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Gefangen in der Dunkelheit seiner eigenen Seele und von unerbittlichen Schuldgefühlen zerfressen, lebt Wyatt Booth ein Leben ohne Ziel und ohne Hoffnung. Doch als der Pate der französisch-kubanischen Mafia in Miami brutal hingerichtet wird und die Undercover-Ermittlungen seines besten Freundes ins Leere laufen, setzt Wyatt alles auf eine Karte und eilt ihm ohne Zögern zu Hilfe. Nicht nur die Zerschlagung der Mafia-Organisation steht auf dem Spiel, sondern auch die Jagd nach einem Verräter, der vor nichts zurückschreckt – noch nicht einmal vor seinen eigenen Männern. Und so lässt Wyatt sich auf die geheimnisvolle Amelie Delacroix ansetzen, die die Erbin der Mafia und somit die potenzielle neue Patin ist. Doch was er nicht erwartet hat: Sie entzündet in ihm ein Feuer, das er längst für erloschen hielt, und weckt in ihm Begierden, die er lange unterdrückt hatte. Amelie kehrt nach dem tragischen Tod ihres Vaters zurück in die Staaten, um ihre Familie zu unterstützen und die Geschäfte zu führen. Auf der Suche nach Geborgenheit und ihrer eigenen Identität trifft sie auf den ebenso gefährlichen wie atemberaubend sexy Ex-Soldaten Wyatt. Zwischen ihnen fliegen die Funken, doch sie ahnt nicht, dass sie sich mit ihm in ein gefährliches Spiel voller Macht, Verrat und Leidenschaft begibt – ein Spiel, das sie alles kosten könnte. In einer Welt voller Intrigen, Blut und verbotener Gefühle werden Wyatt und Amelie immer tiefer in ein Netz aus Gefahr und Begierde verstrickt. Doch zwischen Macht und Hingabe gibt es keinen sicheren Platz. Wer wird in diesem perfiden Spiel am Ende die Oberhand gewinnen – und wer wird brennend hinter den Flammen der Leidenschaft zurückgelassen?
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Seitenzahl: 721
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Cheryl Kingston
Guilty Pleasure – Verbotene Liebe
© 2025 Plaisir d’Amour Verlag, Im Großfeld 18,
D-64678 Lindenfels
www.plaisirdamour.de
© Covergestaltung: Sabrina Dahlenburg
(www.art-for-your-book.de)
ISBN Print: 978-3-86495-762-8
ISBN eBook: 978-3-86495-763-5
Die Personen und die Handlung des Romans sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.
Dieser Roman darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches andere Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.
Widmung
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Epilog
Danksagung
Autorin
Für Olga,
die schon meine Freundin war, als» Guilty Pleasure« seinen Anfang nahm, und mich auf der Reise von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung begleitet hat.
Blut.
Überall Blut.
Der Geruch nach Schmerz und Tod.
Mit zitternden Fingern tastete er nach einem Puls. Eigentlich hätte er sich das sparen können, niemand, der so aussah wie diese arme Kreatur, lebte noch – zumindest nicht, wenn es einen Gott gab. Er hatte schon einiges gesehen, doch seinen Kollegen brutal misshandelt und entstellt vorzufinden, löste unbändige Übelkeit in ihm aus.
Er hatte nicht für möglich gehalten, dass das Joker Lächeln oder besser gesagt das Chelsea Smile mehr als eine Legende war, doch Rod war der Beweis für seinen Irrtum – ein Beweis, auf den er gerne verzichtet hätte. Doch was ihn noch mehr erschreckte, war, dass er es hätte sein können, der diese ewige Fratze trug, dessen Fingerkuppen abgeschnitten waren und dessen Körper über und über mit Blut und Verletzungen übersät war. Ihm wurde übel, aber statt sich die Seele aus dem Leib zu kotzen, tat Undercover Agent Nicolas Andersson – alias Niklas Lindström – das Einzige ihm Mögliche. Er riss sich zusammen und setzte ein Pokerface auf. Nick wollte nicht darüber nachdenken, wie man Rod die Mundwinkel aufgeschnitten hatte, um ihn dann weiter zu quälen, ihn zum Schreien zu bringen und so die Wunden jedes Mal mehr aufreißen zu lassen, sodass sich nun auf seinem Gesicht ein blutüberströmtes, groteskes, dauerhaftes Lächeln zeigte. Rod war für ihn gestorben, hatte die Hölle durchlitten und Nick dennoch nicht verraten und seine Tarnung nicht auffliegen lassen. Ansonsten hätte er nun neben Rod gelegen und mindestens genauso schlimm ausgesehen. Also schuldete er seinem Kollegen und auch sich selbst, dass er die Schweine zur Strecke brachte. Gleichzeitig wurde ihm auch klar, dass Rod die einzige Person aus seinem Team gewesen war, der er vertrauen konnte. Das hieß, er war nun auf sich alleine gestellt, und im Hintergrund zog der Maulwurf immer noch ungehindert die Fäden. Wer war die Ratte, die bereits mehrere Morde auf dem Gewissen hatte? Die Tatsache, dass keiner außer Rod und Donald – sein Kontaktmann und Vorgesetzter – wussten, wer er war, beruhigte ihn dabei jedoch nicht sonderlich.
Nicht nach dieser offensichtlichen Botschaft und schon gar nicht, nachdem nur ein halbes Jahr zuvor dem Paten der Todeskuss gegeben wurde.
»Verstehe ich das jetzt richtig? Sie wollen mich in eine verdeckte Ermittlung einschleusen?« Überrascht sah Wyatt Booth den Mann ihm gegenüber an.
»Genau das ist der Fall«, erwiderte Donald Atkins ruhig und musterte den Mann mit dem emotionslosen Blick und der eiskalten Aura.
»Sie wissen, dass ich nur noch Zivilist bin?« Es war nicht so, dass Wyatt nicht erfahren genug war, um solch einen Auftrag anzunehmen. Doch weil er sich nicht erklären konnte, warum Donald so plötzlich und um diese Uhrzeit bei ihm aufgetaucht war, blieb er zurückhaltend.
»Wir sind nicht beim Militär, Lieutenant Colonel Booth, und ich weiß, wie ungewöhnlich es Ihnen erscheinen muss, dass ich am späten Abend, ohne Ankündigung, bei Ihnen auftauche. Aber es ist sehr ernst.« Donald räusperte sich. »Vielleicht sollte ich Ihnen sagen, dass ich in Nick Anderssons Auftrag komme.«
»Sie hätten mir direkt sagen sollen, dass es um Nick geht.« Langsam dämmerte es Wyatt. Er erinnerte sich an das Gespräch mit Nick im vergangenen Frühjahr zurück. Damals waren sie auf der Hochzeit ihrer Geschwister gewesen, und Nick hatte ihm erzählt, dass er einen gefährlichen, aber vor allem verzwickten Fall angenommen hatte und kurz nach der Hochzeit undercover gehen würde. Doch er war zu dem Zeitpunkt total auf sich und seine eigenen Probleme fixiert gewesen, um richtig zuzuhören. »Geht es ihm gut?«
»Im Moment schon.« Donald wusste, dass er den verschlossenen Veteranen mit der Erwähnung Nicks auf seine Seite gezogen hatte, dennoch fragte er: »Ich nehme an, Sie sind dabei?«
Ohne zu zögern, antwortete Wyatt: »Es geht um Nick, natürlich bin ich dabei.« Insgeheim freute er sich darauf, dass er endlich wieder etwas hatte, das Ordnung in sein Leben brachte.
»Gut.« Zufrieden nickte der ältere Agent. »Während eines kleinen Briefings erkläre ich Ihnen alles.«
»Ich nehme an, das könnte länger dauern.« Wyatt sah sich in der Kombüse seines Hausboots um. »Viel mehr als einen Instantkaffee kann ich Ihnen nicht anbieten.«
»Ich nehme gerne einen.«
Wenige Augenblicke später saßen sie mit einer dampfenden Tasse Kaffee am Tisch. »Nick geht es also gut?«
»Ja. Seine Tarnung ist bisher nicht aufgeflogen, aber ich bin ernsthaft besorgt. Ich weiß, dass Nick vergangenes Jahr bereits mit Ihnen über den Fall gesprochen hat. Was wissen Sie?« Als er Wyatts Zögern bemerkte, fügte er hinzu: »Das Gespräch war in meinem Sinne. Wir haben bereits, bevor er undercover gegangen ist, darüber gesprochen, wen er im Notfall zur Unterstützung haben will, und dabei waren nur Sie im Gespräch.«
Wyatt spürte den Anflug eines schlechten Gewissens. Warum hatte er damals nur in Selbstmitleid gebadet, statt Nick richtig zuzuhören? »Er sprach von den Ermittlungen gegen die französisch-kubanische Mafia und einem FBI-Maulwurf, der Insiderinformationen verkauft. An mehr kann ich mich nicht erinnern.«
»Ja, das bringt es schon ganz gut auf den Punkt. Wir ermitteln seit Jahren gegen die Familie Delacroix und ihre kriminellen Machenschaften. Bisher haben wir außer einigen Handlangern nie jemanden zu fassen bekommen. Wir sind bisher nicht dahintergekommen, wie, aber sie tarnen ihre Drogen-, Waffen- und Menschenhändlergeschäfte so gut, dass man ihnen bisher außer einigen Bagatelldelikten nichts nachweisen konnte. Also haben wir in den vergangenen eineinhalb Jahren drei Agents eingeschleust, einer davon ist vor Kurzem bestialisch exekutiert worden. Man hat bei ihm eine Nachricht gefunden.« Donald nahm ein Foto aus seiner mitgebrachten Mappe und reichte es Wyatt.
»Legt euch nicht mit uns an, diese Vendetta werdet ihr nicht gewinnen.Ganz egal, wie viele Schnüffler ihr uns noch schickt. Vendetta? Das ist doch das italienische Wort für Blutfehde – ich dachte, es wäre die französisch-kubanische Mafia?«
Überrascht zog Donald die Augenbrauen hoch. Das war ihm noch gar nicht aufgefallen. Was, wenn die Ermordung seines Agents gar nichts mit der Mafia zu tun hatte? »Stimmt, das ist uns bisher nicht aufgefallen.«
»Haben Sie bereits eine Vermutung, wer die undichte Stelle sein könnte?«, fragte Wyatt und betrachtete noch mal die Worte auf dem Bild. Ganz egal, wie viele Schnüffler ihr uns noch schickt. Das hieß der oder die Mörder wussten nicht, dass es noch zwei weitere Ermittler gab, andernfalls wären Nick und sein Kollege bereits tot.
»Leider nein.«
»Wussten die Agents voneinander?«
»Rod war der erste Agent, einer meiner besten und vertrauenswürdigsten Männer. Er wusste von Nick und Barney. Nick kam als Zweites und wusste ebenfalls von den beiden Agents. Barney ist vor circa sieben Monaten gefolgt. Er wusste jedoch nur von Rod. Natürlich liegt es nahe, ihn zu verdächtigen, aber auch für ihn würde ich meine Hand ins Feuer legen.«
»Haben die drei unterschiedliche Kontaktmänner gehabt?«
»Nein, ich habe mich um alle drei selbst gekümmert.«
»Wissen Sie schon, wie Rod aufgeflogen ist?«
»Ich habe da eine Vermutung, aber …« Donald schüttelte den Kopf. »Rod und Barney sind im Gegensatz zu Nick keine Secret Agents. Rod war Special Agent, der wegen seiner Erfahrung mit der Mafia den Auftrag bekommen hat, und Barney ist ein Verbindungsmann zwischen der Miami Dade Police und dem FBI, der sich ebenfalls durch seine Erfahrung qualifiziert hat.«
»Das soll mir was genau sagen?«, fragte Wyatt ungeduldig und versuchte, sich dennoch zusammenzureißen.
»Rod und Barney hatten mit vielen anderen Ermittlern vom FBI aber auch mit der Polizei Kontakt. Nick hingegen ist ein Phantom. Seine Aufträge sind bisher immer nur über mich gelaufen. Nur ich kenne sein Gesicht und seinen wahren Namen.«
»Sie vermuten den Maulwurf also in der Chefetage«, stellte Wyatt ruhig fest und war unglaublich froh, dass nur Atkins und er von Nick wussten.
»Zumindest in einem sehr einflussreichen Bereich – ja.«
»Haben Sie Bilder von der Leiche?«
Ohne zu zögern, reichte Donald ihm den Stapel Bilder vom Tatort. »Es ist kein schöner Anblick.«
»Das erwarte ich auch nicht«, antwortete Wyatt schlicht und sah sich die Fotos an. Während seiner Zeit bei einer Sondereinheit des Militärs hatte er schon so einiges gesehen – viele Leichen –, für ihn gab es nichts Schlimmeres, als verstümmelte Frauen- oder Kinderkörper zu sehen. Dennoch ließ der Anblick dieser Leiche ihn ebenfalls nicht kalt, schon gar nicht bei dem Gedanken daran, dass es genauso gut Nick hätte erwischen können. »Man muss ihn über Stunden hinweg gefoltert haben«, stellte er fest. Auf eine schlimmere Art als die meisten Opfer, die er in der Vergangenheit gesehen hatte.
»Ja, und er war ein guter und loyaler Mann. Hätte er geredet, wären Nick und Barney nun ebenfalls tot.«
»Er wusste wahrscheinlich, dass er auf jeden Fall sterben würde, und so konnte er wenigstens zwei Leben retten. Wenn nicht sogar mehr.« Wäre er an Rods Stelle gewesen, hätte Wyatt ebenfalls nicht geredet. Er wäre auch für jeden seiner Männer gestorben. Kurz hing Wyatt seinen Gedanken nach, dann ergriff er erneut das Wort: »Was muss ich sonst noch über den Fall wissen? Irgendwelche bahnbrechenden Fortschritte bei den Ermittlungen gegen die Mafia?«
»Nein, eher ist das Gegenteil der Fall. Vor fast genau einem halben Jahr hat man den Paten umgebracht.« Donald zog einen weiteren Stapel Bilder hervor und reichte ihn ebenfalls an Wyatt weiter.
Wyatt pfiff durch die Zähne. »Die sind echt keine Kinder von Traurigkeit.« Rods Leiche war schon kein schöner Anblick gewesen, und Luis Antoine Delacroix, der letzte Pate, stand dem in nichts nach. Seine Augen waren ihm ausgestochen worden und seine Zunge fehlte ebenfalls. »Ganz nach dem Motto: Nichts sehen, nichts sagen.« Wyatts Blick wanderte weiter bis zu der Brust, der ein großes Stück Haut fehlte. »Warum wurde ihm dort ein Stück aus der Haut geschnitten?«
»Man hat ihm das Mafia-Tattoo entfernt. Es ist auf Seite vier aufgeführt.«
»Ist das eine Lilie?«, fragte Wyatt überrascht und betrachtete den Fetzen Haut. »Ziemlich makaber, wenn man bedenkt, dass Lilien für Unschuld und Reinheit stehen und diese Gruppe mit einem wirklich dreckigen Geschäft ihren Lebensunterhalt verdient.«
»Sie sind gut informiert.«
Wyatt antwortete nicht, denn er war der Meinung, dass das jeder, der ein gewisses Maß an Allgemeinbildung besaß, wissen sollte, und schlug noch mal einige Seiten zurück. »Was ist das? Ist das Lippenstift?« Um genauer sehen zu können, was ihm ins Auge gefallen war, hielt er das Bild näher an sein Gesicht. »Im wahrsten Sinne des Wortes ein Todeskuss. Vielleicht aber auch ein Judaskuss?«
»So haben wir es auch gedeutet«, stimmte Donald zu.
»Irgendwelche DNA-Spuren?«
Donald war beeindruckt, wie zielführend die Fragen des Ex-Soldaten waren, als hätte er dieselbe Ausbildung genossen wie seine Teammitglieder. »Zumindest keine verwertbare DNA. Die Suche ist jedes Mal ins Leere gelaufen.«
»Wie schaut es mit einer Frau an seiner Seite aus?«
»Keine, im Club – dem offiziellen Firmensitz der Familie – gibt es einige weibliche Angestellte, aber keine Frauen im nahen Umfeld. Selbst seine Tochter ist aus bisher unerklärlichen Gründen erst ungefähr zwei Monate nach seinem Tod in die Staaten zurückgekommen.«
»Ist sie das neue Oberhaupt?«
»Nein, bisher ist nur bekannt, dass Delacroix’ Bruder und sein Sohn das Ruder an sich gerissen haben. Die Tochter soll das Event-Management, die Clubleitung oder sonst was in der Art übernommen haben. Das hat sie laut Akte zuletzt auch in Belgien gemacht, wo sie bislang gewohnt hat«, antwortete Donald und hielt Wyatt den Ordner mit den gesammelten Informationen entgegen.
Wyatt nahm das Dossier entgegen und sah sich das Schwarz-Weiß-Foto auf der ersten Seite an. »Amelie Delacroix, achtundzwanzig, ein Meter fünfundsiebzig, braune Augen, braune Haare.« Kurz überflog er die restlichen Informationen: französisch-kubanischer Abstammung, auf einem Schweizer Internat die Matura mit einem Einser Durchschnitt gemacht. Danach in Oxford studiert. Sie sprach Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch, also vier Sprachen, von denen er drei ebenfalls beherrschte. Wobei er sich das Deutsch wohl zusammenreimen können würde.
Er müsste lügen, wenn er sagte, dass er von ihr nicht beeindruckt war.
Wieder wanderte sein Blick zu dem Bild. Man konnte nicht sonderlich viel von ihr erkennen, und dennoch sah man ganz deutlich, dass sie eine außergewöhnliche Schönheit war.
»Okay, ich fasse noch mal kurz zusammen: Sie wollen die französisch-kubanische Mafia in Miami zur Strecke bringen und haben drei Agents eingeschleust. Kurz nachdem der dritte Ermittler eingestiegen ist, hat man den Paten ermordet, und wieder ein halbes Jahr später stirbt einer Ihrer Agents. Sie befürchten einen Maulwurf, wollen aber die Arbeit der letzten Jahre nicht verschwenden, sondern weitermachen und deshalb mich als Nicks Unterstützung anheuern?«
»Das trifft recht genau den Punkt.«
»Und was genau sind meine Aufgaben?«
»Zuerst müssen wir Sie einschleusen, Nick ist der Head-of-Security, meistens ist er für den VIP-Bereich eingeteilt, aber er kontrolliert auch oft den Einlass der Gäste in den Club. Barney ist in der Logistik beschäftigt. Laut der Berichterstattung werden im Club immer wieder neue Männer für die Logistik oder Security gesucht.«
»Sollte ich beides hinbekommen. Und dann?«
»Versuchen Sie an Informationen heranzukommen. Wie, ist dabei egal. Vielleicht haben Sie bei einer der Frauen Erfolg – vorzugsweise bei der Tochter. Barney hatte keinen Erfolg, und Nick sollte die Finger von ihr lassen, nachdem er sich bereits Mathieus Vertrauen erschlichen hat. Ein Techtelmechtel könnte dieses Vertrauen wieder zerstören, und das ist nicht in unserem Sinne.«
Wyatt überlegte, der Auftrag beziehungsweise seine Aufgabe klangen bisher gar nicht so übel. »Wie weit soll oder darf ich gehen?«
»So weit, wie Sie es mit Ihrer Moral vereinbaren können.«
»Was ist mit einer Tarnidentität? Muss ich eine neue haben?« Wyatt wusste, dass im Rahmen seiner Arbeit beim Militär alle seine privaten Daten gelöscht worden waren, zumindest all jene, die eine Angriffsfläche zuließen. Alle persönlichen Informationen über seine Familie waren im Nirwana verschwunden, und er war zum Einzelkind ohne Eltern oder Familie geworden. Alle anderen Dinge über ihn durfte ruhig jeder wissen. Das war ihm egal, das erklärte er auch Donald.
»So müssten wir uns auf jeden Fall nichts mehr zusammenbasteln, und Sie könnten schneller einsteigen«, dachte Donald laut nach und nickte letztlich zustimmend. »Okay, gehen wir die Einzelheiten durch.«
Woap-woap-woap-woap …
Wyatt fuhr aus dem Schlaf, bereit, jeden, der ihm zu nahe kam, mit bloßen Händen zu töten. Als er jedoch erkannte, dass er sich in seinem eigenen Bett befand, sank er keuchend in die Kissen zurück.
Selbst nach zwei Jahren quälte er sich immer noch jede Nacht durch Albträume. In Momenten wie diesem bereute er es, dass er die Notbremse gezogen und aufgehört hatte zu trinken. Er vermisste die betäubende Wirkung des Alkohols. Aber noch viel mehr vermisste er seine Männer. Sie waren für oder viel mehr wegen ihm gestorben, daher war es richtig, dass er sie nicht vergaß. Die erste Zeit hatte es geholfen, einen Schnaps nach dem anderen zu trinken, eine Flasche nach der anderen zu leeren, so lange, bis er nur noch rücklings ins Bett fiel und ganze Tage verschlief. Er hatte die ersten Monate durchgehend im Rausch verbracht, doch eines Morgens war ihm bewusst geworden, dass es nicht richtig war, sich den einfachsten Weg ausgesucht zu haben, um mit den traumatischen Ereignissen und seinem Verlust umzugehen. Vergessen war weder richtig noch gerecht. Er sollte sich ruhig an jede Sekunde seines Versagens erinnern.
Daher schwang er auch in dieser Nacht die Beine aus dem Bett, stellte den Deckenventilator ab und kletterte auf das Deck seines Hausboots. Eine leichte Brise kam vom Meer und verschaffte ihm ein wenig Abkühlung. Für einen kurzen Augenblick stand er nur da, sah aufs Meer hinaus und erlaubte sich, die ruhige Idylle und das Rauschen des Meers zu genießen. Doch dann jaulten in der Ferne die Sirenen eines Streifenwagens auf und mit dem Frieden war es vorbei.
Seufzend legte er sich auf den Rücken und begann mit seinem üblichen Programm. Vielleicht würde ein wenig Sport ihn wieder müde werden lassen. Einige Zeit machte er im Wechsel Sit-ups und Liegestütze. Als es jedoch anfing zu dämmern, gab Wyatt es endgültig auf, schlafen zu wollen. Stattdessen gönnte er sich eine ausgiebige Dusche und ging bei einer Tasse Kaffee noch mal das Dossier durch. Richtig aktiv würde er im Fall frühestens am Abend werden können, beziehungsweise am nächsten Tag, wenn laut einem Vermerk die nächste Getränkelieferung ankommen würde. Aber bis dahin wollte er sich schon mal das Fitnessstudio anschauen, das in der Akte erwähnt und von Amelie regelmäßig besucht wurde. Trotz des Mangels an Schlaf stand er unter Strom – war nahezu aufgedreht. Lange hatte er sich nicht mehr so lebendig gefühlt. Er wusste nicht weshalb, nur dass es auch mit der Mafia-Braut zu tun hatte. War sie wirklich so attraktiv wie auf den Bildern?
Pünktlich um elf lag er auf einer der Hantelbänke und stemmte Gewichte. Natürlich entgingen ihm die bewundernden Blicke der Frauen nicht, aber sie waren ihm egal, sein alleiniges Interesse galt Amelie, die ihren Trainingsgewohnheiten nach früher oder später im Studio aufschlagen sollte. A-me-lie, er ließ sich den Namen auf der Zunge zergehen. Verglichen mit den ganzen Carries und Brittanys klang Amelie regelrecht exotisch. Vielleicht gefiel ihm der Name aber auch nur, weil seine Mutter ebenfalls französische Wurzeln hatte.
Eineinhalb Stunden später war Amelie immer noch nicht aufgetaucht, und seine Muskeln begannen, von dem Hanteltraining zu brennen. Eigentlich ein willkommenes Gefühl, für den Moment jedoch nicht zielführend. Daher überlegte er, ob er noch eine Runde aufs Laufband gehen oder duschen sollte. Er wusste nicht, woher die plötzliche Energie nach den Wochen und Monaten der Lethargie kam. Doch sie war da, und Wyatt musste sie loswerden. Vielleicht würde er in dieser Nacht endlich mal durchschlafen können. Also schwang er sich aufs Laufband und lief los. Erst nach zehn Kilometern ging er von seinem zügigen Tempo zu einem eher gemächlichen Joggen über. Nochmals fünf Kilometer später war er so weit, dass er sich einen Plan B überlegte, falls Amelie nicht in der nächsten halben Stunde auftauchen würde. Er konnte nicht den ganzen Tag im Studio verbringen und darauf hoffen, dass sie noch kam. Aber das erste Mal musste oder wollte er ihr auf neutralem Boden begegnen, nicht in ihrem Club, umgeben von der Familie, auch wenn er nicht vorhatte, sie anzusprechen.
»Du hast eine wirklich ausgezeichnete Kondition.«
Überrascht sah Wyatt zu seiner linken Seite. Wie hatte die kleine Rothaarige ihm so nahekommen können, ohne dass er sie bemerkt hatte?
»Danke«, antwortete er knapp und lief unbeirrt weiter. Vielleicht würde sie sein Desinteresse richtig deuten und wieder gehen.
»Du bist neu hier, oder?«, fragte sie weiter und begann, auf dem Laufband neben ihm loszutraben.
Langsam bereute er, dass er kein Mensch war, der gerne Musik zum Training hörte, so hätte er auf seine Kopfhörer deuten und sie ignorieren können. »Nein.«
»Ich habe dich noch nie hier gesehen«, versuchte sie, ihn weiterhin in ein Gespräch zu verwickeln.
»Ich Sie auch nicht«, gab er zurück, sodass er eine richtige Antwort umgehen konnte. Er war sowieso nicht der charmante Typ und auch niemand, der flirten konnte.
Bisher hatte er weder das eine noch das andere gebraucht. Früher hatte er bloß erwähnen müssen, dass er bei der Army war, und die Frauen waren in Scharen zu ihm gekommen. Tja und während der Zeit danach … Danach hatte er keine Lust auf Frauen oder irgendetwas, was in diese Richtung ging, gehabt.
»Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn wir uns noch häufiger hier sehen würden.« Eigentlich sollte er sich geschmeichelt fühlen, doch das Gegenteil war der Fall. Er war genervt. »Ich bin übrigens Chrissie, vielleicht hast du Lust nachher einen Drink an der Ba…« Mitten im Satz brach sie ab und wäre bei dem tödlichen Blick, den er ihr zuwarf, fast vom Laufband gefallen.
Gut so, es war ihm lieber, wenn die Menschen Abstand hielten und Respekt, vielleicht sogar Angst vor ihm hatten. Er war nicht der interessante, gut aussehende Typ, der er auf den ersten Blick zu sein schien. Nein, in Wirklichkeit war er eine eiskalte Maschine.
»Sehr nettes Angebot, aber nein, danke.« Gelassen fuhr er das Tempo auf null zurück und stieg vom Laufband. Nach diesem Zwischenfall war es wohl keine allzu gute Idee, weiterhin zu bleiben, also machte er sich auf den Weg zu den Umkleiden. Keine Viertelstunde später war er frisch geduscht und verließ das Sportstudio.
»Merde.« Scheiße, hörte er eine Frauenstimme fluchen, kurz bevor er in etwas oder viel mehr in jemanden hineinlief.
Verdammt. Amelie hatte gewusst, dass heute nicht ihr Tag werden würde. Der Gurt ihrer heiß geliebten und leider auch uralten Sporttasche war gerissen, sodass sie nun samt ihres Inhalts auf dem Boden lag. Zu allem Überfluss war dies auch noch so ungünstig im Eingangsbereich des Fitnessstudios passiert, dass jemand in sie hineinlief, als sie gerade dabei war, ihre Habseligkeiten aufzuheben. Sofort stieg ihr der frische Geruch von Duschgel und Mann in die Nase und veranlasste sie dazu, sich aufzurichten. Ein durchtrainierter Körper und muskulöse Arme fielen ihr als Nächstes auf. Erst dann realisierte sie, dass zwei starke Hände ihre Oberarme umschlossen und so verhindert hatten, dass sie durch den Zusammenstoß gefallen war. Im gleichen Moment traf ihr Blick auf die hellsten blauen Augen, die sie je gesehen hatte. Unwillkürlich durchlief ein Schauer ihren Körper.
»Hoppla, was haben wir denn hier?«
Bei dem tiefen Bariton seines Lachens überlief sie ein Schauer. Sie seufzte: »Eine kaputte Tasche.« Ehrlich deprimiert und gleichzeitig von ihrer körperlichen Reaktion auf den Fremden irritiert, beugte sie sich erneut herunter und sammelte ihre Habseligkeiten zusammen.
»War das meine Schuld?«, fragte der Mann und machte sich daran, ihr beim Aufheben zu helfen.
»Nein, der Gurt ist vor einigen Augenblicken gerissen«, gab sie zurück und klaubte nervös ihre Sachen zusammen, während der Mann ihr weiter half. Unglücklicherweise war das letzte Teil, das er aufhob, ihr Sport-BH. Unwillkürlich wurde sie rot. Es war ein einfacher BH, noch nicht mal ein aufreizendes Dessous, aber dennoch spürte sie, wie die Schamesröte in ihr aufstieg.
Langsam richtete sie sich wieder auf und nahm ihre Sachen entgegen. Als ihr Blick seinen traf, schien es ihr, als wäre ihm die Tatsache, dass er einen Teil ihrer Unterwäsche in der Hand hielt, nicht bewusst. Möglicherweise ließ es ihn auch kalt. Ein attraktiver Typ wie er hatte sicher schon hübschere Sachen gesehen bzw. den Besitzerinnen ausgezogen.
Wyatt musste sich ein Grinsen verkneifen. Ihre Reaktion auf ihn, vielleicht auch wegen des BHs, den er ihr zusammen mit Shorts und ihrer Haarbürste entgegenhielt, war – niedlich. Gleichzeitig fragte er sich, ob eine Frau, die in kriminelle Geschäfte verwickelt war, wirklich so unschuldig sein konnte. Oder tat sie nur so, um eine perfekte Tarnung anzunehmen? Er wusste es nicht. Nur eins war ihm sofort klar gewesen: Vor ihm befand sich Amelie Delacroix, seine Zielperson. Er hatte sie sofort erkannt. Live und in Farbe sah sie jedoch noch attraktiver aus als auf dem Schwarz-Weiß-Foto.
»Danke.« Amelie nahm ihm die Sachen ab und stopfte sie seufzend in die kaputte Tasche.
»Alles okay?« Wyatt wusste selbst nicht, weshalb er sie das fragte. Natürlich war es für seinen Auftrag sinnvoll, sie in ein Gespräch zu verwickeln, aber gleichzeitig wirkte sie so niedergeschlagen, dass es ihn zu seiner Überraschung ehrlich interessierte.
Sie schnaubte. »Ja, ich habe bloß eine Pechsträhne. Aber egal. Danke für die Hilfe.«
»Kein Problem. Ich kenne das. Ich hatte in der letzten Zeit auch einige beschissene Tage.« Wyatt hoffte, sie würde auf das lockere Gespräch eingehen und deutete mit dem Kopf auf das Studio hinter sich. »Manchmal hilft es, sich auszupowern. Aber manchmal können nur Kaffee und viel Zucker den Tag retten.«
»Ist heute so ein Tag?«, fragte sie und legte den Kopf etwas schräg.
»Ich weiß nicht. Würden ein Kaffee und etwas Süßes Sie aufheitern?« Mit einem – wie er hoffte – charmanten Lächeln fügte er hinzu: »Ich lade Sie ein.«
Die Tür des Studios schwang auf, und bevor die nächste Person in Amelie hineinlaufen konnte, zog Wyatt sie an die Seite und somit gleichzeitig näher zu sich. Er hatte es eher unbewusst getan, doch bei ihr schien es irgendetwas ausgelöst zu haben, denn sie fragte misstrauisch: »Machen Sie so etwas öfter?«
»Was meinen Sie genau?« Verwirrt zog er die Augenbrauen hoch und sah sie mit einem harmlosen Lächeln an. Gleichzeitig wurde ihm das volle Ausmaß ihrer Schönheit bewusst. Sie hatte bernsteinfarbene Augen, goldbraunes Haar, eine schlanke, durchtrainierte Figur und den sinnlichsten Mund, den er je gesehen hatte.
Er wusste nicht, zu welchem Typ Frau er sie zählen sollte, klar war jedoch, dass sie selbst ungeschminkt, mit einem Pferdeschwanz und Sportoutfit die attraktivste Frau war, die er in den letzten Jahren gesehen hatte. Gleichzeitig fielen ihm aber auch kleine Makel wie die etwas zu markanten Wangenknochen oder die leicht zu spitze Nase auf. Auch ihre Brüste waren für seinen Geschmack zu groß, vielleicht auch zu prall, um echt zu sein.
»Na, Frauen erst umrennen und sie dann zum Kaffee einladen.«
»Nur wenn sie mir interessant erscheinen. Da ich aber grundsätzlich kein großes Interesse an Menschen habe, ist das bisher noch nicht vorgekommen«, erwiderte er mit einem Grinsen und war von sich selbst überrascht. Flirtete er tatsächlich mit ihr?
Wenn der Fremde nicht so ein einnehmendes Lächeln gehabt hätte, hätte sie ihn wirklich plump gefunden und wäre wahrscheinlich einfach weitergegangen. »Hat diese Masche schon mal gezogen?«
»Ich weiß es nicht. Sagen Sie es mir, Sie sind die Erste, die ich erst umgerannt und dann zu einem Kaffee eingeladen habe«, gab er gelassen zurück.
Auch wenn seine Augen irgendwie kalt wirkten, machte der Fremde einen charmanten und sympathischen Eindruck auf Amelie. Seufzend sah sie auf ihre kaputte Tasche. Lust auf Sport hatte sie nun wirklich keine mehr. Davon abgesehen war es an diesem Tag zu warm, auch wenn es im Studio eine Klimaanlage gab, und sie hatte sich regelrecht zwingen müssen, zum Training zu fahren. Ihr war eigentlich schon den ganzen Tag eher nach einer Massage oder nach einer anderen Art von Sport gewesen. Sie sehnte sich so langsam wirklich nach einem kleinen Flirt und ein wenig männlicher Aufmerksamkeit. Etwas mehr als vier Monate war sie nun schon in den Staaten und hatte noch niemanden außerhalb der Arbeit kennengelernt. Das Personal ihres Clubs war zwar locker und nett, aber irgendwie kamen sie ihr alle unehrlich vor. Selbst mit ihrem Cousin war sie immer noch nicht warm geworden, obwohl er meistens wirklich zuvorkommend und aufmerksam zu ihr war. Er versuchte sogar, sie immer wieder von dem Mord an ihrem Vater abzulenken.
Schnell schob sie den Gedanken daran beiseite und konzentrierte sich auf den Mann, der vor ihr stand. Bisher hatte sie immer gedacht, sie würde auf den typisch lockeren und lustigen blonden Surferboy stehen, doch keiner von ihnen hatte sie bisher so angezogen wie dieser Mann. Und der war definitiv kein Surferboy, dafür hatte er eine zu starke und dominante Ausstrahlung. Sie fand ihn definitiv interessant, aber vor allem – heiß. Dennoch ließ sie ihn zappeln und fragte kokett: »Was wäre denn, wenn ich Ihnen sagen würde, dass ich gar keinen Kaffee trinke?«
»Dann würde ich antworten, dass das kein Problem wäre und wir auch gerne auf Tee ausweichen könnten. Wäre ich jedoch ein Draufgänger, würde ich Ihnen direkt ein Abendessen vorschlagen. Zu Abend essen tut jeder.« Mit seinem intensiven Blick schien er sie zu durchleuchten und zu erkennen, was in ihr vorging, denn plötzlich fragte er: »Nehmen wir an, ich wäre ein Draufgänger, was hätten Sie dann geantwortet?«
»Dann hätte ich schätzungsweise ja gesagt.« Ein echtes Lächeln machte sich auf ihren Lippen breit, und sie ging nun ebenfalls ein wenig in die Offensive. »Da Sie aber kein Draufgänger sind, müssen Sie sich wohl mit einem Tee begnügen.«
»Wer weiß, vielleicht vermassle ich es beim Tee nicht und traue mich, Sie noch um ein Abendessen zu bitten.« Wyatt war erneut über sich überrascht. Der Job könnte in der Zukunft noch durchaus interessant, wenn nicht sogar spaßig werden. »Für den Anfang dürfen Sie mir einen Eistee spendieren.«
»Zuerst sollte ich mich aber vorstellen. Ich bin Wyatt, und mit wem habe ich das Vergnügen?«
»Amelie.« Lächelnd ergriff sie seine Hand. Wyatt hatte definitiv etwas an sich, das sie sehr neugierig machte.
»Freut mich, Sie kennenzulernen, Amelie. Das ist ein wirklich schöner Name, aber eher untypisch für eine Amerikanerin. Eher zu einer Französin passend?«
»Wodurch habe ich mich verraten?«
»Sie haben einen unterschwelligen Akzent, aber nur einen sehr, sehr leichten.«
Erstaunt sah sie ihn an. »Wirklich? Das ist mir bisher noch nie aufgefallen. Genau genommen bin ich aber Amerikanerin und habe französisch-kubanische Wurzeln.«
»Eine interessante Mischung.« Anhand ihrer positiven Reaktion auf ihn schätzte Wyatt, dass sie wohl nichts dagegen haben würde, wenn er ihr die kaputte Tasche trug. Also nahm er sie und klemmte sie sich unter den Arm. »Ich schlage vor, wir bringen Ihre Tasche zu Ihrem Auto und kümmern uns dann um eine Erfrischung. Sie sind doch mit dem Auto da?«
»Ich stehe direkt dort vorne.« Amelie zog einen Schlüsselbund aus ihrer Hosentasche und deutete mit ihm in Richtung Parkplatz, wo sich auf Knopfdruck der Kofferraum eines Volvo SUVs öffnete.
»Schickes Auto«, kommentierte Wyatt, während sie auf das Auto zugingen.
»Danke, ich gewöhne mich noch an die Größe. Der letzte Wagen, den ich gefahren habe, war gefühlt ein Viertel von diesem«, antwortete Amelie und merkte, wie sie sich langsam in Wyatts Gegenwart entspannte. »Wollen Sie Ihre Sachen auch kurz wegbringen?«
»Ich bin mit dem Motorrad da, sprich, kein Kofferraum vorhanden, nur Platz für meinen Helm.« Mit dem Kopf deutete er auf seine Maschine, die drei Parkplätze weiter hinten stand.
»Ach so.« Kurz zögerte Amelie. »In meinem Kofferraum ist noch genug Platz.«
»Ach, das geht schon, trotzdem danke. Ich bin noch nicht lange in Miami, daher kenne ich mich noch nicht sonderlich gut in der Gegend aus, aber dort vorne ist ein Starbucks, wie wäre es damit?«
»Starbucks klingt gut.«
Als sie wenige Minuten später in zwei bequemen Sesseln Platz genommen hatten, fing Amelie ihren letzten Gesprächspunkt wieder auf und reagierte genau wie Wyatt gehofft hatte. »Sie sagten, Sie seien gerade erst hergezogen? Wo haben Sie früher gewohnt?«
»Mal hier mal dort, die letzten Monate habe ich auf See oder an der Küste verbracht.«
»Auf See oder an der Küste? Sind Sie Hochseefischer?«, fragte Amelie und nippte an ihrem geeisten Hibiskustee. »Übrigens vielen Dank für den Tee.«
»Gerne.« Wyatt trank ebenfalls einen Schluck von seinem Kaffee und sprach dann weiter. »Nein, das wäre nichts für mich. Aber ich lebe auf einem Hausboot. Ich war lange Zeit bei der Army und nehme mir gerade eine kleine Auszeit.«
Daher also diese autoritäre Aura und der durchtrainierte Körper. Zu ihrer Bewunderung mischte sich jedoch auch ein kleiner Funke Bedauern. »Das heißt, Sie sind auf der Durchreise und bleiben nicht allzu lange?«
»Um ehrlich zu sein, habe ich gerade überlegt, für einige Zeit hierzubleiben, denn vielleicht habe ich jetzt einen guten Grund zum Bleiben gefunden.« Vielsagend zwinkerte er ihr zu. »Hätten Sie es etwa schade gefunden, wenn ich nur auf der Durchreise gewesen wäre?«
Für einen kurzen Moment ließ sie sich von der weißen, fast perfekten Zahnreihe blenden, die zwischen seinen Lippen hervor blitzte, sodass sie völlig aus dem Konzept geriet. Dennoch antwortete sie: »Möglicherweise.«
Auch wenn ihre kokette Antwort quasi eine Einladung war, um weiter mit ihr zu flirten, bremste er sich. Er wollte nicht das Risiko eingehen, dass sie ihn für einen Aufreißer hielt, und so zu riskieren, dass die Stimmung zwischen ihnen kippte, also fuhr Wyatt mit einer unverbindlichen Frage fort: »Was ist mit Ihnen? Leben Sie schon immer hier in Miami?«
»Nein, bis vor Kurzem habe ich noch in Brüssel gelebt.«
»Belgien, sicher ein schöner Ort zum Leben. Erst recht, wenn man Französisch spricht.«
Amelie nickte. »In Brüssel hatte ich eine tolle Zeit, Miami ist …« Kurz suchte sie nach den richtigen Worten, denn sie würde immer noch in Europa leben, wenn ihr Vater nicht aufs Brutalste ermordet worden wäre. »An das Leben in Miami gewöhne ich mich langsam wieder. Das Klima macht mich manchmal fertig.«
»Klingt, als wäre Miami nicht übel. Ich hoffe, ich lebe mich ebenfalls schnell ein. Aber zuerst brauche ich einen Job.«
Nachdenklich legte Amelie den Kopf zur Seite und sah ihn an. »Was haben Sie denn bisher für Jobs gehabt?«
»Alle möglichen. Ich bin weder zimperlich, noch habe ich zwei linke Hände.«
»Haben Sie etwas zum Schreiben?« Amelie ließ sich von ihm einen Stift reichen und schrieb etwas auf eine der Servietten. »Hier, das ist eine Diskothek. Wir suchen im Moment Personal. Kommen Sie bei Interesse heute Abend vorbei und sprechen mit Carlos. Er wird schon was Passendes für Sie finden.«
»Danke.« Innerlich beglückwünschte er sich dafür, seiner Intuition gefolgt und zum Fitnessstudio gegangen zu sein. Besser hätte es nicht laufen können. »Ich muss mich am Ende aber nicht zwischen einem Job und einem Date mit dir entscheiden?«
Seine Direktheit und die Art wie er einfach zum Du übergegangen war, brachte Amelie zum Lächeln. »Du bist ganz schön selbstbewusst, oder? Du gehst davon aus, sowohl Carlos als auch mich von dir überzeugen zu können.«
Wyatt erwiderte ihr Lächeln mit einem schelmischen Grinsen. »Ich nehme zumindest an, dass ich keine schlechten Karten habe.«
»Dann hoffe ich, dass du sie weise ausspielst.« Mit einem Zwinkern nahm Amelie einen Schluck von ihrem Eistee. Wann hatte sie sich das letzte Mal so leicht, fast schon sorglos gefühlt?
»Sollte ich erwähnen, dass ich ein Poker-Ass bin?« Auch Wyatt konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal so oft gelächelt hatte. »Aber im Ernst, ich bin dir für das Jobangebot echt dankbar.«
»Keine Ursache, ich weiß, wie es ist, wenn man versucht, Fuß zu fassen. Außerdem empfinde ich großen Respekt dafür, dass du dem Land gedient hast.«
Wyatt musste sich zusammenreißen, damit er nicht den Mund verzog und zeigte, was er bei ihren lobenden Worten über seine Dienstzeit wirklich empfand. Stattdessen fragte er in einem scherzhaften Ton: »Du machst dir also keine Sorgen, dass ich ein geistesgestörter Straftäter oder Verrückter sein könnte?«
Wieder legte sie den Kopf auf diese süße Art zur Seite und sah ihn an. »Bist du es denn?«
»Selbstverständlich nicht. Aber das würde auch ein Psychopath über sich sagen.« Wyatts Lächeln verschwand. »Ich freue mich zwar, dass wir hier zusammen sitzen, aber du solltest im Hinterkopf behalten, dass nicht jeder etwas Gutes im Sinn hat.«
Die Art, wie sie ihn ansah und wie sie ihren Mund verzog, zeigte Wyatt, dass er einen Fehler gemacht hatte.
»Na, es ist ja nicht so, dass ich dich in einer dunklen Gasse gegen Mitternacht aufgegabelt und mit nach Hause genommen hätte. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass mir bei Nacht oder in irgendeinem Club etwas passiert, wesentlich größer als bei einem Tee in einem öffentlichen Café, und wie gesagt, du bist eine Ausnahme gewesen.« Natürlich war es nett von ihm gemeint, dass er ihr diesen Rat gegeben hatte. Gleichzeitig bekam sie dadurch jedoch das Gefühl, als hielte er sie für ein kleines, naives Mädchen, das keine Ahnung vom Leben hatte. Und dies war definitiv nicht der Fall. Sie war mit sechs Jahren auf ein Schweizer Internat geschickt worden und hatte seit dem ganz alleine in Europa gelebt. Erst in der Schweiz, nach ihrer Matura in England und nach ihrem Studium in Oxford war sie nach Belgien gezogen – sie war immer auf sich alleine gestellt gewesen. Umgeben von anderen Menschen – ja, aber ohne jegliche Vertrauensperson. Ihr war nie etwas passiert, also warum zur Hölle sollte sie nicht weiterhin das tun, was sie wollte und für richtig hielt?
Schnell ruderte Wyatt zurück. »Versteh mich nicht falsch. Ich bin der Letzte, der dir irgendetwas vorschreiben sollte, aber du bist eine sehr attraktive Frau, und ich weiß, wie sehr manche Männer sich vergessen können. Das war im Prinzip alles, was ich damit ausdrücken wollte. Ich hätte es geschickter formulieren sollen.«
Plötzlich war sie Wyatt nicht mehr böse. Im Gegenteil, seine Erklärung freute sie. Nicht weil er ihr gesagt hatte, dass sie schön und attraktiv war, sondern weil seine Sorge scheinbar aufrichtig schien und kein doofes Alphamännchengehabe gewesen war. Vielleicht hatte sie ein wenig schroff reagiert, weil er sie verunsichert und gleichzeitig einen wunden Punkt getroffen hatte. Um die Situation zu entschärfen und die Stimmung wieder aufzulockern, meinte sie mit einem Zwinkern: »Okay, beim nächsten Mal überlege ich mir zweimal, wem ich einen zweiten Blick schenke.«
»Das solltest du auf jeden Fall, vor allem, da ich derjenige bin, dem das nächste Date gehört«, ging er erleichtert auf ihre neckische Antwort ein.
Seine selbstbewusste und irgendwie entwaffnende Unverfrorenheit brachte sie wieder zum Lachen. »Das hier ist also ein Date?«
»Nein, etwas viel besseres, eine schicksalhafte Begegnung, denn wann trifft man schon eine umwerfende Frau und bekommt zur selben Zeit auch noch einen Job angeboten?«
»Nun hör aber auf zu übertreiben.« Langsam machten seine Komplimente sie wirklich verlegen.
»Womit?« Ernsthaft ratlos sah er sie an.
»Na – mit deinen Komplimenten.« Wieder lief sie rot an. »Ich bin doch noch nicht mal angemessen gekleidet.«
Auch ohne sie noch mal zu betrachten, wusste er, was sie trug: kurze Sportshorts und ein enges Top. »Manche Frauen sehen selbst in ein paar Lumpen noch gut aus, und manche Männer mögen es leger lieber als durchgestylt.«
Ungläubig lachte sie. »Da bist du aber der erste.«
»Wie kommst du darauf?«
»Ich sehe das doch jeden Abend aufs Neue. Je auffälliger das Make-up und kürzer die Kleidung, desto mehr Drinks bekommst du ausgegeben. Versteh mich nicht falsch, ich mache mich auch gerne hübsch, aber manche …« Amelie schüttelte den Kopf. »… manche könnten auch gleich nackt aus dem Haus gehen.«
»Ich für meinen Teil gebe gerne meiner Fantasie die Chance, sich zu entfalten.« Mit einem Zwinkern trank er seinen Kaffee aus und stellte die leere Tasse zurück auf den Tisch.
»Einen Moment bitte.« Entschuldigend sah sie ihn an und holte ihr Handy aus ihrer Hosentasche. »Hallo? Ernsthaft? Okay, ich bin gleich da, bis dann.« Verärgert beendete sie das Gespräch. »Tut mir leid, ich muss zurück in den Club, aber wenn du willst, kannst du mitkommen, Carlos ist heute scheinbar schon früher da.«
Wyatt konnte sein Glück kaum fassen, besser und unauffälliger würde er sich nicht einschleusen können. »Klar, gerne, ich habe heute eh nichts mehr vor.«
»Schön.« Bei Wyatts Lächeln hellte sich ihre Laune ebenfalls wieder auf, und sie trank schnell ihren Tee aus. »Danke noch mal für den Tee.«
»Gerne wieder, und um deine Tasche kümmere ich mich auch noch.«
»Nein, schon okay, sie war sowieso schon alt.« Zusammen mit ihm stand Amelie auf und warf ihm dabei einen Blick über die Schulter zu. »Aber vor dem Essen wirst du dich nicht drücken können.«
»Das würde mir auch niemals in den Sinn kommen. Falls ich den Job bekomme, bin ich dir wohl ein Essen schuldig.«
»Du bekommst den Job auf jeden Fall.« Wieder sah sie ihn über die Schulter hinweg an. »Ich bin Teilhaberin des Clubs, er gehört meiner – Familie. Ich mache aber nur das Event-Management beziehungsweise Teile des Managements, deshalb weiß ich nicht, wo Carlos dich einsetzen wird. Hast du irgendwelche Wünsche?«
»Wünsche?«
»Ja, bei der Security brauchen wir zum Beispiel immer jemanden, genau wie in der Logistik.«
»Ich bin ganz gut im Cocktailmixen.« Das war noch nicht mal eine Lüge, denn er hatte ein ziemlich gutes Gedächtnis, sodass er sich im Nu viele Rezepte würde merken können, und das, was Tom Cruise mit dem Shaker konnte, war ein Klacks.
»Wenn das so ist, dann musst du mir unbedingt mal einen Cosmo mixen.«
»Ich widme dir sogar einen, wenn du möchtest.«
»Das würde mich freuen.« An ihrem Wagen angekommen, stand Amelie ein wenig verlegen neben ihm, sah ihn an und fragte sich, woher ihre Schüchternheit herrührte.
Plötzlich hatte Wyatt die wenigen Zentimeter zwischen ihnen überwunden, bis sein Mund nur noch wenige Millimeter von ihren Lippen entfernt war. Als sie flatternd die Augen schloss, küsste er sie ganz sanft, fast schon keusch. Für ihren Geschmack beendete er den Kuss viel zu schnell und lächelte sie an. »Für den Fall, dass du deine Meinung bezüglich unserer Zusammenarbeit doch noch ändern solltest und du vielleicht doch nicht mit mir ausgehen willst, musste ich unbedingt wissen, ob deine Lippen wirklich so weich und verführerisch sind, wie sie aussehen.« Zärtlich strich er mit dem Daumen über ihre Unterlippe und trat dann einen Schritt zurück.
Sprachlos sah sie ihn an und leckte sich über die Lippen. So etwas war ihr noch nie passiert, und Himmel, auch wenn der Kuss harmlos gewesen war, fühlte sie ein unglaubliches Kribbeln in ihrem Körper. »Und sind sie es?«
»Definitives Suchtpotenzial.« Das war noch nicht mal gelogen, sein ganzer Körper schmerzte vor Sehnsucht nach ihrer Nähe. Am liebsten würde er sie noch mal küssen oder gleich auf dem heißen Asphalt nehmen. Unauffällig atmete er durch. Er durfte sich nicht von seinen Hormonen steuern lassen. Es ging immerhin um wesentlich mehr als das. Davon mal abgesehen wollte er sie nicht glauben lassen, dass er ein Draufgänger war, der jede Frau nahm, die nicht bei drei auf dem Baum war.
»Das ist schön zu hören.« Sie war nie eine große Verführerin gewesen, und dennoch fühlte Amelie sich im Moment wirklich verdammt verrucht und begehrenswert. »Mehr gibt es aber erst bei unserem Date.«
»Anders hätte ich es auch gar nicht gewollt.« Wyatt stopfte die Hände in die Hosentaschen, damit er sie nicht noch mal berühren konnte.
Amelie hingegen machte einen Schritt auf ihn zu und fuhr mit dem Finger über seine starke Brust. »Gut, dann schlage ich vor, dass wir jetzt zum Club fahren, und nach deinem Gespräch mit Carlos können wir weiterschauen.«
»Das klingt nach meinem Geschmack.«
Während der fünfzehnminütigen Fahrt zum Club musste Amelie gleichzeitig lächeln und den Kopf schütteln. Sie wusste immer noch nicht, was in sie gefahren war, sie wusste nur, dass sie sich seit einer sehr, sehr langen Zeit nicht mehr so lebendig und gut gefühlt hatte. Selbst das ständige Stop and Go konnte ihr die Laune nicht verderben. Kurz warf sie einen Blick in den Rückspiegel und sah, dass Wyatt immer noch hinter ihr herfuhr. Für ihn musste es besonders ärgerlich sein, er wäre mit seiner schicken Maschine in der Lage gewesen, sich durch den Verkehr zu schlängeln. Aber im Grunde war es seine Schuld, sie hatte immerhin angeboten, ihm den Weg zu erklären, damit er vorfahren konnte. Als sie einen weiteren Blick in den Rückspiegel warf, sah sie, wie er seine Hand hob und ihr einen stummen Gruß zuwarf. Auch ohne sein Gesicht zu sehen, wusste sie, dass er dieses umwerfende Lächeln lächelte. Sie war wirklich gespannt, was Wyatt für ein Mann war. Dass es zwischen ihnen gefunkt hatte, konnte man nicht leugnen. Vor allem nicht, nachdem er es bereits ganz genau auf den Punkt gebracht hatte und sie sich auch schon geküsst hatten.
Bevor sie weiter ihren Gedanken hinterher hängen konnte, lichtete sich der Verkehr, und sie konnte das letzte Stück bis zum Club ohne Probleme durchfahren. Auf dem Parkplatz angekommen, stellte sie den Wagen auf ihrem persönlichen Parkplatz ab und stieg aus. Fasziniert beobachtete sie, wie Wyatt seine Maschine neben ihrem Auto abstellte und abstieg. Dabei waren seine Bewegungen so geschmeidig, dass sie ihn gleich noch ein wenig eindrucksvoller, aber vor allem attraktiver fand.
»La Aventura – interessanter Name.« Ohne den Club auch nur von innen gesehen zu haben, ahnte er bereits, dass es ein wirkliches Abenteuer oder auch Wagnis werden würde – sowohl der Fall, als auch die Zusammenarbeit mit Amelie.
Wyatt war klar, dass es für den Fall nicht besser hätte laufen können, doch für ihn selbst wurde es bereits jetzt gefährlich. Er war viel zu fasziniert von ihr. Im Hinterkopf wusste er, dass sie sein Job war, dass er alles nur Erdenkliche tun musste, um an sie und an Informationen heranzukommen, aber dennoch wollte er sie – als Mann – kennenlernen, die sexuelle Anziehung war dabei gar nicht soo ausschlaggebend.
»Danke.« Fröhlich lächelte sie ihn an. »Komm, lass uns reingehen.«
»Gerne.« Gentlemanlike hielt Wyatt ihr die Tür auf, und nachdem sie den Vorraum passiert hatten, brauchten seine Augen einige Sekunden, um sich an das dämmrige Licht zu gewöhnen.
»Amy. Endlich.« Eine sichtlich aufgedrehte Frau stürzte auf sie zu. »Ich bin am Verzweifeln. Zwei Mädels haben abgesagt, die Choreografie klappt nicht, und Ben hat eine komplett falsche Lieferung angenommen.«
»Erst mal durchatmen«, versuchte Amelie ihre Angestellte zu beruhigen. »Ich muss mich jetzt erst mal um etwas anderes kümmern. Wo sind Mathieu und Jean-Luc? Die können sich doch um all das kümmern.«
»Matt ist noch auf seinem Segeltörn, und dein Onkel musste heute Morgen ganz dringend nach Europa.«
Amelie seufzte: »Okay, also zuallererst rufst du Nick an und fragst, ob er jetzt gleich kommen kann. Soviel ich weiß, hat er Ahnung von dem ganzen Kram. Danach sagst du Ben, er soll mir die Nummern von den Lieferanten raussuchen, und die neuen Bestandslisten brauche ich auch. Falls ich bis dahin nicht mit meinem Gespräch fertig bin, redest du bitte mit den Mädels, fragst sie, ob sie Freundinnen haben, die tanzen können und heute Abend in den Käfig wollen. Bezahlung so wie immer, einen kleinen Bonus für alle Tänzerinnen, die heute Abend auftreten, und für alle Neuen, nach guter Show, die Möglichkeit auf eine Festanstellung. Bis ihr das geregelt habt, bin ich sicher fertig und kann mich um die Choreografie und alles Weitere kümmern.«
Amelies ruhige Art schien auch ihre Angestellte beruhigt zu haben, denn die nickte nur und verschwand im hinteren Teil des Clubs.
Entschuldigend sah Amelie zu Wyatt und blickte sich dann nach Carlos um. »Carlos.« Der Mann, den sie rief, saß am DJ-Pult und unterhielt sich mit einem der Tontechniker.
Da Amelie scheinbar keine Lust hatte, ein weiteres Mal quer durch den Club zu rufen, nahm sie zwei Finger in den Mund und pfiff. Sofort hatte sie die Aufmerksamkeit aller, und die Musik verstummte. »Carlos. Komm mal bitte.«
»Hola, guapa. Comó puedo ayudar?« Hallo, meine Schöne. Wie kann ich dir helfen?, fragte der junge Latino in einem flirtenden Tonfall, als er bei ihnen ankam, machte dabei jedoch keinen aufdringlichen Eindruck.
»Mir kannst du nicht helfen, aber Wyatt hier braucht einen Job. Sagte Mathieu nicht, dass wir einen neuen Barkeeper suchen?«
»Sí.« Kurz blickte Carlos den anderen Mann an und reichte ihm dann die Hand. »Du willst also als Barkeeper anfangen, Amigo?«
»Vorzugsweise, ich bin aber flexibel.«
»Bei deiner Statur hätte ich dich lieber bei der Seguridad. Nick würde sich über ein bisschen Unterstützung freuen, aber okay, mix mir mal ein paar von den Standardcocktails, dann schauen wir weiter.«
Amelie sah von Carlos zu Wyatt, und ihr fiel auf, dass er gut zehn Zentimeter größer und wesentlich muskulöser als Carlos war, dessen Statur sie bereits für eindrucksvoll gehalten hatte. Kein Wunder, dass sie sich bei ihm auf eine gewisse Art sicher fühlte. Evolutionstechnisch war Wyatt wohl aus dem Guter-Versorger-Ehemann-und-Vater-Holz geschnitzt. Der Gedanke war ihr jedoch sofort peinlich. Wie konnte sie jetzt schon an so etwas denken? Sie kannten sich gerade mal wenige Stunden. »Eigentlich habe ich Wyatt schon zugesagt, aber wenn du darauf bestehst, soll er ein paar Cocktails ohne Alkohol mixen. Wenn er wirklich so gut ist, wie er versprochen hat, und du ebenfalls überzeugt bist, könnt ihr euch zusammensetzen und die Schichtpläne machen.«
»Du bist la jefe«, erwiderte Carlos.
»Ich bin der Boss, genau.« Lächelnd zwinkerte Amelie den beiden zu und fügte im Gehen hinzu. »Ich mag übrigens Bananensaft.«
Amelie schien eine herzliche Frau zu sein, die gleichzeitig auch klug und kompetent war. Trotz des offensichtlichen Chaos blieb sie ruhig und professionell, und keinem schien es in den Sinn zu kommen, sich ihr zu widersetzen. Nachdenklich sah er ihr hinterher und kam dabei nicht umhin, ihren wohlgeformten Po zu begutachten. Oh ja, sie war eine echte Granate, und genau deshalb musste er sich noch mal ins Gedächtnis rufen, weshalb er wirklich hier war. Zu spät bemerkte er, dass Carlos ihn mit finsterem Blick beobachtete.
»Okay, venga«, forderte er Wyatt mürrisch auf, ihm zu folgen.
Während der nächsten halben Stunde hatte Wyatt das Gefühl, als hätte er sich Carlos bereits zum Feind gemacht. Vielleicht war er aber auch einfach kein Sonnenschein und sein finsterer Blick und die ruppige Art waren seine Natur.
»Hey, compañero, wo ist der Boss? Candy hat mich angerufen und war total durch den Wind.« Auch wenn Wyatt ihm den Rücken zugewandt hatte, erkannte er Nicks Stimme sofort.
»Hinten im Amazonas.« Sobald er bei ihnen angekommen war, begrüßte er Carlos mit einem Handschlag und deutete dann auf Wyatt. »Das ist Wyatt, auf Empfehlung vom Boss, der Neue an der Bar.«
»Hey, ich bin Nick.« Ohne sich anmerken zu lassen, dass sie sich bereits seit ihrer Jugend kannten, schüttelten sie einander die Hände.
»Freut mich«, antwortete Wyatt.
»Ebenfalls.« Grinsend nahm er sich ein Glas vom Tresen und trank einen Schluck. »Mir fehlt zwar der Alkohol, aber der Cocktail schmeckt trotzdem. Ich schätze, wir werden uns von nun an wohl öfter sehen. In diesem Sinne bis später, ich schau mal, was der Boss will.«
»Bis dann«, erwiderte Wyatt, dem nicht entgangen war, dass Carlos nun noch grimmiger zu sein schien. Dennoch gelang es ihm, routinierter als erwartet und mit einigen beeindruckenden Handgriffen, die letzten der Cocktails zu mixen und in Gläser zu füllen. »Fertig. Fünf gängige alkoholfreie Cocktails und drei Eigenkreationen.«
Carlos nahm sich einen Strohhalm und probierte den, der ihm am nächsten stand. »Piña Colada.«
»Virgin, genau.«
»Für meinen Geschmack sind Cocktails zu süß, aber er schmeckt immerhin so, wie er schmecken soll, und wenn la jefe sagt, ich soll den Plan machen, mache ich ihn. Wie passt es dir am besten?«
»Ich bin flexibel.«
»Gut.« Erneut musterte Carlos ihn, zwar immer noch misstrauisch, aber dieses Mal aus irgendeinem Grund wohlwollender. »Okay, wenn du willst, kannst du dann direkt heute Abend hinter der Bar anfangen.«
»Danke.«
»Hat Amy, la jefe, mit dir über die Bezahlung und so weiter geredet?«
»Nein.«
»Okay, wir haben jeden Tag außer montags geöffnet. Clubzeiten von zehn bis vier, freitags und samstags bis sechs. Und während des Spring Breaks durchgehend von sechs bis acht. Fünfzehn Dollar die Stunde, Bezahlung nach jeder Schicht, Trinkgelder darfst du behalten. Die neuen Arbeitspläne gibt es jeden Donnerstag. Allgemein ist alles bei uns unkompliziert, bei unentschuldigtem Fehlen sieht es jedoch anders aus. Falls du mal frei brauchst, einfach die Schicht wechseln oder mir vorher Bescheid geben.«
»Okay.«
»Gut, dann bring die restlichen Getränke zu den Mädels in die Kabine und komm heute Abend um acht. Tyler, einer der anderen Barkeeper, wird dich dann einarbeiten und dir alles zeigen. Ich habe dafür gerade keine Zeit.« Damit war für Carlos das Gespräch beendet, und er wandte sich anderen Aufgaben zu.
Wyatt wusste nicht genau, was Carlos gegen ihn hatte, vermutete jedoch, dass es mit Amelie zu tun hatte und dass er einer jener Typen war, der es bei ihr probiert hatte. Bestimmt hatte er versucht, bei ihr zu landen, und war abgeblitzt. Im Grunde sollte es ihm egal sein, Carlos war laut den Informationen, die er hatte, ein ruhiger Genosse, der noch nicht lange im Club arbeitete, und wenn es nur um sein Verhältnis zu Amelie ging, würde sich schon irgendeine Lösung finden. Im Prinzip konnte es nicht besser laufen. Gut gelaunt nahm er sich das volle Tablett und ging in die Richtung, in die Nick verschwunden war und aus der laute Musik kam.
Das, was ihn dort jedoch erwartete, machte ihn total sprachlos und ließ ihn mitten in der Bewegung innehalten. Der Raum war in der Tat ganz im Stil Amazonas eingerichtet, hatte zwei Bars und eine wirklich große Tanzfläche, die von Boxen und Podesten umgeben war, außerdem war an jeder Ecke der Fläche ein Käfig aufgebaut.
Was ihn jedoch wirklich sprachlos machte, waren die Stangen auf den Podesten, besser gesagt die Frau, die kopfüber an einer dieser Stangen hing und nur durch die Muskelkraft ihrer Beine gehalten wurde. Amelie hatte eine wirklich außergewöhnliche Körperbeherrschung. Wyatt war wie erstarrt stehen geblieben und schluckte. Nur von ihren Armen gehalten, bewegte sie sich in eine waagerechte Position und schwang dabei anmutig ihre Beine durch die Luft. Erst dann zog sie ihren Körper zurück an die Stange und ging in eine Art Endposition, bei der sie um die Stange herumwirbelte und galant auf dem Boden landete.
Die Frauen applaudierten und jubelten, was Amelie zum Lachen brachte. »Nicht vergessen, dass das keine Basics sind. Ihr müsst das nicht können«, rief Amelie den Frauen zu und zog sich an der Stange in eine aufrechte Position. »Das war nur eine Demonstration, was Pool Dance alles umfasst. Die Stange und die Basics, die ich euch vorher und auch schon bei anderen Shows in der Vergangenheit gezeigt habe, reichen vollkommen aus. Überlegt euch einfach grob eine Choreografie, probiert euch aus, aber vor allem, habt Spaß.«
Als allgemeines Stimmengewirr und Geplapper ausbrach, löste sich Wyatts Starre. Kopfschüttelnd ging er die wenigen Meter zu der kleinen Gruppe und stellte das Tablett auf dem Tisch ab, auf dem einige Unterlagen ausgebreitet waren und an dem Nick am Laptop arbeitete.
Das erinnerte ihn sofort wieder an den Fall. Er durfte nicht bei jeder Gelegenheit mit seinen Gedanken zu Amelie und ihrem umwerfenden Körper abdriften. Er hatte immerhin einen Job zu erledigen, nicht mehr und nicht weniger.
»Hey«, begrüßte ihn Nick und sah kurz von den Papieren auf.
»Hey.« An die Frauen gewandt rief Wyatt: »Wie schaut es aus, Ladys, Lust auf einen Drink?«
»Oh ja.« Kichernd kamen sie zu ihnen an den Tisch und beäugten ihn.
»Mädels, benehmt euch nicht wie kleine Schulmädchen. Das ist Wyatt, der neue Barkeeper. Wyatt, das sind die Mädels.«
»Hi, Mädels.«
»Hi, Wy-aaatt«, antworteten sie im Chor und begannen, wieder zu kichern.
Da es nur sieben Frauen waren, konnte sich Nick ebenfalls ein Glas nehmen, das er sich direkt griff. »Ich hatte zwar schon einen, aber ich könnte noch eine Erfrischung gebrauchen. Also cheers.« Kurz nippte er an dem Cocktail, der wie ein Mojito aussah. »Wie, der hat auch keinen Alkohol?«
Lachend wuschelte Amelie durch Nicks kurzes Haar und gab ihm dabei einen kleinen Klaps. »Es ist noch nicht mal fünf. Außerdem weißt du, dass ich es nicht gerne sehe, wenn die Belegschaft während der Arbeit Alkohol trinkt.«
»Wie konnte ich das bloß vergessen?« An Wyatt gerichtet fügte er in einem scherzhaften Ton hinzu: »Überleg dir gut, ob du wirklich für so eine Sklaventreiberin arbeiten willst.« Bei diesen Worten grinste er Amelie an.
»Sei doch ehrlich, Nick, du bist gerne mein Sklave«, neckte Amelie ihn nun zurück und wollte sich ebenfalls einen Cocktail nehmen, als Wyatt sie zurückhielt und ihr den reichte, den er extra für sie gemixt hatte. »Hier, das ist deiner.«
»Danke.« Lächelnd nahm sie ihm das Getränk ab und probierte es. »Oh, der ist super. Sogar mit Bananennektar.«
»Ich habe den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden.« Als er mit einem Grinsen auf sie herabsah, machten sich mehrere Grübchen in seinem Gesicht bemerkbar.
Bevor sie sich jedoch in diesem Anblick verlor, fragte sie: »Wie heißt er?«
»Ich weiß nicht, hast du eine Idee?«
Immer noch lächelnd legte sie den Kopf zur Seite und sah weiterhin zu ihm auf. Etwas, das sie scheinbar immer tat, wenn sie nachdachte. »Wenn du ihn für mich gemixt hast, dann musst du dir auch einen Namen für ihn ausdenken.«
»Hmm, also gut – wie wäre es mit …« Wyatt beugte sich ein wenig zu ihr herunter und sagte leise: »Bella Nova?«
»Bella Nova«, sprach Amelie nach und lächelte dann. »Das gefällt mir. Und wann ist dein erster Tag bei uns?«
»Heute, vielen Dank noch mal«, antwortete er und richtete sich wieder auf.
»Kein Problem, ich bereue es bisher nicht, dir den Job vermittelt zu haben, vor allem nicht nach diesem echt leckeren Cocktail.« Am liebsten hätte Amelie sich noch etwas länger mit ihm unterhalten und gefragt, wie es mit Carlos gelaufen war, aber im Moment war es zu stressig dafür. Scheinbar waren gefühlt neunzig Prozent ihrer Mitarbeiter total kopflos, daher blieb ihr nun nichts anderes übrig, als sich wieder der Arbeit zuzuwenden und das Gespräch bis zu ihrem Date zu verschieben. Ein Date, auf das sie sich wirklich sehr freute – ihm regelrecht entgegenfieberte. »Sei mir nicht böse, aber ich muss mich noch um einiges kümmern. Fahr nach Hause und komm später zur Öffnungszeit wieder.«
»Also falls ihr bei irgendetwas noch Hilfe braucht, ich habe Zeit und könnte bleiben.«
Dankbar sah Amelie zu ihm auf. Er schien ein wirklich netter Typ zu sein, aber sie befürchtete, dass er sie im Moment nur von der Arbeit ablenken würde. »Ich weiß nicht, brauchst du Hilfe, Nick?«
»Ich bin mit den Papieren jetzt gleich durch, du musst nur noch einige Lieferungen für diese Woche anpassen und andere Sachen neu ordern, die gefehlt haben. Wenn die Lieferanten das Nötigste bis heute Abend nicht mehr beschaffen können, muss im Notfall noch jemand losfahren und die Sachen besorgen. Daher schlage ich vor, dass du dich darum kümmerst. Ich führe Wyatt im Club herum, falls das noch keiner gemacht hat, überprüfe alle Ausgänge und treffe schon mal die nötigen Sicherheitsvorkehrungen für den späteren Einlass, dann ist das erledigt. Bis dahin steht sicher fest, ob und was besorgt werden muss.«
Dankbar fiel Amelie Nick um den Hals. »Was bin ich froh, dass du so viel Ahnung von Logistik und Management hast. Warum übernimmst du eigentlich nicht den Aufgabenbereich?«
»Dein Lob geht mir natürlich runter wie Öl, und ich weiß das Angebot zu schätzen, aber ich versohle ab und zu ganz gerne mal ein paar Ärsche. So ein Organisationsjob wäre mir echt zu langweilig.«
»Wie du willst. Aber auf jeden Fall vielen, vielen Dank, dass du das Chaos für mich beseitigt hast. Tut mir echt leid, dass du deinen freien Nachmittag dafür opfern musstest, aber komm nach der Schicht vorbei, dann bekommst du einen Bonus.«
»Würde ich die Kohle nicht brauchen, würde ich sie ablehnen, aber so nehme ich sie gerne an und sage: Für dich immer wieder, meine Liebe.«
Wyatt wusste Nicks Verhalten nicht richtig zu deuten. Die beiden schienen sich richtig gut zu verstehen, warum hatte er nicht sein Glück bei ihr probiert? Erst als er darüber nachdachte, erinnerte er sich wieder an Donalds Worte: Nick wollte Mathieus Vertrauen nicht verspielen, indem er sich an dessen Cousine heranmachte, und war deshalb – zumindest auf romantischer Ebene – auf Abstand geblieben.
»Gut.« An Wyatt gewandt fragte sie: »Ist das okay für dich?«
»Klar, wie gesagt, ich habe Zeit, und wie es scheint, braucht ihr gerade alle helfenden Hände, die ihr bekommen könnt.«
»Vor allem, wenn ich nachher noch einkaufen muss«, bestätigte Nick. »Alleine würde ich es natürlich auch schaffen, aber uns fehlen wirklich viele Getränke und auch andere Sachen. Wenn die Lieferanten es wirklich nicht rechtzeitig schaffen sollten und ich das alleine machen muss, würde das echt lange dauern.«
»Wie gesagt, kein Problem.«
»Danke, wirklich vielen Dank. Aber macht jetzt erst mal euren Rundgang, ich finde euch später schon.« Amelie warf beiden eine Kusshand zu und verzog sich dann mit den Unterlagen ins Büro.
Nick hatte zwar gewusst, dass Donald vor zwei Tagen mit Wyatt gesprochen hatte, und auch, dass sein bester Freund seine Hilfe zugesagt hatte, ihn jedoch so schnell hinter der Bar stehen zu sehen, überraschte ihn, auch wenn es offensichtlich war, wer ihm den Job verschafft hatte. Wie Wyatt das jedoch gelungen war, blieb ihm ein Rätsel. Wobei, wenn er berücksichtigte, wie vertraut sein Freund mit der Frau umging, konnte er sich letztlich doch einen Reim darauf machen.