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Die Kinder Greta, Mathilda und John müssen manche Abenteuer bestehen und schließen Freundschaften mit den Erdmenschen und König Mikro, dem Wasserkönig sowie Cepa und dem Zwiebelvolk.
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Seitenzahl: 130
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Dieses Märchen widme ich meinen Enkelkindern
Teil
Teil
Es war einmal ein kleines Mädchen mit Namen Greta. Sie war ungefähr acht Jahre alt und wohnte mit ihren Eltern und ihrem Bruder John auf einem Hof hoch oben im Norden von Schleswig-Holstein.
Jeden Morgen lief Greta nach dem Aufstehen und Frühstücken erst einmal in den Stall. Dort streichelte sie das Pferd, eine Stute, die Blaska hieß, anschließend rief sie einen Morgengruß zu den Gänsen hin und sprang sogleich in den Hühnerstall zu den Hühnern. Die kannten sie und kamen schon gackernd auf sie zugelaufen, weil sie ihnen auch manches Mal Körner gab.
Greta streichelte das eine oder andere Huhn und sah in den Nestern und Gelegen nach, ob dort ein Ei zu sehen war. Nachdem sie einige Eier eingesammelt hatte, ging sie gewöhnlich zurück in das Haus und gab ihrer Mutter die Eier.
Auch an diesem Morgen war es so, und als sie in den Hühnerstall kam, gackerten die Hühner besonders doll und kamen ihr entgegen. Greta wunderte sich etwas, aber dann sah sie wie gewohnt in den Nestern nach und sammelte die Eier zusammen, denn morgen wollte sie mit ihrer Mutter einen Kuchen backen und dafür brauchten sie die Eier. Während Greta Ei für Ei in einen Korb legte, kam sie an das letzte Nest. Dort saß noch das Huhn Weißchen auf dem Gelege. Weißchen war das neue Huhn, das die Eltern vor kurzem gekauft hatten. Das war noch nicht ganz so zahm und sprang flatternd hoch, als Greta sich dem Nest näherte. In diesem Nest lag nur ein Ei, welches aber sehr viel größer aussah als die anderen, die sie bis jetzt eingesammelt hatte. Sie nahm das Ei in die Hand und besah es von allen Seiten. Komisch, dachte sie, so ein großes Ei. Dessen ungeachtet legte sie es zu den anderen ins Körbchen, lief schnell ins Haus und brachte die Eier in die Küche.
„Mutter, darf ich dieses Ei haben?“, fragte sie. „Es ist von dem neuen Huhn Weißchen.“
Die Mutter staunte auch etwas, versprach aber, ihr das Ei sogleich zu kochen, und Greta sah ihr dabei gespannt zu. Nach kurzer Zeit war es soweit. Greta bekam das Ei auf einem Teller gereicht, und nachdem sie noch überlegte, ob sie das Ei jetzt gleich essen sollte oder lieber etwas aufbewahren, entschied sie sich doch für sofort. Sie klopfte das Ei auf den Teller. Es passierte nichts. Die Schale war noch immer heil.
Das hat eine besonders harte Schale, dachte sie so bei sich. Nachdem sie mehrfach probiert hatte, die Schale zu knacken, und es noch immer nicht gelang, holte sie sich einen Hammer aus dem Werkzeugkasten des Vaters. Gut, dass die Mutter draußen bei den Tieren war, sonst hätte sie es nicht gedurft. Sie versuchte mit einem Schlag auf das Ei, die Schale zu brechen. Und nun gelang es auch. Aber was war das? Greta staunte nicht schlecht. In dem Ei war kein gekochtes Eiweiß und Eigelb, sondern ein zusammengerollter Zettel und eine kleine Flöte. Das kann doch gar nicht sein, dachte sie. Sie nahm die beiden Dinge in die Hand und betrachtete sie. Dabei überlegte sie, dass ihr niemand glauben würde, wenn sie das erzählte, beides aus einem gekochten Hühnerei entnommen zu haben. Sie rollte den kleinen Zettel auseinander und da stand etwas drauf geschrieben. Gut, dass ich schon in der 2. Klasse bin, dachte Greta, da kann ich das auch schon selber lesen und brauche damit nicht zur Mutter zu gehen. Auf dem Zettel stand in großen Buchstaben geschrieben:
Liebe Greta, bitte hilf uns. Flöte einmal, dann erfährst Du mehr.
Greta saß da und dachte nach. Was sollte das alles bloß bedeuten? Wer brauchte Hilfe? Und konnte wirklich sie gemeint sein? Nun, sie hatte das Ei heute Morgen gefunden, und niemand anderer. Und es stand ihr Name auf dem Zettel. Also war es wohl für sie bestimmt.
Sie nahm die kleine Flöte in die Hand und besah sie von allen Seiten. Schön sah sie aus. Noch traute sie sich nicht, darauf zu flöten. Sie steckte den Zettel und die Flöte in ihre Jackentasche. Dann räumte sie die Eierschalen weg, stellte den Teller ins Waschbecken und ging nach draußen.
Nachdem sie einige Zeit mit den beiden Sachen in der Jackentasche, die sie fest mit ihrer Hand umklammerte, im Garten auf und abgegangen war, beschloss sie, ihren Bruder John einzuweihen.
„John, soll ich dir ein Geheimnis verraten?“, fragte sie.
Ihr Bruder spielte mit seinem Trecker und sah kaum hoch.
„John, wenn ich dir ein Geheimnis verraten soll, musst du schwören, dass du nichts darüber verrätst, an niemanden“, versuchte Greta ihren Bruder noch einmal zu locken.
Jetzt wurde John aufmerksam und sah sie an. „Großes dickes Ehrenwort“, versprach er.
Greta setzte sich zu ihm und sah sich um. Niemand zu sehen außer ihnen beiden. Sie zog aus ihrer Jackentasche einen Zettel und eine kleine Flöte.
John wunderte sich etwas darüber und sagte: „Was soll daran ein Geheimnis sein?“
„Wart es ab, ich erzähl es dir“, murmelte die Schwester und berichtete von dem Gang in den Hühnerstall und dem großen Hühnerei von Weißchen und was dann geschah. „Jetzt pass auf“, sagte sie. Sie rollte den Zettel auseinander und hielt ihn zum Lesen hin.
John konnte auch schon lesen, obwohl er eine Klasse unter ihr war, es ging aber langsamer. Mühsam las er das Geschriebene auf dem Zettel und fragte, was das denn sollte.
Nun berichtete Greta ihm, was sie darüber wusste.
Er sah sie ungläubig an, das konnte doch wohl nicht wahr sein.
Greta zog ihn hinter sich in die letzte Ecke des Gartens, und John ließ sogar seinen geliebten Trecker stehen, so sehr wollte er jetzt das Geheimnis ergründen.
„Hast du denn schon einmal die Flöte ausprobiert?“, fragte er.
Greta schüttelte den Kopf. „Nein“, sagte sie, „ich habe mich das noch nicht getraut.“
„Wir könnten es ja einmal probieren“, schlug John vor. „Vielleicht ist das nur Spinnkram.“
Greta holte die Flöte hervor und John setzte sich ganz dicht zu ihr.
„Los, mach es!“, forderte John sie auf.
Greta setzte die Flöte an den Mund und blies hinein. Beide warteten gespannt ab, ob und wenn ja, was passierte. Es passierte gar nichts, außer dass eine Elster etwas näher zu ihnen herüber hüpfte. Aber die oder eine andere Elster waren sowieso oft zu sehen. Das war für die beiden nichts Besonderes. Fast ein bisschen enttäuscht sahen sie sich an.
Auf einmal hörten sie, wie die Elster etwas sagte: „Immer muss ich es sein, die das machen muss. Wie ärgerlich! Warum nur?“, murmelte sie.
Die Kinder sahen sich an und glaubten es beinahe nicht. Die Elster kann ja sprechen und wir können es sogar hören, dachten sie.
Die Elster hüpfte näher zu ihnen hin. „Hallo, Greta, hallo, John“, sagte sie. „Ich kenne euch schon lange, ich bin öfter hier in eurem Garten, wenn ihr spielt. Aber heute soll ich euch etwas sagen. Offenbar wurdet ihr ausgesucht für diesen Auftrag.“
Dabei hüpfte sie ständig hin und her, pickte hier und pickte dort nach einem Korn, oder was auch immer sie dort erblickte.
„Warum kannst du denn sprechen?“, fragte Greta nun. „Und was sollst du uns sagen?“
„Na, du kannst doch auch sprechen, warum sollte ich es denn nicht können?“, wunderte sich die Elster, die aufgehört hatte, nach Essbarem zu suchen. Nach einer kleinen Pause fuhr sie fort: „Mich schickt der kleine König Mikro, der ganz dringend Hilfe braucht. Ich soll euch zu ihm und seinem Volk bringen, wenn ihr ihm helfen wollt. Wollt ihr das?“, fragte die Elster nun die beiden Kinder.
Beide nickten ganz eifrig mit dem Kopf. Sie waren hilfsbereite Kinder und das wusste man bei den Tieren.
„Aber was können wir denn für ihn tun? Wie sollen wir ihm denn helfen?“, fragten die Kinder.
Die Elster hüpfte wieder hin und her. Auf einmal blieb sie stehen und sah die Kinder bedeutungsvoll an. „Seid ihr dazu bereit?“
„Jetzt sofort?“, fragte John.
„Ja, jetzt sofort“, sagte die Elster. „Folgt mir.“
Sie hüpfte durch den Zaun auf die andere Seite des Weges bis zu einem dicken Eichenbaum.
Die Kinder durften den Garten nicht verlassen, aber jetzt war offensichtlich ein Notfall, und das würden die Mutter und der Vater verstehen, wenn sie ihnen das später erklärten. Sie rollten sich unter dem Zaun durch und liefen zu der dicken Eiche.
Die Elster fragte: „Habt ihr auch die Flöte und den Zettel dabei? Beides dürft ihr nicht verlieren, das ist sehr wichtig.“
Die Kinder nickten mit dem Kopf. Vor der Eiche sahen sie auf dem Boden zwischen den dicken Wurzeln der Eiche ein Loch, ungefähr so groß wie die Elster. Die war schon beinahe ganz in dem Loch verschwunden.
„Halt, Stopp! Was soll das denn? Wo willst du denn hin ohne uns?“, riefen sie erschrocken aus.
Die Elster drehte sich um und sagte: „Oh, entschuldigt bitte, daran habe ich jetzt gar nicht mehr gedacht. Moment mal.“
Sie tippte Greta und John einmal mit ihrem Schnabel an, und plötzlich hatten beide Kinder ein ganz komisches Gefühl in ihrem Bauch. Es fühlte sich an und sah auch so aus, als wenn die Bäume immer größer würden und auch die Elster war nun schon fast so groß wie Greta und John.
„Du, Greta“, flüsterte John, „die Bäume und alles werden gar nicht größer, wir sind auf einmal kleiner geworden. Das ist ja ein Ding.“
Beide Kinder sahen sich nun etwas beklommen um, aber da sie beieinander waren, fassten sie sich bei der Hand und gingen nun hinter der im Loch verschwundenen Elster hinterher. Es ging einen dunklen Gang hinunter, und nachdem sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnten sie auch etwas erkennen. Die Elster trippelte und wackelte vor ihnen her. Ab und zu fiel etwas Licht von einem Spalt zwischen den Wurzeln in den Gang. Nach einigen Minuten wurde der Gang heller und verbreitete sich.
Plötzlich standen sie in einem saalähnlichen Raum. An den Wänden waren Kerzen angebracht und in der Mitte dieses Raumes war ein großer länglicher Tisch. Die Kinder staunten sehr, denn um diesen Tisch herum saßen viele kleine Leute. Sie sahen aus wie Zwerge, aber nicht wie Zwerge, die sie aus Büchern kannten, sondern diese Zwerge waren so groß wie die Elster, und sie trugen auch nicht diese Zipfelmützen der Zwerge aus den Märchen. Nein, sie sahen aus wie normale Leute, nur in klein.
Dabei vergaßen die Kinder allerdings, dass sie nun selber die Größe der Elster hatten. Als sie nun den Raum betraten, drehten die kleinen Leute sich zu ihnen um und betrachteten sie. In der Mitte des langen Tisches saß eine Frau, die in der einen Hand eine Glocke hielt. Mit dieser klingelte sie jetzt. Alle drehten sich ihr wieder zu.
„Meine lieben Freunde“, sagte die Frau mit der Glocke. „Wir wollen jetzt diese beiden Menschenkinder begrüßen, sie kommen gerade zur rechten Zeit.“
„Hallo, Greta, hallo, John, schön, dass ihr da seid. Dann hat es also mit dem Hühnerei geklappt. Ich bin die Vorsitzende von den Erdmenschen hier in unserem Gebiet und von König Mikro eingesetzt, um euch etwas zu berichten. Wir sind in großer Not und brauchen eure Hilfe. Uns ist unser Prinz, der Sohn von König Mikro, entführt worden. Er sollte unser neuer König werden, denn der alte König Mikro ist schwer krank. Wir wissen nicht mehr weiter. Es darf nach unseren Gesetzen kein anderer König bei uns werden, und wir haben nur noch drei Tage Zeit, den Prinzen zu finden. Sollte der Prinz nicht in drei Tagen hier sein, wird die Herrschaft von den Wassermenschen übernommen werden, und das wird ganz schlimm. Das bedeutet sogar das Ende für uns. Wir können nämlich nur unter der Erde leben. Hier ist alles für uns da, was wir zum Leben brauchen. Sollten jedoch die Wassermenschen hier herrschen, wird unser Lebensraum mit Wasser geflutet, und wir ertrinken darin. Die Wassermenschen sind ganz wild darauf, unser Gebiet zu übernehmen.“
Die Kinder sahen sich an. Dann sagte Greta: „Das ist ja eine ganz schreckliche Geschichte. Ihr armen Erdmenschen! Aber wie sollen wir euch helfen? Wir sind doch noch Kinder!“
Von weitem hörten sie plötzlich, wie die Mutter nach Greta und John rief.
„Oh je, jetzt haben wir nicht mehr viel Zeit, sonst gibt es Ärger für uns“, sagte John. Auch Greta meinte nun, dass sie zurückmüssten.
„Einen Moment noch, die Elster bringt euch gleich zum Ausgang“, rief die Vorsitzende. „Wenn ihr morgen die Eier wieder einsammelt, werdet ihr in dem Ei von Weißchen, die übrigens zu uns gehört, einen neuen Zettel finden und der wird euch verraten, was ihr für uns tun oder wie ihr helfen könnt. Bis dahin sagen wir euch Dank für euren guten Willen.“ Kaum waren ihre letzten Worte verklungen, drehte sie sich um zu der Elster und gab ihr einen Wink.
Die Elster hüpfte sogleich los und verschwand in dem Gang, aus dem sie gekommen waren. Die Kinder folgten ihr schnell und nach einigen Minuten befanden sie sich wieder am Eingang. Sie kletterten unterhalb der Baumwurzel hinauf und die Elster tippte sie wieder mit dem Schnabel an. Sofort wurden die Bäume und alles wieder kleiner.
Kaum hatten die Kinder ihre ursprüngliche Größe wieder erreicht, kam auch schon die Mutter angelaufen und rief besorgt: „Wo wart ihr bloß? Überall habe ich gesucht und konnte euch nicht finden. Es gibt Abendessen, nun kommt.“
Mit verschwörerischem Blick sahen sich Greta und John an und gleichzeitig legten sie beide den Finger auf den geschlossenen Mund: „Pst.“
Sie trotteten hinter der Mutter her und John flüsterte Greta zu: „Morgen früh komme ich mit in den Hühnerstall, warte auf mich!“
Greta nickte. Als sie ins Haus kamen, begrüßten sie den Vater, wuschen sich die Hände und saßen nach kurzer Zeit alle am Abendbrottisch.
Am nächsten Morgen war Greta schon zeitig wach. Auch John war bereits aufgestanden und beide zappelten ordentlich während des Frühstücks. Sie konnten es nicht mehr abwarten, endlich hinaus zu gehen. Kaum war das Müslischälchen leer und der Kakao getrunken, baten sie darum, aufstehen zu dürfen.
Eilig liefen sie auf den Hühnerstall zu. Selbst die schnatternden Gänse und das Pferd Blaska wurden heute nicht beachtet. Greta machte die Tür vom Hühnerstall auf und die Kinder schlüpften hinein. Sie sahen jetzt auch nicht zu den anderen Hühnern, sondern steuerten sogleich auf das Nest von Weißchen zu. Die war diesmal auch nicht mehr so ängstlich, sondern erhob sich nur und machte Platz. Und tatsächlich, dort lag wieder ein so großes Ei.
Greta nahm das Ei und steckte es in ihre Jackentasche. Nun sammelte sie die anderen Eier ein und legte sie in den Korb, um diesen der Mutter zu bringen.
Nachdem die Kinder den Korb in der Küche abgeliefert hatten, rannten sie mit dem Ei von Weißchen in den Garten bis an die Stelle, wo sie gestern durch den Zaun geklettert waren. Sie hockten sich auf den Boden hin und betrachteten das Ei. „Mann, das ist ja wirklich groß“, staunte John. „Das muss jetzt aber nicht mehr gekocht werden, oder?“, fragte er seine Schwester.
Diese schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht. Wir probieren es einmal so.“ Sie klopfte das Ei auf den Boden, und siehe da, es ging ganz leicht kaputt. Und wieder enthielt es einen zusammengerollten Zettel, sonst aber nichts. Beide Kinder beugten sich darüber und lasen den auseinander gerollten Zettel.
Geht zum Weiher und versucht, die Kröte Krax zu finden. Sie wird euch weiterhelfen.
John sah seine Schwester mit großen Augen an. „Welcher Weiher denn?“, fragte er sie.
„Ach, das wird bestimmt der Teich sein, der hinter der Koppel mit der großen Eiche ist. Lass uns mal dahin gehen.“