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Venedig im 18. Jahrhundert. Im Ospedale della Pietà, einem Kloster und Waisenhaus, können Neugeborene abgelegt werden, deren Mütter unerkannt bleiben wollen. So erging es auch Cecilia. Inzwischen ist sie sechzehn und die Begabteste im Orchester des Waisenhauses, das über Italien hinaus berühmt ist. Mehr noch als von Musik ist sie von der Frage besessen, wer ihre Mutter war und weshalb sie sie weggeben hat. Ruhelos streift sie nachts durch die verborgensten Winkel des Klosters und schreibt Briefe an eine imaginierte Mutter. Als ein neuer Musikmeister eintrifft, ändert sich ihr Leben. Es ist Antonio Vivaldi. Der junge Komponist mit dem roten Haarschopf erkennt das große Talent Cecilias und verspricht ihr, sie zur gefeierten Musikerin zu machen. Aber er knüpft daran eine Bedingung, die Cecilia vor die Entscheidung stellt, welchen Weg sie wählen will.
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Seitenzahl: 171
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Tiziano Scarpa
Aus dem Italienischen vonOlaf Matthias Roth
Verlag Klaus Wagenbach Berlin
Die italienische Originalausgabe erschien 2008 unter dem Titel
Stabat Mater bei Giulio Einaudi editore in Turin.
E-Book-Ausgabe 2014
© 2008 Giulio Einaudi editore s.p.a., Torino
© 2009 für die deutsche Ausgabe:
Verlag Klaus Wagenbach, Emser Straße 40/41, 10719 Berlin
Alle Rechte vorbehalten.
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ISBN 978 3 8031 4158 3
Frau Mutter, es ist tiefe Nacht, ich bin aufgestanden und hierhergekommen, um Euch zu schreiben. Zur Abwechslung, hat mich doch auch heute Nacht die Angst gepackt. Mittlerweile kenne ich dieses böse Tier schon recht gut, ich weiß, wie ich es anstellen muss, um mich nicht unterkriegen zu lassen. Ich bin zur Expertin meiner eigenen Verzweiflung geworden.
Ich bin mir Krankheit und Heilung zugleich.
Eine Flut bitterer Gedanken steigt in mir auf und schnürt mir die Kehle zu. Es ist sehr wichtig, sie zu erkennen und sofort zu reagieren, ohne ihr Gelegenheit zu geben, sich meines gesamten Geistes zu bemächtigen. Die Welle wächst rasch an und überschwemmt alles. Es ist eine schwarze, giftige Flüssigkeit. Sterbende Fische schwimmen an der Oberfläche, mit aufgerissenen Mündern schnappen sie nach Luft. Da ist wieder einer, keuchend kommt er nach oben, er stirbt. Dieser Fisch bin ich.
Ich sehe mich sterben und schaue mir vom Ufer aus dabei zu, meine Füße stehen bereits in der schwarzen, giftigen Flüssigkeit.
Ein weiterer Fisch treibt im Todeskampf nach oben, das ist der Gedanke an mein Scheitern, und wieder bin ich es, ich sterbe ein weiteres Mal.
Warum kommst du nach oben? Stirb lieber unter Wasser. Ich werde hinabgezogen, fühle, wie ich ertrinke. Alles ist dunkel.
Dann stehe ich wieder am Ufer, wieder bin es ich, wieder lebe ich, schaue aufs giftige Meer, schwarz bis zum Horizont, es wimmelt von toten Fischen, mit aufgerissenen Mäulern. Das bin ich, wir sind ich, tausend Mal, tausend Fische im Todeskampf, tausend Gedanken an Zerstörung, ich bin tausend Male tot, ständig sterbe ich, ohne den Kampf je aufzugeben. Das Meer schwillt an, es steigt, es ist giftig, schwarz.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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