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Es gibt ihn, den guten Egoismus. Julien Backhaus bricht in diesem Buch eine Lanze für eine Form der Selbstbezogenheit, die nicht nur dem Anwender, sondern auch seinen Mitmenschen hilft. Sein Argument: Nur wer stark ist, kann andere stark machen. Nur wer hat, kann auch geben. Der Leser erfährt, was Gelehrte wie der Dalai Lama und Superreiche wie Warren Buffett darüber denken und wie jeder den guten Egoismus für sein eigenes Lebensglück einsetzen kann. Mehr Erfolg in der Beziehung, im Job und im Leben generell – gute Egoisten leben diesen Traum bereits. Ein Plädoyer dafür, die Vorzüge von gesundem Egoismus zu erkennen und seine eigene Agenda zu verfolgen.
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Seitenzahl: 238
Veröffentlichungsjahr: 2020
JULIEN BACKHAUS
EGO
GEWINNER SIND GUTE EGOISTEN
JULIEN BACKHAUS
EGO
GEWINNER SIND GUTE EGOISTEN
Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
Originalausgabe, 1. Auflage 2020
© 2020 by FinanzBuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
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Redaktion: Stefanie Wewetzer
Korrektorat: Anja Hilgarth
Umschlaggestaltung: Marc-Torben Fischer
Umschlagfoto: Oliver Reetz
Satz: ZeroSoft, Timisoara
Druck: GGP Media GmbH, Pößneck
ISBN Print 978-3-95972-302-2
ISBN E-Book (PDF) 978-3-96092-558-3
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96092-559-0
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INHALT
EINLEITUNG
VOM GUTEN EGO
PRINZIPIEN EINES GUTEN EGOISTEN
EGOISMUS UND ERFOLG
DIE REALITÄT DER EGOISTEN
WRAP-UP
COACHINGTIPPS VON MICHAEL JAGERSBACHER
AUSBLICK
LITERATURVERZEICHNIS
ANMERKUNGEN
Egoismus ist ein Begriff, mit dem selten etwas Positives verbunden wird. Doch wenn man genauer hinschaut, die Beweggründe und Strategien von Egoisten hinterfragt, wird man feststellen: Egoismus ist gut.
Dieses Buch definiert den guten Egoismus als Erfolgsrezept, von dem auch alle anderen Menschen in Ihrem Umfeld profitieren. Ganz nüchtern betrachtet sind Menschen von Natur aus egoistisch motiviert - das beginnt schon als Baby. Der Säugling verlangt instinktiv die Dinge, die er braucht: Nahrung, Wärme, Zuneigung. Im Zuge des Erwachsenwerdens wird dieser natürliche Trieb, Dinge zu verlangen, die wir brauchen, von der Gesellschaft jedoch plötzlich kritisiert. Nun verlangt man von uns, genügsam, leise und gehorsam zu sein. Aus der Freiheit, die wir im Leben genießen sollten, wird Abhängigkeit und Frustration.
Der gute Egoismus pfeift auf derartige Konventionen. Dem guten Egoisten ist in erster Linie eines wichtig: seine Freiheit. Er will die Dinge tun, die er für richtig hält, die ihn glücklich machen und erfüllen. Hinweis: Da Egoismus ein maskulines Substantiv ist, wird in diesem Buch der Egoist als »Er« bezeichnet. Das schließt Frauen wie Männer selbstverständlich gleichermaßen mit ein. Interessanterweise ist die Rückbesinnung auf den guten Egoismus für Frauen schwieriger als für Männer, da von ihnen ein noch verträglicheres Verhalten erwartet wird als von Männern. In dieser Hinsicht kann man also davon sprechen, dass Frauen stärker unterdrückt werden als Männer.
In diesem Buch werden Sie all die Belege dafür finden, dass gute Egoisten die glücklicheren und erfolgreicheren Menschen sind. Und Sie werden auch die Hintergründe erfahren, warum die Gesellschaft nicht will, dass Sie zu dieser Erkenntnis gelangen. Als braves Mitglied der sozialen Gemeinschaft kann man Sie besser ausnutzen, wenn Sie von Ihren individuellen Zielen ablassen und dem Kollektiv zu Diensten sind. Eigentlich stehen Sie vor einer binären Entweder-oder-Entscheidung: Sie können Ihre eigenen Wünsche erfüllen oder die der anderen. In diesem Buch finden Sie die Belege dafür, dass es auf Dauer nicht glücklich macht, nur zu geben. Würden die Märchen stimmen, die man Ihnen über Jahrzehnte erzählt hat, wären die Menschen glücklich, erfolgreich und voller Nächstenliebe. Das Gegenteil ist aber der Fall. Nur ein geringer Teil der Gesellschaft kann diese Attribute für sich beanspruchen - nämlich die guten Egoisten.
In diesem Buch lernen Sie die Strategien kennen, die so unterschiedliche Menschen wie der Dalai Lama, Bill Gates und Karl Lagerfeld genutzt haben, um das Leben in vollen Zügen genießen zu können. Einfluss, Lebensglück und Freiheit vereinen die Menschen, die das Prinzip des guten Egoismus leben.
Erfahren Sie, warum erfolgreiche Menschen egoistisch handeln, wie Sie Ihre Freiheit erlangen und nie wieder erpressbar sind, wie Sie sich im Beruf durchsetzen, eine erfüllte Partnerschaft genießen und wie Sie ein Vermögen aufbauen. Wikipedia bezeichnet einen Egoisten als jemanden, der selbst die Regeln für sein Handeln aufstellt. Genau dies will Ihnen dieses Buch nahelegen. Dass Sie wieder selbst Herr Ihres Lebens und Ihrer Wünsche werden und nicht ständig versuchen, anderen zu gefallen. Sie selbst sind die einzige Konstante in Ihrem Leben. Es wird also Zeit, gut mit sich selbst umzugehen. Der Mittelpunkt der Welt sind tatsächlich Sie.
Ich werde Ihnen Menschen zeigen, die die Welt verändert haben, obwohl sie in erster Linie an sich gedacht haben. Ich werde viele Super-Erfolgreiche zitieren, mit denen ich über diese Dinge gesprochen habe, und ich werde Ihnen auch meine eigenen Erfahrungen erläutern. Mir hat die positiv-egoistische Einstellung geholfen, mein Traumleben zu führen, und zwar Freundschaften sowie glückliche Ehe eingeschlossen. Schluss mit dem Märchen vom Egoisten als arrogantem Tyrannen: Gewinner sind gute Egoisten.
Dieses Buch soll Ihnen aber nicht nur die Belege aufzeigen, warum es besser ist, ein guter Egoist zu sein. Es soll Ihnen auch helfen, die richtigen Schritte in Richtung Erfolg zu gehen. Dazu habe ich meinen guten Freund Michael Jagersbacher gebeten, am Ende des Buches konkrete Tipps anzubieten. Er ist einer der gefragtesten Coaches in Österreich und zugleich der Experte für die Medien, wenn es um Persönlichkeitsentwicklung geht. Zusammen mit großen Bildungsträgern hat er bereits Tausende darin unterrichtet, wie man erfolgreich Strategien in den eigenen Alltag übernimmt. Darum ist er auch der Beste, es Ihnen zu erklären.
Ich wünsche Ihnen Freude beim Lesen dieses Buches und viel Erfolg auf dem Weg zum guten Egoisten.
Ihr Julien Backhaus
Sehr häufig in unserem Leben benutzen wir Worte, deren eigentliche Bedeutung wir gar nicht kennen. Vieles in unserem Sprachgebrauch resultiert aus gesellschaftlichen Konventionen. Doch hat die Gesellschaft immer recht? Mit dem Wort Egoismus und seinem Wortstamm »Ego« wird gewöhnlich etwas Negatives in Verbindung gebracht. Sehen wir uns jedoch an, was das alles zu bedeuten hat, bevor das eigentliche Plädoyer für den Egoismus beginnt.
Natürlich stammt es aus dem Lateinischen und bedeutet »Ich«. Nicht mehr und nicht weniger. Dieses »Ich« ist der Ausgangspunkt all Ihrer Erlebnisse auf diesem Planeten. Weder gut noch schlecht. Es ist einfach. Es bildet schlicht und einfach das Zentrum Ihres Lebens. Es grenzt Sie von Ihrem Umfeld ab. So weit, so gut.
So einfach ist es schlussendlich dann doch nicht. Wir Menschen haben die Tendenz, dass wir Dinge interpretieren, analysieren und bewerten. So auch dieses »Ich« und seine Handlungen.
Dies beginnt natürlich bereits im Kleinkindalter. Ab dem zweiten Lebensjahr realisiert das Kind, dass es ein eigenständiges Wesen ist und somit getrennt von Vater und Mutter existiert. Es legt Handlungen und Gefühlsäußerungen an den Tag, die von den Eltern als gut oder schlecht bewertet werden. Man nennt dies Erziehung. Bereits zu diesem Zeitpunkt fließen Bewertungen in die Kommunikation und in den Umgang mit dem Kind ein, die eine Bewertung des Egos mit sich tragen.
Interessant und folgenreich ist die Bewertung dieses »Ich«. Richtig problematisch wird es jedoch erst mit den zahlreichen Synonymen, die daraus abgeleitet werden. Sehen wir uns nur ein paar davon an:
EigenliebeEigennutzEigensuchtIchbezogenheitNarzissmusSelbstbesessenheitSelbstbezogenheitSelbstliebeSelbstsuchtSelbstverliebtheitEgozentrikNatürlich könnten wir die Liste noch erweitern. Wenn Sie diese Aufzählung durchgehen, werden Sie bei den einzelnen Begriffen unterschiedliche Assoziationen haben.
Während Eigenliebe durchaus ein Wert ist, der wenig Ressentiments Ihrerseits hervorrufen dürfte, sieht es bei Selbstverliebtheit oder Selbstsucht schon wieder ganz anders aus. Selbstsucht ist in unserer Gesellschaft sehr negativ konnotiert. Viel besser und sozialer wäre es, diese Selbstsucht nicht auszuüben, sondern sich um andere zu kümmern.
All diese Zuschreibungen beziehungsweise Bewertungen geschehen, wie schon erwähnt, ab unserem zweiten Lebensjahr. Zu diesem Zeitpunkt kommt es im Gehirn des kleinen Erden-Neulings zur kognitiven Trennung des Ich von der Umgebung. Ab diesem Zeitpunkt wird der Knirps dazu angehalten, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen und sich verstärkt um die Bedürfnisse der Umwelt zu kümmern. Kein Wunder also, dass sich Menschen nicht zuerst um sich selbst, sondern um andere kümmern. Dieser Altruismus erntet einfach viel mehr Lob und Anerkennung als der Egoismus. Die langfristigen Folgen dieser Ich-Verdrängung sind jedoch verheerend, wie wir noch sehen werden.
Und genau hier liegt das Problem am Begriff »Egoismus« - es werden einfach zu viele Bedeutungen in einen Topf geworfen und dann falsche Schlussfolgerungen daraus gezogen. Schon der berühmte Oscar Wilde warnte: »Egoismus besteht nicht darin, dass man sein Leben nach seinen Wünschen lebt, sondern darin, dass man von anderen verlangt, dass sie so leben, wie man es erwünscht.«
Vom deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer stammt die Feststellung: »Egoismus ist der Drang zum Dasein und Wohlsein!« Weshalb das eigene Wohlsein jedoch immer mit dem gleichzeitigen Unwohlsein von anderen
Menschen einhergehen muss, hat bis dato noch niemand plausibel erklären können. Wahrscheinlich deshalb, weil es einfach eine unhaltbare und nicht hinterfragte Vorannahme unserer Gesellschaft ist, die verheerende Auswirkungen auf das Individuum hat.
Die Autorin Ayn Rand bringt den Missbrauch des Begriffs exzellent auf den Punkt: »Im allgemeinen Sprachgebrauch ist das Wort ›Egoismus‹ ein Synonym für das Böse; es beschwört das Bild eines blutrünstigen Unmenschen herauf, der über Leichen geht, um sein Ziel zu erreichen - eines Untiers, das sich um kein Lebewesen schert und nur die Befriedigung der eigenen hirnlosen momentanen Launen im Sinn hat. Doch die exakte Bedeutung und Definition des Wortes ›Egoismus‹ lautet: ›Beschäftigung mit den eigenen Interessen‹«1
Aus diesen Vorannahmen ergeben sich dann völlig irrige Theorien, dass man das eigene »Ich« nicht so ernst oder wichtig nehmen darf. Manchmal denkt man sogar, wir sollten uns schämen, wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse befriedigen. Lieber solle man ausschließlich die Bedürfnisse anderer befriedigen. Dann scheint man nach gesellschaftlicher und religiöser Auffassung auch ein guter Mensch zu sein. Das ist ein fataler Trugschluss, der in ein unglückliches Leben voller Abhängigkeiten führt. Bei vielen Menschen endet dies im Krankheitsbild der Depression.
Lassen Sie mich eines gleich vorwegnehmen: Lebensglück und Erfolg sind ganz eng an Freiheit und Unabhängigkeit gekoppelt. Dies beginnt natürlich zuallererst bei der geistigen Unabhängigkeit, die im weiteren Verlauf zu finanzieller und spiritueller Freiheit führt.
Ich möchte in diesem Buch zeigen, wie Sie diese Freiheiten erlangen können. Nämlich, indem Sie lernen, sich und Ihre Wünsche wieder ernst zu nehmen. Und dies ist gar nicht so einfach, wie man meint, schließlich stellen Sie sich damit gegen eine tradierte Sichtweise, die Sie buchstäblich mit der Muttermilch aufgesaugt haben.
Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen, wir sind alle Produkte unserer Erziehung und gesellschaftlicher Konventionen, die mehrere Jahrzehnte massiven Einfluss auf uns ausgeübt haben. Eine Umstellung von heute auf morgen wird nicht funktionieren, zumindest nicht in einer alles umgreifenden und durchdringenden Radikalität. Beginnen Sie einfach mit ganz kleinen Schritten, Situationen, in denen Sie sich wichtiger als andere nehmen. Überfordern Sie sich nicht. Es wird zu inneren und äußeren Widerständen kommen, seien Sie sich dessen bewusst. Sie werden einen Preis zahlen müssen für Ihre Freiheit.
Was Sie Ihr ganzes Leben lang gelernt und praktiziert haben, können Sie nicht innerhalb weniger Tage wieder verlernen. Seien Sie behutsam mit sich. Doch das wird Ihnen im Coachingteil von Michael Jagersbacher nähergebracht.
Merken Sie sich Folgendes: Sie sind die wichtigste Person in Ihrem Leben, vergessen Sie dies niemals, selbst, wenn uns anderes eingeredet wird. Sie und Ihre Wünsche haben Vorrang, denn es ist Ihr Leben und nicht das der anderen.
Obgleich dies so ist, scheint es in der Gesellschaft geradezu ein Tabu zu sein, sich selbst wichtig zu nehmen. Team hier, Kompromiss da. »Cui bono?« - Wem nützt es? -, müssen wir uns an dieser Stelle fragen.
Dieses Buch möchte Sie auf der Reise zu sich selbst begleiten. Es ist die wohl spannendste aller Reisen. In Zeiten, wo der Teamgedanke ständig hochgehalten und Individualismus tendenziell geächtet wird, ist dieser Trip wichtiger denn je. Ein exzellentes Team ist nur durch exzellente Individualisten exzellent.
Ich werde zahlreiche Beispiele von berühmten Persönlichkeiten und aus meinen eigenen Erfahrungen bringen, um die Thesen zu untermauern und Sie auf »Egoismus« zu trimmen. Vielleicht werden manche Aussagen Sie auf die Palme oder aus dem Tritt bringen. Gut so, dann haben Sie den ersten Schritt Ihrer Reise hinter sich gebracht. Viel Freude bei allen Weiteren.
Weshalb hat der Egoismus einen schweren Stand? Einerseits deshalb, weil der Begriff »falsch« verwendet wird, andererseits deshalb, weil man egoistische und selbstbewusste Menschen schwieriger steuern kann als Menschen, die sich stets nach anderen richten und sich mit ihrer Meinung zurückhalten.
Irgendwann haben Menschen mit Machtanspruch einen Weg gesucht, andere Menschen zu unterwerfen und gefügig zu machen. Sie haben das Gerücht gestreut, Egoismus sei eine Todsünde. Man darf nicht mehr zuerst an sich selbst denken, sondern erst mal an andere. Wir wollen und sollen verdrängen, dass wir von Natur aus eigennützig handeln.
Diese Philosophie hat man damals den Untertanen - dem Volk - eingeredet, damit man sie besser beeinflussen und an der Nase herumführen kann. Man muss zugeben, dass diese Art der Gehirnwäsche über Jahrhunderte prima funktioniert hat. Das schlechte Gewissen nimmt hier die Kontrollfunktion ein.
Solch eine Denk- und Handlungsweise hat natürlich immense Vorteile für die herrschende Klasse. Durch diese Aufweichung der individuellen Ziele der Menschen gab es weniger Konkurrenz für die herrschende Elite.
Zudem konnte sie den Menschen bei jeder Zuwiderhandlung gegen die Nächstenliebe ein schlechtes Gewissen einreden. Es gibt kein besseres Führungsinstrument als das schlechte Gewissen. Die Kirche machte daraus sogar ein Geschäft. Weltmarktführer ist die Katholische Kirche mit einem geschätzten Vermögen von 200 Milliarden Euro.2
Man muss Menschen nur lange genug eintrichtern, dass etwas der Fall ist, dann glauben sie auch daran. Handeln sie dann in einer Art und Weise, die dieser künstlichen Norm nicht entspricht, hat man das schlechte Gewissen und die soziale Ächtung als Maßnahmen, die eine Wiederholung des unerwünschten Verhaltens unwahrscheinlich machen.
Dass dieses Gerücht, Egoismus sei schlecht, ein Selbstläufer wurde und sich bis heute hält, hätten wahrscheinlich nicht mal seine Erfinder zu glauben gewagt. Diese Philosophie hat sich sogar schon im kapitalistischen Wirtschaftssystem ausgebreitet.
In beinahe jeder Stellenausschreibung wird die Teamfähigkeit als eine der wichtigsten Eigenschaften ausgewiesen, die man mitbringen sollte, um den begehrten Job zu ergattern. Die deutsche Band Deichkind hat dies sehr anschaulich in ihrem Song »Bück dich hoch!« zum Ausdruck gebracht: »Pass dich an, du bist nichts, glaub ans Team!« Anpassung ist das Gebot der Stunde, um in jeglicher Konzernhierarchie nach oben zu klettern.
Wenn Sie dachten, Ego wäre etwas Schlechtes, dann leiden Sie unter einer massiven Persönlichkeitsstörung. Denn Ego bezeichnet nichts anderes als Ihr »Ich«, wie wir bereits festgestellt haben. Also Ihre Persönlichkeit. Wenn Sie keine haben, sind Sie per definitionem nicht gesund.
Viel wahrscheinlicher als die Abwesenheit Ihrer Persönlichkeit ist, dass man Ihnen den Begriff als etwas Negatives verkauft hat. Und zwar über Jahrzehnte. Denn je häufiger wir etwas hören, desto glaubhafter erscheint es uns.
Der Mensch lernt durch Wiederholung und Nachahmung. Wenn wir alles jedoch gleich machen wie alle anderen (Sozialisation), dann ist es wenig verwunderlich, wenn das »Ich« darunter leidet und als tendenziell nicht so wichtig erachtet wird. In einer Extremausprägung wird es sogar als »schlecht« interpretiert, weil es den Bedürfnissen der Gesellschaft zu widersprechen scheint.
In der Erziehung und in der Schule wird penibel darauf geachtet, dass aus Kindern »angenehme« Mitmenschen werden. Doch was heißt es eigentlich, ein angenehmer Mensch zu sein? Landläufig wird es so interpretiert, dass man die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zugunsten anderer aufgibt.
Es bedeutet auch, nicht (auf) sich selbst zu achten. Jedes Zuwiderhandeln soll Scham auslösen und die eigenen, egoistischen Gefühle sollen mit allen Mitteln verdrängt werden. Wir sollen uns, unter allen Umständen, in den Dienst der Gesellschaft stellen und dabei unser »Ich« aufgeben.
Gute Egoisten sind nicht ausschließlich selbstsüchtig. Nur weil jemand in erster Linie an sich selbst denkt, kann er trotzdem immer noch an andere denken. Egoisten sind klug und rational. Sie wissen, dass man nur etwas geben kann, wenn man etwas besitzt. Man kann aus einer Kasse nur das nehmen, was drin ist. Jemanden huckepack nehmen, kann nur derjenige, der laufen kann.
Egoisten sind nicht von sich selbst eingenommen. Natürlich haben sie eine gute Beziehung zu sich selbst und wissen sich zu schätzen. Aber sie sind keine Narzissten, denn diese können nicht mehr zwischen Realität und Wahnvorstellung unterscheiden. Jene sind von sich selbst so eingenommen, dass sie ein starres Selbstbild von sich haben.
Egoisten hingegen sind eingenommen von ihrem Lebensweg und ihren Wünschen. Sie gehen nicht so weit, zu glauben, sie seien perfekt. Sie sind aber vollends eingenommen von ihrem eigenen Lebensweg und lassen sich von niemandem darin beirren, ihn konsequent zu verfolgen und zu verwirklichen. Dabei ist es völlig irrelevant, ob das ihr Umfeld für gut oder schlecht befindet. Ein Egoist bleibt davon unberührt.
Leider werden Egoisten nur allzu oft mit anderen Verhaltenstypen in einen Topf geworfen. Besonders irreführend ist es, wenn Egoisten und Psychopathen miteinander verglichen werden. Denn hier gibt es einen einfachen, aber sehr entscheidenden Unterschied.
Egoisten entscheiden sich bewusst dafür, einen freiheitsliebenden und erfüllten Lebensweg einzuschlagen. Es ist wie die bewusste Entscheidung, morgens laufen zu gehen oder jeden Tag in einem Buch zu lesen. Egoisten sind gesunde und hellwache Menschen, die ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen leben. Egoisten wollen unabhängig von anderen Menschen sein und im Zweifel lieber allein etwas bewerkstelligen, als auf andere Menschen angewiesen zu sein.
Psychopathen sind das genaue Gegenteil. Der wichtigste Unterschied: Es ist ein Krankheitsbild bzw. eine schwere Persönlichkeitsstörung. Diese Menschen haben sich nicht dafür entschieden, sondern sind mit dieser Störung geboren. Ihr Gehirn weist in der präfrontalen Großhirnrinde eine fehlerhafte, schwache Struktur auf, was dazu führt, dass sie nicht wie ein »normaler« Mensch empfinden können. Sie verfügen nicht über Empathie und haben weder Verantwortungsbewusstsein noch Sozialkompetenz.
Ein krasses Beispiel: Wenn ein Psychopath einen Menschen tötet, um sein Ziel zu erreichen, spürt er dabei kein Unrechtsbewusstsein. Es ist für ihn mehr oder weniger eine rein logische Entscheidung. Ein schlechter Egoist tötet einen Menschen aus Habgier. Er weiß zwar, dass es falsch ist, tut es aber dennoch. Er ist so besessen von seiner Egomanie, dass er bereit ist, einen anderen Menschen zu opfern. Ein guter Egoist tötet nur, wenn sein eigenes Leben unmittelbar in Gefahr ist und er angegriffen wird. Bevor Sie getötet werden, töten Sie lieber den Angreifer. Es war seine Entscheidung, jetzt muss er die Konsequenzen tragen.
Das ist der rote Faden des guten Egoismus: Sie treffen Ihre Entscheidungen bewusst und aus eigenem Antrieb. Niemand hat Macht über Sie, niemand kann Sie drängen oder zu etwas zwingen. Sie haben Ihren Lebensentwurf erschaffen und leben nach dessen Grundsätzen. Ein guter Egoist ist der Diktator seines eigenen Lebens.
Der Egomane, der nur an sich selbst denkt und alle anderen Menschen ausblendet, ist gestört. Ein Egoist denkt erst mal an sich und dann auch an andere. Er würde mit seinem Handeln niemals absichtlich anderen Menschen Schaden zufügen, denn er weiß, dass solche Taten früher oder später auf ihn zurückfallen. Es wäre der sprichwörtliche Schuss ins eigene Knie, wie dies schon so oft bewiesen wurde.
Außerdem würde der Egomane sich nie eingestehen, Schwächen zu haben. Eine Manie, die bei einer Egomanie vorliegt, ist per se ein Krankheitsbild und beinhaltet unkontrollierte Übertreibung. Wer also seine Persönlichkeit nicht korrekt erfassen kann und die Kontrolle über die eigenen
Handlungen verloren hat, ist weder frei noch gesund. Er ist prinzipiell unehrlich sich selbst gegenüber und in weiterer Folge auch allen anderen gegenüber. Das Fundament, auf dem er sein Leben aufbaut, ist nicht solide.
Gesunde Egoisten hingegen akzeptieren ihre grundlegenden Schwächen und versuchen nicht, darin meisterhaft zu werden. Denn das ist nicht möglich. Sie konzentrieren sich hingegen vollends auf ihre Stärken und skalieren deren positive Wirkung. Anstatt 20 Prozent besser in einer Schwäche zu werden, kultivieren sie lieber ihre Stärken und versuchen doppelt so viel aus ihnen herauszuholen.
Für ihre Schwächen suchen sie sich Hilfe und bezahlen Menschen, die dort eine Stärke haben, wo sie selbst nicht gut sind. Das macht den Egoisten ehrlich, sich selbst gegenüber, aber auch anderen gegenüber. Ja, ich stehe an erster Stelle in meinem Leben. Das heißt aber nicht, dass die Menschen, die an zweiter Stelle in meinem Leben stehen, nicht gut von mir behandelt werden. Ganz im Gegenteil. Menschen, die erfüllt und glücklich sind, haben viel mehr Möglichkeiten, andere Menschen gut zu behandeln und ihnen Vorteile zu verschaffen. Wer etwas für mich tut, der bekommt im Gegenzug ein Vielfaches davon zurück.
Nun ist nicht jede Form des Egoismus auch gut und gesund für einen selbst oder für die Menschen im jeweiligen Einflussbereich. Schlechter Egoismus zeigt sich zum Beispiel bei
Menschen, die korrupt sind. Sie sind bereit, anderen zu schaden oder Geld zu veruntreuen, um sich selbst zu bereichern. Im Klartext: Sie berauben andere. Wer so weit gehen muss, um zu bekommen, was er sich wünscht, ist weder frei noch stark. Das Gegenteil ist der Fall. Aus der Schwäche heraus trifft er diese schlechten Entscheidungen. Wir müssen diese Unterscheidung treffen, da sonst alle Formen des Egoismus in einen Topf geworfen werden und wir einen unappetitlichen Brei erhalten würden.
Der frühere Premierminister von Malaysia, Najib Razak, verursachte den größten Korruptionsskandal des Landes, als er 700 Millionen Dollar aus einem staatlichen Entwicklungsfonds veruntreute. Sein Freund Jho Low half ihm dabei, das Geld zu waschen. Er kaufte Mega-Yachten, Gemälde und finanzierte einen Hollywood-Film. Sie werden nie erraten, welchen. Es war The Wolf of Wall Street mit Leonardo Di Caprio, der den windigen Börsenmakler Jordan Belfort spielt. Der Film, bei dem es um Börsenbetrug und moralische Abgründe geht, wurde also aus illegalen Quellen finanziert. Welche Ironie des Schicksals! Ich finde es übrigens sehr erschreckend, dass Jordan Belfort einigen Menschen in der Wirtschaft als Vorbild dient. Ich habe Jordan vor einigen Jahren persönlich kennen- gelernt und wir saßen in seiner Hotelsuite. Ein netter Kerl, und er ist sicher nicht mehr der drogensüchtige Abzockertyp von damals. Aber er wurde berühmt wegen Börsenbetrugs und Geldwäsche, weshalb er vom FBI verhaftet und eingesperrt wurde. Nicht die Vernunft, sondern die sinnlose Gier übernahm damals sein Denken und Handeln. Und genau diese Figur wird gefeiert wie ein Superstar. Es gibt Poster und
übergroße Plakate, die man kaufen und an die Wand hängen kann. Es ist also durchaus alarmierend, dass sich Menschen von der damaligen Figur inspirieren lassen. Der schlechte Egoismus wird demnach auch nicht so schnell verschwinden. Auch der Korruptionsskandal um den ehemaligen Präsidenten Jacob Zuma in Südafrika ist ein Beispiel für schlechten Egoismus. Wobei dies noch weit darüber hinausgeht, denn es handelt sich um schwere Straftaten. Lange Zeit hatte man schon vermutet, dass unter dem ehemaligen Präsidenten große Summen der Korruption zum Opfer fielen. Nun hat die neue Regierung veröffentlicht, dass die illegale Vorteilsnahme das Land in den zehn Jahren von Zumas Regentschaft wohl rund 34 Milliarden Dollar gekostet habe - nahezu 10 Prozent des Bruttosozialprodukts. Gesunder Egoismus endet dort, wo Menschen mit Absicht betrogen werden.
Das Problem in der »Vergesellschaftung« des Egos liegt vorrangig darin, dass Egoismus und soziales Verhalten als unvereinbar dargestellt werden. Egoismus ist immer und unter allen Umständen asozial, so meint man. Diese Fehlinterpretation passiert sogar Wissenschaftlern, die das menschliche Verhalten erforschen möchten. Eigentlich verständlich, denn auch sie haben ihre Erziehung und den gesellschaftlichen Wertekanon durch Schule und Co. genossen.
In einem Artikel der renommierten Wochenzeitung Zeit wurde einmal analysiert, dass es wichtig erscheine, Großzügigkeit und Kooperationsbereitschaft zu fördern, statt egoistisches Verhalten zu begünstigen. Menschen seien am ehesten dann bereit, sich für andere einzusetzen, wenn sie erkennen, dass sie aufeinander angewiesen sind. Wenn Menschen wüssten, dass sie voneinander abhängig sind, und dann aus Kalkulation altruistisch handelten, sei dies in Wahrheit ein verdeckter Akt des Egoismus und nichts anderes. Der Artikel geht jedoch noch weiter und zeigt dann doch, dass der Egoismus vereinbar mit sozialem Handeln ist:
»Altruismus und Egoismus galten von jeher als unvereinbare Gegenpole des menschlichen Handelns. Im Licht der neuen Erkenntnisse aber stellt sich heraus, wie sehr beide einander bedingen und brauchen. Wenn Altruisten die eigenen Interessen vergessen, gehen sie unter; reine Egoisten allerdings sind in der Regel auch nicht lange erfolgreich.«3
Da der »reine« und rücksichtslose Egoismus nicht lange erfolgreich ist, kann er kein »gesunder« Egoismus sein. Denn dieser ist stets darum bemüht, das Maximum, und zwar auf Dauer und Nachhaltigkeit basierend, für sich selbst herauszuholen. Deshalb muss er auch ein Stück weit die Werte und Wünsche anderer in die eigene Strategie miteinbeziehen. Wir sind keine reinen Einzelkämpfer auf diesem Planeten, sondern benötigen die Hilfe und die Arbeit von anderen Menschen. Auch ein milliardenschwerer Unternehmer braucht schlussendlich Mitarbeiter, die die Arbeit verrichten. Keine der beiden Parteien ist selbstlos und nur um das Wohl des anderen bemüht. Der Unternehmer braucht die Arbeitskraft des Angestellten, um Ergebnisse produzieren zu können. Der Angestellte nutzt den Betrieb aus, um ein möglichst hohes
Gehalt zu verdienen und im besten Fall einen Job auszuüben, der ihn befriedigt. Es ist eine Zweckgemeinschaft, in der einer ohne den anderen nicht auskommt. Es ist Egoismus in reinster Form. Jeder will für sich das Beste herausholen, ohne einem anderen dabei schaden zu wollen.
Deshalb muss man sehr vorsichtig mit der pauschalen sozialen Ächtung des Egos sein. Opfern wir jegliche Form des Egoismus, dann gelangt das System sehr schnell aus der Balance.
Wenn Sie sich Ihr ganzes Leben für andere aufopfern, dann wird sich dies früher oder später rächen. Ob dies nun in Depressionen, Burn-out oder anderen Erkrankungen mündet, sei dahingestellt, doch sich selbst nicht zu achten oder nicht auf sich zu achten, wird nicht zielführend sein, egal, was Ihr Ziel im Detail auch ist.
Um ein qualitativ hochwertiges Leben zu führen, müssen Sie selbst in guter seelischer und psychischer Verfassung sein. Daran führt kein Weg vorbei. Deshalb müssen Sie sich und Ihre Wünsche hegen und pflegen, weil sich dies andernfalls negativ auf Ihre Verfassung auswirkt.
Im berühmten Buch des Mirdad von Mikhail Naimy findet sich folgende Passage: »Ihr müßt stets so gesättigt sein, daß ihr auch die Bedürftigen sättigen könnt. Ihr müßt immer stark und standhaft sein, daß ihr die Wankelmütigen und Schwachen stützen könnt. Ihr müßt immer auf den Sturm vorbereitet sein, damit ihr allen vom Sturm gerüttelten Obdachlosen Schutz gewähren könnt. Ihr müßt stets leuchtend sein, damit ihr den Wanderern in der Finsternis Führer sein könnt.«4 Soziales Verhalten ist also auf Dauer gar nicht möglich, wenn Sie nicht zuvor auf sich selbst geachtet haben.
Schon der Psychoanalytiker Sigmund Freud wusste, dass die Verdrängung von Wünschen und Bedürfnissen ins Unterbewusste Probleme mit sich bringen kann. Diese sind dem Bewusstsein nicht mehr zugänglich und äußern sich in Träumen, Fehlleistungen und Ersatzhandlungen.
Auf den Punkt gebracht heißt dies, dass Menschen, die ihre Gefühle und Wünsche verdrängen, sich nicht mehr unter Kontrolle haben und eigentlich »krank« sind. Es ist wie ein Kochtopf mit Deckel, der mit Wasser gefüllt ist. Wenn Sie diesen erhitzen, beginnt er sich durch die Dampfentwicklung zu bewegen. Wenn der Druck dann zu groß wird, wird er uns um die Ohren fliegen. Also lieber vorher den Dampf regulieren und auf die innere Stimme hören. Je länger Sie warten, desto heftiger der Knall.
Auch unser Sprachgebrauch ist manchmal etwas irreführend. Wenn Menschen sagen »Steck mal dein Ego in die Tasche«, ist das per se unlogisch. Wie sollen Sie sich selbst in die Tasche stecken? Was damit viel eher gemeint ist: Sie sollen Ihren falschen Stolz einschränken, zum Beispiel, um jemanden gefügig zu machen und Ihr Ziel doch noch zu erreichen.
»Nimm dich nicht so wichtig!« wäre ein weiterer Spruch, der irreführend ist. Wir Menschen lernen nicht nur durch Nachahmung und Wiederholung, sondern auch durch Verallgemeinerung solcher Sätze. Einmal ausgesprochen, wird ein Spruch als Gesetz festgesetzt und auf zukünftige Situationen übertragen.
Einer der wohl häufigsten Sätze in der Erziehung ist folgender: »Der Klügere gibt nach!« Sie haben diesen Satz als Kind bestimmt Hunderte Male gehört. Er ist deshalb so fatal, weil er nahelegt, dass es klug sei, wenn man seine eigenen Bedürfnisse hintanstellt. Hier wird das soziale Wohl immer über das Ego gestellt und eigene Wünsche werden als dumm bezeichnet. Wenn man genauer darüber nachdenkt, ist es wie ein Virus, der den Kindern in den Kopf gepflanzt wird. Vielleicht ist es auch der Anfang davon, sich selbst abzulehnen und den anderen den Vorzug zu geben.
Kinder lernen dies sehr schnell, indem sie eine Erfahrung in der Folge auch auf andere Situationen übertragen. Das Kind denkt sich: »Wenn ich mich jetzt nicht wichtig nehmen soll, dann wäre es vermutlich klug, dies künftig generell nicht zu tun!« Zumal es mit solch einem Verhalten auch Lob von der Umgebung erntet. Viel seltener bekommen Kinder Lob dafür, wenn sie ihre eigenen Interessen durchsetzen. Sie sollen schließlich »brave« Bürger ohne eigenen Willen werden.
So erzieht man Menschen dazu, nicht ihren eigenen Weg zu gehen und nicht für sich selbst einzustehen. Es ist fraglich, ob die Eltern dies mit ihrer Erziehung wirklich bewusst beabsichtigen. Denn schließlich wurden auch sie so erzogen und geben lediglich ein fehlerhaftes Programm weiter.
