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"Vorbild Hannah Arendt: Aktive Politik gegen den Hass" gibt Antworten auf drängende Probleme unserer Zeit: Im Mittelpunkt steht die Frage, was müsste die Politik heute tun, um die Bevölkerung resilienter gegen extremistische Verführungen zu machen? Besonders interessant ist dabei Hannah Arendts Grundannahme, dass gesellschaftliche Einsamkeit/Verlassenheit eine wichtige Voraussetzung für die Bereitschaft von Menschen ist, bei nicht-demokratischen Parteien Zuflucht zu suchen. Wenn Hannah Arendt mit dieser Hypothese Recht hat, muss das Konsequenzen für die aktuelle Politik auch bei uns haben. Aktuelle Studien zu Einsamkeit und Rechtsextremismus bilden dafür aktuell eine empirische Grundlage. Ulrich Gierse befragt Hannah Arendt zu den Ursprüngen totalitären Denkens und verarbeitet ihre Überlegungen zu einer politiischen Handlungsweise.
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Seitenzahl: 234
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Widmung
Für Max und Hannes, die im Sinne Hannah Arendts noch so jung sind, dass sie neu anfangen können.
Und für meine Frau Sylvia, nur durch sie ist das Buch einigermaßen verständlich geworden.
Schön, dass es euch gibt!
Vorwort
I. Verlassenheit und Hass
1. Loneliness (Verlassenheit)
Begriffsklärungen
Entfremdung und Resonanzverlust
2. Totalitarianism (Totale Herrschaft)
Der Zivilisationsbruch
Der Begriff „totale Herrschaft“
Was ist neu an totaler Herrschaft?
Das eiserne Band des Terrors
Die Ideologieverschworenheit
Bewegung und Chaos
Die Zerstörung des Individuums
Vergessen und Empathielosigkeit
3. Imperialism (Imperialismus)
Das Scheitern des Modells Nationalstaat
4. Racism (Rassismus)
Kolonialismus und Rassismus
Der Rassenantisemitismus
Die völkischen Bewegungen in Europa
5. Antisemitism (Antisemitismus)
Der Antisemitismus und der Nationalstaat
Die Mobilisierung des Mobs
Der Antisemitismus als Joker
II. Vita activa gegen den Hass
Menschen gibt es nur im Plural
Menschen können neu anfangen
Menschen konstruieren Welt
Menschen machen Politik
Menschen sind frei
Menschen brauchen öffentliche Räume
Menschen haben Macht
Menschen denken
Denken ohne Geländer
Antizipation - das verstehende Herz
Menschen haben Gemein-Sinn
Menschen haben Sichtweisen
Die soziale Frage lösen
Menschen - In-der-Welt-Zuhause-sein
Freundschaft und Humanität
III. Look up!
Aktuelle Studien zu Einsamkeit
Pluralität und Freiheit
Erinnerung und Antisemitismus
Schluss
IV. Materialien:
Hannah Arendt über Freundschaft
Walter Benjamin: Angelus Novus
Hannah Arendt über Verlassenheit
Perikles: Rede in Athen 431 v.Z.
V. Literatur
Register
Autor
Danksagung
"Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster." Antonio Gramsci
In Alfred Hitchcocks Horror-Klassiker "Die Vögel" beginnt der Überfall der Krähen auf die Kleinstadt Bodega Bay mit der Ankunft eines einzigen schwarzen Vogels. Niemand bemerkt ihn, niemand reagiert, denn es ist ja bloß ein einziger Vogel. Erst später, wenn der Himmel finster wird von den Krähenschwärmen und es Tote gibt, versteht man die Bedeutung der ersten Krähe.
Die ersten Hinweise auf eine drohende Katastrophe werden gern beiseitegeschoben. Menschen neigen offensichtlich stark dazu, sich vor allem nach Krisen schnell der Illusion von Harmonie hinzugeben. Nach dem Ersten Weltkrieg dachte man, das sei nun endgültig der letzte Krieg gewesen und die Demokratie habe weltweit gesiegt, stattdessen wurden die Demokratien durch Stalinismus und Faschismus in die nächste Katastrophe geführt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Franklin Roosevelt davon überzeugt, dass nun das Zeitalter „einer Weltorganisation“ aus „friedliebenden Nationen“ angebrochen sei, die eine „dauerhafte Struktur des Friedens“ zum Ziel hätte. Was kam, war der erste globale Krieg, der sogenannte Kalte Krieg. Nach dem Zusammenbruch des
Sowjetimperiums 1990 prognostizierte der amerikanische Politologe Francis Fukuyama, dass das, was wir heute erleben, vielleicht das Ende der Geschichte als solche sei, er sah die Universalisierung der westlich-liberalen Demokratie als definitive Regierungsform des Menschen am Horizont.
Aktuell erleben wir das Ende der US-amerikanischen Vorherrschaft in der Welt, das Ergebnis ist eine globale Unordnung. Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus erstarken, ein neuer islamischer Fundamentalismus erschüttert mit Terrorakten die Welt. Selbst in Europa sind die Nachkriegszeiten, in denen die nationalen Grenzen als sicher galten, mit dem Überfall auf die Ukraine durch die Russische Föderation vorbei. Nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 an über 1000 Zivilisten in Israel durch die islamistische Terrororganisation Hamas gab es nicht etwa eine weltweite Solidarisierung mit den Israelis, sondern einen Aufschwung von Antisemitismus. Die globale Linke zieht sich in das scheinbar überwundene Schneckenhaus der einfachen Wahrheiten zurück, und damit erleben wir eine bisher für Unsinn gehaltene Nähe zwischen rechts- und linksextremen Positionen.
Besorgniserregend ist insbesondere, dass es den Menschen, die extrem wählen, gar nicht um konkrete Inhalte zu gehen scheint, sondern sie wollen eine Bestrafung des „Systems“ insgesamt, welches sie für ihre Probleme haftbar machen. Das zeigen auch die Wahlergebnisse der AfD bei den Europa-Wahlen, insbesondere in den Bundesländern der ehemaligen DDR. Trotz eines unsinnigen Programms und wahrscheinlich korrupter Spitzenkandidaten gelang es der AfD ein Rekordergebnis einzufahren und gleichzeitig noch Stimmen an die CDU und das BSW abzugeben. Das wäre vor einem Jahr noch als Schock empfunden worden, aber offensichtlich gibt es einen Gewöhnungseffekt, man nimmt das Desaster achselzuckend hin. Genauso befremdlich ist die Nähe von AfD und auch BSW zum neoimperialistischen russischen Staatsapparat und dessen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
„Bussiness as usual“ oder „Der Verbrenner ist mir wichtiger als die Zukunft meiner Kinder“ sind die Verdrängungs-strategien vor allem in der Mitte der Gesellschaft. Die aktuell notwendigen Veränderungen wegen der Erderhitzung werden als Zumutungen betrachtet, die angeblich Angriffe auf die Freiheit bedeuten. Auch diese Ablehnung, Verantwortung zu übernehmen, ist Wasser auf die Mühlen der politischen Extremisten. Denn letztlich geht es allen extremistischen Bewegungen um Zerstörung. Zum einen ist der Rückzug ins Unpolitische immer schon die Basis für totalitäre Bewegungen gewesen und zum anderen sind Chaos und Zerstörung wesentliches Futter für Extremismus. Es geht um die Zerstörung von dem, was den Westen bzw. Deutschland heute ausmacht: Integration in die EU und die NATO, militärische Unterstützung gegen die gewaltsame Veränderung von Grenzen in Europa, Toleranz gegenüber sexuellen Orientierungen und nicht zuletzt den Anspruch die Menschenrechte wie sie in der UN-Charta oder im Grundgesetz festgeschrieben sind, zu erfüllen, was vor allem der Beschränkung von Migration Grenzen setzt.
Doch es gibt noch keinen Grund, in Panik auszubrechen, wir sind noch weit von totalitären Verhältnissen entfernt, aber autoritäre, reaktionäre und auch faschistische Perspektiven sind durchaus auch kurzfristig in einzelnen Ländern denkbar.1
Den Demokraten2 weltweit bleibt noch Zeit, die Bedrohungen abzuwehren. Aber es ist so ähnlich wie bei der Klimakrise, wenn man nicht rechtzeitig anfängt, ist es vielleicht zu spät. Bei der Klimakrise ist die Ursache seit fast 50 Jahren bekannt, die CO2-Emissionen müssen runter, darüber ist man sich politisch wie wissenschaftlich inzwischen einig. Bei der Analyse des totalitären Extremismus ist man noch nicht soweit. Weder journalistisch, wissenschaftlich noch politisch gibt es einen vergleichbaren Konsens über die Diagnose und erst recht nicht über Gegenstrategien. Das ist die Ausgangsposition, die mir zumindest Sorgen macht.
Die Fragestellung lautet also, was droht uns und gibt es Hebel zur Vermeidung einer weiteren politischen Katastrophe? Oder zugespitzt gefragt: was ist das CO2der Krise der Demokratien?
Hass scheint der neue Zeitgeist zu sein: Hass auf Einwanderer, Judenhass, Hass auf Grüne, Hass auf Polizisten, Hass auf Rettungskräfte, Hass auf jeden, der anderer Meinung ist. Hass zersetzt den Gemeinsinn und isoliert die Menschen unter- und voneinander. Die neuen digitalen Medien machen das Opfersein zu einem marktgängigen Mittel Geld zu verdienen. Die Posts, welche am wütendsten, am polemischsten sind, sind die von den Algorithmen der Social-Media-Plattformen bevorzugtesten. Und am besten ist es, wenn man sich selbst als verwundet zeigt. Wunden sind eine eindrucksvolle und daher beliebte Ware. Auch da zeigt sich, es geht gar nicht um Inhalte. Die Politiker, die die AfD inhaltlich stellen wollen, verkennen den Zerstörungswunsch und das Zerstörungspotential von extremistischen Haltungen. Inhalte sind dabei austauschbar, entscheidend ist die Opfer-Haltung.
Eine politische Strategie gegen den Hass müsste meiner Meinung nach folgendes leisten: Sich mit Rassismus und Antisemitismus als Trigger von politischen Affekten auseinandersetzen, den Zivilisations- und Traditionsbruch des Nazi-Regimes3 im Bewusstsein präsent halten und darüber nachdenken, welche strukturellen Veränderungen zur Stärkung der Resilienz gegen extremistische Ideologien, gerade auch in Krisenzeiten, möglich und erfolgversprechend sind.
Und da kommt Hannah Arendt ins Spiel. Ihre Antwort auf die Frage, wie sich eine Wiederholung von totalitärer Herrschaft verhindern ließe, ist das Produkt eines lebenslangen Nachdenkens über totalitäre Herrschaft und der Verhinderung einer Wiederholung.
Ein heute wenig beachtetes Element für die Herausbildung dieser neuen Herrschaftsform ist für Hannah Arendt die Verlassenheit (engl. loneliness) des modernen Menschen. Arendt bemüht zur Erklärung ein Lutherzitat, „dass es nicht gut sei für den Menschen, allein zu sein.“ Luther sagt dort: „Ein solcher (nämlich ein einsamer) Mensch folgert immer eins aus dem anderen und denkt alles zum ärgsten.“ (EU 1004)4 Etwas später heißt es dann: „Die »Radikalität« totalitärer Ideologien ist nur der Extremismus des Ärgsten und hat mit echter Radikalität gar nichts zu tun.“5 Im Gegenteil führt diese Art zu denken, alles aufs Ärgste zu denken, immer zu Verschwörungstheorien, dem Salz in der trüben Suppe jeder Ideologie. Ja, es geht auch um individuelle Einsamkeit, die heute ein beliebtes Forschungsprojekt ist, aber mehr noch meint „Verlassenheit“ eine neue Form von gesellschaftlicher Einsamkeit, ein von Gott und der Welt Verlassensein in der Moderne. Simone Weil nennt die Entwurzelung, Edith Stein Unbehaustheit.
Neben dem Massenphänomen, sich verlassen, abgehängt, verwundet zu fühlen und der darauf aufsetzenden Bereitschaft sich einer Weltanschauung anzuschließen, die das, was ist, negiert, führt Arendt als das wichtigste Alarmzeichen für die Bedrohung der liberalen Demokratie an, wenn Menschen meinen, der Sinn von Politik sei, sie nicht weiter zu belästigen und dass Politik geräuschlos hinter den Kulissen abzulaufen habe. Das sei fatal, denn wenn Menschen apolitisch werden, werden sie weltlos und werden ebenfalls offen dafür, in Freund- Feind-Schemata zu denken und Hass und Zerstörungsphantasien als Lösung anzunehmen. Hannah Arendt nennt Zeiten, in denen Menschen sich Ruhe von der Politik wünschen, deshalb finstere Zeiten.
Wenn Hannah Arendt Recht hat, ist der Dreiklang von ideologischem Denken, Entpolitisierung und gesellschaftlicher Einsamkeit die Mischung von giftigen Molekülen, die die liberalen Demokratien in ihrer Existenz gefährden.
Der Molekül-Cocktail CO2in der Erdatmosphäre, der durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe entsteht, muss, will man die Klimakrise stoppen, praktisch auf null Emissionen gesenkt werden. Analog müssten also gesellschaftlich soziale Strukturen entwickelt werden, die Menschen neuen Halt geben, politische Debatten befördern und das Gefühl der Verlassenheit reduzieren.
Hannah Arendts schlägt eine Re-Politisierung vor, die zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen soll. Zum einen wird ein neuer sozialer Zusammenhalt Verlassenheit nachhaltig vermindern können, zum anderen liegt ein individueller Gewinn einer Demokratisierung in einem Zuwachs von Selbstgewissheit. Jede/r Bürger/in könnte seine/ ihre eigene Sicht auf die Welt mit den Sichtweisen der anderen abgleichen und die eigene Weltsicht schärfen. Denn nur im miteinander und gegeneinander sprechen gewinnen Menschen eine Sicht auf die Wirklichkeit und können sich dann auf gemeinsames Handeln verständigen.
Das Miteinander-Reden ist auch der Punkt, der aktuell besonders wichtig wird, denn auch wenn wir aktuell die ideologisch in der medialen Blase der AfD gefangenen Menschen nicht mehr medial erreichen können, müssen wir prioritär die Menschen erreichen, die auf dem Absprung sind oder noch im Stadium des Unpolitisch-Sein verharren. Diese Menschen können aber die etablierten Parteien und politischen Eliten kaum noch erreichen, denn diese Menschen fühlen sich von der traditionellen Politik im Stich gelassen, sie sind, wenn überhaupt, nur noch von Nachbarn, Kollegen und Freunden oder im Sinne Arendts durch die lokale Bürgerschaft erreichbar.
Das Denkprojekt lautet also folgendermaßen: Mal angenommen, Hannah Arendt hätte Recht, was müssten wir dann tun?
Getreu dem Motto: „The proof of the pudding is in the eating.“, gilt es also erstmal das Arendtsche Rezept neu zu studieren, um dann ein gutes Gericht zu zaubern. Das wird nicht ganz einfach, denn Hannah Arendt fordert als Antwort auf das, „Was nie hätte geschehen dürfen“6 einen Bruch mit dem traditionellen (gerade auch philosophischen) Denken über Politik, Macht und Herrschaft und eine Neuformulierung von Freiheit, politischem Handeln und politischer Öffentlichkeit. Hannah Arendt bringt, und das ist ihre Einzigartigkeit, in einmaliger Weise Analyse und persönliche Erfahrungen zusammen. Ihren politischen Scharfsinn, die Courage, auch unangenehme Wahrheiten auszusprechen, und ihre geistesgeschichtliche Expertise verknüpft sie mit ihren Erfahrungen als verfolgte deutsche Jüdin, staatenlose Flüchtende, zionistische Aktivistin und antizionistische Kritikerin, Deutsche und Amerikanerin, und nicht zuletzt als jemand, der Freundschaft nicht nur proklamierte, sondern lebte. Ihr Verleger William Jovanovich drückte das sehr bewegend auf ihrer Trauerfeier so aus: „Durch Hannah schäme ich mich weniger, ein Mensch zu sein. Das ist ihr Geschenk.“7
Will man Arendt verstehen, dann muss man sich immer die Ausgangsbasis ihres Denkens vor Augen führen – ihre politische Analyse der „totalen Herrschaft“ wie sie sich im Nationalsozialismus und im Stalinismus gezeigt hat. Daraus ergibt sich die Anforderung an Politik oder Wissenschaft, ob sie nach dem furchtbaren Zivilisationsbruch des millionenfachen Mordens eine Antwort hat auf die Frage: „Wird es zu totalitärer Herrschaft führen oder nicht?“8.
Daraus ist ein Text entstanden, der drei Teile hat. Den roten Faden bildet Hannah Arendts Grundannahme, dass „Verlassenheit“ oder gesellschaftliche Einsamkeit wie ich dieses Phänomen nennen würde, als Abfallprodukt der Moderne ein notwendiges Element für die totalitäre Zerstörung jeder Spontaneität, Individualität und Freiheit ist. Ihre Analyse totaler Herrschaft ist daher die Basis für die Erforschung von Gegenstrategien zu totalitären Mustern. Im zweiten Teil wird die Gegenstrategie Hannah Arendts gegen vortotalitäre Strukturen vorgestellt. Ihre Revitalisierung des Politischen schließt auch ein, das Problem nicht nur der Verlassenheit, sondern auch der unpolitischen Weltlosigkeit, durch ein aktives In-der-Weltzuhause-Sein zu ersetzen. Im dritten Teil habe ich meine Ideen für eine neue politische Kultur formuliert.
Madame de Pompadur hat, als sie die Nachricht von der Niederlage der französischen Armee gegen Preußen auf einer Party erfuhr, das Motto „Nach uns die Sintflut“ ausgegeben. Diese „Sintflut“ ging dann auch über das französische Königshaus 30 Jahre später nieder.
Ich hoffe jedoch, wenn wir die richtigen Schlussfolgerungen ziehen, bleibt es heute vielleicht bei einer kleinen Überschwemmung, einem vollgelaufenen Keller. Das ist aber nur gewiß, wenn wir endlich aufwachen.
Der Blick in die Zukunft kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Vergangenheit immer auch präsent bleibt. Und da spielt die offensichtlich nicht mehr erfolgreiche Tabuisierung, auf keinen Fall Faschisten zu wählen, eine wichtige Rolle. Die Europawahlen hatten in Deutschland ein signifikantes Ergebnis in Bezug auf AfD-Stimmanteile in Altersgruppen. Der AfD-Anteil bei den 16- bis 69-Jährigen schwankt zwischen 16 bis 21 Prozent. Dass es bei 16 % blieb, ist der Altersgruppe der über 70-Jährigen zu verdanken. Hier kommt die AfD nur auf 8 Prozent. Offensichtlich ist die Generation derjenigen, deren Eltern noch in das Nazi-Regime verstrickt waren, gegen die Versuchung einer Wiederholung resilienter. Das ist auch das Ergebnis eines Generationswechsels, heute ist die Generation der gegen ihre Nazi-Eltern rebellierenden Töchter und Söhne alt.
Zum Schluss will ich noch darauf hinweisen, dass Hannah Arendt auch für heutige Ohren eine faszinierende Sprachkunst hat. Ich kann nur empfehlen, sich das Gaus-Interview mit ihr auf Youtube anzuschauen. Den besonderen Sound Hannah Arendts habe ich im Materialienteil in zwei Texten, die sprachlich und inhaltlich die besondere Art Hannah Arendts redend zu schreiben, nachvollziehbar gemacht.
Diesen Sound der Freiheit meint auch Kurt Sontheimer, der in seiner Biografie über Hannah Arendt euphorisch feststellt:
Ihre Ideen sind „einem Leuchtturm vergleichbar, der Signale für das richtige politische Handeln aussendet: die Erinnerung daran, dass politisches Handeln Freiheit ist und Freiheit schafft, dass es unterschiedliche Menschen in einem öffentlichen Raum zusammenführt, wo sie zweckfrei und interessenunabhängig nach dem Gemeinwohl streben und spontan, dem Neuen gegenüber offen, agieren können.“9
1 Die Trump-Administration übernimmt am 20. Januar 2025 die amerikanische Regierung, in Deutschland gibt es Neuwahlen am 23.Februar 2025, und die Verteidigung der Ukraine ist aktuell wegen fehlendem Material schwierig (Stand Ende November 2024).
2 Frauen sind hier und auch im Folgenden selbstverständlich mitgemeint.
3 Ich konzentriere mich auf die deutsche Geschichte, zur Geschichte totaler Herrschaft gehört aber auch der Stalinismus in der Sowjetunion. Beides sind letztlich rechte Ideologien, die sich gegen die Freiheit des Individuums richten.
4 Arendt, Hannah (2023): Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Neuedition, S. 1004, hier und im Folgenden mit der Sigle EU abgekürzt.
5 Ebenda, S. 1006
6 Arendts Standardformulierung für einen Zivilisationsbruch
7 William Javanovich auf der Trauerfeier für Hannah Arendt, zitiert nach Thomas Meyer (2023), S.477
8 zit. nach Young Brühl (2006), S. 39 „An insight into the nature of totalitarian rule, directed by our fear of the concentration camp, might serve to devaluate all outmoded political shadings from left to right, and, beside and above them, to introduce the most essential political criterion for judging the events of our time: will it lead to totalitarian rule or will it not.“
9 Sontheimer (2005), S. 256
Die Entwurzelung ist bei weitem die gefährlichste Krankheit der menschlichen Gesellschaft. Wer entwurzelt ist, entwurzelt. Wer verwurzelt ist, entwurzelt nicht. Die Verwurzelung ist vielleicht das wichtigste und meistverkannte Bedürfnis der menschlichen Seele.
Simone Weil
Schon sechs Jahre nach dem Zusammenbruch der Nazi-Herrschaft legt Hannah Arendt 1951 ihr grundlegendes Werk „The Origins of Totalitarianism“ in ihrer neuen Heimat USA vor. Der erste Titelvorschlag zu diesem großen Werk lautete: „The three pillars of hate. Antisemitism – Imperialism – Racism“.
Heute hat man manchmal den Eindruck, dass Hass erst mit den neuen sozialen Medien zu einem Problem geworden ist. Das ist hinsichtlich der Möglichkeit, durch die Anonymität des Internets, die Gebote der Höflichkeit zu unterlaufen, sicher richtig. Es gilt aber nicht für den Hass, der schon immer die emotionale Seite jeder Ideologie war und ist. Der Titel „Die drei Säulen des Hasses“ konnte sich nicht durchsetzen, in den Mittelpunkt rückte die Analyse des „Totalitarianism“ und der neue Titel lautete deshalb: „The Origins of Totalitarianism“.10 In ihrer deutschen Übersetzung von 1955 heißt es dann: „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, im Untertitel „Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft“. Die Kategorie der „Verlassenheit“ fand keinen Eingang in den Titel.
Das ist vielleicht auch der Grund, dass „Verlassenheit“ in der Rezeption keine große Rolle spielte. Dabei müsste dem Phänomen der Verlassenheit gerade in präfaschistischen Zeiten eine große Aufmerksamkeit zukommen, denn totale Kontrolle braucht die Vereinzelung der zu beherrschenden Menschen als notwendige Bedingung. Hass ist ebenso wie Verlassenheit eine schwer zu definierende Kategorie. Heinrich Mann hat wahrscheinlich Recht, wenn er schreibt: „Aber der Hass ist eine Tatsache durch sich selbst: eine Volksmenge braucht nicht zu wissen, warum sie hasst. Übrigens hasst sie mit Gleichgültigkeit“11 Hass braucht keine Inhalte. Und Hass hat häufig mit Einsamkeit, Verlassenheit, zu tun. Dazu eine kleine Anekdote von Karoline Preissler, einer mutigen deutschen Jüdin, die auf antisemitische Kundgebungen geht, um dort in eine Diskussion zu kommen, bzw. Haltung zu zeigen. Sie schreibt auf X: „Irgendein Udo steht immer bei antisemitischen Protesten in Berlin. Ich erkenne ihn an seiner dicken Brille, dem schütternden Haar und seinem greisen Style. Er drückt sich dann bei den Islamisten und mir herum, ruft aus sicherer Entfernung „Karo! Kaaaaro? Wie geht es deinem Mann?“ Ich ignoriere ihn, er ist mir peinlich. Gestern lief ich nach der (pro-palästinensischen Demo am 12.6.) #b1206 noch einmal über den Potsdamer Platz. Der Mann stand dort – nach Beendigung der Versammlung – noch immer mit wenigen Männern. Planlos. Da erkannte ich: Er ist einsam. Für ihn sind Antisemitismus und Sexismus die Ablenkung im Alter. Er tut mir leid.“12
10 Siehe Meyer, Thomas (2023), S. 256
11 Mann, Heinrich (1988): Ein Zeitalter wird besichtigt. S.375
12 Preissler, Karoline (2024) https://twitter.com/PreislerKa/status/1801117014989127884
Hannah Arendt ist der Überzeugung, dass menschliches Handeln immer auf Grunderfahrungen des Menschen fußt. Jede Möglichkeit zum Handeln, zu einer gemeinsamen Aktion soll im „Ein Volk! - Ein Führer!“- Regime verhindert werden. Das geht nicht von heute auf morgen. Historisch herrscht in der Anfangsphase oder der Aufstiegsphase totaler Herrschaft in der Regel eine Einparteiendiktatur, deren Hauptanliegen es ist, die Menschen voneinander, Arendt schreibt gegeneinander, politisch zu isolieren, um sie besser beherrschen zu können. Ziel der totalen Herrschaft ist totale Kontrolle. Dazu müssen Menschen von ihrer Verschiedenheit „gesäubert“ werden und zu einer homogenen Einheit, zu einer Totalität, zusammengezwungen werden. „This isolation is, as it were, pretotalitarian; its hallmark is impotence insofar as power always comes from men acting together, acting in concert" (Burke); isolated men are powerless by definition.“1415
In einer Diktatur verlieren Menschen aus Furcht ihre politischen Handlungsmöglichkeiten, dazu reicht es, dass ihre Kontakte abgebrochen werden. Aber nicht alle Kontakte werden in der Diktatur abgebrochen, sondern nur die politischen. Es bleibt noch eine Privatsphäre mit der Fähigkeit zum „Erleben, Erfinden und Denken“ (the capacities for experience, fabrication and thought) intakt. Die totale Herrschaft will aber mehr, sie will alle Menschen in ihrem Einflussbereich zu Menschen machen, die verlassen sind, denn das ist die Voraussetzung, um sie total beherrschen zu können. Erst in der Verlassenheit sind Menschen wirklich allein, nämlich verlassen nicht nur von anderen Menschen und der Welt (Politik), sondern auch von dem Selbst, der eigenen Identität, die von anderen nicht mehr bestätigt wird. In dieser Verlassenheit gehen Selbst und Welt, und das heißt echte Denkfähigkeit und echte Erfahrungsfähigkeit, zugleich zugrunde.
Die Verlassenheit ist nicht ein von den Totalitären erfundenes Phänomen, sondern „ist eng mit der Entwurzelung und der Überflüssigkeit verbunden, die seit Beginn der industriellen Revolution der Fluch der modernen Massen sind und sich mit dem Aufstieg des Imperialismus am Ende des letzten Jahrhunderts und dem Zusammenbruch der politischen Institutionen und sozialen Traditionen in unserer Zeit verschärft haben.“16 Entwurzelt zu sein ist dabei die Erfahrung, wenn man keinen Platz mehr in der Welt hat, der von anderen anerkannt wird. Überflüssig zu sein bedeutet, überhaupt nicht zur Welt zu gehören, nicht zu existieren. Das können Erfahrungen der Erwerbslosigkeit, Arbeitslosigkeit oder von Staatenlosigkeit und Flucht sein oder deren Antizipation.
Verlassenheit bedeutet dabei nicht nur den Verlust der materiellen Absicherung, sondern den Verlust der Erfahrung, diese materielle und sinnliche Welt mit anderen Menschen zu teilen, denn dazu muss man mit anderen Menschen in Kontakt sein, also nicht verlassen zu sein. Verlassenheit ist daher eher eine gesellschaftliche Einsamkeit als ein individuelles Schicksal. „Das Einzige, was in der Verlassenheit als scheinbar unantastbar sicher verbleibt, sind die Elementargesetze des zwingend Evidenten, die Tautologie des Satzes: zweimal zwei ist vier. Damit erfährt das zwingend Einsehbare für den Verlassenen eine eigentümliche Gewichtsverschiebung: es ist nicht mehr die selbstverständliche Regelung menschlichen Denkens, ein Mittel des Verstandes, um Widersprüche zu vermeiden; sondern es wird aus sich heraus gleichsam produktiv, beginnt Denkreihen zu entfalten, Prozesse zu entwickeln, »folgert eins aus dem anderen und denkt alles zum ärgsten«. (EU 1006)
Verlassenheit, die nicht existente Beziehung zur Welt und zur Politik, ist nach Arendts Überzeugung ein wesentlicher Baustein für die Faszination totalitärer Ideologie. Aber nicht nur für die Homogenisierung des Denkens in Schablonen, sondern auch für die Organisation der Gesellschaft selbst.
Die totale Herrschaft hat das Ziel, alle Menschen zu einer undifferenzierten Einheit (Volksgemeinschaft) zu formen. Das kann nur gelingen, wenn das Defizit einer Diktatur, privat noch handlungsfähig zu sein, also „the capacities for experience, fabrication and thought“ zu haben, zerstört wird. Da das jedoch Grundfertigkeiten des Menschen sind, die seine Entwicklung wesentlich befördert haben, braucht es den Zwang von Ideologie und Terror, der den Menschen verspricht, ihnen Halt zu geben, sie aber tatsächlich in ihrem Menschsein zerstört. Das eiserne Band des Terrors wirkt wie ein Schraubstock, so eingezwängt wird jeder Raum zwischen den Menschen zerstört und die Menschen gegeneinandergepresst und alle produktiven Möglichkeiten, die es im Stadium der Isolation noch gab, vernichtet.
Die totale Herrschaft ist die Herrschaft einer Ideologie, die das Denken beherrscht und den „Verlassenen“ durch den Glauben an die alles erklärende Ideologie einen Halt verspricht. Es kommt also zweierlei zusammen: die Sehnsucht nach einer Welt- und Geschichtserklärung (2+2=4), die Halt gibt, und eine Verlassenheit, die diesen Halt benötigt. „Die tödlichen Konsequenzen, die sich aus den Ideologien ergeben, können nur von Verlassenen, denen, die ihre Freunde und die, die sie lieben, bereits verlassen haben, exekutiert werden.“17
Will man aktiv etwas gegen totalitäre Tendenzen tun, dann muss man auch das Problem der Verlassenheit ins Zentrum der Gegenstrategien rücken.18
Hannah Arendt benutzt für das Wortfeld „Verlassenheit“ im englischen Original die Begriffe: „isolation“ und „loneliness“, im Deutschen neben „isoliert sein“, „Verlassenheit“ und „Entwurzelung“.
Mit Isolation bezeichnet sie den Zustand, in der politischen Sphäre nicht mehr handlungsfähig zu sein, weil es verunmöglicht wird, sich zusammenzuschließen, das ist auch die Erfahrung in einer Diktatur.
In der totalen Herrschaft kommt zu dieser politischen Isolierung eine in der privaten Sphäre dazu. Arendt wählt dafür im Englischen das Wort „loneliness“, im Deutschen „Verlassenheit“. Man fragt sich, warum diese unterschiedliche Wortwahl? Die meistens verwendete deutsche Übersetzung von „loneliness“ ist „Einsamkeit“. Das deutsche Wort „Einsamkeit“ entspricht aber eher dem englischen „solitude“, das sich direkt aus dem lateinischen Original „solitudo“ erschließt.
Das deutsche Wort „Einsamkeit“ ist ein Lehnwort des lateinischen „solitudo“, eine wortwörtliche Übertragung in „Einsamkeit“. Verlassenheit ist aber nicht zu verwechseln mit Alleinsein (solitudo) oder individueller Einsamkeit. Das erläutert Arendt am römischen Philosophen Epiktet: „Nach Epiktet (Dissertationes, Buch 3, Kap. 13) ist der einsame Mensch (eremos) von anderen umgeben, mit denen er keinen Kontakt aufnehmen kann oder deren Feindseligkeit er ausgesetzt ist. Der alleinseiende (solitary) Mensch hingegen ist allein und kann daher "mit sich selbst zusammen sein", denn der Mensch hat die Fähigkeit, "mit sich selbst zu reden". (…) Was (dagegen) die Einsamkeit/ Verlassenheit so unerträglich macht, ist der Verlust des eigenen Ichs, das sich in dem Alleinsein zwar verwirklichen kann, aber nur durch die vertrauensvolle Begleitung von seinesgleichen in seiner Identität bestätigt wird. In dieser Situation verliert der Mensch das Vertrauen in sich selbst als Partner seiner Gedanken und jenes Urvertrauen in die Welt, das notwendig ist, um überhaupt Erfahrungen zu machen. Selbst und Welt, Denkund Erlebnisfähigkeit gehen gleichzeitig verloren.“ 19
Der Mensch ist ein soziales Wesen, welches ohne einen gesellschaftlichen Status oder Wurzel oder Behausung sich ausgeschlossen und verlassen fühlt. Der Mensch fühlt sich allein gelassen, weiß aber instinktiv, dass er allein weder handeln noch leben kann. Im Deutschen kann man „loneliness“ auch wortwörtlich mit Alleingelassensein (intransitiv) übersetzen, das entsprechende Synonym dazu ist Verlassenheit. Soziologisch könnte man von einem beschädigten System des gesellschaftlichen Zusammenlebens reden, das sich in einer gesellschaftlichen Einsamkeit als Problem der Moderne manifestiert.
Einsamkeit wird in der Psychologie als eine wahrgenommene Distanz zwischen den gewünschten und den tatsächlichen sozialen Beziehungen definiert. Verlassenheit ist dagegen ein Begriff, der sich gut in die existentialistische Auffassung einfügt, dass der moderne Mensch Schwierigkeiten hat, seinen Ort in der Welt zu finden, der Mensch der modernen Massengesellschaft wurzellos geworden sei. Verlassenheit entsteht, wenn, aus gleich welchen personalen Gründen, ein Mensch aus dieser Welt hinausgestoßen wird oder wenn aus gleich welchen geschichtlich-politischen Gründen, diese gemeinsam bewohnte Welt auseinanderbricht und die miteinander verbundenen Menschen plötzlich auf sich selbst zurückwirft. Mensch fühlt sich verlassen von Gott und der Welt (Regierung, Staat etc.) und verhält sich, als sei man von allen guten Geistern verlassen.
Allen gemeinsam ist, man sieht sich in der Opferrolle. In der oben zitierten norwegischen Studie verwenden die Autor*innen den Begriff „soziale Entfremdung“, um den größeren Zusammenhang, in dem Einsamkeit steht, begrifflich zu fassen. „Verlassenheit“ meint also ein Wortfeld, welches verschiedene Konnotationen hat: einsam sein, verlassen sein, abgehängt sein, verwundet sein, allein gelassen sein, sich als Opfer von Mächten zu sehen. Letztlich wird die Verantwortung für das eigene Leben und das eigene soziale Umfeld abgelehnt und mehr oder weniger anonymen Mächten zugeschoben.
Interessant in diesem Zusammenhang ist die Deutung der Erfolge des Rechtspopulismus durch Hartmut Rosa. Er deutet sie als eine Reaktion auf das Gefühl eines Resonanzverlusts, auf eine Entfremdungserfahrung. Diese Gruppen fühlen sich nicht gehört und nicht repräsentiert. Er beschreibt das in einem SZ-Interview so: „Die Wahrnehmung vieler Leute, die ich nicht teile, aber eben beobachte, ist: Eigentlich ist unser Alltag noch ganz intakt, wir hatten schon viele Veränderungen, wir sind erschöpft, das ist problematisch, aber eigentlich ist unser Dörfchen okay - und dann kommt der Staat und setzt uns ein Flüchtlingsheim hin. Das wird persönlich genommen. Und dann will die Regierung an die Heizung ran. Es reicht ihr also offenbar nicht, dass sie ins Dorf eindringt, sie will in mein Haus. Und mit der Impfung dringt sie sogar bis in meinen Körper vor. Und mein Denken will sie auch noch beeinflussen, ich darf das N-Wort nicht mehr sagen, ich muss gendern.“ 20
Diese unterschiedlichen Wahrnehmungen von Wirklichkeit, da ist Hartmut Rosa nahe an Hannah Arendt, haben ihre Ursache in einer unterschiedlichen „Beziehung zur Welt und zur Politik“: „Ich glaube, die Spaltung liegt, wenn man so will, nicht auf der Einstellungsebene, ob man für oder gegen Umweltschutz ist. Sie liegt in dem Gefühl, die staatlichen Autoritäten seien viel zu aktiv, sie bedrohen meine Welt. Auf der anderen Seite dominiert das gegenteilige Gefühl, der Staat tue viel zu wenig, unser Alltag ist zutiefst umweltzerstörerisch, er ist homophob, er beruht noch immer auf kolonialer Ausbeutung. Die Spaltung liegt für mich also noch unterhalb der Weltbilder, es geht eher darum, welche Beziehung zur Welt und zur Politik man fühlt.“ (ebenda)
13 Ich benutze in den Überschriften die amerikanischen Begriffe für Verlassenheit und die vier Säulen des Hasses, weil die deutschen Übersetzungen eine andere (falsche?) Gewichtung haben können. (Siehe dazu die Kapitel „Begriffserklärungen“ und „Der Begriff „totale Herrschaft“ weiter unten)
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