8,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 8,99 €
Sommer 1988: Berti Körner ist Ende dreißig und ein ständig abgebrannter Schwindler, der sein Geld damit verdient, den toten Hund einer dementen Gräfin Gassi zu führen. Als er für einige Tage deren Luxusvilla hütet, hält alle Welt ihn plötzlich für reich und erfolgreich. Ausgerechnet jetzt lernt er Mia kennen, der eine lebensbedrohliche Operation bevorsteht. Um sie für sich zu gewinnen, will er ihr an den sieben Tagen bis zur OP noch ihre größten Wünsche erfüllen. Aber wie kann der chronisch klamme Berti ihr eine Fahrt auf der legendären Route 66 ermöglichen und tags darauf eine Safari mit wilden Tieren? Mit viel Phantasie und skurrilen Schwindeleien macht Berti sich daran, Mias Herz zu erobern.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2015
Mehr über unsere Autoren und Bücher:
www.piper.de
ISBN 978-3-492-96928-4 Februar 2016
© Piper Verlag GmbH, München 2015 Covergestaltung und -motiv: Favoritbüro, München Datenkonvertierung: CPI books GmbH, Leck
Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.
Oh l'amour, Mon amour, What's a boy in love Supposed to do?
Erasure, »Oh, L'Amour«
VORWORT
Liebe Leserinnen und Leser,
anstelle einer großen Danksagung am Ende des Buches möchte ich mich gerne vorab bei den Sängern und Musikern der Achtzigerjahre bedanken. Sie haben nicht nur mein musikalisches Leben mitgeprägt, sondern eine ganze Generation beeinflusst, manche bösen Zungen würden vielleicht sogar behaupten, versaut. Und da ich bei den Recherchen zu diesem Roman auf ein paar alte Mixtapes (die älteren unter meinen Lesern werden sich erinnern, was das ist) gestoßen bin, die mich von da an zur Inspiration beim täglichen Schreiben begleiteten, möchte ich Ihnen diese Lieder natürlich nicht vorenthalten. Sie finden daher am Ende jeden Kapitels eine kleine Kassette mit einem dazupassenden Titelvorschlag am unteren Rand. Die Liste setzt sich zusammen aus einer Auswahl der meistgespielten Songs, die im Jahr 1988 überall im Radio rauf und runter liefen. Für diejenigen, die selbst alles aktiv miterlebten, ein schaurig-schönes Déjà-vu, für alle anderen ein erstaunlicher Einblick in das Lebensgefühl der späten Achtzigerjahre.
Bereit? – Okay. Dann rühren Sie sich doch noch in aller Ruhe einen schönen Quench an, schieben Sie sich einen Hubba-Bubba-Apfel oder Bazooka in den Mund und genießen Sie einfach die Geschichte und den passenden Soundtrack zu SIEBEN BESTE TAGE…
Ihr
Tim Boltz
KAPITEL 1
Freitag, 10.06.1988
Die Erkenntnis trifft mich unvorbereitet und mit der brachialen Wucht einer russischen Planierraupe:
Ich habe meine verdammten Chilischoten vergessen!
Nun ist guter Rat teuer. Und dieser lautet, mir schleunigst eine Ersatzdroge zu suchen. Denn nur mit feuriger Unterstützung kann ich meinen heutigen Job erledigen.
Für die nächsten zehn Minuten wühle ich mich daher auf der Suche nach etwas Scharfem, das mir aus der Bredouille helfen könnte, wie ein rolliger Waschbär durch die Küchenschränke. Doch alles, was ich in der fremden Küche finde, ist das Süßigkeitenfach, welches mich mit einer Familienpackung Leckmuscheln und einer Tüte Campino-Bonbons begrüßt. Beides zwar lecker, jedoch auf der Schärfeskala eher niederrangige Exponate.
»Mensch, habt ihr wirklich nix Schärferes im Haus?«, wende ich mich an Martin, der mich zwar sichtlich verblüfft aus großen Augen anstarrt, ansonsten jedoch schweigend meinem Treiben folgt, während ich mich weiter ereifere. »Arsch! Du könntest mir ruhig etwas behilflicher sein.«
Genervt wende ich mich wieder ab und widme mich ausgiebig den Schubfächern und Hängeschränken der Küchenzeile. Im letzten entdecke ich zwischen einer Flasche Maggi und fünfhundert Gramm Frittierfett immerhin eine Ration mildscharfen Tabasco.
Ein Lichtblick.
Kein großer Lichtblick.
Aber immerhin einer mit etwas Schärfe.
Sofort setze ich die Flasche an und exe den Inhalt komplett weg. Martin schaut mich derweil noch immer ebenso verwundert wie stumm an, während ich mir Tabascoreste aus den Mundwinkeln wische.
»Du denkst bestimmt, ich wäre verrückt, und willst nun wissen, warum ich das hier gerade kurz vor meinem Auftritt mache? Okay, ich erkläre es dir in ganz einfachen Worten: Ich bin von Beruf Kunstschwitzer. Ja, du hast richtig gehört, Kunstschwitzer. Deswegen bin ich heute hier. Um Motive und Geburtstagsgrüße in T-Shirts zu schwitzen.« Ich stelle das Tabascofläschchen auf dem Tisch zwischen uns ab und deute mit dem Zeigefinger darauf. »Aber so billigen Tabasco nehme ich normalerweise nicht als Schwitzhilfe. Ich bevorzuge da meine eigenen Spezialchilischoten.« Martin schweigt weiter eisern, was mich etwas verunsichert. »Okay, verstehe, du willst es genau wissen. Also pass auf, ich fertige vor meinen Auftritten mit einer Schere eine Schablone des Motivs an, welches ich später schwitzen will, und klebe sie mir im Anschluss auf den Rücken. Es ist also eine Mischung aus Schablone und Schweiß, daher nenne ich sie auch Schwablone.« Immer noch keine Reaktion von Martin. Dieser Kerl macht mich wahnsinnig. Ein echtes Pokerface. »Jetzt bist du platt, was? Aber genau so mache ich das. Dann sprühe ich mir mit Deo die vorgefertigten Freiräume so stark ein, dass ich an diesen Stellen definitiv in den nächsten vierundzwanzig Stunden keinen einzigen Tropfen Schweiß produzieren werde. Zum Schluss nehme ich die Schwablone wieder ab und esse kurz vor meinem Auftritt vier besonders scharfe Chilischoten. Dann beginnt der übliche Ablauf. Meine Ohren beginnen zu pfeifen, mein Puls beschleunigt sich, und der Schweiß fließt mir wie blöd aus den unbearbeiteten Poren. Und schon zeichnen sich die Konturen der Schwablone wie ein Negativ in mein T-Shirt ab. Genial, oder? Bleibt aber unter uns, klar? Keiner der Kunden ahnt, wie ich das zustande bekomme. Viele wollen dann gleich die erste Strophe von »Let It Be« oder die Freiheitsstatue geschwitzt bekommen. Dabei sollten die Leute erst mal selbst versuchen, was Kleines zu schwitzen: Malta unter den Achseln oder einen Smiley am Steiß. Kannst es ja selbst mal probieren. Du wirst merken, die Finessen der Konturen sind eine echte Herausforderung. An besonders guten Tagen schaffe ich es sogar, die Mona Lisa inklusive Lächeln aus der Hüfte zu transpirieren.«
Doch heute ist kein guter Tag.
Im Gegenteil.
Die Küchentür fliegt auf, und Frau Mühlenhaupt kommt aufgeregt hereingestürmt.
»So, hier bin ich wieder. Entschuldigen Sie, dass Sie warten mussten.«
»Kein Problem«, antworte ich mit gespielter Leichtigkeit.
»Und vielen Dank, dass Sie auf meinen Sohn aufgepasst haben.« Martins Mutter kommt mit ausgebreiteten Händen auf den Kleinen zugestakst, putzt ihm mit dem Biene-Maja-Lätzchen etwas Sabber vom Mund und befreit ihn aus seinem Kindersitz. Dachte ich zunächst noch, dass die dunkelrot gefärbten Wangen des Muttertiers eventuell auf Bluthochdruck zurückzuführen seien, stellt sich nun bei näherer Betrachtung heraus, dass sie anscheinend lediglich eine ausgeprägte Vorliebe für Schminktische besitzt. Sie ist so dermaßen zugespachtelt, dass man meinen könnte, sie käme gerade von einer Karnevalssitzung. An irgendwen erinnert sie mich, ich komme jedoch nicht darauf, an wen.
»Gern geschehen, Frau Mühlenhaupt.« Der kleine Hosenscheißer grinst feist und sabbert dabei Biene Maja eine Portion Kinderrotze auf die kleinen Flügelchen. Obwohl die Wirkung des Tabascos noch auf sich warten lässt, versuche ich dennoch meinen Auftrag bestmöglich umzusetzen. »Soll ich jetzt mit meiner kleinen Show loslegen?«
Der wandelnde Schminktisch nickt eifrig und deutet irgendwo nach draußen ins Grüne.
»Ja, ja, machen Sie das, fangen Sie ruhig schon mal an. Ich komme gleich nach. Meine Große wartet mit den anderen Kindern bereits im Garten auf Sie.«
»Super«, antworte ich, während meine innere Stimme fragt: Warum zur Hölle tust du dir das an? Die Untergattung Kinder ist nicht gerade meine favorisierte Zuschauergruppe. Doch alles Zaudern hilft nicht. Ich brauch die Kohle, sonst kann ich diesen Monat die Miete nicht zahlen. Also gehe ich in Richtung des Gartens, den die verschminkte Mutter mit weißen Deckchen über dem Rattanmobiliar mit so perfektem Kaffeehausambiente ausgestattet hat, dass nur noch eine genervte Bedienung im Kostüm fehlt, die durch die Reihen streift und dabei verkündet, dass es draußen nur Kännchen gibt.
Vorbei an einer monströsen Mohrenkopfwurfmaschine, die wie eine Dauerflak Dickmanns durch das spießige Gartenidyll katapultiert, trete ich schließlich vor die Gruppe von zwanzig Kindern. Dieser 10. Juni 1988 wird wohl als mein neuer persönlicher Tiefpunkt in die Geschichte eingehen. Und ich weiß, wovon ich spreche. Ich bin ein verdammter Experte in Sachen persönliche Tiefpunkte. Als erwachsener Mann auf der Geburtstagsfeier eines zehnjährigen Mädchens meine Kunst zum Besten zu geben ist jedoch eine nicht zu verachtende Höchstleistung im negativen Sinn. Marscha heißt die Grundschülerin, die mit dem Bewegungsdrang eines Kapuzineräffchens gesegnet scheint. Ständig steht sie auf, setzt sich wieder hin, steht auf, setzt sich wieder hin und turnt dazwischen durch die Reihen der anderen Kinder, um frisch gepopeltes Nasengold in die Runde zu schnipsen oder Mohrenköpfe zu zermatschen. Mit ihrem rosa Kleidchen und dem dämlich breiten Rundumgrinsen sieht sie zudem wie eines dieser haarigen Monchhichis aus, die man jetzt überall in deutschen Kinderzimmern sieht. Immerhin hat sie es jedoch zustande gebracht, all ihre lärmenden Freundinnen um sich im Gras zu versammeln.
Mir wird schmerzlich klar, dass ich eine verdammte Nutte bin. Eine Schwitznutte. Für zwanzig Minuten Schweiß gibt's fünfzig D-Mark bar auf die Kralle. Leicht verdientes Geld, dachte ich, doch ich muss feststellen, dass die Monchhichis tatsächlich nicht mein Zielpublikum sind. Marschas Mutti hatte mich wohl in dem Glauben gebucht, dass ich als Kinderunterhalter witzige Hunde aus Luftballonwürsten drehen würde oder zumindest eine aufblasbare Hüpfburg mit im Gepäck hätte. Habe ich aber nicht. Denn ich bin Berthold Körner, ein anspruchsvoller Aktionskünstler, und nicht Koko der Clown, verdammt noch mal!
Es ist brütend heiß, und eigentlich müsste mir der Schweiß schon von ganz allein aus den Poren fließen. Nichtsdestotrotz will ich meinen Job sauber durchziehen, und so versuche ich, Marscha den simplen Zweizeiler auf den Rücken zu transpirieren, den ich mit meiner Schwablone vorbereitet habe:
Happy Birthday
Marscha
Nichts Großes.
Unprätentiös.
Kindgerecht.
Pädagogisch wertvoll.
Ich positioniere mich vor der Kinderschar und bitte mit ausgebreiteten Armen um Ruhe.
»Also, aufgepasst, Kinder, es geht los. Bitte absolute Ruhe, der Onkel muss sich jetzt konzentrieren.«
Ich drehe den Monchhichis den Rücken zu und beginne mit einer Art Presswehenatmung den Schweiß langsam in Wallung zu bringen. Doch anstelle des normalerweise nun einsetzenden Schweißes stößt mir nur der geexte Tabasco in unregelmäßigen Abständen unangenehm auf. Mein Magen signalisiert mir unmissverständlich Übelkeit. Aber wie soll man sich als Künstler auch auf seine Arbeit konzentrieren, wenn einen zwanzig mohrenkopfverschmierte Kinderfratzen anstarren, als hätte man gerade Nils Holgersson samt seinem fettbäuchigen Hamster Krümel umgebracht? Popel-Marscha starrt ungläubig auf die vereinzelten Schweißtröpfchen, die ich immer noch krampfhaft versuche aus meinen Poren zu drücken. Allmählich sollten die Buchstaben zu erkennen sein. Beim Blick über die Schulter sehe ich, wie die Tochter des Hauses den Kopf etwas zur Seite neigt. Sie liest den Text und beginnt zu schreien, während die anderen Kinder laut zu lachen anfangen. Marscha deutet mit ihren klebrigen Griffeln wütend auf mich und verfällt in einen hysterischen Heulkrampf. An ihrem Zeigefinger hängt noch ein halber Dickmann und platscht von dort in das frisch gemähte Gras.
»Mama, Mama, Maaaamaaaa«, kommt es in schrillen Tönen aus dem Kinderhals. Sogleich steuert das Mutterschiff mit hochroten Segelohren in den Garten.
»Was ist denn los, Schätzchen? Was weinst du denn?«
Die anderen Kinder deuten noch immer kichernd auf meinen Rücken, während ich mich um die eigene Achse drehe, um herauszufinden, was da gerade so lustig ist. Frau Mühlenhaupt blickt ebenfalls auf meinen Rücken. Dann baut sie sich vor mir auf und stemmt wütend ihre Hände in die Hüften.
»Finden Sie das vielleicht witzig?«
Ich habe keine Ahnung, was diese Frage soll. Natürlich sollte es witzig sein. Dafür werde ich schließlich bezahlt. Und was soll bitte an einem geschwitzten Happy Birthday Marscha nicht witzig sein? Also zucke ich nur ungläubig die Schultern.
»Ja, klar. Sie nicht?«
Doch der wandelnde Schminktisch findet es alles andere als lustig und dreht mich wutentbrannt so vor die Terrassentür, dass ich meinen Geburtstagsgruß am eigenen Rücken in der Spiegelung entziffern kann. Oder zumindest den Teil, den ich produziert habe.
Happy Birthday
arsch
»Oh, das, das … da sind mir wohl zwei Buchstaben abhandengekommen«, beginne ich zu stottern, als neben mir erneut das Geburtstagskind aufschreit und mir mit voller Wucht auf den Fuß tritt, während ihre Freundinnen sich immer noch schlapplachen. »Aua!«
»Selber Arsch!« Prinzesschen verschränkt die Arme und nimmt die gleiche Motzpose wie ihre Mutter ein. »Mama, ich will, dass mir der Mann sofort ein Einhorn macht.«
Erzürnt blickt mir Frau Mühlenhaupt tief in die Augen, während sich ihr Mund zu einem verkrampften Lächeln verzieht. Schlagartig wird mir in diesem Moment klar, an wen sie mich erinnert. Sie ist das weibliche Gesichtsdouble von Ronald McDonald.
»Hören Sie, ich schaue mir das Ganze keine Sekunde länger an. Sie schwitzen meiner Tochter jetzt sofort ein Einhorn.«
Ich hebe entschuldigend die Hände. Die rechten Worte wollen mir beim Anblick der roten Schlauchbootlippen jedoch nicht einfallen, stattdessen verspüre ich den instinktiven Wunsch, mir einen Sechserpack Chicken McNuggets zu bestellen. Ich wäge meine Möglichkeiten ab. Eine neue Schwablone anzufertigen würde zu lange dauern, Chilischoten habe ich auch keine dabei, und zu allem Überfluss ist mir von dem Tabasco kotzübel. Es spricht also momentan nicht gerade viel für ein Einhorn.
»Hören Sie, das geht nicht«, beginne ich meine Begründung. »Es gibt zwei Dinge, die ich aus Prinzip ablehne zu schwitzen: Fabelwesen und Hakenkreuze. Und ein Einhorn ist nun mal zumindest eines davon. Tut mir leid.«
Doch Ronaldine McDonald gibt sich mit meiner Antwort offenbar nicht zufrieden.
»Dann machen Sie ihr halt ein normales Pferd. Oder eine Kuh, meinetwegen auch ein Kamel. Irgendwas mit Hufen, das ein klein wenig nach einem Einhorn ausschaut. Das wird doch wohl nicht zu viel verlangt sein!«
Okay, ich gebe ja gerne zu, dass mein kleiner Geburtstagsgruß nicht ganz gelungen ist. Aber diesem kleinen Popelbastard ein Trampeltier schwitzen? Das geht dann doch gegen meine Berufsehre. Und für heute bin ich wie gesagt sowieso leer geschwitzt. Also schüttele ich ein weiteres Mal entschuldigend den Kopf.
»Nein, das, äh, kann ich nicht, Frau McDonald.«
»Wie bitte?«
»…äh, Frau Mühlenhaupt.«
Selten war ich näher an der Wahrheit über meine Kunst als mit dieser Aussage. Doch Frau Mühlenhaupt deutet nur mit strengem Blick auf die noch immer Tränen lachende Kinderschar um uns herum, die sich kaum mehr einzukriegen scheint.
»Aber Ihre Agentur hat mir gesagt, dass Sie für so was hier geeignet wären.«
Ich schaue mich um. Ein Kindergeburtstag für Zehnjährige. Als ich mich bei der Agentur angemeldet habe, hatte ich zwar versichert, dass ich auch für Aufführungen vor kleinen Gruppen zur Verfügung stünde, doch das bezog sich eher auf die Anzahl der Zuschauer und nicht auf deren Körpergröße. Dennoch versuche ich diplomatisch zu antworten.
»Mag sein, dass Sie da vielleicht andere Vorstellungen hatten. Aber das, was ich mache, ist kein Wunschkonzert, das ist Kunst. Sie können einem Busfahrer ja auch nicht sagen, dass er Sie heute doch mal direkt vor die Haustür fahren könnte, nur weil er gerade ein Lenkrad in der Hand hält. Er hat einen Auftrag, genau wie ich. Das ist sozusagen mein Bus, meine Fahrroute, und da ist die Haltestelle Einhorn nun mal nicht vorgesehen.«
Sollte doch nachvollziehbar sein, dass Kunst eine Gabe ist, der man genug Raum zur Entfaltung geben muss und die man nicht erzwingen kann. Und tatsächlich: Mutter Monchhichi nickt mir mit einem verzerrten Lächeln zu.
»Verstehe … Warten Sie doch einen Moment, ja?«
»Ich wusste, dass Sie Verständnis für die Kunst haben, Frau Mühlenhaupt.«
Keine fünf Minuten später stehe ich mit meinem kleinen Koffer vor dem Reihenhaus der Familie Mühlenhaupt, und Mutti Monchhichi wirft mir meine Jacke hinterher.
»Verschwinden Sie! Sie sind kein Künstler, Sie sind ein Spinner. Sonst nichts.«
Ich ducke mich vor meiner anfliegenden Jacke und verteidige mich und meine Kunst. »Blödsinn! Sie verstehen nur nichts von Kunst. Meine Kunst ist eben für Menschen mit Intellekt.«
»Dass ich nicht lache! Wissen Sie, für wen Ihre Kunst einzig und allein ist?«, lacht Frau Mühlenhaupt hämisch auf. »Fürn Arsch.«
Autsch! Damit hat sie einen wunden Punkt getroffen und lockt mich auf das niedrige Gesprächsniveau.
»Ach wirklich? Dann müsste es Ihnen doch eigentlich gefallen. Ihr Gesicht sieht nämlich aus wie der farbige Arsch eines Pavians. Außerdem bekomme ich noch meine Gage!«
»Ihre Gage? Einen Moment…« Sie verschwindet wieder im Haus. Als ihr hochroter Kopf wenige Augenblicke später wieder im Türrahmen auftaucht, ahne ich, dass ich keine Gagenzahlung zu erwarten habe. Anstatt meines Geldes hält sie eine Schachtel Dickmanns in ihren Händen und beginnt damit, den ersten Schaumkuss gezielt in meine Richtung zu schleudern.
»He, was soll das denn jetzt?«
»Sie wollten doch Ihre Gage. Hier haben Sie sie! Und ich lege sogar noch ein ordentliches Trinkgeld obendrauf.« Im Dauerfeuer prasseln die Schaumküsse auf mich nieder. »Verschwinden Sie, Sie Schwindler!«
Ich weiß, dass man sich gegen Widerstände durchsetzen muss, wenn man Großes erreichen will. Und ein schlauer Mann sagte mal: »Wer ein Lachs sein will, muss gegen den Strom schwimmen.«
Doch dass dieser Strom dermaßen gegen meine Schwimmrichtung arbeitet, ist mir bislang verborgen geblieben. Ich sammle die Schokoküsse auf und kotze zwei Meter weiter den kompletten Inhalt der Tabascoflasche in die Platanen des mühlenhauptschen Vorgartens. Erstaunlich, ich könnte wetten, dass ich mit dem Strahl im Seitenprofil einen ganz kurzen Moment lang wie ein Einhorn aussehe.
*Songvorschlag»What Have I Done to Deserve This?«Pet Shop Boys & Dusty Springfield
KAPITEL 2
Trautes Heim, scheiß allein!
Zu Hause angekommen, kicke ich die Schuhe genervt in die Ecke. Heute ist einer der Tage, an denen ich lieber allein wohnen würde. Doch ich lebe hier zusammen mit meinem Bruder Tobias und meinem kiffenden Kumpel Ferdinand Krüger, den jedoch alle wegen des Films Nightmare on Elmstreet nur Freddie nennen. Im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses mit schlecht isolierten Fenstern und einem klapprigen Aufzug. Da mein Bruder im Rollstuhl sitzt, war der für ihn allerdings ein überzeugendes Argument für den Einzug.
Die Wohnung selbst ist nicht direkt hässlich, doch geht es bei uns sauberkeitstechnisch oftmals zu wie im Tourbus der Doors. Nur mit weniger Heroin auf dem Frühstückstisch. Dass unsere Behausung etwas gewöhnungsbedürftig daherkommt, liegt aber nicht nur an uns, sondern auch an der Tatsache, dass einige Räume nur als Schlafplatz nutzbar sind, da sie sich mit einer lichten Deckenhöhe von gerade einmal einem Meter fünfzig kaum höher darstellen als ein handelsüblicher Hamsterkäfig. Dafür bezahlen wir nur einen Mindestmietzins, und wenn ich schlafe, tue ich dies meist liegend, sodass mich die Raumhöhe nicht wirklich stört. Dennoch könnte das erklären, warum der Architekt in den Sechzigerjahren angeblich zu einer Haftstrafe verurteilt worden war.
Es gibt allerdings ein paar andere Details, die mich dann doch etwas stören. Zum Beispiel wurde die Wohnung in den frühen Siebzigerjahren mit strukturierten Landhausdielen in Bucheoptik ausgelegt. Das klingt nicht schlimm, ist es eigentlich auch nicht. Doch die Trittschalldämmung ist darunter in den letzten zwanzig Jahren auf die Stärke eines Löschblatts zusammengepresst worden und fördert die nachbarschaftlichen Beziehungen nun auf sehr unkonventionelle Weise. So weiß ich, dass das junge Pärchen unter uns gerne lautstark Lieder ihrer Lieblingsstars mitsingt. Sie bevorzugt Kylie Minogues »I Should Be So Lucky«, wohingegen er ein Verfechter der Neuen Deutschen Welle ist. Besonders bei Joachim Witts »Goldenem Reiter« ringt er seinen Stimmbändern regelmäßig das Äußerste ab. Außerdem ist der weibliche Teil des Paares besonders empfänglich für Cunnilingus und Rollenspiele, in denen Sie dominant sein darf und Er in die Rolle eines Austauschstudenten aus Paris schlüpfen muss, der ständig »Oh là là, isch bin verruckt nach disch« ruft.
Ansonsten ist unser Haus ein Haus wie so viele in Deutschland. Laut Hausordnung ist zwischen elf Uhr vormittags und siebzehn Uhr nachmittags Klavierspielen für zwei Stunden erlaubt, Fußballspielen auf dem gepflasterten Innenhof hingegen nicht. Ich zähle keines von beidem zu meinen Hobbys. Eigentlich habe ich gar keine Hobbys. Früher habe ich viel gearbeitet. Ich war Zerspanungsmechaniker und zerspante Metall für die verarbeitende Fahrzeugindustrie. Mein Chef meinte vor vier Jahren, ich solle mich spezialisieren und mich zum Feinmechaniker weiterbilden lassen, da meine Monofachkenntnisse keine Zukunft hätten. Ich antwortete lediglich, dass ich es mir überlegen würde, und zerspante weiter an fünf Tagen in der Woche Motorenteile und Turbinen. Er behielt recht, und ich bin seit zwei Jahren arbeitslos. Wobei das so gar nicht stimmt. Ich habe ja einen Job, der meine körperlichen und künstlerischen Fähigkeiten sogar perfekt kombiniert: Ich bin Kunstschwitzer!
Doch nach dem Fiasko bei Monchhichi Marscha und ihrer verschminkten Mutter Ronaldine McDonald liege ich nun erst mal mit einem Sechserpack Bier in meinem Lieblings-T-Shirt und Sporthose vor dem Fernseher im Wohnzimmer und warte darauf, dass es endlich losgeht. Heute ist nämlich ein verdammt wichtiger Tag. Es ist nicht mehr lange bis zum Anpfiff des Eröffnungsspiels der Fußballeuropameisterschaft, und Deutschland trifft dabei in Düsseldorf auf Italien. Doch bis die Vorberichte beginnen, muss ich mich wohl noch von der geballten Seichtheit des deutschen Fernsehprogramms berieseln lassen. Nur bedingt interessiert verfolge ich eine Dokumentation über eine Auswandererfamilie im Dritten Programm. Dabei filmt das Kamerateam des Hessischen Rundfunks die sechsundzwanzigjährige vollschlanke Petra Heysel und ihren zweiten Ehemann Maik Heysel, einen zweiundfünfzigjährigen Estrichleger aus der Pfalz, bei ihrem Neuanfang in Griechenland. Sechs ihrer neun Kinder begleiten sie bei diesem Auswanderungsabenteuer. Der Rest der Horde bleibt bei Petras Exmann Hans-Peter in Landau. Dass Petra, die menschliche Legebatterie, trotz umfangreicher Ich-schenke-gerne-Leben-Beteuerungen nicht glücklich aussieht, weckt den WWF-Sympathisanten in mir. Nach all den Geburten und angesichts der fortdauernden Aufzucht ihrer Brut wirkt Petra psychisch leicht ausgezehrt. Die Erfolgsprognose der Auswanderung betrachte ich entsprechend kritisch. Zehn Minuten später ist der Versuch, zumindest die erste Sturmreihe der Heysel-Kinder in Athen einzuschulen, gescheitert. Petra beschwert sich darüber, dass diese ignoranten Griechen kein einziges Wort Deutsch verstehen und man in diesem Land darüber hinaus sowieso nichts lesen könne.
Kleiner Tipp unter Freunden, Petra: Vermutlich hätte ein ALDI-Reiseführer für neunundneunzig Pfennig schon genügt, um zu erfahren, dass man in Griechenland ein etwas anderes Alphabet benutzt und Deutsch nicht in jedem Land auf diesem Planeten Amtssprache ist.
Ich trinke einen großen Schluck Bier und empfinde zu meinem eigenen Erstaunen langsam eine perverse Schadenfreude an der Sendung. Auch der wortkarge und auf mich leicht autistisch wirkende Maik Heysel scheint nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte zu sein, und so nimmt das Schicksal des Pfälzer Himmelfahrtskommandos seinen Lauf. Lord Dümmlich gibt dem Kamerateam bereitwillig Auskunft über sein bemitleidenswertes Seelenleben. In seinem neuen Job als Aufzugmonteur findet er laut eigener Aussage nämlich nun doch nicht so wirklich seine Bestimmung. Tja, Maik, könnte es vielleicht daran liegen, dass du kein einziges Wort der Kollegen verstehst und zudem überrascht feststellen musstest, dass man recht wenig Estrich in griechischen Aufzügen verbaut?
Ich muss zugeben, dass mich das Scheitern der Heysels irgendwie entspannt. Es gibt mir das Gefühl, dass mein Leben trotz der heutigen Pleite eigentlich ziemlich super verläuft und ich ein absoluter Gewinnertyp bin. Weder muss ich Aufzüge in Griechenland reparieren noch mit Petra und ihrer Horde eine Einschulung in Athen planen.
Ich führe eigentlich ein Traumleben.
Vielleicht sollte man sogar mal eine komplette Sendereihe über gescheiterte Auswanderer machen.
Ha, ja, das wär's doch!
Nur: Wer außer mir schaut sich so einen Hirnfurz noch an? So bescheuert ist unsere Gesellschaft anscheinend doch noch nicht.
Das Geräusch eines Schlüssels in der Wohnungstür reißt mich aus meiner Gedankenwelt. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es mein älterer Zwillingsbruder Tobi sein muss. Tobi ist zwei Minuten älter als ich und erhielt als Siegermedaille für den Erstgeborenen eine Wirbelsäulenschädigung inklusive Lähmung der Beine gratis dazu. Er bekam einen Rollstuhl, ich den kleineren Penis. Jeder soll für sich entscheiden, wer besser weggekommen ist.
Die Tür knallt lautstark ins Schloss, und ein verschwitzter Tobi rollt genau zwischen mich und den Fernseher. Mit verschränkten Armen und einer mit Fell bespannten Trommel um den Hals schaut er mich vorwurfsvoll an.
»Wo warst du?«
Verständnislos mustere ich ihn und schüttele den Kopf. »Wie, wo war ich? Wo soll ich denn gewesen sein?«
»Du wolltest mich abholen! Wir hatten ausgemacht, dass du mich um halb fünf vor der Caritas-Werkstatt abholst.«
Im ersten Moment will ich anhand einer schlüssigen Argumentationskette darlegen, dass das ja überhaupt nicht sein kann, bis mir einfällt, dass es sehr wohl sein kann. Sogar ganz sicher so ist, doch im Mohrenkopfhagel von Marschas Mutter von mir ganz einfach vergessen wurde.
»Scheiße, Tobi, tut mir leid. Das habe ich echt ähhh … verschwitzt.«
»Selber scheiße, Berti. Ich musste bei der Hitze im voll besetzten Behindertenbus zurück fahren. Du weißt, dass ich das nicht mag.«
»Ja, ich weiß.«
Seit ein Zivildienstleistender vor einigen Jahren den Motor des orangefarbenen VW-Busses ausreizen wollte und dabei die Karre in einer abschüssigen Kurve aufs Dach legte, ist Tobis Lust auf Fahrten mit Caritas-Bussen signifikant gesunken. Zumal im Bus immer Wichs-Kläuschen vor ihm sitzt, und dieser macht seinem Spitznamen auch stets alle Ehre. Klaus hat nämlich nicht nur das Downsyndrom und eine übermäßige Libido, sondern darüber hinaus auch ein erstaunlich lockeres Handgelenk.
»Ich sagte ja, tut mir leid. Ich hatte so einen beschissenen Auftritt heute, und da habe ich es glatt vergessen. Komm, setz dich, nimm dir ein Bier und einen Schokokuss und beruhig dich. Die Vorberichte zum Eröffnungsspiel gehen gleich los. Du hast da übrigens 'ne Trommel um den Hals.«
»Weiß ich selber. Die hat mir Wichs-Kläuschen geschenkt, weil er mich so mag. Sie haben in seiner Gruppe heute afrikanische Trommeln gebaut.« Tobi rollt aus dem Bild und legt die Trommel zur Seite. »Ich mag Trommeln. Da kann man so schön draufhauen. Schade, dass du keine Trommel bist, Berti.«
»Mensch, jetzt beruhig dich«, stöhne ich auf. »Wie oft soll ich mich denn noch entschuldigen?«
Tobi schnaubt noch ein paarmal böse, dann rollt er neben mich und öffnet sich ein Bier.
»Nur weil du keinen richtigen Beruf hast, musste ich fast 'ne halbe Stunde neben Wichs-Kläuschen im Bus sitzen. Und er war heute so richtig gut drauf, wenn du verstehst, was ich meine.« Mein Bruder ahmt die unmissverständliche repetierende Handbewegung nach. Dann greift er sich einen der Schokoküsse, legt ihn aber nach näherer Betrachtung wieder zurück. »Da ist Gras dran, Berti.«
»Ich weiß.«
»Du weißt aber, dass das da normalerweise nicht drangehört?«
»Ja, auch das weiß ich. Bin ja schließlich nicht bescheuert.«
»Und warum hängt dann Gras dran? Ist es jetzt schon so weit, dass du in Mülleimern nach Essen wühlen musst?«
»Nein, ist es nicht. Du musst ihn ja auch nicht essen, wenn du nicht willst. Aber tu mir jetzt bitte den Gefallen und quatsch mich nicht voll, okay? Das war heute wirklich kein guter Tag.«
Ich spüre, wie mein Bruder mich erneut mustert. Weil er der Ältere ist, macht er sich Sorgen um mich. Das war schon immer so und wird wohl auch so bleiben.
»Ich weiß, ich bin dein älterer Bruder, aber ich kann mich nicht mein ganzes Leben lang um dich kümmern, Berti. Irgendwann musst du mal auf eigenen Beinen stehen.«
Ich gebe zu, dass es einem erwachsenen Mann schon ein wenig blöd vorkommt, wenn der eigene Bruder ihm das sagt. Zumal die Redewendung auf eigenen Beinen stehen per se seltsam klingt, wenn sie von einem Rollstuhlfahrer kommt. Aber das Schlimmste daran ist die Tatsache, dass er damit vollkommen recht hat. Er ist wirklich derjenige von uns, der ein geregeltes Leben führt und wenigstens etwas Geld verdient.
Er hat einen Job in der Caritas-Werkstatt.
Ich nicht.
Er hat seit vier Jahren eine feste Beziehung mit Anne, einer Brünetten aus seiner Arbeitsgruppe, die ebenfalls im Rollstuhl sitzt.
Ich habe weder eine Arbeitsgruppe noch eine Brünette.
Bevor ich ihm antworten kann, geht neben uns eine Zimmertür auf, und mein zweiter Mitbewohner, Freddie, kommt aus einer der Einen-Meter-fünfzig-Schlafhöhlen übers Laminat gekrochen. Er streicht sich über seinen Schnauzbart, den er seit zwei Monaten züchtet, und schaut uns aus verschlafenen Augen an.
»Sagt mal, was ist das denn für ein Krach hier mitten in der Nacht?«
»Ach, nichts. Tobi meint nur, dass er sich nicht ewig um mich kümmern kann.«
Freddie streckt sich auf allen vieren wie eine Katze und gähnt dabei ausgiebig. »Recht hat er. Aber muss diese Diskussion unbedingt nachts stattfinden?«
»Es ist kurz vor sechs Uhr abends, Freddie. Wieder etwas schlechtes Kraut geraucht?«
»Was?« Freddie schaut auf seine Swatch-Armbanduhr. »Verdammt, dieser Schichtdienst in der Klinik bringt mich völlig durcheinander.«
Freddie bessert sich sein Gehalt momentan als Nachtwächter in einer noblen Klinik um die Ecke auf. Auch er bringt also Geld für die Miete rein. Bevor er mir ebenfalls Vorhaltungen macht, winke ich ihn zu uns.
»Setz dich, Fußball geht gleich los.«
»Scheiße, Berti. Ich rackere mich nächtelang ab, um unsere Rechnungen zu bezahlen, und du schaust Fußball. Vielleicht hast du es ja vergessen, aber wir haben mittlerweile über dreitausend Mark Schulden. Tobi, tritt deinem Bruder ruhig mal kräftig in den Arsch!«
»Würde ich ja gerne, aber mit dem Treten klappt's gerade nicht so richtig.« Tobi klopft sich auf seine tauben Beine. »Verdient hätte er es allerdings.«
Ich fühle mich auf eine seltsame Art von einem Behinderten und einem verschlafenen Freak in die Enge getrieben. »Ist das hier 'ne Verschwörung, oder was?«
»Ach, dann hast du die Stromrechnung also schon bezahlt?«, stichelt mein Bruder weiter.
»N-n-nein«, stottere ich den Versuch einer Antwort und füge immerhin noch ein »Mache ich aber morgen« an. Freddie steht endlich vom Boden auf, kommt zu uns herüber und macht sich ebenfalls ein Bier auf.
»Gestern kam schon die zweite Mahnung. Wir müssen das jetzt echt zahlen, Leute, sonst drehen die uns den Strom ab, und dann sind wir so was von aufgeschmissen.« Freddie hat einen Hang zur Theatralik.
»Jaja, ich mache das gleich morgen als Erstes.« Ich versuche die Flucht nach vorn anzutreten und stelle eine Gegenfrage. »Hast du denn diesen Auftrag bekommen?«
Freddie ist seit letztem Jahr nämlich eigentlich selbstständig in der – wie er es nennt – Flugbranche tätig. Was sich jedoch nach Airbus und großer weiter Welt anhört, stellt sich bei genauer Betrachtung als Hobbyflieger auf dem Regionalflughafen Egelsbach heraus. Er fliegt mit seinem Motorsegler über Frankfurt und Käffer im Rheingau und zieht dabei Werbebanner von Winzern, Elektrofachmärkten oder neureichen Yuppies hinter sich her, die ihrer Angebeteten auf diese Weise einen Antrag machen wollen. Oder er wirft tausend rote Rosen über einer Hochzeitsgesellschaft ab. Wenn er nicht gerade, wie zuletzt geschehen, den Wind falsch berechnet und die ganze Botanik dem verdutzten Nachbarn in den Garten feuert.
»Nein. Der Auftraggeber hat sich für eine klassische Aktion mit Flugblättern entschieden. Diese Art der Werbung erschien ihnen sicherer, hieß es.«
»Ach, die kennen dich wohl?«, gebe ich giftig zurück.
»Witzig, Berti. Sehr witzig. Du solltest mit deinen Scherzen auf Tournee gehen, weißt du das?« Freddie stößt mit uns an und streckt seine Hand zu den beschädigten Dickmanns, die ich auf dem Esszimmertisch platziert habe. »Darf ich?«
»Greif zu. War ein Geschenk.«
Er fingert sich einen der am wenigsten zermatschten Mohrenköpfe heraus und beißt hinein. Sofort verzieht er sein Gesicht und befördert kurz darauf einen grünen Halm aus seinem Mund. »Da hängt ja Gras dran.«
»Ja, ich weiß. Ist 'ne lange Geschichte.«
»Ich frage besser nicht, oder?«
Tobi und ich antworten zeitgleich. »Nein.«
Freddie zuckt die Schultern, lehnt sich zurück und beißt erneut in den Schaumkuss, während die ersten Interviews mit den Nationalspielern über den Bildschirm flackern.
»Wie läuft's denn mit deinen Auftritten?«
Ich nehme einen großen Schluck Bier. Es ist Zeit für eine überzeugend klingende Lüge. »Super. Ich hatte erst heute eine interessante Buchung, und ein Typ von der BILD-Zeitung will die Tage ein Interview mit mir machen.«
Zumindest der zweite Teil stimmt tatsächlich. Den Kontakt zu dem Reporter habe ich über einen Bekannten bekommen, bei dem ich noch etwas guthatte. Doch auch das wird mir von Freddie sogleich madiggemacht.
»Das passt wenigstens mal. Die BILD hat dein Niveau und trifft auch dein Zielpublikum.«
»Ach, komm schon. So etwas haben die bestimmt noch nicht gesehen. Vielleicht gibt's dadurch ein paar Aufträge mehr.«
»Ja, klar. Die Welt wartet auf einen Kunstschwitzer.« Freddie lacht hämisch auf und klatscht sich mit meinem Bruder ab.
Ich drehe mich brüskiert zu Tobi. »Du unterstützt ihn auch noch? Du bist mein Bruder, du solltest zu mir halten!« Doch die beiden kichern unbeirrt wie zwei Grundschüler weiter und prosten sich zu. »Lacht nicht so blöd. Das ist Kunst.«
Freddie verschluckt sich beinahe. »Berti, mal ganz ehrlich … Du beißt in Chilis, schwitzt in vorgefertigte Schablonen und erzählst Leuten, dass das eine Gabe sei. Für mich ist das eher so was wie … wie nennt man das noch gleich? Ach ja, Betrug.«
Entrüstet stelle ich mein Bier vor mir ab. Es geht um meine Berufsehre. »Jetzt mach aber mal einen Punkt. Das … das ist ja schon fast Blasphemie!«
»Blasphemie? Bist du jetzt Gott oder was?«
Ich lehne mich wieder zurück. »Ein wenig.«
»Der Schweißdrüsengott … hahaha. Prost, Berti.«
Mürrisch hebe ich mein Bier, jedoch ohne die Ungläubigen dabei auch nur eines einzigen Blickes zu würdigen.
»Prost.«
»Jedenfalls brauchen wir dringend Kohle.« Freddie schenkt einem fulminanten Rülpser unterhalb des tiefen C die Freiheit. »Sonst werden wir aus der Wohnung geschmissen. Dann war's das mit unserer WG.«
»Du hast ja recht. Aber ich habe auch noch meinen lukrativen zweiten Nebenjob«, verteidige ich mich weiter.
»Du meinst den bei der Gräfin?«
Ich nicke, und Freddie vergräbt sein schnauzbärtiges Gesicht in seinen Händen.
»Ach, Berti, das ist doch nicht dein Ernst, oder?«
»Doch, ist es, und jetzt lasst uns in Ruhe Fußball schauen. Es geht nämlich los. Bin gespannt, ob der Beckenbauer den Völler spielen lässt.«
Freddie lehnt sich wieder zurück und nimmt einen kräftigen Schluck Bier. »Das ist wohl besser, als jetzt auch noch über deinen zweiten bescheuerten Job zu diskutieren.«
* Songvorschlag»I Should Be So Lucky«Kylie Minogue
KAPITEL 3
Samstag, 11. 06. 1988
Bessina von Nimmroth ist nicht tot.
Jedenfalls nicht so richtig.
Sie ist eher so etwas wie ein paranormales Phänomen.
Ein Wesen aus einer anderen Welt.
So wie E.T. Nur dass sie nicht ständig nach Hause telefonieren will. Dafür hat sie aber sauber geschnittene Krallen und einen exzellenten Stammbaum. Bessy, wie sie von ihrem Frauchen genannt wird, ist die Pudeldame von Sophia Gräfin von Berentzen-Schaumburg. Die Greisin trägt nicht nur die identisch hässliche Pudelfrisur wie Bessy, sondern ist ebenso wie die Hundedame adligen Geschlechts und bewohnt die oberste Etage einer herrschaftlichen Villa in einem Nobelviertel Frankfurts.
Meine Familie, die Körners, bewohnt seit zwei Generationen eine Dreizimmerwohnung ein paar Straßen entfernt in einem Viertel, in dem von jeher die Angestellten der Reichen wohnen und die Wege zu ALDI und Currywurstbuden deutlich kürzer sind als die zu Feinkost Werner und den Dreisternerestaurants mit mindestens zwei Accents im Namen. Und da meine Mutter früher der alten Berentzen die herrschaftlichen, aber verstaubten Fenster putzte, fiel mir als Teenager irgendwann das zweifelhafte Vergnügen zu, Bessy Gassi zu führen. Für fünf Mark hob ich als Schüler Pudelkacke auf, um sie in einer Plastiktüte zu verstauen und sie dem Köter eine Dreiviertelstunde lang hinterhertragen zu dürfen. Das Ganze viermal die Woche, was mir immerhin zwanzig Mark einbrachte und mein dürftiges Taschengeld nahezu verdoppelte.
Das ist nun schon einige Jahre her, doch da mein vorbestimmter Weg zu meinem Berufswunsch Astronaut nicht ganz so zielgerichtet verlief, wie ich es geplant hatte, und auch die Zweitoption als Mittelstürmer bei Eintracht Frankfurt unterdessen ins Stocken geriet, führe ich Bessy auch heute noch um den Block. Es hat sich also nicht viel verändert … wenn man mal von der Tatsache absieht, dass der Hund vor drei Jahren verstorben und somit seiner körperlichen Hülle entwichen ist.
Wie ich Bessy dann immer noch Gassi führen kann? Nun ja, da wären wir wieder bei dem paranormalen Phänomen. Die Gräfin ist mittlerweile weit über neunzig und etwas … nennen wir es wunderlich. Darüber hinaus hat ihre Demenz sie schlichtweg vergessen lassen, dass der Hund tot ist, und ich unterstütze die Gräfin, indem ich ebenfalls so tue, als sei alles in bester Ordnung. Damit fährt sie gut, und ihr Leben behält den gewohnten Alltagsrhythmus. Meine Tätigkeit könnte man also auch als eine Art aristokratischen Sozialdienstes verstehen.
Okay, ich gebe zu, dass ich dies nicht ganz uneigennützig mache. Einmal habe ich sogar überlegt, ob ich meine Tätigkeit noch gewinnbringender gestalten könnte, indem ich vorgebe, dass Bessy einen Wurf Welpen geboren habe. Diese müsste ich natürlich ebenfalls Gassi führen, was logischerweise mehr Arbeit machen und dementsprechend auch mehr kosten würde. Mein Gewissen und mein Bruder haben mir diesen Karrieresprung allerdings untersagt, und so führe ich weiterhin viermal wöchentlich lediglich einen imaginären Hund eine Dreiviertelstunde lang um den Block.
Heute ist es wieder so weit. Der offizielle Gassiplan und mein leerer Geldbeutel verdeutlichen mir, dass Bessy dringend eine Runde drehen muss. Keine zwanzig Minuten später stehe ich vor dem herrschaftlichen Anwesen der Gräfin, das die Familie Berentzen-Schaumburg früher allein bewohnte.
Heute beherbergen die altehrwürdigen Mauern drei Parteien: Im Parterre wohnt ein Ehepaar, welches ungefähr in meinem Alter sein dürfte … plus/minus fünfzehn Jahre. Wer will das schon so genau sagen? Diese Erfolgsmenschen sind aufgrund der gerade aufkommenden Fettabsaugungen und Sackfaltenstraffungen altersmäßig genauso schlecht einzuschätzen wie Peter, Bob und Justus von den Drei ???. Er ist jedenfalls Bankkaufmann in höherer Position, sie Porsche-Testfahrerin. Zumindest sehe ich sie ständig in diesem Auto durch die Gegend fahren und monströse Blumenkübel rankarren, aus denen Giraffen trinken könnten und die der Gatte allabendlich in den noch monströseren Garten schleppen darf. Vielleicht ist sie aber auch einfach beinamputiert und kann sich daher gar nicht anders als in diesem Fahrzeug bewegen. Die beiden führen jedenfalls eine sterile Beziehung zwischen Zinsderivaten und Terrakottapflanzkübeln auf Giraffenhalshöhe. Kinder haben sie keine. Das einzig Fruchtbare in dieser Beziehung dürfte wohl der mit Humus angereicherte Mutterboden der protzigen Buchsbaumallee in ihrem Garten sein. Eine gefühlte Milliarde dieser Gewächse ziert nämlich die Terrassenlandschaft des Yuppiepaars.
Im ersten Stock wohnt Herr Barnikov. Ich nenne ihn immer nur ehrfürchtig den »Reaktor«, weil er immer so schön über beide Ohren strahlt. Der Reaktor ist ein stets hervorragend gekleideter Rentner, der früher einmal eines der besten Orchester des Landes am Flügel unterstützte und sein sinnlos gewordenes Leben nun damit garniert, zweimal täglich die Nachbarschaft mit einem Klavierkonzert zu beglücken. Jeden Morgen pünktlich um halb elf und ebenso pünktlich nochmals am Abend um zwanzig Uhr. Aber man lässt ihn. Würde man ihm die schwarzen und weißen Tasten nehmen, nähme man ihm wohl zugleich den letzten Rest Lebensfreude, und sein Strahlen würde in einem fulminanten Super-GAU ersterben.
Im oberen Stockwerk thront schließlich die Eigentümerin des Hauses, Sophia Gräfin von Berentzen-Schaumburg, über allen. Eigentlich lautet ihr vollständiger Name sogar Gräfin von Berentzen-Schaumburg zu Pommern-Wittgenstein. Doch das passte nicht aufs Klingelschild, und so steht lediglich S. Berentzen darauf.
Es ist exakt zehn Uhr. Frau Gräfin schätzt Pünktlichkeit. Ich klingele, und Sekunden später meldet sich die vertraute Stimme mit einem oblatendünnen und lang gezogenen »Jaaaaa?«.
»Ich bin es, Frau Berentzen. Berthold Körner.«
»Ach, der Berti. Komm rauf.«
Eigentlich mag ich es nicht, Berti genannt zu werden. Ich bin schließlich ein erwachsener Mann und keine Figur aus der Sesamstraße. Aber gut, was tut man nicht alles für ein paar Mark Hundeprostitution. Der Türsummer ertönt, und ich drücke die Tür auf. Den nachträglich eingebauten Aufzug ignoriere ich wie immer und rede mir ein, dass das Treppensteigen meine Form von Fitnesstraining wäre. Im Erdgeschoss passiere ich sogleich eine originalverpackte Dekompostierkralle. Im ersten Stock herrscht angenehm musikalische Stille, und im zweiten Stock erwartet mich Frau Berentzen-Schaumburg im Türrahmen stehend und bittet mich herein. Sofort wabert mir aus dem Wohnungsinneren die einzigartige Melange aus Hundefutter und Frau Berentzen-Schaumburgs Lieblingsduft Echt Kölnisch Wasser in die Nase.
»Wie schön, Berti. Bessy ist schon ganz aufgeregt. Sie hat dich schon erwartet. Schau nur, wie sie sich freut.«
»Äh, ja«, stottere ich und bücke mich wie üblich zu dem verwaisten Hundekissen im Korb neben der Wohnungstür. Ich tätschele ins Leere und beginne mit meinem imaginären Begrüßungsritual. »Hallo Bessy. Bist eine Feine … jaaa, eine ganz Feine.«
»Siehst du, Berti, ich hab's dir gesagt. Sie hat dich wirklich ins Herz geschlossen.«
»Ja«, lächle ich, »ich freue mich auch immer wieder.«
»Sie scheint aber ein wenig zu kränkeln. Ihre Schnauze ist momentan etwas kalt.«
Mit dieser Erkenntnis liegt die Gräfin näher an der Wahrheit, als sie ahnt. Bessy verstarb einst ausgerechnet auf einem meiner Spaziergänge. Ich brachte es damals nicht übers Herz, den toten Hund seinem Frauchen zurückzubringen, und so habe ich Bessy einfach mit nach Hause in die WG genommen. Zugegeben, ich habe auch mein Taschengeld verebben sehen. Immerhin habe ich der Gräfin schließlich doch noch von Bessys Ableben berichtet, doch bereits am nächsten Tag rief sie mich wieder an und fragte, wo ich denn bliebe. Bessy warte schon ganz ungeduldig auf mich. So nahm mein Nebenerwerb seinen schicksalhaften Lauf … Jedenfalls hat Bessy seither einen Stammplatz in meiner eigens für sie angeschafften Tiefkühltruhe, wo sie bei exakt achtzehn Grad minus auf ihre Wiederauferstehung wartet.
»Ach, tatsächlich, eine kalte Nase?«, antworte ich der Gräfin.
Frau Berentzen schaut ernsthaft besorgt. »Ja. Haben Sie eine Idee, was man bei einer beginnenden Erkältung machen kann?«
»Na ja, ich esse immer irgendetwas Warmes, eine Hühnerbrühe oder so. Schön heiß. Dann leg ich mich hin, und am nächsten Tag geht's mir schon wieder besser.«
»Gute Idee, etwas Warmes …« Die Augen der Gräfin hellen sich schlagartig auf. »Na, dann werde ich das mal anrichten. Und ihr geht lieber gleich los, sonst wird es dunkel.«
Dunkel? Ich schaue auf die Uhr. Zehn Uhr morgens.
Ich nicke dennoch zustimmend.
»Und vergiss die Leine und die Plastiktütchen für das Kacka nicht. Du weißt, ich mag das nicht, wenn überall die Hinterlassenschaft meines Hundes auf den Wegen herumliegt und die Leute reintreten.«
»Natürlich nicht.«
Die Gräfin reicht mir eine Rolle mit Gefrierbeuteln, in die ich Bessys Fäkalien stets abzufüllen habe. Das ist auch so ein Spleen von ihr. Niemanden sonst interessieren die Hinterlassenschaften seines Hundes, aber Bessys Kacke wird stets ordnungsgemäß auf dem eigenen Komposthaufen hinter dem Haus der Gräfin entsorgt. Eine Art Fäkal-Staatsakt. Ich nehme die Leine sowie ein paar der Beutel und begebe mich mit der imaginären Pudeldame nach unten. Die Sache mit den Plastikbeuteln hat mich anfänglich vor ein echtes Problem gestellt, da so ein toter Hund natürlich auch kein Kacka mehr macht. Andererseits konnte ich ja auch nicht ständig mit leeren Beuteln zurückkommen. Die Gräfin hätte sofort den Tierarzt verständigt und sich um die Verstopfung ihrer Hündin gesorgt. Am Ende hätte der Arzt Frau Berentzen-Schaumburg ins Heim eingewiesen und mir mein Einkommen zerstört. Also musste eine Lösung her. Zu Beginn versuchte ich es mit Choco Crossies und zermanschten Duplos als Kotattrappe. Mit der Zeit perfektionierte ich meine Kunstkacke, und nach ein paar Wochen hatte ich mein Meisterstück gemacht: Zwei angeschmolzene Raider-Riegel mit ein wenig Vollkornmüsli ähneln dem Fäkalauswurf eines ausgewachsenen Pudels auf verblüffende Art und Weise. Man musste schon daran riechen, um den Unterschied herauszufinden. Jedoch stellte sich diese Attrappe zwar als verblüffend echt, aber auch als viel zu kostspielig heraus. Irgendwann kam mir die Idee, einfach die Unachtsamkeit der anderen Hundebesitzer zu nutzen, und ich sammelte von da an deren Exkremente auf. Also, nicht deren eigenen Kot, sondern natürlich den ihrer Hunde. Ab und an fragte ich auch einen Hundebesitzer, ob ich vielleicht den Kot seines Fifis haben dürfte. Meist erntete ich zwar zunächst verständnisloses Kopfschütteln, aber hin und wieder auch ein, zwei brauchbare Köttelchen. Mittlerweile habe ich meine Rundgänge nach denen der Besitzerin eines Collierüden ausgerichtet, die zu identischen Zeiten ihren Hund zur Darmentleerung ausführt. Wir haben ein stillschweigendes Abkommen getroffen. Ihr Border Collie ist sozusagen der Kotlieferant meines Vertrauens. Damit verhelfe ich der Umwelt zu mehr Sauberkeit, bewahre Frau Berentzen vor dem Heim und sichere meinen Job. Allen ist also geholfen.
