Auf der Ranch der Leidenschaft - Sara Orwig - E-Book

Auf der Ranch der Leidenschaft E-Book

Sara Orwig

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Beschreibung

NUR EIN HEIßER SOMMERFLIRT ... "Sie wird nicht bei dir bleiben. Vergiss sie!" Leichter gesagt als getan: Eigentlich sucht Öl-Magnat Ryan Delaney eine Köchin für seine Ranch. Dass sich eine Blondine mit atemberaubendem Sexappeal vorstellen würde, hat er nicht geahnt. Schnell ist ihm klar: Jessica wäre die ideale Frau an seiner Seite - von ihren süßen Küssen bekommt er nicht genug! Leider hat sie von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht, dass sie nur in Texas bleibt, bis die Wunden der Vergangenheit geheilt sind. Dann wird Jessica in ihre Heimat zurückkehren. Und ihn unglücklich zurücklassen ... VERGISS IHN UND KÜSS MICH "Ich will den Jungen." Bei Jordans harten Worten überläuft Angie ein Schauer. Drei Jahre hat sie ihren kleinen Sohn Lucas vor der Familie ihres tödlich verunglückten Verlobten Justin versteckt. Doch jetzt verlangt Jordan, dass sie und Lucas auf seine Ranch ziehen! In seinen Blicken liest Angie Wut, dass sie ihn so lange um den Sohn seines Zwillingsbruders betrogen hat. Aber da schimmert noch etwas anders: Bewunderung, Hoffnung - Leidenschaft? So wie damals in der Nacht, als Jordan sie hinter Justins Rücken verboten heiß und sinnlich geküsst hat? IN EINER STÜRMISCHEN GEWITTERNACHT "Warum kommen Sie nicht mit nach Wild River?" Macy sieht Carter verblüfft an. Eben hat der unerhört attraktive Cowboy sie vor einer Horde Paparazzi gerettet, und nun lädt er sie sogar nach Texas ein. Spontan sagt sie Ja. Denn die schöne Tochter eines Hollywoodstars sehnt sich nach Ruhe - und danach, in Carters starken Armen zu liegen. Tag für Tag packt sie auf seiner Ranch mit an, und in einer stürmischen Gewitternacht siegt endlich das Verlangen. Macy schmilzt unter Carters heißen Küssen dahin. Doch mehr als Lust will ihr Traummann keiner Frau je wieder schenken … VERFÜHR MICH UNDERCOVER! Eine Story über den Immobilien-Mogul Jared Ryder würde Melissas Karriere als Journalistin retten! Von einer riesigen Ranch aus regiert Jared sein Firmenimperium - und hütet sein Privatleben wie einen Schatz. Nur wenn Melissa undercover bei ihm als "Stallbursche" anheuert, kann sie herausfinden, was er zu verbergen hat. Doch als sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzt, gerät ihr Plan ins Wanken: Hals über Kopf verliebt sie sich in Jared und genießt seine erregenden Küsse. Er beichtet ihr sein Geheimnis, und Melissa muss sich entscheiden: für die Story oder die Liebe ihres Lebens … DIE RÜCKKEHR DES SHOWGIRLS Was will dieses Showgirl aus Las Vegas auf seiner Ranch? Logan würde Sophia Montrose am liebsten in die Prärie schicken. Aber das ist unmöglich: Sein Vater hat der schwarzhaarigen Schönheit die Hälfte der Ranch vermacht. Und außerdem ist Logan auch nur ein Mann …

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Seitenzahl: 1017

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Sara Orwig, Elizabeth Lane, Charlene Sands, Barbara Dunlop

Auf der Ranch der Leidenschaft

IMPRESSUM

BACCARA erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Thomas BeckmannRedaktionsleitung:Claudia Wuttke (v. i. S. d. P.)Produktion:Jennifer GalkaGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2014 by Sara Orwig Originaltitel: „Her Texan to Tame“ erschienen bei: Harlequin Books, Toronto in der Reihe: DESIRE Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe BACCARABand 1883 - 2015 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg Übersetzung: Christian Trautmann

Abbildungen: mauritius images / OrÈdia, alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 07/2015 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733721299

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY, CORA CLASSICS

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1. KAPITEL

„Jeb, ich komme später raus und sehe mir den Traktor an, den du reparieren willst. Vorher muss ich aber noch Bewerbungsgespräche führen. Die Stelle der Köchin soll neu besetzt werden. Die erste Bewerberin müsste jede Minute hier sein.“

Unter der breiten Krempe seines schwarzen Stetson blickte Ryan Delaney in die Ferne. Er schob die Hände in die Taschen und lauschte dem Geräusch eines näher kommenden Wagens, während er auf der Veranda seines Ranchhauses in West Texas stand.

„Es ist ziemlich früh für eine Frau aus der Stadt, um hier rauszukommen“, bemerkte Jeb.

„Diese wollte ein frühes Vorstellungsgespräch. Sie kommt mit dem Auto aus Dallas, also wird sie seit mindestens drei Stunden unterwegs sein.“

„Sie steht früh auf – ein gutes Zeichen. Was ist mit ihrem Mann? An welchem Job ist er interessiert?“

„Es gibt keinen Mann.“

Jeb kniff die Augen zusammen. „Ich dachte, du hättest eine Vereinbarung mit der Agentur, dass du für das Hauspersonal nur Paare einstellst.“

Jeb hatte recht, doch irgendwie hatte Martin Clayburne von der Arbeitsagentur ihn zu diesem Vorstellungsgespräch überredet und ihm versprochen, er werde es nicht bereuen. Ryan nahm an, dass es ein kurzes Gespräch werden würde. „Ich habe Martin gebeten, mir keine junge, alleinstehende Frau zu schicken. Daher werde ich diese Bewerberin auf keinen Fall einstellen.“

„Na ja, schau dir den Traktor an, sobald du kannst. Wenn du das Problem siehst, wirst du mir zustimmen, dass eine Reparatur besser ist, als einen neuen zu kaufen.“ Ryan hörte Motorengeräusche und entdeckte eine Staubwolke auf dem Weg, der zum Haus führte. Schnell wandte er sich wieder an seinen Vorarbeiter, der sich den Hut in den Nacken geschoben hatte. „Wann kommen eigentlich die beiden neuen Stuten?“

„Die hole ich morgen Nachmittag ab.“

„Leg einen Stopp am Haus ein, dann werfe ich einen Blick auf sie“, sagte Ryan, schaute zufrieden zum Korral hinüber und atmete tief ein. Er mochte die Arbeit auf der Ranch lieber als die in seiner Ölbohr- und Energiefirma. Obwohl er sich wünschte, ständig hier sein zu können, verbrachte er meistens nur eine Woche im Monat auf der Ranch. Dabei wollte er an allem teilhaben, was auf der RD-Ranch vor sich ging. Das Leben hier gefiel ihm.

„Es sind gute Pferde. Vertrau mir.“ Jeb schob den Hut noch weiter zurück und schaute an Ryan vorbei. „Mann, jetzt sieh dir das an.“ Er klang beinah ehrfürchtig.

Ryan sah einen Wagen über die Zufahrt rasen, der durch die letzte Kurve schlitterte und etwa hundert Meter von der Veranda entfernt zum Stehen kam. Es handelte sich um ein rotes Cabrio. Die blonde Frau darin stellte den Motor aus und griff nach ihrer Handtasche.

„Du meine Güte“, brummte Jeb. „Die kann bestimmt nicht mal Toast zubereiten. Nicht, dass es darauf ankäme“, fügte der Vorarbeiter hinzu.

„Auf die Wette lasse ich mich lieber nicht ein“, erwiderte Ryan, ohne den roten Wagen und die Fahrerin aus den Augen zu lassen. Die Tür schwang auf, und sie stieg aus. Sie trug ein hellblaues Sommerkostüm, dessen Rock kurz genug war, um ihre langen wohlgeformten Beine sehr vorteilhaft zur Geltung zu bringen. Die obersten Knöpfe ihrer dazu passenden Bluse standen offen und offenbarten ein aufregendes Dekolleté.

„Wow! Ich wette mit dir, dass du sie einstellst, egal, ob sie nun kochen kann oder nicht.“

„Du wirst verlieren“, warnte Ryan ihn.

„Stell sie trotzdem ein. Ich bringe ihr Kochen bei.“

Ryan konnte nicht aufhören, die Frau anzusehen, musste aber über Jebs Angebot grinsen. „Ich werde das im Hinterkopf behalten. Auf jeden Fall ist sie eine echte Augenweide. Es würde mich doch sehr wundern, wenn sie jemals zuvor einen Job als Köchin hatte. Sie sieht eher aus wie ein Filmstar oder wie ein Model, nicht wie eine Köchin auf einer Ranch irgendwo in Texas.“

„Ich verschwinde.“

„Bleib noch, dann mache ich euch bekannt – nur für den Fall, dass sie abends mal eine der Kneipen in der Gegend besucht.“ Ryan musterte den Wagen, der neu und sehr teuer aussah. „Wieso bewirbt sie sich als Köchin, wenn sie einen solchen Wagen fährt?“

Ryan kannte genug Frauen, um zu wissen, dass auch die Kleidung der Blondine teuer gewesen war. Während die Bewerberin sich den Verandastufen näherte, ging er ihr entgegen. Sie stieg die Stufen hinauf, und Ryan starrte ihre Beine an.

Die Frau lächelte strahlend und offenbarte dabei makellos weiße Zähne sowie ein Grübchen in der Wange. Er ging schneller und schüttelte ihr die Hand. Kaum dass er sie berührt hatte, begann sein gesamter Körper zu kribbeln. Als er in ihre kristallblauen Augen schaute, fühlte er sich, als würde er in den geheimnisvollen Tiefen des Meeres versinken.

„Mr Delaney, mein Name ist Jessica Upton. Ich bin wegen des Vorstellungsgesprächs hier.“ Sie hatte eine weiche Stimme, der Ryan für den Rest des Tages hätte lauschen können.

„Freut mich, Sie kennenzulernen. Das hier ist mein Vorarbeiter Jeb White.“ Ryan war hingerissen von ihrem Lächeln. So sehr, dass er gar nicht merkte, dass er ihre Hand noch immer festhielt. Widerstrebend ließ er sie los.

Jeb schüttelte ihr ebenfalls die Hand. „Freut mich sehr, Sie kennenzulernen, Miss Upton.“ Dann wandte er sich an Ryan. „Ich mache mich jetzt auf den Weg. Wir sehen uns später in der Werkstatt.“

„Klar“, antwortete Ryan, ohne den Blick von Jessica abzuwenden. Ihr Lächeln musste einen Kurzschluss in seinem Gehirn ausgelöst haben, denn er hörte sich fragen: „Konnte Ihr Mann heute Morgen nicht mitkommen?“

Das brachte ihm ein noch strahlenderes Lächeln ein, von dem er weiche Knie bekam. Sie war mit Abstand die schönste Bewerberin, mit der er je ein Vorstellungsgespräch geführt hatte.

„Es gibt keinen Mann, weil ich geschieden bin.“

„Aber Sie tragen einen Ehering.“ Er hatte den breiten goldenen Ring sowie den Verlobungsring mit einem Diamanten, der sicher vier Karat hatte, sofort bemerkt. Ihre langen Nägel waren rot lackiert und sahen nach professioneller Maniküre aus.

„Ich bin nicht bereit für eine neue Beziehung. Ein Ehering erspart mir möglicherweise unerwünschte Einladungen.“

Ryan bezweifelte, dass der Ring alle Männer abschrecken würde.

„Ich habe von dieser Stelle durch einen Bekannten in Dallas gehört und die Arbeitsvermittlung überredet, mich herzuschicken. Seien Sie denen nicht böse. Manchmal kann ich sehr überzeugend sein.“

„Schon klar. Ich bin mir sicher, dass der Vermittler nicht Nein sagen konnte.“ Die Bemerkung war heraus, ehe Ryan es verhindern konnte. Wo blieb seine Professionalität? Die wurde weggefegt von einer verlockenden Frau, in deren Gegenwart er sich wie ein Sechzehnjähriger fühlte.

Er sollte klarstellen, dass er nur Paare einstellte, und sie wieder wegschicken. Nein, er würde ihr die Stelle nicht geben. Aber er wollte das Gespräch mit ihr führen. Verdammt, und er wollte mit ihr ausgehen.

„Kommen Sie mit in mein Büro.“

„Hier ist mein Lebenslauf“, erklärte sie und reichte ihm einen Umschlag. „Ich hatte schon einen per Post geschickt.“

Er klemmte sich den Umschlag unter den Arm und hielt ihr die Tür auf. Ihren Lebenslauf hatte er sich nicht angesehen, weil die Arbeitsvermittlung normalerweise die Vorauswahl traf.

Als sie das Haus betrat, nahm Ryan ihren süßen, betörenden Duft wahr. Auch ihr Hüftschwung entging ihm nicht. Ihr hellblondes Haar war leicht gewellt und fiel ihr bis auf die Schultern.

Er wusste, dass es klüger wäre, sie sofort wieder wegzuschicken. Sie sollte eigentlich gar nicht da sein, und er sollte sie nicht in sein Büro führen. Womöglich bedeutete sie nichts als Ärger, zumal sie aussah, als hätte sie keinen einzigen Tag ihres Lebens gearbeitet. Trotzdem folgte er ihr ins Haus, wo sie sich umdrehte und ihn erwartungsvoll ansah.

„Mein Büro befindet sich ein Stück den Flur entlang. Kommen Sie. Sind Sie heute Morgen von Dallas aus hergefahren?“

„Ich habe bei Freunden übernachtet, die Sie kennen – die Jimsons. Pru und ich sind seit Langem befreundet. Von ihnen weiß ich, dass Sie einen Koch suchen. Die Arbeitsvermittlung hat Sie sehr empfohlen.“

„Wo wohnen Sie, Miss Upton?“

„Nennen Sie mich bitte Jessica. Miss Upton hört sich an, als sei meine Mutter in der Nähe.“

„Gern, Jessica. Sie dürfen mich Ryan nennen.“

„Ich bin in Memphis, Tennessee, aufgewachsen, und dort lebt auch noch meine Familie.“

„Hier ist mein Büro.“

Er ließ sie in den Raum vorangehen, der mit dunklem Walnussholz getäfelt war. Auf dem Fußboden lag ein handgewebter Navajo-Teppich mit rot-schwarzem Muster auf weißem Untergrund. Jessica blieb bei einem der braunen Ledersessel vor seinem Schreibtisch stehen.

Ryan drehte den anderen Sessel ein wenig, damit er Jessica ansehen konnte. „Bitte nehmen Sie Platz.“

Er setzte sich ebenfalls und warf einen Blick auf diese fantastischen Beine, die sie übereinanderschlug. Wenn er nicht aufhörte, sie zu betrachten, würde er der Versuchung, sie doch einzustellen, nie widerstehen können.

„Wo haben Sie vorher gearbeitet?“, erkundigte er sich.

„Ich hatte keinen festen Job, habe aber viel ehrenamtlich bei Wohltätigkeitsorganisationen gearbeitet. Die habe ich alle in meinem Lebenslauf aufgelistet.“

Er klappte die Mappe auf seinem Schoß auf und las erstaunt, wie viel Zeit sie in ehrenamtliche Arbeit investiert hatte.

„Warum wollen Sie diesen Job, Miss Upton?“

„Weil er perfekt zu dieser Phase in meinem Leben passt. Ich habe eine schlimme Scheidung hinter mir. Es war eine sehr emotionale Angelegenheit, und im kommenden Jahr würde ich gern etwas Neues machen.“

Ryan dachte über ihre Antwort nach. Er sollte sie wegschicken. Wenn sie blieb, würde er sie verführen, und dann würde es kompliziert werden, wenn er Schluss machte. Früher oder später endeten alle seine Beziehungen. Er hatte noch nie eine ernsthafte Partnerschaft geführt, wollte es auch gar nicht – noch nicht.

„Sie sind eine attraktive Frau, die leicht einen besser bezahlten Job in einer großen Stadt finden kann. Wo es mehr Menschen gibt und man mehr unternehmen kann. Sie kommen doch aus der Stadt. Warum wollen Sie sich hier draußen auf meiner Ranch vergraben und einen schlecht bezahlten Job annehmen?“

Sie lächelte nachsichtig, als sei er ein bisschen schwer von Begriff. „Danke für das Kompliment. Ein ruhiger, stiller Ort, an dem ich mich vergraben kann, wie Sie es nennen, ist für mich momentan genau das Richtige. Ich stehe an einem Scheideweg in meinem Leben und muss ebenso über meine Zukunft nachdenken, wie ich mich von meiner Vergangenheit erholen muss. Durch diesen Job habe ich eine Beschäftigung und verdiene ein bisschen Geld. Außerdem habe ich Abstand zu meiner Familie und meinem Ex. Beide würden mich beim Nachdenken über meine Zukunft nur ablenken.“

Eine logische Antwort. Nur glaubte er Jessica nicht. Sie war zu hübsch, um sich vergraben zu müssen. Memphis war groß genug, um vor ihrer Familie und ihrem Ex zu fliehen. Und wenn nicht Memphis, dann gab es noch genügend andere große Städte. Sie sah aus wie ein typischer Städter, nicht wie eine Köchin auf seiner Ranch, wo tagelang keine Menschenseele sie sehen würde – ihn selbst eingeschlossen.

„Ich habe ein Unternehmen in Houston und bin nur ungefähr eine Woche im Monat auf der Ranch. Ich bezahle meine Angestellten, ob ich nun da bin oder nicht. Aber Sie wären viel auf sich allein gestellt. Was würden Sie anfangen?“

„Ich würde schon etwas finden, um mich zu beschäftigen“, sagte sie. „Das ist nie ein Problem gewesen, und jetzt, wo ich älter bin, schon gar nicht.“

Ryan schaute erneut in ihren Lebenslauf und las, wann sie die Highschool beendet hatte. Demnach war sie sechsundzwanzig. Ihrem Aussehen nach hätte er sie auf zweiundzwanzig geschätzt.

„Ein Jahr kann eine lange Zeit sein. Vielleicht wollen Sie schon bald wieder mit jemandem ausgehen. Hier draußen lernt man aber nur eine sehr begrenzte Anzahl an Männern kennen.“

„Damit kann ich leben“, erwiderte sie, und ihre Augen funkelten.

„Ehrlich gesagt, Miss Up… ich meine Jessica, ich glaube nicht …“

„Geben Sie mir eine Chance, und ich verspreche, Sie werden es nicht bereuen.“

Ihre weiche Stimme betörte ihn. Vermutlich konnten dieser Frau nur wenige Männer etwas abschlagen.

Erneut warf er einen Blick in ihre Unterlagen. „Sie haben ein erstklassiges Abschlusszeugnis und eine Ausbildung in Buchhaltung. Buchhaltung und Kochen?“

„Mein Dad hat alle seine Kinder dazu gedrängt, eine solche Ausbildung zu machen. Buchhaltung könnte man immer brauchen, meinte er. Ich weiß nicht, mir fiel es jedenfalls nicht schwer.“

„Ich bin beeindruckt“, sagte er. „Haben Sie vorher schon für jemanden gekocht? Ich sehe, Sie haben einige Kurse besucht und eine angesehene Kochschule in Paris.“

„Ja. Ich liebe es, zu kochen. Lassen Sie mich etwas für Sie zubereiten, dann werden Sie mich auf jeden Fall einstellen“, forderte sie ihn lächelnd auf. „Was ist Ihr Lieblingsgericht?“

Er war versucht, „Blondinen mit blauen Augen“ zu antworten, verkniff es sich jedoch.

„Mein Lieblingsdessert ist Brombeer-Cobbler. Mein Lieblingsessen ist Roastbeef mit Kartoffelpüree und brauner Soße – ziemlich simpel. Keine ausgefallenen französischen Gerichte.“

„Ah, Sie sind leicht zufriedenzustellen.“

Schon wieder musste er sich zusammenreißen, um nicht das Erstbeste zu erwidern, das ihm in den Sinn kam. Seine innere Stimme der Vernunft schrie jetzt, er solle sie endlich wegschicken. „Ich stelle eigentlich nur Paare ein.“

„Zwei Köche brauchen Sie nicht“, konterte sie.

„Normalerweise ist die Frau die Köchin, und der Mann macht eine andere Arbeit – als Chauffeur, Gärtner, Hausmeister. Ich hatte mal einen Ehemann, der Koch war, und seine Frau putzte. Es könnte ein bisschen komisch sein, eine junge alleinstehende Frau als Köchin zu haben. Manchmal sind wir die Einzigen im Haus. Ich habe etliche Angestellte, die alle auf der Ranch wohnen. Dazu kommen noch die Cowboys, die für mich arbeiten, aber die erledigen ihre Aufgaben selbstständig.“

„Kein Problem. Sie haben gute Empfehlungen, und es heißt, Sie seien absolut professionell.“

Am liebsten hätte er ihr gestanden, dass er an seiner Professionalität zweifelte, seit er sie getroffen hatte. Stattdessen schaute er auf ihren Lebenslauf, als denke er intensiv darüber nach. „Übernachten Sie in Dallas?“

„Das habe ich gestern. Wenn Sie mich nicht einstellen wollen, fahre ich einfach weiter in westlicher Richtung. Meine Sachen habe ich dabei. Irgendwo werde ich sicher Arbeit finden.“

„Sie sollten sich an eine von diesen Modelagenturen wenden. Da bekämen Sie deutlich mehr Geld und hätten eine interessantere Arbeit.“

Sie lächelte, als habe er einen unmöglichen Vorschlag gemacht. „Danke. Ich bleibe lieber beim Kochen. Das liebe ich.“

Dann fügte sie in vertraulichem Ton hinzu: „Wenn es Ihnen Sorgen bereitet, dass ich Single bin, kann ich Ihnen versichern, dass das nicht ins Gewicht fallen wird. Momentan habe ich kein Interesse an einer Beziehung.“

„Das verstehe ich“, sagte er. „Aber Sie sind jung und attraktiv. In sechs Monaten sehen Sie das vielleicht schon wieder ganz anders. Für mich arbeiten einige alleinstehende Männer. Die werden mit Ihnen ausgehen wollen.“

„Dann werden sie schnell begreifen, dass ich nicht interessiert bin, und selbst das Interesse verlieren.“ Sie hob die Hand. „Außerdem trage ich einen Ehering.“

„Sie sind geschieden. Das wird sich rumsprechen. Es sind gute Männer.“

„Ermutigen Sie mich etwa, mit den Cowboys auszugehen, wenn ich hier anfange?“

„Keineswegs.“

„Die Sorge über meine eventuellen Dates ist unnötig. Ich kann momentan nicht mit einem Mann ausgehen. Sie wollen eine Köchin. Ich werde meine Arbeit erledigen und Ihnen aus dem Weg gehen. Und Sie werden meine Kochkünste zu schätzen wissen. Falls nicht, dann muss ich das akzeptieren. Aber bis jetzt gab es noch niemanden, dem meine Kochkünste nicht gefallen hätten. Ich liebe es wirklich, zu kochen“, fügte sie hinzu und seufzte leise, was ihn sofort an heiße Küsse und sinnliche Kurven denken ließ – nicht ans Essen.

„Wenn Sie mir eine Chance geben, werden Sie angenehm überrascht sein“, fuhr sie fort. Inzwischen hatte sie sich so weit zu ihm herübergelehnt, dass er im Ausschnitt ihrer Bluse den Ansatz ihrer Brüste erkennen konnte. Außerdem war ihr Mund verlockend nah. Unwillkürlich erwachte das Verlangen in ihm, seine Lippen auf ihre zu pressen.

„Ryan“, sagte sie herausfordernd. „Ich soll Sie doch Ryan nennen, oder?“

„Ja“, brachte er mühsam heraus.

„Lassen Sie mich heute für Sie kochen. Ich verschwinde nach dem Abendessen, sobald ich die Küche aufgeräumt habe. Und neunzig Prozent der Zeit sehen Sie nichts von mir. Wie wär’s?“

Er fühlte sich manipuliert von einer Frau, die er erst seit einer halben Stunde kannte und die einen Job von ihm wollte. Er sollte dieses Vorstellungsgespräch beenden. Stattdessen geriet er immer mehr in ihren Bann.

„Ich bin finanziell übrigens gut versorgt und habe nicht vor, einen Weg zu finden, an Ihr Geld zu kommen. Mein Vater besitzt ein Steuerberaterbüro, ein Transportunternehmen und eine Bank. Er hat drei Söhne und zwei Töchter. Seinen Kindern gegenüber ist er sehr großzügig, wenn Sie verstehen, was ich meine. Abgesehen davon, dass ich koche, werden Sie mich gar nicht bemerken.“

„Das, Jessica, ist absolut unmöglich“, erwiderte Ryan.

Sie lachte leise. „Ich hätte trotzdem gern die Chance, für Sie zu kochen.“

„Ich habe noch zwei weitere Vorstellungsgespräche heute Vormittag, und zwei Termine finden nach dem Mittagessen statt.“ Er konnte nicht glauben, dass er mit ihr diskutierte.

„Die Termine können Sie ruhig wahrnehmen. Vielleicht ist jemand dabei, der Ihnen besser gefällt. Aber bitte geben Sie mir die Chance. Was haben Sie denn zu verlieren?“ Sacht berührte sie seinen Arm mit den Fingerspitzen. Es war elektrisierend. Nervosität erfasste ihn. Hitze breitete sich in ihm aus. Er wischte sich die feuchte Stirn.

Dieses Gespräch hatte die professionelle Ebene längst verlassen. Und er den Verstand verloren. Schick sie weg, befahl seine innere Stimme.

Laut sagte er: „Abgemacht, Jessica.“

2. KAPITEL

„Ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar für diese Chance.“ Jessica lächelte, obwohl sie gemischte Gefühle hatte. Mit ihrer Freundin hatte sie ausgiebig darüber diskutiert, ob sie sich für diesen Job bewerben sollte. Lieber wäre es ihr gewesen, für ein Ehepaar zu arbeiten. Am besten für ein älteres Ehepaar oder eines mit Kindern. Nicht für einen gut aussehenden Junggesellen.

Doch als sie zur Ranch abgebogen war, schien ihr dieser Ort perfekt, um sich zu erholen.

Ihre Scheidung war übel gewesen, sehr emotional für beide Parteien. Carlton hatte sich gegen die Trennung gesträubt. Er wollte Jessica zurückhaben – wahrscheinlich wegen seines verletzten Egos. Aus Liebe ganz sicher nicht. Ihre Eltern wollten auch, dass sie zu ihm zurückkehrte. Jessica jedoch wollte nur fort von allem und für eine Weile ihre Ruhe haben.

Sie hatte Ryan Delaney nicht erzählt, dass sie ihr Baby im zweiten Monat verloren hatte. Diese Fehlgeburt hatte alles noch schlimmer gemacht. Zuerst die Erkenntnis, dass Carlton sie vom Beginn ihrer Ehe an betrogen hatte, dann der Verlust des Babys. Ja, diese einsame Ranch in Texas schien der ideale Ort, um über all das hinwegzukommen.

Ryan Delaney war ein gut aussehender Mann – das allein brachte sie schon aus der Fassung, denn seit sie ausgezogen und die Scheidung eingereicht hatte, war in ihren Augen kein Mann mehr attraktiv gewesen.

Dass sie ihn anziehend fand, war ein Nachteil. Aber er war nett, und das glich diesen Nachteil wieder aus. Er hatte sich ihr gegenüber professionell verhalten, obwohl auch er, wenn sie nicht alles täuschte, eine gewisse Anziehung zwischen ihnen bemerkt hatte. Das wäre ein weiterer Grund, sich irgendwo anders einen Job zu suchen. Andererseits hätte sie hier einen Job und eine Unterkunft, wo niemand sie finden würde.

Und hatte Ryan nicht erwähnt, sie würden sich kaum sehen? Darauf verließ sie sich einfach. Zuerst aber musste sie diesen Job auch bekommen.

Während sie ihm aus dem Büro hinausfolgte, bewunderte sie seine breiten Schultern und das dichte schwarze Haar, das knapp über dem Kragen seines blauen Jeanshemds endete. Sie gingen nebeneinander den Flur entlang, sodass Jessica sich seiner Größe sehr bewusst war. Und der Möglichkeit, dass sie es bereuen könnte, diesen Job anzunehmen, denn sobald sie in Ryans Nähe war, spürte sie dieses beunruhigende Kribbeln.

„Sie haben ein wunderschönes Haus.“

„Danke. Ich liebe die Ranch. Sie ist meine Zuflucht. Hier kann ich mich entspannen. Waren Sie jemals vorher in Texas?“

„Nein.“

„Hier ist die Küche.“ Er führte sie in einen großen Raum voller neu aussehender Geräte. Jessica fand die praktische Anordnung und professionelle Ausstattung sofort überzeugend. Nebenan befand sich ein gemütliches Wohnzimmer. Eine große Frau mit einem dicken braunen Zopf drehte sich an der Spüle um und sah sie lächelnd an. Sie trug Jeans und T-Shirt und hatte sich eine gelbe Schürze umgebunden.

„Jessica, das ist Gwen Grayson. Sie ist für die Reinigungskräfte zuständig, von denen es noch zwei weitere gibt. Meistens ist aber Gwen da. Gwen, darf ich dir Jessica vorstellen? Sie hat sich für die Stelle der Köchin beworben.“

Gwen musterte sie erstaunt. „Willkommen auf der Ranch.“

„Danke“, sagte Jessica. „Freut mich, Sie kennenzulernen. Das ist eine wunderbare Küche.“

„Oh ja“, bestätigte Gwen. „Man hat alles, was man braucht.“

„Ich werde Jessica alles zeigen. Anschließend kocht sie das Mittag- und das Abendessen. Du kannst dich also getrost weiter um deine Arbeit kümmern“, erklärte Ryan der anderen Frau.

„Ich kann das Mittagessen kochen“, warf sie ein.

„Das ist nett, aber das möchte ich gern machen“, erklärte Jessica lächelnd, worauf Gwen die Schultern zuckte.

„Sagen Sie Bescheid, falls Sie Hilfe brauchen.“

„Mach ich“, versprach Jessica.

„Ich zeige Jessica ihre Unterkunft, dann kommt sie zurück“, erklärte Ryan und umfasste sanft ihren Arm. Die Berührung löste ein Prickeln aus. Jessica sah zu der Bar mit den Hockern, die die Küche von dem angrenzenden Raum trennte, in dem es einen Kamin, einen Billardtisch sowie einen großen Flachbildfernseher gab.

Auf der anderen Seite der Küche stand die Tür zur großen Speisekammer offen, die gut gefüllt war.

„Die Küche ist groß genug, um eine ganze U.S.-Armeebasis zu versorgen.“

„Sie werden nur für mich kochen und für meinen Besuch, wenn ich welchen habe. Außerdem für meine Hausangestellten, zu denen Gwen, Paolina und Chiara gehören, die Reinigungskräfte. Außerdem Enrique und Dusty, die beiden Hausmeister. Ich bezweifle, dass Sie viel von den Angestellten sehen werden, bis auf Gwen. Paolina und Chiara haben diesen Monat frei. Enrique und Dusty sind für alle Gebäude zuständig. Wenn sie hier arbeiten, essen sie auch hier. Gwen hilft aus, bis ich eine Köchin gefunden habe, aber eigentlich ist sie Vollzeit-Reinigungskraft. Wie gesagt, ich bin nicht oft hier, und wenn, dann meistens allein. Also kochen Sie hauptsächlich für mich.“

Diese Vorstellung machte sie nervös, und sie fragte sich, wie häufig sie beide zusammen sein würden.

„Wenn Sie Hilfe brauchen oder etwas nicht finden, sagen Sie mir Bescheid. Besonders an diesem ersten Tag“, fügte er hinzu.

„Ich bin sicher, dass ich zurechtkomme.“

„Eins noch: Meine Köchin erledigt auch die Lebensmitteleinkäufe. Ich habe ein Konto beim Supermarkt, der ist in Bywater, eine Kleinstadt in der Nähe. Sind Sie sicher, dass Sie diese Aufgabe auch übernehmen wollen?“

„Klar.“

„Es ist eine sehr kleine Stadt.“

„Das stört mich nicht.“

„Gut, dann wäre das auch geklärt.“ Er schaute sich um. „Normalerweise wohnt meine Köchin in einem der Häuser auf der Ranch. Aber da Sie Single sind, wird es für Sie ruhiger sein, wenn Sie hier wohnen. Hier geht’s zu Ihrem Apartment.“ Er ging ein kurzes Stück den Flur entlang. „Schauen Sie, ob es Ihnen zusagt. Sie können hier wohnen, dann sind Sie nah bei der Küche und hier unten für sich allein.“

Sie stand im Wohnraum und betrachtete die Möbel aus Obstbaumholz, den Holzfußboden, einen weiteren großen Flachbildfernseher sowie einen Schreibtisch mit Computer im angrenzenden Schlafzimmer.

„Das ist wunderbar“, sagte sie und sah in Ryans dunkelbraune Augen, die sie erneut fesselten. Jeder Gedanke an Konversation war vergessen. Die Atmosphäre schien förmlich zu knistern.

Dann wandte er sich ab, und der Bann war gebrochen. Jessicas Herz pochte. Es wäre vernünftiger, diesen Job sausen zu lassen. Sie hatte Mühe, ihre Fassung zurückzugewinnen.

„Geben Sie mir Ihren Wagenschlüssel, dann bringe ich Ihre Sachen rein“, erklärte Ryan mit rauer Stimme. Reagierte er etwa ähnlich wie sie? Sie war alarmiert, doch wollte sie die Chance auf diesen Job unbedingt wahrnehmen.

Sie zeigte zur Tür. „Ich kann auch etwas tragen.“

„Wenn Sie hier sind, können Sie Ihren Wagen in die Garage stellen.“

„Danke.“

Als sie ihren Wagen erreichten, hob er zwei Taschen heraus und schulterte ihr Handgepäck.

Sie folgte ihm mit ihrem Laptop, einer Umhängetasche und einer weiteren kleinen Tasche zurück ins Haus, wo er die Sachen in ihrem neuen Apartment abstellte.

„Haben Sie noch mehr im Kofferraum?“, wollte er wissen.

„Nein.“

„Für jemanden, der sein Zuhause verlässt, reisen Sie mit wenig Gepäck.“

Sie zuckte die Schultern. „Ich fange neu an, da brauche ich nicht viel. Meine Familie wird sich um meine Sachen kümmern. Ich habe eine kleine Wohnung für ein Jahr im Voraus gemietet.“

Einer seiner Mundwinkel hob sich, sodass sich ein kleines Grübchen in seiner Wange bildete. Wieder einmal schoss Jessica durch den Kopf, was für ein außergewöhnlich attraktiver Mann er war. Das würde den Job nicht gerade leichter machen.

„Warum lächeln Sie?“

„Ich vermute, das, was Sie an Miete bezahlt haben, wird Ihr Gehalt hier übersteigen. Sie haben das College besucht und sind ausgebildete Buchhalterin. Sie könnten Karriere machen und gut verdienen. Sind Sie sicher, dass Sie die richtige Wahl getroffen haben?“

„An diesem Punkt in meinem Leben, ja. In meinem Beruf als Buchhalterin wäre ich nicht mit dem Herzen dabei. Ich verändere mich gerade und versuche herauszufinden, was ich mit meinem weiteren Leben anfangen will. Ich möchte eine Arbeit machen, die mir wirklich gefällt. Meine Ehe ist definitiv vorbei. Ich bin immer noch darüber erschüttert, wie falsch ich meinen Ex eingeschätzt habe.“

„Sie folgen Ihrem Herzen, und das tun nicht viele Menschen.“ Er klang eine Spur wehmütig, und Jessica erinnerte sich an seine Äußerung, dass er gern mehr Zeit auf der Ranch verbringen würde. „Geben Sie mir Ihren Schlüssel, dann fahre ich Ihren Wagen in die Garage.“ Erwartungsvoll streckte er die Hand aus.

Sie gab ihm den Schlüssel. „Ich warte auf der Veranda, dann sehe ich, wo Sie den Wagen unterstellen.“ Auf dem Weg durch das Haus schaute sie sich um. „Sind Sie hier auf der Ranch aufgewachsen?“

„Nein. Ich habe das Haus erst vor fünf Jahren bauen lassen. Es gibt noch eine andere Delaney-Ranch. Die ist mehrere Generationen alt. Dort haben wir zeitweise gewohnt. Wegen der Schule und Dads Unternehmen haben wir uns aber meistens in Dallas aufgehalten. Wir waren mehrere Kinder“, fuhr er fort. „Mein Bruder Adam ist gestorben, aber ich habe noch zwei andere Brüder, die in der Gegend wohnen. Will ist der nächstältere. Er ist verheiratet und lebt in Dallas. Wir haben eine Halbschwester, Sophia, die verheiratet ist und ebenfalls in Dallas lebt. Ihr Mann ist für uns wie ein Bruder. Der mittlere Bruder Zach hat vor Kurzem geheiratet und die Familie damit ziemlich geschockt, denn er war ein Weltenbummler. Ich bin der Jüngste.“

„Ich komme auch aus einer großen Familie, wie ich schon erwähnt habe. Ich habe eine ältere Schwester und drei ältere Brüder – einen Banker, einen Steuerberater und einen Anwalt. Alles Berufe, die mein Vater gutheißt.“

„Es muss etwas geben, das Sie tun wollen und das Ihrem Vater missfällt“, vermutete Ryan.

„Ich hätte gern mein eigenes Restaurant, aber er hält das für viel zu riskant. Meine Eltern wollen mich am liebsten so, wie ich war: verheiratet mit einem erfolgreichen Mann, eine feine Dame der Gesellschaft. Ein solches Leben habe ich geführt, obwohl ich nebenbei viel ehrenamtlich gearbeitet habe. Das hat mir Freude gemacht.“

„Sie haben anderen Menschen geholfen. Das ist gut.“ Er hielt ihr die Tür auf, und als Jessica an ihm vorbei nach draußen ging, war sie sich seiner Nähe sehr bewusst.

„Ich bin gleich wieder da“, sagte er und nahm zwei Verandastufen auf einmal.

Sie beobachtete, wie er mit langen Schritten zu ihrem Wagen ging. Beim Anblick seiner breiten Schultern, der schmalen Taille und der langen Beine zog sich etwas in ihr zusammen. Wie wäre es wohl, ihn zu küssen? Schnell versuchte sie, an etwas anderes zu denken. Woher kam dieses Knistern zwischen ihnen?

Ryan war zurück und übergab ihr den Autoschlüssel. „Schicker Wagen. Wollen Sie ihn mir verkaufen?“

„Sie bekommen als Erster die Chance, falls ich mich dazu entschließe, ihn zu verkaufen. Aber das täte ich nur höchst ungern.“ Sie schaute zur Tür. „Tja, ich mache mich mal lieber mit Ihrer Küche vertraut. Was möchten Sie zu Mittag essen?“

„Überraschen Sie mich“, erwiderte er. „Ich muss mich jetzt auf das nächste Vorstellungsgespräch vorbereiten. Ich werde selbst öffnen, wenn die Bewerberin da ist.“

Jessica nickte und ging zu ihrem Apartment, um sich umzuziehen. Doch bevor sie nicht sicher war, dass sie den Job hatte, würde sie ihre Sachen nicht in die Schränke einräumen. Sie dachte an Ryans Angebot, ihr Auto zu kaufen. Vorläufig wollte sie es behalten, schon allein deshalb, weil bei einem Verkauf ihre Spur leichter nach Texas zu verfolgen wäre.

Sie zog eine Jeans und ein rotes Baumwollhemd an. Die Haare band sie mit einem roten Tuch zurück. Dann schlüpfte sie in Flipflops und machte sich auf den Weg in die Küche. Überzeugt davon, dass Ryan sich in seinem Büro befand, wo er das nächste Bewerbungsgespräch führte, schaute sie den leeren Flur entlang. Sie hatte weder die Türglocke noch Stimmen gehört, aber das Haus war so groß, dass sie vermutlich nichts mitbekam, wenn sie in ihrer Wohnung oder in der Küche war.

Zuerst machte sie sich mit der Küche vertraut. Während sie Lebensmittel aus der Speisekammer holte, kam Gwen herein.

„Ah, Sie bereiten das Mittagessen zu“, bemerkte sie lächelnd. „Das müssen Sie nicht. Ich vertrete die Köchin. Sie haben den Job noch nicht, oder?“

„Ich koche zur Probe“, antwortete Jessica. „Zuerst das Mittagessen. Ryan hat mir nicht gesagt, was er gern essen möchte, also muss ich mir etwas einfallen lassen. Ich werde zuerst einen Kuchen backen, zum Nachtisch.“

„Das wird ihm gefallen. Ich habe noch nie erlebt, dass er bei Kuchen Nein gesagt hat. Sie haben eine Probezeit? Darauf verzichtet er normalerweise“, bemerkte Gwen.

„Er hat gesagt, dass er für gewöhnlich nur Paare einstellt. Ich bin geschieden und habe ihn mehr oder weniger dazu überredet, mir eine Chance zu geben und mich heute für ihn kochen zu lassen.“

„Aha.“ Gwen lächelte. „Na gut. Falls Sie Hilfe brauchen, sagen Sie nur Bescheid.“

„Danke, das ist nett. Aber ich muss allein zurechtkommen, damit er sieht, was ich kann.“

„Und Sie fühlen sich der Aufgabe gewachsen?“

„Oh ja.“

Gwen grinste. „Gut. Wenden Sie sich an mich, wenn Sie Fragen haben oder irgendetwas nicht finden können.“

„Danke, das mache ich.“

„Mein Mann arbeitet für Ryan, seit er die Ranch gekauft hat. Nachdem Ryan das Haus gebaut hatte, wurde ich als Reinigungskraft eingestellt. Wir wohnen in einem Haus auf der Ranch, und uns gefällt die Arbeit hier. Was für einen Kuchen wollen Sie für heute Abend backen?“

„Gar keinen. Da gibt es Schokoladeneistorte.“

„Sehr gut. Er hat eine Schwäche für Schokolade. Burger, Braten, Steaks, Barbecue und einfache Kartoffeln sind sein Lieblingsessen. Und Blaubeerwaffeln.“

„Danke für die Information.“

„Können Sie wirklich kochen?“

„Ja, das kann ich“, versicherte Jessica ihr lächelnd.

„Dann bekommen Sie die Stelle auch. Außerdem werden Sie die hübscheste Köchin sein, die wir je hatten.“

Gemeinsam lachten die beiden Frauen. „Vielen Dank. Auch dafür, dass Sie mir verraten haben, was er gern isst.“

„Es ist ruhig hier. Wollen Sie wirklich in dieser Abgeschiedenheit leben?“

„Ja, ganz bestimmt. Ich habe eine schlimme Scheidung hinter mir. Mein Ex wollte mich nicht gehen lassen. Dieser Ort hier wird mir guttun.“ Unwillkürlich dachte sie an Ryans unwiderstehliches Lächeln.

„Gegen vier bin ich mit Putzen fertig und verschwinde. Falls Sie etwas brauchen oder wissen möchten, gebe ich Ihnen vorsichtshalber meine Handynummer.“ Gwen nahm einen Zettel und schrieb ihre Nummer auf.

„Danke. Das ist sehr nett.“

„Ich glaube, Sie werden eine angenehme Bereicherung sein. Ich putze heute oben und fange jetzt mal lieber an. Oh, wenn Sie Blumen für den Tisch wollen – Mr Ryan hat nichts dagegen, wenn wir draußen welche pflücken. Aber geben Sie auf Klapperschlangen im Garten acht.“

„Klapperschlangen? Ich verzichte auf die Blumen.“

Nachdem die Haushälterin gegangen war, fand Jessica gefrorene rohe Hamburger, außerdem Brötchen und alle anderen Zutaten. Dann widmete sie sich der Zubereitung des Kuchens.

Gegen Mittag kontrollierte sie, ob alles bereit war. Eine halbe Stunde verging, ohne dass Ryan auftauchte. Sie fragte sich, ob er während der Vorstellungsgespräche auf eine geeignetere Kandidatin gestoßen war.

Gegen eins hörte sie seine Schritte. „Ich habe schon nicht mehr mit Ihnen gerechnet.“

„Tut mir leid, ich hätte Bescheid geben können. Essen Sie mit mir, dann können wir uns unterhalten.“

„Ist das nicht ein wenig ungewöhnlich?“, gab sie zu bedenken.

„Weil Sie für mich arbeiten? Das spielt keine Rolle. Es sei denn, Sie wollen nicht mit mir essen …“

„Nein, das ist es nicht.“ Sie lächelte.

„Gut.“

Sie saßen mit Blick auf den gepflegten Garten, in dem es einen Teich mit Springbrunnen, einen Wasserfall und wunderschön blühende Lilien gab.

„Das ist ein toller Ausblick“, bemerkte sie.

Er betrachtete seinen Teller. „Das hier sieht auch gut aus, und ich bin hungrig. Das Frühstück liegt schon eine Weile zurück.“

„Ich habe Bohnen gemacht“, erklärte sie. „Das hielt ich für gesünder als Fritten.“

„Da haben Sie vermutlich recht. Übrigens habe ich beide Bewerberinnen von heute Vormittag abgelehnt. Sie sind also noch im Rennen.“ Er biss in seinen Burger.

„Das sind gute Neuigkeiten, denn ich glaube, es gefällt mir hier. Mal sehen, wie Ihnen mein Mittagessen und mein Abendessen schmecken. Lunch ist keine Herausforderung, denn Hamburger sind leicht zuzubereiten.“

„Dieser hier ist sehr gut.“

„Danke. Werden Sie eine Weile auf der Ranch bleiben oder schon bald wieder nach Houston zurückkehren?“

„Momentan pendle ich. Gegen Ende der Woche fliege ich nach Houston.“

„Freut mich zu hören, dass der Job noch nicht anderweitig vergeben ist“, sagte sie.

„Nach dem Essen habe ich noch zwei Bewerbungsgespräche. Ich werde Sie darüber informieren, wie es gelaufen ist. Das Mittagessen ist gut. Die Bohnen sind großartig, und der Burger ist genau so, wie ich ihn mag.“

„Gwen hat mir verraten, dass Sie Hamburger mögen, allerdings nicht, wie Sie sie am liebsten zubereitet haben.“

„Dann haben Sie gut geraten. Gwen und ihr Mann arbeiten übrigens beide hier.“

„Das hat sie mir erzählt.“ Jessica wischte sich die Hände an ihrer Serviette ab und stand auf. „Ich habe für heute Abend einen Kuchen und für jetzt Kekse gebacken.“ Sie holte die Platte mit Schokoladenkeksen. Prompt hielt er ihr die Platte hin, während sie sich setzte.

„Nein, danke“, sagte sie. „Ich bin nicht so für süße Sachen.“

„Das werde ich mir merken.“ Er nahm einen Keks.

„Ich bezweifle, dass es nötig ist, sich zu merken, dass Ihre Köchin nicht auf Süßes steht.“

„Vielleicht möchte ich Ihnen irgendwann etwas schenken, und dann wäre es gut, sich daran zu erinnern“, gab er zu bedenken. Sein Ton war sachlich. Das war kein Flirtversuch, auch gab es keine Berührung. Doch als Jessica in seine dunkelbraunen Augen sah, knisterte es sofort wieder zwischen ihnen. Die Anziehung war immer noch da.

Schnell sah sie hinaus auf den Teich.

„Sind Sie mit dem Typen auf dem College gewesen?“

Ryans Frage ließ sie stutzen. Offenbar hatte sie etwas, das er zuvor gesagt hatte, nicht mitbekommen. „Mit meinem Ex?“ Als er nickte, antwortete sie: „Nein. Er war ein bisschen älter als ich. Ich kannte ihn schon mein ganzes Leben. Vermutlich hielt er mich für die perfekte Ehefrau und glaubte, ich würde nie hinter seine Affären kommen. Oder dass ich mich damit abfinden würde.“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich war in jeder Hinsicht naiv. Na ja, jetzt ist es vorbei.“

„Ihre Familie lebt in Tennessee. Werden Sie nicht irgendwann zurückgehen?“

„Ja, sicher. Ich liebe Tennessee, besonders Nashville. Dort will ich eines Tages leben. Das ist nah genug bei meiner Familie in Memphis, aber auch weit genug weg, dass ich mein eigenes Leben führen kann und nicht ständig meinem Ex über den Weg laufe. Aber ehe ich zurückkehre, will ich mich vom Stress der vergangenen Monate erholen.“

„Wenn Ruhe und Abgeschiedenheit Ihnen dabei helfen, haben Sie den richtigen Ort gefunden.“ Ryan schaute auf seine Uhr und stand auf. „Entschuldigen Sie mich. Es wird Zeit, dass ich mich auf die nächsten Gespräche vorbereite. Danke für das Essen.“

Jessica konnte nicht verhindern, dass sie ein wenig enttäuscht war, weil er weiter mit Bewerbern sprach. Sie räumte den Tisch ab und brachte die Sachen zur Spüle. Als sie sich umdrehte, wäre sie beinah mit Ryan zusammengestoßen, der mit Gläsern in den Händen vor ihr stand. Da Jessica wankte, berührte er ihre Schultern. Er kniff die Augen zusammen, sog scharf die Luft ein und ließ Jessica wieder los. Ihr Herz pochte. Sie hätte sich gern an ihn gelehnt.

Doch Ryan eilte bereits hinaus.

Sie atmete tief ein. Erneut meldete sich ihr Verstand und riet ihr, schleunigst zu verschwinden. Ihre Reaktionen auf Ryan Delaney waren unberechenbar. Und auch ihn hatte es nicht kaltgelassen, als er sie berührte. Vielleicht würde er am Nachmittag die Stelle an jemand anderen vergeben, dann würde ihr die Entscheidung aus der Hand genommen.

Sie wusch die Teller ab und machte sich weiter mit der Küche vertraut. Sie schaltete den Herd ein, um für das Abendessen einen Braten zuzubereiten. Den ganzen Nachmittag verbrachte sie mit den Vorbereitungen für das Abendessen. Dann ging sie in ihre Wohnung, um zu duschen. Sie wählte ein blaues Sommerkleid und Sandaletten, bürstete ihre Haare und ließ sie offen.

Gegen fünf befand sie sich wieder in der Küche und konnte nicht leugnen, dass sie nervös war. Aber war sie aufgeregt, weil das Essen über ihre Zukunft entscheiden würde? Oder vielmehr wegen der Aussicht, den Abend mit Ryan zu verbringen?

3. KAPITEL

Ryan richtete sich vor dem Traktor auf. „Alles klar. Kauf die Teile, wenn du meinst, dass du den Schaden reparieren kannst.“

„Kann ich.“ Jeb trat von dem Traktor zurück. „Was hast du heute gemacht? Ich sehe, der rote Wagen ist noch da. Werde ich Jessica das Kochen beibringen?“

„Nein. Der heutige Abend ist ein Test. Sie hat mich dazu überredet, ihr eine Chance zu geben.“

Jebs Mundwinkel zuckten. „Stell dir vor. Ich vermute, sie wird dich dazu überreden, sie einzustellen, ganz unabhängig von ihren Kochkünsten.“

„Nein. Wenn sie nicht kochen kann, geht sie, und das weiß sie auch. Aber ich gebe ihr die Chance und lasse sie heute das Abendessen kochen.“

„Tja, ich kann mir schon denken, wie das ausgeht. Wie gesagt, ich würde ihr gern das Kochen beibringen.“

„Danke für das Angebot, ich werde es im Hinterkopf behalten“, erwiderte Ryan trocken. „Das Mittagessen war allerdings gut. Es gab Burger und Bohnen, also kann sie möglicherweise doch kochen.“

„Selbst ein Kind kann Burger und Bohnen zubereiten. Na, geh jetzt, und genieß dein Essen und den Abend.“

„Mach ich, Jeb.“ Ryan verließ den Vorarbeiter und ging zurück zum Haus, doch statt die Küche durch die Hintertür zu betreten, benutzte er den Seiteneingang und gelangte direkt in den Wohnbereich. Er duschte und zog sich ein frisches braunes Westernhemd aus Baumwolle an, dazu Jeans und schwarze Stiefel.

Anschließend entschied er sich spontan, seine Freunde, die Jimsons, anzurufen. Brad meldete sich, und Ryan unterhielt sich mit ihm, um herauszufinden, ob Jessicas Angaben stimmten und die Jimsons ihr geraten hatten, sich auf seiner Ranch als Köchin zu bewerben.

Danach sprach er mit Pru und legte kurz darauf auf. Jessica hatte die Wahrheit gesagt. Und was jetzt? Würde er alles von ihrem Abendessen abhängig machen?

Er hatte Pru davon erzählt, die daraufhin gelacht hatte. Wahrscheinlich weil sie Ryans Schwäche für schöne Frauen kannte.

Er ging nach unten in die Küche. Verlockende Düfte nach Rindfleisch und Brot stiegen ihm in die Nase. Er hörte jemanden singen, Pfannengeklapper und Wasserrauschen.

Im Türrahmen blieb er stehen und beobachtete Jessica, die gerade mehrere Dinge gleichzeitig erledigte. Sie hastete nicht panisch umher. Die Küche war sauber und aufgeräumt. Die hellblonden Haare hatte sie mit einem Tuch zusammengebunden, dessen Farbe zu ihrem Kleid passte. Sie hatte Ryan den Rücken zugekehrt, weil sie dabei war, eine zugedeckte Platte ins Warmhaltefach des Ofens zu schieben. Am liebsten wäre er zu ihr gegangen und hätte ihr von hinten die Arme um die schmale Taille geschlungen. Natürlich verzichtete er darauf.

„Hier duftet es ja wundervoll“, bemerkte er heiser.

Sie drehte sich um und schenke ihm ein strahlendes Lächeln, was ein Grübchen in ihrer Wange zum Vorschein brachte. In diesem Moment musste er sich eingestehen, dass er sie nicht mehr wegschicken konnte.

„Das Abendessen ist fertig.“

„Wie wäre es zuerst mit einem Drink draußen auf der Veranda? Es ist ein herrlicher Abend. Wir könnten für eine Weile vergessen, dass wir Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind.“

„Damit überschreiten wir eine Grenze“, meinte sie skeptisch.

„Muss nicht sein. Wir können einfach zusammensitzen, den Abend genießen, uns unterhalten und ein wenig entspannen. Sie haben lange in der heißen Küche gekocht.“

Ihre skeptische Miene wich einem Lächeln. „Na ja, so schlimm war es nicht.“

„Schon möglich, aber ein Drink sollte drin sein, und wir müssen keine Grenze überschreiten.“

„Ich habe trotzdem meine Zweifel, dass Sie für gewöhnlich etwas mit Ihren Angestellten trinken“, vermutete sie.

„Hm, ich habe auch selten eine so attraktive Frau unter meinen Angestellten. Können wir nicht mal für einen Augenblick darauf verzichten, strikt professionell zu sein?“

„Es wird schwierig werden, strikt professionell zu bleiben, wenn ich mit Ihnen auf Ihrer Veranda sitze und etwas trinke. Andererseits kann ich Sie auch nicht mit ‚Mr Ryan‘ anreden, so wie Gwen das macht.“

„Das hoffe ich. Das ist nun mal ihre Art. Ich habe sie aufgefordert, mich Ryan zu nennen, doch sie besteht darauf. Ihr Mann nennt mich Ryan, aber sie nicht. Ich diskutiere nicht mehr darüber. Die zwei arbeiten seit einigen Jahren für mich, und sie haben auch schon für meinen älteren Bruder Adam gearbeitet. Sie kennen mich also praktisch schon ewig.“

„Danke auch noch für das Kompliment.“ Erneut war das Grübchen in ihrer Wange zu sehen.

„Kommen Sie, setzen Sie sich zu mir, und trinken Sie etwas mit mir. Wenn es Ihnen unangenehm wird, gehen wir rein und essen. Einverstanden?“

„Einverstanden, Ryan.“ Zu hören, wie sie seinen Namen aussprach, weckte sein Verlangen. Er reagierte ziemlich heftig auf sie und brachte sich mehr und mehr in Schwierigkeiten, indem er sie hierbleiben ließ und überdies zu einem Drink einlud. Wollte er sie verführen und sich diesen Wunsch nur nicht eingestehen? Sofort meldeten sich Schuldgefühle, denn Jessica war verletzlich. Ganz bestimmt würde er ihre Situation nicht ausnutzen … andererseits war es schwer, ihr zu widerstehen.

„Was möchten Sie?“ Seine Stimme klang schon wieder rau, ein verräterisches Indiz für seine Empfindungen.

„Ich nehme Eistee. Zufällig habe ich einen Krug zubereitet.“

„Tee für Sie, ein kaltes Bier für mich.“

„Ich habe den Tisch drinnen gedeckt, aber ich kann alles nach draußen auf die Veranda bringen, wenn es Ihnen lieber ist“, bot sie an, während er Eis holte und Tee aus dem Krug auf dem Tresen einschenkte.

„Nein, wir essen drinnen.“ Er bemerkte den gedeckten Tisch. „Sehr schön. Hier ist Ihr Tee.“ Er reichte ihr das Glas und streifte dabei ihre schlanken Finger. Selbst diese flüchtige Berührung reichte aus, um die Spannung zwischen ihnen weiter zu steigern.

Er holte sich ein Bier und hielt ihr die Tür nach draußen auf. Es war ein kühler, windstiller Juniabend. Jessica setzte sich mit Blick auf den Garten, und Ryan zog seinen Stuhl dicht neben ihren. Ihr langes Kleid verbarg ihre Beine fast bis zu den schmalen Knöcheln.

Er hob die Flasche. „Willkommen in Texas. Und angenehmen Aufenthalt.“

Sie stieß mit ihm an, trank einen Schluck und stellte das Glas auf einen kleinen Beistelltisch.

„Ich gestehe, dass ich auf eine Anstellung hoffe, denn ich glaube, das hier ist genau das Richtige für mich. Hier kann ich mich erholen und über meine Scheidung hinwegkommen. Aber wenn Sie mich nicht nehmen, mache ich mich auf den Weg nach Norden. Vielleicht gehe ich nach Montana oder Wyoming und eröffne ein Restaurant.“

„Ich glaube nicht, dass Sie diese Reise planen müssen. Wir werden uns schon einig. Ich habe mit Brad und Pru gesprochen. Die beiden haben Sie wärmstens empfohlen.“

„Na ja, die beiden sind gute Freunde, da müssen sie mich empfehlen. Die besseren Referenzen sind die auf meiner Liste, weil es sich um lauter ehrenamtliche Projekte handelt. Außerdem sind da die beiden Kochschulen, die ich besucht habe. Es liegen von beiden Empfehlungsschreiben bei.“

„Ich habe all diese Informationen noch nicht gelesen“, gestand er. „Als ich sah, dass Sie Single sind, schieden Sie als potenzielle Kandidatin aus.“

„Danke, dass Sie mir trotzdem eine Chance gegeben haben.“

„Sie können sehr überzeugend sein. Ich bezweifle, dass es viele Männer gibt, die Ihnen etwas abschlagen können.“

„Stimmt.“ Ihre großen blauen Augen leuchteten. „Erzählen Sie mir mehr von Ihrer Familie. Wenn ich hier arbeite, werde ich wohl früher oder später alle kennenlernen.“

„Meine Familie lebt in Dallas. Und ja, Sie werden sie kennenlernen. Von Adams Verlust habe ich Ihnen erzählt. Er hatte eine kleine Tochter, Caroline. Will ist ihr Vormund, und Ava, seine Frau, ist ihr eine bessere Mutter, als die leibliche Mutter es war, die die Familie früh verlassen hat.“

„Verlassen? Das ist schrecklich. Wie kann eine Mutter ihr Kind verlassen?“

„Sie hat sich nie für Caroline interessiert. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Tatsächlich ist testamentarisch verankert, dass ich der Vormund des Kindes werde, sollte Will und Ava etwas zustoßen. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, Vater zu sein.“

„Warum nicht? Sie sind nett, fröhlich, intelligent.“

„Danke“, sagte er grinsend. „Will hat sich hervorragend um Caroline und Ava gekümmert. Die Kleine hat harte Zeiten durchgemacht, und Ava half ihr, sich wieder zu öffnen und über den Schmerz hinwegzukommen.“

„Es ist traurig, wenn ein kleines Kind solchen Schmerz erleiden muss. Ich bin froh, dass sich für sie alles zum Guten gewendet hat.“

„Sie hat inzwischen einen kleinen Bruder, Adam. Er ist ein süßes Baby, und Caroline ist ein Schatz. Es sind zwei glückliche, fröhliche Kinder, so wie es sein sollte.“ Er trank einen großen Schluck Bier und stellte die Flasche auf den Tisch. „Wo leben Ihre Schwester und Ihre Brüder, der Banker, Buchhalter und Anwalt?“

„Alle in Memphis, nicht weit von meinen Eltern entfernt. Ich bin diejenige, die ein bisschen aus der Reihe tanzt. Meine Schwester und meine Brüder sind alle verheiratet, und alle haben zwei Kinder. Meine Schwester hat zwei Jungs. Meine Brüder haben jeweils einen Sohn und eine Tochter. Ich habe wundervolle Nichten und Neffen, und ich vermisse sie alle sehr.“

Der wehmütige Unterton erinnerte Ryan daran, wie verletzlich sie war – und daran, die Finger von ihr zu lassen.

„Stehen Sie Ihren Geschwistern nahe?“

„Ja, meiner Schwester und dem jüngsten meiner Brüder, Jason. Das liegt vermutlich daran, dass wir vom Alter her nicht so weit auseinander sind. Er ist fünf Jahre älter als ich. Derek ist schon acht Jahre älter als ich, Lydia ist zehn Jahre älter und Dillon zwölf. Seit wir erwachsen sind, haben Dillon und ich uns besser kennengelernt, aber nahe stehen wir uns nicht. Viel schlimmer ist, dass er mit Carlton befreundet ist. Das gilt auch für Lydias Mann Frank.“

„Woher kommt Ihr Interesse am Kochen?“, wollte Ryan wissen.

„Wir hatten eine Frau, die für uns gekocht und geputzt hat. Ihr Name war Sandy, und als ich klein war, durfte ich ihr helfen. Sie war eine wundervolle Köchin. Immer wieder haben Leute versucht, sie uns abzuwerben, aber sie blieb. Wir haben noch heute Kontakt, denn wir standen uns immer nahe. Sie weiß, dass ich für eine Weile weg bin, und sie kennt auch den Grund.“

„Aber Sie haben sie nicht mit dem Wissen über Ihren genauen Aufenthaltsort belastet? Das ist nett. Obwohl es vielleicht nicht schlecht wäre, wenn es Leute gäbe, die Bescheid wissen.“

„Oh, einige Leute wissen, wo ich bin. Ich halte Kontakt zu meiner Mom. Sie kennt die Einzelheiten nicht, aber sie weiß genug. Meine Schwester weiß ebenfalls, wo ich bin und was ich mache. Wir simsen täglich. Außerdem habe ich eine enge Freundin in Memphis, Olivia, die auch Bescheid weiß. Sie redet nicht einmal mehr mit Carlton. Meine Eltern werden sie nicht ausfragen, denn sie wissen, dass sie nichts verrät.

Olivia und Carlton verkehren in denselben Kreisen, und sie wird mich informieren, sobald er mit einer anderen zusammen ist. Das müsste er inzwischen eigentlich schon sein. Dann wird sein Interesse, mich aufzuspüren, deutlich nachlassen. Er weiß, dass ich nicht zurückkehre. Unsere Scheidung ist seit einem Jahr rechtskräftig.“ Ihre ernste Miene erschreckte ihn. „Bevor ich ihn verlassen habe, verlor ich ein Baby. Ich war im zweiten Monat schwanger.“ Sie wandte sich ab, doch er sah noch, dass ihre Augen sich mit Tränen füllten.

„Das tut mir leid.“

„Obwohl der Arzt mir versicherte, ich könne weiterhin Babys bekommen, gelingt es mir anscheinend nicht, diesen Verlust zu überwinden“, fuhr sie leise fort. Dann wischte sie sich die Augen, atmete tief ein und stand auf. „Danke. Ich sollte jetzt besser nach dem Abendessen schauen.“

„Ich helfe Ihnen.“

„Nein, setzen Sie sich an den Tisch, ich trage gleich auf.“

„Möchten Sie noch Tee?“, erkundigte er sich.

„Ja, bitte.“ Sie eilte in die Küche, und Ryan half ihr. Bei jedem Gericht, das sie aus dem Wärmefach oder dem Ofen holte, staunte er begeistert. Alles sah sehr appetitlich aus.

Dann saßen sie am Tisch, auf dem eine Platte mit Scheiben vom zarten Rinderbraten lag. Jessica hatte flockiges Kartoffelpüree dazu gemacht und gedünstetes Kohlgemüse.

Kaum hatte er den ersten Bissen des Bratens gekostet, stand für Ryan fest, dass sie den Job hatte. Auch die Soße war köstlich. Eine Eieruhr klingelte, und Jessica stand auf, um Brötchen aus dem Ofen zu holen.

„Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass die in meinem Tiefkühler waren“, sagte er.

„Waren sie auch nicht. Die habe ich heute selber gemacht.“

„Sie können wirklich kochen“, lobte er sie. Ihr Ex musste nicht ganz bei Trost sein, sie so schlecht zu behandeln. Sie war der Traum eines jeden Mannes.

„Und was heißt das jetzt?“, wollte sie wissen.

Das hieß, er war verloren. Er musste sie einstellen und dabei professionell distanziert bleiben. Er musste seine Hände bei sich behalten und durfte nur unverfängliche Gespräche mit ihr führen. Seit er von ihrer Fehlgeburt wusste, war es noch wichtiger, sie in Ruhe zu lassen, damit sie über den Schmerz hinwegkam.

„Das heißt, Sie haben den Job als Köchin, falls Sie ihn noch wollen.“

„Danke.“ Sie schenkte ihm ein Lächeln, das ihn dahinschmelzen ließ. Er musste dringend wieder zurück nach Houston, denn hierzubleiben wäre eine zu große Herausforderung.

„Wir sollten den Speiseplan für nächste Woche besprechen. Ich weiß nicht genau, was Sie gern mögen. Was hätten sie morgens gern?“

Die Antwort darauf lag ihm auf der Zunge, nur konnte er sie nicht aussprechen. Ihm brach der Schweiß aus. Sie war sexy und aufregend und die schönste Frau, die er je kennengelernt hatte. Nur schien sie nicht der Typ für eine kurze Affäre zu sein, sondern eher für eine ernste Beziehung, und er wollte ihr nicht wehtun.

„Sie reden vom Frühstück“, sagte er, da er es sich nicht verkneifen konnte.

Sie stutzte zunächst, dann errötete sie leicht. „Ich rede definitiv vom Frühstück“, erklärte sie brüsk, doch auch ein wenig atemlos, was ihn noch mehr erregte. „Orangensaft? Tomatensaft? Eier, Pfannkuchen? Was?“

„Ich werde darüber nachdenken“, versprach er. Momentan war es unmöglich, sich zu entscheiden, was er zum Frühstück wollte. Er schaute auf sein Essen und nahm sich zusammen. „Nach dem Abendessen erstellen wir eine Einkaufsliste, und Samstag fahren wir zum Supermarkt.“

Sie aßen schweigend, während Ryan krampfhaft versuchte, seine Libido zu ignorieren und nicht mehr daran zu denken, wie gern er mit Jessica flirten würde. Glücklicherweise kehrte mit dem nächsten Bissen der Appetit zurück. Jeb würde sprachlos sein, sobald er ihr Essen gekostet hatte.

„Was für ein Restaurant hätten Sie gern?“, fragte er nach einer Weile und riskierte es wieder, sie anzusehen.

„Einfach ein amerikanisches. Da kenne ich mich aus. Ich habe schon auf dem College davon geträumt, aber dann habe ich geheiratet und den Plan aufgegeben.“ Sie aß einen Bissen Fleisch, und er betrachtete sie fasziniert. „Jetzt möchte ich in Nashville leben und arbeiten“, fuhr sie fort. „Das ist nicht zu weit weg von meiner Familie, aber auch nicht zu nah dran. Außerdem laufe ich da meinem Ex nicht über den Weg. Ich liebe Tennessee aus tiefstem Herzen. Es ist der schönste Staat – die Smoky Mountains, Chattanooga, die kleinen Städte, die großen Städte. Es gibt Countrymusik, wunderschöne Südstaatenhäuser und Gärten und das beste Essen weit und breit. Ich will nirgendwo anders leben. Ich nehme an, so geht es Ihnen mit Texas, also verstehen Sie mich wahrscheinlich.“

„Ehrlich gesagt empfinde ich so für diese Ranch. Das ist der Ort, an dem mein Herz hängt. Ich kann mir nicht vorstellen, von hier wegzugehen. Das hier ist meine Vorstellung vom Paradies.“

„Sehen Sie? Nashville wäre nichts für Sie. Und ich würde hier nicht mein Leben verbringen wollen. Momentan ist es jedoch genau der richtige Platz für mich.“

„Da wir gerade von diesem Ort und Ihrem neuen Job sprechen – ich frühstücke morgens gegen sechs.“ Dieser Augenblick mit der schönsten Frau, der er je begegnet war, kam ihm plötzlich unwirklich vor. Statt mit ihr zu flirten, zu lachen, ihr näherzukommen – was er wirklich wollte –, informierte er sie über den Zeitpunkt, an dem er sein Frühstück einnehmen wollte. Und sie nickte, als sei sie vollkommen zufrieden über ihr Arrangement.

„Gut, um sechs. Es wird alles bereit sein.“

„Wie ich schon sagte, beim Speiseplan haben Sie freie Hand. Ich will keine Mahlzeiten planen.“ Ihm war nicht wichtig, was sie zubereiten würde. Viel mehr war er daran interessiert, Zeit mit ihr zu verbringen.

„Wenn ich den Speiseplan zusammenstellen kann, erleichtert mir das die Arbeit sehr.“

„Ich bin ein unkomplizierter Typ“, sagte er. „Ich bin weder Veganer, noch halte ich irgendeine strikte Diät. Und wenn ich ein Steak will, sage ich Ihnen Bescheid und grille es selbst. Ansonsten liegt alles bei Ihnen.“

„Gut. Also in etwa wie heute?“

„Genau“, sagte er. Gleichzeitig wurde ihm klar, dass es albern wäre, allein zu essen, während sie für ihn kellnerte oder sich in der Küche aufhielt. „Jessica, wir befinden uns in einer etwas schwierigen Situation. Sie sind anders als die anderen Köche, die ich bisher hatte.“

Mit unbeweglicher Miene hörte sie ihm zu, lediglich ein Mundwinkel zuckte leicht.

„Also planen Sie bitte ein, mit mir zu essen, ja? Ich finde die Vorstellung befremdlich, allein zu essen, während Sie servieren und zuschauen.“

„Sie müssen nicht mit mir essen. Ich kann mich unsichtbar machen. Was immer Sie wollen.“

„Ich will, dass Sie mit mir essen“, sagte er in dem vollen Bewusstsein, dass das sein Leben verkomplizieren würde. Seit Jessica aus ihrem roten Sportwagen gestiegen war, schien sein Leben in eine seltsame neue Umlaufbahn geraten zu sein. Jede Mahlzeit mit ihr einzunehmen, ohne zu flirten, würde eine höllische Herausforderung sein.

„Sie werden bald die Nase voll davon haben, mich dauernd zu sehen“, warnte sie ihn.

„Auf keinen Fall.“

„Bitte sehr, Sie sind der Chef.“

„Das ist keine Anforderung an den Job“, erklärte er und fragte sich, wie ihre Gefühle aussahen. „Sie müssen es nicht, wenn Sie nicht wollen.“

„Wir versuchen es. Sie erwähnten, dass Sie nicht oft hier sind, also sollte es gar kein Problem sein.“ Sie klang, als sei die Sache nicht wichtig und als sei sie ihm gegenüber immun. „Was ist eigentlich, wenn Sie unterwegs sind? Muss ich mir für die Zeit einen anderen Job suchen?“

„Nein, ich bezahle meine Angestellten weiter, ob ich hier bin oder nicht. Andernfalls könnte ich kaum alle behalten.“

„Alle anderen haben auch zu tun, wenn Sie weg sind. Ich nicht. Kann ich beim Putzen helfen oder etwas anderes machen, während Sie weg sind?“

„Mir fällt nichts ein. Meine anderen Hausangestellten essen in der Gemeinschaftsunterkunft, und ich glaube nicht, dass Gwen Sie kochen lässt. Sie können ja fragen. Die geben Ihnen Bescheid, wenn sie hier essen wollen. Gwen ist für die Reinigung des Hauses zuständig, da wird sie Sie vermutlich auch nicht helfen lassen. Tun Sie, was Sie wollen, wenn Sie die Gelegenheit haben.“

„Was ist mit der Kleinstadt, in der ich die Lebensmittel einkaufen kann? Könnte ich da irgendwo als freiwillige Helferin arbeiten?“

„Ich werde mich mal umhören.“ Er beendete seine Mahlzeit, lehnte sich zurück und legte die Serviette auf den Tisch. „Das war ein köstliches Abendessen, und Sie sind eine ausgezeichnete Köchin.“

„Danke.“

„Kommen Sie, ich führe Sie durchs Haus. Ich kann Ihnen eine kleine Übersichtskarte der Ranch geben, denn das Gelände kann verwirrend sein, wenn man neu hier ist. Im Haus schauen wir uns nur unten um, da Sie hier wohnen werden.“

Als sie das Esszimmer betraten, sagte Jessica: „Hier ist es sehr schön. Wenn meine Mutter das sehen könnte, würde sie wohl aufhören, sich Sorgen um mich zu machen. Sie besitzen wunderbare Dinge.“ Begeistert deutete sie auf zwei hohe Kristallkandelaber auf einem edwardianischen Buffet. Der Esstisch bot Platz für zwanzig Personen, und sie fragte sich, wann er solch vornehme Feiern veranstaltete.

Langsam ging sie durch den Raum, betrachtete das edle Porzellan und die funkelnden Kristallgläser in dem Schrank aus Obstbaumholz.

Vom Esszimmer gelangten sie in ein Wohnzimmer, von dem aus man einen Blick auf die Terrasse und den Pool hatte. Es gab einen großen Flachbildfernseher, einen Kamin, der von Bücherregalen flankiert wurde, Familienfotos an den Wänden und bequeme Ledersitzmöbel. Vor einem Schaukasten mit vergoldetem Rahmen blieb sie stehen. Darin lag auf schwarzem Samt eine antike Pistole.

„Das ist ein altes Familienerbstück“, bemerkte Ryan. „Ein Colt.“

„Mein Dad wäre beeindruckt.“

„Vielleicht wird er ihn eines Tages zu Gesicht bekommen.“

Lachend schüttelte sie den Kopf. „Das glaube ich nicht.“

„Gehen wir zurück auf die Terrasse und sehen uns den Sonnenuntergang an.“

„Ich sollte lieber meine Sachen auspacken.“ Ihr Lächeln verschwand.

„Setzen Sie sich zu mir. Auspacken können Sie auch später noch.“

Auf dem Weg hinaus blieb sie plötzlich stehen. „Fast hätte ich es vergessen. Zum Nachtisch habe ich eine Schokoladeneistorte gemacht.“

„Hm, die sparen wir uns für später auf. Es sei denn, Sie wollen jetzt ein Stück.“

„Nein, wir können warten. Setzen Sie sich auf die Terrasse, ich räume inzwischen den Tisch ab.“

„Ich helfe Ihnen. Aber vorher will ich Jeb anrufen, damit er sich das übrig gebliebene Essen abholt.“

„Telefonieren Sie, ich räume ab“, sagte sie und ging in die Küche.

Ryan zog sein Handy aus der Tasche und beobachtete Jessica bei der Arbeit.

„Jeb. Es ist noch reichlich vom Abendessen übrig. Hol dir was, und koste Jessicas Kochkünste. Du kannst auch hier essen.“

Ryan folgte Jessica hinein, um ihr beim Abräumen des Tisches zu helfen. „Jeb kommt gleich wegen des Essens.“

„Sie pflegen ein freundschaftliches Verhältnis zu Ihren Angestellten.“

„Vermutlich haben Sie recht. Ich kenne alle schon lange.“ Er neigte den Kopf und musterte sie. „Wissen Sie, ich habe Sie mir ganz anders vorgestellt.“

„Ich Sie mir auch, Ryan. Sie entsprechen auch nicht dem Mann, den ich hier zu finden gehofft hatte. Aber ich weiß, dass ich auch nicht der Person entspreche, die Sie sich erhofft hatten.“

Jemand klopfte an die Tür, und als Ryan sich umdrehte, entdeckte er Jeb. „Bist du gerannt?“

„Na klar. Ich habe Hunger. Ich fülle mir den Teller auf und nehme ihn mit.“

„Du kannst dich ruhig zu uns setzen.“

„Offensichtlich hast du eine neue Köchin.“

„Oh ja. Warte, bis du deine Zähne in den Braten und die Brötchen geschlagen hast, die sie zubereitet hat. Deshalb habe ich dich angerufen – damit du dich selbst überzeugen kannst.“

„Was du nicht sagst.“ Er grinste verschmitzt in Jessicas Richtung. „Das könnte in den nächsten Wochen interessant werden.“

„Nichts hat sich geändert. Sie muss sich erholen, und du kannst ruhig die anderen darüber informieren, dass sie hier ist.“

„Habe ich schon. Mir war klar, dass du sie engagierst, auch wenn sie nicht mal Wasser kochen kann. Hallo übrigens, Miss Upton“, begrüßte Jeb sie und betrat die Küche.