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Osteoporose gilt als eine der häufigsten Volkskrankheiten, wird aber oft unterschätzt, weil sie schleichend voranschreitet und viele erst im Spätstadium von ihrer Krankheit erfahren. In Deutschland leiden ca. 5,2 Mio. Frauen und 1,1 Mio. Männer über 50 an Osteoporose – Tendenz steigend. Doch die Krankheit trifft keineswegs nur ältere Menschen. Wie man dem Knochenschwund mit Bewegung und einer entsprechenden Ernährung den Kampf ansagt, zeigen Bewegungs-Doc Dr. Helge Riepenhof und Spitzenkoch Holger Stromberg. Sie haben ein Programm für starke Knochen entwickelt, das ein Fortschreiten der Osteoporose verhindert und zugleich effektiv vorbeugt. Holger Stromberg hat über 60 pflanzenbasierte Genussrezepte kreiert, die dafür sorgen, dass ausreichend Kalzium auf dem täglichen Speiseplan steht. Top-Orthopäde Helge Riepenhof verrät die besten Kraft- und Koordinationsübungen, die helfen, den Knochenschwund zu stoppen. Das motivierende Motto der Experten: Nichts ist leichter, als mit Bewegung und gesundem Genuss mehr Lebensqualität zu gewinnen!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 169
Veröffentlichungsjahr: 2022
Vorwort
Dr. med. Helge Riepenhof und Holger Stromberg im Gespräch
Ernährungs-Basics bei Osteoporose
Was den Knochen schadet
Vorsicht, Knochenräuber!
Der persönliche Risikotest
Das Vier-Maßnahmen-Paket
So geht knochenbewusst essen
Der Säure-Basen-Haushalt
Essen in Balance
Aufbauhilfe für Ihre Knochen: Kalzium plus Vitamin D
Die besten Kalziumquellen
Eiweiß: ein Knochenbaustein
Noch mehr wichtige Mikronährstoffe
Rezepte für gesunde Knochen
Frühstück
Mittagessen
Abendessen
Snacks & Desserts
Bewegungs-Basics bei Osteoporose
Mit Bewegung gegen den Knochenabbau
Motivation: So bleiben Sie dran
Patientengeschichten:Trotz Osteoporose wieder aktiv
Wunderwerk Knochen
Übungen gegen Osteoporose
Training für kräftige Beine
Für Gesäß und Oberschenkel
Halten Sie durch
Schwingen Sie sich fit
Fitness für den Oberkörper
Das können Sie (auch) für sich tun
Impressum
Die Icons bei den Rezepten
lange galten brüchige Knochen als ein unausweichliches Schicksal, das mit dem Älterwerden früher oder später drohte. Tatsächlich erkranken jedes Jahr mehr als 850 000 Menschen in Deutschland an Osteoporose und die Zahl der Erkrankungen nimmt stetig zu. Was sich hinter dieser Entwicklung verbirgt, sind die Vor- und Nachteile des medizinischen Fortschritts: Wir werden immer älter und damit steigt eben auch das Risiko, eine mit dem Alter einhergehende Krankheit zu bekommen. Jeder Mensch verliert im Laufe seines Lebens mit abnehmender Hormonproduktion an Knochenmasse – das kann bei Frauen wie bei Männern zu brüchigeren Knochen führen. Trotzdem muss Osteoporose nicht jeden treffen – und jeder kann etwas dagegen tun.
Warum ist die Krankheit so gefährlich? Das liegt nicht zuletzt daran, dass man sie lange unterschätzt hat. Sie kommt auf leisen Sohlen und verursacht anfangs überhaupt keine Beschwerden. Weil viele Menschen erst im Spätstadium von ihrer Krankheit erfahren, wird nur jeder fünfte Osteoporose-Patient rechtzeitig therapiert. Bleibt die Krankheit unbehandelt, schreitet sie immer weiter still und leise voran. Dabei hat sich in der Therapie viel verbessert. Der Knochenabbau lässt sich medikamentös teilweise aufhalten und sogar ein Neuaufbau anschieben. Doch weshalb altern die Knochen bei den einen schneller, bei den anderen langsamer? Experten haben einige begünstigende Faktoren entlarvt, die alle mit dem Lebensstil zusammenhängen. Neben dem Alterungsprozess sind dies zu wenig Bewegung, eine Unterversorgung mit dem Sonnenvitamin D und eine wenig knochenschützende Ernährungsweise. An diesen Hebeln kann jeder für sich ansetzen, garantiert ohne Nebenwirkungen. So lässt sich das Rad oft aufhalten oder sogar etwas zurückdrehen und man muss keine Angst vor Brüchen und ihren Folgen haben.
Es ist nie zu spät, mit dem Knochenschutz anzufangen. Wir wissen heute, dass man selbst mit 70 Jahren und mehr noch viel erreichen kann. Das setzt aber voraus, dass man gut informiert ist und weiß, was für eine knochenfreundliche Ernährung, die richtige Bewegung und einen gesunden Lebensstil wichtig ist. Wie das genau funktioniert und worauf Sie achten müssen, erfahren Sie in diesem Buch. Es ist als Anregung zur Selbsthilfe gedacht. Wir informieren Sie ausführlich über Hintergründe zum Thema Osteoporose und den Zusammenhang mit der Ernährung. Denn jeder kann sein Essen zur wirksamen Medizin machen. Neben wissenschaftlichen Hintergründen geht es auch um Top-Lebensmittel für die Knochen, die in jede Küche gehören. Außerdem gibt es Übungen, mit denen Sie gezielt Muskeln aufbauen können, um dem gefürchteten Knochenabbau entgegenzuwirken. Das Herzstück unseres Buches sind natürlich die leckeren Rezepte für starke Knochen, die Sie möglichst oft auf den Teller bringen sollten. Legen Sie einfach los!
Alles Gute wünschen Ihnen
In Deutschland leiden etwa sieben Millionen Frauen und Männer unter einem Mangel an Knochensubstanz. Etwa jede vierte Frau über 50 Jahren ist betroffen und jedes Jahr kommen ungefähr 850 000 neue Fälle dazu. Osteoporose wird oftmals sehr spät erkannt – häufig erst, wenn Schmerzen oder Knochenbrüche auftreten. Die Erkrankung entwickelt sich aber bereits vorher und fängt meistens schmerzlos an. Das Problem ist: Wenn es an Knochensubstanz mangelt, wird der Knochen immer weniger biegsam und anfälliger für Brüche. Daher kann es schon bei leichteren Stürzen oder sogar spontan im Alltagsgeschehen, zum Beispiel einfach nur beim Hochheben von Gegenständen, zu Knochenbrüchen kommen. Das erhöhte Risiko für Brüche betrifft Männer mit Osteoporose übrigens genauso wie Frauen. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO gehört Knochenschwund weltweit zu den zehn häufigsten Erkrankungen. Da so viele Menschen betrof-fen sind, aber nur so wenige wissen, dass sie dazugehören und deshalb etwas dagegen tun, trifft meiner Meinung nach die Bezeichnung „unsichtbare Volkskrankheit“ den Nagel auf den Kopf.
„Häufig kann die Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie durch einfache Maßnahmen deutlich herausgezögert werden.“
Dass es so viele trifft, hängt aus meiner Sicht auch mit unserem oft schlech-ten Lebensstil zusammen und einer Ernährungsweise, die sich vor allem in den vergan-genen Jahrzehnten etabliert hat: Ein Zuviel an tierischen sowie stark verarbeiteten Fer-tignahrungsmitteln in Kombination mit einer Keine-Zeit-zum-Kochen-Work-Life-Balance.Zudem hat die zunehmende Zahl der Kleinhaushalte viele Menschen, jüngere wie ältere, vom Herd vertrieben. Sie sind nur wenig mo-tiviert oder sehen keinen Sinn darin, für nur ein bis zwei Personen einzukaufen, zu kochen, zu spülen und die Küche zu putzen. Kochen und Essen haben ihren Stellenwert als Strukturgeber im Alltag und als „Gesundheitsmotor“ verloren. Lieber greift man, wenn man krank ist, zu Medikamenten. Die sollen es dann richten. Dabei ist Ernährung in den großen Heilsystemen der Welt immer eine Säule von Vorbeugung und Therapie. Denken wir an die Traditionelle Chinesische Medizin oder auch an unsere traditionelle Naturheilkunde. Für Sebastian Kneipp zum Beispiel war die Ernährung, vor allem eine pflanzenbetonte, wesentlich für die Erhaltung der Gesundheit.
Ja, dabei ist der menschliche Knochen ein komplexes Gebilde und gleichzeitig ein ziemlich geniales Gewebe mit faszinierenden Fähigkeiten. Er ist fest und stabil, dabei aber auch biegsam. Aus biochemischer Sicht besteht Knochen zu 20 Prozent aus Wasser, zu 25 Prozent aus organischen und zu 55 Prozent aus anorganischen Bestandteilen. Seine Belastbarkeit ist äußerst bemerkenswert: Knochenhaut, Knochenrinde, Knochenzellen und Knochenknorpel bilden eine Substanz, die 16 500 Newton (N) Druck- bzw. Zugkraft widerstehen kann und eine Zugfestigkeit von 18 000 N hat. Was bedeutet, dass man beispielsweise mit dem Oberschenkelknochen ein 1,6 Tonnen schweres Fahrzeug ziehen könnte, ohne dass der Knochen dabei durchbrechen würde. Diese Fähigkeit nehmen die meisten Menschen gemeinhin lange Jahre als selbstverständlich hin. Doch bleiben wir bei dem Vergleich aus der Automobilindustrie, Knochen dienen auch in dieser Branche als Vorbild: extrem geringes Gewicht bei großer Zugfestigkeit. Daher simulieren viele Autobauer bei der Entwicklung von neuen Fahrzeug-generationen die Struktur von Knochen.
Man unterscheidet drei Formen der Osteoporose: Die primäre Osteoporose Typ I ist die mit Abstand häufigste Form. Sie betrifft überwiegend Frauen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren. Bei ihnen wird zunächst vor allem die schwammartige Struktur des Knochens, die sogenannte Spongiosa, geschädigt. Daher kommt es besonders leicht zu Brüchen der Wirbelkörper, der Unterarmknochen (Elle und Speiche), der Rippen und des Oberschenkelhalses. Dann gibt es die primäre Osteoporose Typ II, sie betrifft auch Männer ab einem Alter von über 70 Jahren. Neben Schäden an der Spongiosa ist hier vermehrt auch die massive Knochensubstanz (die Knochenrinde, medizinisch: Kompakta) betroffen. Daher kommt es in diesen Fällen vorwiegend zu Brüchen der Oberschenkel- und Unterarmknochen. Hauptursachen dieser primären Osteoporosen sind bei Frauen Östrogenmangel, ansonsten der natürliche Alterungsprozess der Knochen (daher nennt man sie auch „senile Osteoporose“) sowie ein Mangel an Kalzium, Vitamin D und Bewegung.
„Der menschliche Knochen ist ein geniales Gewebe und unglaublich belastbar. Leider wird diese Fähigkeit gemeinhin lange Jahre als selbstverständlich hingenommen, dabei brauchen Knochen unseren Schutz.“
Aus Ernährungssicht ist das Verrückte ja, dass wir in Deutschland in einem Land des Lebensmittelüberflusses leben, es aber laut der Nationalen Verzehrstudie II nicht schaffen, unseren täglichen Kalziumbedarf zu decken. Der ist mit 1 Gramm pro Tag nicht so groß. Dass er nicht erreicht wird, liegt aus meiner Sicht daran, dass nicht mehr ausgewogen gegessen wird. Es kommen zu wenig kalziumreiche pflanzliche Produkte oder auch gut verträgliche fermentierte Milchprodukte (wie Joghurt oder Kefir) auf den Tisch, dafür aber jede Menge „Kalziumräuber“ wie zu viel Salz, zu viele Fertiggerichte und zu viel tierisches Eiweiß in Form von Fleisch und Wurst.
Die sekundäre Osteoporose betrifft beide Geschlechter. In diesem Fall entsteht sie als Folge einer anderen Grundkrankheit. Nur 5 Prozent aller Osteoporosen zählen hierzu. Ursachen dafür sind: Kalzium- und/oder Vitamin-D-Mangel, bestimmte Medikamente, die über einen langen Zeitraum eingenommen werden, Überfunktion der Nebennierenrinde, bestimmte hormonproduzierende Tumore, Schilddrüsenüberfunktion, Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, die mit einer Mangelaufnahme von Nahrungsmitteln einhergehen, übermäßiger Konsum von Alkohol, Zigaretten oder Kaffee oder lange Bettlägerigkeit.
Chronische Entzündungen fördern die Entstehung der Osteoporose. Bei einer Entzündung werden Zytokine freigesetzt, die die Tätigkeit der Osteoklasten stimulieren. Das Ergebnis ist, dass vermehrt Knochen abgebaut wird. Aus diesem Grund sollten Menschen mit chronischen Entzündungen auch regelmäßig ihre Knochendichte überprüfen lassen.
Die familiäre Häufung von Osteoporose und Erkrankungen, die einen zwingen, Knochensubstanz verbrauchende Medikamente einzunehmen. Wenn man beispielsweise wegen Rheuma, Asthma, COPD oder Autoimmunerkrankungen darauf angewiesen ist, Kortison einzunehmen, ist dieses gegen die Grunderkrankung natürlich sehr häufig der „Heilsbringer“ und wirkt hervorragend gegen Schmerzen und Entzündungen. Aber leider ist Kortison ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung von Osteoporose: Es steigert nicht nur den Knochenabbau, viel stärker verhindert es auch den Knochenaufbau. Leider ist es bislang noch nicht gelungen, einen kortisonähnlichen Stoff herzustellen, der antientzündlich wirkt, aber zugleich den Knochenstoffwechsel nicht negativ beeinflusst. Auch der natürliche Knochenabbau ist nicht zu stoppen und lässt sich nur sehr bedingt beeinflussen. Es gibt eine sogenannte Peak-bone-mass-Phase beim Menschen: Das sind die Jahre, in denen die Knochenmasse am höchsten ist. Sie liegt in der Regel zwischen dem 25. und 35. Lebensjahr. Man geht davon aus, dass Frauen unter „normalen Umständen“ etwa 20 bis 30 Prozent dieser Masse wieder verlieren, Männer etwas weniger.
Osteoporose ist keine normale Alterserscheinung oder bedeutet einfach „alternder Knochen“. Ein Substanzverlust des Knochens ist eine Erkrankung, die therapiert werden muss. Das Hauptproblem bei der Osteoporose besteht darin, dass sie häufig sehr spät erkannt wird und die Betroffenen erst zum Arzt gehen, wenn sie unter Schmerzen leiden oder Knochenbrüche erlitten haben. Statistisch wird weniger als ein Viertel der Osteoporose-Fälle frühzeitig diagnostiziert und behandelt.
„Es ist wichtig, hat sich aber leider noch nicht überall herum-gesprochen, dass wir uns schon frühzeitig um die Gesundheit unserer Knochen kümmern sollten, bevor irgendetwas wehtut.“
Dabei könnte man die Osteoporose erfolgreich und sanft therapieren, wenn man sie bereits im Anfangsstadium erkennt. Gleichzeitig ließe sich durch frühes Eingreifen auch mehr Knochensubstanz erhalten. Passiert das nicht oder zu spät, wird der Knochen immer starrer und bruchanfälliger – oft mit schlimmen Folgen: Knochen brechen schon bei harmlosen Stürzen oder sogar bei leichten Belastungen. Da reicht es dann bereits, wenn man etwas hochhebt. Hinzu kommt dann noch, dass ein Knochen, der schon mal gebrochen war, bei Osteoporose-Patienten schlechter und länger heilt. Es besteht also nicht nur ein Risiko für Komplikationen, auch die Behandlung ist erschwert: Wenn man beispielsweise einen osteoporotischen Knochen operieren will, lassen sich Schrauben und Platten nur wie in einem Käse fixieren. Es hält nichts so richtig fest und Stabilität lässt sich nur sehr schwer erzeugen.
Durch die Osteoporose nimmt insbesondere in späteren Stadien die Dicke der Knochenhülle ab. Die Spongiosa ist sehr gut durchblutet und liegt wie ein Netz im Inneren des Knochens. Sie ist sehr weich und in ihr verbinden sich viele Knochenbälkchen, die erheblich zur Stabilität beitragen. Durch die Osteoporose aber nimmt die Anzahl der Knochenbälkchen ab, genauso wie die Anzahl der Verbindungen dazwischen.
Das Knochengewebe verändert sich ständig: Die Osteoklasten bauen den Knochen ab, die Osteoblasten bauen ihn auf. Durch dieses geniale Erneuerungsprinzip haben wir praktisch in jedem Lebensalter ein Skelett, das ungefähr zehn Jahre alt ist, denn so lange dauert ein kompletter Ab- und Aufbauprozess. Ab etwa dem 35. Lebensjahr kommt es zu einem vermehrten Verlust von Knochensubstanz. Im Detail ist das ein extrem komplexer Prozess. Vereinfacht dargestellt funktioniert er so: Auf der einen Seite regen die Osteoblasten nicht nur die Knochenproduktion an, sondern stimulieren zudem die Ausschüttung einer Substanz, die das Skelett vor dem Abbau schützt. Auf der anderen Seite produzieren sie aber auch einen Botenstoff, der die Osteoklasten anregt.
Osteoblasten fördern daher die Bildung von Osteoklasten, nur so kann es zu einem Gleich-gewicht von Stimulation und Hemmung kommen. Östrogene, Kalzium, Bewegung und viele andere Faktoren regen ebenfalls die Ausschüttung der knochenschützenden Substanz an. Stoffe wie Kortison oder das Parathormon aus der Nebenschilddrüse sowie Entzündungsprozesse (wie beim Rheuma) fördern eher den Knochenabbau. Hält die Abbauphase länger an, verliert der Körper immer mehr Knochensubstanz – und die Osteoporose beginnt.
Als frühe Symptome treten sehr häufig Rückenschmerzen auf. Daran leidet jeder zweite Deutsche regelmäßig. Und längst nicht immer steckt, wie so häufig vermutet, ein Bandscheibenvorfall dahinter. In mindestens jedem zehnten Fall ist es die beginnende Osteoporose, die die Schmerzen auslöst. Ursache für diese Rückenschmerzen sind Knochenbrüche, die nach ganz banalen Dingen auftreten, etwa bei Drehbewegungen oder beim Einsteigen ins Auto. Die Wirbelkörper brechen – schlimmstenfalls auch an mehreren Stellen – ein. Danach verformt sich die Wirbelsäule, sodass ein Rundrücken entsteht, der noch heute als sogenannter Witwenbuckel bezeichnet wird. Zunächst tun also die Brüche weh, später verursachen dann die Verformungen Schmerzen. In diesem Stadium ist die Lebensqualität bereits massiv eingeschränkt.
Es gibt zwei Gruppen von Patienten, die ich in der Klinik sehe. Zur ersten Gruppe gehören die, die einen Knochenbruch erlitten haben, der von uns operiert wurde, und denen wir dann mitteilen müssen, dass sie Osteoporose haben und welche Risiken nun für sie bestehen. Diese Patienten haben große Angst, dass der gebrochene Knochen nicht heilt oder dass sie sich einen weiteren Bruch, insbesondere im Becken, in der Wirbelsäule oder im Bereich des Handgelenks, zuziehen. Sie fürchten also die unmittelbare Folge, den Knochenbruch, und die damit verbundenen Schmerzen.
„Jeder von uns hat jeden Tag mehrmals die Möglichkeit, mit seiner Ernährung die entscheidenden Weichen für eine Besserung der Beschwerden oder ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu stellen.“
Die zweite Gruppe der Betroffenen leidet bereits länger an Osteoporose und hat schon mehrere Knochenbrüche hinter sich. Viele haben sich sogar an die damit verbundenen Schmerzen gewöhnt – so zynisch dies auch klingen mag. Diese Patienten fürchten nicht mehr den Knochenbruch selbst, sondern haben Angst davor, ihre Selbstständigkeit zu verlieren. Beinahe 20 Prozent der Menschen, die einen Schenkelhalsbruch hatten, sind danach auf Pflege angewiesen. Und mehr als 10 Prozent der über 80-Jährigen stirbt sogar an den Folgen des Bruchs.
Der überwiegende Anteil der Osteoporose-Patienten ist weiblich. Der Grund hierfür ist, dass durch den Mangel an Östrogen ein Stoff wegfällt, der den Knochenspeicher sonst zum Wachstum stimuliert. Osteoporose ist deshalb längst nicht nur ein Frauenthema,auch Männer können daran erkranken. Immerhin trifft es hierzulande bei den über 50-Jährigen 4,4 Prozent im Jahr. Das ist ähnlich häufig wie Asthma (4,8 Prozent) oder Herzinfarkt (4,5 Prozent) und deutlich häufiger als Schlaganfall (2,5 Prozent). Bei Männern geht man davon aus, dass ungefähr hinter der Hälfte der Osteoporose-Fälle andere „Grunderkrankungen“ oder ein schlechter Lebensstil stecken. Es kann zum Beispiel sein, dass jemand regelmäßig Kortison nimmt, kalziumarm isst, wenig Testosteron produziert, viel raucht oder reichlich Alkohol trinkt und dadurch die Entstehung begünstigt.
Die Sterblichkeit aufgrund einer Osteoporose ist bei Männern deutlich höher als bei Frauen. Das ist darauf zurückzuführen,dass Männer sehr viel häufiger an einer se-kundären Osteoporose leiden. Hinzu kommt, dass sie im Vergleich zu Frauen bei gleichem Osteoporose-Wert (dem T-Wert oder auch T-Score) ein größeres Risiko für Knochenbrüche haben. Neben vielen anderen Faktoren liegt das auch daran, dass Männer im Durchschnitt mehr Gewicht auf die Waage bringen als Frauen.
Ja, man darf allerdings nicht davon ausgehen, dass Standardmedikamente bei Menschen in höherem Alter noch zu einem erheblichen Knochenzuwachs führen. Sie können aber bewirken, dass die Knochensubstanz möglichst gut erhalten bleibt. Auch ein geringer Zuwachs an Knochensubstanz lässt sich beobachten. Die wirksamste medikamentöse Therapie besteht aus einer Kombination von Kalzium und Vitamin D, Bisphosphonaten und Östrogenrezeptormodulatoren. Kalzium ist einer der Grundbaustoffe für unsere Knochen, aber auch die Muskeln brauchen den Mineralstoff, um funktionsfähig zu sein. Vitamin D ist ein lebenswichtiges Hormon. Es hilft dem Körper, Kalzium aus dem Darm besser aufzunehmen, und ist an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Bisphosphonate stärken den Knochen und hemmen die Aktivität der Osteoklasten. Außerdem überleben die Knochenzellen (Osteozyten) länger, weil Bisphosphonate sie schützen. Östrogenrezeptormodulatoren helfen, Osteoporose nach der Menopause vorzubeugen. Parathormon regt den Knochenaufbau an, wird aber eher seltener gegeben. Es kommt erst dann zum Einsatz, wenn die Osteoporose bereits sehr ausgeprägt ist oder die anderen Medikamente keine ausreichende Wirkung gezeigt haben. Ein noch jüngeres Medikament ist Strontiumranelat (Protelos). Es hemmt die knochenabbauenden Zellen und fördert die knochenaufbauenden.
Vorbeugen ist das A und O
Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass sich die Anzahl der Knochenbrüche aufgrund von Osteoporose bis 2050 weltweit vervierfachen wird. Insbesondere in Deutschland und anderen wirtschaftlich sehr starken Industriestaaten ist eine noch deutlichere Zunahme zu erwarten. Gründe dafür sind unter anderem der erhebliche Bewegungsmangel und die Tatsache, dass wir aufgrund der guten medizinischen Möglichkeiten im Durchschnitt immer älter werden. Allerdings: Wir werden zwar länger leben, aber nicht unbedingt besser, weil die Lebensqualität durch die massive Zunahme von Erkrankungen erheblich eingeschränkt sein wird. Durch einen gesunden Lebensstil frühzeitig vorzubeugen sollte deshalb das A und O sein.
In gewissem Rahmen ja, allerdings müssen die Grenzen der nichtmedikamen-tösen Therapie immer berücksichtigt werden. Vitamin D kann der Körper zum Beispiel selbst in der Haut produzieren, hierfür benötigt er Sonnenlicht. Es ist aber nicht ratsam, sich deshalb stundenlang zu sonnen, denn zu viel UV-Strahlung birgt andere Gefahren. Sie erhöht das Hautkrebsrisiko, was vor allem für Menschen mit empfindlicher Haut alles an-dere als unbedenklich ist.
Es ist wie so oft auch immer eine Frage des Lebensstils. Ernährung und Bewegung sind einfach effiziente Stellschrauben. Das bedeutet allerdings, dass man so früh wie möglich etwas tun sollte. Also am besten, solange man gesund und fit ist. Sind die Knochen bereits in Mitleidenschaft gezogen, ist es wichtig, dass man selbst die Initiative ergreift und nicht nur auf eine Besserung durch Medikamente wartet, sondern jeden Tag zusätzlich aktiv etwas für sich tut: eben durch Bewegung und bewusstes Essen und Trinken. Die Vorteile liegen auf der Hand, denn jedes Medikament hat Nebenwirkungen und kann andere Körperfunktionen beeinträchtigen. Also lieber die Ursachen als die Symptome bekämpfen.
„Die vorhandene Knochenmasse lässt sich durch die Kombination von Training und richtiger Ernährung erhalten. Häufig kann die Notwen-digkeit einer medikamentösen Therapie durch diese einfachen Maßnahmen deutlich herausgezögert werden.“
Leider lässt sich Knochenmasse in großen Mengen nicht problemlos in jedem Alter und ohne Medikamente aufbauen. ABER: Was auf jeden Fall gelingt, ist, dass man die vorhandene Knochenmasse zu wesentlichen Teilen durch die Kombination von effektivem Training und richtiger Ernährung erhalten kann. Und vor allem kann mit relativ einfachen Maßnahmen die Notwendigkeit einer medi-kamentösen Therapie bei vielen Betroffenen deutlich herausgezögert werden. Es lohnt sich also unbedingt, selbst aktiv zu werden. Das ist unser wichtigster Appell!
Jeder hat es in der Hand, gegen die Ursachen der Krankheit vorzugehen – ob das Bewegungs- oder Östrogenmangel ist, der Konsum von Alkohol und/oder Nikotin, eine mangelhafte Versorgung mit Kalzium und Vitamin D, eine zu geringe oder überhöhte Proteinzufuhr oder eine zu hohe Aufnahme von Natrium (Kochsalz) und Phosphat. Auch wie viel gesundes Obst und Gemüse man isst, entscheidet jeder selbst. Wie so häufig muss man aber grundsätzlich verstehen, dass sich sämtliche Maßnahmen ergänzen. Es bringt also nichts, lediglich Vitamin D einzunehmen und zu denken, dass man sich nun nicht mehr bewegen muss. Nur die Kombination von Therapien – und insbesondere von Ernährung und Bewegung – kann zum Erfolg führen.
Jeder von uns hat also jeden Tag die Möglichkeit, mit seiner Ernährung die entscheidenden Weichen für weniger Beschwerden und gegen ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu stellen. Das Gute ist: Schon wenn man einfache Hebel umlegt und kleine Veränderungen im Alltag vornimmt, kann man deutlich mehr Lebensqualität erlangen.
Sowohl Übergewicht als auch Untergewicht sind mit Blick auf die Osteoporose Risikofaktoren. Übergewicht begünstigt vor allem die Entstehung von Frakturen und die Verformung der Wirbelsäule. Menschen mit Untergewicht leiden meist an einem Mangel an Substanzen, die für die Knochengesundheit wichtig sind, wie Vitamin D oder Kalzium. Auch eine Mindestmenge an Fettgewebe ist notwen- dig, da hier wichtige Hormone gespeichert werden. Ist das Fettgewebe nicht vorhanden, hat der Körper keine Reserven mehr. Als Faustregel gilt, dass ein Body-Mass-Index unter 20 kg/m² ungünstig ist.
