Der Notarzt 283 - Alexa Reichel - E-Book

Der Notarzt 283 E-Book

Alexa Reichel

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Beschreibung

Die Dämmerung bricht schon herein, als die neunzehnjährige Studentin Caroline Landvogt beschließt, noch einige Kilometer durch den nahe gelegenen Volkspark zu joggen.

Als sie weit entfernte Schritte hinter sich hört, denkt sich die junge Frau zunächst noch nichts dabei. Sicher nutzt ein anderer Student die abendliche Stille, um hier seine Runde zu drehen. Aber nach und nach holen die Schritte hinter ihr auf, und schlagartig wird Caroline bewusst, wie einsam sie hier ist. Die Spaziergänger und Eltern mit Kinderwagen sind längst verschwunden und in die Wärme ihrer Häuser zurückgekehrt; der Park liegt ganz verlassen da.

Caroline wird von Panik ergriffen und beschleunigt ihr Tempo. Hektisch überlegt sie, wie sie sich verhalten soll. Doch dann ist es plötzlich zu spät, um sich einen Fluchtplan zu überlegen, denn in dem Moment schließt der andere Läufer zu ihr auf ...

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Seitenzahl: 120

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Cover

Impressum

Ihr Hilferuf blieb ungehört

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: shutterstock/Halfpoint

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-4250-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Ihr Hilferuf blieb ungehört

Nach einem Überfall kämpft Dr. Kersten um Carolines Leben

Alexa Reichel

Die Dämmerung bricht schon herein, als die neunzehnjährige Studentin Caroline Landvogt beschließt, noch einige Kilometer durch den nahe gelegenen Volkspark zu joggen.

Als sie weit entfernte Schritte hinter sich hört, denkt sich die junge Frau zunächst noch nichts dabei. Sicher nutzt ein anderer Student die abendliche Stille, um hier seine Runde zu drehen. Aber nach und nach holen die Schritte hinter ihr auf, und schlagartig wird Caroline bewusst, wie einsam sie hier ist. Die Spaziergänger und Eltern mit Kinderwagen sind längst verschwunden und in die Wärme ihrer Häuser zurückgekehrt; der Park liegt ganz verlassen da.

Caroline wird von Panik ergriffen und beschleunigt ihr Tempo. Hektisch überlegt sie, wie sie sich verhalten soll. Doch dann ist es plötzlich zu spät, um sich einen Fluchtplan zu überlegen, denn in dem Moment schließt der andere Läufer zu ihr auf …

Caroline Landvogt stand in ihrem winzigen Wohnheimzimmer und bekämpfte einen Anflug von heftigem Heimweh. Das niederschmetternde Gefühl rollte so plötzlich über sie hinweg, dass es ihr für einen Augenblick schwerfiel, zu atmen. Ihr wurde schwindelig. Taumelnd nahm sie auf dem abgenutzten Bürostuhl Platz, der zur Grundausstattung des Zimmers gehörte.

Sämtliche Räume des Studentenwohnheims waren möbliert, und Caroline hatte Mühe, sich an die praktischen, aber hässlichen Möbel zu gewöhnen.

Überhaupt fiel es ihr schwer, sich an irgendetwas in ihrem neuen Leben zu gewöhnen. So lange hatte sie mit ihren Eltern diskutiert und gestritten, bis sie ihr endlich ihren Segen gegeben hatten, das elterliche Haus zu verlassen und in Frankfurt ihr Glück zu suchen.

Caroline hatte ihren Vater tief enttäuscht. Für ihn war immer klar gewesen, dass seine einzige Tochter den Familienbetrieb übernehmen würde. Aber noch nie hatte sich Caroline für landwirtschaftliche Geräte interessiert. Sie war außerdem zu zurückhaltend und zu wenig gewieft, um in der rauen Geschäftswelt bestehen zu können.

Nein, es war die viel bessere Entscheidung gewesen, das Familienunternehmen ihrem Cousin abzutreten. Nur so konnte sich die Neunzehnjährige endlich unabhängig von den Erwartungen der Eltern selbst finden. In ihrem Heimatdorf hatte jeder Caroline gekannt. Sie war schließlich die Tochter des Unternehmers Heinrich Landvogt! Hier in Frankfurt hingegen war sie eine von vielen.

Sie war ein durchschnittlich hübsches, durchschnittlich kluges, durchschnittlich fröhliches Mädchen, und es war nun an ihr, aus dieser Durchschnittlichkeit etwas Besonderes zu machen. Sie war sich sicher, dass das Leben auch ihr einiges zu bieten hatte. Und ihr Ziel war es, herauszufinden, wo ihr Glück und der Sinn ihrer Existenz zu finden waren.

Ihr Gedankenfluss wurde jäh unterbrochen, als aus dem Radio erneut die Meldung über den brutalen Mord an einem Polizisten kam. Seit zwei Tagen schien es in Frankfurt kein anderes Thema zu geben. Wirklich alle sprachen davon.

„… in einer Spielothek erschossen und erlag seinen Verletzungen noch am Tatort. Gesucht wird nach wie vor eine Zeugin, die von hinten auf einem Überwachungsvideo zu sehen ist. Vermutlich handelt es sich bei der Gesuchten um eine Besucherin der Spielothek, die den Vorfall beobachtete und nach dem Mord den Ort des Verbrechens fluchtartig verließ. Die Polizei bittet die Frau dringend, sich zu melden!“

Erschöpft erhob sich Caroline von dem quietschenden Bürostuhl, klickte das Internetradio aus und ging zum Fenster hinüber. Sie wollte nichts mehr von Morden an ihrem neuen Wohnort hören. Vermutlich hatte ein Drogenjunkie oder das Mitglied eines Motorradclubs den Polizisten erschossen.

Es gab rein gar nichts, was Carolines Studentenleben mit dieser verstörenden Unterwelt verband. Hier in ihrem Wohnheim gab es ganz andere Probleme.

Durch die Fensterscheibe konnte Caroline beobachten, wie ihre Zimmernachbarin das Gebäude verließ und in Richtung des Volksparks joggte. Wenigstens das hatte der triste Bau zu bieten: Es gab einen nahe gelegenen, riesigen Park, in dem Caroline ihre Sehnsucht nach Natur stillen konnte. Aber abgeerntete Felder, herbstliche Alleen und große Wiesen ersetzten keine Freundschaften. Seit Beginn ihres Studiums fühlte sich Caroline furchtbar allein.

Ihr Blick folgte der gleichaltrigen Mitstudentin. Von hinten sah sie aus wie Caroline selbst. Sie hatte die gleiche sportliche Statur, und das blonde Haar war ähnlich nachlässig zusammengebunden wie bei ihr. Sie beide würden locker für Schwestern durchgehen. Caroline wünschte sich, dass sie sich endlich näher kennenlernten, aber wann immer sie einen Versuch wagte, die Zimmernachbarin anzusprechen, war diese kurz angebunden und betont desinteressiert.

Zumindest wusste Caroline, dass die Mitstudentin Mirela hieß. Mirela hatte ihr erzählt, dass sie aus Rumänien kam. Dank eines Stipendiums durfte sie in Frankfurt studieren. Offenbar arbeitete sie nebenbei ziemlich viel. Caroline hörte sie oft mitten in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden von einem ihrer zahlreichen Nebenjobs nach Hause kommen.

Mirela studierte nicht Sozialpädagogik wie Caroline. Die ehrgeizige Rumänin hatte sich für das Fach „Wirtschaftswissenschaften“ entschieden. Mirela stand offenbar unter enormem Druck, Karriere zu machen. Die zwei Frauen hatten bislang nur wenige Sätze ausgetauscht, aber Caroline hatte herausgehört, dass es in Rumänien eine Großfamilie gab, die alle Hoffnungen auf Mirela setzte.

Bei Caroline ging es darum, ihren Eltern zu beweisen, dass sie es schaffen konnte und ihren Weg allein fand. Bei Mirela ging es darum, eine verwitwete Mutter und vier kleine Geschwister durchzufüttern.

Mirela war im Dunst des kühlen Herbstnachmittags verschwunden. Es klopfte zaghaft an Carolines Tür. Der Klang war so ungewohnt, dass die junge Frau zusammenzuckte. Seit sie vor drei Wochen hier eingezogen war, hatte niemand bei ihr vorbeigeschaut. Sie wusste nicht, wie die Klingel ihres Zimmers klang. Und auch das Klopfen an der Tür war ein Geräusch, das sie noch nicht kannte.

Etwas unsicher machte sie die Tür auf und erblickte draußen Max, einen Mitstudenten.

„Max!“ Caroline wusste nicht, wie sie auf seinen überraschenden Besuch reagieren sollte. Der gut aussehende, aber zurückhaltende Regensburger mit dem geheimnisvollen Blick war ihr schon beim Erstsemesterfrühstück aufgefallen. Sie hatte von Anfang an ganz unbewusst seine Nähe gesucht.

Caroline hatte sich unglaublich gefreut, dass Max etliche ihrer Kurse belegte. Wann immer sie ihn sah, machte ihr Herz einen verräterischen Sprung. Auch Max hatte seit ihrem Kennenlernen deutlich Sympathie signalisiert. Aber trotzdem war da eine spürbare Mauer zwischen ihnen.

Caroline traute sich nicht, den ersten Schritt zu machen. Immer noch wartete sie darauf, dass er ihr ein unmissverständliches Zeichen gab. Umso erfreuter war sie, dass Max nun völlig unerwartet vor ihr stand. Aus seinen graublauen Augen sah er sie fast zärtlich an. Er wollte etwas sagen, räusperte sich dann aber stattdessen, und sein Blick wurde wieder neutral.

„Ja?“, fragte Caroline. Die Hoffnung in ihrer Stimme war kaum zu überhören. Ein vorfreudiges Lächeln zauberte sich in ihr Gesicht. Vielleicht wollte Max sie auf einen Kaffee oder ein Glas Wein einladen? War es in Ordnung, ihn in sein Wohnheimzimmer zu begleiten? Oder sollte Caroline darauf bestehen, dass sie hier in ihren eigenen vier Wänden blieben?

Es gab ja zum Glück eine kleine Sitzecke mit zwei Sesseln. Sie konnte entspannte Musik auflegen und sehen, was sich noch im Kühlschrank fand. Ein paar Salzcracker und Käse hatte sie immer im Haus. Eine fast kindliche Freude durchfuhr sie. Endlich schien das Eis zwischen ihnen gebrochen. Dennoch zögerte sie.

Caroline war nicht ängstlich, und sie hatte zu Hause bereits zwei längere Beziehungen gehabt. Sie war also durchaus nicht unerfahren im Umgang mit Männern. Aber die Männer, mit denen sie bislang zu tun gehabt hatte, hatte sie allesamt ihr Leben lang gekannt.

Mit Boris, ihrem ersten Freund, war sie bereits in der gleichen Kindergartengruppe gewesen. Und Sven, mit dem sie das letzte Schuljahr über gegangen war, hatte seit der ersten Klasse mit ihr im Chor gesungen. Alles war vertraut, familiär und unverkrampft gewesen. Es hatte tausend Gesprächsthemen gegeben, an die man anknüpfen konnte.

Aber jetzt verspürte Caroline Überforderung. Sie wusste nichts von Max, außer, dass er aus Regensburg kam und das Gleiche wie sie studierte. Über was, um Himmels willen, sollte sie mit ihm reden? Ihr Lächeln welkte in ihrem Gesicht, und sie zog die Stirn in unglückliche Falten.

Max trat unsicher einen Schritt zurück.

„Du hast das Seminar vergessen“, sagte er. „Die anderen sitzen längst unten. Du bist die Einzige, die fehlt.“

Hitze schwappte in Carolines Gesicht. Vor lauter Heimweh und Selbstmitleid hatte sie ihren Stundenplan vergessen! Das war der Grund, warum Max nun plötzlich vor ihr stand. Er hatte nicht bei ihr geklopft, weil er mit ihr ausgehen wollte. Er hatte bei ihr geklopft, weil sie gerade ihr Seminar verpasste!

Die Situation war ihr derart peinlich, dass sie zu stottern begann.

„Ich … ich …“ Sie tastete fahrig nach ihrem Handy und ihrem Schreibblock. Zum Glück fand das Seminar hier im Studentenwohnheim statt und nicht wie sonst an der Uni.

Mit stolpernden Schritten folgte sie Max und betrat als Nachzüglerin den kargen Fernsehraum des Wohnheims.

Die anderen sieben Studenten saßen bereits und warteten. Auf dem Stuhl in der Mitte thronte die nette Heidi Solms, die als Privatdozentin den Kurs leitete.

Als die in ein papayagrünes Wollkleid gekleidete Sozialpädagogin die aufgelöste Caroline erblickte, zwinkerte sie ihr beschwichtigend zu. Es war nur menschlich, ein Seminar zu vergessen. Die Hauptsache war doch, dass die Studienanfängerin jetzt endlich da war!

Heidi Solms zupfte an ihrem gepunkteten Halstuch herum und zeigte auf den Boden. Hier hatte sie die Zusammenfassungen des Brainstormings ausgelegt, mit dem sie sich in der letzten Stunde beschäftigt hatten.

Es gab neongelb eingerahmte Schlagworte wie „Möbel“, „Dekoration“, „Aktivitäten“ oder „Gruppenmeetings“. Und es gab kleinere Unterpunkte wie „Videobeamer“, „Sitzecke“, „Kaffeeautomat“ und „Theke“.

Angeregt beugte sich die Studentengruppe über die zahlreichen Skizzen.

Ziel der sozialpädagogischen Übung war es, in dem arg heruntergekommenen und ungemütlichen Studentenwohnheim am Frankfurter Stadtrand einen Begegnungsraum einzurichten.

Viele der Bewohner beklagten sich darüber, dass das Leben im Wohnheim zu anonym und zu einsam sei. Es gab zu wenig Gemeinschaftsräume. Es gab im Haus zu wenig Zusammenhalt. Es war möglich, Tür an Tür zu leben und sich im Lauf eines Studienjahres überhaupt nicht zu treffen. Das wollte Heidi Solms ändern.

Als die Frankfurter Uni bei der erfahrenen Sozialpädagogin angefragt hatte, ob sie als externe Dozentin einen Kurs leiten wolle, hatte sie sofort begeistert zugesagt.

Nun ging es also darum, aus dem völlig verwaisten Fernsehraum einen attraktiven Treffpunkt zu machen. Es sollte ein ansprechender und fröhlicher Aufenthaltsraum werden. Es sollte ein Ort werden, an dem sich die Studenten einfinden konnten, wenn sie Kontakt wünschten.

Heidi und ihren Kursteilnehmern schwebte vor, ein Zimmer zu gestalten, wo es erwünscht war, sich anzusprechen. Sie setzten darauf, dass in ihrem geplanten Begegnungsraum Freundschaften einen Nährboden fanden, Erfahrungen ausgetauscht wurden und die Besucher gemeinsame Aktivitäten planten.

„Mir liegt der Schwerpunkt bei unserem Konzept zu sehr auf Gemeinschaft!“, wagte Max nun zu sagen. „Es fällt einem auch so hin und wieder die Decke auf den Kopf. Die Wohnheimzimmer sind klein, und man bekommt schnell Beklemmungsgefühle, auch wenn man nicht wirklich einsam ist. Oft wünsche ich mir, mein Buch in netter Atmosphäre zu Ende lesen zu können. Wenn der Begegnungsraum jedoch nur als Kontaktbüro gedacht ist, bleibt mir nichts anderes übrig, als doch in meinem Zimmer zu bleiben.“

Caroline Landvogt musterte den hübschen Regensburger unauffällig von der Seite. Ja, das war wohl das eigentliche Problem. Dieser Max war in Wahrheit ein Einzelgänger. Er hatte überhaupt kein Interesse an Gemeinschaft, Freundschaft oder gar einer Partnerin. Alles, was dieser Mann wollte, war, sich in Ruhe in seine Lektüre zu vertiefen. Wie lachhaft, dass Caroline sich allen Ernstes Chancen bei ihm ausgemalt hatte.

Max drehte den Kopf in ihre Richtung, und ertappt sah Caroline weg.

Die Geste verunsicherte den jungen Studenten. Seit Max Unfried die blonde Caroline zum ersten Mal gesehen hatte, war er unsterblich in sie verliebt. Aber er war nicht so erfahren wie die meisten Jungs seines Alters. Mit seinen achtzehn Jahren war Max wohl das, was man einen „Spätzünder“ nannte.

Das Mädchen, in das er zu Schulzeiten jahrelang unglücklich verliebt gewesen war, hatte sich nie für ihn interessiert und ihn wieder und wieder abblitzen lassen. Und Anja, mit der er seine ersten zaghaften Erfahrungen gesammelt hatte, war gleich nach dem Abi als Au-pair-Mädchen nach Australien abgedampft. Innerhalb kürzester Zeit war der Kontakt zwischen ihnen eingeschlafen.

Auf ihrer Internetseite hatte Max dann ein Foto von ihr in enger Umarmung mit einem braun gebrannten Surfer entdeckt. Das war das abrupte Ende ihrer noch jungen Beziehung gewesen.

Es war schon peinlich genug, dass Max als volljähriger Mann noch derart unerfahren war. Noch peinlicher war, dass er zu ungeschickt und schüchtern war, um diesen tragischen Zustand endlich zu ändern.

Er nahm sich immer wieder aufs Neue vor, Caroline einzuladen, ihr ein Kompliment zu machen und sie außerhalb der Uni kennenzulernen. Aber dann reichte ein abfälliger Blick von ihr, um ihn in seinen Grundfesten zu erschüttern.

Als er jetzt in ihre Richtung sah und sie schroff den Kopf zur Seite drehte, deutete er das als klares Signal. Die hübsche, kluge und außergewöhnliche Caroline wollte ihn nicht. Er hätte es sich ja auch eigentlich denken können!

***

Habe ich Halluzinationen, oder hat sich dort draußen tatsächlich eine komplette Volleyballmannschaft versammelt?“, fragte Dr. Wolf Habermann, der beste Freund des Notarztes Dr. Peter Kersten und Leiter der orthopädischen Abteilung der Sauerbruchklinik. Er betrat den Untersuchungsraum, ohne anzuklopfen.

Der Anblick der auf den engen Krankenhausfluren sitzenden und gackernden Mädchen in Sporttrikots hatte ihn so verwirrt, dass er sogar die einfachsten Anstandsregeln vergaß.

Auf der anderen Seite galten in der Notaufnahme der Frankfurter Klinik sowieso andere Regeln. An erster Stelle stand, Leben zu retten, Beschwerden zu kurieren und Patienten zu stabilisieren. Erst dann ging es um Fragen der Etikette und Höflichkeit.

Peter Kersten, der soeben das Schultergelenk eines etwa fünfzehnjährigen Mädchens abtastete, sah auf.

„Du halluzinierst nicht“, sagte er. „Es ist eine Volleyballmannschaft! Genauer gesagt, die Crazy Birds … Man kann es unschwer an den tanzenden Hühnern auf den Sport-Shirts erkennen!“ Er grinste und deutete auf das Trikot des Mädchens. „Unsere Patientin Saskia hat ihr komplettes Team zur moralischen Unterstützung mitgebracht. Der Unfall ist während eines Freundschaftsspiels geschehen.“

Die Patientin verzog schmerzerfüllt ihr Gesicht.

„Ich wollte nicht, dass die anderen Crazy Birds alle mitkommen. Ehrlich!“

„Zumindest hast du jetzt den Beweis, dass deine Mitspielerinnen wirkliche Teamplayer sind“, sagte Wolf Habermann versöhnlich. „Eine für alle, alle für eine! Es ist doch eigentlich ganz sympathisch, dass sie so viel Sinn für Gemeinschaft zeigen.“

Die Jugendliche nickte.