Glückskompetenz - Katharina Mühl - E-Book + Hörbuch

Glückskompetenz Hörbuch

Katharina Mühl

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Beschreibung

Die fünf Säulen des Glücks: Ratgeber für den Weg zurück zur inneren Freude Wir beginnen unser Leben als glückliche Wesen. Erst nach und nach führen Erziehung, Pflichten und gesellschaftlicher Druck dazu, dass unsere Zufriedenheit verschwinden kann. Die gute Nachricht: Jeder kann in fünf Schritten sein Glück wiederfinden und stärken. Wie das gelingt, erklärt Katharina Mühl anhand der fünf Säulen des Glücks. Die Autorin ist Glückstrainerin. Nachdem eine Autoimmunerkrankung bei ihr diagnostiziert wurde, hat sie sich intensiv mit positiver Psychologie auseinandergesetzt. In diesem Buch teilt sie ihr Wissen darüber, wie wir Schritt für Schritt unsere angeborene Glückskompetenz wieder aktivieren. - Was glückliche Menschen anders machen: eine Frage der Sichtweise - Bedürfnisse und Stärken erkennen: Tipps von der Glückstrainerin - Die fünf Säulen des Glücks: Übungen für mehr Zufriedenheit im Alltag - Der Schlüssel zum Glück liegt in uns selbst: Wegweiser zur Selbstentfaltung - Ein Ratgeber voll konkreter Impulse, Praxisbeispiele und Motivation So können Sie Ihre angeborene Glückskompetenz reaktivieren Dem Positiven Vorrang geben, Stärken einsetzen, gelingende Beziehungen führen, sinnerfüllt leben und persönliche Ziele verfolgen: Katharina Mühl stellt die fünf Glückssäulen vor, mit denen eine dauerhafte Veränderung gelingt. Damit bei der Lektüre nicht nur Wissen angesammelt, sondern die Umsetzung gleich erprobt wird, ist ihr Ratgeber randvoll mit hilfreichen Übungen. So steht einem Alltag voll positiver Gefühle und Zufriedenheit nichts mehr im Weg. Denn: Das Glück ist KEIN Vogerl – es ist eine angeborene Kompetenz, die es wieder aufzuwecken gilt!

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Zeit:7 Std. 39 min

Veröffentlichungsjahr: 2024

Sprecher:Lisa Rauen

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Für Leon

KATHARINA MÜHL

Glückskompetenz

In fünf Schrittenzu mehr Lebensfreudeund Zufriedenheit

INHALT

EINLEITUNG

WAS IST GLÜCK?

Das Glück ist kein Vogerl

Was glückliche Menschen anders machen

ERSTE GLÜCKSSÄULE:

GIB DEM POSITIVEN VORRANG

Die Kraft positiver Gefühle

Sechs Wege für mehr gute Gefühle

»Negative« Gefühle souverän regulieren

ZWEITE GLÜCKSSÄULE:

SETZE DEINE STÄRKEN EIN

Lerne deine Stärken kennen

Stärken stärken stärkt

DRITTE GLÜCKSSÄULE:

FÜHRE GELINGENDE BEZIEHUNGEN

Werde dir selbst die beste Freundin

Fünf wertvolle Tipps für gelingende Beziehungen

VIERTE GLÜCKSSÄULE:

ERFÜLLE DEIN LEBEN MIT SINN

»Der Sinn deines Lebens« – die fünf häufigsten Missverständnisse

Verstehe dein Leben rückwärts

Entdecke und lebe deine Werte

FÜNFTE GLÜCKSSÄULE:

VERFOLGE PERSÖNLICHE ZIELE

Wann Ziele glücklich machen, und wann nicht

Diese drei Ziele machen langfristig glücklich

So formulierst du deine Ziele richtig

Mit diesem Mindset erreichst du deine Ziele

RAN AN DIE UMSETZUNG

Konzentriere dich auf wenige essenzielle Ziele

Zerlege dein Ziel in kleine realistische Schritte

Wie Gewohnheiten dein Leben dauerhaft verändern

ANHANG

Was dir dein Stärkenprofil verrät

Die Autorin

Literaturverzeichnis

EINLEITUNG

Eine münzgroße haarlose Stelle auf meinem Hinterkopf entstand, als ich drei Jahre alt war. Ich saß auf einem Stuhl im Badezimmer, während meine Eltern sich über mich beugten und durch meine Haare wühlten, auf der Suche nach weiteren kahlen Stellen. So begann meine persönliche Reise zum Glück (und es sollte eine lange und holprige Reise werden). Die Diagnose lautete Alopecia areata, eine Autoimmunerkrankung, die zu kreisrundem Haarausfall führt. Durch eine »Fehlinformation« greift das Immunsystem die Haarwurzeln an und zerstört sie. Das verursacht keine Schmerzen, sondern führt nur zu Haarausfall. Im Verlauf der Krankheit können alle Kopfhaare und auch alle Körperhaare ausfallen. Bisher gibt es keine Therapie, die die Ursache des Haarverlustes beheben kann. Obwohl der Haarverlust keine körperlichen Schmerzen verursacht, hat er mir in meiner Kindheit und Jugend große seelische Schmerzen bereitet. Ich habe sehr darunter gelitten, anders zu sein.

»Ist bei dir der Friseur ausgerutscht?« – »Du siehst aus wie ein Mönch.« – »Gescherte.« – »Hey, du Glatzköpfige.« Solche Kommentare haben mich in meiner Kindheit zutiefst verletzt. Je größer die kahlen Stellen auf meinem Kopf wurden, desto entblößter habe ich mich gefühlt. Ich kam mir vor wie eine wandelnde Zielscheibe für alle möglichen Kommentare zu meinem Aussehen, denen ich schutzlos ausgeliefert war. Meine einzige Taktik damals war, mich zurückzuziehen. Mein Motto lautete: »Bloß nicht noch mehr auffallen.« Am liebsten wäre ich unsichtbar gewesen. Ich erinnere mich an viele Alltagssituationen, wie zum Beispiel Busfahrten, bei denen meine Gedanken nur darum kreisten, mich vor Menschen zu verstecken, die möglicherweise etwas Gemeines zu mir sagen könnten. Als ich dann mit 13 Jahren meine erste Perücke bekam, wurde es viel besser. Ich traute mich nach und nach mehr, mich zu zeigen, und fühlte mich selbstbewusster.

Der Umgang mit kritischen Äußerungen über meine Person blieb jedoch noch lange Zeit ein großes Thema für mich. Ich erinnere mich gut daran, wie ich manchmal stunden- oder sogar tagelang traurig und gekränkt war, weil jemand etwas Gemeines zu mir gesagt hatte oder ich mich ungerecht behandelt fühlte. Ich fühlte mich hilflos und ausgeliefert, als ob jemand anderer über mein Glück bestimmen würde. Doch dann gab es eine überraschende Wendung in meinem Leben, die alles verändern sollte.

Ich feierte meinen 20. Geburtstag, war umgeben von meinen Freundinnen, und ich fühlte mich einsam. Obwohl zehn Menschen um mich herum waren, die ich damals als meine Freundinnen betrachtete, fühlte ich eine tiefe innere Leere. Den ganzen Abend über hatte niemand mir auch nur eine einzige Frage gestellt, wie es mir geht, was gerade in meinem Leben passiert, wie es mit dem Studium läuft … Stattdessen wurde über Themen gesprochen, die mich nicht interessierten, und über andere Menschen, die ich nicht kannte und die mich noch weniger interessierten. »Hast du gehört, was XY gerade macht?« (»Nein, und ich will es auch gar nicht wissen!«)

Da wurde mir plötzlich klar: So kann es nicht weitergehen! Wie bin ich in diese Situation geraten? Wer sind diese »Freundinnen«, die offensichtlich kein Interesse an mir zeigen und an denen ich auch kein Interesse habe? Was mache ich da? Wie sehr habe ich mich verbogen, nur um dazuzugehören? In diesem Moment beschloss ich, mein Glück selbst in die Hand zu nehmen und herauszufinden, wie ICH mein Leben gestalten möchte, unabhängig von der Meinung und den Erwartungen anderer.

Dabei habe ich viel von meinem damaligen Partner gelernt, der mir wie der glücklichste Mensch auf Erden vorkam. Mit der Zeit habe ich auch herausgefunden, warum er so glücklich war: Er dachte völlig anders als ich. Zum Beispiel dachte er nicht »Warum sind die wieder so gemein zu mir? Ich bin so arm«, sondern er dachte »Ich entscheide, wer mich verletzen darf, und diese Menschen dürfen das nicht«. Er hatte Gedanken, die ihn selbstbewusst, erfolgreich und glücklich fühlen ließen. Mir wurde immer bewusster, dass ich lange Zeit Gedanken hatte, die mich eher behinderten als mir nützten. Gedanken, die mich schüchtern, besorgt und unsicher machten. Auf diese Weise kam ich zur größten Erkenntnis überhaupt: Ich verstand, dass mein Wohlbefinden damit zusammenhängt, wie ich denke, dass ich meinen Gedanken nicht einfach ausgeliefert bin, und dass ich der Stimme in meinem Kopf nicht alles glauben muss. Ich verstand, dass meine Gedanken nur eine Version der Wirklichkeit sind und dass ich meine Gedanken verändern kann, wenn mir diese Version der Wirklichkeit nicht gefällt.

Meine Begeisterung war entfacht, und ich wollte alles über dieses Thema lernen. Deshalb absolvierte ich neben meiner damaligen Vollzeitanstellung im Produktmarketing eine Ausbildung zur Mentaltrainerin. Aber damit nicht genug: Es folgten Ausbildungen zur Coachin, zur Lebens- und Sozialberaterin sowie zur Anwenderin der Positiven Psychologie.

Mit 29 Jahren beschloss ich, meinen Marketingjob an den Nagel zu hängen, mich als Glückstrainerin selbstständig zu machen und mein Unternehmen Glückskompetenz zu gründen. Seitdem teile ich mein Wissen auf meinem Blog, meinem Instagram-Kanal, in Eins-zu-Eins-Coachings, Vorträgen und Workshops. Und jetzt auch in Buchform. Als die Anfrage vom Verlag in mein E-Mail-Postfach flatterte, ob ich mir vorstellen könnte, ein Buch über Glück zu schreiben, tanzte ich vor Freude durch die Wohnung. Denn Glücklichsein ist trainierbar, und ich möchte mein Wissen über das Glück gerne mit so vielen Menschen wie möglich teilen. Oft sind dafür nur kleine Veränderungen im Alltag erforderlich, die jedoch eine enorme Wirkung auf unser gesamtes Leben haben. Das belegt die Wissenschaft.

Ich freue mich daher sehr, dass du mein Buch in Händen hältst, und ich bin dankbar für das Vertrauen, das du mir entgegenbringst.

Dass du dich für dieses Buch entschieden hast, zeigt, dass du etwas tun möchtest, um dein Glück und deine Lebenszufriedenheit zu verbessern. Sei es, weil du dich gerade in einer Krise befindest, oder weil du einfach bewusster auf dein Wohlbefinden schauen möchtest.

Ich gratuliere dir von ganzem Herzen zu der Entscheidung, deine Lebenszufriedenheit aktiv anzugehen! Es gibt aus meiner Sicht keine bessere Investition für unser Lebensglück als jene in uns selbst.

Lass dich von mir in die faszinierende Welt der Glücksforschung und auf eine Reise zu deinem persönlichen Glück entführen. Ich wünsche dir dabei viele wertvolle Erkenntnisse und positive Veränderungen in deinem Leben.

Dich erwarten unzählige Gedankenanstöße und Übungen, die dir Gelegenheit zur Selbstbeobachtung und -reflexion bieten. Alle Strategien, die ich dir in diesem Buch vorstellen werde, sind bekannte und geprüfte Techniken aus der Positiven Psychologie – der Wissenschaft vom gelingenden Leben. Freue dich außerdem auf viele Praxisbeispiele aus meinem persönlichen Leben und meinem Coachingalltag als Glückstrainerin. All die Geschichten in diesem Buch sind wahr und auch wieder nicht, denn die Namen sind frei erfunden. Vertraulichkeit meinen Coachees gegenüber hat für mich oberste Priorität.

Im Buch findest du ganz konkrete Impulse, was du selbst für dein Glück tun kannst.

Das meiste holst du aus dem Buch heraus, wenn du fleißig mitmachst, also die Übungen wirklich umsetzt. Mache die Übungen am besten gleich, wenn du an der entsprechenden Textstelle angelangt bist, und warte nicht, bis du das komplette Buch durchgelesen hast. Markiere die wichtigsten Aussagen für dich im Text, mach dir Notizen und lies die für dich wichtigsten Passagen mehrmals. Die schnellsten Erfolgserlebnisse erzielst du, wenn du das Gelesene sofort umsetzt. Denn Wissen alleine ist nicht Macht, sondern bringt dir nur wenig, solange du es nicht anwendest. Erst die Umsetzung macht Wissen für dich wertvoll. Auf angewandtes Wissen kommt es an.

Wichtig: Mein Buch ersetzt keine Psychotherapie. Wenn du vermutest, depressiv zu sein, suche Hilfe bei einer Fachperson für psychische Gesundheit und sprich mit ihr oder ihm darüber. Oft ist es so, dass wir mit körperlichen Wehwehchen zum Arzt gehen, aber wenn unsere Seele wehtut, zögern wir. Wenn unser Bein gebrochen ist, lassen wir uns behandeln, aber bei einem gebrochenen Herzen nicht? Möglicherweise unterstützt es dich zu wissen, dass ich selbst als Kind jahrelang einmal die Woche zu einer Therapeutin gegangen bin. Ich war sehr schüchtern und ängstlich, und die wöchentlichen Gespräche haben mich gestärkt. Für meine Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin war es sogar notwendig, wieder in Therapie zu gehen. Auch heute spreche ich regelmäßig mit Kolleginnen und Freundinnen über meine inneren Themen. Und obwohl ich mich so viel mit Positiver Psychologie, mentalem Training und Persönlichkeitsentwicklung auseinandersetze, passiert es auch mir, dass ich ab und zu einen Knoten in meinen Gedanken habe. Dieser Gedankenknoten kostet mich dann Energie und beschert mir ungute Gefühle. Meine Erfahrung ist, dass ich ihn am schnellsten wieder loswerde, wenn ich mit jemandem darüber spreche.

Das Buch beginnt mit Hintergrundinformationen zum Thema Glück. Das ist wertvoll, weil Glück ein sehr breiter Begriff ist und mir wichtig ist, dass du genau weißt, um welche Art von Glück es auf unserer Glücksreise geht, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. In den folgenden Kapiteln erfährst du, was glückliche Menschen anders machen. Anhand von fünf Glückssäulen zeige ich dir, wie du aufblühen kannst. Dabei kannst du jeden Bereich für dich erschließen. Sodass du am Ende genau weißt, wie du deine Lebensfreude erweckst, wie du hinderliche Glaubenssätze in bestärkende Überzeugungen wandelst und wie du Erfüllung in dein Leben bringst. Im letzten Kapitel möchte ich dich noch mal zur tatsächlichen Umsetzung motivieren. Die meisten Menschen sind Wissensriesen und Umsetzungszwerge, deshalb ist es mir wichtig, dir einen wohlwollenden Tritt in den Hintern zu verpassen. Genau für diese Eigenschaft, Klartext zu sprechen und direkt zu sein, bekomme ich von meinen Glückscoachees viel positives Feedback. Für Glück brauchen wir Mut, dafür gebe ich dir den Anstoß.

Du kannst das Buch von vorne bis hinten lesen oder direkt zu der Glückssäule springen, die in deiner aktuellen Situation für dich am relevantesten ist. Nimm dir Zeit, das Buch in deinem Tempo durchzuarbeiten. Alle fünf Glückssäulen gleichzeitig anzugehen, kann überfordern. Mach Pausen und gehe Schritt für Schritt vor. Jeder Mensch setzt Dinge in seinem Tempo um. Es ist wichtig, dass du deines findest und respektierst.

Damit es dir leichtfällt, ins Tun zu kommen, sind die Übungen in diesem Buch praxisnah und alltagstauglich. Manche Vorschläge werden dir vielleicht banal vorkommen. Das ist Absicht, denn du sollst das Gefühl haben, es mit links schaffen zu können. Ich liebe kleine Dinge, die einen großen positiven Effekt auf unsere Lebenszufriedenheit haben. Und falls du dir etwas noch nicht zutraust, sollst du wissen, wie du dorthin kommst. Ich zeige dir, welche Schritte nötig sind, um deine inneren Ressourcen zu stärken.

Um eine einzige Sache möchte ich dich beim Lesen besonders bitten: Offenheit. Es wird Übungen geben, die dir seltsam oder unnötig vorkommen. Ich lade dich ein, ihnen mit Neugier zu begegnen. Erst wenn du etwas ausprobiert hast, weißt du, ob es für dich ist oder nicht. Aus diesem Grund biete ich dir für jede Glückssäule verschiedene Übungen an, damit du etwas findest, das dir entspricht.

Und jetzt geht’s los!

WAS IST GLÜCK?

»Jeder Mensch will glücklich werden, um das Ziel aber zu erreichen, müsste er zunächst wissen, was das Glück eigentlich ist.«

Jean-Jacques Rousseau

Hast du dich schon einmal gefragt, was ein Laptop mit Glück zu tun hat? Tja, ich schon. Letztes Jahr ging von einer Minute auf die andere die Festplatte meines Computers kaputt und musste getauscht werden. Es hieß: zurück auf Werkseinstellungen. (Zum Glück hatte ich meine Daten zum allergrößten Teil auf einer externen Festplatte gesichert.) Ich erzähle dir diese Geschichte nicht nur deshalb, um dich daran zu erinnern, dass du deine Daten sichern solltest (tue es unbedingt!), sondern weil unsere »Werkseinstellung«, wenn wir geboren werden, das »Glücklichsein« ist.

Das ist die gute Nachricht gleich zu Beginn: Du hast die Fähigkeit, glücklich zu sein, bereits in dir. Wenn wir auf die Welt kommen, ist Glücklichsein unser Grundzustand. Solange unsere Grundbedürfnisse befriedigt werden, sind wir ganz im Augenblick und vollkommen glücklich. Ich beobachte das täglich bei meinem kleinen Sohn. Er ärgert sich nicht darüber, dass er vorgestern hingefallen ist, oder plant, was er morgen alles machen will. Er ist ganz im Moment. Im Laufe unseres Lebens entfernen wir uns durch gesellschaftlichen Druck, unsere Erziehung, unsere erworbenen Glaubenssätze und unsere unerfüllten Erwartungen immer mehr von diesem Grundzustand. Wir überlagern unsere Original-Glückssoftware mit allerlei hinderlichen Gedanken, Einstellungen und Überzeugungen. Doch wir können unser inneres Glück jederzeit wieder aktivieren. Das Glück ist in uns und wir brauchen es nur (wieder-)entdecken. Wenn du es einmal VERlernt hast, kannst du es auch leicht wieder ERlernen.

Stell dir vor, du kaufst einen neuen Laptop. Am Anfang arbeitet er superschnell und alles funktioniert reibungslos. Mit der Zeit spielst du immer mehr Daten und Programme drauf, fängst dir möglicherweise sogar Viren aus dem Internet ein. Das macht ihn langsamer und manchmal stürzt er ab. Wenn du willst, dass er wieder so läuft wie zu Beginn, wirst du den Virenscanner drüberlaufen lassen. Du wirst Programme und Daten löschen, die dir nicht mehr gefallen und die du nicht mehr benötigst. Und neue Programme installieren, die du brauchst. Im übertragenen Sinne machen wir im Laufe dieses Buches genau das Gleiche: Wir identifizieren, was momentan noch deinem Glück im Weg steht, das deine Original-Glückssoftware nicht reibungslos laufen lässt. Und vor allem stärken wir dich mit neuen positiven Sichtweisen, Gedanken und Überzeugungen.

Denn Glücklichsein ist trainierbar. Ich möchte dir in diesem Buch zeigen, dass Glücklichsein eine Kompetenz ist – eine Fähigkeit. Und Fähigkeiten kannst du trainieren. Du kannst deine Emotionen* genauso trainieren, wie du deine Muskelkraft trainierst oder eine Sprache lernst. Du kannst lernen, gut drauf zu sein und tiefe Zufriedenheit für dein Leben zu empfinden. Und das ist kein Hokuspokus, sondern reine Neurowissenschaft.

DAS GLÜCK IST KEIN VOGERL

Die häufigste Frage, die mir in Interviews als Glückstrainerin gestellt wird, lautet: »Was ist Glück?« Und genau diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Lass uns ergründen, was Glück wirklich ist und was nicht. Wir alle streben nach einem glücklichen Leben. Doch was ist dieses Glück, nach dem wir uns so sehnen? Was würdest du selbst auf die Frage antworten: »Was ist Glück?«

Wenn ich diese Frage meinen Glücks-Workshopteilnehmerinnen stelle, bekomme ich die unterschiedlichsten Antworten. Von »einen Geldschein auf der Straße finden« über »Eis essen« und »mit meinen Liebsten zusammen sein« bis hin zu »mich selbst lieben« ist alles dabei.

DER UNTERSCHIED ZWISCHEN GLÜCK HABEN UND GLÜCKLICH SEIN

»Das Glück is a Vogerl« heißt es auf Wienerisch. »Das Glück fliegt einem zu, oder eben nicht« -– das scheint die geläufige Meinung vieler Menschen zu sein. Doch stimmt das wirklich? Denkst du bei dem Wort »Glück« eher an vierblättrige Kleeblätter, Marienkäfer und Glücksschweinchen? Oder denkst du an Lebenszufriedenheit, Freude und Glücksgefühle? Lass uns das Wort einmal genauer unter die Lupe nehmen. In der deutschen Sprache kann das Wort »Glück« deshalb für Verwirrung sorgen, weil es zwei grundverschiedene Bedeutungen hat, nämlich »Glück haben« und »glücklich sein«. In allen anderen Sprachen gibt es übrigens für jede Bedeutung ein eigenes Wort.

Glück haben: Glück haben, meint das Zufallsglück (im Englischen: luck), das du selbst kaum beeinflussen kannst. Du gewinnst zum Beispiel im Lotto. Das Einzige, was du dafür tun kannst, ist dir einen Lottoschein zu kaufen. Alles Weitere ist ein Zufall von außen. Wenn es das Schicksal gut mit dir meint, dann bist du ein Glückspilz. In diese Kategorie fallen auch Sprüche wie »Viel Glück« und Glücksbringer wie vierblättrige Kleeblätter, Hufeisen, Schornsteinfeger und so weiter.

Glücklich sein: Wenn du glücklich bist, dann empfindest du starke positive Emotionen wie Freude, Wohlbefinden und Zufriedenheit (im Englischen: happiness). Dieses Glücksempfinden ist ein Zustand, den du selbst aktiv beeinflussen kannst. Durch deine Einstellungen, deine Werte, deine Achtsamkeit, deine Entscheidungen und deine Handlungen kannst du großen Einfluss auf deine Glücksgefühle nehmen.

Natürlich wirst du dich meist glücklich fühlen, wenn du gerade Glück hattest und zum Beispiel bei einem Gewinnspiel gewonnen hast. Aber du kannst auch glücklich sein, ganz ohne Glück gehabt zu haben. In diesem Buch beschäftigen wir uns nicht mit dem Zufallsglück, sondern ausschließlich mit »glücklich sein« beziehungsweise dem »Glücklichsein« – dem angenehmen Zustand, den du selbst aktiv beeinflussen kannst.

MERKE DIR:

Glück ist kein Zufall, sondern ein Zustand positiver Gefühle, den du selbst beeinflussen kannst.

ZWEI ARTEN VON GLÜCK: WOHLFÜHLGLÜCK UND WERTEGLÜCK

Glücklichsein ist nicht das Wichtigste im Leben. Ja, du hast richtig gelesen. Wissenschaftlerinnen haben bei einem Gedankenexperiment folgende spannende Entdeckung gemacht: Probandinnen, die sich vorstellen sollten, dass sie an Elektroden angeschlossen ein beständiges Glücksgefühl erleben könnten, ohne Rückschläge, Trauer und Verluste, entscheiden sich mehrheitlich dagegen. Warum? Weil sie dieses Leben in ständiger Glückseligkeit als leer und als nicht verdient empfinden. Es gibt keinen echten Grund glücklich zu sein und deshalb hat dieses Glücksgefühl keinen Wert.

Aus diesem Grund arbeiten wir an vielen Projekten und Zielen nicht deshalb, weil sie uns glücklich machen, sondern wegen des Wertes, den wir ihnen beimessen. Weil wir sie als sinnvoll empfinden. Es gibt also einen Unterschied zwischen einem glücklichen und einem erfüllten Leben. Erfüllung und Glück können sich sogar gelegentlich widersprechen, so paradox es sich auch anhören mag. Ich als Mutter von einem Kleinkind bin das beste Beispiel. Fragst du mich nach einer Nacht in der ich wenig geschlafen habe oder nach drei aufeinanderfolgenden Wutanfällen meines Sohnes, ob ich glücklich bin, wird meine Antwort »nein« lauten. Gleichzeitig gibt es für mich wenig sinnerfüllenderes als ein Kind großzuziehen. Ein sinnerfülltes Leben fordert von uns Engagement für etwas Größeres, sodass es automatisch mehr Sorgen, Stress und Ängste mit sich bringt als ein nur glückliches Leben.

Den Zustand des »Glücklichseins« können wir also in zwei Arten unterteilen: Werteglück und Wohlfühlglück.

Werteglück: Du kannst Werteglück erleben, indem du dich mit deinen Stärken und Werten auseinandersetzt und sie zur Erreichung deiner Ziele und zum Wohl der Gemeinschaft einsetzt. Damit ist das Bestreben gemeint, die eigenen Fähigkeiten optimal zu nutzen und weiterzuentwickeln. Das kann zum Beispiel bedeuten, anderen zu helfen, sich in Projekten zu engagieren, trotz Hindernissen an deinen Zielen festzuhalten oder dich für etwas einzusetzen, das dir am Herzen liegt. Du kannst beispielsweise Werteglück erfahren, wenn du Verantwortung für die Umwelt übernimmst und dich aktiv für Nachhaltigkeit einsetzt. Oder wenn du deine kreativen Talente einbringst, musizierst, schreibst oder malst und anderen Menschen damit Freude bereitest. Auch wenn du Bildung und Wissen vermittelst, sei es durch Lehren, Mentoring, oder auch, wenn du dich selbst stetig fortbildest, erlebst du Werteglück. Beruflich kann Werteglück auch bedeuten, ein eigenes Start-up zu gründen, das deinen Überzeugungen entspricht, oder in einem Unternehmen zu arbeiten, in dem du deine Stärken optimal einbringen kannst. Wenn du Werteglück in deinem Leben empfindest, dann erlebst du es als erfüllend, sinnvoll, zielorientiert und tief befriedigend. Aber nur rein der Verfolgung großer Ziele hinterherzuhecheln und allen sinnlichen Genüssen zu entsagen, wird auf Dauer nicht glücklich machen, denn auch der Genuss ist wichtig.

Wohlfühlglück: Was unser Leben lebenswert macht, ist neben dem Werteglück das Wohlfühlglück. Das bedeutet, sich gut zu fühlen, möglichst viele positive Gefühle zu erleben und möglichst wenig negative. Wohlfühlglück erfährst du, indem du dir etwas gönnst, zum Beispiel ein gutes Essen oder eine Massage genießt, auf Urlaub fährst oder einen unterhaltsamen Abend mit Freundinnen erlebst. Wenn du tiefes Wohlfühlglück in deinem Leben empfindest, dann erlebst du es als genussvoll, schön, angenehm, leicht und freudvoll. Freude und Vergnügen zu erfahren, bedeutet aber noch lange nicht, dass es einem Menschen auch psychisch gut geht. Gerade Menschen, die »alles« zu haben scheinen und eine Vergnügung nach der anderen erleben, fühlen sich oft innerlich leer.

Menschen, die zu mir ins Glückscoaching kommen und einen Überhang an Wohlfühlglück haben, äußern oft Folgendes: »Eigentlich habe ich alles – einen liebevollen Partner, ein schönes Haus, wunderbare Kinder, eine erfolgreiche Karriere, ein gut gefülltes Bankkonto und so weiter. Aber mein Leben kommt mir so leer vor. Irgendwie empfinde ich mein Leben nicht als erfüllend, der Sinn ist mir abhandengekommen.«

Menschen, die zu mir ins Coaching kommen und einen Überhang an Werteglück haben, äußern dagegen oft Folgendes: »Ich bin total stolz auf alles, was ich erreicht habe. Ich mag meine Tätigkeiten und fühle mich kompetent dabei, aber mir fehlt die Leichtigkeit im Leben. Ich bin erschöpft und schaffe es nicht, mir Pausen für mich selbst zu gönnen.«

Im Idealfall empfindest du sowohl Wohlfühlglück als auch Werteglück in deinem Leben und schaffst eine gute Balance zwischen diesen beiden. In den folgenden Kapiteln findest du Anregungen, wie du beide Glücksarten vermehren kannst.

MERKE DIR:

Glück ist das Zusammenspiel von »im Einklang mit deinen Stärken und Werten leben« und »Das Leben genießen«.

GLÜCK IST OFT DAS ERGEBNIS VON ANSTRENGUNG

Wenn wir über Glück sprechen, meinen wir in der Regel, sich gut zu fühlen und möglichst viele positive Emotionen zu erleben, während »negative« Gefühle möglichst gering gehalten werden. Doch es ist nicht immer erforderlich, sich ständig gut zu fühlen, um ein erfülltes Leben zu führen. Angenommen, du absolvierst gerade eine Ausbildung, um später deinen Traumjob ausüben zu können. Während der Ausbildung werden auch schwierigere Zeiten auftreten. Du könntest dich überfordert fühlen, keine Lust mehr aufs Lernen haben und gestresst sein, aber dennoch am Ball bleiben.

In diesen schwierigeren Zeiten wirst du dich möglicherweise nicht besonders glücklich fühlen, im Gegenteil, und das ist völlig in Ordnung. Denn langfristig wird es sich auszahlen, da du durch die Ausbildung voraussichtlich in dem Bereich arbeiten können wirst, den du dir wünschst. Ein weiteres klassisches Beispiel ist der Sport. Die Anstrengung während des Trainings fühlt sich möglicherweise nicht immer angenehm an, aber die Ausschüttung von Glückshormonen danach umso mehr. Es fühlt sich gut an, etwas für deine Gesundheit und dein körperliches Wohlbefinden getan zu haben. Vor und während der sportlichen Betätigung ist es jedoch manchmal erforderlich, deinen inneren Schweinehund zu überwinden.

Hingegen sind Abkürzungen zum Glück, die schnelle Befriedigung ohne persönliche Anstrengung versprechen, oft nicht förderlich für langfristiges Wohlbefinden. Mit solchen Abkürzungen meine ich beispielsweise Drogen, Alkohol, exzessiven Konsum, übermäßiges Essen oder stundenlanges Starren auf Bildschirme – kurz gesagt, jegliche Art von Süchten.

MERKE DIR:

Glück bedeutet auch, kurzfristig »negative« Gefühle in Kauf zu nehmen, um langfristig höhere Ziele zu erreichen.

DER UNTERSCHIED ZWISCHEN GLÜCK UND ZUFRIEDENHEIT

In der Literatur wird Glück manchmal mit Zufriedenheit gleichgesetzt und manchmal unterschieden. Genauso handhabe ich es auch: Ich unterscheide grundsätzlich zwischen den beiden Begriffen, verwende sie aber aus Vereinfachungsgründen in meiner Kommunikation oft synonym.

Die Unterscheidung von Glück und Zufriedenheit lässt sich am einfachsten anhand eines Beispiels verstehen. Stell dir vor, du machst eine mehrstündige Bergwanderung. Endlich angekommen, erlebst du einen sogenannten »Gipfelmoment«. Du fühlst dich herrlich, wenn du deinen Blick über das Tal schweifen lässt. Die Anstrengungen der letzten Stunden fallen von dir ab, die Welt liegt dir zu Füßen. In dieser Situation hast du einen starken Glücksmoment mit intensiven positiven Gefühlen.

Wenn du jedoch länger auf dem Berg bleibst und zum Beispiel auf der Hütte übernachtest, wird dieses starke Hochgefühl nachlassen. Am nächsten Tag wirst du nicht mehr so intensiv glücklich sein wie am Tag zuvor, aber du wirst dich immer noch zufrieden fühlen. Der Ausblick ist nach wie vor wunderschön, du atmest frische Luft und du liebst die Berge im Allgemeinen. Du bist froh, dass du dir diesen Aufenthalt in deinem Leben ermöglichen kannst.

Glücksmomente sind kurze Augenblicke, in denen du starke positive Gefühle erlebst, die sowohl ruhig als auch überschwänglich sein können. Zufriedenheit bedeutet, dass du dein Leben insgesamt als positiv empfindest. Damit du zu dieser positiven Einschätzung über dein Leben gelangst, ist es notwendig, regelmäßig große und kleine Glücksmomente zu erleben. Das bedeutet, je öfter du solche Glücksmomente spürst, desto höher wird deine Lebenszufriedenheit sein.

MERKE DIR:

Glück ist ein kurzer, intensiver Moment, während Zufriedenheit Wohlbefinden über einen längeren Zeitraum bedeutet.

GLÜCK BEDEUTET NICHT, SICH UM JEDEN PREIS SELBST ZU OPTIMIEREN

Viele Menschen verwechseln Selbstoptimierung mit Glück. Oft orientieren wir uns stark an äußeren Einflüssen, einschließlich sozialer Medien, wo wir täglich mit den Höhepunkten des Lebens anderer konfrontiert werden. Du siehst diese Bilder und glaubst vielleicht, dass du dieses oder jenes haben oder so und so aussehen musst, um glücklich und erfüllt zu leben. Oder Menschen kommen auf dich zu und teilen dir mit, was sie von dir erwarten und was du verbessern musst. Deine Vorgesetzte sagt dir zum Beispiel, dass du in Meetings souveräner auftreten sollst.

Die Erwartungen von außen erzeugen oft das Gefühl, dass du dich verändern musst, weil etwas mit dir nicht stimmt. Immer zu versuchen, äußere Kriterien zu erfüllen, ist ein sehr unglücklich machendes Programm. Aber Glück hat nichts mit Selbstoptimierung zu tun. Du musst nicht die beste Version von dir werden, dich mit deinem »höheren Selbst« verbinden oder so sein wie andere es von dir erwarten, um Glück zu empfinden. Du musst nicht viel erreichen, monetären Erfolg haben, in einer Partnerschaft sein, Karriere machen, produktiver sein, abnehmen oder schöner sein, um glücklich zu sein.

Es geht vielmehr darum, immer mehr zu dem Menschen zu werden, der du wirklich bist. Es geht darum, die authentischste Version von dir selbst zu sein. Selbstentfaltung statt Selbstoptimierung ist das Motto. Was dich glücklich macht, ist, hinzuschauen und dich mit dir selbst auseinanderzusetzen: Was macht mich aus? Wer bin ich eigentlich? Was ist mir wichtig? Welche Ziele will ich erreichen? Welche Werte sind mir wichtig? Welche Stärken habe ich? Anstatt in der Außenperspektive zu sein und den äußeren Erwartungen zu entsprechen, darfst du daraufschauen, wer du bist – mit all deinen Potenzialen und auch Schwächen.

Glück besteht darin, zu erkennen, zu zeigen und zu akzeptieren, wer du in deiner ganzen Authentizität bist. Angenommen, du bist eher introvertiert und es fällt dir schwer, vor vielen Menschen zu sprechen, musst du nicht krampfhaft versuchen, extrovertierter zu werden. Stattdessen darfst du dir eine Umgebung suchen, die deinem Naturell und deinen Stärken entspricht. Zum Beispiel könntest du einen Job wählen, bei dem du deine Fähigkeiten als gute Zuhörerin zeigen kannst.

MERKE DIR:

Glück bedeutet, die authentischste Version von dir selbst zu sein und nicht die beste oder optimierteste Version. Die zugrunde liegende Haltung lautet »Werde, wer du bist.«

GLÜCK IST KEINE ERZWUNGENE POSITIVITÄT

Bist du schon einmal auf den Spruch good vibes only gestoßen? Es bedeutet so viel wie »nur gute Laune bitte«. In den letzten Jahren sind solche und ähnliche Sprüche wie stay positive oder happy mind, happy life in den sozialen Medien aufgetaucht. Diese Botschaften beschreiben das Phänomen, zu glauben, dass eine ausschließlich positive Einstellung das einzig richtige Konzept ist, nach dem du dein Leben leben solltest. Das bedeutet letztendlich, dass du dich nur auf positive Dinge konzentrierst und alles ablehnst, was »negative« Emotionen auslösen könnte. Wir sprechen hier von »toxischer Positivität«.

Vielleicht spürst du selbst in deinem direkten sozialen Umfeld einen gewissen »Glücksdruck«. Schlechte Laune und Niedergeschlagenheit sind unerwünscht. Im Alltag ist es jedoch fast unmöglich, dauerhaft glücklich zu sein, besonders wenn du mit schwierigen Lebensumständen und Schicksalsschlägen wie Trennung, Krankheit oder Tod konfrontiert bist, die keinen Anlass zur Freude bieten.

Aber selbst ohne solche traumatischen Erfahrungen sind die meisten Menschen nicht immer nur glücklich. Denn Stress, Ängste und Traurigkeit sind unvermeidbar und einfach Teil unserer menschlichen Realität. Wenn die Diskrepanz zwischen deinem eigenen Gefühlsleben und den Erwartungen der Gesellschaft oder deines sozialen Umfelds zu groß ist, empfindest du das möglicherweise als persönliches Versagen, als hättest du nicht genug Anstrengungen unternommen, um glücklich und zufrieden zu sein. Dies löst noch mehr »negative« Gefühle in dir aus und dein persönliches Wohlbefinden verschlechtert sich zunehmend.

Immer gut drauf zu sein ist ein sehr unrealistischer Anspruch an sich selbst und auch an andere. Wenn du dieser toxisch positiven Denkweise folgst, versetzt du dich selbst in einen stressigen Zustand. Du fängst an, an dir selbst zu zweifeln und fragst dich, was mit dir nicht stimmt, da du der einzige Mensch zu sein scheinst, der es nicht schafft, durchgehend positiv zu sein. Ein glückliches und erfülltes Leben dreht sich überhaupt nicht darum, ständig gut drauf zu sein. Ich möchte dir mit diesem Buch nicht beibringen, wie du nur noch strahlend durch dein Leben tanzt und dir die Sonne aus dem Allerwertesten scheint. Im Gegenteil, ich möchte dir Strategien an die Hand geben, mit denen du ein glückliches Grundgefühl entwickelst und auch Herausforderungen sowie schwierige Zeiten bewältigen kannst.

Glückskompetenz ist nicht gleichbedeutend mit positivem Denken. Du wirst von mir nie den Satz »Du musst nur positiv denken« hören. Zwanghaft positives Denken kann auf lange Sicht krank machen. Denn wenn du unangenehme Gefühle ablehnst oder vermeidest, werden sie letztendlich stärker, anstatt zu verschwinden.

Auch in meinem Leben gibt es Tiefpunkte, herausfordernde Zeiten, Selbstzweifel, Ärger und Traurigkeit. Darüber berichte ich regelmäßig auf meinen Social-Media-Kanälen. Es ist jedoch wichtig zu wissen, wie wir all unsere Gefühle so akzeptieren können, wie sie sind, und vor allem, wie wir am besten mit ihnen umgehen können. Das ist die gelebte Glückskompetenz.

MERKE DIR:

Für dein Glück ist es nicht notwendig, ständig positiv zu sein oder negative Emotionen zu vermeiden, da sie Teil unseres Lebens sind. Die wahre Glückskompetenz besteht darin, alle Gefühle anzunehmen und zu lernen, wie du deine Gefühle gut regulieren kannst, anstatt zwanghaft positives Denken zu praktizieren.

Zusammengefasst ist Glück eine ziemlich komplexe Sache, die sich nicht nur auf Glück haben oder erzwungene Positivität reduzieren lässt. Es setzt sich aus vielen Teilen zusammen, wie dem Erleben von glücklichen Momenten, der langfristigen Zufriedenheit mit deinem Leben, der Fähigkeit, alle deine Gefühle zu akzeptieren, der Authentizität gegenüber dir selbst und der Kunst, mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. Glück ist nicht nur das Streben nach positiven Gefühlen, sondern auch die Kompetenz, mit den »negativen« Gefühlen umzugehen und wirklich du selbst zu sein. Doch was unterscheidet im Alltag überdurchschnittlich glückliche Menschen von »Glücks-Normalos« ganz konkret? Im nächsten Abschnitt möchte ich dir die wichtigsten Unterschiede verraten.

WAS GLÜCKLICHE MENSCHEN ANDERS MACHEN

In meinen Coachings erlebe ich immer wieder, dass die Menschen, die ich begleite, bei der Frage »Was macht dich so richtig glücklich?« sehr lange überlegen müssen, bevor ihnen vielleicht ein oder zwei Dinge einfallen. Manchmal passiert es auch, dass sie mich überrascht ansehen und nur ein verlegenes »Keine Ahnung, ist schon länger her, dass ich richtig glücklich war. Ich wünschte, ich wüsste es« rausbringen. Oder sie spielen mir den Ball zurück: »Dafür bin ich ja hier im Coaching. Sag du mir, was glücklich macht und wie ich glücklich werde!«

Wie steht es mit dir? Wie intensiv hast du dich bisher mit dem Glück in deinem eigenen Leben beschäftigt?

Eines vorweg: Es gibt kein Glückspatentrezept. Es gibt nicht den einen Weg zum Glück. Es gibt viele Wege. Präziser ausgedrückt: Es gibt deinen ganz persönlichen Weg. Und ich frage dich: Wie willst du glücklich sein, wenn du nicht genau weißt, was dich glücklich macht? Das kann nicht funktionieren. Das Allerwichtigste ist: Du kannst nur glücklich werden, wenn du deinen eigenen Weg kennst. Nicht den Weg deiner Freundinnen oder deiner Eltern oder deines Partners oder den Weg von fremden Menschen, denen du auf Social Media folgst. Es geht um dein ganz persönliches Glück und das ist nur in dir selbst zu finden. Diese kleine Geschichte aus dem fernen Osten verdeutlicht das:

Das Versteck