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Der Winter ist bereits da und die Ausbildung der Spionage-Kids ist im vollen Gange. Neben spannenden Fächern wie Kryptografie und Abhörtechnik lernen die Kids alle wichtigen Dinge im Unterricht, die ein echter Superagent wissen muss, damit er jeden Schurken schnappen kann. Durch einen neuen Fall erhalten die Nachwuchsspione diesmal wertvolle Einblicke in die Welt der Hacker. Bei einem digitalen Banküberfall wurden vor zwei Jahren zwei Millionen Dollar gestohlen. Das Verbrechen konnte bisher noch nicht von der Polizei gelöst werden. Bennis hervorragende Hackerfähigkeiten bringen die Kids nun auf eine heiße Spur, damit dieser mysteriöse Bankraub noch einmal aufgerollt werden kann. Ob Benni und seine Freunde es auch dieses Mal wieder schaffen werden, den Dieb zu finden und einen wirklich mysteriösen Fall aufzudecken?
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Adam Helm
Spionage Kids
Impressum
1. Auflage
Copyright © 2022 – Adam Helm
Alle Rechte vorbehalten.
Coverdesign & Buchlayout: BookDesigns, www.bookdesigns.de
Illustration Cover: Yuna, The Wolf Studio und Logo designed by macrovector / Freepik
Verlag: Adam Helm c/o Zeuner Publishing, Inh. J. Zeuner, Zum Badestrand 2b, 15754 Heidesee OT Prieros
Vertrieb: Tolino Media
ISBN eBook: 9783759286475
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung. Der herausgebende Verlag, Autor und in Verbindung stehende Dritte sind für individuelle Entscheidungen nicht verantwortlich und in keiner Weise für dem Buch entnommene und befolgte Informationen haftbar.
1. Der Flyer
2. Der Hacking Contest
3. Ein neuer Fall
4. Der Gastlehrer
5. Die Beschattung
6. Der Besuch
7. Die geheimnisvolle E-Mail
8. Unter Verdacht
9. Eine heiße Spur
10. Der Dieb
***
Rätselkrimi für Geheimagenten
Der Winter hat Einzug gehalten und die Kids der Sonderklasse stecken mitten in ihrer Geheimagentenausbildung. An diesem verschneiten Wintertag sitzen Benni und Adam mal wieder in Bennis Zimmer vor dem Computer und tüfteln angestrengt an der Programmierung ihres Spiels „Mission Superschurke“. Schon seit Wochen sind sie dabei, das Spiel perfekt zu machen und Adam möchte noch einige besondere Effekte in das Spiel einbauen. Benni lässt sein Superhirn arbeiten und überlegt sich ebenfalls „SpecialEffects“, mit denen er die Animationen der Spielfiguren noch aufregender gestalten könnte.
„Das muss richtig echt aussehen, als ob dir die Figuren entgegenspringen!“, sagt Adam und gibt Benni Tipps, wie er die Animationen aussehen lassen soll.
„Das weiß ich selbst, quatsch mir nicht ständig rein. Sieh du lieber zu, dass die Laser und der Powerregen mit den Paintballs voll krass wirken! Die müssen über den ganzen Bildschirm springen, so dass man beim Spielen genau aufpassen muss, wo sich der Gegner versteckt hält. Das erschwert die Sicht und muss von Level zu Level komplizierter werden“, gibt Benni zurück und verdreht genervt die Augen.
„Jaja, bin ja schon dabei. Lass mal noch einen Hot Dog und Chips rüberwachsen, mit knurrendem Magen lässt es sich schlecht denken.“ Adam mag die Bevormundung von Benni nicht und schnappt sich eine zweite Portion von seiner Leibspeise: Hot Dogs und Käsechips.
„Gute Idee, davon könnte ich auch noch etwas vertragen“, stimmt Benni zu und sie teilen die Reste untereinander auf.
Plötzlich klopft es stürmisch an der Tür und Emilia braust herein, mit einem bunten Flyer in der Hand, mit dem sie wild durch die Luft wedelt. Aufgeregt hält sie das Blatt Papier hoch: „Hacking Contest – bist du der nächste Profihacker?“, steht in großen Buchstaben darauf geschrieben.
„Seht mal her, ich habe hier was für euch. Dieser Flyer lag im Café, wo ich gerade mit meinen Mädels war. Als ich den sah, musste ich sofort an euch denken und habe ihn mitgenommen. An dieser Hacker-Schule, nur etwa 30 km von hier entfernt, findet ein Wettbewerb statt und ich denke, ihr beide habt gute Chancen, dort ganz vorn mitzumischen!“, stolz präsentiert Emilia ihre Idee den zwei Freunden.
Adam und Benni kauen noch und schauen sich neugierig den Flyer an. Benni schluckt hastig seinen letzten Bissen des Hot Dogs herunter und sagt dann: „Hacking Contest? Ich? Was soll ich denn dort? Hast du eine Ahnung, was da für Typen aufkreuzen? Gegen die habe ich keine Chance, so gut bin ich nun wirklich nicht!“, er schüttelt den Kopf und winkt sofort ab.
„Stimmt doch gar nicht, warum denkst du sowas? Du bist mit Abstand der fitteste Hacker, den ich kenne und außerdem hast du echt was auf dem Kasten, glaub mir. Emilia hat vollkommen Recht, deine Chancen stehen gar nicht so schlecht, dass du bei diesem Contest unter den Besten sein kannst, vielleicht sogar der Gewinner?! Ich bin bestimmt nicht so fit im Programmieren wie du und würde trotzdem teilnehmen. Schon allein nur deshalb, um sowas mitzuerleben und andere Hacker kennenzulernen!“ Adam ist begeistert von der Idee und will Benni auch davon überzeugen.
Bennis Zweifel an sich selbst kommen nicht aus heiterem Himmel. Er ist zwar in einem behüteten Zuhause aufgewachsen, aber für seine Interessen im Computerbereich hat sich noch nie jemand interessiert. Seine Eltern konnten nie etwas damit anfangen. „Alles nur Unfug, dieses Gezocke bringt dich in der Zukunft nicht weiter!“, predigten sie immer wieder, wenn Benni an seinem Laptop Videospiele gespielt hat. Seine kleinere Schwester, die vier Jahre jünger ist als er, versteht davon sowieso nichts. Dass er besondere Fähigkeiten besitzt, nicht nur zum Spielen, sondern auch zum Programmieren, Systemerstellen und Hacken, ist lange Zeit keinem aus seiner Familie aufgefallen und hat auch nie Anerkennung oder Aufmerksamkeit bekommen.
Der Einzige, dem diese Begabung im Laufe der Zeit aufgefallen ist, ist Bennis Onkel. Er verbringt oft Zeit mit seinem Neffen und gab seinem Bruder schließlich den Rat, seinen Sohn mehr zu beobachten und darauf zu achten, wie er sich auf dem Gebiet des Computerbereiches entwickelt. Bennis Onkel bemerkte schnell, dass Bennis Spitzfindigkeit und die Gabe, aus vielen Einzelteilen blitzschnell ein klares Bild zu kombinieren, etwas Besonderes in seinem Alter ist. Da er aber weiß, dass weder sein Bruder noch sonst irgendjemand aus der Familie, eine Ahnung von Computern hat, war ihm klar, dass er unbedingt einen Hinweis geben muss, damit Benni die entsprechende Aufmerksamkeit seiner Eltern erhält.
Als Bennis Eltern, dank seines Onkels, glücklicherweise endlich irgendwann bemerkten, dass er sich immer mehr Kenntnisse und ein großes Wissen in diesem Bereich selbst angeeignet und daraus sogar eigene Spiele oder Websites für Freunde erstellt hat, haben sie erkannt, dass diese Fähigkeiten gefördert werden müssen.
So kam es, dass Bennis Onkel seinen Eltern von der Euclid Akademie erzählte. Er erklärte ihnen, dass dort die spezielle wissenschaftliche und technische Ausbildung im Vordergrund steht. Von der Geheimagentenausbildung wussten sie damals noch nichts. Bennis Onkel kennt den Professor der Schule, da sie früher zusammen im Sportverein Fußball gespielt haben und so hat Bennis Onkel kurzerhand, in einem Telefonat mit seinem alten Freund, einen Termin für Bennis Eltern organisiert. Er lobte dabei seinen Neffen in den höchsten Tönen, was sofort das Interesse des Professors weckte, den Jungen und seine Eltern unbedingt kennenlernen zu wollen. Nur wenige Tage später besuchten Bennis Eltern die Euclid Akademie und den Professor. Bereits bei dem ersten Gespräch mit Professor Kingfeld, wurde auch diesem schnell klar, dass Benni unbedingt ein Kandidat für seine nächste Sonderklasse ist und er ihn auf jeden Fall dabei haben möchte. Er weihte Bennis Eltern in die Geheimagentenausbildung ein und erklärte, was es damit auf sich hat und wie die Kids dort zusätzlich zum Spion ausgebildet werden.
„In dieser Ausbildung sind die schlauesten Köpfe gefragt, mit den besten Kenntnissen in allen möglichen Bereichen! Ein Top-Agent muss heutzutage auch im digitalen Bereich fit sein. Ihr Sohn scheint demnach ein perfekter Kandidat für meine Sonderklasse zu sein!“, stellte der Professor direkt nach der Unterhaltung fest. „Sie müssen ihn auf jeden Fall an unserer Schule anmelden, genau solche Nachwuchsagenten brauchen wir!“, drängte er Bennis Eltern und wollte sie von der Ausbildung überzeugen.
Bennis Eltern waren beeindruckt von der Idee und brauchten nicht lange Zeit zum Nachdenken, um ihren Sohn für diese besondere Ausbildung anzumelden.
„Ich darf Geheimagent werden? So richtig, wie James Bond? Ich werd verrückt, das wäre der Wahnsinn! Unfassbar, dass ich dafür in Frage komme, von sowas habe ich schon immer geträumt!“ Bennis Reaktion, als seine Eltern ihm die Neuigkeiten der Geheimagentenausbildung mitgeteilt haben, war überwältigend. Er konnte es kaum glauben, dass es so etwas gibt und ausgerechnet er daran teilnehmen darf.
Trotz der ersten erfolgreichen Zeit im Internat und an der Schule, fällt es Benni immer noch schwer, an sich selbst zu glauben und zu seinen Begabungen zu stehen. Die Ausbildung ist nicht leicht und er muss wie alle anderen viel lernen, um mithalten zu können. Aus diesem Grund zweifelt er, als Emilia den Flyer vom Hacker-Wettbewerb mitbringt, denn er will sich eigentlich nicht noch mehr Arbeit aufhalsen.
„Komm schon, lass uns dort mitmachen, das wird bestimmt cool! Wir haben schon so viel zusammen an Spielen und Programmen getüftelt, bei so einem Contest können wir mit Sicherheit mithalten! Du hast es echt drauf, vertrau uns! Emilia hat eine gute Spürnase und dieser Contest ist eine gute Gelegenheit, allen zu zeigen, was du kannst. Wir müssen uns anmelden, unbedingt!“ Adam will Benni noch immer überzeugen, bei diesem Wettbewerb mitzumachen.
„Ganz genau, so sehe ich das auch! Ihr zwei habt wirklich ein großes Talent, ihr hättet garantiert gute Gewinnchancen. Ich jedenfalls glaube an euch und bin gerne bereit, euch dorthin zu begleiten. Sowas lasse ich mir nicht entgehen, keine Frage! Die anderen können einpacken, wenn ihr loslegt.“ Emilia zwinkert ihren Freunden aufmunternd zu.
Benni überlegt und liest sich den Flyer zum dritten Mal ganz genau durch.
„Also gut, wenn ihr meint. Wir melden uns an und wir fahren zusammen dorthin“, beschließt er und loggt sich im nächsten Moment im Internet auf der Homepage der Hacker-Schule ein.
„Großartig, das ist der Benni, den wir kennen! Das wird ein Mega-Event. Auf diesen Contests trifft man die verrücktesten Leute. Bestimmt kann man dort gute Kontakte knüpfen, die uns noch hilfreich sein können, später bei irgendwelchen Fallermittlungen. Ihr wisst ja, je mehr Menschen man aus den unterschiedlichsten Branchen kennt, umso besser!“ Adam sieht sich in Gedanken schon mit den berühmtesten Fachleuten fachsimpeln und Daten austauschen.
„Lasst uns doch erstmal sehen, wie das Ganze abläuft und was diese Hacker-Schule überhaupt so zu bieten hat“, beruhigt Benni seinen aufgeregten Freund und die Website öffnet sich. Alle Drei schauen sich die Homepage gespannt an.
Adam liest den Text, was es mit so einem Hacker Contest auf sich hat, laut vor:
„Bei den Hacker-Wettbewerben an unserer Hacker School treten die besten, jungen Nachwuchs-Hacker an. Hierbei müsst ihr Aufgaben oder auch bestimmte Abfolgen von unterschiedlichen Aufgaben aus dem Bereich des Hackens lösen. Es werden unter anderem die Themenbereiche Logik, Kryptographie, Mathematik und auch Programmieren angesprochen. Diese Fähigkeiten sind wichtig, um später als professioneller Hacker tätig sein zu können. Es geht hauptsächlich darum, Nachwuchs für unsere Computer- und Systemsicherheit zu finden, die sich immer rasanter und komplizierter entwickelt. Nur wer sich unter den Besten behaupten kann, hat Chancen, sich für so einen Posten zu qualifizieren und ausbilden lassen zu können. Der Gewinner unserer Challenge wird ein Preisgeld erhalten, eine Urkunde und ein kostenloses, dreimonatiges Training an unserer ausgezeichneten Hacker School, mit drei Kursen zur freien Auswahl. Platz zwei und drei dürfen ebenfalls eine Urkunde entgegennehmen und an einem Onlinekurs unserer Schule teilnehmen. Die Preise sind also nicht zu verachten und es zahlt sich wirklich aus, hier sein Können zu zeigen!“
Sie staunen nicht schlecht und sind beeindruckt, was diese Hacker-Schule alles für Kurse und Lehrgänge anbietet. Nicht nur Anfänger, auch Fortgeschrittene können sich hier weiterentwickeln und ihre Fähigkeiten ausbauen. Es besteht sogar die Möglichkeit, die eigene Schule dort anzumelden und von einem Gastlehrer Besuch zu bekommen, der dann einen Kurs an der eigenen Schule veranstalten würde.
„Klingt ja echt stark, diese Hacker School. Also bringt so ein Hacker Contest nicht nur den Spaß für die Hacker, sondern auch noch einen richtigen Nutzen, wenn sich dabei die neuen Nachwuchs-Hacker herausbilden, die später gute Arbeit leisten sollen. Damit wird wenigstens mal ein gutes Licht auf die Hacker geworfen und nicht immer nur von der negativen Seite betrachtet“. Bennis Neugier ist geweckt und er ist sich seiner Entscheidung, an diesem Wettbewerb teilzunehmen, nun sicher.
Die drei Freunde füllen gemeinsam die Anmeldeformulare aus und nur fünf Minuten später ist auch schon alles abgeschickt.
„Fantastisch, das wird der Hammer! Ich bin gespannt, was für andere coole Hacker wir dort treffen werden und auch wir können bestimmt den ein oder anderen zum Staunen bringen.“ Adam freut sich und klopft seinem Kumpel auf die Schulter.
„Wir werden sehen. Es klingt auf jeden Fall richtig cool, das wird ein großes Erlebnis. Ein Platz unter den ersten Fünf wäre schon super.“ Bennis Kampfgeist ist geweckt und er freut sich ebenso. „Die ersten Fünf? Ihr seid doch besser! Top drei oder am besten noch: PLATZ 1!“ Emilia stupst Benni an und sie lachen alle drei kurz auf.
Es ist so weit. Nur eine Woche, nachdem sich Benni und Adam bei dem Hacking-Wettbewerb angemeldet haben, geht es auch schon los. Die drei Freunde starten mit Sack und Pack zur Hacker-Schule, mit dem Zug, etwa 30 km Richtung Süden.
„Mann, bin ich aufgeregt, bei so einem Event wollte ich schon immer dabei sein!“, schwärmt Adam im Zug und rutscht dabei nervös auf seinem Sitz herum.
„Die Schule ist wohl ziemlich groß, da werden sich einige Leute tummeln, ich bin auch gespannt!“, stimmt Emilia voller Vorfreude zu.
„Ich bin echt auf die Aufgaben gespannt, die wir lösen müssen und wie die anderen Hacker so drauf sind. Schon allein die ganze Technik und IT-Ausrüstung, die es an dieser Hacking School gibt, müssen der Hammer sein.“ Auch Benni macht sich seine Gedanken, was wohl auf die Kids zukommen wird.
Die Zugfahrt verläuft ohne Probleme und die Nachwuchsagenten kommen planmäßig am Bahnhof an, von wo aus sie direkt mit der Straßenbahn weiterfahren können. Es gibt sogar eine eigene Haltestelle für dieses Institut. Das Gelände ist so groß, dass die Angestellten und Schüler mit E-Rollern auf dem Campus unterwegs sind, um schneller von A nach B zu kommen.
Mit einem Gebäude- und Campusplan in der Hand, führt Adam seine Freunde an. „Wir müssen hier entlang, Eingang A, im Haus 9“, liest er vom Lageplan ab und sie laufen zielgerichtet los.
Eine große Menschenmenge läuft in die gleiche Richtung, sodass sie den Plan eigentlich gar nicht mehr brauchen, sondern einfach der Masse hinterlaufen müssen. Alle Leute sammeln sich vor dem Eingang des Hauses 9 und melden sich der Reihe nach am Empfang an. Jeder Teilnehmer bekommt ein Namensschild und ein Armband, womit er sich frei auf dem Gelände bewegen kann. Außerdem erhält jeder eine Nummer und die Bezeichnung des Raumes, in dem sie sich einfinden müssen.
„Ich bin im Raum 207 und habe die Nummer 8, was steht bei dir, Benni?“ Adam guckt neugierig auf den kleinen weißen Zettel, den sein Kumpel in der Hand hält.
„Raum 208, Nummer 4“, gibt Benni kurz zurück und ist ein wenig enttäuscht, dass er nicht mit Adam zusammen im gleichen Zimmer ist.
„Ihr werdet euch bestimmt irgendwann wieder im selben Raum begegnen, wenn die erste Runde vorbei ist und die ersten Kandidaten ausgeschieden sind. Schaut mal, auf dem Ablaufplan steht, dass die Endrunde dann im Raum 210 stattfinden wird. Ihr seid mit Sicherheit nur am Anfang aufgeteilt, weil es platzmäßig nicht anders funktioniert.“ Emilia will Benni die Enttäuschung nehmen und zeigt den Jungs noch einmal den Ablaufplan, wie der Contest aufgeteilt ist.
Adam nickt und schaut sich alles ebenfalls noch einmal genau an. „Emilia hat Recht. Für die ersten beiden Runden sind wir aufgeteilt, danach geht es in die finale Entscheidung, bei der sich der Beste unter den letzten drei Hackern behaupten muss.“ Konzentriert studiert Adam den vorgegebenen Zeitplan.
„Allzu viel Zeit haben wir in den einzelnen Runden nicht. Die Aufgaben müssen relativ schnell gelöst werden, eine echte Herausforderung. Nicht wie zu Hause, wo wir stundenlang probieren und rätseln können“, stellt er fest und hat dabei einen ernsten Gesichtsausdruck.
„Hab ich doch gesagt, das ist kein Kindergartenprogramm hier. Richtige Hacker müssen nicht nur schlau sein, sondern auch schnell. Da wird man echt herausgefordert und muss Höchstleistungen sowie absolute Konzentration zeigen!“ Benni wusste, dass dieser Contest kein Spaziergang wird.
Plötzlich sehen sie einen etwas größeren Jungen auf sich zukommen. Er hat eine stramme Statur, dunkle, kurze Haare und einen entschlossenen Gesichtsausdruck. In seinen Augen kann man eine gewisse Überheblichkeit erkennen, als ob er sich den anderen überlegen fühlte. Mit großen Schritten läuft er den drei Freunden direkt entgegen und legt ein schmieriges Grinsen auf.
„Was ist das denn für ein schleimiger Typ?“, bemerkt Emilia und zieht dabei ihre Stirn in Falten.
„Der sieht schon von Weitem aus, als hätte er die Weisheit mit Löffeln gegessen. Hoffentlich macht der einen Bogen um uns, ich rieche schon von der Entfernung, dass er nicht zu uns passt.“ Auch Adam ist nicht gerade begeistert von dem Auftreten dieses Jungen.
„Wartet doch erstmal ab. Er macht zwar nicht unbedingt den besten Eindruck, aber manchmal kann der Schein auch trügen und er ist vielleicht gar nicht so übel, wie wir denken.“ Benni versucht nicht gleich von Anfang an mit Vorurteilen behaftet zu sein.
„Hallo, ich bin Jonathan. Ich gehe seit zwei Jahren auf die International Celsius School, ungefähr 30 km von hier entfernt. Ihr seht aus, als ob ihr auch von irgendeiner besonderen Schule kommt, liege ich richtig?“ Neugierig und mit einem etwas angeberischen Tonfall schaut der Junge die drei Freunde fragend an.
„Hey, ich bin Benni und das sind meine Freunde, Emilia und Adam. Du hast Recht, wir gehen auch auf eine speziellere Schule. Auf die Euclid Akademie, um genau zu sein. Das ist auch etwa 30 km von hier entfernt. Kennst du diese Schule?“ Benni versucht mit dem Jungen ins Gespräch zu kommen.
„Ja, die Euclid Akademie ist mir bekannt, auch keine schlechte Einrichtung, wie ich gehört habe. Dort wird wohl auch viel auf den Schwerpunkt Physik und Mathematik gelegt, ähnlich wie an der International Celsius School. Nehmt ihr alle Drei an dem Contest hier teil?“ Jonathan stellt weiterhin Fragen, um mehr über die Kids zu erfahren.
„Nein, nur meine beiden Freunde hier, ich bin stiller Begleiter“, antwortet Emilia schnell und versucht, den Typen abzuwimmeln, der ihr ziemlich unsympathisch ist.
„Dachte ich mir schon. Weibliche Hacker gibt es nicht allzu oft, da liegen die Interessen meistens weit auseinander. Aber ihr zwei nehmt teil?“ Mit hochgezogenen Augenbrauen schaut er zu Adam.
„Ja, wir wollen es beide versuchen, gegen die besten Hacker anzutreten. Bist du allein hier oder hast du auch Freunde mitgebracht?“ Adam sieht an dem Jungen vorbei, als ob er sowieso nicht daran glaubt, dass er echte Freunde hat und in Begleitung zu dem Contest gefahren ist.
„Nein, ich bin allein hierhergekommen. Ich weiß, was ich kann und brauche niemanden, der mir Händchen hält.“ Mit dieser Aussage dreht Jonathan sich weg und schaut sich im Raum um. „Ich muss auch erstmal weiter, wir sehen uns sicher später noch einmal. Ich bin im Zimmer 208 und habe die Nummer 3, wo seid ihr?“, fragt er noch kurz, bevor er weitergehen will.
„Ich bin im gleichen Zimmer, mit der Nummer 4. Adam ist im Raum 207 und hat die Nummer 8. Ich schätze, wir treffen uns dann gleich wieder, bis später!“, verabschiedet sich Benni, damit dieser eingebildete Junge endlich weiterziehen kann.
Ein lautes Klingeln ertönt im gesamten Gebäude, alle Teilnehmer werden per Lautsprecher gebeten, sich in ihren Räumen einzufinden, wo sie sich auf die Plätze mit ihrer zugeordneten Nummer setzen sollen. Benni und Adam klatschen sich noch kurz ab und wünschen sich viel Glück, bevor jeder in seinem Zimmer verschwindet. Emilia geht derweil in den Wartebereich, wo für die Gäste Tische und Getränke bereitgestellt sind.
Nach etwa einer Stunde ist die erste Runde geschafft und die Jungs kommen aus den Zimmern heraus, mit einem Lächeln im Gesicht.
„Wie ist es gelaufen?“, fragt Emilia sofort ihre beiden Freunde.
„Hätte nicht besser laufen können, eine Runde weiter!“, verkündet Adam stolz.
Auch Benni grinst wie ein Honigkuchenpferd: „Bei mir genauso. War zwar nicht ganz so einfach, aber machbar“.
Jeder Teilnehmer, der weitergekommen ist, darf sich nun im Zimmer 210 einfinden und dort Platz nehmen. Es sind nur insgesamt 10 Hacker, von ursprünglich 25, die es weiter geschafft haben. Auch Jonathan ist dabei, der mit einem wachen Blick die eintretenden Kandidaten beobachtet, gegen die er sich nun in den letzten Runden behaupten muss.
Als er Benni und Adam hereinkommen sieht, winkt er ihnen zu und legt dabei wieder dieses selbstgefällige Grinsen auf. Anstandshalber winken die beiden Jungs zurück und setzen sich auf ihre Stühle, die direkt nebeneinander stehen.
„Der Kerl ist mir irgendwie unheimlich, als ob er etwas im Schilde führt“, flüstert Adam Benni leise zu, der sich mit einem Ohr zu ihm herüber beugt.
„Ganz unschuldig kommt der mir auch nicht vor, aber was will er uns schon anhaben? Wir machen einfach unser Ding und der soll seins machen.“ Benni will keine miese Stimmung verbreiten und wimmelt Adam damit ab.
Die Challenge geht weiter, die nächsten Aufgaben haben es nun wirklich in sich. Den Teilnehmern qualmen die Köpfe, jeder hat zu knobeln und muss zusehen, alles in der vorgegebenen Zeit zu schaffen. Nach der zweiten Aufgabe muss Adam sich leider geschlagen geben und verlässt stillschweigend den Raum. Die anderen, die ihre Aufgaben lösen, bleiben sitzen und arbeiten hochkonzentriert weiter.
Benni wird kurzzeitig ein wenig unsicher als er bemerkt, dass sein Freund nicht weitergekommen ist. Er versucht aber, sich schnell wieder zu fangen und nicht ablenken zu lassen.
Nach einer weiteren halben Stunde sitzen nur noch er, Jonathan und ein weiterer Hacker, welcher ungefähr zwei Jahre älter ist, in diesem Raum. „Mist, verdammt!“, hört er den anderen Jungen hinter sich fluchen, der wütend und enttäuscht seinen Stuhl zurückschiebt und mit einem lauten Türknall den Raum verlässt.
„Endspurt, Jungs. Das Finale hat begonnen, ihr seid die letzten beiden Teilnehmer, die es so weit geschafft haben. Nun zählen die letzten fünf Minuten, in denen ihr euer Bestes geben müsst!“, motiviert der junge Mann, der an der Hacker School Lehrer zu sein scheint und diese Challenge leitet, die zwei Finalisten. „TIME OUT!“, ruft er laut, als die Zeit vorüber ist.
Jonathan drückt mit einem lauten „YEAH, geschafft!“, die Entertaste und Benni blickt nach unten: „Mist, zu langsam, nicht geschafft.“ Er schüttelt enttäuscht den Kopf und drückt ebenfalls auf „Enter“, um die Aufgabe zu beenden.
„Super gemacht Jungs, ihr könnt stolz auf euch sein. So weit zu kommen, in eurem Alter, ist keine Selbstverständlichkeit. Ihr habt die Aufgaben mit Bravour gemeistert, alle beide. Jonathan, du warst ein bisschen schneller und konntest alles zu Ende bringen, herzlichen Glückwunsch! Benni, bei dir haben nur wenige Schritte gefehlt, bis auch du die Aufgabe geknackt hättest. Lass den Kopf nicht hängen, du hast genauso gezeigt, dass aus dir ein Hacker der Spitzenklasse werden kann!“, lobt der Lehrer die beiden und schüttelt ihnen zur Gratulation die Hand.
Als sie den Raum verlassen, werden sie von den Gästen und anderen Teilnehmern mit Applaus im Flur entgegengenommen. Jeder erhält seinen Preis und wird beglückwünscht. Danach gehen sie noch gemeinsam in die Cafeteria des Campus, um zum Abschluss mit einer kalten Cola anzustoßen.
„Auf euch und euren Erfolg, bei diesem Hacker Contest dabei gewesen zu sein und sogar Platz ZWEI belegt zu haben!“ Emilia hält stolz ihr Glas in die Luft und will mit ihren Freunden anstoßen. Plötzlich kommt Jonathan um die Ecke und sieht die Drei, auf die er sofort zuläuft und sich ungefragt dazugesellt.
„Ich feier gerne mit euch, auf uns!“, gibt er selbstsicher hervor und hält sein Glas in die Runde. Benni, Adam und Emilia sehen sich kurz etwas verunsichert an und Benni lenkt schließlich ein. „Auf uns, herzlichen Glückwunsch zum ersten Platz, du bist echt gut!“, beglückwünscht er seinen Konkurrenten und stößt mit ihm auf ihren Sieg an.
„Wo und von wem hast du eigentlich so gut das Hacken gelernt? Es waren ja doch einige Kniffs dabei, die man beherrschen muss, um die Aufgaben lösen zu können. Bei dir sah es so aus, als müsstest du überhaupt nicht nachdenken und alles läuft von selbst.“ Benni ist neugierig und will wissen, woher Jonathan diese ganzen Tricks und das Wissen hat.
„Ach naja, weißt du, mein großer Bruder ist ein ziemlicher Nerd. Er hat schon immer gerne gezockt und sich für dieses ganze Computerzeug und den digitalen Kram interessiert. Ich fand das auch schon immer ziemlich spannend und habe oft zugesehen, wenn er seine Spiele gespielt hat. Allerdings hatte er früher einen guten Freund, der immer bei uns zu Besuch war. Der hatte es noch viel mehr drauf und selbst die krassesten Spiele programmiert, die wir dann sogar zu dritt spielen konnten. Obwohl sie zehn Jahre älter sind als ich, haben sie mich mitmachen lassen, was ich total super fand. Der Typ war richtig fit und konnte jede Datenbank hacken, die er wollte.
Selbst die geheimsten Daten der Schule und der Behörde, bei der er mal ein Visum für einen Auslandsaufenthalt beantragen musste, hat er problemlos hacken können. Einmal hat er es sogar geschafft, sich Zugriff zu den Daten einer Bank zu verschaffen und konnte damit zwei Millionen Dollar auf sein Konto fließen lassen, ohne dass bis heute jemand dahinter gekommen ist, wer es war.“ Jonathan erzählt den Freunden, wie der Kumpel seines Bruders offensichtlich schon ein paar illegale Dinge getrieben hat, indem er fremde Dateien gehackt und sich daraus einen Nutzen geschaffen hat.
„Das sind aber echt ziemlich krasse Verbrechen, die der Kerl da vorzuweisen hat. Findest du das etwa gut, wenn er so betrügt und sich strafbar macht?“ Adam ist fassungslos, wie der Junge noch damit angeben kann, dass der Freund seines Bruders so ein Betrüger ist.
Auch Benni wird hellhörig und verspürt sogleich wieder diesen Gerechtigkeitssinn, den Verbrecher zu entlarven und seine Tat ans Tageslicht zu bringen. Mit ein paar weiteren Fragen versucht er mehr über diesen mysteriösen Freund herauszufinden, um ein paar Ermittlungen gegen ihn einzuleiten: „Wie lange ist denn diese Geschichte mit dem Banküberfall her? Was treibt der Typ denn heute eigentlich? Was ist mit dem ganzen Geld passiert, was er der Bank gestohlen hat?“
Jonathan weiß gar nicht, auf was und wem er zuerst antworten soll. „Also heute ist er, so viel ich weiß, ein ziemlich angesehener Spezialist für IT-Programmierung und Systementwicklung in einem bekannten Großunternehmen. Er leitet dort wohl eine ganze Abteilung und hat es weit gebracht. Neulich habe ich auch einen Artikel gelesen, in dem sein Erfolg kurz beschrieben wurde. Diese Sache mit der Bank ist vielleicht so ungefähr zwei bis drei Jahre her, bin mir nicht ganz sicher. Was mit dem Geld passiert ist, weiß ich natürlich nicht. Und gut finde ich es auch nicht, wenn jemand betrügt, aber ich sag es mal so: Wenn er sich durch seine Intelligenz einen Vorteil verschaffen kann, warum soll er das nicht auch nutzen, wenn die anderen nicht schlau genug sind dahinterzukommen?!“ Eingebildet zuckt Jonathan mit den Schultern und bemerkt gleichzeitig, dass die Freunde ihn aushorchen wollen.
Er will nicht zu viel verraten und spürt, dass er wohl schon viel zu viele Geheimnisse preisgegeben hat, die er lieber für sich behalten hätte. Da er aber ansonsten keine Freunde hat und schwer Anschluss findet, wollte er die Kids mit irgendetwas beeindrucken und hat diese Dinge erzählt, um auf sich aufmerksam zu machen und damit das Interesse der anderen zu wecken, ihn besser kennenlernen zu wollen. „Naja, ich muss nun auch weiter. Der Contest war echt spitze, ich werde mich noch ein wenig umsehen, bevor ich nach Hause fahre. Einen guten Heimweg euch und vielleicht sieht man sich ja mal wieder. Ich kann euch ja auch einfach meine Handynummer geben und wir bleiben in Kontakt? So können wir mal ein Treffen vereinbaren, wo wir uns wiedersehen und vielleicht ein paar Hacker-Tricks austauschen können?“ Fragend schaut er die drei Kids an, in der Hoffnung, dass sie trotzdem mit ihm in Kontakt bleiben wollen und er dadurch neue Freunde findet.
„Ja, na klar, das können wir gerne machen. Ich speichere mir deine Nummer ein und dann hören wir bestimmt bald voneinander.“ Benni zückt sein Handy und tippt Jonathans Nummer schnell ein.
„Viel Spaß noch! Unser Zug kommt dann auch bald, wir müssen leider in ein paar Minuten aufbrechen. Wir sehen uns bestimmt irgendwo mal wieder, spätestens beim nächsten Hacker Contest!“, verabschiedet sich Benni und winkt noch hinterher.
„Man, das war ja echt 'ne interessante Geschichte, die Jonathan da erzählt hat.