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Schlösser, Wein und Savoir-vivre: Das Loiretal im Herzen Frankreichs ist berühmt für seine königlichen Prachtbauten, die Besucher mit ihrer wechselvollen Geschichte faszinieren. Einige thronen majestätisch am Flussufer, andere sind von eleganten Gärten oder weitläufigen Parks umgeben. Die Loire, der letzte ungezähmte Strom Frankreichs, und ihre Nebenflüsse bieten Naturfreunden mit reizvollen Rad- und Wanderwegen viel Raum für Entdeckungen. Die großen Städte Orléans, Tours und Angers versprechen kulinarische Genüsse, Kultur und urbanes Leben. Sehenswert sind aber auch die kleineren Orte wie Blois, Amboise oder Saumur: Hier kann man durch schmucke Altstadtgassen bummeln und sich den lokalen Wein munden lassen. Dieser aktuelle Reiseführer Loiretal ist der ideale Begleiter, um alle Facetten des Loire-Tals selbstständig zu entdecken: - Die interessantesten Orte, Sehenswürdigkeiten und Attraktionen ausführlich vorgestellt und bewertet - Die schönsten Naturerlebnisse und Ausflugsziele - Die prächtigsten Parks und Gärten - Die besten Hotspots zum Wandern, Radfahren und für Touren auf dem Fluss - Unterwegs mit Auto, Bus und Bahn oder Fahrrad - Die ganze Bandbreite der französischen Küche - Shoppingtipps für lokale Produkte von Orangenlikör bis zu Pralinen - Tipps zur Wahl der Unterkunft sowie außergewöhnliche Unterkunftskonzepte: Übernachten im Schloss, gemütliche Chambres d'hôtes und Glamping - Die lohnendsten Festivals und Feiern - Besonderheiten der Flora und Fauna - Weinbau und Champignonzucht: spannende Tipps, Exkurse und Hintergrundinfos - Alle praktischen Infos zu Anreise, Preisen, Touren, Events, Hilfe im Notfall, Verkehrsmitteln, Wetter ... - Kleine Sprachhilfe Französisch mit den wichtigsten Vokabeln für den Reisealltag
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Seitenzahl: 209
Veröffentlichungsjahr: 2025
plan der Region für Smartphone und Tablet
Verweise im Buch
Geografische Bezeichnungen
Preiskategorien
Vorwahlen
Prächtige Schlösser und viel Natur im „Garten Frankreichs“
Loiretal – ein Porträt
Unterkunft finden
Wie die Region am besten erkunden?
Sologne
Orléanais
Touraine
Das Tal des Cher
Anjou
Baden und Wassersport
Radfahren
Wandern
Weitere Aktivitäten
Events, Feste und Folklore
Loiretal kulinarisch
Stöbern und Shoppen im Loiretal
Von den Anfängen bis zur Gegenwart
Praktische Reisetipps
Die Autorin
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Impressum
Ergänzend zu den Karten am Ende dieses Ebooks können Sie sich den Faltplan zum Buch auf Ihr mobiles Gerät laden: Einfach die kostenlose App „Avenza Maps“ der Firma Avenza™ installieren (erhältlich für Android und iOS) und anschließend in der App den Stadtplan zum Buch herunterladen.
Die App „Avenza Maps“ ist ohne Internetverbindung nutzbar, es fallen bei der Nutzung keine Datengebühren an. Sie bietet einige Features, z.B. die Anzeige des eigenen Standorts auf der Karte oder den Import und das Speichern von Ortsmarken. Weitergehende Informationen: www.avenza.com/pdf-maps
Alle Sehenswürdigkeiten und interessanten Orte (Points of Interest) im Buch haben eine eindeutige Nummer, die sich als Ortsmarke im Kartenmaterial wiederfinden. (Nummern von Sehenswürdigkeiten stehen in geschweiften Klammern, z.B. {2}, Nummern von Points of Interest in spitzen Klammern, z.B. <16>.) Beim Klick auf die Nummer öffnet sich die Web-App zum Buch und der ausgewählte Punkt wird auf einer Online-Karte als Ortsmarke angezeigt. Die Web-App ermöglicht zudem die Routenführung vom aktuellen Standort zur ausgewählten Ortsmarke: www.reise-know-how.de/meintrip/loire25
> Avenue (Av.): Allée
> Boulevard(Bd.)
> Cave: Höhle, (Wein-)Keller
> Château: Schloss
> Chemin: Weg
> Chenonceau (Schloss ohne x), Chenonceaux (Dorf mit x)
> Donjon: Bergfried
> Forêt: Wald
> Impasse: Sackgasse
> Jardin: Garten
> Place (Pl.): Platz
> Pont: Brücke
> Potager: Gemüsegarten
> Quai: Uferstraße/-promenade, auch Bahnsteig
> Route: Landstraße
> Rue (R.): Straße
> Val/Vallée: Tal
> Verger: Obstgarten
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Die Preise gelten für ein Menü mit Vorspeise, Hauptgericht und Dessert ohne Getränke.
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> Frankreich: 0033
> Deutschland: 0049
> Österreich: 0043
> Schweiz: 0041
Die in diesem Buch gelisteten Telefonnummern sind stets ohne Ländervorwahl angegeben.
Wie viele Schlösser gibt es eigentlich an der Loire? Dreihundert? Oder noch ein paar mehr? Jedenfalls genug, um jeden Fan glücklich zu machen. Die weltberühmten Châteaux sind der ganze Stolz der Region. Zusammen mit charmanten Dörfern und lebendigen Städten wie Orléans {7}, Tours {27} und Angers {61} machen sie das Loiretal zu einem der reizvollsten Ziele in Frankreich – das als Ensemble sogar in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten aufgenommen wurde. Nicht umsonst wählten viele französische Regenten und Adlige das Loiretal als ihren Lieblingsaufenthaltsort.
Was erwartet Reisende also? Keineswegs nur blaublütige Geschichten, historische Gemächer und bedeutende Kulturdenkmäler, sondern auch viel Natur im „Garten Frankreichs“! Neben dem wachsenden Weintourismus ist seit einigen Jahren vor allem Slow Travelling angesagt. In der Tat ist das ebene Loiretal ideal für Fahrradtourismus – besonders sportlich muss man nicht sein und die gute Infrastruktur samt Ladestationen für E-Bikes lässt auch gemütliche Genusstouren zu. Das ist nachhaltiger und erlebnisreicher.
Auch sonst ist das Angebot an Aktivitäten vielfältig: Bootsfahrten auf traditionellen gabares (–>), Touren durch kilometerlange Troglodyten-Höhlen (–>) oder Abheben im Heißluftballon sind nur einige der Abenteuer, die neben Schlossbesichtigungen locken.
Übrigens verdankt das Loiretal seinen lebenslustigen Ruf nicht nur dem Weinanbau (–>). In dieser Genussregion par excellence gehört neben der Einkehr im Restaurant, Bistro oder der guinguette, einem Gartenlokal am Flussufer, unbedingt ein Marktbesuch aufs Programm, etwa in der Markthalle von Tours (Halles de Tours, –>).
Wie so oft an der Loire dominiert ein Schloss die Silhouette von Gien {2} (010ml-gk)
Wo einst Könige, ihre Mätressen und ihr Hofstaat logierten, faszinieren heute prächtig ausgestattete Residenzen als Überbleibsel einer vergangenen Epoche – vom größten Schloss, dem Château de Chambord {17}, bis zum Dornröschenschloss Ussé {35}. Seit dem Jahr 2000 zählt die „kulturelle Landschaft Loiretal“ auf 280 km Länge zwischen dem Château de Sully {3} und Chalonnes [A4] zum UNESCO-Weltkulturerbe, das Schloss Chambord bereits seit 1981. Und wohl kaum jemand bereist das Loiretal, der nicht wenigstens einige der unzähligen, teils extravaganten Schlösser mit ihren Türmchen und Erkern, Festsälen und Zimmerfluchten besichtigen möchte.
Da der französische Hof früher nie lange an einem Ort residierte, entstanden im Mittelalter zunächst wehrhafte Burgen, die später zu prunkvollen Renaissanceschlössern umgebaut wurden. In den folgenden Jahrhunderten wurden weitere Prachtbauten im Stil von Barock und Klassizismus errichtet. So lässt sich die Entwicklung der feudalen Architektur über mehrere Jahrhunderte studieren.
In friedlichen Zeiten war das Loiretal ein beliebter Aufenthaltsort der französischen Könige, der Hof zog zwischen den verschiedenen Schlössern hin und her. Eine Zeit lang spielte sich das politische und kulturelle Leben fast ausschließlich an der Loire ab. Karl VII. (–>) und seine Mätresse Agnès Sorel (–>) wählten Loches {43} als Residenz, Ludwig XI. ließ das Château de Langeais {32} erbauen, unter Karl VII. entstand das Schloss von Amboise {23}, im 16. Jh. wiederum entschied sich König Franz I. für Chambord. Auch sein Nachfolger Heinrich II., dessen Gattin Katharina von Medici und seine Mätresse Diane de Poitiers (beide –>) residierten zeitweise im Loiretal und entfalteten dort ihren Prunk. Mit seinem Sohn Heinrich III. (–>) endete die glanzvolle Epoche. Nirgendwo sonst findet sich in so enger Nachbarschaft eine so bedeutende Reihe meisterhafter Schlossanlagen.
Neben den heute unter staatlicher Regie geführten Prunkschlössern wie Chambord und Amboise ist das aufwendig zu erhaltende steinerne Erbe nicht selten in Privatbesitz, beispielsweise die Schlösser von Beauregard {19}, Cheverny {20} und Ussé.
Nicht zu vergessen die französische Gartenkunst! Die kreativ gestalteten Schlossparks ziehen jährlich Millionen Besucher an. Die vielleicht berühmtesten – die Gärten von Villandry {31} und Chaumont {21} – sind nur zwei von etlichen bemerkenswerten Grünanlagen, eine schöner als die andere. Auch in Cheverny und Chenonceau {39}, Amboise und vielen weiteren Orten sind reizvolle geometrische Renaissanceanlagen, Obst- und Gemüsegärten mit alten Sorten und weitläufige, elegante Landschaftsparks nach englischem Vorbild jeden Umweg wert. Hier kann man herrlich unter mächtigen, uralten Bäumen flanieren und sich von der Vielfalt der Pflanzenwelt begeistern lassen.
Neben den Besuchern der geschichtsträchtigen, architektonisch reizvollen Garten- und Kulturlandschaft sind auch Radler (–>), Wanderer (–>), Paddelfans und Weinfreunde (–>) entlang der Loire unterwegs. Immer mehr Reisende beschränken sich nicht darauf, als eiliger Tourist mit dem Auto von Highlight zu Highlight zu touren, sondern lassen sich auf zwei Rädern in gemächlichem Tempo frischen Wind um die Nase wehen. Ob radelnd, wandernd oder paddelnd, an einem der letzten ungezähmten Flüsse Europas lässt sich in aller Ruhe die Natur genießen – Slow Tourism ist hier kein Fremdwort.
Und auch die Lebensfreude kommt nicht zu kurz – kein Wunder im Land des Savoir-vivre! Im Loiretal kann man durch bezaubernde Altstädte und über stimmungsvolle Märkte streifen oder in einem von zahlreichen hervorragenden Restaurants einkehren. Genießer werden feststellen, dass einige ausgezeichnete Weine und Crémants (–>) aus Vouvray {26}, Bourgueil {38} und Chinon {36}, Sancerre {1} und Pouilly [O5] kommen. Es sind all diese Facetten, die den Reiz des Loiretals ausmachen.
> Geografie: Die mehr als 1000 km lange Loire, der längste Fluss Frankreichs, entspringt im Zentralmassiv am Mont Gerbier de Jonc, durchquert ein Dutzend Départements und mündet westlich von Nantes in den Atlantik. Als Loiretal im engeren Sinn bezeichnen die Franzosen jedoch nur den Teil zwischen Sancerre {1} im Osten und Angers {61} im Westen. Dieser mittlere Teil der Loire umfasst die historischen Provinzen Sologne, Orléanais, Touraine und Anjou. Mit Hunderten von Burgen und Schlössen zählt diese Region zu den klassischen Reisezielen Frankreichs.
> Größte Städte: Orléans {7}, Angers und Tours {27}
> Natur: Der 1996 gegründete regionale Naturpark Loire-Anjou-Touraine (–>) umfasst ein knapp 270.900 ha großes Gebiet zwischen Tours und Angers beiderseits der Loire.
> Verwaltung: Die Region Centre-Val de Loire in der Mitte Frankreichs besteht aus den hier behandelten sechs Départements Cher, Indre-et-Loire (Hauptstadt Tours), Loir-et-Cher, Eure-et-Loir, Indre und Loiret (Hauptstadt Orléans). Angers im Département Maine-et-Loire wiederum gehört schon zur Region Pays de la Loire.
> Wirtschaft: Landwirtschaft und Tourismus sind die beiden wichtigsten Einnahmequellen. Aufgrund des fruchtbaren Bodens und des milden Klimas gilt die Region als „Garten Frankreichs“, hier gedeihen Obst, Gemüse, Getreide und Wein.
Der längste Fluss Frankreichs entspringt in den Cevennen, nur 150 km nördlich des Mittelmeers. In ihrem Oberlauf wendet sich die Loire nach Norden, gräbt sich durch Vulkangestein und durchquert zwischen Auvergne und Burgund etliche Mittelgebirge und Ebenen. Erst bei Orléans {7} erreicht die Loire ihren nördlichsten Punkt, um von dort in einem breiten Flussbett weiter in Richtung Westen zu fließen, teils gesäumt von Kalkfelsen aus weichem Tuffstein (–>), die zum besonderen Charakter des Loiretals beitragen. Als sich im Tertiär vor Millionen von Jahren das Meer von hier zurückzog, hinterließ es Muschelablagerungen, die sich zu Kalkstein verfestigten. Als Baumaterial verleiht der Kalkstein den Schlössern und Städten am Fluss ihren hellen Glanz.
Rund 1012 km von ihrer Quelle entfernt mündet die Loire hinter Nantes bei Saint-Nazaire in den Atlantik. Auf ihrem langen Weg sind Allier, Cher, Indre, Loir, Mayenne, Sarthe und Vienne die wichtigsten Nebenflüsse der Loire – sie entwässert fast ein Fünftel der Fläche Frankreichs.
Als ungezähmt gilt dieser Fluss, weil kein „Korsett“ ihn einzwängt, also kaum Staudämme, Deiche, Schleusen oder Uferbegradigungen seinen natürlichen Lauf beeinflussen. Solche naturnahen Gewässer sind heutzutage eine Ausnahme in Mitteleuropa. Charakteristisch für den teils seichten, gemächlich dahinfließenden Strom sind die vielen Sandbänke und grün überwucherten Inseln. Mit seinen wechselnden Wasserständen schiebt der Fluss Sand und Kiesel hin und her, teilt sich in neue Nebenarme und tritt nach andauernden Regenfällen gelegentlich über die Ufer.
Tiere und Pflanzen haben sich an diesen steten Wechsel mit enormen jahreszeitlichen Schwankungen, Flussdynamik genannt, angepasst. Auwälder mit Pappeln und Weiden, Trockenrasen und Feuchtwiesen, Schilf und Ufergestrüpp bieten einer Vielzahl von Tierarten Lebensraum und Nistplätze, die anderswo selten geworden sind – von Vögeln wie Fischadlern, Seeschwalben, Flussregenpfeifern, Eisvögeln, Kormoranen und Reihern über Libellen und Schmetterlinge bis zu Fischen, Fröschen, Bisamratten, Ottern und Bibern.
Südlich von Sancerre {1} steht ein 19 km langer Bereich des Flusslaufs als Réserve Naturelle Val de Loire unter Naturschutz. Drei Lehrpfade laden hier zum Entdecken der Flusslandschaft ein.
> Infos zum Naturreservat:www.reserves-naturelles.org/val-de-loire
Zahlreiche Kies- und Sandbänke wie auch der unregelmäßige Wasserstand lassen keine Binnenschifffahrt zu. Ausflugsboote (–>), Wassersportler und Fischer sind die einzigen, die flussaufwärts fahren, schiffbar ist nur noch ein kleiner Teil des Unterlaufs nahe der Mündung. In früheren Jahrhunderten war die Loire jedoch eine Hauptader für den Warentransport. Es gab viele Häfen entlang des Flusses – winzige mit nur einer Handvoll Ankerplätzen und große mit Lagerhäusern und Handelskontoren. Erst als im 19. Jh. die Eisenbahn den Gütertransport übernahm, endete diese Tradition.
Trotz des wechselnden Pegels muss die Loire auch als Kühlwasser für Kernkraftwerke dienen: Atomreaktoren stehen schon seit den 1960er-Jahren bei Chinon {36}, Dampierre und Saint-Laurent-des-Eaux. In Dürresommern zwingt der niedrige Wasserstand die Betreiber allerdings häufiger zum Abschalten der Anlagen.
Dem Verlauf der Loire folgen auch die Kapitel in diesem Reiseführer, beginnend im Osten in der Sologne und endend im Westen bei Angers {61} – mit einigen Abstechern entlang der Nebenflüsse und nach Bourges {45}.
Die wald- und wasserreiche Region Sologne war einst ein bevorzugtes Jagdrevier der Könige Frankreichs. Eine Landpartie durch diese friedlich-beschauliche Region südlich von Orléans {7} führt vom WeinortSancerre {1} zur berühmten Keramikstadt Gien {2} und berührt bereits einige Schlösser wie das märchenhafte Château de Sully {3} sowie naturgeschützte Bereiche der weiten Loire-Landschaft.
> www.sologne-tourisme.fr: offizielle Website der Region
Das nordöstliche Tor zum Loiretal bildet die Stadt Orléans, die Frankreichs berühmte Nationalheldin Jeanne d’Arc (–>) einst als Heerführerin von den Engländern befreite. Hier ändert der von Süden kommende Fluss seine Richtung, biegt gen Westen ab und fließt fortan in Richtung Atlantik. Die königlichen Residenzen vonBlois {16} undChambord {17} erzählen die Geschichte einer von royaler Prachtentfaltung geprägten Epoche. Unbedingt sehenswert sind auch die Schlösser von Cheverny {20} und Chaumont {21} mit ihren bezaubernden Gärten.
Im von einem Schloss überragten Städtchen Amboise {22} tüftelte Leonardo da Vinci (–>) eine Zeit lang an seinen genialen Erfindungen. Zentrum der Touraine ist das namengebendeTours {27}. Die geschäftige, junge Universitätsstadt besitzt auch eine sehenswerte Altstadt.
In der Umgebung reihen sich die Schlösser wie Perlen aneinander: Die Prachtbauten von Azay-le-Rideau {33} und Ussé {35} wirken wie aus dem Märchenbuch. Im Château de Langeais {32} lässt sich das Leben edler Ritter und Burgfräuleins heraufbeschwören. Andere Schlösser wie das Château de Villandry {31} bezaubern durch ihre Gärten und Parks. Vouvray {26}, Chinon {36} und Bourgueil {38} sind Weinfreunden ein Begriff.
> www.touraineloirevalley.com: offizielle Internetpräsenz des Tourismusverbands für die Touraine
> www.terroirdetouraine.fr: Informatives zu den kulinarischen Spezialitäten und Märkten der Touraine
Der Cher ist ein rund 365 km langer Nebenfluss der Loire und mündet westlich von Tours in die Loire. Zuvor begleitet er die „große Flussschwester“ über rund 20 km mit einem parallelen Flussbett.
Das RenaissanceschlossChenonceau {39}, das den Cher wie eine Brücke überspannt, entfaltet architektonische Pracht und gilt als Publikumsliebling. Flussaufwärts geht es durch hübsche Dörfer. Ein paar Abstecher führen nach Süden – ein kleiner zur Festungsstadt Loches {43}, ein großer nach Bourges {45}. Letzterer lohnt sich nicht nur im Frühjahr, zur Zeit des weithin bekannten Musikfestivals Printemps de Bourges (–>). Kunstfreunde sollten den Besuch der hiesigen Cathédrale Saint-Étienne {46} nicht verpassen, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, und keinesfalls versäumen, durch die Gassen der Altstadt mit ihren zahllosen Fachwerkhäusern zu streifen.
Saumur {53} ist nicht nur für seine Weißweine berühmt, sondern auch für die staatliche Reitschule des Cadre Noir {55}. Architektonisches Juwel der Region ist die romanische Abbaye de Fontevraud {48}.
Auf der Höhe von Angers {61} beginnt der Unterlauf der Loire, die Hauptstadt der historischen Provinz Anjou selbst liegt allerdings 4 km nördlich des Flusses an der Maine. Neben der mächtigen Burg {62} mit einer Ausstellung berühmter Wandteppiche (–>) ist auch die schmucke Stadt selbst ein lohnendes Ziel. In diesem Landstrich prägen helle Tuffsteinfelsen mit Troglodytenhöhlen das Loiretal – die früheren Steinbrüche dienen heute als Weinkeller, Restaurant, Unterkunft oder als Ort für die Champignonzucht (–>).
> www.anjou-tourisme.com: offizielle Website der Region Anjou
> Balzac, Honoré de: „Der Pfarrer von Tours“ („Le Curé de Tours“), in: Meisternovellen (hrsg. von Eva Rechel-Mertens, Manesse Verlag, nur noch antiquarisch). Die Novelle des in Tours {27} geborenen Schriftstellers erschien 1832 und gehört zum Romanzyklus der „Comédie Humaine“ (–>). Gegenstand ist eine Intrige, durch die der etwas naive Abbé Birotteau seine behagliche Wohnung samt Mobiliar im Klosterhof von Tours verliert.
> Krumeich, Gerd: „Jeanne d’Arc. Seherin, Kriegerin, Heilige“, Verlag C. H. Beck. Biografien über die französische Nationalheldin Jeanne d’Arc (–>), die 1429 die Stadt Orléans {7} befreite, haben bereits einige Historiker geschrieben. Etwas neueren Datums ist dieses Werk.
> Pernoud, Régine: „Königin der Troubadure“, dtv, und Turner, Ralph V.: „Königin des Mittelalters“, Verlag C. H. Beck. Die beiden Werke widmen sich Eleonore von Aquitanien (–>) und zeichnen ein Porträt der berühmten Regentin.
> Yourcenar, Marguerite: „Chenonceau. Schloss der Frauen“, Hanser. Die bekannte französische Autorin hat einen Essay über eines der berühmtesten Loire-Schlösser {39} geschrieben.
Wo, wenn nicht im Loiretal hat man Gelegenheit, sich in einem veritablen Schloss einzuquartieren, wenn auch nur für eine Nacht? Mehr als 300 Schlösser säumen den Fluss. Zählt man die steinernen Zeugnisse der Feudalarchitektur an den beschaulichen Nebenflüssen wie Cher, Loir (–>) und Indre noch hinzu, erhöht sich ihre Zahl auf mindestens das Dreifache – und viele davon sind in privater Hand. Für den kostspieligen Unterhalt ist meist ein zusätzliches Einkommen vonnöten, weshalb die Schlosseigentümer zahlenden Gästen gern Übernachtungen unter hochherrschaftlichem Dach anbieten. Wer gezielt nach Unterkünften im Schloss sucht, wird hier fündig:
> www.relaischateaux.com,www.bienvenue-au-chateau.com
Gemütliche Gästezimmer – auf Französisch chambres d’hôte – sind auch in den Bed-and-Breakfast-Unterkünften der Region zu finden, ob in einer Stadtvilla oder einem ländlichen Herrenhaus.
Zu den ungewöhnlichen Quartieren an der Loire zählen etwa Lastkähne oder Troglodytenhotels (Höhlenunterkünfte). Das Steilufer zwischen Turquant und Dampierre [D5] ist von Höhlenwohnungen durchlöchert, auch in Rochecorbon [G4] lassen sich neben unterirdischen Hotelzimmern auch Ferienwohnungen unter Tage mieten.
Wer die Loire etappenweise bereist oder mit dem Zug an- und abreisen will, freut sich über eine Vielzahl von charmanten kleinen Stadthotels.
Die Bettensteuer(taxe de séjour) umfasst Beträge von etwa 25 Ct. auf dem Campingplatz bis zu 4 € im Fünfsternehotel.
An der Loire gibt es eine ausreichende Auswahl an Campingplätzen mit Zelt- und Wohnmobilstellplätzen, die meist auch kleine Chalets (möblierte Holzhütten mit Küche und Bad) vermieten.
> www.campingfrance.com
Die zentrale Lage und das gastronomische Angebot machen das lebhafte Tours {27} zum idealen Ausgangspunkt für Ausflüge in die nähere Umgebung. Die Städte Orléans {7} und Angers {61} eignen sich bei einer Streckentour als Start- und Endstationen, auch im Rahmen einer Anreise mit dem Zug.
Wer einen etwas kleineren Ort bevorzugt, für den bieten sich die historischen Städtchen Amboise {22}, Blois {15} oder Saumur {53} als Basislager für eine klassische Schlössertour entlang der Loire an.
<1>Château de Beaulieu €€, 98 Route de Montsoreau, Saumur {53}, Tel. 0241508352, www.chateaudebeaulieu.fr, Mitte März–Mitte Nov. Elegante Residenz: Die irischen Besitzer Mary und Conor Maguire vermieten fünf komfortable Gästezimmer in ihrem Landsitz und eine 90 m² große Ferienwohnung in den ehemaligen Stallungen. Gutes Frühstück und Billardtisch im großen Salon. Mit Park, Pool und Parkplätzen.
<2>Château de Chissay €€, 1–3 Pl. Paul Boncour, Chissay-en-Touraine, Tel. www.chateaudechissay.com. Ruhe garantiert: Unter alten Dachbalken, im Himmelbett oder im Turmzimmer nächtigen Gäste im zehn sehr geräumigen Zimmern und zwei Suiten. Das Schloss bei Montrichard {40} im Tal des Cher hat außer einem Pool und Restaurant auch einen großen Park zu bieten.
<3>Château du Rivau €€€, 9 Rue du Château, Le Coudray, Lémeré, Tel. 0247957747, www.chateaudurivau.com, März–Okt. Mitten im Märchengarten: Sieben hochherrschaftliche Zimmer stehen für Gäste im Schloss bereit. Gutes Frühstück, freundlicher Gastgeber, ruhige Lage und reizende Gärten {37}.
<4>Château-Monastère de la Corroirie €€, Route de Loches, Montrésor {42}, 12 km östlich von Loches {43}, Tel. 0680433875, www.corroirie.com. Mittelalterliche Atmosphäre: Fünf klösterlich-schlichte Zimmer stehen Gästen in der trutzigen Anlage zur Verfügung – die chambre seigneuriale ist mit 50 m² die größte.
<5>Domaine de la Commanderie de Ballan €–€€, 17 Rue de la Commanderie, Ballan-Miré, 10 km südwestlich von Tours {27}, Tel. 0970193170, www.domaine-commanderie-ballan.com. Mit Wellnessangebot: Vermietet werden vier Zimmer im Schloss und mehrere schicke, modern eingerichtete Ferienhäuser.
<6>Fontevraud L’Ermitage €€, 38 Rue Saint-Jean de L’Habit, Fontevraud, Tel. 0246461010, www.fontevraud.fr/hotel/fontevraud-l-hotel. Übernachten im Klosterkomplex: Das geht ausgesprochen komfortabel in Fontevraud, gleich gegenüber der Abtei {48} – die historischen, denkmalgeschützten Gebäude bieten im Inneren zeitgenössisches Design-Ambiente. Wer sich gutes Essen auch mal etwas kosten lässt, diniert im gleichnamigen mit Michelin-Stern bekrönten Restaurant.
<7>La Perluette €€, 9 Quai du Foix, Blois {15}, Tel. 0603840808, www.laperluette.fr. An der Loire-Uferstraße: Das Gastgeberpaar vermietet Gästezimmer in einer alten Villa aus dem 19. Jh. Je nach Saison Mindestaufenthalt von 2 bis 3 Nächten. Stellplatz für Fahrräder.
<8>Le Petit Villandry €€, 21 Rue de la Mairie, Villandry, Tel. 0786155645, www.petitvillandry.com. In Schlossnähe nächtigen: Zwei Gästezimmer und zwei hübsche Ferienhäuser für 4 Personen in unmittelbarer Nähe zu den Gärten von Château de Villandry {31} stehen hier zur Wahl. Auf Wunsch wird zusätzlich Frühstück und ein table d’hôte (Menü zum Festpreis) angeboten.
<9>Maison Bossoreil €€€, 32 Rue David d’Angers, Angers {61}, Tel. 0609718701, www.maisonbossoreil.fr. Stadtvilla in guter Lage: Hinter einem großen Portal versteckt sich das Haus aus dem 18. Jh., in dem fünf große, modern eingerichtete Gästezimmer und ein Appartement vermietet werden. Die elegante, ansprechend restaurierte Unterkunft mit gepflastertem Innenhof und Garten ist ca. 15 Min. Fußweg vom Bahnhof und nur 5 Min. von der Pl. du Ralliement im Stadtzentrum entfernt.
<10>Maison Hulotte €€, 14 Rue de la Concorde, Amboise {22}, Tel. 0638038998, www.maisonhulotte.com. Fußläufige Lage zum Stadtkern: Eine charmant und mit viel Liebe zum Detail eingerichtete Villa, zauberhafte Gästezimmer und Frühstück auf der Terrasse oder im Garten – was will man mehr? Die gastfreundliche Eigentümerin hat im Haus auch ihre Töpferwerkstatt.
<11>Demeure de la Vignole €€, 3 Impasse Marguerite d’Anjou, Turquant, unweit von Saumur, Tel. 0241536700, www.demeure-vignole.com. Troglo-Hotel mit originellem Höhlenpool: Zur Wahl stehen ein Appartement und mehrere individuell gestaltete Zimmer, von denen einige in Troglodyten-Höhlen untergebracht sind, andere in einem Altbau. Der Clou ist der unterirdische Pool.
<12>Les Hautes Roches €€€, 86 Quai de la Loire, Rochecorbon, Tel. 0247528888, http://leshautesroches.com. Villa und Höhlenhotel in einem: Das Entrée bildet eine klassizistische Villa aus dem 18. Jh. mit Viersternehotel und Gourmetrestaurant, dahinter befinden sich die Kalkfelsen mit 14 teils troglodytischen Zimmern, je nach Größe in unterschiedlichen Preiskategorien.
<13>Les Troglos de la Tufolière €€, 2 Rue Vauvert, Rochecorbon, Tel. 0678803175, www.la-tufoliere.com/de. Geschmackvoll dekorierte Höhlenzimmer: Ein Troglo-Zimmer und eine Troglo-Suite (für 2–4 Personen) vermietet Gastgeberin Nadège Herv. Beide mit Privatterrasse, Kühlschrank und Mikrowelle. Parkplatz vorhanden, Anreise 17–20 Uhr.
<14>Outre-Loire €€€, Saint-Dyé-sur-Loire, buchbar über Airbnb. Übernachtung auf dem Loire-Lastkahn: Hier schläft man auf einer fest vertäuten toue cabanée, einem Lastkahn mit Aufbau, wie ihn die Fischer einst nutzten, bei Gastgeber Olivier. Geeignet für bis zu 5 Personen.
<15>Rocaminori €€, 13 Rue du Musée, Louresse-Rochemenier, Tel. 0241500312, www.rocaminori-hotel.fr. Uriger geht es kaum: Das Troglo-Hotel südwestlich von Saumur bietet mit seinen in den Fels gehauenen Höhlenzimmern ein ganz besonderes Erlebnis. Schlichte Ausstattung, gutes Frühstück und Höhlenrestaurants ganz in der Nähe, in der die Spezialität fouace (gefülltes Brot aus dem Ofen) probiert werden kann.
<16>Troglododo €€, Route des Granges, Azay-le-Rideau, ca. 1,5 km vom Château d’Azay-le-Rideau {33}, Tel. 0247453125, www.troglododo.fr. Der Name ist Programm: Troglo bezieht sich auf die Höhlenzimmer, dodo bedeutet umgangssprachlich „schlafen“. Unter den 14 Zimmern stehen einige große Höhlenzimmer (30–67 m²) zur Wahl, außerdem gibt es eine Terrasse, einen Garten und einen kleinen Außenpool auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofs aus dem 16. Jh. Freundlicher Empfang, Frühstück mit regionalen Produkten.
<17>Hôtel 21 Foch €€, 21 Bd. Foch, Angers, Tel. 0230314100, www.21foch.fr. Schlicht und modern: In einem großbürgerlichen Gebäude aus dem 19. Jh. stehen 14 puristische Zimmer mit altem Parkett und moderner Ausstattung für Gäste bereit. Die drei Zimmergrößen S, M und L unterscheiden sich auch im Preis, noch etwas mehr kosten die Suite XL und das Appartement XXL für vier Personen. Mit der Tram fährt man vom Bahnhof bis fast vor die Tür. Achtung: Die Rezeption ist nur 16–20 Uhr besetzt, individuelle Anreisezeiten können aber telefonisch vereinbart werden.
<18>Hôtel de Bourbon €€, 60–62 Av. Jean Jaurès, Bourges {45}, Tel. 0248707000, www.hotel-bourbon.fr. Klosteratmosphäre schnuppern: Die 58 Zimmer des Viersternehotels befinden sich teilweise in einem ehemaligen Kloster, gefrühstückt wird im beeindruckenden Ambiente der Kapelle. Großer Pluspunkt ist die Bar, beim Apéro sitzt man friedlich auf der Terrasse im gepflegten Garten und gönnt den müden Füßen Ruhe. Do. 19–21 Uhr Livemusik. Vor und hinter dem Gebäude gibt es eigene Parkplätze, am Bahnhof ist man in 5 Min.
<19>Hôtel du Cygne €€, 6 Rue du Cygne, Tours {27}, Tel. 0247666641, www.hotel-cygne-tours.com. Atmosphärische Unterkunft: In diesem Altbau aus dem 18. Jh. (kein Aufzug) in einer ruhigen Seitenstraße der Restaurantmeile hat alles den gewissen Boheme-Chic. Die 18 Zimmer sind unterschiedlich groß und individuell gestaltet. Im Sommer kann man im kleinen Patio frühstücken. Achtung: Die Rezeption ist nur 15–20 Uhr besetzt, individuelle Anreisezeiten lassen sich aber telefonisch vereinbaren.
<20>Urban Jungle €, 1 Rue de la Lionne, Orléans {7}, Tel. 0238531979, www.urbanjungleorleans.com. Boutiquehotel in zentraler Lage: Altstadt und Sehenswürdigkeiten sind in fußläufiger Reichweite gelegen. Die 33 Zimmer sind einfach gehalten, bunt und zeitgemäß dekoriert, in der Superior-Kategorie etwas größer und geringfügig teurer. Zum Bahnhof sind es 10 Min., den eigenen Pkw bringt man in einem der nahen Parkhäuser unter.
Stilvoller Salon im gastfreundlich geführten Maison Hulotte in Amboise {22} (013ml-gk)
Schnelle TGV-Fernzüge verbinden Paris vom Gare Montparnasse in rund einer Stunde mit Orléans {7} und Tours {27}. Weitere Städte der Region sind mit Regionalzügen erreichbar, z. B. Angers {61} (via Le Mans) und Bourges {45}. Details stehen unter „An- und Rückreise“ auf –>. Zwischen Orléans und Angers verkehren weitere Regionalzüge im Loiretal. So gelangt man per Bahn auch nach Amboise {22}, Blois {15} und Saumur {53}. Von Tours erreicht man zudem das Château de Chenonceau {39} und die Stadt Loches {43}.
Die kleineren Schlösser und Weingüter ringsum sind jedoch mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwierig erreichbar. Daher muss man sich vom gewählten Standort aus organisierten AusflügenmitMinibussen anschließen, die von den touristischen Infobüros (–>) angeboten werden. Will man unabhängig bleiben, ist man also auf ein eigenes Fahrzeug angewiesen, alternativ auf einen Mietwagen. Grundsätzlich sind bei der Anreise mit dem eigenen Auto die Mautgebühren für die Autobahnen (–>) im Budget einzukalkulieren.
Interessant für Radfahrer: In der Bahn besteht oftmals die Möglichkeit, sein Fahrrad mitzunehmen und in der Saison verkehrt sogar ein spezieller Zug mit Fahrrad-Waggons, der Train Loire à Vélo (–>).
Neben der nationalen Bahngesellschaft SNCF verbinden die regionalen Verkehrsunternehmen Rémi und Aléop die Orte der Loire-Region untereinander mit Bussen und Schienennahverkehr. Mit einem Pass Rémi Découverte