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Wenn Gelenke schmerzen, haben Ärzte und Kliniken viel anzubieten – und raten oft schnell zur OP, wenn schulmedizinische Therapien nicht helfen. Aber Schmerzen und Bewegungsprobleme sind nicht nur mit Skalpell oder Tabletten zu besiegen, das hat auch Prof. Dr. med. Musa Citak vor Jahren erfahren. Kurz vor der geplanten Operation verschwanden seine Beschwerden durch Akupunktur. Daraufhin bildete er sich in alternativen Heilverfahren fort und entwickelte ein revolutionäres ganzheitliches Behandlungskonzept, mit dem sich jeder selbst helfen kann. In seinen Therapieansatz fließen schulmedizinisches Wissen ebenso ein wie die neuesten Erkenntnisse aus der Naturheilkunde. Für das Buch hat er einen ausführlichen Test entwickelt, mit dem Sie der Ursache Ihres Schmerzes auf den Grund gehen können, denn "Nur wer die Schmerzursachen der Arthrose erkannt hat, kann sich selbst helfen", sagt Prof. Citak. Dieses Buch erklärt, wie Arthrose entsteht und wie Sie mit kleinen Änderungen alltäglicher Gewohnheiten für eine Linderung der Beschwerden sorgen können.
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Seitenzahl: 259
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Vorwort
Kapitel 1Arthrose: Ursachen, Verlauf und Folgen
Die Wahrheit über Arthrose
Arthrose – niemand muss umsonst leiden
Die fünf Säulen meiner Therapie
Was ist eigentlich Arthrose?
Schmerzen kommen in Schüben
Arthrose: Mythen und Wissenswertes
Warum habe ich Arthrose?
Selbsttest: Wie hoch ist mein Arthrose-Risiko?
Wie kann ich die Diagnose selbst stellen?
Sprechstunde: Ich habe mal eine Frage
Gelenkschmerzen: Wann ist es Rheuma?
Kapitel 2Sanfte Hilfe gegen Schmerzen
Gesundheit aus der Natur – Heilkräuter gegen Arthrose
Naturheilmittel mit Tradition
Sanfte Hilfe mit alternativen Heilmethoden
Wie Entspannung gegen Schmerzen hilft
Endlich erholsam schlafen
Beugen Sie mit Bewegung gegen Arthrose vor
Sport bei Arthrose: Das sollten Sie beachten
Essen für die Gesundheit: So stärken Sie Ihre Gelenke
Heilsame Kräuter und Gewürze
Kapitel 3Arthrose- und Muskelschmerzen: Bleiben Sie in Bewegung
Die Füße
Meine Tipps für gesunde Füße
Schöne Grüße an die Füße
Das Knie
Meine Tipps bei Kniegelenksarthrose
Sehnen- und Schleimbeutelentzündungen
Schmerzen im Ober- und Unterschenkel
Arthroskopie hilft nicht bei Kniebeschwerden
Die Hüfte
Meine Tipps bei Hüftarthrose
Sehnen- und Schleimbeutelentzündungen in der Hüfte
Gutes für die Hüfte
Die Schulter
Meine Tipps bei Schulterarthrose
Schmerzen in Muskeln und Sehnen
Die Hand
Meine Tipps bei Handarthrose
Highlights für die Hände
Der Ellenbogen
Spezialfall: Tennisellenbogen
Spezialfall: Golferarm
Kapitel 4Klassische Therapien bei Arthrose
Klassische Behandlungen: So hilft der Arzt
Fünf Fälle aus meinem Praxisalltag
Welcher Orthopäde ist der richtige für mich?
Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation?
Selbsttest: Muss ich schon operiert werden?
Schmerzen nach der Operation
Patientenprobleme
Nützliches aus der Forschung für Arthrose-Patienten
Checkliste: So bereite ich mich auf den Arztbesuch vor
Kapitel 5Gesund essen gegen den Schmerz
Gesunde Gelenke auf Rezept
Rezepte
Auch wenn Arthrose nicht heilbar ist, können Sie viel tun, um die Schmerzen zu lindern und das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten. Gewinnen Sie Ihre Lebensqualität zurück. Mein Fünf-Säulen-Programm, das verschiedene Therapieansätze sinnvoll zusammenbringt, wird Ihnen dabei helfen.
Etwa fünf Millionen Menschen leiden in Deutschland an der häufigsten aller Gelenkerkrankungen: an Arthrose. Mit dem demografischen Wandel werden es immer mehr. Bei den über 60-Jährigen sind schon heute jede zweite Frau und jeder dritte Mann betroffen. Mehr als vier Millionen Menschen haben bereits ein künstliches Gelenk. Ob im Knie, an der Hüfte, an den Händen, den Füßen oder in der Schulter – der Knorpelverschleiß kann jede Bewegung zur Qual machen. Die Erkrankung gilt als unheilbar. Es gibt keine Medikamente, die geschädigte Knorpel wiederherstellen können. Das klingt erst einmal deprimierend – doch es ist zum Glück nicht die ganze Wahrheit!
Als Arzt habe ich täglich mit Menschen zu tun, die unter der tückischen Krankheit leiden. Nach meiner langjährigen Erfahrung in der Forschung, nach Tätigkeiten in Krankenhäusern, in verschiedenen Arztpraxen und Rehakliniken kann ich Ihnen sagen: Auch wenn es keine Heilung gibt, lassen sich Schmerzen lindern. Und das ist das Wichtigste. Ich konnte schon vielen Patienten helfen, die die Hoffnung auf eine Besserung ihrer Beschwerden nach einer langen Ärzte-Odyssee bereits aufgegeben hatten, aber dann doch noch ihren ganz individuellen Weg zurück in ein normales Leben gefunden haben. Ich bin in der Schulmedizin und in der alternativen Medizin ausgebildet und versuche immer, das Beste aus beiden Welten zusammenzubringen.
Dieses Buch ist mein persönliches Programm, das aus Behandlungserfolgen in der Praxis entstanden ist. Es ist eine Mischung aus Selbstbehandlungen und Therapien, die der Orthopäde für Sie machen kann. Nach meinem Fünf-Säulen- Konzept finden Sie und Ihr Arzt erst einmal heraus, woher Ihr Schmerz kommt. Dann probieren Sie – ohne Risiko – verschiedene Behandlungsmöglichkeiten aus und versuchen dabei, Ihren Lebensstil zu verbessern. Häufig verändert sich das Schmerzempfinden schon, wenn Sie lernen, sich zu entspannen und sich Pausen vom Alltag zu gönnen. Eine gelenkfreundliche Ernährung und das richtige Maß an Bewegung sind weitere Säulen meines Konzepts. Nutzen Sie dieses Buch als Hilfe zur Selbsthilfe. Betrachten Sie es als Chance für einen Neuanfang mit weniger Schmerzen und mehr Lebensfreude.
Alles Gute wünscht Ihnen Ihr
Prof. Dr. med. Musa Citak
Millionen Menschen leiden an Gelenkschmerzen, die durch Arthrose entstehen. Woher kommt die Erkrankung? Wen trifft sie? Warum können Ärzte und Patienten selbst sehr viel tun, obwohl der Gelenkverschleiß nicht heilbar ist? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Entstehung, zum Verlauf und zur Behandlung von Arthrose.
„Sie haben Arthrose.“ Diese Diagnose ist kein unabänderliches Schicksal, auch wenn die Krankheit nicht heilbar ist. Ob bei der Ursachensuche, bei Therapien oder mithilfe der Ernährung – für ein langes, gesundes Leben kann jeder selbst eine ganze Menge tun, wie der Autor dieses Buchs, Prof. Dr. med. Musa Citak, im Interview erklärt.
Die Wahrheit ist, dass es keine Therapie gibt, die garantiert hilft. Arthrose ist ein sehr komplexes Krankheitsbild. Ob es um die Ursachen, um Schmerzen oder um die richtige Behandlung geht, das ist von Mensch zu Mensch so unterschiedlich, dass jedes pauschale Heilsversprechen falsche Hoffnungen wecken würde. Das heißt aber nicht, dass es keine Hilfe gibt. Im Gegenteil, die Wahrheit ist auch: Ob Arzt oder Patient, jeder kann viel tun, um gegen Arthrose vorzubeugen, die Krankheit aufzuhalten und die Schmerzen zu lindern. Das Problem dabei ist nur, dass es enorm viele sinnvolle Therapien gibt, die nicht bei jedem gleich wirken.
Ich gebe meinen Lesern Hilfe zur Selbsthilfe. Mit meinem Buch kann jeder eigenständig herausfinden, woher seine Schmerzen kommen und welche Übungen oder Therapien sinnvoll sind. Dann gilt es auszuprobieren, was einem hilft – und zwar ohne Risiken und Nebenwirkungen. Ich schlage vor allem Maßnahmen vor, die man ganz einfach selbst zu Hause machen kann. Dabei kann man natürlich auch mehrere Therapien kombinieren, um die Effektivität zu steigern.
Nein, auf keinen Fall! Jeder, der Schmerzen hat, sollte sich so früh wie möglich von einem Mediziner untersuchen lassen. Denn bei reinen Selbstbehandlungen wird zu oft etwas übersehen. Auch bei Naturheilverfahren oder Methoden aus der traditionellen chinesischen Medizin ist es hilfreich, sich zumindest am Anfang von einem Experten beraten zu lassen. Deshalb stelle ich auch die wichtigsten komplementären Therapien als sinnvolle Ergänzungen vor.
Die längste Zeit meines Arztlebens war ich Schulmediziner, der früher, muss ich gestehen, die Naturheilkundler auch mal belächelt hat. Inzwischen muss ich allerdings sagen, dass die Praxis mich eines Besseren belehrt hat. Mein wissenschaftliches Verständnis, das ich mir in meiner Ausbildung als Schulmediziner erworben habe, hat mir geholfen, in kurzer Zeit Therapien aus der Naturheilkunde kennenzulernen und so einzusetzen, dass meine Patienten davon profitieren. Es gibt Krankheiten, die kann ich sehr schnell mit der Schulmedizin behandeln, und andere, bei denen Naturheilverfahren besser wirken. Manchmal hilft auch eine Kombination aus beiden – das kommt immer auf den Einzelfall an. Ich habe auch einiges an mir selbst ausprobiert.
Ich hatte plötzlich Rückenschmerzen, die immer schlimmer wurden. Ich musste immer mehr Tabletten nehmen, um überhaupt durch den Tag zu kommen. Ich konnte nur noch gekrümmt arbeiten, bis ich gar nicht mehr aus dem Bett kam. Das MRT zeigte zwei Bandscheibenvorfälle. Nichts half langfristig, ich war schließlich bereit, mich operieren zu lassen. Durch Zufall kam ich zur Akupunktur. Obwohl ich zunächst skeptisch war, ließ ich mich darauf ein. Und tatsächlich ging es mir schnell viel besser. Mein Forscherherz wollte dann mehr über diese Methode erfahren, also habe ich mich weitergebildet. Inzwischen sehe ich meine Lebensaufgabe darin, die erlernten Methoden immer weiter zu verbessern und Operationen möglichst zu verhindern oder zu verzögern.
Wenn wir die radiologische Diagnose „Arthrose“ nehmen, wird sicherlich nur ein Bruchteil der Arthrose-Patienten operiert. Arthrose ist nicht lebensbedrohlich. Der Patient entscheidet, ob er operiert werden will oder nicht. Das hängt meist von seinen Schmerzen und seiner Vorstellung von Lebensqualität ab. Diese beiden Kriterien sind von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Ich erlebe es häufig, dass Patienten eine Operation anfangs kategorisch ablehnen und später mit der gleichen Vehemenz darum bitten. Schmerzen verändern vieles. Ich rate jedem zwei Dinge: Schöpfen Sie die konservativen Therapien gut aus und wählen Sie, wenn Sie sich operieren lassen wollen, ein Krankenhaus, in dem genau die Operation, die Sie benötigen, oft gemacht wird. Studien zeigen, dass die Zufriedenheit der Betroffenen mit der Anzahl der operierten Patienten steigt. Das heißt: Die Patienten profitieren von der Erfahrung der Operateure.
Eine Kombination aus traditionellen und modernen Methoden ist oft hilfreich.
Auch wenn es populär geworden ist, auf die Schulmedizin zu schimpfen, muss man sagen, dass wir damit deutlich älter werden. Die Lebenserwartung und die Erwartung an die Lebensqualität steigen gleichzeitig. Wir Ärzte haben eine neue Generation von Älteren vor uns, die sehr fit sind und sich nicht von Schmerzen einschränken lassen wollen. Kaum jemand kann sich vorstellen, dass Schmerzen und Arthrose zum Älterwerden dazugehören. Wir wollen alle gesund alt werden. Leider fällt uns das meist zu spät ein, was sich bei Arthrose besonders zeigt. Denn die Grundlagen für die Erkrankung werden schon früh gelegt.
Das kommt auf den Sport an. Hier gilt der Spruch von Paracelsus: Die Dosis macht das Gift. In meiner Praxis sehe ich vor allem Leute, die entweder zu viel oder zu wenig Sport treiben. Es fehlt das gesunde Mittelmaß. Wer viel Sport treiben will, sollte seine Statik zuvor genau analysieren lassen. Läuft man zum Beispiel mit O-Beinen Marathon, wird man später schneller Arthrose bekommen. Für die Gelenke ist Leistungssport selten gut. Viel wichtiger sind regelmäßige Bewegung und Übungen, mit denen wir den vollen Bewegungsraum der Gelenke nutzen, ohne sie zu überlasten. Die schlechteste Lösung ist natürlich ein Leben auf der Couch.
Ich habe an mir selbst bemerkt, dass es einen klaren Zusammenhang gibt. Wenn ich mich schlecht ernähre, habe ich schneller Schmerzen in den Sehnen und im großen Zeh. Dort habe ich nämlich Arthrose, nachdem ich mir früher mal das Zehengelenk beim Sport gebrochen hatte. Tierische Fette, Fleisch von Säugetieren und Zucker verursachen bei mir Schmerzen, also meide ich sie. Diese Ernährungsweise empfehle ich auch meinen Patienten. Ich wende auch andere alternative Methoden bei mir selbst an beziehungsweise bitte Kollegen darum. Dazu gehört zum Beispiel das Schröpfen, das auch bei mir sehr wirksam ist, oder Akupunktur.
Beim Schröpfen werden Verspannungen mit Unterdruck gelöst.
Nicht unbedingt. Für die Entstehung der Arthrose ist Zeit ein wesentlicher Faktor. Je mehr Risikofaktoren ein Mensch hat, desto schneller bildet sich Arthrose. Das Alter ist eher nebensächlich. Vor allem ehemalige Sportler bekommen häufig sehr früh Arthrose. Man kann aber auch weit über 80 Jahre alt sein und keine Arthrose haben. Ich sehe solche beneidenswert gesunden Menschen nur selten, weil sie gar nicht zu mir kommen. Warum auch? Wenn jemand keinerlei Risiko hat, reicht die Zeit eines normalen Lebens theoretisch nicht aus, um Arthrose zu entwickeln.
Nein. Arthrose ist immer noch eine unheilbare Erkrankung. Heilung ist auch nicht das Ziel meiner Therapien. Es geht vielmehr darum, den Prozess aufzuhalten beziehungsweise zu verlangsamen und die Schmerzen zu lindern.
Wenn das Röntgenbild die Notwendigkeit der Operation bestätigt und der Patient sie wirklich braucht, ist die Zufriedenheit ein Jahr danach sehr groß. Drei Kriterien sind dafür die Voraussetzung: Ist die konservative Therapie wirklich ausgeschöpft? Stimmt der Zeitpunkt der Operation? Ist mein Operateur der richtige für diesen Job? Auch um solche Fragen geht es in diesem Buch.
Der Arzt kann genau erkennen, wie weit die Arthrose fortgeschritten ist.
Ja, aber zum Glück nur selten. Vorsorge- untersuchungen und das Verbot von Kinderarbeit haben sicherlich viel dazu bei- getragen. Wenn Jugendliche Arthrose haben, sind das häufig Leistungssportler, deren Statik nicht perfekt ist. Je schlechter die Statik, desto schneller lernt man einen Orthopäden kennen. In vielen Fäl-len holen wir uns aber schon in der Kindheit eine Prä-Arthrose, aus der sich dann erst viel später Arthrose entwickelt.
Das kann daran liegen, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt gestört ist. Oder die Betroffenen sind bei einem Arzt gelandet, der andere Schwerpunkte hat. Das kommt häufig vor. Viele Patienten glauben nämlich, dass Ärzte alles gleich gut können. Dabei nehmen Spezialisierungen immer mehr zu. Gehen Sie auf die Webseite eines Arztes und sehen Sie sich seine Schwerpunkte an. Wer viel operiert, wird keine Zeit für konservative Therapie haben. Wer konservative Therapie macht, kann nicht gleichzeitig der beste Operateur sein.
Da Arthrose am Anfang nicht schmerzhaft ist, bleibt sie lange unbemerkt. Wird durch Zufall ein Knorpelschaden festgestellt, interessiert dies kaum jemanden. Ich frage meine Patienten in solchen Fällen, ob sie lieber abwarten und nichts tun oder eine Risikoanalyse und Prävention wollen. Die meisten wollen abwarten, bis der Schmerz kommt. Da das 10 bis 30 Jahre dauern kann, lässt es sich gut verdrängen. Und dann ist es zu spät. Das Problem ist deshalb nicht, die Diagnose Arthrose zu stellen, sondern sie frühzeitig zu stellen.
In Anbetracht der Tatsache, dass wir in Zukunft immer älter werden und dabei immer höhere Ansprüche an unsere Lebensqualität haben, wird Arthrose ein immer größeres Thema. Um die Probleme, die auf uns zukommen, lösen zu können, muss die Prävention frühzeitig beginnen. Da aber viele mögliche Ursachen zu berücksichtigen sind, ist dies schwierig. Ich kann jedem nur raten: Finden Sie Ihre Risiken heraus und tun Sie frühzeitig etwas, um dann im Alter ein schmerzfreies Leben genießen zu können. Sie haben es in der Hand.
Eine Arthrose – auch mit starken Schmerzen – ist kein Grund, sich aufzugeben. Denn viele Probleme lassen sich mit jahrtausendealten Heilmethoden oder neuesten Techniken schonend und weitgehend risikolos behandeln. Sie müssen es nur wollen und wissen, was heute möglich ist. Werden Sie Ihr eigener Experte!
Vor einigen Jahren habe ich es selbst erfahren, wie starke Schmerzen die Lebensqualität beeinträchtigen können. Mir tat es in der Lendenwirbelsäule unglaublich weh. Ein Kollege stellte die Diagnose: Bandscheibenvorfall. Auf Dauer wäre es unerträglich gewesen. Ich durchlief mehrere konservative Therapien, doch nichts half. Mein Kollege hatte sehr schnell nur noch einen Rat: „Du musst dich operieren lassen.“ Ich war überrascht, wie fix das ging. Nach ein paar Monaten war ich zermürbt und wehrte mich nicht länger. Der Operationstermin stand schon fest. Durch Zufall traf ich eine Kollegin, die sich auf Akupunktur spezialisiert hatte. Ich war damals nur in der klassischen Schulmedizin ausgebildet und hielt diese für das einzig Wahre. Aber ich ließ mich überreden, schaden konnte es ja nicht. Also ließ ich mich darauf ein. Schon kurze Zeit später staunte ich genauso, wie meine Patienten es heute immer wieder tun: Die Schmerzen ließen schon nach der ersten Behandlung nach und waren einige Zeit später völlig verschwunden. Ich brauchte keine Operation, mein Rücken blieb bis heute schmerzfrei. Von diesem Zeitpunkt an wollte ich mehr wissen.
Ich war begeistert und beschloss, mich mit alternativen Heilmethoden zu beschäftigen. Als ich meinen damaligen Chef um Unterstützung bei zusätzlichen Ausbildungen bat, sah dieser mich entgeistert an: „Und morgen tanzen Sie ums Feuer?“ Ich tanzte zwar nicht, doch ich bildete mich fort, allen verächtlichen Reaktionen der Schulmediziner zum Trotz. Ich beschäftigte mich in Studien und Weiterbildungen mit alternativen Therapien. Als Wissenschaftler analysierte ich Verfahren und Behandlungskombinationen, mit denen ich sehr vielen Patienten ohne Operation helfen konnte, die teilweise jahrelang vergeblich auf Hilfe gewartet hatten. Die sich Operationen unterzogen hatten, aber trotzdem nicht gesund wurden. Die unnötig Schmerzen ertrugen und nichts anderes mehr für sich taten, als Tabletten zu schlucken, deren Dosis sie ständig erhöhen mussten. Und das, obwohl sie durchaus wussten, dass regelmäßige Bewegung Ihre Situation verbessern würde, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist und starkes Übergewicht die Gelenke unnötig belastet.
Leider ist eine Umstellung der Lebensgewohnheiten alles andere als einfach. Eine süße Lüge passt uns Menschen besser als die bittere Wahrheit. Wir neigen nun einmal dazu, die oftmals anstrengende Realität zu verdrängen und uns an Hoffnungen zu halten, die Lohn ohne Leistung versprechen. Wir möchten ewig jung, agil und schmerzfrei sein – aber bitte ohne etwas dafür zu tun. Natürlich würde ich dies jedem Menschen gönnen. Doch es geht nicht ohne Eigeninitiative. Wir empfinden es als ungerecht, wenn ein 40-Jähriger sich nur noch mit Mühe bewegen kann und ein 70-Jähriger schmerzfrei durchs Leben läuft, statt zu fragen, was der 70-Jährige anders gemacht hat. Es wird wohl noch ein paar Jahrzehnte dauern, bis wir dem Geheimnis der ewigen Jugend auf die Spur kommen – wenn überhaupt. Warten Sie deshalb nicht auf ultimative Verjüngungspillen, sondern werden Sie selbst aktiv. „Aber gegen Arthrose kann man doch nichts machen. Die kommt doch von allein“, werden Sie jetzt vielleicht einwenden. Das stimmt, kein seriöser Arzt wird das bestreiten. Aber es heißt noch lange nicht, dass Sie sich Ihrem Schicksal ergeben müssen.
Ein Knorpelschaden ist nicht gleichzusetzen mit Arthrose. Allein wäre ein Schaden nicht einmal schmerzhaft. Die Arthrose hingegen tut weh – allerdings nicht immer. Das Ziel einer erfolgreichen Therapie sollte lauten: Halten Sie die schmerzfreie Phase so lange und die schmerzhafte so kurz wie möglich. Ich bin sicher, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass Sie später unter Arthrose und Schmerzen leiden, wenn Sie sich rechtzeitig mit diesem Thema auseinandersetzen und so die Bedingungen dafür schaffen, die die Gefahr der Entstehung reduzieren und Schmerzen verhindern. Das geht schon im Kindesalter los. Wenn ich meine Tochter vom Sport abhole, habe ich oft Gelegenheit, noch ein bisschen zuzuschauen. Dabei sehe ich, dass etwa 70 Prozent der Kinder Fehlstellungen an den unteren Extremitäten haben. Wenn sich das nicht herauswächst oder zeitig behandelt wird, ist eine Arthrose mit Schmerzen im späteren Leben beinahe vorprogrammiert. Mit gezieltem Training und anderen Hilfsmitteln ließe sich die Ausgangssituation verbessern, doch das interessiert junge Menschen wenig. Sie möchten sich nicht mit Problemen auseinandersetzen, die erst 30 Jahre später auftreten werden. Hier gilt, was der Dalai Lama sagte: „Der Mensch opfert erst seine Gesundheit, um Geld zu machen. Dann opfert er sein Geld, um seine Gesundheit wieder zu erlangen.“
Im Gespräch mit Patienten versuche ich, ihnen ihre Situation bildlich vor Augen zu führen: Dazu sollen Sie sich Ihre Lebensenergie am Vorbild der chinesischen Medizin wie einen Topf mit Hühnerbrühe vorstellen, den jeder mit der Geburt erhält und der im Laufe der Jahrzehnte langsam zur Neige geht. Sie werden verstehen, dass Sie die Möglichkeit haben, exzessiv zu leben, die vorbestimmten Ressourcen nicht zu beachten und den Topf schnell zu leeren. Oder dass Sie sparsam damit umgehen, sich gesund ernähren und ausgewogen leben, um länger etwas davon zu haben. Leider sind wir erst dann bereit, in unsere Gesundheit zu investieren, wenn eine Krankheit bereits die Oberhand gewonnen hat.
Damit meine Patienten eine Chance auf ein schmerzfreies oder zumindest schmerzreduziertes Leben haben, behandele ich sie so umfassend wie möglich nach meinem persönlichen System, das auf fünf Säulen beruht und von der Ursachensuche bis zur richtigen Ernährung reicht. Wenn Sie dies beachten, können Sie einen Großteil der Therapie selbst durchführen.
Mein Behandlungsprogramm beginnt immer mit der Frage: Woher kommt der Schmerz? Ist es der Muskel oder der Sehnen-Schleimbeutel-Komplex? Kommt der Schmerz aus dem Gelenk durch Aktivierung einer Arthrose oder durch Knochenstress? Oder handelt es sich um ein Nervenproblem? Jeder Schmerz hat eine Ursache. Ein Gelenk ist umgeben von vielen Strukturen, die dabei eine Rolle spielen. Nur wenn Sie die Ursache herausfinden, können Sie die passende Therapie einsetzen. In diesem Buch stehen Ihnen einige Selbsttests zur Verfügung, mit denen Sie Ihr Risiko einschätzen und schnell herausfinden können, ob es sich wirklich um Arthrose handelt. Das sollte Ihnen – ergänzend zum Arztbesuch – weiterhelfen.
Ob im Freundeskreis, im Beruf unter Kollegen, im Krankenhaus oder im Wartezimmer beim Arzt: Sie werden immer wieder auf Leute stoßen, die Ihnen unrealistische Heilsversprechen machen. Die auf ein angebliches Wundermittel setzen (oder jemanden kennen, der damit gute Erfahrungen gemacht hat) und jede Alternative schlechtreden, weil sie bei ihnen vielleicht nicht sofort den gewünschten Effekt gebracht hat. Glauben Sie nicht alles, was andere erzählen, sondern probieren Sie selbst, was Ihnen guttut. Jeder Mensch ist anders und reagiert anders. Stereotype Behandlungen helfen meist nur bedingt. Zur Ruhe kommen, sich entspannen, loslassen und Freude empfinden: Auch das ist ein wichtiger Teil der Schmerztherapie. Anregungen dazu finden Sie ab Seite 50.
Stressvermeidung ist ein wichtiger Bestandteil der Schmerzfreiheit. Ob ein Glas halb voll oder halb leer ist, ob wir in einer guten oder in einer schlechten Welt leben, das hängt vom Blickwinkel des Betrachters ab. Wir können es uns selbst aussuchen. Jede negative Situation oder Information verändert uns nachhaltig. Wenn man stressfrei leben will, benötigt man einen guten Filter für die negativen Einflüsse. Sie können einen stressigen Job haben, aber wenn Ihr Privatleben stressiger ist als Ihr Berufsalltag, dann haben Sie ein Problem.
Die Ernährungsmedizin hat gerade in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Wir wissen immer mehr über den Zusammenhang zwischen unserer Gesundheit und dem, was wir essen. Sie können über Ihre Ernährung sehr viel bewirken. Daher rate ich zu einer gelenkfreundlichen Kost, bei der ausgewählte Lebensmittel gegen Entzündungen wirken, Schmerzen lindern, das Bindegewebe stärken und die Nieren anregen. Meine Anti-Schmerz-Diät erfordert eine Ernährungsumstellung, die vor allem darauf basiert, dass Sie eine Zeit lang kein Fleisch von Säugetieren und keine zuckerhaltigen Lebensmittel essen und auf eine frische, vitaminreiche Kost setzen. Wenn Sie Übergewicht abbauen müssen, empfehle ich Ihnen Teilzeitfasten. Rezept- vorschläge zu meinem Ernährungsprogramm finden Sie ab Seite 174.
Viele Leute erliegen einem großen Irrtum, nach dem Motto: Wenn die Gelenke im Laufe des Lebens verschleißen, ist es wohl das Beste, sie zeitig zu schonen. Auch Ärzte waren früher dieser Meinung und rieten im Zweifelsfall zur Bettruhe. Heute wissen wir, dass dies grundfalsch war und raten mittlerweile zum Gegenteil: Bewegen Sie sich, das ist die beste Medizin gegen Arthrose! Denn Bewegung ist gleichzeitig Ernährung für die Knorpel. Allerdings hat sich diese Erkenntnis noch lange nicht durchgesetzt. Die einen treiben zu viel, die anderen zu wenig Sport. Meine Bewegungstherapie setzt deshalb auf ein gesundes Mittelmaß an Bewegung im Alltag, moderatem Sport und gezielten Übungen für starke Gelenke. Das richtige Maß lässt sich leicht finden. Trainieren Sie nicht über den Schmerz hinaus. Konzentrieren Sie sich auf harmonische Bewegungsabläufe statt auf Sportarten mit ruckartigen Sprüngen und abruptem Abbremsen. Treiben Sie zwei- bis dreimal in der Woche eine Sportart, die ent- und nicht überlastet. Gönnen Sie sich Auszeiten, akzeptieren Sie Ihre Grenzen. Sie werden erleben, dass Sport auch Stressabbau und damit eine wichtige Entspannungsmethode ist. Für mich persönlich ist eine Mischung aus Meditation und Yoga oder Tai-Chi ideal. Ich zeige Ihnen Übungen, die Sie, jeweils passend zu Ihren Beschwerden, regelmäßig machen sollten.
Um die komplexe Entstehung der heimtückischen Volkskrankheit zu verstehen, sollten Sie wissen, wie ein Gelenk aufgebaut ist, wie es zur Arthrose kommt und warum jeder Knorpelschaden genau analysiert werden muss.
Solange unsere Gelenke prima funktionieren und sich nicht mit Schmerzen bemerkbar machen, nehmen wir sie kaum wahr. Das Zusammenspiel von Muskeln, Bändern, Sehnen, Knorpeln, Knochen und ausreichend „Schmieröl“ dazwischen macht es möglich, dass wir laufen, rennen, hüpfen, gehen, uns beugen und uns strecken können, wie wir gerade Lust haben. Erst wenn all dies nicht mehr reibungslos klappt, rücken die Gelenke in den Fokus. Bewegungen, die vormals selbstverständlich waren, sind plötzlich mit starken Schmerzen verbunden. Der Arzt diagnostiziert: „Sie haben Arthrose.“
„Was ist das eigentlich genau?“, werden Sie sich fragen. Unter der weitverbreiteten Krankheit versteht man eine Verschleißerkrankung der Gelenke. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist es die häufigste Gelenkerkrankung überhaupt. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Bewegungsmangel, Fehlhaltungen, langfristige Überlastungen, genetische Veranlagungen, Verletzungen, Übergewicht, altersbedingte Abnutzung und Fehlstellungen der Gelenke spielen dabei eine Rolle. Eine Arthrose beginnt mit Rissen in den Knorpeln, dadurch erhöht sich die Reibung im Gelenk. Die Knorpel zwischen den Knochen werden zunehmend abgerieben, bis die Knochenflächen direkt aufeinanderreiben. Das kann lange dauern, denn der Knorpel nutzt sich nicht von einem Tag auf den anderen ab. Es ist ein langer, schleichender Prozess, an dessen Ende die komplette Abnutzung des Gelenkknorpels steht. In diesem Stadium ist das Gelenk zerstört, also irreversibel beschädigt. Wenn sie einmal da ist, kann die Arthrose nicht rückgängig gemacht werden.
Um die komplexe Entstehung und den Verlauf der Arthrose zu verstehen, muss man sich erst mal ein gesundes Gelenk ansehen. Ob Schulter-, Daumen-, Knie-, Hüft-, Ellenbogen- oder Zehengelenke: Auch wenn sie unterschiedlich aussehen, sind sie im Prinzip alle gleich aufgebaut. Ein Gelenk ist ein Verbindungsstück zwischen zwei oder mehreren Knochen oder knorpeligen Strukturen. Gelenke sorgen dafür, dass unser Körper beweglich ist. Das gesunde Gelenk liegt in der Regel zwischen zwei Knochen, deren Ende jeweils mit Gelenkknorpel überzogen ist. Zwischen den Gelenkknorpeln befindet sich die Gelenkscheibe. Die bekannteste Gelenkscheibe ist der Meniskus, wobei dieser eine Sonderform einnimmt, da er das Gelenk nur unvollständig aufteilt. Geschützt wird das Gelenk von der Gelenkkapsel, die es wie eine Hülle von der Umgebung trennt und zusammenhält. Auf der Innenseite der Gelenkkapsel befindet sich die Gelenkinnenhaut, die die Gelenkflüssigkeit erzeugt. Diese Flüssigkeit, die als Gelenkschmiere bezeichnet wird, versorgt das Gelenk und den Knor-pel mit Nährstoffen. Da der Knorpel we-der Blutgefäße noch Nerven hat, ist eine Selbstheilung kaum möglich und die Zerstörung des Knorpels allein bleibt erst einmal schmerzfrei.
Ein Knorpelschaden bedeutet nicht immer, dass man eine Arthrose hat, allerdings ist die Arthrose immer mit einem Knorpelschaden verbunden. Nicht wenige Mediziner und Therapeuten setzen den Knorpelschaden mit der Arthrose gleich. Es ist wichtig, den Knorpelschaden ganz genau zu analysieren. Wenn man von einem Knorpelschaden spricht, bezieht sich das nur auf den Knorpel. Isolierte Knorpelschäden können bei Sport- unfällen auftreten, die dann der Hauptauslöser für den Beginn der Arthrose-Erkrankung werden. Je nach Schwere unterteilt man die Knorpelschäden in Gradzahlen. Dabei orientieren Ärzte sich an der sogenannten Outerbridge-Klassifikation. Diese Einteilung klassifiziert den Knorpelschaden in fünf Gruppen: Der Knorpelschaden nullten Grades ist der gesunde Knorpel. Einen Knorpelschaden ersten bis dritten Grades kann man zusammenfassen, da er nur die Zunahme des Knorpelschadens beschreibt – das reicht von kleinen Einrissen über Knorpelläsionen bis zu Defekten in der Knochenschicht. Der Knorpelschaden vierten Grades beschreibt die komplette Zerstörung des Knorpels, sodass der darunterliegende Knochen frei liegt. Im Röntgenbild ist der Gelenkspalt kaum noch zu erkennen. In diesem Fall spricht man auch von einer „Knorpelglatze“.
Die Entstehung der Arthrose bleibt leider lange unentdeckt. Wenn der Schmerz sich bemerkbar macht, ist die Erkrankung schon da. Das kann gefährliche Folgen haben. Denn die Patienten wiegen sich oft jahrelang in falscher Sicherheit, statt rechtzeitig vorzubeugen.
Habe ich Arthrose? Mit dem Älterwerden steht wohl jeder irgendwann vor dieser Frage. Eine ehrliche Antwort ist ohne Arzt kaum möglich. Denn das größte Problem bei der Arthrose ist, dass sie sich lang-sam entwickelt und dabei sehr lange unbemerkt bleibt. Kommt es erstmalig zu Schmerzen, ist die Erkrankung bereits da. Die Betroffenen sind natürlich beunruhigt und machen einen Termin beim Arzt. Im Durchschnitt zwei Wochen später sitzen sie dann bei mir in der Praxis und sind überraschend gut gelaunt. Wenn ich nicht wüsste, woran das liegt, würde ich staunen. Aber ich kenne das schon und kann meine Patienten verstehen. Denn aus ihrer Sicht haben sie völlig recht, wenn sie sagen: „Ich bin eigentlich nur gekommen, weil ich einen Termin hatte und den nicht sausen lassen wollte. Meine Beschwerden sind inzwischen wieder verschwunden. Ich bin gesund.“
Schön wäre es, aber das ist leider nicht richtig. Denn es ist nicht die Arthrose, die offenbar wieder verschwunden ist, sondern es ist der Schmerz, der – je nach Alter und Therapie – nach dem ersten Schub vorbeigeht. Von nun an wechselt sich die aktive und schmerzhafte Arthrose-Phase mit einer inaktiven Phase ab, die nicht schmerzhaft ist. Die Patienten haben das Gefühl, dass alles wieder so ist wie früher. In dieser Zeit glauben sie es gern, wenn jemand von der „Arthrose- Lüge“ spricht und ihnen versichert, dass ihr Problem eigentlich gar keines ist. Doch das ist leider nicht die Wahrheit.
Während die Patienten sich in falscher Sicherheit wiegen, schreitet die Arthrose langsam, aber sicher weiter voran. Unabhängig vom Schmerzempfinden steigt die Krankheitskurve steil nach oben, während der Schmerz wellenförmig verläuft. Nach der ersten aktiven und der ersten inaktiven Phase kommt der nächste Phasenwechsel. Diesmal werden die Schmerzen stärker, verschwinden danach aber genauso wie in der ersten inaktiven Phase wieder. Dies wiederholt sich noch ein paar Mal, bis die Schmerzen schließlich so stark sind, dass der Patient sie nur noch mit Medikamenten erträgt und sich ein neues Gelenk und die damit verbundene Operation wünscht. Zu diesem Zeitpunkt sind schon viele Monate und Jahre vergangen, in denen man das Fortschreiten der tückischen Erkrankung mit verschiedenen Maßnahmen hätte aufhalten können. Unser Körper besitzt nämlich enorme Selbstheilungskräfte, die allerdings aktiviert werden müssen.
Hinzu kommt: Viele Patienten leiden nicht an den Schmerzen der direkten Arthrose, sondern an Sehnenreizungen oder Muskelschmerzen, die entstanden sind, weil sich die Biomechanik des Gelenks verändert hat. Deshalb geht es nicht darum, den Patienten, der keine akuten Schmerzen mehr hat, möglichst schnell wieder nach Hause zu schicken. Als Arzt muss ich die drei Hauptprobleme für Schmerzen auseinanderhalten können. Kommen die Beschwerden vom Gelenk, von den Muskeln oder von den Sehnen? Nur dann kann ich die richtige Therapie aussuchen.Wer unter Schmerzen leidet, folgt einem natürlichen Reflex: Er versucht, die Beschwerden zu lindern, indem er das Gelenk so oft wie möglich in Ruhe lässt. Das funktioniert eine Zeit lang: Was nicht bewegt wird, tut auch nicht weh. Doch je länger die schmerzhafte Phase andauert, desto weniger wird das Gelenk bewegt. Diese Form von Schonung führt nicht zur Heilung, sondern bewirkt das Gegenteil! Ein Gelenk, das nicht benutzt wird, wird schlechter durchblutet und die Arthrose kann schneller voranschreiten. Daher sollten Arthrose-Patienten das betroffene Gelenk regelmäßig möglichst schonend bewegen, unabhängig davon, ob sie gerade akute Schmerzen haben oder nicht.
Ist es schlimm, wenn die Knochen knacken? Was haben Gummibärchen mit der Arthrose-Therapie zu tun? Wie komme ich an eine zweite Arztmeinung? Und unter welchen Bedingungen ist Kniearthrose eine Berufskrankheit? Hier gibt es Tipps und Informationen.
„Gelatine ist gut für die Gelenke.“ Das wird immer wieder gesagt, ist aber leider kein Freibrief zum Gummibärchennaschen. Die Annahme basiert darauf, dass es tatsächlich Gelatinetabletten gibt, die gegen Gelenkschmerzen helfen sollen. Sie enthalten aber andere Stoffe als Lebensmittelgelatine. An der Gummibärchen-Theorie ist also nichts dran. Im Gegenteil: Die Naschereien gehören zu den ungesündesten Süßigkeiten, kleben in den Zahnzwischenräumen und enthalten viel Zucker. Zur Wirksamkeit von Gelatinetabletten gibt es übrigens Studien mit gegensätzlichen Ergebnissen: Die einen bestätigen die Wirkung, bei anderen zeigte sich hingegen kein Unterschied zwischen den Tabletten und Placebos.
