muss also nur den Kopf ein bisschen heben, und schon habe ich einen atemberaubenden Blick auf die Dünen. Aber leider auch auf die Feuerstelle, die in einer kleinen Senke zum Strand hin gebaut wurde…

Ich werfe einen kurzen Blick in den Spiegel, und bemerke einen leichten roten Schimmer auf meiner blassen Nase. Na super, jetzt habe ich auch noch Sonnenbrand.

Danke, Universum!

Laut seufzend lasse ich meinen Rucksack auf den Boden neben dem Schreibtisch gleiten, werfe mich auf mein Bett und betrachte die Leinwände, die mittlerweile sogar an der Decke kleben. Vielleicht sollte ich den Traum aus dem Matheunterricht auch aufmalen?

Vom Quietschen des Lattenrosts begleitet, hieve ich mich wieder hoch, hole eine neue Leinwand aus einer Schublade unter dem Bett und setze mich an den Schreibtisch.

Mir hilft das Malen meines Traum-Tagebuchs immer dabei, einzuschlafen. Aber bald habe ich wirklich keinen Platz mehr, um die Bilder aufzuhängen…

Zwei Stunden und mehrere geübte Pinselstriche später prangt auf der Leinwand rechts ein schöner Strand, der in den schwarzen Grund mit mir und der Flamme übergeht.

Das Bild bekommt einen Platz direkt neben meinem Bett und ist noch einen weiteren Moment meinem durchdringenden Blick ausgesetzt.

„Kyra, Liebes, bist du fertig? Wir wollen in einer halben Stunde los!“

Ellas Stimme und das Klopfen an der Klappe über der Bodenluke reißen mich aus meinen Gedanken.

„Bin gleich fertig!“, erwidere ich und öffne meinen Kleiderschrank. Glücklicherweise konnten wir Schüler die Lehrer an unserer Schule letztes Jahr durch eine Protestaktion davon überzeugen, dass man die Schuluniform nicht verpflichtend tragen muss, weswegen ich mich nach der Schule normalerweise nicht mehr groß umziehen muss.

Mal sehen… Habe ich irgendwas Feuerfestes!?

Kyra

Kapitel 2

Lautes Stimmengewirr und das Knistern von Feuer schlagen mir entgegen, als Ella und ich die Dünen über eine kleine Treppe hinuntergehen. Die Bewohner unserer Nachbarschaft stehen in kleinen Grüppchen in der Nähe des Lagerfeuers und jubeln, als Ella triumphierend den Topf mit der Lauchsuppe hochhält. Sie stellt ihn auf einen Tisch mit anderen Snacks und Getränken und reicht mir grinsend die dritte volle Schüssel an diesem Tag. Ich grinse gequält zurück und laufe mit der Schüssel ein paar Schritte in Richtung Meer, also weg vom Feuer.

Ich habe mich letztendlich für ein rotes Ledertop, eine dunkelgraue Lederhose, schwarze Lederstiefel und die schwarze Lederjacke entschieden. Leder ist ja immerhin zu 90 Prozent feuerfest, also… lebe ich einfach von jetzt an in Leder.

Der schon verfärbte Himmel spiegelt sich im ruhigen Meer, das in kleinen Wellen an den Strand schwappt.

„Hey Prinzessin! Wie läuft’s so bei dir?“

Die leider nur allzu bekannte Stimme und der Spitzname reißen mich aus meinen Gedanken. Ich drehe mich um und sehe mich prompt dem gewissen Jemand, meinem Nachbarn Liam Kennedy, gegenüber. Sein braunes Pony verdeckt wie immer seine kleinen, blaugrauen Augen. Er streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und grinst mich an. Liam ist eine Klasse über mir, einen halben Kopf größer als ich und kann eine ziemliche Nervensäge sein. Der Spitzname sagt in diesem Falle alles. Und wahrscheinlich ist er der einzige Schüler der gesamten Schule, der mich mag. Das Problem ist nur, dass ich ihn nicht mag, weil er nun mal ziemlich nervt, mit seiner immer guten Laune. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich genauso jemanden brauche: immer fröhlich und optimistisch.

Ich gebe mir einen Ruck und lächele ebenfalls, was ich komischerweise gerade wirklich will. Anscheinend sieht Liam das auch, denn sein Grinsen wird noch breiter.

„Also… Was machst du hier draußen, Prinzessin? So ganz allein?“

Ich zögere. „Na ja… ich…“ Ich habe wirklich keine Ahnung, was ich sagen soll, da es eine gefühlte Ewigkeit her ist, dass ich wirklich mit einem anderen Teenager geredet habe…

„Ich kann auch wieder gehen, wenn du lieber alleine sein willst! Ich meine, ich wollte deine Zweisamkeit mit der Lauchsuppe nicht stören…“

In seinen Augen blitzt der Schalk auf und prompt muss ich lachen. So richtig. Das erste Mal seit Langem.

Warum auch immer.

Liam sieht mich verdutzt an und als sich meine komplette Suppe in den Sand ergießt, platzt das Lachen auch aus ihmheraus. Ich lache, bis mir der Bauch weh tut und meine Augen tränen, und keuche: „So habe ich seit einer Ewigkeit nicht mehr gelacht!“

Liam grinst und witzelt: „Ja, ja, meine Anwesenheit hebt sofort die Stimmung, egal wo ich hingehe.“

„Das glaube ich dir sofort“, grinse ich zurück. „Vielleicht bist du doch nicht so nervtötend, wie ich anfangs dachte…“ Ich lege in einer gespielt nachdenklichen Geste den Kopf schief.

„Und vielleicht bist du jetzt, dank meiner positiven Aura, keine Außenseiterin mehr?“ Er sieht mich fragend, mit einem Lächeln in den Augen, an.

Ich stutze. „Meinst du damit, dass wir jetzt Freunde sind? Weil… hast du nicht noch andere Freunde in deiner Klasse und so?“

Liam lächelt traurig. „Eigentlich schon, aber die machen immer so einen auf obercool, und nehmen mich eigentlich nicht immer so richtig wahr. Ich glaube, sie finden nicht, dass ich cool genug bin… was natürlich völliger Quatsch ist, ich meine, schau mich an!“ Er zeigt auf sich selbst, doch die leise Traurigkeit verschwindet nicht aus seinem Blick.

„Aber du bist cool!“, beteure ich, und schlage mir noch in derselben Sekunde eine Hand vor den Mund. Ups.

Was ist los mit mir!?

„Soso, du findest also, dass ich cool bin, Prinzessin?“ Er grinst schelmisch und wackelt mit den Augenbrauen.

Meine Wangen glühen und als ich den Kopf hebe und in Liams Augen schaue, wechselt mein Herz unerwartet in einen Kolibrimodus. Meine Hände werden schwitzig und mir schießt noch mehr Blut in den Kopf.

WAS IST LOS MIT MIR!?

Liam sieht mich immer noch so komisch an, und als ich gerade sowas wie „Äh… Ich… Äh…“ von mir geben will, bricht um das Lagerfeuer herum Geschrei aus.

Erschrocken drehen wir uns um, und sehen, dass anscheinend ein paar Funken auf den Holztisch mit dem Essen gelandet sind, der jetzt lichterloh brennt.

Liam sprintet los und kommt mit zwei Eimern zurück, die er am Meer mit Wasser füllt. Mir will er ebenfalls einen reichen, doch ich starre nur mit großen Augen auf die Flammen. Mein Atem kommt immer gehetzter und meine Handflächen brennen.

„Prinzessin?“, fragt Liam besorgt, stellt einen Eimer ab und legt seine freie Hand auf meine Schulter. „Kyra? Ist alles ok?“

Ich schüttle langsam den Kopf, während Liam auch den anderen Eimer abstellt, sich zwischen mich und das Feuer stellt und so meine Sicht auf die Flammen verdeckt.

Seine Augen finden meine und als sich mein Blick in diesem Blaugrau verliert, wird mein Atem ruhiger. Aus dem Augenwinkel sehe ich einen Mann, der sich beide Eimer schnappt und hastig in Richtung Feuer verschwindet.

„Kyra? Geht’s wieder?“

Jetzt nicke ich.

„Die zwei Eimer werden nicht reichen“, sage ich mit belegter Stimme.

Liam macht den Mund auf, um etwas zu erwidern, als ich hinter ihm ein lautes Zischen wahrnehme.

Mir wird schlecht.

Rote und gelbe Lichtpunkte beginnen vor meinen Augen zu tanzen.

Liam dreht sich halb zur Feuerstelle.

Ein Mädchen mit blauschwarzen Haaren und verwirrtem Gesichtsausdruck steht in der Nähe auf einer Düne und hat eine Hand auf den verkohlten Tisch gerichtet.

Das Feuer ist gelöscht.

Dann kippe ich nach hinten in die Dunkelheit.

Ignis

Kapitel 3

Ignis schwebt in einem rotgoldenen Raum.

Gelegentlich gleiten ein oder mehrere Bilder an ihm vorbei, oder auch kleinere und größere Flammen.

Er hatte sich jedes einzelne angeschaut und weiß, dass die Bilder Erinnerungen und die Flammen Gefühle sind.

Er weiß auch, dass er seine Elementalistin gefunden hat, auch, wenn sie sich vor Feuer fürchtet. Doch sie wird sich diese Angst mit der Zeit abgewöhnen können. Allein, dass die Gefühle und Erinnerungen die Form von Flammen angenommen haben, spricht für sie.

Der Ort, an dem er ist, ist das Herz des Mädchens. Hier hütet sie, wenn auch unbewusst, ihre intensivsten Gefühle und Erinnerungen.

Ignis hatte alles beobachtet, was am Lagerfeuer geschehen war.

Dass die Flammen auf den Holztisch übergegriffen hatten, war jedoch kein Unfall gewesen. Das Mädchen hatte unbewusst Kraftaus ihren übersprudelnden Gefühlen gezogen und sie abgefeuert.

Doch er hatte auch gesehen, wie eine große Gefühlsflamme in dem Herzen der Elementalistin aufgetaucht war, als sie in die blaugrauen Augen eines Jungen geschaut hatte. Aus diesem Gefühl hatte sie die Kraft gezogen. Zuerst hatte Ignis es nicht identifizieren können, doch nun weiß er es.

Es ist Liebe.

Normalerweise ist es ziemlich unwahrscheinlich, so etwas in ihrem jungen Alter zu erleben, und doch ist es passiert.

Sie hatte ihr Herz vor Liebe brennen lassen.

Kyra

Kapitel 4

Sie hatte ihr Herz vor Liebe brennen lassen.

Der Satz hallt in meinem Kopf in einem immerwährenden Singsang wider. Ich weiß nicht, von wem dieser Satz stammt. Ich weiß nur, dass er irgendwie in meinen Kopf gekommen ist. Innerhalb der nächsten Sekunde verwandelt sich der Singsang in einen roten, mit Flammen ausschlagenden Strudel, der durch mein Herz und meinen Kopf fegt.

Und ich bin darin gefangen.

„…einmal pro Tag, dann sollte sie wieder…“

Einzelne Teile eines Gesprächs erreichen mich in dem Feuerstrudel. Ist das hier etwa nur ein Traum?

Ich spüre, wie mir eine zitternde Hand über die Wange streicht, aber sofort wieder weggezogen wird. Ich schlage die Augen auf und es fühlt sich an, als würde ich aus einem kochend heißen Whirlpool in ein kaltes Schwimmbecken geworfen werden.

Als sich mein Blick scharf stellt, erkenne ich Ella, die neben meinem Bett auf meinem Schreibtischstuhl sitzt und die rechte Hand fest umklammert hält, und den Hausarzt Dr. Bryan, einuntersetzter Mann mit Glatze und hellgrünen Augen, der mich mustert.

Ich richte mich langsam auf und rutsche so zurück, dass ich mich an die Wand lehnen kann.

„Ms Mason?“ Dr. Bryan beugt sich zu Ella hinunter, die mittlerweile über ihre Hand reibt.

Sie schüttelt langsam den Kopf, lässt ihre Hand in ihrer Jackentasche verschwinden und murmelt: „Nein, nein, alles in Ordnung…“

Dann dreht sie sich zu mir um. „Wie geht es dir, Kyra, Liebes?“

Ich zucke mit den Schultern. „Eigentlich geht’s mir wieder gut.“

Meine Augen huschen zu Ellas Hand, die immer noch verborgen in der Tasche steckt. Auch wenn ich gerne wüsste, was es damit auf sich hat, fliegt mein Blick zu der Medikamentenpackung, die Dr. Bryan in der Hand hält. „Was ist das?“

Ella schaut ebenfalls zur Packung. „So eine Art Medizin gegen Phobien, die den Körper entspannt. Ich soll es dir geben, wenn du das Gefühl hast, wieder so viel Angst zu haben.“

Dr. Bryan nickt zustimmend, verabschiedet sich und klettert die Leiter runter. Nachdem wir unten die Haustür zuschlagen gehört haben, seufzt Ella leise meinen Namen.

Ich ziehe eine Augenbraue nach oben. „Was?“

„Ich hätte niemals gedacht, dass es so schlimm werden würde. Ich habe gedacht, dass du damit klarkommen würdest.“

„Womit?“

„Mit… Mit deiner Angst vor Feuer. Ich habe wirklich geglaubt, du würdest die Flammen inzwischen als nicht mehr so schlimm betrachten. Aber als Liam auf einmal um Hilfe gerufen hat, und ich dich da total bleich in seinen Armen liegen sah…“ Sie schließt angestrengt die Augen, so als würde sie versuchen, die aufkommenden Bilder der Ereignisse zu verdrängen.

Ich lege ihr eine Hand auf die, die nicht in einer Jackentasche vergraben ist, und will gerade etwas sagen, als Ella plötzlich mit einem leisen Keuchen ihren Arm wegzieht. Ihr entsetzter, umher huschender Blick bleibt an mir hängen. Sie atmet tief durch und nimmt die andere Hand aus der Jackentasche.

„Äh… Mum? Alles ok?“ Ich ziehe noch eine Augenbraue hoch.

„Ja“, sagt Ella nervös, „ging mir nie besser.“

Sie steht auf und wischt sich ein paar Schweißperlen von der Stirn.

„Also… Bist du schon bereit für Besuch?“

Meine Augenbrauen wandern noch höher. „Besuch? Ich bekomme Besuch?“

„Jap. Soll ich ihn reinlassen?“

Ich nicke langsam. Mein skeptischer Blick ruht auf der Bodenluke, die hinter Ella zu geht und sich gleich danach wieder öffnet. Mein Herz macht einen Hüpfer, als plötzlich Liam in mein Zimmer klettert. Sein besorgter Blick bleibt an mir hängen, und er fängt an zu grinsen.

„Ich denke, ich sollte mich ziemlich glücklich schätzen, dass ich das im Leben noch sehen darf!“ Er kommt auf mich zu und setzt sich auf meinen Schreibtischstuhl.

Meine Augenbraue wandert wieder nach oben, und Liam grinst noch mehr.

„Na, Prinzessin! Wir wollen doch keine Sorgenfalten bekommen!“ Er lehnt sich nach vorne und streicht so über die Haut über meiner Augenbraue, dass sie wieder unten sitzt. Die Stelle, wo er meine Haut berührt, kribbelt, und mein Herz wechselt wieder in den Kolibrimodus.

WAS IST DAS NUR?

Liam gluckst und starrt die ganze Zeit auf meine Haare. Was hat er denn?

Ich schnappe mir mein Handy vom Nachttisch, öffne die Selfie-Kamera und… Scheiße. Meine Haare sehen aus, als wäre der Föhn explodiert!

Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen, und streiche langsam über das Chaos auf meinem Kopf. Allerdings schließe ich aus Liams belustigtem Blick, dass das überhaupt nichts bringt.

Seufzend stehe ich auf, um mir einen Kamm zu holen. Als ich stehe, springt Liam auf einmal auf und schlingt einen Arm um meine Taille.

„Darf ich?“

„Äh… Jaah…“ Ich spüre, wie mir Hitze ins Gesicht schießt. „Aber ich kann eigentlich auch ohne Hilfe stehen.“

„Vorsicht ist besser als Nachsicht. Also, wo soll’s hingehen, Prinzessin?“

„Zur Kommode. Und nenn mich bitte nicht Prinzessin.“

„Alles klar, Prinzessin“, entgegnet Liam, was ich mit einem Augenrollen quittiere, und zieht mich langsam zur Kommode, wo ich mir eine Haarbürste aus einer Schublade nehme.

Während ich versuche, meine Löwenmähne zu bändigen, steht Liam immer noch neben mir und lässt seinen Blick über die Leinwände mit meinen Träumen drauf und meinen Maltisch schweifen.

„Wow. Du kann wirklich gut malen. Aber… warum genau ist da überall rot drauf? Ist dir ein Farbbecher umgekippt?“

„Nein, das ist…“

„Feuer“, beendet Liam den Satz für mich. Er dreht sich zu mir um. „Du hast Angst vor Feuer, oder?“ Er fixiert mich mit seinen blaugrauen Augen und mein Magen macht einen Salto.

„Äh… nein… ähm… hab‘ ich nicht?“ Ich lächle nervös und ertappt zugleich.

„Doch, hast du.“ Liam macht einen Schritt auf mich zu. „Du hast richtige Angst vor Feuer. Deswegen bist du auch gestern einfach umgekippt, richtig?“

Ich hole tief Luft und lege langsam, ohne den Blick von ihm abzuwenden, die Bürste weg.

„Ja, das ist richtig“, murmele ich nach ein paar Sekunden. Ich lege mein Kinn auf die Brust, schließe die Augen und warte darauf, dass er mir irgendeine Beleidigung an den Kopf wirft und dann abhaut, weil er mich jetzt uncool findet. Bei diesem Gedanken entweicht mir beinahe ein kleiner Schluchzer. Ich will wohl nicht, dass er geht…

Doch entgegen all meiner Erwartungen überwindet Liam die Lücke zwischen uns und umarmt mich.

Unfähig, irgendwas zu sagen, lasse ich es einfach geschehen.

„Deswegen hast du also gestern so weit weg vom Lagerfeuer gestanden. Aber warum hast du nichts gesagt?“, flüstert er in meine Haare, die jetzt wieder einigermaßen ordentlich aussehen.

„Ich… ich dachte, du würdest mich dann für uncool halten“, erwidere ich, überrascht, dass ich ihm so ehrlich antworten kann.

„Es ist total unmöglich, dich nicht für cool zu halten.“ Liam drückt mich noch einmal fest, löst sich von mir und geht zur Bodenluke. Er öffnet sie und klettert hinunter. Auf halbem Weg jedoch stoppt er und sagt: „Ich warte unten, Prinzessin. Und zieh dir was anderes an. Ich will dir etwas zeigen.“ Sein Kopf verschwindet und die Klappe wird zugezogen.

Ich stehe immer noch an derselben Stelle. Erst nach ein paar Sekunden verstehe ich, was Liam gesagt hat, und schaue an mir herunter. Ich trage immer noch dieselben Sachen wie am Lagerfeuer. Ich rieche an dem Top und mir schlägt tatsächlich ein leichter Rauchgeruch entgegen, doch komischerweise brennt er gar nicht in meiner Nase. Er riecht eher… gut…

Verdutzt lasse ich von dem Top ab und überdenke nochmal das eben Geschehene, während ich mich umziehe.

Liam hat mich umarmt.

Kyra

Kapitel 5

„Und? Was sagst du?“, fragt Liam und deutet auf die windschiefe Holzhütte, die so aussieht, als würde sie bei nur einer Berührung in sich zusammenfallen.

Wir stehen auf einem kleinen Grashügel mit Blick auf das Wasser. Es ist echt ein wunderschöner Ausblick, nur… nun ja… die Hütte stört.

„Äh“, stammele ich, unschlüssig, was ich sagen soll. Ich will gerade den Mund aufmachen, um ihm zu sagen, dass ich die Hütte jetzt nicht so spektakulär finde, als Liam sagt: „Ich weiß, ich weiß, sie ist nicht unbedingt ein Prachtstück. Aber ich kann ein bisschen handwerkern, weil mein Onkel ein Zimmermann ist und ich ihm oft helfe. Und ich denke, wir würden die Hütte zusammen wieder hinkriegen. Außerdem könntest du sie anschließend als riesige Leinwand benutzen.“

Mir klappt die Kinnlade herunter.

„Also bist du dabei, Prinzessin?“

Auf meinem Gesicht breitet sich ein Grinsen aus. „Ja!“

„Du bist sicher heute noch zu k.o. ... Sollen wir morgen mit der Reparatur anfangen?“

„Und damit einen ganzen Tag Zeit verschwenden? Nein, danke!“, entgegne ich energisch und voller Motivation.

„Ok, ok.“ Er hebt abwehrend die Hände. „Ich laufe mal eben nach Hause und hole ein paar Materialien. Willst du hier warten oder mitkommen? Ich bin in 10 Minuten wieder da.“

Ich seufze und versenke meine Hände in meiner Jackentasche. Sie brennen schon wieder so seltsam. Und irgendwie habe ich hier bei der Hütte so ein komisches Gefühl…

„Ich warte hier und genieße die Aussicht“, antworte ich nach kurzer Überlegung.

Liam kommt ein paar Schritte auf mich zu und legt mir die Hände auf die Schultern. „Bis gleich und nicht weglaufen, ja?“ Augenblicklich entspanne ich mich. Na ja, bis auf mein Herz, das schon wieder unkontrolliert schlägt.