Der Gefangene und sein Wächter - Daniel van Hoogen - E-Book
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Der Gefangene und sein Wächter E-Book

Daniel van Hoogen

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Beschreibung

Die Kurzgeschichte „Der Gefangene und sein Wächter“ erzählt von einem 12-jährigen Jungen, der in einem sterilen, kalten Raum erwacht, ohne zu wissen, warum er dort ist oder wer ihn entführt hat. Der Wächter, der für die Überwachung des Jungen verantwortlich ist, steht unter den strengen Anweisungen seiner Auftraggeber. Doch während er den Jungen beobachtet, kommen ihm Zweifel.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Der Gefangene und sein Wächter

 

 

 

Eine Kurzgeschichte von

Daniel van Hoogen

Dezember 2024

 

Der Gefangene

 

 

Ich friere. Oh Mann, ist das kalt!

 

Ich bewege mich ein bisschen und spüre die raue Matratze unter mir. Ich öffne die Augen, und mein Blick fällt zuerst auf das grelle Licht einer Glühbirne an der Decke. Ich brauche einen Moment, um wach zu werden. Den Raum kenne ich nicht, hier war ich noch nie. Alles ist weiß. Weiße Wände, die aussehen, als wären sie lackiert und nicht tapeziert. Der Boden ist aus Fliesen, sauber, fast wie im Krankenhaus.

 

Ich schaue nach rechts. Da ist eine Tür. Keine Klinke, nur eine glatte Fläche mit einer kleinen Klappe in der Mitte. Eine Durchreiche. In einer Tür? Ein Schuhkarton würde durchpassen. Ich setze mich auf. Der Raum ist eiskalt. Ich merke erst jetzt, dass ich nackt bin. Kein Shirt, keine Hose, nichts. Sofort ziehe ich die Arme an meinen Körper.

 

Oben in der linken Ecke ist eine Kamera installiert. Sie hat ein grünes, blinkendes Licht.

Auf dem Bett liegt am Fußende Kleidung. Ich nehme sie, es ist ein weißer Overall. Ich ziehe ihn über, er ist mindestens eine Nummer zu groß. Aber besser, als nackt in dieser Kälte zu sitzen. Ich schaue nochmal durch den Raum. Neben mir ist ein Nachttisch. Keine Fenster. Keine Heizung.

 

„Hallo?“

 

Nichts. Keine Antwort. Nur die Kamera, die grün blinkt. Das bedeutet doch, dass sie an ist? Wenn mich durch die Kamera jemand beobachtet, müsste er mich auch hören, oder?

 

Wo bin ich hier? Vielleicht ein Krankenhaus? Aber es sieht nicht aus wie ein Krankenhauszimmer in einem Film. Oder wie das, wo ich mal wegen meines gebrochenen Armes war. Die Tür hat keine Klinke. Ich könnte die von hier drinnen gar nicht öffnen. Und es gibt keine Fenster. Ich finde, das sieht hier eher nach einem Gefängnisraum aus. Bei dem Gedanken bekomme ich eine Gänsehaut über den ganzen Körper.

 

Aber warum sollte ich eingesperrt werden?

 

Wurde ich entführt? Aber warum ausgerechnet ich? Ich bin doch niemand Besonderes. Meine Eltern haben kein Geld und sind keine berühmten Leute. Wie sollten die Lösegeld für mich bezahlen?

 

„Nein, das ergibt keinen Sinn“, sage ich leise zu mir selbst. Oder ist es was ganz anderes? Ein Test? Ein Experiment? Ich schüttle den Kopf. Das klingt wie so eine dumme Geschichte aus einem Film, nichts, was wirklich passiert. Mein Herz schlägt schneller, als mir etwas anderes durch den Kopf geht. Manche Kinder werden entführt und … ich will den Gedanken nicht zu Ende denken. Für Sachen, die man nur in den Nachrichten hört.

 

„Nein“, sage ich laut zu mir selbst. „Das passiert nicht. Das hier ist … das ist ein Fehler.“

 

Ich setze mich wieder auf das Bett, die Kamera im Blick. „Warum?“ flüstere ich,

 

„Hallo? Können Sie mich hören? Ich … äh, ich glaube, Sie haben da einen Fehler gemacht.“

 

Ich stehe auf und gehe näher an die Kamera heran. Ich muss denen da einfach sagen, dass es eine Verwechslung gegeben hat.

 

„Also, hören Sie bitte. Ich weiß nicht, warum ich hier bin, aber … aber ich glaube, Sie haben den Falschen erwischt. Meine Mutter arbeitet im Büro. Mein Vater in einer Autowerkstatt. Die haben kein Geld, okay? Wenn Sie Lösegeld wollen, wird das nichts. Die können Sie nicht bezahlen.“

 

Ich mache eine kurze Pause, hoffe, dass jemand antwortet. Aber da kommt nichts.

 

„Haben Sie vielleicht jemanden gesucht, der reich ist? Oder so einen Politiker-Sohn? Ich bin keiner von denen. Ich bin einfach … na ja, ich bin halt nur ich. Ganz normal.“

 

Ich schaue wieder zur Kamera. Das grüne Licht blinkt immer noch, als ob es mich nicht ernst nimmt.

 

„Und falls … falls es nicht um Geld geht …“ Ich merke, wie ich schlucken muss, aber ich will jetzt nicht aufhören. „Wenn Sie irgendwas anderes von mir wollen, dann sag ich Ihnen eins: Ich mache da nicht mit. Sie kriegen mich nicht so einfach. Ich werde mich wehren, kapiert?“

 

Meine Stimme klingt fester, als ich mich fühle. Ich gehe ein Stück zurück, setze mich wieder aufs Bett und verschränke die Arme.

 

„Also, denken Sie lieber nochmal nach“, flüstere ich. „Das hier ist doch alles ein blödes Missverständnis.“

 

Die Kamera blinkt weiter. Keine Antwort. Nur dieses dämliche grüne Licht.

 

 

Der Wächter

 

 

Was zum Teufel soll das? Das ist ein Kind! Ein kleiner Junge, vielleicht 10, höchstens 12 Jahre alt. Ein Kind?!

 

Ich lehne mich im Stuhl zurück und starre auf den Monitor. Das kann doch nur ein schlechter Scherz sein. Ich dachte, ich soll hier einen Erwachsenen beaufsichtigen – einen Mann, vielleicht gefährlich, vielleicht ein Krimineller, was auch immer. Aber doch kein verdammtes Kind! Was für einen Grund soll es denn geben, einen Jungen hier einzusperren? Seit wann sind wir hier eigentlich eine scheiß Kita?

 

Okay, gut. Es ist, wie es ist. Ich muss da jetzt erstmal durch, bis ich Antworten von oben bekomme.

 

Was macht der denn jetzt? Er spricht in die Kamera. Das Mikrofon ist aber aus. Ich will ihn jetzt auch nicht hören. Ich bin erstmal platt.

 

Neben dem Monitor liegen die Zettel mit Anweisungen in einer Ablage, umgedreht. Ich soll jeden Tag um 9 Uhr, 12 Uhr und um 18 Uhr einen Zettel nehmen und die Anweisungen dort befolgen. Es ist jetzt halb zehn. Dann nehme ich mal den ersten, den 9-Uhr-Zettel.

 

Initialisierung Ihres Einsatzes

 

- Befolgen Sie die Anweisungen auf den Tageseinsatzplänen nach dem Ihnen bekannten Zeitplan.
- Ihre Ablösung erfolgt in fünf Tagen.
- Täglich erscheint um acht Uhr morgens ein Kollege mit den Vorräten für den jeweiligen Tag.
- Beobachten Sie den Gefangenen mindestens alle zwei Stunden auf Ihrem Monitor.

 

Es ist von immenser Wichtigkeit, dass Sie keinen persönlichen Kontakt mit dem Gefangenen herstellen. Es ist Ihnen strikt untersagt, mit dem Gefangenen zu kommunizieren. Ebenso ist es Ihnen strikt untersagt, den Gefangenen aus dem Beobachtungsaum herauszulassen.

 

Einsatzleitung

 

Der „Gefangene“!

---ENDE DER LESEPROBE---