Landluft lädt zum Küssen ein - Nele Böhm - E-Book
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Landluft lädt zum Küssen ein E-Book

Nele Böhm

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Beschreibung

Gefühle, Trubel, Eiertanz – willkommen auf dem Bauernhof! Die Komödie „Landluft lädt zum Küssen ein“ von Nele Böhm jetzt als eBook bei dotbooks. Blauer Himmel, grüne Wiesen und ein Leben in Einklang mit der Natur – ach, es könnte so schön und friedlich sein! Mike Meyrhofer, liebenswerter Sturkopf und stolzer Besitzer eines Biobauernhofs, weiß aber, wie es wirklich ist: Unternehmungslustige Kühe, musikalische Schweine und vor allem seine Mitarbeiter sorgen für jede Menge Chaos. Und während Mike sich zunehmend fragt, ob er nun eigentlich Landwirt oder Zirkusdirektor ist, kommt es richtig dicke – der Hof gerät in finanzielle Schwierigkeiten, seine Tochter pubertiert und seine Ehe steht vor dem Aus. Eigentlich würde Mike nun gerne die für ihn so typische Sturheit an den Tag legen … aber wenn es darauf ankommt, muss man einfach kämpfen. Und ganz besonders für die Liebe! Schmunzeln, lachen und sich beim Lesen wohlfühlen: Ein Roman über die Suche nach dem großen Glück, das sich oft in den kleinen Dingen des Lebens verbirgt! Jetzt als eBook kaufen und genießen: „Landluft lädt zum Küssen ein“ von Nele Böhm. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.

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Seitenzahl: 363

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Über dieses Buch:

Blauer Himmel, grüne Wiesen und ein Leben in Einklang mit der Natur – ach, es könnte so schön und friedlich sein! Mike Meyrhofer, liebenswerter Sturkopf und stolzer Besitzer eines Biobauernhofs, weiß aber, wie es wirklich ist: Unternehmungslustige Kühe, musikalische Schweine und vor allem seine Mitarbeiter sorgen für jede Menge Chaos. Und während Mike sich zunehmend fragt, ob er nun eigentlich Landwirt oder Zirkusdirektor ist, kommt es richtig dicke – der Hof gerät in finanzielle Schwierigkeiten, seine Tochter pubertiert und seine Ehe steht vor dem Aus. Eigentlich würde Mike nun gerne die für ihn so typische Sturheit an den Tag legen … aber wenn es darauf ankommt, muss man einfach kämpfen. Und ganz besonders für die Liebe!

Schmunzeln, lachen und sich beim Lesen wohlfühlen: Ein Roman über die Suche nach dem großen Glück, das sich oft in den kleinen Dingen des Lebens verbirgt!

Über die Autorin:

Nele Böhm, Jahrgang 1963, war in ihrem ersten Leben überzeugter Yuppie und Großstadtsingle. Heute lebt sie ruhig und beschaulich auf dem Land, wo die Welt noch in Ordnung ist, und widmet sich dem Schreiben von humorvollen Romanen wie Ein Vater zum Verlieben und Landluft lädt zum Küssen ein.

Die Autorin im Internet: neleboehm.beepworld.de/ und heiter-bis-wolkig.me/

***

eBook-Neuausgabe Juli 2016

Copyright © der Originalausgabe © 2008 by Knaur Taschenbuch. Ein Unternehmen der Droemerschen Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG, München

Copyright © der Neuausgabe 2016 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Maria Seidel, atelier-seidel.de unter Verwendung eines Bildmotivs von Thinkstockphoto/Sergii Teplov

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-95824-540-2

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Nele Böhm

Landluft lädt zum Küssen ein

Roman

dotbooks.

Für den Mann an meiner Seite.

I'm warmed by the fire of your love every day.

Die Hofbewohner

Mike Meyrhofer: alleiniger Chef des Lührmannshofes und liebenswerter Sturkopf.

Claire: seine Frau und Achillesferse.

Sylvie: ihre Tochter, so eigensinnig wie ihr Vater.

Gustav: Mikes Ersatzvater. Der Fels in der Brandung auf dem Lührmannshof.

Hannah: Mikes Ersatzmutter und »Mutter der Kompanie«.

Ben: brotloser Künstler mit viel Gespür für seine Mitmenschen.

Hermann & Hermann: Zwillingsbrüder aus Sachsen, zuständig für die Hühner – und ausschließlich interessiert an Hühnern.

Harald: ehemaliges Mitglied eines Wanderzirkus, kümmert sich hingebungsvoll um die Pferde des Lührmannshofes.

Ursula & Günter: Ursula managt ihre große Familie wie ein Feldwebel, Günter managt das Sägewerk.

Moses: der Hofesoteriker. Ein bisschen spinnert, aber harmlos.

Friederike & Johannes: Friederike führt ehrfurchtgebietend den Hofladen, Johannes gleicht die militante Energie seiner Frau mit viel Sanftmut aus.

Clarissa: hochsensible Leierspielerin mit einer Schwäche für Rilke.

Elisabeth: Quoten-Anthroposophin mit einem Herz für Schweine.

Rainer & Annette: betreiben gemeinsam die Käserei; die Hosen in dieser Beziehung hat Annette an.

Sabine: Mikes Lieblingsfeindin, die mit ihm um das Sagen in der Lebensgemeinschaft konkurriert.

Prolog

Mike Meyrhofer stürmte aus der Filiale der Lüneburger Volksbank, trat mit Wucht gegen eine neongrüne Plastikflasche, die auf dem Gehweg lag, und sah mit grimmiger Miene zu, wie sie quer über die Straße flog und schließlich von einem anfahrenden Bus der Linie 5201 (Richtung Kirchgellersen) zermalmt wurde. Billiges Zeug! Umweltverschmutzung! Ernährungsphysiologischer Supergau! Wenn die Leute das doch endlich kapieren würden! Dann ginge es den Biobauern wesentlich besser. Und dann müsste er nicht solche Gespräche führen wie das gerade eben. Dieser dumme kleine Grünschnabel hinter seinem Schreibtisch!

»Ich fürchte, Herr ... äh ...«, hatte der gewagt, ihm, Mike Meyrhofer, Besitzer des schönsten Biohofes in Niedersachsen, ins Gesicht zu sagen. »Also, ich fürchte, Ihr Kreditrahmen ist ausgereizt. Dieser Zahlungsrückstand ist wirklich bedenklich. Wir erwarten, dass Sie uns bald, sehr bald, eine Lösung präsentieren.« Mit gerunzelter Stirn blätterte er in seinem Kalender. »Sagen wir in spätestens sechs Wochen. Allerspätestens.« Er sah auf und direkt in Mikes Augen hinein, zuckte zusammen und murmelte: »Tut mir leid, Herr ... äh ... tut mir wirklich leid!«

Es tat ihm leid, ha! Dieser Schnösel in seinem C&A-Anzug hatte doch keine Ahnung, was er da redete! Keine Ahnung vom Leben! Mike hatte in den letzten zwanzig Jahren etwas aufgebaut, das ihm erst mal einer nachmachen sollte. Und das würde er sich von niemandem kaputtmachen lassen!

Bevor er die Tür betont leise hinter sich schloss, drehte er sich noch einmal um zu dem Sachbearbeiter, der sich mit einem weißen gebügelten Stofftaschentuch den Schweiß von der Stirn tupfte. »Meyrhofer. E vor dem y, kein e nach dem y. Schönen Tag noch, Herr ... äh ...« Claire hätte ihn für diese kleine Bosheit mit einem »Mike, musste das denn sein?« getadelt, aber Claire war nicht hier. Ihr französischer Charme und ihr Akzent, der nach über zwanzig Jahren in Deutschland immer noch deutlich zu hören war, wären in diesem Gespräch sicher von Vorteil gewesen. Vielleicht hätte er sie doch besser mitnehmen oder ihr wenigstens von dem Termin bei der Bank erzählen sollen. Seine Frau war der klügste, besonnenste Mensch, den er kannte. Na ja, zumindest meistens. Mike grinste bei dem Gedanken daran, dass sie keifen konnte wie ein altes Fischweib. Und wenn ihr Temperament mit ihr durchging – mon Dieu! Er ging jede Wette ein, dass in dem Stammbaum ihrer Marseiller Familie der eine oder andere Pirat zu finden war. Jedenfalls hätte er es ohne diese wunderbar unmögliche Frau an seiner Seite gar nicht geschafft, seinen Traum vom eigenen Biobauernhof zu verwirklichen. Er behauptete zwar oft und gern, dass auf dem Hof nichts, aber auch gar nichts ohne ihn laufen würde. Claire jedoch war davon ausgenommen, auch wenn er das ihr gegenüber nie zugeben würde. Sie würde es auch so wissen.

Als Mike in seinen alten Volvo stieg, sah er auf der gegenüberliegenden Straßenseite Peter Schulte-Johann, seinen Nachbarn, einparken. Er schloss seinen neuen silberfarbenen Benz ab und ging erhobenen Hauptes in die Bank. Klar, der konnte sich so ein Auftreten leisten! Er hatte die größte Geflügelzucht weit und breit. Mike und er gingen sich aus dem Weg, seit sie bei einem Schützenfest vor zwei Jahren mächtig aneinandergeraten waren. Vor der gesamten Dorfgemeinschaft hatte Schulte-Johann Mike lautstark als Alterna-i-ven und spinnerten Idealisten bezeichnet, woraufhin Mike ihm unbedingt mit roter Farbe die Worte »kapitalistischer Ausbeuter« aufs Auto sprühen musste. Claire konnte in letzter Minute verhindern, dass Schulte-Johann Anzeige erstattete. Wie sie das gemacht hatte, wusste Mike bis heute nicht. Was für eine Frau! Mike beschloss, bald mit ihr zu reden. Gemeinsam würde ihnen sicher etwas einfallen, wie sie die Bank zufriedenstellen und den Hof aus den roten Zahlen holen konnten.

Diesen guten Vorsatz hatte er jedoch kurz darauf schon wieder vergessen. Mike liebte seine Frau über alles und schätzte ihre Meinung sehr, aber er hatte immer schon die Dinge im Alleingang und auf seine Weise gelöst – sehr zum Ärger von Claire, ihrer gemeinsamen Tochter Sylvie und den Mitgliedern der sechzehnköpfigen Lebensgemeinschaft, die gemeinsam mit ihnen den Hof bewirtschafteten. So recht konnte Mike diesen Ärger nicht verstehen. Schließlich sorgte er für alle und für alles, und er tat das seit vielen Jahren sehr gut. Da konnten seine Methoden den anderen doch wohl egal sein! Abgesehen davon, waren seine Methoden hervorragend. Nicht umsonst nannten die Hofbewohner ihn mit Ehrfurcht den Monarchen.

Er warf einen letzten wütenden Blick auf das Bankgebäude und startete seinen Wagen. Dieser Tag endete sogar noch schlechter, als er begonnen hatte!

Kapitel 1

Dass heute nicht sein Tag war, hatte Mike schon am frühen Morgen bemerkt. Als er um fünf Uhr aufstand, zeigte das Thermometer sieben Grad. Ein kalter Wind wehte, der Himmel war wolkenverhangen. Kein gutes Wetter zum Rübensäen. Aber das würde Mike nicht davon abhalten, es trotzdem zu tun. Er tat immer das, was er sich vorgenommen hatte. Leise, um Claire nicht zu wecken, ging er ins Bad und dann die Treppe hinunter ins Erdgeschoss. Ein paar Minuten später zog der Duft von Rooibos-Orange-Marzipan-Tee durch die große Küche. Mike stand am Fenster, sah in den beginnenden Morgen hinaus und dachte über all die Arbeit nach, die heute anstand. Seit die Biobranche nach dem großen Boom wieder schwächelte, hatten er und seine Kollegen es schwer.

Er gab einen Löffel Rohrohrzucker in seinen Tee, rührte ausgiebig um und trank einen Schluck. Wenn es diesen Tee doch nur in Bioqualität gäbe! Das Zugeständnis an den konventionellen Teeanbau verursachte Mike körperliches Unbehagen. Seine Prinzipien waren ihm heilig, die würde er um nichts in der Welt verraten. Aber dieser Tee schmeckte so unverschämt gut, dass er einfach nicht mehr darauf verzichten konnte. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ...

Wenn es schon in den kleinen Dingen des Lebens so schwer war, der Versuchung zu widerstehen, auf dem rechten Weg zu bleiben – wen wunderte es da, dass immer mehr Biobauern Kompromisse eingingen, um überleben zu können?

Mike sah auf die Uhr, verzichtete darauf, sich Tee nachzugießen, und stellte die Tasse in die Spüle. Dann zog er die unterste Schublade des Küchenschranks auf, die alte Trockentücher und Putzlappen enthielt und die außer ihm nie jemand öffnete. Er griff hinein und fand schließlich ganz hinten, was er gesucht hatte. Nachdem er das Buch in die Tasche gesteckt hatte, zog er sich in der Diele Gummistiefel und eine warme Jacke an. Es war Zeit, mit der Arbeit zu beginnen.

Auf seiner morgendlichen Runde durch die Ställe kam Armin, der Hofhund, ihm freudig bellend entgegen.

»Na, mein Alter? Hast du gut aufgepasst? Scheint alles in Ordnung zu sein.«

Mike kniete sich hin und belohnte den Hund mit ausgiebigem Streicheln.

Seine Tochter Sylvie hatte darauf bestanden, den Neufundländer Armin zu nennen, nach Armin dem Cherusker. Der hatte zwar nicht jede Schlacht gewonnen, dafür aber den Krieg. »Und darauf kommt es schließlich an, Papa!« Mike musste lächeln, als er daran dachte, wie sie vor ihm gestanden und ein feuriges Plädoyer für den Namen gehalten hatte. In puncto Durchsetzungsvermögen konnte sie es ohne weiteres mit ihrem Vater aufnehmen.

»Und – hast du heute schon Herrn Larsson gejagt?«

Herr Larsson war der Hofkater. Armin und er waren buchstäblich wie Hund und Katze. Trotz ihrer regelmäßigen Verfolgungsjagden schienen sie sich jedoch bis zu einem gewissen Grad gegenseitig zu respektieren. Mike staunte immer wieder darüber, dass sie gelegentlich sogar einträchtig nebeneinander in der Sonne lagen.

»Wahrscheinlich schläft er noch. Wir sind immer die Ersten, die aufstehen, was?« Mike verabschiedete sich von dem langhaarigen Cherusker, holte den Traktor aus der Scheune und machte sich auf den Weg zum Kehrfinger Feld.

Er liebte die frühen Morgenstunden. Die Menschen schliefen noch, es waren kaum Autos unterwegs. Diese Zeit des Tages gehörte der Natur, und Mike freute sich darüber, dass er ein Teil davon sein durfte. Er war dafür geschaffen, die Scholle zu bearbeiten, wie sein Großvater es genannt hatte. Seinen Beitrag zum Ganzen zu leisten. Mit der Kraft seiner Hände und seines Herzens zu säen. Die Bedingungen für optimales Wachstum zu schaffen. Und schließlich zu ernten.

In der Frühstückspause setzte er sich an den Feldrand und dehnte seine vom langen Sitzen verspannten Muskeln. Dann holte er das Buch hervor und schlug Seite 64 auf. Er kannte die Worte auswendig.

Wir haben, wo wir uns lieben,

ja nur dies: einander lassen;

denn

dass wir uns halten,

das fällt uns leicht

und ist nicht erst zu erlernen.

Gerührt ließ Mike das Buch sinken. Dieses Gedicht von Rilke war die schönste Beschreibung seiner Beziehung zu Claire, die man sich denken konnte. Wie so oft, wenn er allein war und ein paar Minuten Zeit hatte, gestattete er sich, den Gedanken an seine Frau freien Lauf zu lassen. Er dachte an ihr Lächeln, das er so liebte. Hörte sie schimpfen wie ein Marktweib, wenn etwas nicht nach ihrem Kopf ging. Sah sie vor sich, wie sie geduldig Sylvie den französischen Subjonctif erklärte. Wie sie in der Küche stand und mit dem großen Messer auf die Auberginen losging. Wie sie sich mit diesem Leuchten in den Augen umdrehte, wenn er hereinkam.

Ein paar Spatzen flogen wenige Meter neben ihm auf. Er beobachtete, wie sie höher und höher stiegen. Frei sein. Sein eigener Herr sein. Sich von nichts und niemandem etwas sagen lassen. Das war es, was Mike im Leben wollte. Und wie konnte er das besser erreichen als mit dieser wunderbaren Frau an seiner Seite? Auf ihre ganz eigene Art hatte sie ihn immer darin ermutigt, nicht nur ein kleiner Spatz zu sein, sondern sich über die Begrenzungen des Lebens zu erheben. Aus eigener Kraft etwas Großes auf die Beine zu stellen. Und er hatte es tatsächlich geschafft. Den Hof und die Lebensgemeinschaft gab es jetzt seit fast zwanzig Jahren. Sie hatten mehr als eine Krise überstanden. Deshalb machte Mike sich auch keine Sorgen um die Zukunft. Jede weitere Krise würden sie ebenso überstehen.

Er verstaute den Brotbeutel in seiner Tasche und ging zurück zum Traktor. Über dem Waldrand erschien ein Wanderfalke, den Mike vor ein paar Tagen hier schon gesehen hatte. Er würde einen der Spatzen zum Frühstück verspeisen. Oder auch nicht. Mike musste an einen Satz denken, den Sylvie vor Jahren aus dem Religionsunterricht wiedergegeben hatte: Gott hat den Spatzen Falken geschickt, damit sie mit deren Unterstützung ihre Fähigkeit zu fliegen verbessern.

Der Falke, der gerade noch hoch über dem Wald gekreist war, hatte zum Sturzflug angesetzt. Mike hielt den Atem an. Die Spatzen stoben wild auseinander. Flügelrauschen, Kreischen, dann Stille. Einer war nicht schnell genug gewesen.

Nachdenklich wandte Mike sich ab, kletterte auf den Traktor und ließ den Motor an. Während der Traktor weiter monoton über das Feld pflügte, hing er seinen Gedanken nach. Für die Kleinen und Schwachen war in der Natur kein Platz. Zum Glück war er weder klein noch schwach.

***

Stunden später machte Mike sich auf den Rückweg. Die Landschaft um ihn herum schien unberührt von der Zivilisation. Wälder und Felder, so weit das Auge reichte. Dazwischen schmale Straßen, nur vereinzelt Häuser. Mike dachte an seinen letzten Besuch in Hamburg. Zwei Jahre war das her. Oder noch länger? Claire hatte sich ein freies Wochenende gewünscht, mit Übernachtung im Hotel und einem Konzertbesuch. Ihr zuliebe war er mitgefahren. Noch Tage später hatte er sich krank gefühlt von all dem Lärm, dem Schmutz und der Hektik einer Großstadt. Er fragte sich, wie er das früher überhaupt ausgehalten hatte, als er während des Studiums ein paar Jahre in Hamburg gelebt hatte.

Schließlich bog er von dem Feldweg ab auf die Hauptstraße. Oder das, was man hier Hauptstraße nannte. Nach ein paar Hundert Metern passierte er das Schild mit der Aufschrift Lührmannshof. Claire und Hannah, Mikes Ersatzmutter, hatten es vor vielen Jahren eigenhändig geschnitzt. Mike gönnte sich zwei Minuten Pause. Er parkte den Traktor am Straßenrand und stieg ab, um das Schild in Ruhe zu betrachten. Mit seiner großen, schwieligen Hand fuhr er die Konturen nach. Er liebte seinen Hof. Aber das Schild bräuchte hier nicht zu stehen, wenn es nach ihm ginge. Die Hauptstraße könnte aus einem Feldweg bestehen. Ihn würde das nicht stören, er war froh, wenn er seine Ruhe hatte.

»Tu es un ermite, chéri!«, neckte Claire ihn oft. Ja, die Rolle des Einsiedlers gefiel ihm gut. Aber leider war da die Notwendigkeit, mit der Arbeit Geld zu verdienen, um den Hof am Laufen zu halten. Mike hasste Zwänge.

Bei dem Gedanken an Geld verschlechterte sich seine Laune auf einmal beträchtlich.

Missmutig bog er in den Weg ein, der zum Hof führte. Erst der Anblick der Gebäude konnte ihn wieder etwas zuversichtlicher stimmen. Was sie da aufgebaut hatten, war schon beachtlich, sogar an Mikes hohen Ansprüchen gemessen.

Das Waldstück zum Beispiel, das zwischen dem Lührmannshof und der Geflügelfarm von Schulte-Johann lag, hatte früher nur aus Kiefern, Birken und Faulbaum bestanden. In vielen Jahren Arbeit hatte die Hofgemeinschaft auf einer Fläche von zwanzig Hektar Berg- und Feldahorn gepflanzt, Akazien, Linden, Buchen, Ulmen und Holunder. Auch verschiedene Arten von Tannen, wie die Silbertanne, die Große Küstentanne, die Pazifische Tanne und die als Weihnachtsbaum beliebte Nordmanntanne fanden sich hier. Der Hof verfügte sogar über ein eigenes Sägewerk zum Zuschneiden von Balken, Bohlen und Brettern.

Für die Rinder, Pferde und Sauen hatten sie Waldweiden angelegt. Auf den Wiesen, in den Hecken und im Wald gab es an die sechzig Ameisennester; die Kinder aus Sylvies Klasse hatten sie vor Jahren während eines Sommercamps auf dem Hof gezählt. An Vogelarten, so hatte die Zählung der Kinder ergeben, gab es über vierundachtzig verschiedene.

Mike lächelte bei dem Gedanken. Claire beschwerte sich gern über den Krach, den all diese Vögel im Sommer frühmorgens veranstalteten. Für ihn war es Musik.

Er stellte den Traktor in der Scheune ab, sprang hinunter und überquerte mit großen Schritten den Hof. Ein großer Café au Lait in Claires Gesellschaft, getrunken aus den bauchigen blauen Tassen, die sie aus Frankreich mitgebracht hatte, mit ein wenig Zimtpulver oben auf dem Schaum – das würde ihm jetzt richtig guttun. Danach stand eine Hofversammlung an, um den zukünftigen Arbeitsplan zu besprechen. Und um fünfzehn Uhr hatte er einen Termin bei der Lüneburger Volksbank, um über seine Finanzierungsprobleme zu sprechen. Hoffentlich gewährte ihm die Bank einen weiteren Kredit!

Auf dem Hof war kein Mensch zu sehen. Mike seufzte. Er war vermutlich mal wieder der Einzige, der wirklich arbeitete. Die anderen planten immer nur zu arbeiten. Abgesehen von Hermann und Hermann natürlich. Auch die beiden konnte nichts und niemand davon abhalten, ihre Pflicht zu tun.

Mike hielt inne. Wie oft hatte Claire ihn schon ermahnt, diese Sichtweise aufzugeben. Dabei meinte er es doch gar nicht so! Natürlich schätzte er seine Leute und meistens auch ihre Arbeit. Obwohl er es fast immer besser wusste, besser konnte und natürlich besser plante als sie. Aber das war doch in Ordnung, dafür war er ja der Chef. Und das war er gern.

Kapitel 2

Aus dem Schweinestall drang ohrenbetäubender Lärm. Mike war froh, dass er nicht fürs Füttern zuständig war. Wer von seinen Leuten musste wohl heute den gnadenlosen Angriff auf das Trommelfell über sich ergehen lassen? Schade, dass gegen diesen Krach noch nichts erfunden worden war. Aber wer weiß, worauf die Gentechniker noch kommen würden. Geräuschlose Schweine zum Beispiel. Kopfschüttelnd lief er weiter.

Als er am Hühnerstall vorbeiging, kamen ihm Hermann und Hermann, die sächsischen Zwillingsbrüder, die zu den Hofbewohnern der ersten Stunde gehörten, entgegen. Sie waren als Jugendliche auf abenteuerliche Weise mit ihren Eltern aus der ehemaligen DDR geflüchtet. Wäre es nach ihnen gegangen, hätten die Eltern allein in den Westen gehen können. Die Brüder waren auf dem Hof ihres Großvaters aufgewachsen, umgeben von Hühnern, Schafen, Ziegen, Enten und Gänsen. Schon im Kindergartenalter hatten sie beschlossen, dass sie eines Tages den Hof übernehmen würden. Als ihre Eltern die Flucht vorbereiteten, waren sie gerade an der Landwirtschaftsschule angenommen worden. Sie hatten sich nur zum Mitkommen überreden lassen, weil die Versprechungen vom Leben im goldenen Westen und die Bilder von westdeutschen Bauernhöfen ihnen wie das Paradies erschienen waren. Schnell fanden sie jedoch heraus, dass auch in Westdeutschland nicht alles Gold war, was glänzte. Sie schmissen die Schule noch vor Ende der zehnten Klasse. Zur Erleichterung ihrer Eltern und zu ihrem großen Glück bekamen sie zwei Praktikumsplätze auf einer Hühnerfarm. Nach sechs Wochen wollten sie nie wieder etwas anderes tun, als sich um Federvieh zu kümmern. Und das taten sie heute noch mit Hingabe. Gerade trugen sie Eierkartons übereinandergestapelt auf den Armen. Bestimmt hatten sie die Eier wie immer in einträchtigem Schweigen gesammelt, gestempelt und verpackt. Sie würden sie später zu den umliegenden Bioläden bringen. Zu zweit, wie immer. Mike hatte anfangs heftig gegen diese Verschwendung von Zeit und Arbeitskraft protestiert. Aber gegen doppelten sächsischen Starrsinn kam er nicht an. Er nickte den beiden freundlich zu und ging weiter.

Ihre Abneigung gegen eine Unterhaltung war ihm sehr willkommen. Mike war ein Mann der Tat und redete nur dann, wenn es unbedingt nötig war. Ansonsten überließ er das Reden gern den Untätigen. Das war eine seiner Lieblingsbemerkungen. Mindestens die Hälfte der Hofgemeinschaft regte sich schrecklich darüber auf, was Mike immer wieder aufs Neue amüsierte.

Nachdem er seine morgendliche Runde über den Hof beendet hatte, beschloss er, kurz nach den Pferden zu sehen. Vor allem nach Aramis, einem Wallach, der ihm so ans Herz gewachsen war, dass Claire schon fast eifersüchtig auf ihn reagierte.

Er hatte das Pferd vor drei Jahren bei einem Aufenthalt bei seinem Bruder Charlie in Cornwall für einen Spottpreis erworben. Alan, ein Bekannter von Charlie, musste aus persönlichen Gründen seinen Hof auflösen und suchte händeringend jemanden, dem er Aramis, ein Pferd, das seinem Besitzer durch seine Dickköpfigkeit und sein Temperament eine Menge Scherereien machen konnte, guten Gewissens anvertrauen konnte. Diesen Jemand hatte er in Mike gefunden. Zwischen Aramis und ihm war es Zuneigung auf den ersten Blick gewesen, doch sie schenkten sich beide nichts. Mike mutete Aramis seine Sturköpfigkeit zu, und im Gegenzug hatte der Wallach ihn schon mehr als einmal abgeworfen. Das alles tat jedoch der Sympathie der beiden füreinander keinen Abbruch. Aramis ließ sich nur von Mike reiten, und außer Sylvie und Harald, der für die Pferde zuständig war, durfte niemand in seine Box.

Mike öffnete das Tor zum Pferdestall. Dabei bemerkte er, dass eine der kleinen Scheiben in dem Fenster neben dem Tor einen Sprung hatte. In Gedanken machte er sich eine Notiz für Ben, der alles richtete, was auf dem Hof zu reparieren war. Darauf war Mike sehr stolz. Der Hof warf vielleicht nicht viel Gewinn ab – was ihm persönlich auch nicht wichtig war, er machte sich nichts aus Geld –, aber er galt als einer der schönsten in ganz Niedersachsen.

Sorgfältig schloss Mike das Tor hinter sich und atmete den warmen Stallgeruch ein, den er so mochte. Er blieb einen Augenblick stehen, um seine Augen an das Halbdunkel zu gewöhnen. Auf der rechten Seite der Stallgasse, nur wenige Meter von ihm entfernt, war Harald gerade dabei, die Box seiner Stute auszumisten.

Er lebte erst seit anderthalb Jahren auf dem Hof. Als einziges Kind zweier Artisten hatte er sein Leben bei einem kleinen Wanderzirkus verbracht, wo er zuletzt unter anderem für die drei Pferde zuständig gewesen war: ein Pony, auf dessen Rücken zwei Affen ihre Kunststücke vorführten, ein Haflinger, der – so die Werbung auf den Plakaten – Rechenaufgaben bis zwanzig lösen und das Ergebnis mit den Hufen auf den Boden klopfen konnte, und eine junge Lipizzanerstute, Shadow, die auf Wunsch des Zirkusinhabers die Hohe Schule des Reitens vorführen sollte, dafür aber viel zu nervös und empfindsam war.

Eines Tages platzte dem Zirkusdirektor endgültig der Kragen. Er hatte ein großes Herz für seine Artisten und seine Tiere – allerdings nur so lange, wie alle nach seiner Pfeife tanzten. Er beschloss, die unwillige und schwierige Stute zu verkaufen. Harald kündigte auf der Stelle. Die Arbeit als Opfer des Messerwerfers und als Geldeintreiber hatte ihn sowieso nicht glücklich gemacht. Seit langem schon träumte er von einem Zirkus der ganz besonderen Art, ähnlich dem Cirque du Soleil. In seinem Zirkus wären die Hauptakteure jedoch die Pferde. Vielleicht wies das Schicksal ihm nun die Richtung. Im Zirkus hielt ihn nichts mehr. Seine Eltern würden ihn genauso wenig vermissen wie er sie. Nach zähen Verhandlungen, bei denen er sich als erstaunlich resistent gegen die wilden Verwünschungen des Zirkusinhabers erwies und ein noch erstaunlicheres Durchsetzungsvermögen an den Tag legte, bekam er Shadow für ein Monatsgehalt statt für die drei Gehälter, die sein Chef verlangt hatte.

Ein paar Monate lang schlugen Harald und Shadow sich mehr schlecht als recht durch und gelangten schließlich zum Lührmannshof, weil Harald von dem bemerkenswerten Aramis und dem nicht minder bemerkenswerten Mike Meyrhofer gehört hatte.

Harald kam, sah und blieb. Er passte gut in diese Gemeinschaft aus Idealisten und Künstlern. Für seine Mithilfe bei der anfallenden Arbeit hatte er, wie auf dem Hof üblich, Kost und Logis frei. Brauchte er darüber hinaus Geld, gab er den Dorfkindern Reitunterricht auf den sechs Pferden, die derzeit zum Lührmannshof gehörten. Wie alle anderen Mitglieder der Lebensgemeinschaft war er damit einverstanden, dass die Gewinne, die der Hof erwirtschaftete, zum größten Teil auch wieder in den Hof investiert wurden. Der Rest wurde unter den Bewohnern aufgeteilt. So hatte jeder sein Auskommen und leistete gleichzeitig seinen Beitrag zum Gemeinschaftsunternehmen.

Das Einzige, was Harald auf dem Lührmannshof fehlte, war jemand, der seine Begeisterung für seinen Traum teilte. Mike brachte ihm eine Menge Wertschätzung entgegen für seine Begabung im Umgang mit den Pferden, wollte aber von Neuerungen auf dem Hof, noch dazu solch verrückten Neuerungen, nichts wissen. Sylvie ließ sich für seine Ideen zwar durchaus begeistern, aber bis jetzt hatte Harald sich noch nicht getraut, sie ernsthaft darauf anzusprechen.

Mike ging freundlich grüßend an Harald vorbei, kam aber nicht weit.

»Schau mal hier, Chef, heute Morgen mit der Post gekommen!« Es klang so aufgeregt, dass Mike neugierig wurde und sich umdrehte. Harald fuchtelte mit einem Hochglanzprospekt herum. »Das musst du dir ansehen! Es gibt einen neuen Zirkus, den Cirque Central, der in Kanada genau das umsetzt, wovon ich träume. Hier ist das Programm!«

Mike hatte keine Wahl. Er setzte sich mit dem Programmheft auf einen Strohballen. Über den Rand des Prospektes beobachtete er Harald. Seine Begeisterung und seinen Idealismus teilte Mike durchaus. Auch die Idee, mit den Pferden zu arbeiten, war klasse, aber musste es unbedingt so etwas Abgehobenes sein? Ein Dressur- und Springturnier zum Beispiel war doch auch schon Herausforderung genug. Aber von solchen schnöden Veranstaltungen, in denen nach Haralds Auffassung Pferde nur manipuliert wurden, wollte dieser gar nichts wissen.

»Nun lies doch mal!« Harald trat aufgeregt von einem Fuß auf den anderen, während Mike las.

»Wirklich gut!«, sagte er schließlich beeindruckt. »Aber die haben ein Riesenzelt mit allen möglichen technischen Raffinessen, beheizte Sitze, Beleuchter, Bühnenbauer – dafür haben wir einfach die finanziellen Mittel nicht. Denk doch noch mal über ein einfaches Turnier nach!« Er klopfte dem frustriert aussehenden Harald auf die Schulter, gab ihm das Programm zurück und ging die Stallgasse entlang zu Aramis' Box, der letzten am Ende des Ganges auf der linken Seite.

Harald nutzte die Gelegenheit, eine kleine Pause zu machen. Er würde den Rat von Moses befolgen und sich in kreativem Visualisieren üben. Je länger und intensiver er sich die Verwirklichung seiner Träume vorstellte, hatte Moses ihm erklärt, desto schneller würde das Universum ihm das Gewünschte schicken. Harald betrat Shadows Box, lehnte die Gabel an die Wand und setzte sich auf einen Strohballen, um kreativ zu visualisieren. Er würde nachts Vorstellungen geben, in einem Zelt, das sich nach oben öffnen ließ, so dass die Zuschauer die Sterne sehen konnten. Den Zeltboden würde ein riesiges Wasserbassin bedecken, in dem das Wasser zwei Zentimeter hoch stand. Schon konnte er die dunkle Wasseroberfläche vor sich sehen, die Sterne, die sich darin spiegelten, konnte das Schnauben der Pferde hören, die Wasserspritzer auf der Haut spüren ... Die Menschen würden sich verzaubern lassen von den Geschichten, die er ihnen mit Hilfe der Pferde erzählen würde!

Gustav, der Hofälteste, der gemeinsam mit Mike, Claire und Hannah die Lebensgemeinschaft begründet hatte, kam Mike aus einer der Pferdeboxen entgegen. Er deutete durch das offene Fenster zum Schweinestall und kratzte sich am Kopf. »Mahlzeit, Chef. Was da wohl los ist? Gerade noch ein Höllenlärm, und von jetzt auf gleich Totenstille. Ich geh besser mal nachsehen.«

Mike schob den Gedanken an einen kleinen Ausritt mit Aramis beiseite. »Ich komme mit«, erklärte er.

Sie gingen über den Hof und öffneten leise die Tür zum Schweinestall. Dort stand Elisabeth, von den Hofbewohnern »unsere Quoten-Anthroposophin« genannt, und ... sang. Nach langer Zeit der intensiven Beschäftigung mit den Lehren Rudolf Steiners hatte sie mit sechsundfünfzig Jahren erkannt, dass sie zu wenig geerdet war. Sie kehrte der Eurythmie und der Maltherapie den Rücken und widmete sich der Ernährungslehre, was sie auf Dauer aber auch nicht befriedigte. Daraufhin gab sie mit der ihr eigenen Konsequenz die Leitung mehrerer anthroposophischer Lesekreise und ihre Arbeit als Sekretärin am Goetheanum auf, um einen biologisch-dynamisch bewirtschafteten Hof zu suchen, auf dem sie leben und arbeiten konnte. Seit acht Jahren wirkte sie nun auf dem Lührmannshof und kümmerte sich, wie sie selbst es nannte, um das Wohlergehen von Tieren und Pflanzen. Ihre Sorge um das Wohlergehen der Menschen zeigte sich darin, dass sie für jeden Typ passende Ernährungsempfehlungen hatte: viel Rohkost und Vollkornbrot für den kräftigen, stabilen Typ, den sie selbst am besten verkörperte. Gekochtes Gemüse und Getreide sowie warme Getränke für den ätherischen Typ wie Clarissa. Eine leicht bittere Note im Essen für energische und aufbrausende Typen wie Mike. Eipudding für blutarme Menschen wie Harald. Und Algen, gekocht in einer Brühe, für zu Verhärtungen neigende Menschen wie Friederike.

Die Bewohner des Hofes begegneten ihr mit Respekt und Ehrfurcht. Nicht einmal Mike würde sich mit ihr anlegen, wenn es nicht unbedingt sein musste.

Gerade beendete sie ein Lied, das Mike nicht kannte. Nach den letzten Tönen zu urteilen, wollte er es auch lieber nicht kennenlernen. Seine Vorstellung von harmonischer Musik stand der von Elisabeth diametral entgegen.

Eine kleine Atempause folgte, das Scharren von Schweinehufen war zu hören. Dann begann Elisabeth erneut, diesmal mit einem Lied, das Mike in der Grundschule oft selbst hatte singen müssen:

Geh aus mein Herz und suche Freud In dieser schönen Sommerzeit An deines Gottes Gaben Schau an der schönen Gärtenzier Und siehe wie sie mir und dir Sich ausgeschmücket haben.

Ein Blick in Gustavs Gesicht sagte Mike, dass auch dieser sich unter Zier und ausgeschmücket etwas anderes vorstellte als eine große, korpulente Frau, in dunkle Wolle gekleidet, die grauen Haare zu einem Dutt frisiert, mit derben Schnürstiefeln an den Füßen. Die Männer standen Schulter an Schulter, rührten sich nicht und verfolgten sprachlos das Schauspiel, das sich ihnen bot. Nach jeder Strophe warf Elisabeth den Schweinen eine Handvoll Futter hin. Zufrieden registrierte Mike, dass es sich dabei um das neue Bio-Sauen-Lacto-Komplettfutter handelte. Nach heftigen Diskussionen in der letzten Versammlung über die Wahl des richtigen Futtermittels hatte er sich schließlich doch durchgesetzt. Kein Wunder, seine Vorschläge waren ja auch immer die besten.

Elisabeth war jetzt bei der dritten Strophe angelangt. Gustav starrte sie noch immer mit offenem Mund an.

Die Lerche schwingt sich in die Luft Das Täublein fliegt aus seiner Kluft Und macht sich in die Wälder Die hochbegabte Nachtigall Ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder.

Mike wollte gerade gehen, als Gustav mit einstimmte:

Nun geb'n die kleinen Fe-herke-hel Ruh Du Muttersau, nun schwei-heig a-hauch du.

Elisabeth drehte sich um. Für einen kurzen Moment überlegte Mike, ob er sich schützend vor Gustav stellen sollte. Mit dieser Frau war nicht zu spaßen. Ach nein, sollte Gustav die Suppe doch selbst auslöffeln! Mike hatte für heute noch genug Arbeit.

Wortlos sah Elisabeth Gustav an, dann die Schweine und schließlich den Futterbehälter in ihrer Hand. Dann kam sie langsam auf Gustav zu. Sie drückte ihm den Behälter in die Hand, ging an den Männern vorbei zur Tür und sagte freundlich: »Du kannst gern weitermachen, Gustav! Das Lied hat fünfzehn Strophen. Ich hoffe, du kennst sie alle!«

Mike klopfte ihm auf die Schulter. »Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Spätestens bei der vierten Strophe wären die Viecher wieder unruhig geworden. Man kann ihnen nicht vom Sommer vorsingen, wenn der Frühling auf sich warten lässt. Schweine sind so empfindsam!«

Elisabeth hatte schon die Hand auf der Klinke. Ohne sich umzudrehen, erwiderte sie gelassen: »Die Geste zählt, mein lieber Mike. Deine Frau singt beim Füttern immer Au clair de la lune.«

Jetzt fand Gustav seine Sprache wieder. »Wenn euch einer hören könnte, Mensch! Für Schweine singen!«

»Der Zweck heiligt die Mittel!«, antwortete Elisabeth und verließ den Stall.

Mike folgte ihr. »Ich hoffe, mein lieber Gustav, du findest ein geeignetes Mittel!«

»Worauf du dich verlassen kannst.« Gustav straffte die Schultern, näherte sich den Schweinen und warf ihnen eine Handvoll Futter hin.

»Erst singen, dann füttern!« Grinsend zog Mike die Tür hinter sich zu.

Ein paar Sekunden später ertönte Gustavs Bass:

Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord. In den Kesseln da faulte das Wasser,

Kapitel 3

Als Mike die Küche betrat, war Hannah, die Hofälteste und Lebensgefährtin von Gustav, gerade dabei, Brotteig zu kneten. Aus dem Ofen in der Ecke, der fast bis zur Decke reichte, war das leise Knacken der Holzscheite zu hören. Mike erinnerte sich daran, wie er mit Claire monatelang durch zahllose Geschäfte gelaufen war, um einen Ofen mit dunkelbraunen Kacheln, sandfarbenen Fugen und einer Eckbank drum herum mit bunten Kissen zu finden. Einen Augenblick blieb er stehen und genoss die behagliche Wärme, die sich im Raum ausbreitete. Er erinnerte sich an Claires Freude, als sie endlich den richtigen Ofen und die richtige Bank und die richtigen Kissen gefunden hatten.

Schließlich durchquerte er den Raum und stellte sich nah an den Ofen. Er lehnte sich mit dem Rücken an die Kacheln und spürte, wie seine verkrampften Muskeln sich entspannten. Wenn es draußen doch endlich warm werden würde! Der Frühlingsbeginn lag schon fast vier Wochen zurück.

»Mahlzeit«, begrüßte er Hannah, die sein Eintreten gar nicht bemerkt hatte. »Claire nicht da?«

»Mahlzeit, Chef!« Hannah drehte sich zu ihm um. »Claire ist schon weg, sie wollte nicht länger auf dich warten, hat eine große Einkaufsliste für heute.«

Mike bemühte sich, seine Enttäuschung zu verbergen. Ein Kaffee mit Claire gehörte zu den kleinen, aber wichtigen Annehmlichkeiten seines Lebens.

»Sag mal, hast du tatsächlich allein Rüben gesät?«

»Klar!« Mike hatte die Hände in den Taschen vergraben und bearbeitete mit den Zehenspitzen ein paar Krümel in einer der breiten Fliesenfugen. Konfrontiert mit einem Fuß der Größe 48, hatten die Krümel nicht den Hauch einer Chance.

Hannah legte den Teigklumpen auf die Arbeitsplatte, wischte sich die bemehlten Hände an der Schürze ab und strich sich eine graue Haarsträhne aus der Stirn. »Mensch, Mike! Das ist doch verrückt. Du hättest einen der Männer um Hilfe bitten können.«

Mike tat, als hätte er sie gar nicht gehört. Hochkonzentriert schob er die Krümel einen nach dem anderen in die nächste Fuge.

Hannah musste lächeln. Sie kannte Mike seit mehr als dreißig Jahren. Weder sie noch Gustav, die er seine Ersatzeltern nannte, hatten ihm seine Sturheit und sein Einzelgängertum abgewöhnen können. Mikes Eltern waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen, als er fünf und sein Bruder Charlie acht Jahre alt gewesen waren. Die Eltern hatten beide keinen Kontakt zu ihren Familien, und so gab es keine Verwandten, die sich um die Kinder hätten kümmern können.

Der allzu frühe Tod seiner Eltern und die Zeit im Heim, noch dazu getrennt von Charlie, hatten für immer ihre Spuren in Mikes Seele hinterlassen. Zu dem Zeitpunkt, als Hannah und Gustav die Jungs kennengelernt hatten, waren sie zehn und dreizehn Jahre alt gewesen. Charlie erlebten sie als sehr reif für sein Alter. Er war ein offenherziger Junge, der schnell Vertrauen fasste, trotz seiner Lebensumstände und des langen Heimaufenthalts. Er nahm das Leben, wie es eben kam, und verstand es, immer das Beste daraus zu machen.

Mike dagegen hatte sich bei aller Freude über das warme, liebevolle Zuhause, das Hannah und Gustav ihnen boten, immer verschlossen gezeigt, nie jemanden wirklich an sich herangelassen. Dass er überhaupt einigermaßen zugänglich geworden war, verdankten sie Claire. Mike nannte Claire seine Achillesferse. Hannah sah das anders. Claire war nicht seine Schwachstelle, sie war seine Stärke.

»Komm, Junge, trinken wir einen Kaffee! Der Brotteig hat Zeit.« Hannah wartete nicht auf Mikes Antwort. Sie holte zwei Kaffeebecher vom Bord über der Spüle.

Mike ließ auf der Stelle die Krümel in Ruhe. »Gibt's Rosinenstuten?«

Hannah lachte. »Frisch aus dem Ofen, hat schon auf dich gewartet.«

»Wenigstens kann der nicht einfach wegfahren!«, brummte Mike, setzte sich auf den Platz auf der Eckbank, der dem Kachelofen am nächsten war, und ließ sich Kaffee und Stuten servieren.

Als er eine halbe Stunde später in den Versammlungsraum kam, waren die meisten seiner Leute schon da. Sabine stand am Flipchart. Sie war erst seit ein paar Monaten auf dem Hof, auf Einladung von Claire. Mike konnte sie nicht ausstehen, was auf Gegenseitigkeit beruhte. Claire hatte Sabine bei gemeinsamen Freunden kennengelernt. Thema des Abends war die Erfüllung oder Nicht-Erfüllung im Beruf gewesen. Sabine, die sehr schnell im Bankwesen Karriere gemacht hatte und mit dreißig Jahren bereits eine eigene Bankfiliale leitete, musste feststellen, dass diese Arbeit nicht das war, was sie sich im Leben gewünscht hatte. Was das allerdings war, wusste sie auch nicht. Claire hatte ihr an dem Abend so viel von der Hofgemeinschaft erzählt, dass Sabine neugierig geworden war. Nach ein paar Besuchen und einer Ferienwoche auf dem Hof hatte sie sich schließlich entschlossen, dem Bankwesen den Rücken zu kehren, und war auf den Lührmannshof gezogen. Von dem Zeitpunkt an lagen ihre Managerqualitäten brach, was eine tüchtige Frau wie Sabine natürlich nicht lange aushielt. Ehe Mike sich's versah, machte sie ihm seine Rolle als Chef der Truppe streitig.

Claire lächelte nur über seine Beschwerden. Im Gegensatz zu Mike konnte sie Sabine gut leiden. Die beiden Frauen teilten eine Vorliebe für Städtereisen. Bei jeder Gelegenheit schleppte Sabine Prospekte an, die Mike ein ständiger Dorn im Auge waren. 48 Stunden in Paris. Erleben Sie London. Ein Wochenende in Rom. Sie würde seiner Claire damit nur Flausen in den Kopf setzen. Claire und er hatten sich gemeinsam für den Hof, für seinen Lebenstraum entschieden. Na gut, streng genommen hatte er sich zuerst entschieden und sie sich anschließend. Aber wie auch immer – seinen Lebenstraum würde er sich von niemandem kaputtmachen lassen, schon gar nicht von so einer selbstherrlichen Karrierefrau!

Obwohl sie erst seit kurzem auf dem Hof lebte, hatte Mike Sabine bereits zu seiner neuen Lieblingsfeindin auserkoren. Gleich auf Platz zwei hinter Schulte-Johann. Seine kluge Frau hatte ihn darauf hingewiesen, dass Sabine ihm einfach viel zu ähnlich war, aber das musste Mike natürlich entschieden von sich weisen. Er war ein Einzelkämpfer, aber trotzdem ein guter Chef. Sabine nicht. Er war äußerst versiert in Sachen Biolandwirtschaft. Sabine hatte überhaupt keine Ahnung. Sie tat nur so, als wüsste sie alles besser. Mike dagegen wusste tatsächlich alles besser. Und er hatte immer recht – davon war er überzeugt.

Seine Lieblingsfeindin schrieb gerade die anstehenden Aufgaben der kommenden Woche auf die linke Seite des Flipcharts und die Namen der Hofbewohner auf die rechte. Bis Sabine auf den Hof kam, hatte Mike die Arbeit beim Frühstück oder in der Kaffeepause sozusagen auf Zuruf verteilt. In der Regel nahmen die Leute der Hofgemeinschaft die Mahlzeiten zusammen im Speisesaal im Haupthaus ein. Hannah und Claire teilten sich das Kochen, unterstützt von der jeweiligen Küchenmannschaft, die beim Gemüseputzen, Tischdecken, Abräumen und Saubermachen half.

Mike betrachtete die Tabelle auf dem Flipchart eingehend. Sabine arbeitet diszipliniert und effizient, das muss man ihr lassen, dachte er. Wenn sie nur nicht so verdammt provokant wäre!

Er sah auf die Uhr. Sylvie war noch in der Schule, Claire noch nicht zurück. Das hieß, er musste sich ohne die Unterstützung seiner beiden Frauen sehr zusammenreißen, um nicht mit Sabine aneinanderzugeraten. Dafür hatte er heute keine Zeit.

Während Mike zu seinem Platz ging, sah er sich im Raum um. Hobbypsychologen hätten bestimmt ihre helle Freude an der Menge von Freaks, die hier vertreten ist, dachte er.

Angefangen mit Hermann und Hermann. Die beiden saßen ein wenig abseits, damit nur ja keiner auf die Idee kam, sie anzusprechen. Sie schienen sehr vertieft in ein Gespräch, in dem es – daran hatte Mike keinen Zweifel – um Eier, Eiergrößen, Eierqualität und Eierpreise ging.

Elisabeth saß mit geschlossenen Augen auf ihrem Stuhl. Ihre Haltung imponierte Mike. Sie war außer ihm selbst der einzige Mensch, den er kannte, der kerzengerade sitzen konnte, ohne sich anlehnen zu müssen. Sicher meditierte sie gerade darüber, wie sie den Ärger, den sie im Schweinestall empfunden hatte, in Licht und Liebe verwandeln konnte. »Negative Gefühle wirken sich schlecht auf die Harmonie der Organe aus und können so die Entstehung von Krankheiten begünstigen«, belehrte sie Mike und die anderen Hofbewohner gerne.

Ursula und Günter waren mit ihren beiden Jüngsten gekommen. Ursula stillte das Baby, während Günter stolz die ersten Gehversuche von Lars, dem fünften von insgesamt sechs Kindern, beobachtete. Mike fragte sich, wie lange sie wohl noch an ihrem Vorsatz festhalten würden, jedes Jahr ein Kind zu bekommen. Bis jetzt schafften sie das Großfamilien-Management überraschend gut. Nur Ursulas Kasernenhofton ging Mike mächtig auf die Nerven. Kein Wunder, dass Günter so begierig darauf war, den Großteil des Tages im Sägewerk zu verbringen.

Johannes und Friederike diskutierten gerade mit Moses über die Frage, ob die verschiedenen Mondphasen nicht nur Auswirkungen auf die Aussaat, sondern auch auf die Frequenz der Kundschaft im Hofladen hatten.

Moses, den seine Eltern allen Ernstes auf diesen Namen getauft hatten, bezeichnete Mike im Stillen als den Hofesoteriker. Er war ein halbes Jahr vor Sabine auf den Hof gekommen. Zuvor hatte er als Referendar an Sylvies Schule gearbeitet und wollte Oberstufenlehrer für Englisch und Deutsch werden. Alle Lehrer und Schüler sahen schon an seinem ersten Tag, dass der Lehrerberuf nicht der richtige für ihn war. Moses brauchte für diese Erkenntnis etwas länger. Sylvie, die ihn ins Herz geschlossen hatte, war zur Stelle, als er sich fragte, was er denn nun mit seinem Leben anfangen sollte, und brachte ihn einfach von der Schule mit nach Hause. Am nächsten Tag waren Claire und Sylvie mit ihm nach Lüneburg gefahren, um seine wenigen Sachen abzuholen und sein Zimmer in der kleinen Pension zu kündigen, in der er gelebt hatte.

Moses, dachte Mike kopfschüttelnd. Mit so einem Namen konnte man doch nichts Vernünftiges werden! Wenn Moses nicht meditierte oder Reiki-Behandlungen und Reiki-Einweihungen gab, beschäftigte er sich mit Zukunftsplänen für die hofeigene Töpferei, die er gerade zusammen mit Clarissa, der Leierspielerin, aufgebaut hatte. Für Mikes Empfinden war er ein bisschen spinnert, aber harmlos.

Auch Johannes erwies sich als ein richtig netter Kerl, wenn er gerade mal nicht von Mondeinflüssen faselte. Seine Freundin Friederike führte den Hofladen mit nahezu militanter Energie. Viele Kunden kauften sicher nur etwas, um es sich nicht mit ihr zu verscherzen, mutmaßte Mike. Jedenfalls konnten Johannes und Friederike zupacken. Günter auch.

Genauso wie Annette und Rainer, die die Käserei führten und sich gerade leise miteinander unterhielten. Bevor sie auf den Hof gekommen waren, vor ungefähr sieben Jahren, hatten sie als Pädagogen mit schwer erziehbaren Jugendlichen gearbeitet. Zehn Jahre in diesem Umfeld hatten beide aufgerieben. Eigene Kinder hatten sie nicht, und auch sonst keine Verpflichtungen. So beschlossen sie nach einer Orientierungsphase, sich der biologisch-dynamischen Landwirtschaft zu verschreiben, besonders der Käseherstellung. Sogar Mike, der nicht schnell zufriedenzustellen war, musste zugeben, dass sie ihre Arbeit hervorragend machten. Annette, die Kreative von den beiden, hatte sich mit ihren innovativen Käserezepten bereits einen Namen im Kreis Lüneburg gemacht.

Sie schrieb gerade Notizen in einen Block, den sie immer bei sich trug. Rainer, der fast zwei Köpfe kleiner war als seine Frau, saß auf ihrem Schoß und schien das ganz normal zu finden. Mike war diesen Anblick seit Jahren gewöhnt, konnte es aber immer noch nicht fassen, wie man sich so unmännlich benehmen konnte, und das als ehemaliger Pädagoge für schwer Erziehbare. Vielleicht aber auch gerade deswegen? Vielleicht war der Mann so ausgepowert gewesen von seiner Arbeit, dass er sich seitdem auf seine Frau stützen musste? Mike schüttelte es bei dieser Vorstellung. Niemals würde er sich auf Claire stützen, ihr zumuten, den männlichen Part zu übernehmen, die Last der Verantwortung für ihn zu tragen. Auf gar keinen Fall!