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Die 13 Juwelen der Existenz, mehr als ein Buch Ein Fantasy-Epos, das unsere Realität herausfordert, ein Ruf durch Zeit und Mythos, eine Saga, die keine Regeln kennt. Dieses Werk entfaltet nicht nur eine Geschichte, es eröffnet ein neues Weltbild. Eine neue Ordnung, geboren aus alten Göttern, vergessenen Kräften und einer Wirklichkeit, die zu zerbrechen beginnt. Zeus entfesselt den Blitz, Horus breitet seine goldenen Schwingen aus, Lilith flüstert uraltes Wissen, Kleopatra kehrt zurück, als leuchtende Sonnengottheit. Nicht in einer fernen Dimension, sondern hier, in Berlin, im Amazonas, in Paris, mitten in unserer Zeit. Die Erde bebt, und mit ihr zerfallen die Grenzen zwischen Licht und Dunkelheit, Leben und Tod, Raum und Zeit. Wenn uralte Monster aus dem Stein erwachen, wenn vergessene Götter ihre Augen öffnen, wenn das Gefüge der Realität Risse bekommt, dann reicht kein Held mehr aus. Dann braucht es das, was lange verdrängt wurde. In dieser Saga ist Platz für alle, Odin, Shiva, Quetzalcoatl, Bastet, Hades, Morrigan. Sie sind keine Legenden, sie sind Spieler auf einem Feld ohne Gesetze. Manche helfen, andere verfolgen ihre eigenen Ziele, und einige waren nie fort, sie waren immer unter uns. Im Zentrum stehen die 13 Juwelen, uralte Seelen, wiedergeboren in jungen Körpern, gebunden zwischen Ursprung und Gegenwart, mit Kräften, die ganze Welten erschaffen oder vernichten können. Sie sind nicht perfekt, nicht vorbereitet, aber sie sind da, und sie müssen entscheiden, was aus dem Chaos wird. Die 13 Juwelen der Existenz ist der Auftakt zu einer Saga über Macht, Schuld, Identität und Hoffnung, ein Epos, das Mythen nicht kopiert, sondern sie neu verhandelt, zwischen allem, was wir zu wissen glaubten, und dem, was uns noch erschüttern wird. Empfohlen ab 14 Jahren
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Seitenzahl: 1120
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Rechtlicher Hinweis – Fiktion, Erinnerung & Verantwortung
Dieses Buch ist ein Werk der Fiktion.
Es verbindet eine fantastische Erzählung mit Elementen aus Geschichte, Mythologie, Religion, Gegenwart und gesellschaftlicher Realität.
Dabei werden reale Namen, Ereignisse oder Kulturen genannt – teilweise verändert, überhöht oder symbolisch verarbeitet.
Diese Darstellungen erfolgen ausschließlich im Rahmen einer kritischen, literarischen Auseinandersetzung.
Sie dienen der Reflexion, Erinnerung und Mahnung – niemals der Verherrlichung.
Dieses Werk ist keine Dokumentation und erhebt keinen Anspruch auf historische Genauigkeit oder Vollständigkeit. Einige reale Personen – darunter historische Täter, religiöse Figuren oder Personen öffentlichen Interesses – werden in diesem Werk namentlich genannt oder in literarischer Form verarbeitet.
Diese Darstellungen erfolgen ausdrücklich unter Wahrung der Kunstfreiheit gemäß Artikel 5 des Grundgesetzes.
Distanzierung
Der Autor distanziert sich ausdrücklich und unmissverständlich von jeder Form von Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Gewaltverherrlichung, Nationalismus, Fanatismus, Tierquälerei, religiösem oder ideologischem Extremismus sowie Hass, Hetze oder Diskriminierung in jeder Form. Auch wenn in diesem Werk Täter literarisch bestraft werden, ist dies niemals ein Aufruf zur Gewalt.
Gewalt wird nicht verharmlost oder gerechtfertigt.
Sie wird künstlerisch dargestellt, um ihre Folgen sichtbar zu machen – nicht als Lösung.
Persönliche Worte des Autors - Ich bin kein Freund von Hass.
Ich glaube an Mitgefühl.
Ich glaube daran, dass Resozialisierung, Vergebung und Menschlichkeit mächtiger sind als jeder Zorn.
Dieses Buch ist meine Einladung: dazu, sich zu erinnern, zu fühlen und die eigene innere Magie wiederzuentdecken – jene Kraft, die im Mitgefühl liegt. Wenn du in dieser Welt keinen Platz für dich findest – erschaffe einen, in dem du und andere wachsen dürfen. Ohne Angst. Ohne Hass. Mit Herz.
Triggerwarnung – Bitte lies achtsam
Dieses Werk enthält Passagen mit folgenden sensiblen Themen:
Krieg und Unterdrückung, Gewalt an Kindern, sexuelle, psychische und physische Gewalt, Tierquälerei, Fanatismus und Extremismus, reale historische Verbrechen (z. B. Nationalsozialismus, Kolonialzeit, religiöse Konflikte, Gegenwart),
Diskriminierung und traumatisierende Erfahrungen. Diese Szenen dienen der kritischen, literarischen Aufarbeitung.
Sie sind nicht dazu gedacht, Leid zu verherrlichen oder zu instrumentalisieren. Bitte lies nur, wenn du dich emotional stabil fühlst.
Achte auf deine Grenzen. Du bist nicht allein.
Ziel dieses Buches
Dieses Buch ist kein Schockroman.
Es ist keine Anleitung, kein Urteil – sondern ein Ruf nach Bewusstsein.
Es erzählt von Gewalt, damit wir Mitgefühl lernen.
Es benennt Täter, damit wir Täter nicht vergessen.
Es zeigt Grausamkeit, damit wir die Verantwortung erkennen, es besser zu machen.
Es will Brücken schlagen – zwischen Zeiten, Kulturen und Herzen.
Es glaubt an Erinnerung als Weg zur Heilung.
Worte meines Lehrers - „Ich finde es traurig, dass wir Land an Land leben – und dennoch Waffen und Grenzen brauchen.“ – Gewidmet meinem Lehrer O. Groß
Wenn du betroffen bist – hier findest du Hilfe
Die folgenden Organisationen sind unabhängig, anonym erreichbar und kostenlos nutzbar. Sie wurden mit größter Sorgfalt genannt.
Der Autor steht in keinerlei Verbindung zu diesen Stellen und spricht nicht im Namen der Einrichtungen.
Telefonseelsorge (24 Stunden erreichbar)
Telefon: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
Internet: www.telefonseelsorge.de
E-Mail: [email protected]
Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“
Telefon: 08000 116 016
Internet: www.hilfetelefon.de
Tierschutz und Natur:
www.peta.de, www.greenpeace.de
Menschenrechte und Schutz Geflüchteter:
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Urheberrecht & Haftung
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Die in diesem Buch beschriebenen Inhalte – auch wenn sie sich auf reale historische oder gesellschaftliche Themen beziehen – dienen ausschließlich der literarischen Auseinandersetzung.
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Hinweis zur Sprache und Stilistik
Die Sprache dieses Werkes ist bewusst stilisiert.
Einzelne Begriffe, Symbole oder Darstellungen können überzeichnet, poetisch oder provokativ wirken – stets im Sinne einer künstlerischen Verarbeitung.
Sie spiegeln nicht zwangsläufig die Haltung des Autors wider,
sondern dienen der Erzählung, dem Perspektivwechsel oder der literarischen Wirkung.
Artigator – Jasmin Noetzel
Wenn du wagst zu träumen, beginnt sie zu malen.
Es gibt Orte, an denen Kunst nicht gemacht, sondern geboren wird.
Wo Ideen nicht skizziert, sondern beschworen werden.
Wo ein Pinselstrich mehr sagt als tausend Worte – weil er
genau das trifft, was du selbst kaum greifen kannst.
Jasmin Noetzel ist Artigator.
Sie erschafft nicht einfach Bilder.
Sie verwandelt Gedanken in Welten, Skizzen in Geschichten,
Wünsche in Wirklichkeit.
Ob ein Cover, das deine Buchseele atmet,
ein ganzes Heft voller Figuren, die leben,
oder ein privates Gemälde, das dein Innerstes spiegelt –
sie hört nicht einfach zu.
Sie fühlt. Und dann bringt sie etwas hervor, das tiefer geht, als
du es je erwartet hättest.
Jasmin lässt nichts aus.
Kein Wunsch ist zu wild, zu fein, zu groß oder zu leise.
Sie verwandelt alles – und übertrifft dabei jedes „Ich hätte nie
gedacht, dass…“
Denn sie malt nicht für dich. Sie malt mit dir –
und schenkt deiner Vision genau das, was du ihr nie in Worte
hättest legen können:
Seele.
Wenn du bereit bist,
deinen Traum in Händen zu halten,
dann tritt näher.
Kontakt:
Website: artigator.de
Vorwort
Kapitel 1 – Galaxien aus Juwelen
Kapitel 2 – Die Nördliche Lichtung
Kapitel 3 – Dunkles Wasser
Kapitel 4 – Die Sterne
Kapitel 5 – Der Wald
Kapitel 6 – Rückkehr
Kapitel 7 – Die Insel
Kapitel 8 – Übung
Kapitel 9 – Die Versiegelung
Kapitel 10 – Die magische Knospe
Kapitel 11 – Juwelen Suche
Kapitel 12 – Nachrichten in der Sonne
Kapitel 13 – Ein Herz?
Kapitel 14 -Die Voodoo-Queen
Kapitel 15 – Die Macht der Seelen
Kapitel 16 – Götter?
Kapitel 17 – Entfesseln wir die Magie
Kapitel 18 – Zeichne dich!
Kapitel 19 – Verstoßen
Kapitel 20 – Mehr Magie!
Kapitel 21 – Auf geht’s!
Kapitel 22 – Das Erwachen
Kapitel 23 - Zerfallen
Kapitel 24 – Die Macht der Meere
Kapitel 25 – Ein Sturm zieht auf
Kapitel 26 – Der Anfang vom Ende
Kapitel 27 – Die 13 Köpfige Bestie
Kapitel 28 – Dunkle Mutter
Kapitel 29 – Elysion
Kapitel 30 – Schicksal
Kapitel 31 – Ein starker Wind
Kapitel 32 – Was ist passiert?
Kapitel 33 – Der Tod
Kapitel 34 – Chimäre
Kapitel 35 – Das Rad der Zeit
Kapitel 36 – Nehmt sie mit!
Kapitel 37 – Unter Beobachtung
Hast du dich jemals gefragt, wie viel Wahrheit in den Mythen und Legenden der Menschheit steckt?
Seit Anbeginn der Zeit erzählen die Menschen Geschichten – manche wahr, manche erfunden. Doch was, wenn sich die wahren Geschichten zwischen den Zeilen der Legenden verstecken?
Hier beginnt eine Erzählung, die dich in eine neue Perspektive auf die Entstehung des Universums eintauchen lässt, in eine Welt voller Magie und pulsierender Energie. Öffne deine Sinne und höre den Worten des Erzählers zu, denn die Geheimnisse, die du hier entdecken wirst, könnten deine Vorstellung von Mythen für immer verändern.
Vor vielen Billionen Jahren war das gesamte Universum auf einen einzigen Punkt konzentriert. Alle Moleküle und Energien sammelten sich über Äonen hinweg an einem Ort, bis ein Moment kam, der alles verändern sollte. In einem unhörbaren Schrei brach dieser Punkt auseinander – der sogenannte Urknall. Mit diesem kosmischen Ereignis entstand in der grenzenlosen Leere ein Licht. Es war kein gewöhnliches Licht, sondern ein pulsierendes, schillerndes Glühen, das die Dunkelheit durchdrang. Aus diesem Licht formte sich eine Gestalt – ein göttliches Wesen, majestätisch und überwältigend. Sie nannte sich Lysinja.
Lysinja war von einer Schönheit, die selbst die Ewigkeit in Ehrfurcht versetzte. Sie hatte die Gestalt einer Frau mit zehn riesigen Engelsflügeln, fünf auf jeder Seite ihres Körpers. Ihr kilometerlanges goldenes Gewand schimmerte im Licht zahlloser Galaxien, und es war mit fünf leuchtenden Juwelen durchzogen, die wie Sterne funkelten. Ein sechstes, kleineres Juwel, das in ihrem Dekolleté ruhte, schien das Zentrum ihrer Macht zu sein. In ihrer rechten Hand hielt Lysinja ein Zepter, das größer war als sie selbst. Es war das Zepter der Existenz, ein Artefakt von unfassbarer Macht, geschmückt mit sechs riesigen, durchsichtigen Juwelen, die entlang des Stabs aufgereiht waren. Am oberen Ende des Zepters thronte das größte Juwel von allen, das Licht und Energie wie eine unendliche Quelle ausstrahlte. Ihre Tiara, geschmückt mit einem Prisma aus reinen Energien, war nicht nur ein Schmuckstück, sondern das Herzstück ihrer Existenz. Das Prisma bündelte das Licht der anderen dreizehn Juwelen und ließ es in unzähligen Farben des Regenbogens erstrahlen. Tief in seinem Inneren pulsierte ein rotes Leuchten, wie ein Herzschlag, der die Geheimnisse des gesamten Kosmos barg. Doch trotz all dieser Majestät und Macht war Lysinja allein.
Ihre lapisblauen Augen spiegelten unendliche Trauer wider, und ihre goldenen Wimpern zitterten unter dem Gewicht der Tränen, die sie seit Jahrtausenden vergoss. Der Schmerz der Einsamkeit fraß sich in ihre Seele, bis sie es nicht mehr ertragen konnte.
Mit einem Schrei, so gewaltig, dass er durch die Galaxien hallte, brach sie die Stille. Der Schrei riss die Dunkelheit auseinander und ließ ein Licht entstehen – eine gigantische orangegoldene Kugel, die Wärme und Leben ausstrahlte. Es war die erste Sonne. Doch trotz ihres Erfolgs blieb Lysinja traurig. Sie wusste, dass selbst diese leuchtende Kugel sie nicht von ihrer Einsamkeit befreien konnte. Aber sie beschloss, nicht aufzugeben. Sie formte ihre Hände zu einer Raute, und mit einer unvorstellbaren Kraftanstrengung begann sie, sich selbst zu opfern.
Jahrhunderte vergingen, während Lysinja ihre Essenz Stück für Stück zersplitterte. Ihr Körper löste sich auf, bis nur noch ihr Gesicht mit der funkelnden Tiara übrig blieb. Um sie herum begannen sich leuchtende Moleküle zu formen, die sich zu 13 glühenden Punkten verdichteten. Diese Punkte wuchsen und wurden zu Juwelen, die jeweils eine Essenz ihrer Macht enthielten. In jedem dieser Juwelen entstand ein Embryo, der keine Herzen, sondern pulsierende Energie in sich trug – das pure Leben.
Über Jahrtausende hinweg formten sich diese Embryos zu Wesen, die wie Menschen aussahen. Bevor sie vollständig verschwand, sprach Lysinja eine Formel in einer Sprache, die niemals zuvor gehört wurde – der ersten Sprache des Universums:
„Lauristikata, marnivertum, rulisturikai, divisum tufanum ritil loi exytinz.“
Mit diesen Worten bannte sie ihre letzte Kraft in das Zepter der Existenz und verschwand schließlich in der endlosen Dunkelheit. Dort, wo das Zepter verblieb, entstand die Milchstraße – ein ewiges Monument ihrer Schöpfung. Doch Lysinja war nicht für immer verloren. Tief in den Fundamenten des Universums ruht ihre Essenz, wartend auf den Moment, in dem das Zepter der Existenz sie wieder in ihre ursprüngliche Form zurückholen könnte. Und so beginnt die wahre Geschichte – ein Abenteuer voller Magie, Licht und Dunkelheit.
Die Juwelen, in die sich Lysinja zerteilte, wurden als die 13 Juwelen der Existenz bekannt. Sie schufen die Grundpfeiler der Galaxie, von leuchtenden Sternen bis hin zu der Erde, die am Rande des Universums geschaffen wurde. Doch sie waren mehr als reine Energiequellen – sie hatten eine Gestalt, ein Bewusstsein und ein Erscheinungsbild, das ihre Essenz widerspiegelte. Diese Wesen trugen Namen, die ihre Kräfte und ihre tiefgreifende Bedeutung für die Existenz offenbarten.
Chachitras- Chachitras war eine beeindruckende und zugleich unheimliche Gestalt. Auf jeder Seite seines muskulösen Körpers breiteten sich drei riesige, fledermausähnliche Flügel aus, die sich wie Schatten in der Dunkelheit bewegten. Seine schwarzen Augen waren tief und durchdringend, als könnten sie die Geheimnisse der Seele erfassen. Das kurze, schwarze Haar wurde von einem blaugrauen Pony unterbrochen, der schräg über eines seiner Augen fiel, was ihm eine düstere Eleganz verlieh. Doch das wahrhaft Beunruhigende war sein Mantel, der keine feste Form hatte. Aus jeder Pore seines Körpers sickerte schwarzer Nebel, der sich wie ein lebendes Wesen um ihn legte und sich in der Luft kräuselte. Auf seinem Gesicht zeichneten sich tiefschwarze Muster ab, die wie Tribal-Tattoos wirkten, lebendig und voller dunkler Symbolik. In seiner rechten Hand hielt er den Tarktab, einen Stab, der wie eine Schlange geformt war. Die Schlange schien fast lebendig, mit schimmernden Schuppen und Giftzähnen, die ein schwarzgraues Juwel umschlossen. Dieses Juwel pulsierte mit einer düsteren Energie, als ob es das Leben selbst in seiner dunkelsten Form speicherte. Chachitras war das Juwel der Dunkelheit und des Lebens, ein Wächter von Macht, Geheimnissen und Furcht.
Watischa- Watischa war das vollständige Gegenteil von Chachitras – ein Wesen aus Licht und Anmut. Zwei majestätische Flügel aus purem Licht breiteten sich auf ihrem Rücken aus, ihr Glanz ließ die Dunkelheit um sie herum verblassen. Ihr Körper schien nicht aus Fleisch und Blut zu bestehen, sondern aus reiner Energie. Aus jeder Pore ihres schlanken Körpers strahlte Licht, so intensiv, dass man nur ihre Umrisse erkennen konnte. Ihre meterlangen goldenen Haare bewegten sich wie fließendes Wasser, durchzogen von schimmernden blauen Strähnen, die wie die Oberfläche eines stillen Sees in der Sonne funkelten. Ihre Augen waren unfassbar klar und von einem strahlenden Blau, das heller war als jedes Licht, das sie umgab. Es war, als könne ein einziger Blick von ihr jede Dunkelheit vertreiben. In ihrer rechten Hand hielt sie die Watanna, eine goldene Kanne, die mit filigranen Mustern verziert war. Auf einer Seite dieser Kanne glühte ein weiß-blaues Juwel, das wie ein Tropfen reinen Wassers funkelte. Aus der Kanne floss unaufhörlich klares Wasser, das nicht nur Lebewesen erfrischen, sondern auch die Wunden der Welt heilen konnte. Watischa war das Juwel des Wassers und des Lichtes, ein Wesen voller Reinheit und Hoffnung, das in jedem Augenblick die Schönheit und das Leben verkörperte. Ihre Präsenz war wie ein Versprechen, dass selbst in der tiefsten Dunkelheit ein Funken Licht existieren würde.
Satura- Satura war die lebendige Verkörperung von Feuer und Donner. Ihre muskulöse Statur strahlte rohe Kraft aus, als wäre sie aus den Flammen selbst geboren. Ihre kurzen, gelbroten Haare loderten wie züngelnde Flammen, während ihre feuerroten Augen vor Energie glühten. Über ihren Rücken schwebten vier mächtige Stichflammen, die sich wie lebendige Wesen bewegten, bereit, ihre zerstörerische Kraft zu entfesseln. Doch es war nicht nur ihre Erscheinung, die fesselte. Ihre Haut schien ständig von Funken durchzogen zu sein, als ob das Feuer in ihrem Inneren nie ganz zur Ruhe kam. Um ihren Oberkörper und ihre Taille loderten Flammen, die ihr eine Aura aus Hitze und unbezähmbarer Wildheit verliehen. Es war, als ob die Elemente selbst durch sie atmeten. In ihrer rechten Hand hielt sie den Elebeil, eine Waffe von unvergleichlicher Macht. Dieser rote Blitz, mit zahlreichen rot-gelben Juwelen besetzt, knisterte und flackerte wie ein lebendiger Sturm. Jeder Schlag damit war wie der Zorn des Donners, begleitet von einem Lichtblitz, der die Dunkelheit durchbrach. Satura war nicht nur ein Wesen der Elemente – sie war ein Sturm in Menschengestalt, das Juwel des Feuers und des Donners.
Shasu- Shasu war die Verkörperung von Boden und Metall, eine meisterhafte Balance aus Eleganz und Stärke. Ihre glatte, haarlose Kopfhaut reflektierte das Licht, und ihre tiefdunkelbraunen Augen zogen jeden in ihren Bann. Sie strahlten sowohl Weisheit als auch unerschütterliche Entschlossenheit aus, als hatte sie die Geheimnisse der Erde selbst durchdrungen. Ihr schlanker Körper war in ein Gewand aus massivem Gestein und Lehm gehüllt, das wie eine zweite Haut wirkte. Jedes Detail schien von der Natur selbst geformt worden zu sein, und in der Mitte ihres Gewandes lag ein rautenförmiges Metallstück, das im Licht schimmerte. Dieses Metallstück war das Herz ihres Seins, ein Symbol ihrer unerschütterlichen Verbindung zur Erde. Auf ihrem Rücken trugen zwei majestätische Adlerflügel aus reinem Metall, die sich bei jeder Bewegung in prismatischen Farben spiegelten. Jede Feder war so präzise geschmiedet, dass sie wie ein Spiegel wirkte, der die Schönheit und Stärke ihres Wesens reflektierte. In ihrer rechten Hand hielt sie den Metka, ein massives Schild aus Metall, verziert mit goldenen Gravuren und uralten Inschriften. Im Zentrum des Schildes pulsierte ein braun- graues Juwel, das als das härteste aller Juwelen galt. Dieses Schild war nicht nur eine Waffe, sondern ein Symbol für Schutz und Beständigkeit. Shasu war das Juwel des Bodens und des Metalls, ein Wesen, das die unerschütterliche Stärke der Erde und die Schönheit von geschmiedetem Metall verkörperte. Ihre Anwesenheit war beruhigend, aber auch einschüchternd – sie war ein Fels in der Brandung, unzerbrechlich und ewig.
Ventusa- Ventusa war die Verkörperung von Anmut und Leidenschaft. Ihr Körper schien makellos, eine Präsenz, die selbst andere Juwelen anzog, als könnten sie ihrer Ausstrahlung nicht widerstehen. Ihre schulterlangen, rosafarbenen Haare glitzerten, als wären sie mit Sternenstaub überzogen, und bewegten sich sanft bei jedem ihrer Schritte. Ihre Augen, ein intensives Pink, leuchteten vor Zuneigung und Mitgefühl, als ob sie die Essenz der Liebe selbst in sich trugen. Ihr Kleid war ein Meisterwerk aus schimmerndem Rosa, das in jedem Licht funkelte und lebendig zu sein schien. Jedes Mal, wenn sie sich bewegte, war es, als würde ein Regenbogen aus Licht und Farbe um sie herum tanzen. Auf ihrem Kopf thronte die Laho, eine Tiara mit rosafarbenen, transparenten Juwelen, die wie kleine Herzen leuchteten. Doch das, was Ventusa wirklich unverwechselbar machte, waren ihre sechs Flügel. Sie bestanden aus rosafarbenen Wolken, die sich bei jeder Bewegung aufzulösen schienen, nur um im nächsten Moment wieder aufzutauchen. Es war, als ob die Luft um sie herum ihrem Willen gehorchte, ein Hauch von Magie und Unwirklichkeit, der ihre Nähe zu den Gefühlen und der Liebe symbolisierte. Ventusa war nicht nur das Juwel der Liebe und der Gefühle – sie war ihre lebendige Essenz.
Ilisia- Ilisia war das Sinnbild von kühler Eleganz und unbändiger Naturkraft. Ihre kurzen, hellblauen Haare wirkten wie gefrorene Kristalle, die in der Dunkelheit funkelten. Ihre eisblauen Augen, geformt wie Schneeflocken, schienen in jeden zu blicken, der sie ansah, und tief in ihre Seele vorzudringen. Ihre Haut war schneeweiß, glatt wie Marmor, und schimmerte in der Dunkelheit, als würde sie das Licht der Sterne reflektieren. Doch Ilisia war nicht nur schön – sie war gefährlich. Ihre Lippen waren blau wie gefrorenes Wasser, und Teile ihres Gesichts schienen mit einer dünnen Schicht aus Eis überzogen zu sein. Ein stetiger, kalter Wind umgab sie, der aus ihren Poren strömte und in einem feinen, spiralförmigen Tornado um sie herum wirbelte. Auf ihrem Rücken trugen vier schimmernde Eissplitter, die wie Flügel geformt waren und feinen, funkelnden Pulverschnee absonderten. Dieser Schnee fiel in leichten Schwaden zu Boden und verschwand, als hätte er nie existiert. In ihrer rechten Hand hielt sie die Iwice, einen kunstvoll geschnitzten Speer aus Eis, dessen Spitze aus reiner Luft bestand. Am unteren Ende des Speers saß ein großes, hellblaues Juwel, das wie gefrorenes Mondlicht schimmerte. Ilisia war das Juwel des Eises und des Windes, eine Verkörperung der unerbittlichen Kälte und der grenzenlosen Freiheit des Sturms. In ihrer Nähe war die Luft schneidend und klar, und ihr Blick ließ die Dunkelheit erzittern.
Chansia- Chansia war alles andere als gewöhnlich schön, und doch zog sie alle Blicke auf sich – nicht wegen ihrer Anmut, sondern wegen ihrer fremdartigen und mysteriösen Erscheinung. Ihr schlanker Körper war völlig von einer spiegelnden Oberfläche bedeckt, die jede Spur von Haut verbarg. Diese makellosen Spiegel reflektierten nicht nur die Umgebung, sondern auch die tiefsten Ängste und Sehnsüchte derer, die sie betrachteten. Ihr Gesicht war ein einziger, makelloser Spiegel, in dem man nur vage die Umrisse eines Gesichts erahnen konnte – als könnte ein Hauch von Identität in der Reflexion verloren gehen. Ihre Flügel, groß und filigran wie die eines Schmetterlings, bestanden aus scharfen, splitterartigen Spiegeln. Sie schimmerten in allen Farben des Regenbogens, doch bei jedem ihrer Flügelschläge zerschnitt ihre reflektierende Schönheit die Luft mit einer schneidenden Schärfe. In ihrer rechten Hand hielt sie den Mirodos, einen kunstvoll gestalteten goldenen Handspiegel, der mit zahllosen funkelnden Juwelen besetzt war. Am Griff thronte ein großes, silbernes Juwel, das geheimnisvoll pulsierte, als würde es leben. Mirodos war mehr als nur ein Spiegel – es war ein Tor zu einer Welt der Fantasie, in der Realität und Illusion nicht mehr zu unterscheiden waren. Chansia war das Juwel der Fantasie und der Spiegel, eine Verkörperung von Illusionen und verborgenen Wahrheiten.
Seltra- Seltra war das Gegenstück zu Chansias glanzvoller Fremdartigkeit – eine Gestalt aus Schatten und Knochen, düster und unnachgiebig. Ihr Körper bestand vollständig aus bleichen, knochigen Strukturen, und ihr Gesicht war ein Totenkopfschädel, dessen leere Augenhöhlen von einem intensiven, lilafarbenen Glühen erfüllt waren. Dieses Glühen schien die Seelen derer zu durchdringen, die es wagten, ihr in die Augen zu blicken. Ihr langer, schwarzer Umhang wirkte wie ein Stück der Nacht selbst, ständig in Bewegung, als würde er von unsichtbaren Winden getragen. Auf ihrem Rücken schwebten vier nebulöse, lilafarbene Hände, die keine feste Form hatten. Diese schwebenden Hände wirkten wie geisterhafte Wächter, die sich bedrohlich ausbreiteten und eine Aura der Furcht verbreiteten. In ihrer knochigen Hand hielt Seltra die Skulltia, eine mächtige Sense, deren Sichel mit drei lilafarbenen Juwelen besetzt war. Die Juwelen schimmerten wie gefangene Seelen und sendeten ein unheilvolles Licht aus, das die Dunkelheit durchbrach. Die Skulltia war mehr als eine Waffe – sie war ein Werkzeug, um Seelen zu leiten, zu binden und zu richten. Seltra war das Juwel der Toten und der Seelen. Ihre Präsenz war eine ständige Erinnerung daran, dass der Tod nicht das Ende, sondern ein Übergang war – ein Übergang, über den sie mit eiserner Autorität wachte.
Futura- Futura war eine majestätische, kraftvolle Erscheinung, eine korpulente weibliche Gestalt mit einer tief dunklen Haut, die im Licht geheimnisvoll schimmerte. Ihr Rücken wurde von 12 großen, fächerartigen Blättern geschmückt, die wie ein lebender Teil der Natur wirkten. Diese Blätter bewegten sich leicht im Wind, als ob sie mit der Umgebung kommunizierten, und jedes von ihnen schien mit Leben erfüllt. Ihr Körper war in ein atemberaubendes Gewand gehüllt, das aus Wurzeln und Moos bestand. Doch dieses Gewand war alles andere als statisch. Immer wieder sprossen Blüten aus dem Moos, erblühten in leuchtenden Farben und verwelkten kurz darauf, wobei ihre Blütenblätter sanft zu Boden fielen und in einer lebendigen Spirale um Futura kreisten. Ihre Haare bestanden aus grünen Ranken, die in feinen Blättern endeten und Dreadlocks ähnelten, was ihr ein zugleich wildes und edles Aussehen verlieh. Ihre Augen waren leuchtend grün und strahlten eine Lebensenergie aus, die alles um sie herum zu beflügeln schien. In ihrer Hand hielt sie die Blosium, eine Rose von unbeschreiblicher Schönheit. Diese Rose leuchtete in allen Farben des Regenbogens, und in ihrem Herzen verbarg sich ein Edelstein, dessen wahre Farbe niemand je erkennen konnte, da die Blüte sich niemals vollständig öffnete. Blosium war ein Symbol für die unendliche Schöpfungskraft der Natur. Futura war das Juwel der Pflanzen und der Farben, die lebendige Verkörperung des Lebenszyklus und der Schönheit der Erde. In ihrer Gegenwart erblühte selbst der kargste Boden, und jeder, der sie sah, konnte die unbändige Macht der Natur fühlen – eine Macht, die alles Leben durchdrang und schützte.
Lifja- Lifja war zierlich und klein, fast wie ein Kind, doch in ihrer zarten Erscheinung verbarg sich eine der mächtigsten Kräfte des Universums. Ihre weißen, schulterlangen Haare schimmerten im Licht wie Mondschein, und ihre Augen, eines strahlend orange und das andere weiß, schienen die Rhythmen von Tag und Nacht widerzuspiegeln. Ihr goldfarbenes, glitzerndes Kleid war mit einem strahlenden Sonnensymbol am Dekolleté verziert. Es war kein gewöhnliches Kleid – es schien aus Licht selbst gewebt zu sein. An ihrem Gewand befanden sich kleine Broschen, jede davon ein Symbol des Mondzyklus. Besonders auffällig war die Brosche, die den Vollmond darstellte, mit einem goldweißen Juwel in ihrer Mitte, das in der Dunkelheit wie eine leuchtende Miniatursonne schimmerte. Auf jeder Seite ihres Körpers trug Lifja zwei Flügel, geformt wie zarte Mondsicheln, die im Licht von Mond und Sonne glitzerten. In ihren Händen hielt sie zwei schimmernde Kugeln – eine weiße und eine orangefarbene. Mit einer sanften Bewegung warf sie die weiße Kugel in die Luft, die sich in einen Mond verwandelte, während die orangefarbene Kugel ihre Farbe je nach Tageszeit änderte, von strahlendem Weiß bei Tagesanbruch bis hin zu tiefem Orange bei Sonnenuntergang. Diese Kugel trug den Namen Monata und war eine Verkörperung des Gleichgewichts zwischen Licht und Dunkelheit. Lifja war das Juwel des Mondes und der Sonne, ein Wesen, das die Kräfte von Tag und Nacht in sich vereinte. Trotz ihrer zierlichen Statur war sie eine der mächtigsten Juwelen, und ihre scheinbare Sanftheit war ein Trugschluss – in ihr ruhte die Macht, die Rhythmen des Universums zu lenken. Ihre Anwesenheit brachte Harmonie, aber auch Ehrfurcht vor der unendlichen Balance von Licht und Dunkelheit.
Tawischa- Tawischa war eine majestätische Erscheinung, die mit ihrer schieren Größe und Eleganz die Luft um sich herum förmlich mit Energie erfüllte. Ihre hohe, schlanke Gestalt wurde von ihren langen, transparenten Haaren umrahmt, die bis zu ihren Füßen reichten und im Licht schimmerten wie ein Sternenregen. Jedes Mal, wenn sie sich bewegte, glitten die Strähnen wie flüssiges Licht durch die Luft, als wären sie Teil der Galaxie selbst. Ihr Gewand war nicht aus gewöhnlichem Stoff, sondern aus unzähligen kleinen Sternen, die um ihren Körper kreisten. Sie funkelten und glühten, als ob sie das Universum in seiner ganzen Pracht widerspiegelten. Doch das Atemberaubendste an ihr waren ihre acht Flügel, die aus reinem Sternenlicht bestanden. Diese Flügel, in der Form mächtiger Falkenflügel, erschienen nur, wenn sie flog. Sobald sie die Luft durchquerte, leuchteten sie hell auf und zogen eine Spur aus Licht hinter sich her, die an das Aufbrechen einer Supernova erinnerte. Ihre Augen leuchteten in einem strahlenden Weiß, so intensiv, dass man darin das Leuchten der Milchstraße zu sehen glaubte. Ihre Lippen glitzerten wie frischer Sternenstaub, ein weiterer Hinweis auf ihre Verbindung zu den kosmischen Mächten. In ihrer linken Hand hielt sie den Mosterit, einen Morgenstern aus purem Gold. Doch das Besondere daran war die Kugel an seiner Spitze – sie war ein echter, kleiner Stern, der mit einer unglaublichen Helligkeit glühte. Am Griff des Morgensterns saß ein transparentes, leuchtendes Juwel, das wie das Herz einer Galaxie pulsierte. Tawischa war das Juwel des Atems und der Sterne, eine Verkörperung kosmischer Energie und himmlischer Macht. Ihre bloße Anwesenheit erfüllte die Luft mit einem Gefühl der Ehrfurcht und des Staunens, als hätte man gerade den Atem des Universums selbst gespürt.
Ventrus- Ventrus war ein Koloss, dessen Präsenz untrennbar mit der geheimnisvollen Kraft des Nebels und der Musik verbunden war. Sein muskulöser Oberkörper strahlte Stärke aus, während sein Unterkörper in einem dichten, beweglichen Nebel endete, der sich wie lebendig um ihn wand. Seine kurzen, grauen Haare schimmerten dezent, und seine blauen Augen, die im Flug zu einem hellen Grau verblassten, schienen die Geheimnisse des Windes und der Stille zu bewahren. Auf seinem Rücken trugen zwei mächtige Flügel aus Nebel – sie waren dicht und beweglich wie Wolken, aber ihre Form erinnerte an die majestätischen Flügel eines Kondors. Bei jedem seiner Flügelschläge bewegte sich der Nebel um ihn herum in sanften Wellen, als ob er mit der Luft selbst verschmelzen würde. In seiner rechten Hand hielt er die Nebulus, eine goldene Harfe, deren Saiten aus feinem, wirbelndem Nebel bestanden. Ihre Töne waren weder greifbar noch klar; sie schwebten in der Luft wie ein leises Flüstern, das die Seele tief berührte. Der Rahmen der Harfe war mit zahlreichen Juwelen besetzt, doch das Zentrum zog alle Blicke auf sich: ein durchsichtiges Juwel, in dem eine kleine Rauchwolke gefangen schien. Sah man genauer hin, konnte man Stimmen hören, ein Geflüster ohne Worte, das die Melodie der Ewigkeit zu sein schien. Ventrus war das Juwel des Nebels und der Musik, eine Macht, die in der Lage war, sowohl Chaos als auch Frieden zu bringen. Seine Aura war zugleich beruhigend und beunruhigend, wie ein dichter Morgennebel, der den Blick auf die Zukunft verbarg. Wenn er spielte, hielt selbst der Sturm inne, um zuzuhören, und die Welt wurde von der Schönheit seines Klangs verzaubert.
Ratilia- Ratilia war nahezu das mächtigste aller Juwelen, denn sie trug die Urmächte des Universums in sich. Ihre Gestalt war ein Rätsel, ein Wesen, das sich jeder Definition entzog. Sie hatte keine feste Form, sondern war eine verzerrte Erscheinung, in der man nur schemenhaft die Umrisse einer atemberaubend schönen Frau erkennen konnte. Doch selbst diese Umrisse schienen sich ständig zu verändern, als würde sie zwischen den Grenzen von Raum und Zeit schweben. Ihr langes, blondes Haar bewegte sich wie in einem unsichtbaren Strom, fließend und schwerelos. Ihre Flügel waren eine weitere Anomalie: Sie schienen zu existieren und gleichzeitig nicht. Sobald man versuchte, sich ein Bild von ihnen zu machen, verschwanden sie wieder – als ob sie keinen festen Ort und keine feste Zeit besäßen. Diese Flügel waren ein Sinnbild ihrer Natur, grenzenlos und ungreifbar. Von den anderen Juwelen wurde Ratilia oft gemieden, nicht aus Feindseligkeit, sondern aus Ehrfurcht und Furcht zugleich. Ihre Kräfte waren zu gewaltig, zu unbegreiflich für viele. Sie konnte mit einem Wimpernschlag Dimensionen verschieben oder die Zeit anhalten, und ihre Macht ließ selbst die stärksten Wesen erzittern. Das Einzige an Ratilia, das konstant war, war das leuchtende blaulilafarbene Juwel, das tief in ihrem Körper schimmerte. Dieses Juwel war eingebettet in eine kleine, leicht verzerrte Scheibe, die wie eine Uhr wirkte. Doch diese Uhr war nicht von dieser Welt – ihr Zeiger bewegte sich langsam, aber nicht linear, als würde er den Fluss der Zeit selbst neu definieren. Diese mystische Uhr wurde Dimenta genannt, ein Artefakt, das die Kontrolle über Zeit und Dimensionen symbolisierte. Ratilia war das Juwel der Zeit und der Dimensionen, eine lebendige Manifestation der Unendlichkeit. Ihre Präsenz war überwältigend, ihre Macht grenzenlos. In ihrer Nähe konnte man die Zeit förmlich fühlen, wie sie sich dehnte, zusammenzog und verging. Sie war kein gewöhnliches Wesen – sie war ein Lebewesen, das die Gesetze der Realität selbst formte. Ihre Existenz war sowohl ein Segen als auch ein Fluch für das Universum. Sie war die Verkörperung von Chaos und Ordnung zugleich, eine Macht, die die Zeit und die unzähligen Dimensionen in ihrer Hand hielt. Und doch, trotz ihrer unvergleichlichen Macht, war sie eine Außenseiterin, eine einsame Wächterin der Unendlichkeit, die den Fluss des Universums bewahrte und beschützte – selbst wenn ihre Existenz den anderen unvorstellbare Ehrfurcht einflößte.
Auf diesem Planeten, den sie ihr Reich nannten, erschufen die Juwelen die Welt, wie wir sie heute kennen. Doch das Schicksal der 13 Juwelen der Existenz nahm eine dunkle Wendung. Die Juwelen, die einst das Leben schenkten und die Geheimnisse der Magie enthüllten, wurden von den Wesen verraten, denen sie ihr Geschenk überreicht hatten – den Menschen.
Anfangs wurden die Juwelen von allen Lebewesen verehrt. Ihre Kräfte wurden bewundert, ihre Weisheit gesucht. Doch mit der Zeit wandelte sich die Ehrfurcht in Angst, und Angst gebar Hass. Die Menschen, getrieben von Misstrauen und Gier, begannen, die Juwelen zu jagen. Einer nach dem anderen fiel ihren Intrigen und ihrer Brutalität zum Opfer. Die Juwelen, so mächtig sie auch waren, konnten sich nicht gegen die Hinterlist und Grausamkeit der Menschen wehren.
Nur Seltra, das Juwel der Toten und der Seelen, blieb bis zuletzt übrig, um das Vermächtnis ihrer Geschwister zu bewahren. Kurz vor ihrem Tod sammelte Seltra die Seelenenergie der zwölf bereits gefallenen Juwelen. Mit einem letzten Aufgebot ihrer Macht sprach sie eine uralte Formel, die den Himmel erleuchtete. Ihr Körper löste sich in buntes Licht auf, das funkelnd gen Himmel schwebte.
Die Juwelen erschienen ein letztes Mal in Form einer riesigen, schimmernden Wolke, die über das Land zog. Mit einer donnernden Stimme, die die Erde erbeben ließ, sprachen sie zu den Menschen.
„Eines Tages wird jeder von uns in einer reinen Seele wiedergeboren. Wenn der Letzte von uns seinen Körper wiedererlangt hat, holen wir uns ohne Gnade zurück, was wir euch schenkten.“
Mit diesen Worten verließen ihre Seelen das Reich der Menschen. Ein gewaltiger Blitzeinschlag folgte, der einen riesigen Krater hinterließ – heute bekannt als der Grand Canyon. Die Menschen, überwältigt von Furcht und Schuld, lebten in ständiger Angst vor der Prophezeiung der Juwelen. Doch mit der Zeit vergingen Tage, Monate, Jahre und schließlich Jahrtausende. Die 13 Juwelen der Existenz wurden vergessen, ihre Namen nur noch in alten Legenden und verblassten Wandmalereien erwähnt. Der Beginn einer neuen Geschichte. Unsere Geschichte beginnt in einer kleinen Stadt in Deutschland, namens Göttingen.
Göttingen, eine Industriestadt, war durchzogen von Intrigen, Einsamkeit und Verzweiflung. Es war eine Stadt, in der die Dunkelheit der menschlichen Seele oft deutlicher zu spüren war als das Licht der Hoffnung. Inmitten dieser Stadt wurde ein kleines Mädchen geboren: Sasy. Sie war schlank, mit leuchtend braunen Augen und langen, glatten Haaren in derselben Farbe. Sasy wuchs in einer liebevollen Familie auf, die sie über alles schätzte. Ihre Eltern taten alles, um ihr ein glückliches Leben zu ermöglichen, und stellten ihre eigenen Wünsche hinten an. Doch trotz all der Liebe und Fürsorge trug Sasy eine Leere in sich, die sie sich selbst nicht erklären konnte. Sie hatte alles, was sie brauchte, doch es schien, als fehlte ein Teil von ihr. Ein Gefühl nagte an ihr – ein unerfülltes Bedürfnis, das sie nicht benennen konnte.
Immer wieder zog es Sasy in den Göttinger Wald, zur nördlichen Lichtung. Dort fand sie eine seltsame Art von Frieden, während sie im Gras lag und den Himmel beobachtete. Der Wind, der durch die Bäume strich, schien ihr Geschichten zu erzählen, die sie nicht ganz verstehen konnte.
Eines Morgens, beim Frühstück, fragte Sasy ihre Mutter leise: „Mama, glaubst du, ich bin ein schlechter Mensch?“
Ihre Mutter, überrascht von der Frage, lächelte warm. „Quatsch, mein Schatz. Du bist der wundervollste Mensch, den ich kenne.“
Sasy lächelte zaghaft zurück.
„Danke, Mama. Ich hab dich wirklich sehr lieb.“
„Und ich dich, mein Herz.“
Nach dem Frühstück machte Sasy sich auf den Weg in den Wald. Während sie durch die dichten Bäume lief, dachte sie über die Worte ihrer Mutter nach. Sie wollte das glauben, was ihre Mutter sagte, doch die Leere in ihr blieb. Es war, als ob etwas in ihr hinaus wollte – etwas, das größer war, als sie selbst verstehen konnte. Doch an diesem Tag würde etwas geschehen, das ihr Leben für immer verändern sollte.
„Sasy!... AUFSTEHEN! Die Schule fängt gleich an!“, rief Sasys Mutter, ihre Stimme hallte durch das ganze Haus.
„SOFORT!“, rief Sasy genervt zurück, während sie ihre müden Beine aus dem Bett schwang. Der Morgen begann wie jeder andere, doch heute fühlte sich alles noch schwerer an. Mit einem lauten Seufzen schlüpfte sie in ihren schwarzen Sweatshirt-Pullover, dessen Stoff an den Ärmeln bereits leicht ausgefranst war. Sie zog ihre abgewetzte, aber bequeme blaue Jeans an und warf einen kurzen Blick in den Spiegel. Ihre Augen waren müde, ihre Haare standen in alle Richtungen ab, doch sie hatte keine Geduld, etwas daran zu ändern. Stattdessen zog sie sich die Kapuze ihres Pullovers über den Kopf, um sich vor der Welt zu verstecken.
Als sie in die Küche schlurfte, war der Frühstückstisch bereits gedeckt. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee lag in der Luft, doch Sasy fühlte sich wie ein Geist, der durch den Raum schwebte. Ihre Mutter hantierte mit Tellern und Tassen, während ihr Vater, die Zeitung in der einen Hand, mit der anderen hastig an seinem Handy tippte. Niemand schenkte ihr wirklich Beachtung, was Sasy nur recht war. Sie griff sich ein trockenes Stück Toast und kaute lustlos darauf herum, während sie aus dem Fenster starrte. Die kühle, graue Morgenluft draußen passte perfekt zu ihrer Stimmung.
Nachdem sie ihren Rucksack geschultert hatte, machte sie sich auf den Weg zur Schule. Die Straßen von Göttingen waren um diese Zeit noch ruhig. Ihre Schuhe knirschten auf dem gepflasterten Gehweg, und ihr Atem bildete kleine, weiße Wölkchen in der kalten Morgenluft. Der Himmel war von einem fahlen Blau, das langsam in ein helleres Licht überging. Die Welt schien noch zu schlafen, doch Sasy fühlte sich, als würde sie gegen eine unsichtbare Schwere ankämpfen.
Plötzlich hörte sie eine vertraute Stimme hinter sich: „Hey, Sasy!“
Sasy blieb stehen und drehte sich um. Ihre Augen weiteten sich, als sie Nancy erkannte. Nancy, ihre alte Freundin, die sie seit der Grundschule nicht mehr wirklich gesehen hatte. Mit ihren langen, leuchtend orangefarbenen Haaren, die wie Feuer in der aufgehenden Sonne schimmerten, war Nancy unverkennbar. Sie war groß, beinahe 1,80 Meter, und ihre Mischung aus Punk und Unbeschwertheit machte sie zu einer imposanten Erscheinung. Ein Lächeln zog über Nancys Gesicht, das wie immer von einer positiven Energie strahlte.
„Nancy! Was machst du hier?“, fragte Sasy überrascht, während sie sich gegenseitig herzlich umarmten. Es war, als hätte die Zeit sie nie getrennt. Sofort begannen sie, sich über alte Zeiten zu unterhalten. Sie erinnerten sich an gemeinsame Erlebnisse aus dem Kindergarten, an Streiche, die sie in der Grundschule gespielt hatten, und an Momente, die sie zum Lachen gebracht hatten. Die Straßen um sie herum verschwanden, während sie in Erinnerungen schwelgten, und die Zeit schien stillzustehen.
Doch plötzlich änderte sich Nancys Gesichtsausdruck. Ihr Lächeln verschwand, und ihre Augen bekamen einen ernsten, fast sorgenvollen Blick. Ihre Stimme wurde leise, aber die Worte, die sie sprach, hatten eine seltsame Schwere.
„In all meinen Träumen sah ich dich und viele schlimme Dinge, die passieren werden. Aber erinnere dich daran, dass ich immer hinter dir stehe.“ Ihre Worte trafen Sasy wie ein Schlag. Sie verstand nicht genau, was Nancy meinte, doch ein ungutes Gefühl breitete sich in ihrem Bauch aus.
Bevor sie nachfragen konnte, umarmte Nancy sie ein letztes Mal und verschwand eilig. Sasy blieb wie angewurzelt stehen, unfähig, sich zu bewegen. Ihre Gedanken rasten. Was hatte Nancy gemeint? Warum klang es so, als ob sie von etwas wusste, das Sasy nicht ahnte? Während sie langsam weiterging, lasteten die Worte ihrer Freundin schwer auf ihr, wie ein Schatten, der sie nicht losließ.
Als sie die Schule erreichte, fühlte sich alles unwirklich an. Selbst die Klassenräume, in denen sie sich sonst so verloren fühlte, schienen heute noch bedrückender. Während der Mathematikarbeit saß sie stumm an ihrem Platz und starrte auf das Blatt vor sich. Ihre Gedanken waren ein Chaos, und kein klarer Gedanke wollte sich formen. Die Worte von Nancy hallten in ihrem Kopf wider, und sie konnte sich einfach nicht konzentrieren. Das Ergebnis war vorprogrammiert: Sasy schrieb eine der schlechtesten Arbeiten ihres Lebens.
Nach der Stunde rief ihre Lehrerin, Frau Bartel, sie mit einem strengen Blick zu sich. Frau Bartel war eine resolute Frau in ihren späten 60ern, mit kurzen, grauen Haaren und einer großen, braunen Hornbrille, die ihre Augen noch schärfer wirken ließ. Ihr kariertes Kleid und die auffälligen roten Stiefel, die bis zu ihren Knien reichten, gaben ihr eine autoritäre Ausstrahlung.
„Sasy, es ist wichtig, dass du dich anstrengst. Wenn dir noch eine Arbeit misslingt und dein Sozialverhalten weiterhin auffällig bleibt, wirst du die Klasse wiederholen müssen.“, sagte sie mit ruhiger, aber unnachgiebiger Stimme. Ihre Worte klangen sachlich, doch sie trafen Sasy tief.
Wut stieg in ihr auf, heiß und unkontrollierbar. Sie spürte, wie ihre Hände sich zu Fäusten ballten, während ihre Atmung schwerer wurde. Warum musste sie sich immer rechtfertigen? Warum sah niemand, wie schwer es ihr fiel, all das durchzustehen? Die Luft im Lehrerzimmer schien plötzlich dicker zu werden, und ein seltsames Kribbeln breitete sich in ihrem Körper aus.
Plötzlich ertönte ein lauter, metallischer Knall, der die Stille durchbrach. Frau Bartel schrie leise auf und stürzte zu Boden. Sasy riss die Augen auf und starrte entsetzt auf den Stuhl vor ihr. Die Metallbeine hatten sich zu einem geschmolzenen, unförmigen Klumpen verformt, der dampfend auf dem Boden lag. Es war, als hätte eine unsichtbare Kraft das Metall zum Schmelzen gebracht.
„Was um alles in der Welt ist passiert?“, fragte Frau Bartel, ihre Stimme zitterte, während sie sich mühsam aufrichtete. Ihre Augen waren weit aufgerissen, und sie wirkte, als hätte sie gerade etwas Unvorstellbares erlebt.
„Ihr Stuhl... die Beine sind geschmolzen!“, flüsterte Sasy, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch. Sie konnte ihren Blick nicht von dem deformierten Metall abwenden. Es war, als hätte die Realität plötzlich alle Regeln gebrochen. Frau Bartels Entsetzen spiegelte sich in ihrem Gesicht wider, während sie die Überreste ihres Stuhls anstarrte, unfähig, zu begreifen, was gerade geschehen war.
„Das ist unmöglich... Wie kann so etwas geschehen?“, murmelte sie, ihre Stimme brüchig vor Verwirrung. Frau Bartel war noch immer sichtlich erschüttert. Ihr Blick wanderte wiederholt zwischen dem geschmolzenen Klumpen Metall, der einmal ihr Stuhl gewesen war, und Sasy hin und her. Ihre Hand zitterte leicht, als sie sich an die Tischkante lehnte, um sich zu stützen. Es war, als hätte sie Schwierigkeiten, das Gesehene zu begreifen. Die drückende Stille im Raum wurde nur von ihrem flachen Atem und dem dumpfen Rauschen der Heizung durchbrochen.
Nach einem langen Moment des Schweigens hob Frau Bartel zögernd eine Hand, als wolle sie die Situation unterbrechen.
„Sasy, geh bitte nach Hause. Wir reden ein anderes Mal darüber“, sagte sie mit brüchiger Stimme, ihre Augen suchten kurz den Blick des Mädchens, bevor sie sich abwandte. Die Autorität, die sonst in ihrer Stimme mitschwang, war verschwunden. Stattdessen klang sie beinahe flehend. Sasy nickte, unfähig, ein Wort zu sagen, und verließ das Lehrerzimmer. Ihr Herz schlug schnell, während sie den Flur entlangging, ihre Schritte hallten auf dem Linoleumboden wie ein Echo ihrer verwirrten Gedanken.
Zuhause angekommen, warf sie ihre Tasche in die Ecke des Flurs und trat in die warme, vertraute Küche. Ihre Mutter war gerade dabei, Gemüse zu schneiden, und ihr Vater saß mit einer Tasse Kaffee am Tisch, ein Stapel Papiere vor sich. Sasy, immer noch aufgewühlt, erzählte ihnen lachend von dem Vorfall in der Schule. Sie schilderte alles mit einer Mischung aus Amüsement und Unglauben, als wäre es das Verrückteste, was sie je erlebt hatte.
Ihre Eltern, ein ganz normales Vorstadtpärchen, hörten ihr aufmerksam zu, doch Sasy bemerkte, wie die Gesichtszüge ihrer Mutter sich langsam verhärteten. Ihre Mutter, eine Frau mit blonden Haaren, die meist schlichte, praktische Kleidung trug, legte das Messer beiseite und tauschte einen schnellen, bedeutungsvollen Blick mit ihrem Mann. Ihr Vater, stets in einem Anzug oder Hemd gekleidet, da er bei einer Bank arbeitete, setzte seine Tasse ab und verschränkte die Hände vor sich. Beide schwiegen einen Moment zu lange, bevor ihre Mutter schließlich sagte: „Das klingt wirklich... ungewöhnlich.“
Sasy runzelte die Stirn. „Was ist los mit euch?“, fragte sie schließlich, ihre Stimme leicht gereizt. Sie war nicht blind für die plötzliche Anspannung ihrer Eltern. Es war, als ob sie etwas verschweigen wollten.
„Nichts, gar nichts, mein Schatz“, antworteten ihre Eltern schließlich, doch ihre Stimmen klangen unnatürlich gezwungen. Ihre Augen vermieden den Blick ihrer Tochter, und ihre Mimik verriet mehr, als ihre Worte es jemals könnten. Tief in ihrem Inneren wussten sie, dass dies kein gewöhnlicher Vorfall war.
In Wahrheit hegten sie einen Verdacht, der sie seit langem verfolgt hatte, den sie jedoch stets zu verdrängen versucht hatten: Könnte ihre älteste Tochter eines der 13 Juwelen der Existenz sein? Diese Gedanken lasteten schwer auf ihnen. Sie kannten die Legenden, die von Generation zu Generation weitergegeben worden waren. Geschichten über unglaubliche Kräfte, die in Form von Juwelen auf der Erde verborgen waren. Sie hatten die Warnungen gehört, die besagten, dass diese Kräfte eines Tages wiedererwachen würden, und sie fürchteten sich davor.
Sasy war ein besonderer Mensch. Sie war liebevoll und rein in ihrer Art, aber auch impulsiv und wild, wie ein Sturm, der kaum gebändigt werden konnte. Ihre Eltern erinnerten sich an die unzähligen Bücher und Dokumentationen, die sie gelesen hatten, und an die warnenden Worte, dass die Juwelen der Existenz sowohl Segen als auch Fluch bringen könnten.
Nach einem kurzen, stillen Austausch von Blicken fassten sie den Entschluss, ihrer Tochter die Wahrheit zu erzählen. An diesem Abend setzten sie sich mit Sasy zusammen und erklärten ihr die Legenden über die 13 Juwelen der Existenz. Sie erzählten ihr von den unvorstellbaren Kräften, die mit den Juwelen verbunden waren, und den Gefahren, die sie mit sich brachten. Doch Sasy lachte nur. Sie schüttelte den Kopf und wischte die Geschichte mit einer wegwerfenden Geste beiseite.
„Mama, Papa, ihr glaubt an so etwas? Genau, ich kaufe euch ein fliegendes Einhorn, auf dem Elfen und Feen reiten.“. Sie brach in schallendes Gelächter aus. Sie konnte nicht fassen, dass ihre sonst so rationalen Eltern an solch einen Unsinn glaubten.
Ihre Eltern jedoch blieben ernst. Sie schwiegen, auch als Sasy weiter lachte. Die Worte ihrer Tochter prallten an ihnen ab, doch die bedrückte Stimmung war nicht zu leugnen. Die Wahrheit lastete schwer auf ihnen, und sie wussten nicht, wie sie ihre Tochter überzeugen konnten.
In den darauffolgenden Tagen spürte Sasy, dass sie sich verändert hatte. Sie ging oft allein in den Wald, zur nördlichen Lichtung, einem Ort, der sie schon immer beruhigt hatte. Dort, umgeben von hohen Bäumen und dem Flüstern des Windes, dachte sie über die Worte ihrer Eltern nach. Sie versuchte, sich die Legende vorzustellen, aber es wollte ihr nicht gelingen. Es klang einfach zu absurd, zu fantastisch. Doch immer wieder kam ihr der Vorfall mit Frau Bartel in den Sinn. Das geschmolzene Metall, das Knacken in der Luft, die Hitze, die sie gespürt hatte... Es war wirklich seltsam gewesen.
Eines Nachmittags sprach sie laut zu sich selbst.
„Quatsch!“
Ihre Stimme hallte durch die stille Lichtung. Sie schüttelte den Kopf und versuchte, sich das Geschehene logisch zu erklären. Vielleicht war es eine defekte Fußbodenheizung oder eine chemische Reaktion, die sie nicht verstand. Ja, das musste es sein. Doch trotz all ihrer Versuche, die Ereignisse zu rationalisieren, nagte ein leiser Zweifel an ihr. Was, wenn ihre Eltern recht hatten? Was, wenn die Legenden mehr als nur alte Geschichten waren? Sie wusste, dass sie darüber mit jemandem reden musste. Jemandem, dem sie vertrauen konnte.
Sasy traf sich oft mit ihrer besten Freundin Vany. Vany war eine hübsche, schlanke Vietnamesin mit kurzen, schwarzen Haaren, die stets perfekt saßen, und dunklen, fast schwarzen Augen, die immer voller Wärme und Verständnis waren. Vany war diejenige, die immer hinter Sasy stand, egal was passierte. Die beiden waren am selben Tag geboren, fast wie Schwestern, und auch Vanys Eltern glaubten an die Legenden über die 13 Juwelen der Existenz.
Sasy erzählte ihrer besten Freundin von der Geschichte, und beide lachten sich förmlich kaputt, während sie auf dem Bett saßen, das im Keller von Vanys Haus stand. Der Raum war klein und gemütlich, die Wände mit Postern von Bands und farbenfrohen Lichterketten dekoriert, die ein warmes Licht spendeten. Der Duft von Vanillekerzen lag in der Luft, und das sanfte Brummen eines alten Ventilators untermalte ihr ausgelassenes Lachen. Vany klatschte sich auf die Oberschenkel und rollte sich fast vor Lachen, während Sasy eine dramatische Nachstellung des Vorfalls mit Frau Bartel zum Besten gab. Doch trotz ihrer Heiterkeit kehrte immer wieder die Frage zurück, wie das Metall des Stuhls tatsächlich hatte schmelzen können.
„Sasy, was ist, wenn wirklich etwas an der Geschichte dran ist? Denn Metall schmilzt doch nicht einfach so, oder?“, fragte Vany schließlich, ihre Stimme ernst, als sie sich aufrichtete und ihre Freundin direkt ansah.
Sasy zuckte mit den Schultern, ein schelmisches Lächeln auf den Lippen. „Naja, es gibt bestimmt logische Gründe dafür. Wenn ich tatsächlich solche Kräfte hätte, würde sich die Welt vor mir verneigen, und die Lehrer würden mich anflehen, mir gute Noten geben zu dürfen.“
Sie grinste breit, ihre Worte triefend vor Sarkasmus.
Vany lachte erneut, ließ sich zurück aufs Bett fallen und starrte gedankenverloren zur Decke.
„So würde ich es auch machen.“, murmelte sie schließlich, ihre Stimme voller verträumter Gelassenheit. Ihr Lächeln verschwand langsam, und ihre Gedanken schienen für einen Moment in die Ferne zu schweifen. Sasy bemerkte es, sagte jedoch nichts. Sie wusste, dass Vany oft in solchen Momenten tiefer dachte, als sie es zugab.
So ließen die beiden den Tag ausklingen, verloren in ihren eigenen Gedanken. Die Zeit schien stehenzubleiben, während der Raum von einer stillen, beinahe magischen Atmosphäre erfüllt war.
Einige Tage später trafen sich Vany und Sasy auf der nördlichen Lichtung im Wald. Die Sonne stand hoch am Himmel, und ihr Licht brach durch das dichte Blätterdach, das über der Lichtung wölbte. Die Atmosphäre war still, nur das entfernte Zwitschern von Vögeln und das Rascheln der Blätter begleiteten sie. Die beiden saßen auf einem umgestürzten Baumstamm, als Sasy plötzlich mit entschlossener Stimme sprach.
„Vany! Ich möchte, dass du mich jetzt richtig verletzt. Lass dir etwas einfallen! Als die Beine des Stuhls geschmolzen sind, war ich so wütend wie nie zuvor. Wenn an diesem ganzen Hokuspokus auch nur ein Funken Wahrheit dran ist, dann finden wir es nur so heraus.“
Vany starrte sie an, ihre Augen weiteten sich vor Unsicherheit. Ihre Hände, die zuvor auf ihren Knien ruhten, begannen leicht zu zittern. „Ehhhhmmm... Okay“, erwiderte sie schließlich, ihre Stimme unsicher, als ob sie die Ernsthaftigkeit von Sasys Vorschlag nicht ganz glauben konnte.
Sasy stand auf, ging entschlossen zum Rand der Lichtung und holte ein Stück Metall, das sie zwischen den Wurzeln eines alten Baumes entdeckt hatte. Sie legte es mit einem dumpfen Klang auf den Boden und trat einige Schritte zurück. Die Sonnenstrahlen fielen schräg auf das Metall, ließen es silbern glänzen und betonten die angespannte Haltung, mit der Sasy auf Vany wartete.
Vany atmete tief durch, ihre Augen waren halb geschlossen, als sie sich sammelte. Nach einer kurzen Pause sprach sie mit gedämpfter Stimme.
„Sasy... ich muss dir etwas gestehen. Ich habe dir deinen Ex-Freund Arthur ausgespannt.“
Einen Moment lang herrschte absolute Stille. Doch dann brach Sasy in schallendes Gelächter aus, so laut und ehrlich, dass die Bäume beinahe mitlachten.
„Ist das dein Ernst? Komm schon, denk dir eine bessere Geschichte aus. Gib dir ein bisschen mehr Mühe! Dieser Idiot kann von mir aus jeden Grashalm auf diesem Planeten daten!“ Sie schüttelte den Kopf, ihre Augen funkelten vor Belustigung.
Vany drehte sich beschämt zur Seite, während sie ihre Lippen aufeinanderpresste. Es war, als ob sie sich für ihre gescheiterte Lüge entschuldigen wollte. Doch dann straffte sie ihre Schultern, sammelte ihren Mut und sagte leise, aber bestimmt: „Okay, Sasy... Eigentlich wollte ich dir das in einer ruhigen Minute sagen, aber... deine geliebte Katze Minka wurde von einem Auto überfahren. Und... es war Arthur. Er wollte es dir selbst sagen, aber ich habe ihm versprochen, es dir nicht zu verraten.“
Die Worte hingen in der Luft wie ein schwerer, unsichtbarer Schleier. Das Lachen in Sasys Gesicht erstarb augenblicklich. Ein lähmendes Schweigen breitete sich aus, so tief, dass selbst das Zwitschern der Vögel verstummte. Die Blätter an den Bäumen schienen sich nicht mehr zu bewegen, und die Sonne warf lange Schatten, die sich wie Finger über den Waldboden zogen. Sasy stand regungslos da, ihre Augen starr auf einen Punkt gerichtet, der für Vany unsichtbar war. Eine einzige Träne glitzerte in den Sonnenstrahlen, während sie langsam über Sasys Wange rollte.
Sasy biss sich auf die Unterlippe, ihre Fäuste zitterten vor unterdrückter Wut. Ihre Nägel gruben sich tief in ihre Handflächen, und ihre Atmung wurde immer schneller, bis sie nur noch flach und stoßweise ging. Ihre Augen waren starr auf den Boden gerichtet, und ihre Gedanken überschlugen sich.
Plötzlich begann ihre Haut zu glühen, ein sanftes, goldenes Licht, das von innen herauszubrechen schien. Aus ihren Händen strahlte ein unerklärliches, pulsierendes Leuchten, das in Wellen durch den Wald flutete. Es war warm und mächtig, gleichzeitig beruhigend und beängstigend.
Vanys Augen weiteten sich vor Entsetzen, und ihr Herz schlug schneller. Sie spürte eine Gänsehaut über ihren gesamten Körper laufen, doch sie nahm all ihren Mut zusammen.
„Sasy! Hör auf, bitte! Das war doch nur Spaß!“ Ihre zittrigen Worte hallten zwischen den Bäumen wider, doch Sasy reagierte nicht. Es war, als ob sie in einer anderen Welt gefangen wäre. Ihre Augen waren auf ihre glühenden Hände fixiert, und ein Ausdruck von Faszination und Schrecken gleichermaßen lag in ihrem Gesicht. Sie wirkte gleichzeitig verängstigt und überwältigt von dem, was mit ihr geschah. Die Stille um sie herum war unnatürlich, als ob die Natur selbst den Atem anhielt.
Nach einigen endlosen Sekunden flüsterte Sasy schließlich, ihre Stimme zitternd vor Erkenntnis.
„Schau, Vany... schau, was hier passiert! Ich bin ein Juwel. Ich bin tatsächlich eines der 13 Juwelen – die Reinkarnation von Shasu, dem Juwel des Bodens und des Metalls.“ Ihre Worte waren kaum mehr als ein Hauch, doch ihre Bedeutung traf Vany wie ein Donnerschlag.
Die Erde unter ihren Füßen begann zu vibrieren, ein tiefes, bedrohliches Grollen, das sich wie eine wachsende Welle ausbreitete. Das zuvor unbewegte Metallstück, das auf dem Boden lag, begann zu zittern. Es hob sich langsam, von einer unsichtbaren Kraft ergriffen, und begann sich zu verbiegen, bis es schließlich die Form eines Hakens annahm. Die Bewegungen waren fließend, fast organisch, und dennoch unheimlich.
Das Grollen wurde stärker, und Vany verlor durch das Beben den Halt. Mit einem erschrockenen Schrei fiel sie zu Boden, wo sie sich verzweifelt an einer herausragenden Wurzel festklammerte. Ein scharfer Schmerz durchzog ihre Wade, als sie sich an einem hervorstehenden Ast verletzte. Blut begann durch den Riss in ihrer Jeans zu sickern, und sie hielt sich das Bein, ihre Finger wurden sofort rot.
„Sasy, bitte! Hör auf! Ich habe mich verletzt!“, schrie sie verzweifelt, Tränen liefen über ihr Gesicht. Ihre Stimme klang panisch, fast flehend, doch Sasy schien nichts wahrzunehmen.
Sasy stand wie versteinert da, die mysteriöse Kraft, die durch ihre Hände strömte, hielt sie in einem Bann. Ihre Augen waren groß vor ungläubigem Staunen, und ihr Atem war unregelmäßig. Um sie herum bebte die Erde weiter, als hätte sie etwas Uraltes und Unaufhaltsames geweckt. Der Wald, der eben noch friedlich gewesen war, schien sich in einen Ort purer, unkontrollierter Energie verwandelt zu haben. Vögel flatterten panisch davon, während die Baumkronen sich unter dem Druck der vibrierenden Luft beugten.
Doch als Sasy schließlich zu Vany schaute und ihre blutende Verletzung bemerkte, wich das Leuchten in ihren Augen langsam einer tiefen Erschütterung. Der Anblick ihrer verletzten Freundin ließ sie in die Realität zurückkehren, und sie murmelte leise: „Was habe ich getan?“
Sie wollte die Energie stoppen, doch sie wusste nicht, wie. Ihre Hände zitterten, und Tränen stiegen in ihre Augen, als sie hilflos auf Vany starrte. „Ich... ich weiß nicht, wie ich das aufhalten soll...“
In diesem Moment spürte Vany eine seltsame Wärme in ihrer Brust, ein Gefühl, das von innen herauswuchs und sie mit einer unbekannten Kraft erfüllte. Es war, als würde etwas in ihr erwachten, ein Funken, der plötzlich zu einem lodernden Feuer wurde. Das Gefühl wurde immer intensiver, bis auch ihre Hände zu glühen begannen. Ein zartes, goldenpinkes Licht erstrahlte aus ihren Handflächen, pulsierend und lebendig. Vany schaute überrascht auf ihre Hände, die vor Energie vibrierten, und richtete ihren Blick langsam auf Sasy.
„Sasy... ich weiß nicht, wie das passiert, aber... ich glaube, ich bin wie du.“, sagte Vany leise, ihre Stimme vor Staunen zitternd. Langsam streckte sie ihre Hände in Richtung ihrer Freundin, und das warme, glühende Licht umhüllte Sasy wie eine sanfte Umarmung. Die Erde unter ihnen beruhigte sich allmählich, das Grollen verklang, und die Natur kehrte in ihre gewohnte Ruhe zurück.
Plötzlich sackte Sasy in sich zusammen und fiel zu Boden. Sie murmelte, ihre Stimme gebrochen von Schluchzern.
„Ich bringe mich um, mein Leben hat keinen Sinn mehr! Ich muss dem Ganzen ein Ende setzen!“ Ihre Worte trafen Vany wie ein Schlag, und für einen Moment fühlte sie sich, als hätte die Welt aufgehört, sich zu drehen.
Doch Vany ließ sich nicht von der Verzweiflung überwältigen. „Was redest du denn da? Du bist noch jung, natürlich hat dein Leben noch einen Sinn“, erwiderte sie mit fester Stimme, während sie sich zu Sasy hinabbeugte. Ihr Gesicht war voller Entschlossenheit, ihre Augen funkelten mit einem neuen, unerschütterlichen Glanz.
Sasy schluchzte weiter.
„Nein, das hat es nicht mehr...“, flüsterte sie, ihre Stimme kaum hörbar.
Vany atmete tief ein, setzte sich neben Sasy und legte behutsam ihre Hände über die Schultern ihrer Freundin. Sie schloss die Augen und konzentrierte sich auf das schönste Gefühl, das sie je erlebt hatte. Vor ihrem inneren Auge sah sie sich und Sasy gemeinsam auf dem Bett sitzen und lachen, wie sie zusammen aufwuchsen und unzählige glückliche Momente teilten. Dieses Gefühl von Verbundenheit und Wärme erfüllte ihr Herz, und sie sprach leise vor sich hin. „Bitte schätze dein Leben und lebe deine Träume.“
Ein leuchtender, pink glitzernder Strahl schoss aus ihren Händen und ergoss sich über Sasy. Die Energie war warm, fast wie eine sanfte Umarmung, und erfüllte die Luft mit einer intensiven Präsenz, die beide Mädchen in ihrer Kraft umhüllte. Vany starrte Sasy fassungslos an, während ihre Stimme stockend erklang. „Das... das kann doch nicht wahr sein. Das ist kein Zufall. Ich glaube, ich bin wie du – ein Juwel der Existenz. Ich bin die Reinkarnation von Ventusa, dem Juwel der Liebe und der Gefühle.“
Vanys Stimme zitterte leicht, doch in ihren Augen lag ein neuer, unerwarteter Glanz. Sie holte tief Luft, als ob sie die Bedeutung ihrer Worte erst vollständig erfassen musste, bevor sie weitersprach. „Als du vorhin... als du dich umbringen wolltest, habe ich dir wohl all deine Hoffnung genommen und sie dann mit Liebe wieder aufgefüllt.“ Die Worte hingen wie ein sanfter Windhauch in der Luft, getragen von der leisen Melodie des Raschelns der Blätter um sie herum.
Sasy, die sich wieder bei klarem Verstand fühlte, richtete sich langsam auf. Ihre Hände zitterten leicht, während sie auf ihre Freundin starrte, ihre Augen weit vor Staunen. Das eben Geschehene war wie ein Traum, und doch fühlte es sich realer an als alles, was sie je erlebt hatte.
„Vany!“, rief sie schließlich, ihre Stimme voller Aufregung und Ungläubigkeit. „Es ist alles wahr – die Legende über die 13 Juwelen der Existenz ist wirklich wahr!“
Vany erwiderte ihren Blick, und ein Ausdruck tiefen Staunens lag auf ihrem Gesicht. Ihre Hände, die noch immer leicht von dem warmen, pinken Leuchten durchzogen waren, sanken langsam an ihre Seiten.
„Unglaublich!“, flüsterte sie, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch. Die Welt, wie sie sie bisher gekannt hatten, schien sich aufzulösen, um einer neuen, magischen Realität Platz zu machen.
Sasy atmete tief ein, versuchte, die wirbelnden Gedanken in ihrem Kopf zu ordnen, und sprach mit Nachdruck. „Ich kann es immer noch nicht glauben. Aber... du hast recht. Wir müssen diese Gabe für uns behalten. Niemand darf wissen, dass wir existieren. Die Menschen... sie würden uns jagen und töten. Sie würden uns aus Angst ausstoßen.“ Ihre Stimme wurde leiser, während sie sprach, und sie senkte den Blick. Der Gedanke daran, gejagt zu werden, fühlte sich plötzlich erdrückend real an.
Nach einem Moment des Schweigens hob sie jedoch ihren Kopf, und ein verschmitztes Lächeln umspielte ihre Lippen. Dann begann sie plötzlich zu lachen, ein befreites, beinahe trotziges Lachen.
„Das stimmt, Vany. Aber meine Eltern? Sie würden wahrscheinlich einen Schrein oder einen Altar für uns errichten!“ Ihre Worte brachten eine Leichtigkeit in die düstere Stimmung, und für einen Augenblick schien alles weniger bedrohlich.
Vany konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Sie stellte sich den Gedanken bildlich vor, und ein leises Kichern entfuhr ihr. „Ja, vermutlich würden sie eine Sekte oder Kirche gründen, und es gäbe jeden Tag frisches Obst nur für uns.“ Ihre Worte waren halb scherzhaft, doch in ihrem Lächeln lag auch ein Hauch von Besorgnis.
Sasy lachte herzhaft, eine warme, ehrliche Freude, die die Spannung zwischen ihnen löste. Sie fügte hinzu: „Ganz bestimmt! Aber weißt du was? Wir müssen diese unfassbaren Kräfte weiterentwickeln. Wir müssen lernen, sie zu beherrschen. Wir dürfen nie wieder zulassen, dass so etwas passiert.“ Ihre Stimme klang entschlossen, beinahe feierlich. Sie wusste, dass sie keine Wahl hatten. Diese Kräfte waren ein Teil von ihnen, und sie mussten lernen, mit ihnen umzugehen.
Vany nickte nachdenklich, ihre Hände ruhten auf ihren Knien. „Ja, das stimmt. Wir müssen sie trainieren, damit wir sie besser unter Kontrolle bekommen. Und wir müssen uns darauf vorbereiten, was die Zukunft uns bringt.“
Sie sah Sasy fest in die Augen, und ein stilles Einvernehmen lag zwischen ihnen. Es war, als hätten sie sich in diesem Moment ein unausgesprochenes Versprechen gegeben.
Von diesem Tag an trafen sich Vany und Sasy in jeder freien Minute im Wald auf der Nordlichtung. Die Lichtung, mit ihrem sanften Lichtspiel und der stillen Abgeschiedenheit, wurde zu ihrem Zufluchtsort und Trainingsplatz. Sie übten mit all ihrer Kraft, probierten verschiedene Ansätze und versuchten, die Kontrolle über ihre Fähigkeiten zu erlangen. Stunden vergingen in harter Konzentration, ihre Körper von Schweiß bedeckt, und ihre Energien schwankten zwischen völliger Erschöpfung und unerwarteten Durchbrüchen. Die Erde bebte, die Luft flimmerte, und manchmal erfüllten Funken und Lichtblitze den Raum zwischen den Bäumen.
