Tula und Grudu - Gabriele Littwin - E-Book

Tula und Grudu E-Book

Gabriele Littwin

4,8

Beschreibung

Sind die Menschenwesen wirklich so gefährlich, wie es im Feenland seit Jahrhunderten erzählt wird? Die Feenfreunde Tula und Grudu wollen der Sache auf den Grund gehen und zaubern sich mutig in die unbekannte Welt. Als Grudu in Lebensgefahr gerät, setzt Tula alles auf eine Karte und bittet das Menschenmädchen Frieda um Hilfe. Doch nach ihrer Rückkehr bemerken sie seltsame Veränderungen. Alles gerät aus dem Gleichgewicht. Zudem ist ein Beutel Feenstaub verschwunden. Verzweifelt versuchen Tula und Grudu ihn wiederzufinden. Ist das Feenland nun für immer verloren?

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Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Für Zoe

Manchmal muss man einen Stein eben umdrehen, um zu sehen, was sich darunter versteckt

Inhaltsverzeichnis

Das Feentor

Hungermonster

Kritzel-Kratzel-Sätze

Seltsame Menschenwesen

Ein schwarzes Riesendings

Gefahr in der Turnhalle

Streit unter Freunden

Gefährliche Neugier

In letzter Sekunde

Frieda

Im Menschenhaus

Abschied mit Hindernissen

Heimkehr

Auf dem Feenhügel

Merkwürdige Veränderungen

Zurück in der Menschenwelt

Karas Flucht

Der geheime Höhlenweg

Der Troll

Totes Land

In der Zwischenzeit bei Grudu und den Freunden

Hoffnung

Der Vertrag

Rückkehr

DAS FEENTOR

Die Morgensonne schiebt sich über den Horizont und wirft ihre glitzernden Strahlen auf das Feenland. Blumen in allen Farben des Regenbogens strecken ihre Kelche dem Licht entgegen. Unzählige Bäume mit mächtigem Blätterdach ragen hoch in den Himmel. Dornige Ranken klettern an ihnen empor und bilden ein undurchdringliches Gestrüpp. Es duftet nach Moos und Erde, nach Blüten und frischer Luft. Bäche gurgeln, versteckt zwischen Gras und Farngewächsen. Sie erzählen Geschichten, die nur von winzigen Ohren zu verstehen sind.

Wesen mit Flügeln, so zart wie Seide, fliegen umher. Vier, sechs und zwölfbeinige Tiere kriechen durch das Unterholz. Kreaturen mit dürren Beinchen und fedrigen Haaren hüpfen mal hier- und mal dorthin. Es raschelt und wispert, es zischelt und zirpt im endlosen Grün.

Hinter den Baumriesen erstreckt sich das Wiesenland. Es reicht so weit wie ein Auge sehen kann und noch viel weiter. Zwischen den grünen Halmen ragen kleine spitze Dächer hervor wie bunte Hüte. Es ist die Heimat der Wiesenfeen, die hier in ihren Stelzenhäusern leben.

Plötzlich ist von weitem eine Stimme zu hören.

„Grudu! Grudu! Mach’ schnell auf, es gibt Neuigkeiten!“ Übermütig saust eine zierliche Gestalt durch die Luft. Ihre langen, blonden Haare flattern im Morgenwind, und das orangefarbene Kleid schmiegt sich eng an ihren Körper.

Sie fliegt direkt auf eines der runden Häuschen zu und bewegt dabei ihre grün schimmernden Flügel flink wie ein Schmetterling. Dann bleibt sie oberhalb der Wendeltreppe vor der Haustür stehen. Drinnen rührt sich nichts. Tula klopft gegen das Holz.

„Grudu, mach schon auf, es ist wichtig!“

Ein Junge mit blauer Hose und raspelkurzen, roten Haaren öffnet die Tür und grinst sie freundlich an.

„Dachte ich’s mir doch, dass du es bist, die so ein Gepolter veranstaltet. Was sind denn das für Neuigkeiten, die nicht warten können?“

Beim Sprechen schlägt seine Zunge an die Vorderzähne. Tula stapft in ihren spitzen, moosgrünen Schuhen an Grudu vorbei in die kleine Küche.

„Willst du etwas von meinem Grützelpudding probieren, ich habe ihn gerade frisch zubereitet?“

„Ja, gleich Grudu. Komm, setz dich und hör mir zu!“

Als der Junge gerade sitzt, sprudelt es aus ihr heraus.

„Stell’ dir vor, ich hab‘ die Beobachter gesehen, sie waren wieder in der Menschenwelt. Ich war auf dem Feenhügel, um Kräuter für meinen Sommertee zu suchen. Du weißt ja, dass es auf dem Hügel eine Menge davon gibt. Und wie ich mich so bücke und pflücke, da höre ich plötzlich Stimmen.

Ich hab’ mich gerade noch hinter einen Busch ducken können. Da sehe ich, wie die beiden vom Feentor herunterkommen. Ich hab’ genau gehört, was sie gesagt haben. Sie waren nicht gerade leise.“

„Und, was haben sie gesagt?“ fragt Grudu mit einem mitleidigen Blick.

„Nun, der eine hat über die Menschenwesen gelacht und gesagt, sie könnten trotz ihrer Größe nicht einmal fliegen. Und das Zaubern würden sie auch nicht beherrschen. Stell dir das mal vor. Der andere meinte, er kann gar nicht verstehen, warum die Feen so eine Angst vor diesen dummen Wesen haben.“ Grudu zuckt mit den Schultern.

„Na und? Die Beobachter haben nur ihre Aufgabe erledigt und nachgesehen, was in der Menschenwelt vor sich geht und ob sie dort etwas Böses planen.“

„Ach Grudu, willst du denn gar nicht wissen, wie die Menschenwesen aussehen und was sie tun?“

„Och, nö, eigentlich nicht. Was interessiert mich irgendeine fremde Welt? Und Tula, du weißt ganz genau, warum es die Beobachter gibt.“

„Ja schon. Wegen dieser uralten Geschichten, die sie uns immer erzählen.“

„Du brauchst das gar nicht so gelangweilt zu sagen. Schließlich wäre unser Feenland damals, nur wegen dieser Menschen, beinahe zerstört worden.“

Tula verschränkt ihre Arme, presst die Lippen zusammen und sieht Grudu schweigend an. Solange sie denken kann, fürchten sich die Feenvölker vor den Menschenwesen. Aber niemand scheint etwas Genaueres über sie zu wissen. Die Beobachter berichten nur der Feenkönigin, sonst niemandem. Tula ist fest davon überzeugt, dass jedes Ding zwei Seiten hat. Manchmal muss man einen Stein eben umdrehen, um zu sehen, was sich darunter versteckt. Bei den Menschen könnte es doch genauso sein.

„Ich hole uns jetzt erst einmal etwas vom Grützelpudding. Der ist mir heute wirklich prächtig gelungen.“

Grudu ist zufrieden, wenn er nur in Ruhe kochen, brutzeln und backen kann. Auf seinem gelben Pullover leuchten ein paar helle Puddingflecken, und seinen Mund ziert ein stattlicher Milchschnurrbart. Gut gelaunt steht Grudu an seiner Kochstelle und schöpft aus dem Topf über dem offenen Feuer zwei große Kellen Grützelpudding.

Gerade will er sich genüsslich den ersten Löffel in den Mund schieben, da schlägt Tula mit der Faust auf den Tisch. Die beiden Puddingschälchen machen einen Hüpfer.

„Ich will in die Menschenwelt! Ich muss einfach dort hin. Ich will endlich wissen, wie es da ist. Grudu, komm doch mit.“ Sie springt auf und schaut ihren Freund erwartungsvoll an. Grudu zieht die Augenbrauen nach oben und schüttelt energisch den Kopf.

„Nein, nein, niemals nicht gehe ich in die Menschenwelt. Bin ich etwa verrückt? Wer weiß, was sie da mit uns machen.“

„Aber Grudu, vielleicht sind einige Menschen auch ganz nett. Wenn wir nicht zu ihnen gehen, werden wir nie herausfinden, wie sie wirklich sind.“

„Du weißt doch genau, Tula, dass du erst durch das Feentor gehen darfst, wenn du hundertzehn Jahre alt geworden bist und dich die Feenkönigin zur Beobachterin ernannt hat.“

„Das dauert noch sechsundzwanzig Jahre. So lange kann ich nicht warten. Wenn du nicht mitkommst, dann gehe ich eben allein.“ Entschlossen stapft Tula zur Tür.

Sie dreht sich ein letztes Mal um und verkündet: „Noch drei Nächte Grudu, dann ist Vollmond, und ich werde durch das Tor gehen.“

Ohne sich zu verabschieden, wirft sie die Tür hinter sich zu und fliegt davon. Grudu sitzt mit hängenden Schultern vor seinem Grützelpudding. Doch der Appetit ist ihm gründlich vergangen.

Drei lange Tage muss Tula warten. Als endlich die Vollmondnacht hereinbricht, nimmt sie ihre drei Feenstaubbeutel und macht sich auf den Weg zum Feenhügel. Der Mond steht rund und hell am Himmel, als sie über die Ebenen des Wiesenlandes fliegt. Am Waldrand zögert sie. In der Nacht ist es kein Vergnügen, durch den rabenschwarzen Wald zu fliegen. Das Mondlicht dringt nicht zwischen die dicht stehenden Bäume, und überall hocken neugierige Morgels, Kobolde und Trolle im Dunkeln.

Kurz entschlossen nimmt Tula einige Körner Feenstaub und wirft sie in die Luft. Im nächsten Moment hat sie sich auf die andere Seite des Waldes gezaubert. Jetzt kann sie von weitem den Feenhügel erkennen, der sich wie ein riesiger, schwarzer Fels erhebt. Mitten auf dem Hügel steht einsam das große Feentor. Seine mächtigen, grauen Steine ragen düster in den Nachthimmel.

Tula landet direkt davor auf dem weichen Grasboden. Vorsichtig sieht sie sich um. Nichts ist zu hören bis auf den fernen Ruf einer Waldfeeneule. Ein leiser Schauer fährt ihr über den Rücken. Plötzlich knackt es laut und Tula zuckt zusammen. Dann hört sie eine Stimme, die sie nur allzu gut kennt. „Hups! Eu-jeu-jeu, na wenn das mal keine Bruchlandung war.“

Grudu stolpert aus dem Gebüsch.

„Grudu, du bist doch gekommen! Ich bin ja so froh!“

Tula umarmt ihren Freund so stürmisch, dass ihm die Mütze vom Kopf fällt. Grudus Gesicht wird rot wie eine Walderdbeere und er ist froh, dass es dunkel ist.

„Ich kann dich doch nicht alleine eine so gefährliche Reise machen lassen“, antwortet er, während er den Schmutz von seiner Hose klopft.

„Einer muss ja schließlich auf dich aufpassen.“

„Sag mal Grudu, hast du genug Feenstaub dabei?“

„Keine Angst. Ich hab’ an alles gedacht. Sieh mal, die drei Beutel hängen an meiner Gürtelschnur. Das wird wohl ausreichen. Wie soll es denn jetzt weitergehen?“

„Komm, wir gehen einfach unter das Feentor, dann werden wir ja sehen, was passiert.“

Mutig stellen sich die Feenkinder unter den Bogen, aber nichts geschieht.

„Vielleicht müssen wir etwas Feenstaub werfen“, meint Grudu. Immer noch nichts.

Tula schaut nachdenklich in den steinernen Rundbogen, der sich über sie spannt.

„Lass uns die Augen zumachen und ganz fest an die Menschenwelt denken.“

Sie nehmen sich bei den Händen und schließen die Augen. Erst ist es ganz still. Dann hören sie plötzlich ein leises Sirren, das immer lauter wird. Ihre Haut fängt an zu kribbeln, als würde ein ganzes Ameisenvolk darauf herumkrabbeln. Unter lautem Rauschen und Brausen werden Blätter und Zweige im Kreis um das Tor gewirbelt. Jetzt zerrt der Wind an ihren Kleidern, als wolle er sie ihnen wegreißen. Das Tosen um sie herum wird fast unerträglich. Sie werden so heftig durchgeschüttelt, dass sie kaum noch stehen können.

Ganz plötzlich wird es still. Das laute Spektakel ist vorbei und das Feentor steht einsam und verlassen in der Dunkelheit, als wäre nichts geschehen. Tula und Grudu sind verschwunden.

HUNGERMONSTER

Die beiden Feenkinder öffnen die Augen und sehen erst einmal gar nichts. Völlige Dunkelheit umschließt sie. Ihre Herzen schlagen schnell.

„Wo sind wir?“ Grudu blickt ängstlich umher.

„Schnell, Grudu“, flüstert Tula, „lass uns die Feenglühwürmchen herausholen.“

Im Lichtschein der winzigen, leuchtenden Falter erkennen sie, dass sie unter einem Feentor stehen. Rings um das Tor jedoch ragen lange Halme empor.

„Sind wir etwa im Wald?“ Grudu tastet nach Tulas Hand.

„Komm, Grudu, wir sehen uns das mal von oben an.“ Sie erheben sich mit ihren durchsichtig schimmernden Flügeln in die Luft.

„Sieh nur, Grudu, wir sind auf einer Wiese gelandet. Dort sind Wege zu erkennen.“

Grudu blickt ungläubig in die dunkle Umgebung.

„Glaubst du, wir sind wirklich in der Menschenwelt?“

„Ich weiß nicht, Grudu, vielleicht. Sieh mal dahinten den roten Streifen? Das sieht aus, als wenn bald die Sonne aufgeht.“ Sie zögern einen Moment, denn alles um sie herum ist riesig groß. Dann entschließen sie sich, auf einem Baum in der Nähe Schutz zu suchen. Dicht nebeneinander gedrängt sitzen sie auf einem Ast und fühlen sich plötzlich winzig klein in dieser fremden Welt. Ungeduldig warten sie darauf, dass es hell wird.

Das Gezwitscher der Vögel vertreibt die ängstlichen Gedanken, und nach kurzer Zeit schiebt sich die Sonne wie ein orangener Ball Stück für Stück nach oben.

Den Feenkindern steht der Mund offen, und sie drehen sich staunend nach allen Seiten um.

„Da hinten sind Häuser“, zeigt Tula aufgeregt in die Ferne. „Die sehen anders aus als bei uns. Aber sie haben auch Dächer, Türen und Fenster!“

„Alles ist so groß, Tula. Wo sind denn die Menschen?“

„Nun, wir werden sie wohl suchen müssen.“

„Tula, hörst du das?“

„Ja, Grudu, ich glaube, es sind Schritte. Es kommt aus dieser Richtung“, zeigt Tula mit dem Finger zur Seite. Am Rande der Wiese schlendert ein Kind heran.

„Ein Menschenwesen, Tula! Das muss ein Menschenwesen sein.“

„Ja, aber das sieht ja fast so aus wie wir“, wundert sich Tula. „Es könnte ein Mädchen sein. Siehst du seine langen Haare?“ „Bloß Flügel hat es nicht, Tula. Und es ist viel größer als wir.“ „Grudu, siehst du diesen seltsamen Kasten, den es auf dem Rücken trägt? Was da wohl drin ist?“

Am Rande der Wiese bleibt das Menschenkind an einem durchsichtigen Häuschen stehen. „Was hältst du davon, Grudu, wenn wir uns in diesen Kasten hinein zaubern. Dann werden wir ja sehen, was da drin ist.“

Grudu ist unschlüssig, ob das eine so gute Idee ist, da ruft Tula erschrocken: „Oh nein! Da kommt ein brummendes Ungetüm mit Rädern und hält an. Das Menschenwesen will einsteigen. Gleich ist es weg. Komm’, Grudu, schnell in den Kasten!“

Im nächsten Moment fliegt glitzernder Feenstaub durch die Luft und Tula ist verschwunden.

„Immer macht sie solche gefährlichen Sachen. Immer, immer, immer! Jetzt muss ich hinterher, ob ich will oder nicht“, schimpft Grudu und wirft ebenfalls etwas Feenstaub nach oben.

In dem Kasten ist es dunkel wie die Nacht, und sie holen wieder die Glühwürmchen hervor. Schon wird es heller.

„Hier ruckelt es aber mächtig hin und her, Tula.“

„Ja, wir müssen uns gut festhalten, sonst werden wir noch erdrückt.“

Die beiden versuchen zwischen Büchern, Heften, Etui und Butterbrotdose ein freies Plätzchen zu finden. Während der Fahrt ist es im Kasten ruhig, doch als das Mädchen aussteigt, gerät er wieder in Bewegung.

„Hui, jui, jui, das geht ja rauf und runter, hin und her und kreuz und quer!“, ruft Grudu. Plötzlich steigt ihm ein unwiderstehlicher Duft in seine Feennase.

„Tula, meine Nase sagt mir, dass es hier drinnen etwas Li, La, Leckeres gibt. Riechst du es auch?“

„Grudu, hast du etwa schon wieder Hunger?“

„Das ist doch nicht verwunderlich, Tula. Wir haben schließlich noch nicht gefrühstückt, und in meinem Bauch ist ein großes Hungerloch.“

Jetzt spüren die Feenkinder einen Ruck, und der Kasten bewegt sich nicht mehr. Neugierig wagt Tula einen Blick durch den Schlitz am oberen Rand. Plötzlich öffnet sich der Deckel, und die Hand des Mädchens greift hinein. Tula erschrickt, steckt rasch ihr Feenglühwürmchen ein und verkriecht sich in die dunkelste Ecke. Grudu gelingt es gerade noch, sich in die Butterbrotdose zu zaubern.

Das Mädchen holt ein Buch heraus und schließt den Deckel wieder.

„Grudu, wo steckst du?“, ruft Tula leise, doch statt einer Antwort hört sie nur laute Schmatzer, die aus der Dose dringen. „Grudu, komm sofort da heraus, wir müssen uns ein anderes Versteck suchen, bevor der Deckel noch einmal aufgeht.“ Tula linst wieder durch die schmale Öffnung und sieht einen großen Raum mit Tischen und Stühlen für die Menschenkinder. Vorne steht ein weiterer Tisch, an dem ein riesengroßes Menschenwesen sitzt. An der hinteren Wand entdeckt Tula zwei Regale mit Kisten.

„Grudu, ich sehe ein Regal, auf dem können wir uns verstecken. Komm schon!“

„Isch komme glaisch!“, ruft Grudu mit vollem Mund. Gerade, als er herauskriechen will, öffnet das Mädchen wieder den Kasten und greift nach der Butterbrotdose.

KRITZEL-KRATZEL-SÄTZE

Im letzten Moment gelingt es den Feenkindern, sich auf das Regal zu zaubern und hinter einer Kiste zu verschwinden.

„Puh, das war knapp, Grudu. Warum musst du auch immer nur ans Essen denken?“

„Weil, weil, weil - weil ich eben Hunger habe“, brummt Grudu ärgerlich vor sich hin. Doch zum Schmollen ist keine Zeit. Die beiden spähen vorsichtig vom Regal hinunter, als die Kinder ihre Dosen und Trinkflaschen auspacken und anfangen zu essen. In der dritten Tischreihe sitzt das Mädchen. Jetzt hebt es den Deckel seiner Brotdose hoch.

„Nanu, wo ist denn mein Brot?“, wundert es sich.

In der Dose ist nichts, außer ein paar mickrigen Krümeln. Grudu verkriecht sich mit rotem Kopf hinter die Kiste.

„Da siehst du, was du angerichtet hast, Grudu“, schimpft Tula leise. „Wegen dir hat das Mädchen jetzt nichts zu essen. Du solltest dich…“

Plötzlich verstummt Tula und ihre Augen werden groß. „Oh, sieh nur, Grudu! Ein Junge gibt dem Mädchen etwas von seinem Essen ab.“ Neugierig schiebt Grudu seinen Kopf hinter der Kiste hervor. Seine Augen leuchten, und er grinst von einem Ohr zum anderen.