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In "Das Kapital" analysiert Karl Marx die Produktionsverhältnisse innerhalb des Kapitalismus und entfaltet seine Theorie des Mehrwerts, der die Beziehung zwischen Arbeit und Kapital grundlegend definiert. Durch einen dialectischen Stil, der ökonomische, soziale und historische Aspekte vereint, entblößt Marx die Mechanismen, die zur Ausbeutung der Arbeiterklasse führen. Die drei Bände des Werkes sind nicht nur eine ökonomische Analyse, sondern auch eine tiefgründige gesellschaftskritische Abhandlung, die Konzeptionen von Wert, Geld und Macht in der kapitalistischen Gesellschaft herausfordert und zur Selbstreflexion anregt. Karl Marx, geboren 1818 in Trier, war ein deutscher Philosoph, Ökonom und Gesellschaftskritiker, dessen Einfluss weit über seine Zeit hinausreicht. Mit einem reichen intellektuellen Hintergrund und einem tiefen Verständnis für die sozialen und politischen Bewegungen seiner Ära, entwickelte Marx seine Theorien an der Schnittstelle von Wirtschaft und Gesellschaft. "Das Kapital" entstand aus seinem Bestreben, die soziale Ungerechtigkeit und die Bedingungen der Arbeitswelt zu verstehen und zu verändern, und wurde zu einem grundlegenden Werk für den Sozialismus und die Kritische Theorie. Dieses Buch ist für all jene Leser*innen von unerlässlicher Bedeutung, die die Struktur und Dynamik moderner Gesellschaften verstehen möchten. Marx' tiefgreifende Analysen sind bis heute relevant und bieten wertvolle Einsichten in die Natur von Machtverhältnissen und den sozialen Wandel. "Das Kapital" ist nicht nur ein Werk für Akademiker, sondern auch für alle, die an gesellschaftlichem Wandel interessiert sind. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke. - Die Autorenbiografie hebt persönliche Meilensteine und literarische Einflüsse hervor, die das gesamte Schaffen prägen. - Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen. - Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten. - Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke. - Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Diese Sammlung vereint die drei Bände von Karl Marx’ Das Kapital in einer geschlossenen Ausgabe. Sie verfolgt den Zweck, das Werk als zusammenhängendes Projekt der Kritik der politischen Ökonomie zugänglich zu machen. Leserinnen und Leser erhalten so eine verlässliche Grundlage, um Aufbau, Argumentationsgang und thematische Spannungen im Zusammenhang zu erfassen. Indem die Bände in ihrer intendierten Ordnung präsentiert werden, tritt die innere Logik des Werks hervor: vom Produktionsprozess über die Zirkulation hin zum Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion. Diese Edition begreift Das Kapital nicht als lose Folge von Studien, sondern als aufeinander bezogene Untersuchung, deren Teile sich wechselseitig erhellen und ergänzen.
Die vorliegende Zusammenstellung gehört zur Gattung der theoretischen und kritischen Abhandlung. Sie versammelt keine Fiktion, sondern ökonomische Analyse, begriffliche Rekonstruktion und systematische Darstellung. Marx arbeitet in der Form einer wissenschaftlichen Prosa, die Begriffe klärt, Modelle entwickelt und empirische Hinweise kontextualisiert, ohne sich in anekdotischer Illustration zu verlieren. Neben der strengen Theorie entfalten sich methodische Reflexionen und polemische Zuspitzungen, die das argumentative Profil schärfen. Die drei Bände bilden so ein Gefüge aus Definitionsarbeit, kategorialer Kritik und logisch aufeinander aufbauender Entwicklung, das mit den Konventionen der politischen Ökonomie ringt und zugleich deren Grundlagen überprüft.
Im Publikationskontext ist wesentlich, dass der erste Band zu Marx’ Lebzeiten erschien, während der zweite und der dritte Band nach seinem Tod aus dem Nachlass veröffentlicht wurden. Friedrich Engels bereitete diese Bände auf Grundlage von Manuskripten und Arbeitsmaterialien für den Druck vor und machte damit den Gesamtentwurf sichtbar. Die vorliegende Sammlung nimmt diese Entstehungsgeschichte ernst, indem sie die drei Bände als Teile eines einheitlichen theoretischen Vorhabens präsentiert. Zugleich macht sie nachvollziehbar, wie sich die Perspektive vom Produktionsort einzelner Prozesse hin zur Darstellung des gesamtgesellschaftlichen Zusammenhangs erweitert, ohne die systematische Kohärenz aufzugeben.
Der erste Band, Erstes Buch Der Produktionsprozeß des Kapitals, widmet sich den Grundkategorien, die die kapitalistische Produktion strukturieren. Im Zentrum stehen die Analyse der Ware, die Bestimmung des Werts und die Darstellung, wie sich Geld in Kapital verwandelt. Marx zeigt, wie der Produktionsprozess als Einheit von Arbeits- und Verwertungsprozess gesellschaftliche Verhältnisse formt. Die Untersuchung richtet sich nicht auf technische Einzelheiten, sondern auf die sozialen Formen, in denen Arbeit organisiert ist. Dabei tritt die Frage nach der Erzeugung von Mehrwert hervor, verstanden als spezifische Form der Bereicherung, die aus der kapitalistischen Produktionsweise resultiert und ihren inneren Antrieb bestimmt.
Der zweite Band, Zweites Buch Der Zirkulationsprozeß des Kapitals, rückt die Bewegungsformen des Kapitals zwischen Produktion und Markt in den Mittelpunkt. Analysiert werden die Metamorphosen, die Kapital durchläuft, wenn es die Sphären wechselt, sowie die Bedingungen von Umlauf, Umschlag und Reproduktion. Der Band entfaltet, wie Zirkulationszeiten, Lagerung und unterschiedliche Formen des Kapitals miteinander verschränkt sind. Dadurch wird einsichtig, dass die Stabilität der Gesamtbewegung nicht allein im Produktionsort entscheidet, sondern in der Abfolge und Koordination der verschiedenen Phasen. Das Augenmerk gilt dem Zusammenhang von Kontinuität, Unterbrechung und der Organisation gesellschaftlicher Arbeitsteilung.
Der dritte Band, Dritter Buch Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion, führt die vorherigen Analysen zur Darstellung des Ganzen zusammen. Er zeigt, wie die Resultate der Produktion in Formen der Verteilung erscheinen und wie Wettbewerb, Durchschnittsbildungen und gesellschaftliche Vermittlungen die Erscheinungsweisen des Kapitals prägen. Themen wie Profit, Zins und Grundrente werden im Verhältnis zu ihrer Quelle bestimmt, ohne auf bloße Oberfläche beschränkt zu bleiben. Der Band legt Wert darauf, individuelle Unternehmung und gesellschaftliches Gesamtkapital in Beziehung zu setzen und so die Bewegungen zu erklären, die auf der Ebene des Ganzen wirksam werden und die einzelnen Bereiche verbinden.
Methodisch wird eine immanente Kritik verfolgt: Begriffe der politischen Ökonomie werden aufgegriffen, präzisiert und in ihren Voraussetzungen geprüft. Marx arbeitet mit abgestuften Abstraktionsniveaus, um vom Einfachen zum Komplexen voranzuschreiten und die vermittelnden Schritte offenzulegen. Die Darstellungsweise ist dialektisch: sie zielt darauf, widersprüchliche Momente nicht zu verschleiern, sondern als Triebkräfte gesellschaftlicher Dynamik zu begreifen. Stilistisch verbindet sich strenge Begrifflichkeit mit gelegentlicher Ironie und polemischer Schärfe. Dadurch wird die Analyse nicht nur inhaltlich differenziert, sondern auch als kritische Intervention in bestehende Denkgewohnheiten erfahrbar.
Als leitende Themen ziehen sich die spezifische Form gesellschaftlicher Arbeit, die Verwandlung von Beziehungen zwischen Menschen in sachliche Formen sowie die Konstitution ökonomischer Machtverhältnisse durch alle Bände. Der berühmte Hinweis auf die eigenständige Dynamik von Waren- und Kapitalformen wird in eine Theorie der gesellschaftlichen Vermittlung überführt. Wiederkehrend ist die Frage, wie ökonomische Formen Bewusstsein und Praxis prägen und wie scheinbar natürliche Verhältnisse historisch entstanden sind. Diese thematische Verbindung erlaubt es, Erscheinungen wie Wachstum, Krisen und Konkurrenz nicht isoliert, sondern als Momente einer strukturierten Totalität zu betrachten.
Das Kapital versteht sich als Auseinandersetzung mit der klassischen politischen Ökonomie und als Neubestimmung ihrer zentralen Kategorien. Es prüft, welche Einsichten über Arbeit, Wert und Preisbildung tragen, und wo Kategorien auf der Ebene der Erscheinung stehenbleiben. Die Kritik richtet sich gegen Verkürzungen, die gesellschaftliche und historische Bedingungen als zeitlos ausgeben. Zugleich werden die Leistungen der Vorgänger diskutiert und in eine systematische Ordnung gebracht. Aus dieser doppelten Bewegung – Übernahme und Kritik – entsteht ein begrifflich präziser Rahmen, der die vielfältigen Einzelphänomene der kapitalistischen Wirtschaft zu ordnen und verständlich zu machen versucht.
Die anhaltende Wirkung des Werks zeigt sich in seiner Rezeption in Ökonomie, Soziologie, Geschichtswissenschaft und politischer Theorie. Debatten über Arbeit, Ungleichheit, Eigentum und wirtschaftliche Dynamik haben sich an diesen Analysen gerieben und von ihnen profitiert. Das Kapital wurde in verschiedenen Schulen weitergelesen, kontrovers diskutiert und in unterschiedlichen historischen Situationen neu befragt. Gerade die Verbindung von theoretischer Strenge und gesellschaftlicher Fragestellung hat dazu beigetragen, dass die Bände über ihren Entstehungskontext hinaus Bedeutung entfalten und als Referenzpunkt kritischer Analyse dienen.
Auch gegenwärtig bietet die Lektüre eine Orientierung, um die Bewegungsformen kapitalistischer Ökonomien zu deuten. Fragen der Organisation von Produktion und Zirkulation, der sozialen Verteilung von Zeit und Einkommen sowie der Dynamik von Wettbewerb und Konzentration erhalten hier einen analytischen Rahmen. Wer Strukturen jenseits tagespolitischer Erscheinungen verstehen will, findet im Werk eine Sprache für systematische Zusammenhänge. Das betrifft sowohl längerfristige Entwicklungen als auch kurzfristige Spannungen, die aus der Verbindung von Produktions- und Zirkulationsprozessen erwachsen können und gesellschaftliche Auseinandersetzungen prägen.
Diese Ausgabe lädt dazu ein, die drei Bände als abgestimmte Sequenz zu lesen: vom Fundament der Kategorien über die Bewegung der Vermittlungen bis zum Gesamtzusammenhang. Jede Teilanalyse gewinnt im Licht der anderen an Kontur. Die sprachliche Dichte fordert sorgfältige Lektüre, belohnt jedoch mit einem strukturierenden Blick auf komplexe Zusammenhänge. Das Kapital (Alle 3 Bände) präsentiert sich so als ein Werk, das in der Einheit von Theorie, Kritik und Darstellung seinen bleibenden Wert besitzt und Leserinnen und Leser befähigt, ökonomische Formen als gesellschaftliche Formen zu erkennen.
Karl Marx, 1818 in Trier geboren und 1883 in London gestorben, gilt als einer der prägendsten Kritiker der politischen Ökonomie des 19. Jahrhunderts. Sein Hauptwerk Das Kapital erscheint in drei Bänden, deren erstes Buch den Produktionsprozeß des Kapitals, das zweite den Zirkulationsprozeß und das dritte den Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion untersucht. In diesen Studien verbindet er historisches Material mit theoretischer Analyse, um die Dynamik moderner Industriegesellschaften zu erklären. Die Sammlung zeichnet die Entwicklung seines ökonomischen Denkens nach, von der Wertbildung über die Realisierung bis zu Profit, Zins und Rente, und begründet seinen Rang als Klassiker der Gesellschaftstheorie.
Die drei Bücher stellen ein geschlossenes Projekt dar: Band I entfaltet die Logik der Warenproduktion und der Mehrwertaneignung, Band II verschiebt den Fokus auf Umschlag, Kreislauf und Reproduktion, Band III ordnet die Resultate zu einer Gesamtsicht der kapitalistischen Produktionsweise. Marx verstand seine Kritik nicht als moralische Anklage, sondern als Analyse der Gesetze der Bewegung. Die Werke wurden in einer Zeit tiefgreifender Umwälzungen verfasst, deren empirische Spuren sich in Fabrikstatistiken, Gesetzesdebatten und Fallstudien niederschlagen, und sie prägten das Denken von Arbeitern, Intellektuellen und Ökonomen über Generationen hinweg.
Marx’ Bildungsweg führte von Trier über Bonn nach Berlin, wo er sich intensiv mit der nachhegelschen Philosophie auseinandersetzte. Seine Dissertation zur Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie, 1841 in Jena eingereicht, zeugt von frühem Interesse an antikem Materialismus und erkenntnistheoretischen Fragen. Die Begegnung mit der dialektischen Tradition prägte später seine ökonomische Kritik, ohne dass er deren idealistische Prämissen übernahm. In den ökonomischen Bänden tritt diese Prägung als Bewegungsanalyse von Formen hervor: Ware, Geld, Kapital. Die formale Strenge seiner Ableitung steht dabei stets im Dialog mit historischer Entwicklung und rechtlich-politischen Rahmenbedingungen.
Zentral für die Sammlung sind die Einflüsse der klassischen politischen Ökonomie. Marx studierte Adam Smith und David Ricardo, deren Wert- und Verteilungstheorien er aufgriff, präzisierte und kritisierte. In Band I verdichtet sich diese Auseinandersetzung zur Theorie des Mehrwerts, während Band II und III die Konsequenzen für Umschlag, Profitrate und Rente entfalten. François Quesnays Tableau économique liefert Referenzen für Reproduktionszusammenhänge, die Marx in den Schemata von Band II umarbeitet. Aus Frankreich und England bezog er zudem sozialstatistisches Material, das seine theoretischen Konstruktionen empirisch erdete und die historische Spezifik kapitalistischer Produktionsverhältnisse sichtbar machte.
Die Lektüre amtlicher Berichte, Fabrikuntersuchungen und parlamentarischer Kommissionen schärfte Marx’ Blick für Arbeitszeitregulierung, Technologieeinsatz und Krisen. Diese Quellen fließen im ersten Buch in die Analyse des Arbeitstages und der Maschinerie ein, im zweiten in die Diskussion von Umschlagszeit und fixem Kapital, im dritten in Überlegungen zu Kredit und Krisendynamik. Methodisch verbindet er eine materialistische Wende der Dialektik mit strenger Begriffsentwicklung. Die Formanalyse wird so zum Schlüssel, historische Erscheinungen als Momente eines strukturierten Gesamtprozesses zu begreifen, ohne den empirischen Reichtum zu nivellieren. Diese Verbindung aus Logik und Geschichte kennzeichnet die gesamte Sammlung.
Der Erster Band, Erstes Buch Der Produktionsprozeß des Kapitals erschien 1867 in Hamburg. Er eröffnet das Projekt mit der Analyse von Ware, Geld und Verwandlung von Geld in Kapital, führt die Kategorien von notwendiger und Mehrarbeit ein und diskutiert die historische Begrenzung des Arbeitstages. Stilistisch verbindet Marx dichte begriffliche Entwicklung mit historisch-statistischen Exkursen. Die Resonanz war zunächst begrenzt, wuchs aber mit weiteren Auflagen. Marx überarbeitete den Text für eine zweite deutsche Ausgabe und begleitete eine französische Übersetzung, was die internationale Rezeption anstieß und ihm Gelegenheit gab, terminologische Präzisierungen und sachliche Ergänzungen vorzunehmen.
Nach Marx’ Tod edierte Friedrich Engels das Zweites Buch Der Zirkulationsprozeß des Kapitals aus Manuskripten unterschiedlicher Fassungstiefe. 1885 veröffentlicht, behandelt es Kreislauf- und Umschlagsformen des Kapitals, die Schemata einfacher und erweiterter Reproduktion sowie die Rollen von Geld- und Warenkapital. Die editorische Aufgabe bestand darin, Brüche zu glätten, ohne die Argumentation zu verfälschen. Der Band verschiebt die Perspektive von der unmittelbaren Produktion zur Zirkulation, zeigt die zeitliche Bindung des Kapitals und erklärt, wie Reproduktionszusammenhänge gesellschaftlich vermittelt werden.
Der Dritter Band, Dritter Buch Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion erschien 1894, ebenfalls auf Basis von Marx’ Nachlass. Er synthetisiert die Resultate: Bildung einer Durchschnittsprofitrate, Transformation von Werten in Produktionspreise, Aufteilung des Mehrwerts in Profit, Zins und Grundrente sowie die Rolle des Kreditsystems und möglicher Krisenzusammenhänge. Engels musste teils fragmentarische Texte ordnen, was Spuren in der Komposition hinterließ. Gleichwohl bildet der Band das architektonische Schlussstück der Sammlung. Die Rezeption war kontrovers und befruchtete Debatten über Wert, Preisbildung und Krisentheorie, die bis heute anhalten.
Beliefs and Advocacy
Marx’ Überzeugungen, wie sie in der Sammlung greifbar werden, richten sich auf die historisch-spezifische Natur kapitalistischer Produktionsverhältnisse. Er begreift Ausbeutung nicht als moralisches Versagen Einzelner, sondern als strukturelle Mehrwertaneignung, die im ersten Buch kategorisch entwickelt wird. Daraus leitet sich sein Interesse an gesetzlichen Begrenzungen des Arbeitstages und an kollektiver Organisierung ab. Seine Kritik der Warenform zeigt, wie gesellschaftliche Verhältnisse in Dingen erscheinen können, und zielt auf Aufklärung über die eigenen Bedingungen. Theorie dient hier der Emanzipation, indem sie die Bedingungen ihrer Möglichkeit und Grenzen kenntlich macht.
Öffentlich trat Marx als streitbarer Analytiker auf, der die Verbindung von Forschung und Praxis suchte. Die Sammlung ist dafür konstitutiv: Sie bietet keine Rezepte, sondern analytische Werkzeuge, mit denen Arbeiter, Ökonomen und Gesetzgeber Prozesse verstehen und bewerten können. Marx sah die Notwendigkeit, politisches Handeln an die objektiven Bewegungsgesetze des Kapitals zu binden, ohne deterministische Gewissheiten zu behaupten. Debatten, Gutachten und Korrespondenzen ergänzten seine Arbeit am Manuskript, doch der Maßstab blieb die wissenschaftliche Strenge. So verband er normative Anliegen mit einer Methode, die überprüfbare Argumente voranstellt.
In seinen späten Londoner Jahren arbeitete Marx trotz zunehmender gesundheitlicher Belastungen unablässig an Überarbeitungen und am Material für die weiteren Bücher. Er sichtete umfangreiche Literatur, präzisierte Reproduktions- und Krisenfragen und hinterließ Manuskripte, die Engels nach 1883 zu Band II und 1894 zu Band III ordnete und edierte. Marx starb 1883 in London und wurde in Highgate beigesetzt. Die editorische Vollendung der Sammlung durch Engels machte die architektonische Einheit des Projekts sichtbar und prägte maßgeblich, wie spätere Generationen die Struktur und Reichweite von Das Kapital beurteilen.
Die nachhaltige Wirkung der Sammlung ist breit. In der Ökonomie befeuerte sie Debatten zu Wert, Verteilung und Krisen; in der Soziologie und Geschichtswissenschaft eröffnete sie Analysen von Klassenbildung, Staat und Recht im Horizont der kapitalistischen Reproduktion. Kritik und Weiterentwicklung begleiteten die Rezeption: Fragen der Transformation, der Durchschnittsprofitrate und der Rolle von Kredit und Boden wurden vielfältig diskutiert. Übersetzungen verbreiteten die Bände weltweit und machten sie zum Bezugspunkt politischer und akademischer Kontroversen. Bis heute dient Das Kapital Forschenden und Praktikern als anspruchsvoller Rahmen, um kapitalistische Dynamiken historisch und systematisch zu begreifen.
Karl Marx (1818–1883) verfasste sein Hauptwerk inmitten tiefgreifender Umwälzungen des 19. Jahrhunderts. Der erste Band erschien 1867 in Hamburg; die Bände zwei und drei wurden postum von Friedrich Engels 1885 und 1894 herausgegeben. Marx lebte seit 1849 im Londoner Exil, wo er in den Lesesälen des British Museum umfangreiche Studien zur politischen Ökonomie betrieb. Die Sammlung reagiert auf die Reifephase der industriellen Revolution, insbesondere in Großbritannien, und auf europäische Transformationsprozesse nach den Revolutionen von 1848. Sie ist zugleich Produkt und Analyse einer Epoche, in der kapitalistische Produktionsverhältnisse zur dominanten gesellschaftlichen Kraft wurden.
Die politischen Erschütterungen von 1848/49 bilden einen zentralen Ausgangspunkt. Marx beteiligte sich an den demokratischen Bewegungen und musste nach der Niederlage der Revolutionen die Rheinprovinz verlassen. Im Exil radikalisierte und systematisierte er seine ökonomischen Studien. Seine journalistische Tätigkeit, etwa für die New-York Tribune in den 1850er Jahren, schärfte den Blick für internationale Verflechtungen von Handel, Krieg und Klassenkonflikten. Das Scheitern der kontinentaleuropäischen Revolutionen, die Repressionen und die anschließende Neuordnung der Staatenlandschaft gaben dem Projekt einer umfassenden Kritik der politischen Ökonomie zusätzliche Dringlichkeit.
Der industrielle Kapitalismus Großbritanniens lieferte die empirische Folie. Fabriksystem, Maschinenarbeit und rasant wachsende Städte veränderten Arbeitsrhythmen und Lebensbedingungen. Gesetzliche Regulierungen wie die Factory Acts und das Ten-Hours-Gesetz von 1847 zeugen von der politischen Auseinandersetzung um Arbeitszeit und Gesundheitsschutz. Marx wertete systematisch Berichte der Fabrikinspektoren und amtliche „Blue Books“ aus. Die soziale Frage – Kinderarbeit, Wohnungsnot, Löhne, Arbeitsdisziplin – stand im Zentrum kontroverser Debatten. Vor diesem Hintergrund wurde der erste Band, der den Produktionsprozess thematisiert, zu einem Kommentar der britischen Industriegesellschaft und ihrer Konflikte.
Zugleich beschleunigte sich die Integration des Weltmarkts. Dampfschiffe, Eisenbahn und Telegraphie verdichteten Verkehrs- und Informationsnetze; der Suezkanal (1869) verkürzte Routen zwischen Europa und Asien. Rohstoffe und industrielle Erzeugnisse zirkulierten in wachsendem Umfang. Der amerikanische Bürgerkrieg (1861–1865) löste in Lancashire die „Cotton Famine“ aus und zeigte, wie empfindlich Fabrikproduktion von globalen Lieferketten abhing. Freihandelspolitik nach der Aufhebung der Corn Laws (1846) traf auf protektionistische Gegenströmungen. Diese Konstellation bildete die Bühne, auf der Marx den Zirkulations- und Gesamtprozess kapitalistischer Produktion historisch und international verortete.
Intellektuell reagierte Marx auf die Tradition der klassischen Nationalökonomie (Adam Smith, David Ricardo) und setzte sich zugleich mit der deutschen Philosophie (Hegel, Feuerbach) und französischen sozialistischen Strömungen auseinander. In den 1840er Jahren entwickelte er eine materialistische Gesellschaftsanalyse. Mit der Schrift Zur Kritik der politischen Ökonomie (1859) und umfangreichen Notizbüchern von 1857/58 bereitete er sein Hauptwerk vor. Die Auseinandersetzung mit Wert, Arbeit, Eigentum und Staat sollte nicht nur terminologische Klärung leisten, sondern die historische Dynamik kapitalistischer Gesellschaftsformationen erklären – ein Anspruch, der den drei Bänden zugrunde liegt.
Äußerst prägend waren wiederkehrende Krisen. Die globale Handels- und Finanzkrise von 1857 erschütterte Banken, Handelshäuser und Fabriken auf beiden Seiten des Atlantiks. Die Londoner Zahlungskrise um Overend, Gurney & Co. 1866 offenbarte Verwundbarkeiten des Kreditsystems. Der Börsenkrach von 1873 leitete eine lang anhaltende Stagnationsphase in Europa und Nordamerika ein. Solche Konjunkturzyklen verschärften soziale Konflikte, beschleunigten staatliche Interventionen und veränderten Investitionsmuster. Die Rezeption des Werkes wurde durch diese Erfahrungen geprägt, da Leserinnen und Leser darin eine Erklärung für Krisen und ihre Wiederkehr zu finden hofften.
Die Arbeiterbewegung formierte sich parallel. In Großbritannien bauten Gewerkschaften ihre Organisationen aus; 1871 erhielten sie gesetzliche Anerkennung. Streiks und Koalitionen der 1860er Jahre machten Arbeitskämpfe zu einem festen Bestandteil des öffentlichen Lebens. Die Internationale Arbeiterassoziation (1864–1876) versuchte, diese Kräfte grenzüberschreitend zu koordinieren; Marx entwarf zentrale Dokumente und nahm Einfluss auf Strategien. Diese politisch organisierte Erfahrung eines entstehenden Proletariats bildete den Resonanzraum, in dem sein Werk diskutiert wurde – als theoretische Kartierung gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse und möglicher Spielräume kollektiven Handelns.
Die Konsolidierung moderner Nationalstaaten veränderte Rahmenbedingungen. Italiens Einigung (1861) und das Deutsche Kaiserreich (1871) verschoben Machtachsen, Zölle und Militärbudgets. In Deutschland erprobte Reichskanzler Otto von Bismarck soziale Gesetzgebung und zugleich Unterdrückung: Die Sozialistengesetze (1878–1890) verboten sozialdemokratische Organisationen, förderten jedoch deren Wahlerfolge indirekt. Innerhalb der deutschen Arbeiterbewegung führten Programmdiskussionen – etwa das Gothaer Programm (1875) und später das Erfurter Programm (1891) – zu Debatten, die sich auch auf Kategorien und Schlussfolgerungen stützten, wie sie in Marx’ Werk ausgearbeitet oder angedeutet waren.
Das Zeitalter imperialer Expansion und kolonialer Eingriffe bildete einen weiteren Kontext. Britische Herrschaft in Indien, die Opiumkriege in China (1839–1842, 1856–1860) und die irische Landfrage standen in europäischen Parlamentsdebatten. Migration, Landenteignung und Exportmonokulturen veränderten Gesellschaften auf mehreren Kontinenten. Diskussionen über Agrarverhältnisse – in Irland wie im Zarenreich – setzten Akzente für die Frage nach historischen Pfaden kapitalistischer Entwicklung. In Russland löste die frühe Übersetzung des ersten Bandes (1872) Kontroversen in den intellektuellen Milieus aus, die über Jahrzehnte anhielten und verschiedene Lesarten motivierten.
Die Publikations- und Editionsgeschichte strukturierte maßgeblich die Rezeption. Band I erschien 1867 bei Otto Meissner in Hamburg; eine überarbeitete zweite deutsche Auflage folgte 1872/73. Die französische Ausgabe (1872–1875), von Joseph Roy übersetzt und von Marx überprüft, brachte neue Formulierungen und Zusätze in Umlauf. Nach Marx’ Tod sichtete Friedrich Engels einen großen Nachlass ökonomischer Manuskripte. Auf dieser Grundlage gab er das Zweite Buch (1885) und das Dritte Buch (1894) heraus. Redaktionsentscheidungen, Anordnungen und terminologische Präzisierungen Engels’ beeinflussten den Zugriff späterer Leser erheblich.
Die internationale Verbreitung nahm in den 1870er und 1880er Jahren deutlich zu. Neben der französischen und russischen Ausgabe erschien 1887 die erste englische Übersetzung des ersten Bandes, vorbereitet von Samuel Moore und Edward Aveling unter Engels’ Aufsicht. In Ländern mit strenger Zensur variierten Zugänglichkeit und öffentliches Echo; dennoch etablierten Lesezirkel, Parteischulen und Gewerkschaftsbibliotheken das Werk als Referenz. Zusammenfassungen, Vorworte und Rezensionen halfen, komplexe Argumente in populären Formaten zu diskutieren, wodurch „Das Kapital“ in politische Bildungsarbeit und in journalistische Kontroversen einsickerte.
Gleichzeitig wandelte sich die Ökonomie als akademische Disziplin. In den 1870er Jahren formierte sich die marginalistische Theorie (Jevons, Menger, Walras) und legte neue Wert- und Preiskonzepte vor. In Deutschland prägte der Methodenstreit zwischen historischer Schule und theoretischer Richtung das Selbstverständnis der Ökonomik. Marx’ Ansatz stand vielfach außerhalb des universitären Mainstreams, wurde aber in Sozialdemokratie und Arbeiterbildung breit rezipiert. Kritiken, etwa durch Eugen von Böhm-Bawerk (1896), setzten Maßstäbe für spätere Debatten und trugen dazu bei, spezifische Fragestellungen des Zweiten und Dritten Buches in den Mittelpunkt zu rücken.
Das wissenschaftliche Klima war von starkem empirischem Interesse geprägt. Naturwissenschaftliche und statistische Verfahren gewannen Ansehen; Darwins Werk von 1859 steht exemplarisch für neue Evolutionsvorstellungen. Regierungsberichte, Volkszählungen, Gesundheitsstatistiken und Fabrikinspektionsberichte wurden systematisch gesammelt und ausgewertet. Marx nutzte diese Quellen intensiv, um an konkretem Material Arbeitszeiten, Löhne, Produktivitätszuwächse und Unfälle zu belegen. Die Hoffnung, Gesellschaft mit methodischer Strenge analysieren zu können, schuf ein Umfeld, in dem sein Werk sowohl als theoretischer Entwurf wie als empirisch geleitete Diagnose gelesen wurde.
Die Frage politischer Macht kulminierte in den 1870er Jahren in der Pariser Kommune (1871), deren Ereignisse europaweit Debatten über Demokratie, Militär und Gemeindeverfassung auslösten. Marx kommentierte sie in zeitnahen Schriften und korrespondierte mit führenden Aktivisten. Auch wenn „Das Kapital“ primär ökonomische Prozesse untersucht, wurde seine Lektüre fortan durch Erfahrungen jener Erhebung und ihrer Niederschlagung gefärbt. Für viele Leser verband sich die Kritik der Ökonomie mit Fragen der Staatsform, der Gewaltenteilung und der sozialen Rechte, die in Kommunen, Parlamenten und Gewerkschaften verhandelt wurden.
Rechtliche und soziale Reformen schritten fort. In Großbritannien folgten auf die Reform Bill von 1867 weitere Erweiterungen politischer Partizipation; Armen- und Gesundheitsgesetzgebung veränderte kommunale Aufgaben. Genossenschaften, Konsumvereine und Selbsthilfeorganisationen entstanden und wurden erprobt. Diese institutionellen Innovationen bildeten ein Labor für Praktiken kollektiver Selbstorganisation, die von Zeitgenossen mit Kategorien aus Marx’ Analyse abgeglichen wurden. In Deutschland standen Trägerschaften der Arbeiterbildung, verbotene Vereinstätigkeit unter den Sozialistengesetzen und parlamentarische Präsenz der Sozialdemokraten in einem spannungsvollen Wechselverhältnis.
In Osteuropa gewann die Debatte spezifische Konturen. Die russische Übersetzung des ersten Bandes (1872) und spätere Schriften russischer Marxisten wie Georgi Plechanow förderten eine Auseinandersetzung mit Agrarstrukturen, Dorfgemeinden und Industrieentwicklung. In Frankreich, Italien und Skandinavien bildeten sich marxistische Strömungen unterschiedlicher Prägung heraus. In den Vereinigten Staaten fand die Rezeption über Einwanderervereine, sozialistische Zeitungen und Gewerkschaften statt; Wirkung und Verbreitung variierten regional stark. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war „Das Kapital“ in europäischen Großsprachen präsent und in vielen Ländern Bestandteil linker Programmdiskussionen.
Gegen Ende des Jahrhunderts institutionalisierten sich die internationalen Arbeiterparteien neu. Die Gründung der Zweiten Internationale (1889) schuf ein Forum für Programmatik und Theorievermittlung. Innerhalb der deutschen Sozialdemokratie prägten Karl Kautsky und andere eine systematische Auseinandersetzung mit dem Werk, während Eduard Bernsteins Revisionismus in den 1890er Jahren Kontroversen über Entwicklungstendenzen des Kapitalismus auslöste. Diese Debatten griffen auf Argumente zurück, die in allen drei Bänden angelegt sind, und stellten die Frage, wie Erkenntnisse über Produktion, Zirkulation und Gesamtzusammenhang in politische Strategien zu übersetzen seien. „Das Kapital“ wurde so zum Prüfstein strategischer Differenzen.
Analysiert, wie Warenproduktion, Wertbildung und der Einsatz von Arbeitskraft den Mehrwert erzeugen und damit den Kern kapitalistischer Ausbeutung bilden. Verfolgt die Entwicklung von Kooperation über Manufaktur bis Maschinerie und zeigt, wie die Akkumulation des Kapitals gesellschaftliche Verhältnisse formt. Der Ton ist streng analytisch und historisch-materialistisch; zentrale Begriffe werden schrittweise aus einfachen Formen abgeleitet.
Untersucht die Bewegung des Kapitals durch seine Gestalten Geld-, Produktions- und Warenkapital und erklärt Umschlag, Zirkulationszeit und Reproduktionsschemata. Zeigt, wie individuelle Kreisläufe zu gesamtgesellschaftlicher Reproduktion verschaltet werden und welche Spannungen aus Fix- und Zirkulationskapital entstehen. Der Fokus liegt auf Modellen und Flussbeziehungen, die die Stabilität und Fragilität kapitalistischer Reproduktion sichtbar machen.
Synthetisiert Produktion und Zirkulation, indem Mehrwert in Profit, Durchschnittsprofit und Preise der Produktion transformiert wird. Analysiert Konkurrenz, Kredit und Grundrente, um die Verteilung des Mehrwerts zwischen Kapitalfraktionen und Grundeigentum zu erklären, und diskutiert Tendenzen wie den Fall der Profitrate. Der Ton ist systemisch und kontrovers, mit Blick auf innere Widersprüche und Krisenanfälligkeit der kapitalistischen Ordnung.
Übergreifende Themen sind Wertform, Ausbeutung, Akkumulation und die aus ihnen resultierenden Widersprüche, die als historische, nicht naturhafte Strukturen begriffen werden. Methodisch bewegt sich die Darstellung vom Abstrakten zum Konkreten und verbindet begriffliche Strenge mit historischen Exkursen und schematischen Darstellungen. Wiederkehrend ist der Anspruch, ökonomische Formen als gesellschaftliche Verhältnisse zu entlarven und ihre Dynamik in Produktion, Zirkulation und Gesamtprozess zusammenzudenken.
Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine "ungeheure Warensammlung", die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.
Die Ware ist zunächst ein äußerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt[1q]. Die Natur dieser Bedürfnisse, ob sie z.B. dem Magen oder der Phantasie entspringen, ändert nichts an der Sache. Es handelt sich hier auch nicht darum, wie die Sache das menschliche Bedürfnis befriedigt, ob unmittelbar als Lebensmittel, d.h. als Gegenstand des Genusses, oder auf einem Umweg, als Produktionsmittel.
Jedes nützliche Ding, wie Eisen, Papier usw., ist unter doppelten Gesichtspunkt zu betrachten, nach Qualität und Quantität. Jedes solches Ding ist ein Ganzes vieler Eigenschaften und kann daher nach verschiedenen Seiten nützlich sein. Diese verschiedenen Seiten und daher die mannigfachen Gebrauchsweisen der Dinge zu entdecken ist geschichtliche Tat. So die Findung gesellschaftlicher Maße für die Quantität der nützlichen Dinge. Die Verschiedenheit der Warenmaße entspringt teils aus der verschiedenen Natur der zu messenden Gegenstände, teils aus Konvention.
Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. Aber diese Nützlichkeit schwebt nicht in der Luft. Durch die Eigenschaften des Warenkörpers bedingt, existiert sie nicht ohne denselben. Der Warenkörper selbst, wie Eisen, Weizen, Diamant usw., ist daher ein Gebrauchswert oder Gut. Dieser sein Charakter hängt nicht davon ab, ob die Aneignung seiner Gebrauchseigenschaften dem Menschen viel oder wenig Arbeit kostet. Bei Betrachtung der Gebrauchswerte wird stets ihre quantitative Bestimmtheit vorausgesetzt, wie Dutzend Uhren, Elle Leinwand, Tonne Eisen usw. Die Gebrauchswerte der Waren liefern das Material einer eignen Disziplin, der Warenkunde. Der Gebrauchswert verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion. Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden Gesellschaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Träger des - Tauschwerts.
Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen , ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt. Der Tauschwert scheint daher etwas Zufälliges und rein Rela- tives, ein der Ware innerlicher, immanenter Tauschwert (valeur intrinsèque) also eine contradictio in adjecto. Betrachten wir die Sache näher.
Eine gewisse Ware, ein Quarter Weizen z.B. tauscht, sich mit x Stiefelwichse oder mit y Seide oder mit z Gold usw., kurz mit andern Waren in den verschiedensten Proportionen. Mannigfache Tauschwerte also hat der Weizen statt eines einzigen. Aber da x Stiefelwichse, ebenso y Seide, ebenso z Gold usw. der Tauschwert von einem Quarter Weizen ist, müssen y Stiefelwichse, y Seide, z Gold usw. durch einander ersetzbare oder einander gleich große Tauschwerte sein. Es folgt daher erstens: Die gültigen Tauschwerte derselben Ware drücken ein Gleiches aus. Zweitens aber: Der Tauschwert kann überhaupt nur die Ausdrucksweise, die "Erscheinungsform" eines von ihm unterscheidbaren Gehalts sein.
Ein einfaches geometrisches Beispiel veranschauliche dies. Um den Flächeninhalt aller gradlinigen Figuren zu bestimmen und zu vergleichen, löst man sie in Dreiecke auf. Das Dreieck selbst reduziert man auf einen von seiner sichtbaren Figur ganz verschiednen Ausdruck - das halbe Produkt seiner Grundlinie mit seiner Höhe. Ebenso sind die Tauschwerte der Waren zu reduzieren auf ein Gemeinsames, wovon sie ein Mehr oder Minder darstellen.
Dies Gemeinsame kann nicht eine geometrische, physikalische, chemische oder sonstige natürliche Eigenschaft der Waren sein. Ihre körperlichen Eigenschaften kommen überhaupt nur in Betracht, soweit selbe sie nutzbar machen, also zu Gebrauchswerten. Andererseits aber ist es grade die Abstraktion von ihren Gebrauchswerten, was das Austauschverhältnis der Waren augenscheinlich charakterisiert. Innerhalb desselben gilt ein Gebrauchswert grade so viel wie jeder andre, wenn er nur in gehöriger Proportion vorhanden ist. Oder, wie der alte Barbon sagt:
"Die eine Warensorte ist so gut wie die andre, wenn ihr Tauschwert gleich groß ist. Da existiert keine Verschiedenheit oder Unterscheidbarkeit zwischen Dingen von gleich großem Tauschwert."
Als Gebrauchswerte sind die Waren vor allem verschiedner Qualität, als Tauschwerte können sie nur verschiedner Quantität sein, enthalten also kein Atom Gebrauchswert.
Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkörper ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten. Jedoch ist uns auch das Arbeitsprodukt bereits in der Hand verwandelt. Abstrahieren wir von seinem Gebrauchswert, so abstrahieren wir auch von den körperlichen Bestandteilen und Formen, die es zum Gebrauchswert machen. Es ist nicht länger Tisch oder Haus oder Garn oder sonst ein nützlich. Alle seine sinnlichen Beschaffenheiten sind ausgelöscht. Es ist auch nicht länger das Produkt der Tischlerarbeit oder der Bauarbeit oder der Spinnarbeit oder sonst einer bestimmten produktiven Arbeit. Mit dem nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nützlicher Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, es verschwinden also auch die verschiedenen konkreten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allzusamt reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit.
Betrachten wir nun das Residuum der Arbeitsprodukte. Es ist nichts von ihnen übriggeblieben als dieselbe gespenstige Gegenständlichkeit, eine bloße Gallerte unerschiedsloser menschlicher Arbeit, d.h. der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ohne Rücksicht auf die Form ihrer Verausgabung. Diese Dinge stellen nur noch dar, daß in ihrer Produktion menschliche Arbeitskraft verausgabt, menschliche Arbeit aufgehäuft ist. Als Kristalle dieser ihnen gemeinschaftlichen Substanz sind sie Werte - Warenwerte.
Im Austauschverhältnis der Waren selbst erschien uns ihr Tauschwert als etwas von ihren Gebrauchswerten durchaus Unabhängiges. Abstrahiert man nun wirklich vom Gebrauchswert der Arbeitsprodukte, so erhält man ihren Wert, wie er eben bestimmt ward. Das Gemeinsame, was sich im Austauschverhältnis oder Tauschwert der Ware darstellt, ist also ihr Wert. Der Fortgang der Untersuchung wird uns zurückführen zum Tauschwert als der notwendigen Ausdrucksweise oder Erscheinungsform des Werts, welcher zunächst jedoch unabhängig von dieser Form zu betrachten ist.
Ein Gebrauchswert oder Gut hat also nur einen Wert, weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht oder materialisiert ist. Wie nun die Größe seines Werts messen? Durch das Quantum der in ihm enthaltenen "wertbildenden Substanz", der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst mißt sich an ihrer Zeitdauer, und die Arbeitszeit besitzt wieder ihren Maßstab an bestimmten Zeitteilen, wie Stunde, Tag usw.
Es könnte scheinen, daß, wenn der Wert einer Ware durch das während ihrer Produktion verausgabte Arbeitsquantum bestimmt ist, je fauler oder ungeschickter ein Mann, desto wertvoller seine Ware, weil er desto mehr Zeit zu ihrer Verfertigung braucht. Die Arbeit jedoch, welche die Substanz der Werte bildet, ist gleiche menschliche Arbeit, Verausgabung derselben menschlichen Arbeitskraft. Die gesamte Arbeitskraft der Gesellschaft, die sich in den Werten der Warenwelt darstellt, gilt hier als eine und dieselbe menschliche Arbeitskraft, obgleich sie aus zahllosen individuellen Arbeitskräften besteht. Jede dieser individuellen Arbeitskräfte ist dieselbe menschliche Arbeitskraft wie die andere, soweit sie den Charakter einer gesellschaftlichen Durchschnitts-Arbeitskraft besitzt und als solche gesellschaftliche Durchschnitts-Arbeitskraft wirkt, also in der Produktion einer Ware auch nur die im Durchschnitt notwendige oder gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit braucht. Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt, um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen. Nach der Einführung des Dampfwebstuhls in England z.B. genügte vielleicht halb so viel Arbeit als vorher, um ein gegebenes Quantum Garn in Gewebe zu verwandeln. Der englische Handweber brauchte zu dieser Verwandlung in der Tat nach wie vor dieselbe Arbeitszeit, aber das Produkt seiner individuellen Arbeitsstunde stellte jetzt nur noch eine halbe gesellschaftliche Arbeitsstunde dar und fiel daher auf die Hälfte seines frühern Werts.
Es ist also nur das Quantum gesellschaftlich notwendiger Arbeit oder die zur Herstellung eines Gebrauchswerts gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, welche seine Wertgröße bestimmt. Die einzelne Ware gilt hier überhaupt als Durchschnittsexemplar ihrer Art. Waren, worin gleich große Arbeitsquanta enthalten sind oder die in derselben Arbeitszeit hergestellt werden können, haben daher dieselbe Wertgröße. Der Wert einer Ware verhält sich zum Wert jeder andren Ware wie die zur Produktion der einen notwendige Arbeitszeit zu der für die Produktion der andren notwendigen Arbeitszeit. "Als Werte sind alle Waren nur bestimmte Maße festgeronnener Arbeitszeit."
Die Wertgröße einer Ware bliebe daher konstant, wäre die zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit konstant. Letztere wechselt aber mit jedem Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit. Die Produktivkraft der Arbeit ist durch mannigfache Umstände bestimmt, unter anderen durch den Durchschnittsgrad des Geschickes der Arbeiter, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft und ihrer technologischen Anwendbarkeit, die gesellschaftliche Kombination des Produktionsprozesses, den Umfang und die Wirkungsfähigkeit der Produktionsprozesses, und durch Naturverhältnisse. Dasselbe Quantum Arbeit stellt sich z.B. mit günstiger Jahreszeit in 8 Bushel Weizen dar, mit ungünstiger in nur 4. Dasselbe Quantum Arbeit liefert mehr Metalle in reichhaltigen als in armen Minen usw. Diamanten kommen selten in der Erdrinde vor, und ihre Findung kostet daher im Durchschnitt viel Arbeitszeit. Folglich stellen sie in wenig Volumen viel Arbeit dar. Jacob bezweifelt, daß Gold jemals seinen vollen Wert bezahlt hat. Noch mehr gilt dies vom Diamant. Nach Eschwege hatte 1823 die achtzigjährige Gesamtausbeute der brasilischen Diamantgruben noch nicht den Preis des 11/2jährigen Durchschnittsprodukts der brasilischen Zucker oder Kaffeepflanzungen erreicht, obgleich sie viel mehr Arbeit darstellte, also mehr Wert. Mit reichhaltigeren Gruben würde dasselbe Arbeitsquantum sich in mehr Diamanten darstellen und ihr Wert sinken. Gelingt es, mit wenig Arbeit Kohle in Diamant zu verwandeln, so kann sein Wert unter den von Ziegelsteinen fallen. Allgemein: Je größer die Produktivkraft der Arbeit, desto kleiner die zur Herstellung eines Artikels erheischte Arbeitszeit, desto kleiner die in ihm kristallisierte Arbeitsmasse, desto kleiner sein Wert. Umgekehrt, je kleiner die Produktivkraft der Arbeit, desto größer die zur Herstellung eines Artikels notwendige Arbeitszeit, desto größer sein Wert. Die Wertgröße einer Ware wechselt also direkt wie das Quantum und umgekehrt wie die Produktivkraft der sich in ihr verwirklichenden Arbeit. <1. Auflage folgt: Wir kennen jetzt die Substanz des Werts. Es ist die Arbeit. Wir kennen sein Größenmaß. Es ist die Arbeitszeit. Seine Form, die den Wert eben zum Tausch-Wert stempelt, bleibt zu analysieren. Vorher jedoch sind die bereits gefundenen Bestimmungen etwas näher zu entwickeln.>
Ein Ding kann Gebrauchswert sein, ohne Wert zu sein. Es ist dies der Fall, wenn sein Nutzen für den Menschen nicht durch Arbeit vermittelt ist. So Luft, jungfräulicher Boden, natürliche Wiesen, wildwachsendes Holz usw. Ein Ding kann nützlich und Produkt menschlicher Arbeit sein, ohne Ware zu sein. Wer durch sein Produkt sein eignes Bedürfnis befriedigt, schafft zwar Gebrauchswert, aber nicht Ware. Um Ware zu produzieren, muß er nicht nur Gebrauchswert produzieren, sondern Gebrauchswert für andre, gesellschaftliche Gebrauchswert. {Und nicht nur für andre schlechthin. Der mittelalterlichen Bauer produzierte das Zinskorn für den Feudalherrn, das Zehntkorn für den Pfaffen. Aber weder Zinskorn noch Zehnkorn wurden dadurch Ware, daß sie für andre produziert waren. Um Ware zu werden, muß das Produkt dem andern, dem es als Gebrauchswert dient, durch den Austausch übertragen werden.} Endlich kann kein Ding Wert sein, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein. Ist es nutzlos, so ist auch die in ihm enthaltene Arbeit nutzlos, zählt nicht als Arbeit und bildet daher keinen Wert.
Ursprünglich erschien uns die Ware als ein Zwieschlächtiges, Gebrauchswert und Tauschwert. Später zeigte sich, daß auch die Arbeit, soweit sie im Wert ausgedrückt ist, nicht mehr dieselben Merkmale besitzt, die ihr als Erzeugerin von Gebrauchswerten zukommen. Diese zwieschlächtige Natur der in der Ware enthaltenen Arbeit ist zuerst von mir kritisch nachgewiesen worden. Da dieser Punkt der Springpunkt ist, um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht, soll er hier näher beleuchtet werden.
Der Rock ist ein Gebrauchswert, der ein besonderes Bedürfnis befriedigt. Um ihn hervorzubringen, bedarf es einer bestimmten Art produktiver Tätigkeit. Sie ist bestimmt durch ihren Zweck, Operationsweise, Gegenstand, Mittel und Resultat. Die Arbeit, deren Nützlichkeit sich so im Gebrauchswert ihres Produkts oder darin darstellt, daß ihr Produkt ein Gebrauchswert ist, nennen wir kurzweg nützliche Arbeit. Unter diesem Gesichtspunkt wird sie stets betrachtet mit Bezug auf ihren Nutzeffekt.
Wie Rock und Leinwand qualitativ verschiedne Gebrauchswerte, so sind die ihr Dasein vermittelnden Arbeiten qualitativ verschieden - Schneiderei und Weberei. Wären jene Dinge nicht qualitativ verschiedne Gebrauchswerte und daher Produkte qualitativ verschiedner nützlicher Arbeiten, so könnten sie sich überhaupt nicht als Waren gegenübertreten. Rock tauscht sich nicht aus gegen Rock, derselbe Gebrauchswert nicht gegen denselben Gebrauchswert.
In der Gesamtheit der verschiedenartigen Gebrauchswerte oder Warenkörper erscheint eine Gesamtheit ebenso mannigfaltiger, nach Gattung, Art, Familie, Unterart, Varietät verschiedner nützlicher Arbeiten - eine gesellschaftliche Teilung der Arbeit. Sie ist Existenzbedingung der Warenproduktion, obgleich Warenproduktion nicht umgekehrt die Existenzbedingung gesellschaftlicher Arbeitsteilung. In der altindischen Gemeinde ist die Arbeit gesellschaftlich geteilt, ohne daß die Produkte zu Waren werden. Oder, ein näher liegendes Beispiel, in jeder Fabrik ist die Arbeit systematisch geteilt, aber diese Teilung nicht dadurch vermittelt, daß die Arbeiter ihre individuellen Produkte austauschen. Nur Produkte selbständiger und voneinander unabhängiger Privatarbeiten treten einander als Waren gegenüber.
Man hat also gesehn: in dem Gebrauchswert jeder Ware steckt eine bestimmte zweckmäßig produktive Tätigkeit oder nützliche Arbeit. Gebrauchswerte können sich nicht als Waren gegenübertreten, wenn nicht qualitativ verschiedne nützliche Arbeiten in ihnen stecken. In einer Gesellschaft, deren Produkte allgemein die Form der Ware annehmen, d.h. in einer Gesellschaft von Warenproduzenten, entwickelt sich dieser qualitative Unterschied der nützlichen Arbeiten, welche unabhängig voneinander als Privatgeschäfte selbständiger Produzenten betrieben werden, zu einem vielgliedrigen System, zu einer gesellschaftlichen Teilung der Arbeit.
Dem Rock ist es übrigens gleichgültig, ob er vom Schneider oder vom Kunden des Schneiders getragen wird. In beiden Fällen wirkt er als Gebrauchswert. Ebensowenig ist das Verhältnis zwischen dem Rock und der ihn produzierenden Arbeit an und für sich dadurch verändert, daß die Schneiderei besondre Profession wird, selbständiges Glied der gesellschaftlichen Teilung der Arbeit. Wo ihn das Kleidungsbedürfnis zwang, hat der Mensch jahrtausendelang geschneidert, bevor aus einem Menschen ein Schneider ward. Aber das Dasein von Rock, Leinwand, jedem nicht von Natur vorhandnen Element des stofflichen Reichtums, mußte immer vermittelt sein durch eine spezielle, zweckmäßig produktive Tätigkeit, die besondere Naturstoffe besondren menschlichen Bedürfnissen assimiliert. Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als nützliche Arbeit, ist die Arbeit daher eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln.
Die Gebrauchswerte Rock, Leinwand usw., kurz die Warenkörper, sind Verbindungen von zwei Elementen, Naturstoff und Arbeit. Zieht man die Gesamtsumme aller verschiednen nützlichen Arbeiten ab, die in Rock, Leinwand usw. stecken, so bleibt stets ein materielles Substrat zurück, das ohne Zutun des Menschen von Natur vorhanden ist. Der Mensch kann in seiner Produktion nur verfahren, wie die Natur selbst, d.h. nur die Formen der Stoffe ändern. Noch mehr. In dieser Arbeit der Formung selbst wird er beständig unterstützt von Naturkräften. Arbeit ist also nicht der einzige Quelle der von ihr produzierten Gebrauchswerte, des stofflichen Reichtums. Die Arbeit ist sein Vater, wie William Petty sagt, und die Erde seine Mutter.
Gehen wir nun von der Ware, soweit sie Gebrauchsgegenstand, über zum Waren-Wert.
Nach unsrer Unterstellung hat der Rock den doppelten Wert der Leinwand. Dies ist aber nur ein quantitativer Unterschied, der uns zunächst noch nicht interessiert. Wir erinnern daher, daß, wenn der Wert eines Rockes doppelt so groß als der von 10 Ellen Leinwand, 20 Ellen Leinwand dieselbe Wertgröße haben wie ein Rock. Als Werte sind Rock und Leinwand Dinge von gleicher Substanz, objektive Ausdrücke gleichartiger Arbeit. Aber Schneiderei und Weberei sind qualitativ verschiedne Arbeiten. Es gibt jedoch Gesellschaftszustände, worin derselbe Mensch abwechselnd schneidert und webt, diese beiden verschiednen Arbeitsweisen daher nur Modifikationen der Arbeit desselben Individuums und noch nicht besondre feste Funktionen verschiedner Individuen sind, ganz wie der Rock, den unser Schneider heute, und die Hosen, die er morgen macht, nur Variationen derselben individuellen Arbeit voraussetzen. Der Augenschein lehrt ferner, daß in unsrer kapitalistischen Gesellschaft, je nach der wechselnden Richtung der Arbeitsnachfrage, eine gegebene Portion menschlicher Arbeit abwechselnd in der Form von Schneiderei oder in der Form von Weberei zugeführt wird. Dieser Formwechsel der Arbeit mag nicht ohne Friktion abgehn, aber er muß gehn. Sieht man ab von der Bestimmtheit der produktiven Tätigkeit und daher vom nützlichen Charakter der Arbeit, so bleibt das an ihr, daß sie eine Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ist. Schneiderei und Weberei, obgleich qualitativ verschiedne produktive Tätigkeiten, sind beide produktive Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand usw., und in diesem Sinn beide menschliche Arbeit. Es sind nur zwei verschiedne Formen, menschliche Arbeitskraft zu verausgaben. Allerdings muß die menschliche Arbeitskraft selbst mehr oder minder entwickelt sein, um in dieser oder jener Form verausgabt zu werden. Der Wert der Ware aber stellt menschliche Arbeit schlechthin dar, Verausgabung menschlicher Arbeit überhaupt. Wie nun in der bürgerlichen Gesellschaft ein General oder Bankier eine große, der Mensch schlechthin dagegen eine sehr schäbige Rolle spielt , so steht es auch hier mit der menschlichen Arbeit. Sie ist Verausgabung einfacher Arbeitskraft, die im Durchschnitt jeder gewöhnliche Mensch, ohne besondere Entwicklung, in seinem leiblichen Organismus besitzt. Die einfache Durchschnittsarbeit selbst wechselt zwar in verschiednen Ländern und Kulturepochen ihren Charakter, ist aber in einer vorhandnen Gesellschaft gegeben. Kompliziertere Arbeit gilt nur als potenzierte oder vielmehr multiplizierte einfache Arbeit, so daß ein kleineres Quantum komplizierter Arbeit gleich einem größeren Quantum einfacher Arbeit. Daß diese Reduktion beständig vorgeht, zeigt die Erfahrung. Eine Ware mag das Produkt der kompliziertesten Arbeit sein, ihr Wert setzt sie dem Produkt einfacher Arbeit gleich und stellt daher selbst nur ein bestimmtes Quantum einfacher Arbeit dar. Die verschiednen Proportionen, worin verschiedne Arbeitsarten auf einfache Arbeit als ihre Maßeinheit reduziert sind, werden durch einen gesellschaftlichen Prozeß hinter dem Rücken der Produzenten festgesetzt und scheinen ihnen daher durch das Herkommen gegeben. Der Vereinfachung halber gilt uns im Folgenden jede Art Arbeitskraft unmittelbar für einfache Arbeitskraft, wodurch nur die Mühe der Reduktion erspart wird.
Wie also in den Werten Rock und Leinwand von dem Unterschied ihrer Gebrauchswerte abstrahiert ist, so in den Arbeiten, die sich in diesen Werten darstellen, von dem Unterschied ihrer nützlichen Formen, der Schneiderei und Weberei. Wie die Gebrauchswerte Rock und Leinwand Verbindungen zweckbestimmter, produktiver Tätigkeiten mit Tuch und Garn sind, die Werte Rock und Leinwand dagegen bloße gleichartige Arbeitsgallerten, so gelten auch die in diesen Werten enthaltenen Arbeiten nicht durch ihr produktives Verhalten zu Tuch und Garn, sondern nur als Verausgabungen menschlicher Arbeitskraft. Bildungselemente der Gebrauchswerte Rock und Leinwand sind Schneiderei und Weberei eben durch ihre verschiednen Qualitäten; Substanz des Rockwerts und Leinwandwerts sind sie nur, soweit von ihrer besondren Qualität abstrahiert und beide gleiche Qualität besitzen, die Qualität menschlicher Arbeit.
Rock und Leinwand sind aber nicht nur Werte überhaupt, sondern Werte von bestimmter Größe, und nach unsrer Unterstellung ist der Rock doppelt soviel wert als 10 Ellen Leinwand. Woher diese Verschiedenheit ihre Wertgrößen? Daher, daß die Leinwand nur halb soviel Arbeit enthält als der Rock, so daß zur Produktion des letzteren die Arbeitskraft während doppelt soviel Zeit verausgabt werden muß als zur Produktion der erstern.
Wenn also mit Bezug auf den Gebrauchswert die in der Ware enthaltene Arbeit nur qualitativ gilt, gilt sie mit Bezug auf die Wertgröße nur quantitativ, nachdem sie bereits auf menschliche Arbeit ohne weitere Qualität reduziert ist. Dort handelt es sich um das Wie und Was der Arbeit, hier um ihr Wieviel, ihre Zeitdauer. Da die Wertgröße einer Ware nur das Quantum der in ihr enthaltenen Arbeit darstellt, müssen Waren in gewisser Proportion stets gleich große Werte sein.
Bleibt die Produktivkraft, sage aller zur Produktion eines Rocks erheischten nützlichen Arbeiten unverändert, so steigt die Wertgröße der Röcke mit ihrer eignen Quantität. Wenn 1 Rock x, stellen 2 Röcke 2 x Arbeitstage dar usw. Nimm aber an, die zur Produktion eines Rocks notwendige Arbeit steige auf das Doppelte oder falle um die Hälfte. Im ersten Fall hat ein Rock soviel Wert als vorher zwei Röcke, im letztern Fall haben zwei Röcke nur soviel Wert als vorher einer, obgleich in beiden Fällen ein Rock nach wie vor dieselben Dienste leistet und die in ihm enthaltene nützliche Arbeit nach wie vor von derselben Güte bleibt. Aber das in seiner Produktion verausgabte Arbeitsquantum hat sich verändert.
Ein größres Quantum Gebrauchswert bildet an und für sich größren stofflichen Reichtum, zwei Röcke mehr als einer. Mit zwei Röcken kann man zwei Menschen kleiden, mit einem Rock nur einen Menschen usw. Dennoch kann der steigenden Masse des stofflichen Reichtums ein gleichzeitiger Fall seiner Wertgröße entsprechen. Diese gegensätzliche Bewegung entspringt aus dem zwieschlächtigen Charakter der Arbeit. Produktivkraft ist natürlich stets Produktivkraft nützlicher, konkreter Arbeit und bestimmt in der Tat nur den Wirkungsgrad zweckmäßiger produktiver Tätigkeit in gegebnem Zeitraum. Die nützliche Arbeit wird daher reichere oder dürftigere Produktenquelle im direkten Verhältnis zum Steigen oder Fallen ihrer Produktivkraft. Dagegen trifft ein Wechsel der Produktivkraft die im Wert dargestellte Arbeit an und für sich gar nicht. Da die Produktivkraft der konkreten nützlichen Form der Arbeit angehört, kann sie natürlich die Arbeit nicht mehr berühren, sobald von ihrer konkreten nützlichen Form abstrahiert wird. Dieselbe Arbeit ergibt daher in denselben Zeiträumen stets dieselbe Wertgröße, wie immer die Produktivkraft wechsle. Aber sie liefert in demselben Zeitraum verschiedene Quanta Gebrauchswerte, mehr, wenn die Produktivkraft steigt, weniger, wenn sie sinkt. Derselbe Wechsel der Produktivkraft, der die Fruchtbarkeit der Arbeit und daher die Masse der von ihr gelieferten Gebrauchswerte vermehrt, vermindert also die Wertgröße dieser vermehrten Gesamtmasse, wenn er die Summe der zu ihrer Produktion notwendigen Arbeitszeit abkürzt. Ebenso umgekehrt.
Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert. Alle Arbeit ist andrerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besondrer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.
Waren kommen zur Welt in der Form von Gebrauchswerten oder Warenkörpern, als Eisen, Leinwand, Weizen usw. Es ist dies ihre hausbackene Naturalform. Sie sind jedoch nur Waren, weil Doppeltes, Gebrauchsgegenstände und zugleich Wertträger. Sie erscheinen daher nur als Waren oder besitzen nur die Form von Waren, sofern sie Doppelform besitzen, Naturalform und Wertform.
Die Wertgegenständlichkeit der Waren unterscheidet sich dadurch von der Wittib Hurtig, daß man nicht weiß, wo sie zu haben ist. Im graden Gegenteil zur sinnlich groben Gegenständlichkeit der Warenkörper geht kein Atom Naturstoff in ihre Wertgegenständlichkeit ein. Man mag daher eine einzelne Ware drehen und wenden, wie man will, sie bleibt unfaßbar als Wertding. Erinnern wir uns jedoch, daß die Waren nur Wertgegenständlichkeit besitzen, sofern sie Ausdrücke derselben gesellschaftlichen Einheit, menschlicher Arbeit, sind, daß ihre Wertgegenständlichkeit also rein gesellschaftlich ist, so versteht sich auch von selbst, daß sie nur im gesellschaftlichen Verhältnis von Ware zu Ware erscheinen kann. Wir gingen in der Tat vom Tauschwert oder Austauschverhältnis der Waren aus, um ihrem darin versteckten Wert auf die Spur zu kommen. Wir müssen jetzt zu dieser Erscheinungsform des Wertes zurückkehren.
Jedermann weiß, wenn er auch sonst nichts weiß, daß die Waren eine mit den bunten Naturalformen ihrer Gebrauchswerte höchst frappant kontrastierende, gemeinsame Wertform besitzen - die Geldform. Hier gilt es jedoch zu leisten, was von der bürgerlichen Ökonomie nicht einmal versucht ward, nämlich die Genesis dieser Geldform nachzuweisen, also die Entwicklung des im Wertverhältnis der Waren enthaltenen Wertausdrucks von seiner einfachsten unscheinbarsten Gestalt bis zur blendenden Geldform zu verfolgen. Damit verschwindet zugleich das Geldrätsel.
Das einfachste Wertverhältnis ist offenbar das Wertverhältnis einer Ware zu einzigen verschiedenartigen Ware, gleichgültig welcher. Das Wertverhältnis zweier Waren liefert daher den einfachsten Wertausdruck für eine Ware.
A) Einfache, einzelne oder zufällige Wertform
1. Die beiden Pole des Wertausdrucks: Relative Wertform und Äquivalentform
Das Geheimnis aller Wertform steckt in dieser einfachen Wertform. Ihre Analyse bietet daher die eigentliche Schwierigkeit.
Es spielen hier zwei verschiedenartige Waren A und B, in unsrem Beispiel Leinwand und Rock, offenbar zwei verschiedene Rollen. Die Leinwand drückt ihren Wert aus im Rock, der Rock dient zum Material dieses Wertausdrucks. Die erste Ware spielt eine aktive, die zweite eine passive Rolle. Der Wert der ersten Ware ist als relativer Wert dargestellt, oder sie befindet sich in relativer Wertform. Die zweite Ware funktioniert als Äquivalent oder befindet sich in Äquivalentform.
Ob eine Ware sich nun in relativer Wertform befindet oder in der entgegengesetzten Äquivalentform, hängt ausschließlich ab von ihrer jedesmaligen Stelle im Wertausdruck, d.h. davon, ob sie die Ware ist, deren Wert, oder aber die Ware, worin Wert ausgedrückt wird.
2. Die relative Wertform
a) Gehalt der relativen Wertform
Um herauszufinden, wie der einfache Wertausdruck einer Ware im Wertverhältnis zweier Waren steckt, muß man letzteres zunächst ganz unabhängig von seiner quantitativen Seite betrachten. Man verfährt meist grade umgekehrt und sieht im Wertverhältnis nur die Proportion, worin bestimmte Quanta zweier Warensorten einander gleichgelten. Man übersieht, daß die Größen verschiedner Dinge erst quantitativ vergleichbar werden nach ihrer Reduktion auf dieselbe Einheit. Nur als Ausdrücke derselben Einheit sind sie gleichnamige, daher kommensurable Größen.
Aber die zwei qualitativ gleichgesetzten Waren spielen nicht dieselbe Rolle. Nur der Wert der Leinwand wird ausgedrückt. Und wie? Durch ihre Beziehung auf den Rock als ihr "Äquivalent" oder mit ihr "Austauschbares". In diesem Verhältnis gilt der Rock als Existenzform von Wert, als Wertding, denn nur als solches ist er dasselbe wie die Leinwand. Andrerseits kommt das eigne Wertsein der Leinwand zum Vorschein oder erhält einen selbständigen Ausdruck, denn nur als Wert ist sie auf den Rock als Gleichwertiges oder mit ihr Austauschbares bezüglich. So ist die Buttersäure ein vom Propylformat verschiedner Körper. Beide bestehn jedoch aus denselben chemischen Substanzen - Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O), und zwar in gleicher prozentiger Zusammensetzung, nämlich C4H8O2. Würde nun der Buttersäure das Propylformat gleichgesetzt, so gälte in diesem Verhältnis erstens das Propylformat bloß als Existenzform von C4H8O2 und zweitens wäre gesagt, daß auch die Buttersäure aus C4H8O2 besteht. Durch die Gleichsetzung des Propylformats mit der Buttersäure wäre also ihre chemische Substanz im Unterschied von ihrer Körperform ausgedrückt.
Sagen wir: als Werte sind die Waren bloße Gallerten menschlicher Arbeit, so reduziert unsre Analyse dieselben auf die Wertabstraktion, gibt ihnen aber keine von ihren Naturalformen verschiedne Wertform. Anders im Wertverhältnis einer Ware zur andern. Ihr Wertcharakter tritt hier hervor durch ihre eigne Beziehung zu der andern Ware.
Indem z.B. der Rock als Wertding der Leinwand gleichgesetzt wird, wird die in ihm steckende Arbeit der in ihr steckenden Arbeit gleichgesetzt. Nun ist zwar die Schneiderei, die den Rock macht, eine von der Weberei, die die Leinwand macht, verschiedenartiger konkrete Arbeit. Aber die Gleichsetzung mit der Weberei reduziert die Schneiderei tatsächlich auf das in beiden Arbeiten wirklich Gleiche, auf ihren gemeinsamen Charakter menschlicher Arbeit. Auf diesem Umweg ist dann gesagt, daß auch die Weberei, sofern sie Wert webt, keine Unterscheindungsmerkmale von der Schneiderei besitzt, also abstrakt menschliche Arbeit ist. Nur der Äquivalenzausdruck verschiedenartiger Waren bringt den spezifischen Charakter der wertbildenden Arbeit zum Vorschein, indem er die in den verschiedenartigen Waren steckenden, verschiedenartigen Arbeiten tatsächlich auf ihr Gemeinsames reduziert, auf menschliche Arbeit überhaupt.
Es genügt indes nicht, den spezifische Charakter der Arbeit auszudrücken, woraus der Wert der Leinwand besteht. Menschliche Arbeitskraft im flüssigen Zustand oder menschliche Arbeit bildet Wert, aber ist nicht Wert. Sie wird Wert in geronnenem Zustand, in gegenständlicher Form. Um den Leinwandwert als Gallerte menschlicher Arbeit auszudrük- ken, muß er als eine "Gegenständlichkeit" ausgedrückt werden, welche von der Leinwand selbst dinglich verschieden und ihr zugleich mit andrer Ware gemeinsam ist. Die Aufgabe ist bereits gelöst.
Im Wertverhältnis der Leinwand gilt der Rock als ihr qualitativ Gleiches, als Ding von derselben Natur, weil er ein Wert ist. Er gilt hier daher als ein Ding, worin Wert erscheint oder welches in seiner handgreiflichen Naturalform Wert darstellt. Nun ist zwar der Rock, der Körper der Rockware, ein bloßer Gebrauchswert. Ein Rock drückt ebensowenig Wert aus als das erste beste Stück Leinwand. Dies beweist nur, daß er innerhalb des Wertverhältnisses zur Leinwand mehr bedeutet als außerhalb desselben, wie so mancher Mensch innerhalb eines galonierten Rockes mehr bedeutet als außerhalb desselben.
In der Produktion des Rockes ist tatsächlich, unter der Form der Schneiderei, menschliche Arbeitskraft verausgabt worden. Es ist also menschliche Arbeit in ihm aufgehäuft. Nach dieser Seite hin ist der Rock "Träger von Wert", obgleich diese seine Eigenschaft selbst durch seine größte Fadenscheinigkeit nicht durchblickt. Und im Wertverhältnis der Leinwand gilt er nur nach dieser Seite, daher als verkörperter Wert, als Wertkörper. Trotz seiner zugeknöpften Erscheinung hat die Leinwand in ihm die stammverwandte schöne Wertseele erkannt. Der Rock kann ihr gegenüber jedoch nicht Wert darstellen, ohne daß für sie gleichzeitig der Wert die Form eines Rockes annimmt. So kann sich das Individuum A nicht zum Individuum B als einer Majestät verhalten, ohne daß für A die Majestät zugleich die Leibesgestalt von B annimmt und daher Gesichtszüge, Haare und manches andre noch mit dem jedesmaligen Landesvater wechselt.
Im Wertverhältnis, worin der Rock das Äquivalent der Leinwand bildet, gilt also die Rockform als Wertform. Der Wert der Ware Leinwand wird daher ausgedrückt im Körper der Ware Rock, der Wert einer Ware im Gebrauchswert der andren. Als Gebrauchswert ist die Leinwand ein vom Rock sinnlich verschiednes Ding, als Wert ist sie "Rockgleiches" und sieht daher aus wie ein Rock. So erhält sie eine von ihrer Naturalform verschiedne Wertform. Ihr Wertsein erscheint in ihrer Gleichheit mit dem Rock wie die Schafsnatur des Christen in seiner Gleichheit mit dem Lamm Gottes.
Man sieht, alles, was uns die Analyse des Warenwerts vorher sagte, sagt die Leinwand selbst, sobald sie in Umgang mit andrer Ware, dem Rock, tritt. Nur verrät sie ihre Gedanken in der ihr allein geläufigen Sprache, der Warensprache. Um zu sagen, daß die Arbeit in der abstrakten Eigenschaft menschlicher Arbeit ihren eignen Wert bildet, sagt sie, daß der Rock, soweit er ihr gleichgilt, also Wert ist, aus derselben Arbeit besteht wie die Leinwand. Um zu sagen, daß ihre sublime Wertgegenständlichkeit von ihrem steifleinenen Körper verschieden ist, sagt sie, daß Wert aussieht wie ein Rock und daher sie selbst als Wertding dem Rock gleicht wie ein Ei dem andern. Nebenbei bemerkt, hat auch die Warensprache, außer dem Hebräischen, noch viele andre mehr oder minder korrekte Mundarten. Das deutsche "Wertsein" drückt z.B. minder schlagend aus als das romanische Zeitwort valere, valer, valoir, daß Gleichsetzung der Ware B mit der Ware der eigne Wertausdruck der Ware A ist. Paris vaut bien une messe! <Paris ist eine Messe wert!>
Vermittelst des Wertverhältnisses wird also die Naturalform der Ware B zur Wertform der Ware A oder der Körper der Ware B zum Wertspiegel der Ware A. Indem sich die Ware A auf die Ware B als Wertkörper bezieht, als Materiatur menschlicher Arbeit, macht sie den Gebrauchswert B zum Material ihres eignen Wertausdrucks. Der Wert der Ware A, so ausgedrückt im Gebrauchswert der Ware B, besitzt die Form des relativen Werts.
