Die tanzenden Männchen - Sir Arthur Conan Doyle - E-Book

Die tanzenden Männchen E-Book

Sir Arthur Conan Doyle

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  • Herausgeber: SAGA Egmont
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2019
Beschreibung

Was hat es auf sich mit den tanzenden Strichmännchen? Hat es mit der geheimnisvollen Vergangenheit der amerikanischen Frau von Holmes' Klienten Cubitt zu tun? Diese erhält seit Kurzem rätselhafte Blätter, auf denen diese Figuren zu sehen sind – sonst nichts. Holmes erkennt rasch, dass es sich dabei um einen Geheimcode handelt. Und dann muss er schnell handeln, denn die Cubitts sind in größter Gefahr...-

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Seitenzahl: 47

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Sir Arthur Conan Doyle

Die tanzenden Männchen

Saga

Die tanzenden MännchenCopyright © 1904, 2019 Arthur Conan Doyle und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726372366

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von SAGA Egmont gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com und Lindhardt og Ringhof www.lrforlag.dk

– a part of Egmont www.egmont.com

Die tanzenden Männchen

Sherlock Holmes hatte stundenlang über eine Porzellanschale gebeugt gesessen, in der er ein besonders übelriechendes chemisches Produkt braute. Sein Kopf war auf die Brust herabgesunken, und der lange, schmale Rücken war so gekrümmt, dass die Gestalt meines Freundes einem schlanken Vogel mit grauem Gefieder und schwarzer Haube glich.

„ Du willst also keine südafrikanischen Papiere kaufen, Watson?“ sagte er urplötzlich.

Ich konnte mein Erstaunen über diese Frage nicht unterdrücken. Obgleich er mir schon häufig Beweise bewunderswerter Fähigkeiten gegeben hatte, war mir doch dieses Erraten meiner innersten Gedanken gänzlich unfassbar.

„ Woher in aller Welt weisst du das?“ fragte ich ihn. Holmes drehte sich auf seinem Stuhl um. Er hatte ein rauchendes Reagensröhrchen in der Hand, und seine tiefliegenden Augen zeigten eine vergnügte Stimmung an.

„ Nun, Watson, du bist überrascht?“ sagte er.

„Das bin ich allerdings.“

„Dieses Zugeständnis sollte ich mir eigentlich schriftlich von dir geben lassen.“

„Warum?“

„Weil du in fünf Minuten sagen wirst, auf diesen Gedanken zu kommen, sei ungeheuer einfach gewesen.“

„Das werde ich sicher nicht sagen.“

„Pass’ mal auf, mein lieber Watson,“ — er steckte das Probierröhrchen in das Gestell und begann mit der Miene eines Lehrers zu reden, der zu seinen Schülern spricht — ,,es ist tatsächlich nicht so schwer, eine Reihe von Schlüssen zu ziehen, von denen jeder aus dem vorhergehenden folgt, und von denen jeder einzelne sehr leicht ist. Wenn man das tut, und dann die mittleren weglässt, und seinen Zuhörern nur den ersten und letzten sagt, so kann man eine verblüffende, mitunter eine geradezu wunderbare Wirkung erzielen. So war es wahrhaftig keine Kunst, an deinem linken Zeigefinger und Daumen zu erkennen, dass du die Absicht, dein kleines Vermögen in afrikanischen Minen-Werten anzulegen, aufgegeben hattest.“

„ Hier sehe ich keinerlei Verbindung.“

„ Das ist wohl möglich, aber ich kann dir schnell die einzelnen Glieder der Kette der Reihe nach zeigen. Erstens: Als du gestern abend aus dem Klub kamst, hattest du Kreidespuren an Daumen und Zeigefinger der linken Hand. Zweitens: Das ist nur der Fall, wenn du Billard gespielt und das Queue mit Kreide bestrichen hast. Drittens: Du spielst nur mit Thurston Billard. Viertens: Du erzähltest mir vor vier Wochen, dass Thurston südafrikanische Aktien, die nach einem Monat ausgegeben würden, zu kaufen gedenke, und du dich daran beteiligen wolltest. Fünftens: Dein Scheckbuch ist in meinem Schrank eingeschlossen, und du hast bis heute noch nicht nach dem Schlüssel gefragt. Sechstens: Du hast also die Absicht aufgegeben, dein Geld in diesen Werten anzulegen.“

„Wie ungeheuer einfach!“ rief ich unwillkürlich aus.

„Genau, wie ich gesagt hatte,“ fuhr mein Freund etwas ärgerlich fort. „Jedes Problem erscheint dir kinderleicht, nachdem man dir’s erklärt hat. Hier habe ich aber eins, das noch nicht erklärt ist. Sieh, was du damit machen kannst, alter Freund.“ Er warf mir ein Blatt Papier auf den Tisch und wandte sich selbst wieder seiner chemischen Analyse zu.

Ich betrachtete erstaunt die merkwürdigen Hieroglyphen auf dem Papier.

„Ei nun, Holmes,“ rief ich, „das hat ein Kind gemacht!“

„Das ist deine Ansicht!“

„Was soll es denn sonst sein?“

„Ja, das möchte Herr Hilton Cubitt aus Riding in Norfolk auch gerne wissen. Das kleine Rätsel ist mit der ersten Post eingelaufen, und der Absender selbst will mit dem nächsten Zug kommen. … Es klingelt, Watson, und es sollte mich gar nicht überraschen, wenn er’s schon wäre.“

Auf der Treppe wurden schwere Tritte hörbar, und im nächsten Moment machte ein grosser, frisch aussehender Herr mit glattrasiertem Gesicht unsere Stubentür auf. Seine klaren Augen und seine blühende Gesichtsfarbe sagten uns, dass er entschieden keinen Beruf hatte, der ihn an die Bakerstrasse 1 fesselte. Er schien bei seinem Eintritt einen Hauch der kräftigen, nervenstärkenden Seeluft seiner Heimat mitzubringen. Als er jedem von uns die Hand geschüttelt hatte und Platz nehmen wollte, fiel sein Blick auf das Papier mit den sonderbaren Zeichen, das ich eben in der Hand gehabt und wieder auf den Tisch gelegt hatte.

„ Nun, Herr Holmes, was meinen Sie dazu?“ rief er mit markiger Stimme aus. „Man hat mir erzählt, dass Ihnen solche rätselhaften Sachen Spass machten, und ich glaube kaum, dass es eine rätselhaftere gibt als diese. Ich habe den Zettel vorausgeschickt, damit Sie ihn vor meiner Ankunft studieren könnten.“

„Es ist wirklich eine seltsame Schreiberei,“ erwiderte Holmes. „Auf den ersten Blick könnte man es für das Gekritzel eines Kindes halten. Es besteht aus einer Anzahl kleiner Figuren, die über das Papier tanzen. Warum legen Sie diesem dummen Zeug überhaupt eine besondere Bedeutung und so grosse Wichtigkeit bei?“

„ Mir würde es gar nicht einfallen, aber meine Frau tut’s. Sie ist darüber zu Tod erschrocken. Sie sagt zwar nichts, ich kann ihr aber die Furcht aus den Augen ablesen, und darum möchte ich der Sache auf den Grund kommen.“

Holmes nahm den Zettel und hielt ihn gegen das helle Tageslicht. Es war ein Blatt aus einem Notizbuch. Die Zeilen waren mit Bleistift gemacht und sahen ungefähr so aus:

Holmes prüfte das Blatt eine Zeitlang, faltete es dann sorgfältig zusammen und legte es in sein Notizbuch.

„Es verspricht, ein äusserst interessanter und ungewöhnlicher Fall zu werden,“ sagte er. „Sie haben mir in Ihrem Briefe bereits einige näheren Angaben gemacht, es würde mir aber angenehm sein, wenn Sie im Interesse meines Freundes Dr. Watson hier das Ganze noch einmal im Zusammenhang erzählen wollten.“