Stillen neu entdeckt. - Chantal Schlatter - E-Book

Stillen neu entdeckt. E-Book

Chantal Schlatter

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Beschreibung

Muttermilch ist das Beste für das Baby. Aber was macht Muttermilch zu etwas Besonderem? Wie wird die Gesundheit und die Entwicklung des Kindes durch das Stillen beeinflusst und was sagt die Wissenschaft zu diesem Thema? Erfahren Sie, weshalb das Stillen sowohl Ihrem Baby als auch Ihnen selbst entscheidende gesundheitliche Vorteile verschafft, die weit über die Stillzeit hinausreichen. Wie wird die Milch in der Brust gebildet, wie die Menge der Milch reguliert? Sie lernen, wie Sie immer ausreichend Milch haben werden, und finden Rat zu den häufigsten Stillproblemen, zur Verhütung während der Stillzeit, zum Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch. Informieren Sie sich darüber, welche Rechte stillenden Müttern bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz zustehen, wie Medikamente in die Muttermilch gelangen und unter welchen Bedingungen eine medizinische Therapie mit dem Stillen vereinbar ist. Dieses Buch über das Stillen vermittelt Ihnen aktuelle Erkenntnisse aus der Wissenschaft und gibt Ihnen wertvolle Tipps für eine erfolgreiche und beglückende Stillzeit. Mit Online-Stillberatung! Die Autorin, Dr. pharm. Chantal Schlatter (geb. 1975 in Basel), studierte an der Universität Basel Pharmazie. Als Apothekerin sammelte sie zunächst praktische Erfahrungen, bevor sie wieder an die Universität zurückkehrte, um zu promovieren. Mit ihrer zusätzlichen Ausbildung zur Fachjournalistin kann sie ihre beiden grossen Leidenschaften - die Wissenschaft und das Schreiben - verbinden. Als Mutter von sechs Kindern verfügt die Autorin neben ihrem fachlichen Wissen über praktische Erfahrungen, um ihren Leserinnen und Lesern wertvolle Antworten auf häufig gestellte Fragen geben zu können. Die Journalistin und Redaktorin veröffentlichte bereits zahlreiche Artikel bei renommierten Gesundheitszeitschriften.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Wir müssen unsere Babys so nähren, dass sie wirklich satt werden, innen wie aussen.

Frédérick Leboyer

Dr. pharm. Chantal Schlatter

Stillen neu entdeckt.

→ Fakten aus der Wissenschaft

→ Tipps für die Praxis

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© 2012 Chantal Schlatter

Autorin: Chantal Schlatter

Umschlaggestaltung: Astrid Oedekoven

Illustrationen: Jasmin Viertl

Lektorat, Korrektorat: Dr. Kristin Heinze

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN: 978-3-8491-1755-9

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhaltsverzeichnis

Worum es geht …

Teil I – Was sagt die Wissenschaft?

Wie entwickelt sich die Brust?

Auch die Brust ist ein wenig „schwanger“

Nach dem Abstillen

Was setzt die Milchbildung in Gang?

Was hält die Milchbildung aufrecht?

Wie wird die Milchmenge reguliert?

Prolaktin für die Herstellung

Oxytocin für die Lieferung

Die Regulation der Milchmenge

Vormilch

Übergangsmilch

Frauenmilch

Vorder- und Hintermilch

Leicht verdaulich

Welche Inhaltsstoffe enthält die Muttermilch?

Wachstumspromotoren

Lactoferrin

Lysozym

Antikörper

Oligosaccharide, gezuckerte Proteine und Fette

Weisse Blutkörperchen

Hormone, Wachstumsfaktoren, Zytokine

Warum ist Stillen so wertvoll?

Stillen & Wachstum

Stillen & Intellektuelle Entwicklung

Stillen & Seelische Entwicklung

Stillen & Infektionskrankheiten

Stillen & HIV (AIDS)

Stillen & Epilepsie

Stillen & Schmerzlinderung

Stillen & Plötzlicher Kindstod

Stillen & Übergewicht

Stillen, Bluthochdruck & Cholesterin

Stillen & Allergien / Neurodermitis

Stillen & Autoimmunkrankheiten

Stillen & Diabetes

Stillen & Leukämie

Stillen & Impfungen

Stillen & Gesundheitswesen

Und was hat die Mutter davon?

Stillen & Rückbildung

Stillen & Körpergewicht

Stillen & Brust- und Eierstockkrebs

Stillen & Diabetes

Stillen & Osteoporose

Stillen & Verhütung

Teil II – So klappt das Stillen

Stillen – Was heisst das konkret?

„Ich stille voll!”

Zahlen & Fakten

10 Schritte zum erfolgreichen Stillstart

Vom ersten Moment an

Nicht zufüttern!

Stillen & Schnuller

Der Einfluss der Männer

Stillen unter erschwerten Bedingungen

Flachwarzen & Hohlwarzen

Zu wenig Drüsengewebe

Stillen & Brustoperationen

Stillen nach einem Kaiserschnitt

Stillen bei Krankheit

Stillen & Wochenbettdepression

Stillschwierigkeiten

Korrektes Anlegen – Effektives Saugen

Im eigenen Rhythmus

Wunde Brustwarzen / Pflege von Brustwarzen

Brustpflege

Zu viel Milch? – Initialer Milcheinschuss, Milchstau, Mastitis

Milchstau

Brustentzündung

Zu wenig Milch?

Bekommt mein Baby genügend Milch?

Milchproduktion ankurbeln, statt zuzufüttern

Verhütung während der Stillzeit

Warum bleibt die Periode aus?

Stillen als Verhütungsmethode

Auf Nummer sicher gehen

Die Rückkehr an den Arbeitsplatz

Die Zeit vergeht im Fluge

Genereller Gesundheitsschutz

Stillpausen

Praktische Umsetzung

Das Abpumpen von Muttermilch

Was macht eine gute Pumpe aus?

Die Aufbewahrung von Muttermilch

Erwärmen von Muttermilch

Seifengeschmack

Die gemeinsame Zeit gut nutzen

Genuss- und Suchtmittel in der Stillzeit

Zeit zum Abstillen?.

Teil III – Medikamente und Stillen

Arzneimittel in der Stillzeit

Wie gelangt der Arzneistoff in die Milch?

Wie viel Arzneistoff nimmt das Kind auf?

Der Vergleich hinkt ein wenig

Stillverträgliche Medikamente

So kann’s funktionieren

Auf jeden Fall tabu

Interessante und nützliche Websites

Danksagung

Referenzen

Worum es geht …

Heute zweifelt niemand mehr daran: Muttermilch ist das Beste für das Baby. Aber warum ist das so? Was macht Muttermilch zu etwas Besonderem?

Im ersten Teil des Buches soll diesen Fragen nachgespürt und geklärt werden, wie die Muttermilch in der Brust gebildet und ihre Menge reguliert wird – denn wenn Sie das verstehen, werden Sie sich nie davor fürchten müssen, nicht genügend Milch für Ihr Baby zu haben. Sie lernen nicht nur, auf welche Weise Muttermilch das Baby mit allem versorgt, was es in den ersten Monaten nach der Geburt zum Überleben, zum Wachstum und für seine Entwicklung braucht, sondern Sie erfahren auch etwas über die Inhaltstoffe der Muttermilch und ihre Eigenschaften, die jederzeit genau dem Bedürfnis Ihres Kindes angepasst sind. Stillen verschafft damit sowohl Ihrem Baby als auch Ihnen selbst entscheidende gesundheitliche Vorteile, die weit über die Stillzeit hinausreichen.

Im zweiten Teil wird’s dann ganz konkret. Sie erfahren, welche Gedanken Sie sich schon vor der Geburt machen sollten, damit der Stillstart gelingt: Denn das Stillen ist zwar ein natürlicher Vorgang, gleichzeitig aber auch ein – von Mutter und Baby – erlerntes Verhalten. Stillen kann man also lernen! Von wenigen anatomischen und medizinischen Ausnahmen abgesehen, kann jede Frau genügend Milch für ein oder zwei Babys produzieren, wenn ein paar grundlegende Regeln berücksichtigt werden. Trotzdem läuft nicht immer alles glatt. Um Stillproblemen vorzubeugen oder sie zu lösen, werden die häufigsten besprochen sowie viele Rat¬schläge und Tipps gegeben. Sie erhalten auch Informationen darüber, welche Rechte stillenden Müttern am Arbeitsplatz zustehen und worauf Sie beim Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch achten müssen.

Der dritte Teil des Buches beschäftigt sich mit der Einnahme von Arzneimitteln während der Stillzeit. Hier lassen sich wissenschaftliche Exkurse nicht ganz vermeiden, da geklärt werden soll, wie und in welchem Ausmass Arzneistoffe überhaupt in die Muttermilch gelangen und inwiefern dies problematisch sein kann. Zugleich wird aber auch aufgezeigt, dass fast immer ein Medikament gefunden werden kann, das mit dem Stillen vereinbar ist.

Am Schluss Ihrer Lektüre werden Sie verstehen, warum dem Stillen eine so grosse Bedeutung beizumessen ist und warum es sich lohnt, sich dafür einzusetzen!

Teil I – Was sagt die Wissenschaft?

Wie entwickelt sich die Brust?

Eine weibliche Brust ist erst dann voll entwickelt, wenn sie einmal Milch gebildet hat. Für die Milchproduktion, die sogenannte Laktation, spielt die Grösse der Brust aber keine Rolle. Sowohl kleine als auch grosse Brüste enthalten praktisch gleich viele Milchdrüsen. Grosse Brüste enthalten einfach mehr Fettgewebe.

Auch die Brust ist ein wenig „schwanger“

Unter dem Einfluss der Schwangerschaftshormone wird die Brust, bzw. das für die Milchbildung gedachte Gewebe zum Wachstum und zur Spezialisierung angeregt. Dadurch können vor allem während der ersten Schwangerschaft die Brüste anschwellen und schmerzempfindlich sein. Ein Trost ist, dass die Brust sich damit optimal auf ihre Aufgabe nach der Geburt vorbereitet.1 Bei den folgenden Schwangerschaften ist diese Vorbereitung in weitaus geringerem Masse nötig, weshalb die Veränderungen von aussen auch weniger deutlich erkennbar und die Brüste weniger empfindlich sind.

Abbildung 1 zeigt die Anatomie der weiblichen Brust. Die Umbauprozesse betreffen vor allem die sogenannten Drüsenläppchen (Lobuli glandulae mammariae), die aus den einzelnen Milchbläschen (Alveoli) bestehen. Die Milchbläschen sind mit Milch bildenden Zellen, den sogenannten Laktozyten, ausgekleidet und von einem Netz muskelähnlicher Zellen umgeben, welche sich zusammenziehen können. In diese Milchbläschen wird die Milch abgegeben, die von dort aus über die Milchgänge (Ductus lactiferus) transportiert und in den Milchsäckchen (Sinus lactiferus) gesammelt wird. Die Milchsäckchen wiederum enden in den Milchausführungsgängen der Brustwarze.

Nach dem Abstillen

Nach Beendigung der Laktationsphase, also nach dem Abstillen, wird ein grosser Teil des milchbildenden Gewebes durch Bindegewebe ersetzt. Innerlich wie äusserlich wird nicht mehr derselbe Zustand erreicht wie vor der Schwangerschaft. Diese von vielen Frauen gefürchteten Form- und Grössenveränderungen der Brüste sind aber in erster Linie eine Folge der Brustentwicklung während der Schwangerschaft und keine direkte Folge des Stillens.1 Nicht immer sind diese Veränderungen offensichtlich, und sie müssen auch nicht nachteilig sein, aber sie finden statt, ob das Baby gestillt wird oder nicht.

Abb. 1: Anatomie der weiblichen Brust: Erst während der ersten Schwangerschaft bildet sich die Brust fertig aus.

Was setzt die Milchbildung in Gang?

Bereits ab dem vierten bis sechsten Schwangerschaftsmonat bilden die Drüsenläppchen kleine Mengen Vormilch, das sogenannte Kolostrum. Die vollständige Reifung des Drüsenläppchengewebes in aktive, Milch bildende Drüsenzellen wird aber so lange durch das Progesteron aus der Plazenta verhindert, bis die Plazenta geboren ist.1 Diese durch das Progesteron entfaltete Hemmwirkung ist sehr stark, sodass selbst kleine Stücke zurückbleibender Plazenta den Beginn der Milchbildung verhindern können. Umgekehrt kann die Milchbildung bereits nach einer Fehlgeburt in der 16. Schwangerschaftswoche (durch den damit verbundenen Hormonabfall) einsetzen. Die Milchbildung kann dann durch Medikamente wieder gestoppt werden.

Die erste Phase der Milchbildung, die sogenannte Laktogenese I, beginnt also bereits während der zweiten Schwangerschaftshälfte (siehe Abb. 2). So richtig in Gang kommt die Milchbildung aber erst mit der Geburt der Plazenta. Die Geburt der Plazenta führt zu einem drastischen Abfall von Progesteron und Östrogen. Hierdurch wird das Milchbildungshormon Prolaktin auf den Plan gerufen, das ungefähr 36 Stunden nach der Geburt die zweite Phase der Milchbildung einläutet, die Laktogenese II. In der Zwischenzeit wird weiterhin Vormilch produziert1, trotzdem verlieren die meisten der Neugeborenen in dieser Zeit etwas an Gewicht.

Mit dem Einsetzen der Laktogenese II bildet sich statt der Vormilch die sogenannte Übergangsmilch. Die Übergansmilch enthält mehr Laktose, wodurch sich über wasserbindende Eigenschaften die Milchmenge erhöht. Diese plötzliche Volumenzunahme erlebt die Mutter ungefähr 2–3 Tage nach der Geburt als „Milcheinschuss“ mit harten, prall gefüllten, oft schmerzenden Brüsten. Auch diese Erfahrung ist nach der Geburt des nächsten Kindes in der Regel eine andere, weil der „Milcheinschuss“ dann weniger stark zu spüren ist.

Wichtig ist: Diese ersten beiden Phasen der Milchbildung – Laktogenese I und Laktogenese II – werden durch Hormone gesteuert: Beide Prozesse finden statt, ob die Mutter ihr Baby stillt oder nicht.2-4

Was hält die Milchbildung aufrecht?

Die dritte Phase der Laktogenese (Laktogenese III), die Aufrechterhaltung der Milchproduktion, unterliegt hingegen einer anderen Kontrolle (siehe Abb. 2). Die Milch wird nicht mehr automatisch gebildet, sondern über die Nachfrage. Das entsprechende Signal zur Milchbildung gibt das Baby, indem es an der Brust saugt und an der Brust trinkt. Dabei wird jeweils die Menge an Milch nachgebildet, die der Brust entnommen wurde, sei es durch das Baby selbst oder eine Milchpumpe. Ohne diese beiden Faktoren – das Stimulieren der Brustwarze und das Entnehmen von Milch – kommt die Milchproduktion rasch zum Erliegen.5

Abb. 2: Die verschiedenen Phasen der Milchbildung. Nach der Geburt bestimmt die Nachfrage das Angebot.

Wie wird die Milchmenge reguliert?

Beim Saugen stimuliert das Baby (oder die Milchpumpe – jedoch weit weniger effizient) die Nerven im Brustwarzenhof und in der Brustwarze und löst dadurch einen neurohormonalen Reflexbogen aus (siehe Abb. 3). Die Reizung von Rezeptoren in den Brustwarzen, die auf Berührungen reagieren (Mechanorezeptoren), führt zur Freisetzung des Prolaktin-Releasing-Hormons aus dem Hypothalamus, was wiederum die Freisetzung von Prolaktin aus dem Hypophysenvorderlappen zur Folge hat. Ausserdem sorgt der sensorische Reiz an den Brustwarzen dafür, dass Oxytocin ins Blut abgegeben wird.6

Oder kurz und bündig: Durch das Saugen des Babys werden zwei Arten von „Stillhormonen“ freigesetzt: Das Prolaktin und das Oxytocin.

Prolaktin für die Herstellung

Das Prolaktin wird auch Milchbildungshormon genannt, weil es als Teil des Milchbildungsreflexes die Milchsynthese anregt. Es bindet an die Prolaktinrezeptoren auf den Laktozyten und regt diese zur Milchbildung an. Beim Stillen kommt es zu einem kurzfristigen (ca. 60-minütigen) Prolaktinanstieg. Interessanterweise wird die höchste Prolaktinkonzentration aber nicht während des Stillens, sondern erst etwa 15–20 Minuten danach erreicht. Da die Laktozyten von der Prolaktinausschüttung bis zur Bereitstellung der Muttermilch mehrere Stunden benötigen, profitiert das Baby von diesem Prolaktinanstieg erst bei der nächsten Mahlzeit. Damit fortlaufend und in ausreichender Menge Milch gebildet werden kann, muss die Prolaktinkonzentration im Blut möglichst konstant hoch gehalten werden. Das kann nur durch häufiges Anlegen des Babys erreicht werden. Je öfter das Baby an der Brust saugt, desto mehr Prolaktin wird ausgeschüttet und desto mehr Milch wird gebildet.

Oxytocin für die Lieferung

Das Oxytocin wird auch Milchspendehormon genannt, weil es als Teil des Milchflussreflexes die Ausschüttung der Milch von den Alveolen in die grösseren Milchgänge fördert. Das Oxytocin stimuliert das Myoepithel – eine Muskelschicht um die Alveolen und die kleineren Milchgänge herum – zur Kontraktion, sodass die Milch vom hinteren in den vorderen Teil der Brust transportiert wird und von dem Baby gesaugt werden kann. Während der gesamten Stillmahlzeit wird in zwei- bis dreiminütigem Abstand Oxytocin freigesetzt. Ohne diese Milchflussreflexe würde das Baby nur an die in den Milchseen und den vorderen Milchgängen gespeicherte Milch herankommen und nicht auch die neu gebildete Milch erhalten.

Im Verlauf der Stillzeit wird der Milchflussreflex zu einem konditionierten Reflex – der Ablauf automatisiert sich. Nun kann dieser Reflex auch ohne die Stimulation der Brustwarzen ausgelöst werden. Bereits der Geruch, das Weinen oder ein intensives Denken ans Baby können diesen Reflex auslösen: Es zieht in der Brust, die Milch „schiesst ein“ und sie beginnt, aus der Brust zu fliessen.1

Die Regulation der Milchmenge

Hierbei ist die Regel simpel: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Das Saugen des Kindes führt zur Ausschüttung von Prolaktin. Das Prolaktin bindet an die Prolaktinrezeptoren auf den Laktozyten und regt die Laktozyten zur Milchbildung an. Wenn sich die Milchbläschen mit Milch füllen, dehnen sich die Zellwände, was zur Formänderung der Prolaktinrezeptoren führt. Durch diese Veränderung der Rezeptoren kann das Prolaktin seine Wirkung daran nicht mehr entfalten und die Milchproduktion sinkt. Sobald aber die Milchbläschen entleert werden – durch das Saugen respektive durch den dadurch ausgelösten Milchflussreflex – kehrt eine steigende Anzahl an Prolaktinrezeptoren in ihre ursprüngliche Form zurück und kann erneut mit dem Prolaktin in Wechselwirkung treten, was die Milchbildung wieder ankurbelt. Eine häufige Milchentleerung in den in den ersten Wochen (durch häufiges Anlegen des Babys) erhöht die Anzahl der Prolaktinrezeptoren in den Laktozyten, wodurch mehr Prolaktin seine Wirkung entfalten kann.

Oder mit anderen Worten: Wenn Sie das Baby schon ganz zu Beginn häufig anlegen, schaffen Sie ideale Voraussetzungen für eine gute Milchbildung während der gesamten Stillzeit!

Natürlich muss die Milchmenge auch nach unten reguliert werden können, z.B., wenn das Baby weniger Appetit hat oder beim Abstillen. Der „Gegenspieler“ zum Prolaktin ist das FIL (Feedback Inhibitor of Lactation). Es bremst die Milchbildung bzw. verlangsamt die Milchsynthese, je mehr Milch sich in den Büsten befindet. Das funktioniert über einen negativen Feedback-Mechanismus: Je voller die Brust ist, desto mehr FIL wird gebildet, desto weniger Milch wird produziert. Wenn die Brust leer wird, verliert das FIL seine Hemmwirkung, sodass wieder Milch gebildet werden kann.

Auch der mechanische Druck einer prall gefüllten Brust (eine sehr volle Brust füllt sich hart an) reduziert die Milchbildung. Umgekehrt gilt dasselbe: Je mehr Milch aus der Brust entnommen wird, desto mehr Milch wird gebildet, und es wird so lange Milch produziert, wie Milch aus der Brust entnommen wird. Auf diese Weise stellt die Natur sicher, dass das Baby die Milchmenge erhält, die es braucht – sofern nicht von aussen in dieses empfindliche Gleichgewicht eingegriffen wird, z.B. durch festgelegte Stillzeiten in Mindestabständen.

Zusammengefasst lässt sich also sagen: Wenn Ihr Baby an die Brust darf, wann immer es Lust dazu hat, wird immer genügend Milch vorhanden sein!

Abb. 3: Neurohormoneller Reflexbogen: Das Saugen des Babys an der Brust löst ein Signal aus, dass im Gehirn die Freisetzung der Stillhormone bewirkt.

Wie passt die Milch zum Baby?

Muttermilch „wächst“ mit dem Baby mit, sie passt sich laufend den Bedürfnissen Ihres Babys an. Auf welche Weise diese „Absprachen“ zwischen Mutter und Kind stattfinden, ist nicht genau erforscht. Sicher ist aber, dass es in den ersten vier bis sechs Monaten nichts Besseres für Ihr Baby gibt.

Vormilch