Winston Brothers Band 5 - 7 - Penny Reid - E-Book

Winston Brothers Band 5 - 7 E-Book

Penny Reid

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Beschreibung

Die Geschichten von Roscoe, Billy und Scarlett in einem Band! Zehn Jahre nachdem Simone Payton ihm das Herz gebrochen hat, will Roscoe Winston nichts weiter als einen Dougnut. Blöd nur, dass Simone plötzlich hinter der Theke des Ladens ihrer Mutter steht und er sie ganz sicher nicht um einen bitten wird. Roscoe würde auch gerne vergessen, was geschehen ist. Aber Roscoe erinnert sich an alles. Jeden Blick, jedes Wort und jede Sekunde seiner unerwiderten Zuneigung für sie. Und das letzte was er braucht ist noch eine weitere Erinnerung an Simone. Wieso ist sie zurück in Green Valley? Und nach der ersten Begegnung trifft er sie plötzlich (zufällig?) überall…    /// Niemand ist ein größerer Überlebenskünstler als Scarlet St. Claire. Ihre Spezialität ist es, aus den Umständen, die sie nicht kontrollieren kann, das Beste herauszuholen. Im Falle der Apokalypse wäre sie wahrscheinlich die einzige Überlebende: als professionelle Einsiedlerin, die zur Musik ihres alten CD-Players singt und tanzt als würde niemand zusehen. Scarlet ist clever, Scarlet ist vorsichtig und Scarlet ist klug ... außer es geht um Billy Winston. /// Eine grausame Wendung des Schicksals riss Billy und Scarlett vor fast zwanzig Jahren auseinander. Geheimnisse und Bitterkeit trennte die beiden seither voneinander. Aber so langsam ist es genug mit der Einsamkeit und der Dickköpfigkeit. Das finden alle. Besonders Billy Winstons Familie. Und es ist endlich Zeit zu handeln. Die beiden sind den Verkupplungsversuchen der anderen Winstons hilflos ausgeliefert. Bleibt nur die Frage, ob die beiden sich dadurch tatsächlich näher kommen, oder sich endgültig voneinander verabschieden?

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EPUB

Seitenzahl: 1809

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Winston Brothers Band 5 - 7

Die Autorin

Penny Reid ist USA Today Bestseller-Autorin der Winston-Brothers-Serie und der Knitting-in-the-city-Serie. Früher hat sie als Biochemikerin hauptsächlich Anträge für Stipendien geschrieben, heute schreibt sie nur noch Bücher. Sie ist Vollzeitmutter von drei Fasterwachsenen, Ehefrau, Strickfan, Bastelqueen und Wortninja.

Das Buch

Zehn Jahre nachdem Simone Payton ihm das Herz gebrochen hat, will Roscoe Winston nichts weiter als einen Dougnut. Blöd nur, dass Simone plötzlich hinter der Theke des Ladens ihrer Mutter steht und er sie ganz sicher nicht um einen bitten wird. Roscoe würde auch gerne vergessen, was geschehen ist. Aber Roscoe erinnert sich an alles. Jeden Blick, jedes Wort und jede Sekunde seiner unerwiderten Zuneigung für sie. Und das letzte was er braucht ist noch eine weitere Erinnerung an Simone. Wieso ist sie zurück in Green Valley? Und nach der ersten Begegnung trifft er sie plötzlich (zufällig?) überall…

///

Niemand ist ein größerer Überlebenskünstler als Scarlet St. Claire. Ihre Spezialität ist es, aus den Umständen, die sie nicht kontrollieren kann, das Beste herauszuholen. Im Falle der Apokalypse wäre sie wahrscheinlich die einzige Überlebende: als professionelle Einsiedlerin, die zur Musik ihres alten CD-Players singt und tanzt als würde niemand zusehen. Scarlet ist clever, Scarlet ist vorsichtig und Scarlet ist klug ... außer es geht um Billy Winston.

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Eine grausame Wendung des Schicksals riss Billy und Scarlett vor fast zwanzig Jahren auseinander. Geheimnisse und Bitterkeit trennte die beiden seither voneinander. Aber so langsam ist es genug mit der Einsamkeit und der Dickköpfigekeit. Das finden alle. Besonders Billy Winstons Familie. Und es ist endlich Zeit zu handeln. Die beiden sind den Verkupplungsversuchen der anderen Winstons hilflos ausgeliefert. Bleibt nur die Frage, ob die beiden sich dadurch tatsächlich näher kommen, oder sich endgültig voneinander verabschieden?

Von Penny Reid sind bei Forever erschienen:In der Winston-Brothers-Reihe:Wherever you goWhatever it takesWhatever you needWhatever you wantWhenever you fallWhen it countsWhen it's real

In der Knitting-in-the-City-Reihe:Love factuallyFriends without benefitsFactually marriedThe Logic of Kissing

Penny Reid

Winston Brothers Band 5 - 7

Aus dem Amerikanischen von Uta Hege

Forever by Ullsteinforever.ullstein.de

Sonderausgabe bei ForeverForever ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, BerlinOktober 2020 (1)© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2020Autorenfoto: © privat

ISBN 978-3-95818-606-4

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Whenever you fall:Deutsche Erstausgabe bei Forever.Forever ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, BerlinSeptember 2019 (1)© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2019Copyright © Dr. Strange Beard 2018 by Penny ReidTitel der amerikanischen Originalausgabe: Dr. Strange Beard (Penny Reid 2018)Übersetzung: Uta Hege

When it counts:Deutsche Erstausgabe bei Forever.Forever ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, BerlinFebruar 2020 (1)Copyright © Beard with me 2019 by Penny ReidTitel der amerikanischen Originalausgabe: Beard with me (Penny Reid 2019)Übersetzung: Uta Hege

When it's real:Deutsche Erstausgabe bei Forever.Forever ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, BerlinApril 2020 (1)Copyright © Beard Necessities 2019 by Penny ReidTitel der amerikanischen Originalausgabe: Beard Necessities (Penny Reid 2019)Übersetzung: Uta Hege

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Inhalt

Titelei

Die Autorin / Das Buch

Titelseite

Impressum

Winston Brothers (5) – Whenever your fall

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Epilog

Anmerkungen der Autorin

Winston Brothers (6) – When it counts

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Epilog

Winston Brothers (7) – When it's real

Prolog

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Epilog

Anmerkungen der Autorin

Anhang

Leseprobe: Love factually

Social Media

Vorablesen.de

Cover

Titelseite

Inhalt

Winston Brothers (5) – Whenever your fall

Winston Brothers (5) – Whenever your fall

1

Roscoe

Die meisten Menschen haben elf bis zwölf Geschichten zu erzählen, und das ist es dann.

Als ich ein Kind war, dachte ich, dass ältere Leute einfach nur vergesslich wären. Wobei für mich als zehnjährigen Jungen alle über fünfunddreißig »ältere Leute« waren. Aber als ich selber älter wurde, ging mir auf, dass Menschen aller Altersklassen ständig irgendwas vergaßen. Jedenfalls viel mehr als ich.

Genauso wurde mir bewusst, dass niemand es gern hört, dass er sich wiederholt und dieselbe Anekdote oder Story schon zum siebten, achten oder zwölften Mal zum Besten gibt. Die Leute hassen das, vor allem, wenn sie sich an die Einzelheiten der Geschichte nicht so gut erinnern können wie man selbst. Immer, wenn ich jemanden daran erinnerte, dass ich eine Geschichte schon einmal an diesem Tag um jene Zeit erzählt bekommen hatte, oder irgendwelche Einzelheiten der Erzählung korrigierte, reagierte er verärgert und frustriert. Als wäre es nicht seine Schuld, dass er die Dinge durcheinanderbrachte, sondern meine, weil ich nie auch nur die kleinste Kleinigkeit vergaß.

Inzwischen hatte ich gelernt, den Mund zu halten. Ich ließ mir dieselben Storys ein ums andere Mal erzählen und tat immer so, als hätte ich sie nie zuvor gehört. Ich hatte diese Fähigkeit perfektioniert, tat interessiert und überrascht, lachte glaubhaft, wenn was lustig war, und guckte mitfühlend oder besorgt, wenn etwas traurig war.

Ich war ein wirklich guter Schauspieler. Ich hatte das besondere Talent zur Unaufrichtigkeit und redete mir ein, dass meine Reaktionen aus Notwendigkeit und nicht aus böser Absicht selten ehrlich waren. Ich hatte einfach keine Lust, die Leute zu verärgern oder permanent als Besserwisser dazustehen.

Wahrscheinlich war vor allem das der Grund, aus dem mir meine eigene Gesellschaft lieber als die anderer Menschen war. Solange ich allein war, füllte mein Gehirn sich nicht mit zahllosen Erinnerungen an. Und wenn ich das Zusammensein mit anderen nicht vermeiden konnte, zog ich die Gesellschaft Fremder der von Leuten, die ich schon seit Jahren kannte, und die meiner eigenen Familie der aller anderen vor.

Die Geschichten Fremder waren immer neu, was eindeutig ein Vorteil war.

Und die Geschichten der Familie wurden niemals wirklich langweilig für mich. Ich liebte meine zahlreichen Geschwister, und falls ich einmal nicht in der Stimmung war, mir eine der Familiengeschichten anzuhören, nahmen sie mein Gejammer, weil sie sie bereits zum x-ten Mal erzählten, zwar nicht klaglos hin, mussten mich aber trotzdem weiter lieben, weil ich ihr Bruder war.

Erst mit siebzehn ging mir auf, dass es Leuten beim Erzählen von Geschichten weniger um ihre Zuhörer als um sie selber ging. Mit einer Story wie »Als ich mich einmal so betrunken habe, dass ich glatt über den Zaun des Grundstücks dieses oder jenes Stars geklettert bin und dort zum Frühstück eingeladen wurde« oder »Wie ich diese Urlauber vor einer Klapperschlange retten musste«, demonstrieren sie, wie ausgefüllt, bedeutsam oder abenteuerlich ihr Leben ist, wie komisch, mutig oder uneitel sie sind, und dass es sich auf alle Fälle lohnt, mit ihnen befreundet oder wenigstens bekannt zu sein.

Es ist, als müssten sich die Menschen ihres eigenen Werts versichern, und das tun sie durch die permanente Wiederholung der stets gleichen elf bis zwölf Geschichten, die sie selbst und das Leben, das sie führten, definierten.

Genau das ist das Problem für jemanden, der nie etwas vergisst. Genau deshalb bin ich so wählerisch, wenn’s um das Sammeln von Erinnerungen geht.

Ich kann nicht entscheiden, ob ich mich an irgendwas erinnern möchte oder nicht. Die Geschichten, die sich einen Weg in mein Gedächtnis bahnen, verblassen nie. Sie prägen sich mir ausnahmslos für alle Zeiten ein. In meinem Kopf sind zahllose Geschichten, die ich nie erzählen würde, obwohl sie mich durchaus definieren, und genauso viele, die ich gern vergessen würde.

Was mir allerdings nicht möglich ist.

Aus diesem Grund saß ich in meinem Wagen, starrte durch die Windschutzscheibe und die breite Fensterfront des kleinen Diners und konnte mich nicht entscheiden, reinzugehen. Gleichzeitig stürmten zahlreiche, lebendige Erinnerungen auf mich ein. All meine Erinnerungen waren lebendig, aber diese gerade waren gleichzeitig so schmerzlich, dass ich sie bereits vor einer Ewigkeit hätte vergessen wollen. Aber wie alles andere hatten sich auch diese Bilder mir für alle Zeiten eingeprägt.

Simone Payton sollte nicht in Daisy’s Nut House sein.

Es war Donnerstag, der letzte Donnerstag des Monats. Und am Donnerstag, vor allem am letzten Donnerstag des Monats, hatte ich sie hier noch nie gesehen.

Seit fünf Jahren (oder genau gesagt, fünf Jahren, vier Monaten, zwölf Tagen) kam Simone immer am ersten Freitag jeden Monats um 17.16 Uhr am Flughafen von Knoxville an, was hieß, dass ich problemlos noch bis circa 18.00 Uhr etwas im Daisy’s essen konnte, ohne sie zu sehen. Und danach hielt ich mich während des ganzen Wochenendes möglichst von dort fern, denn erst am Sonntagabend kehrte sie zurück nach Washington, D.C.

Das erste Wochenende jedes Monats ohne Donuts zu verbringen, war ein geringer Preis dafür, neuen Erinnerungen an Simone Payton aus dem Weg zu gehen.

Aber jetzt war sie plötzlich hier. An einem Donnerstag. Dem letzten Donnerstag des Monats.

Echt frustrierend.

Ich verschränkte meine Arme vor der Brust und kratzte mich am Hals. Irgendwo in meiner Nähe röhrte ein Motorrad. Das Geräusch kam näher und brach plötzlich ab. Ich selbst hatte den Motor meines Wagens noch nicht ausgeschaltet, weil ich noch nicht wusste, ob ich bleiben würde oder nicht. Die Frage war – wie groß war mein Verlangen nach einem Donut?

Ziemlich groß.

Ich war vier Stunden unterwegs gewesen und während der Fahrt waren mir zahllose Gedanken durch den Kopf gegangen, vor allem an den leckeren Daisy’s Nut House-Donut, den ich mir nach meiner Ankunft in Green Valley immer holen ging. Vielleicht würde ich sogar so weit gehen, drei Dutzend für das samstägliche Frühstück mitzunehmen und mit den anderen zu teilen.

Da wären sie sicher überrascht. Erst letzten Monat hatte mein mittlerer Bruder Cletus mir erklärt, ich sähe nie »über die eigene Nasenspitze raus«. Nur, weil ich seine frisch gewaschene Wäsche, statt sie in den Trockner umzuladen, in den Wäschekorb geworfen hatte, als ich selber hatte waschen wollen.

Aber erstens waren die Handtücher im Trockner noch ein bisschen feucht gewesen, und statt einfach seine nassen Kleider noch dazu zu packen, hatte ich den Trockner mit den feuchten Frotteetüchern noch mal angestellt. Zweitens hatte ich im Anschluss erst mal meine eigenen Kleider trocknen müssen, um vor Sonnenaufgang loszukommen. Und drittens hatte ich ihm, ehe ich das Haus verlassen hatte, ausdrücklich gesagt, er müsste seine Sachen in den Trockner tun.

Ich hatte also meine Pflicht getan.

Das aber fand er nicht, und hatte mich deswegen siebzehnmal in Knoxville angerufen, und sich einzeln über jedes Kleidungsstück, das meinetwegen jetzt schlecht roch, beschwert. Ich konnte praktisch hören, wie er daran schnupperte, und sehen, wie er das Gesicht verzog.

Um es kurz zu machen, Cletus hatte, wie es seine Art war, wieder einmal furchtbar überreagiert.

Augenrollend lenkte ich den Blick zurück auf das Lokal und auf die wunderhübsche Frau, die mit einer Kaffeekanne zu den beiden Männern, die am Tresen saßen, trat. Obwohl Garrison Tyler und Jeff Templer auch mir selbst durchaus nicht unsympathisch waren, knirschte ich mit den Zähnen, als ich ihr breites Lächeln sah.

Ich zwang mich, meinen Blick von ihr zu lösen und gestand mir widerstrebend ein, dass sie kein Kind mehr war. Das war sie schon seit einer ganzen Zeit nicht mehr, aber die Jahre, die zwischen jetzt und damals lagen, hatte ich verpasst.

Ich machte so was nicht. Ich suchte niemals ihre Nähe und vor allem saß ich für gewöhnlich nicht nach Sonnenuntergang in meinem dunklen Wagen und beobachtete sie. Ich war kein Stalker. Ganz im Gegenteil ging ich ihr aus dem Weg, so wie mein Bruder Cletus es mit dummen Menschen tat. Ich hatte seit zehn Jahren nichts mehr von ihrem Leben mitbekommen und so sollte es aus meiner Sicht auch weitergehen.

Vielleicht …

Vielleicht könnte ich ja so tun, als hätte ich es eilig. Vielleicht könnte ich so tun, als führte ich ein sehr wichtiges Telefonat und hätte deshalb keine Zeit für ein richtiges Gespräch oder auch nur eine beiläufige Plauderei. Vielleicht könnte ich etwas bestellen, wieder rausrennen, als müsste ich was nachsehen und zurückkommen, wenn die Donuts fertig wären.

Oder vielleicht sollte ich mich einfach nur zusammenreißen und so tun, als wäre alles ganz normal.

 … ach nee.

Ich schaltete den Motor meines Wagens aus und dachte über einen Schlachtplan nach. Ich würde einfach reingehen, so tun, als wäre ich am Telefon, mit möglichst wenig Worten die Bestellung aufgeben, wieder hinausgehen – weil ich schließlich keiner dieser nervtötenden öffentlichen Telefonierer, die andere beim Essen störten, war – und erst zurückkehren, wenn meine Donuts fertig wären. Den Zwanziger, den ich bezahlen müsste, hätte ich schon in der Hand. Ich würde ihn, mein Handy weiterhin am Ohr, mit einem beiläufigen Nicken auf den Tresen legen und dann hätte ich’s geschafft.

Perfekt.

Ich öffnete die Tür, stieg aber erst nach kurzem Zögern aus, atmete tief durch und schob die Tür hinter mir zu, während ich gleichzeitig mein Handy aus der Tasche zog.

Ich starrte auf den Bildschirm.

Eigentlich … genau, am besten riefe ich meine Schwester Ashley an und zwänge sie, am Apparat zu bleiben, bis ich unsere Donuts in den Händen hielt und wieder auf dem Weg nach draußen war. Genau. Sie würde mich verstehen. Sie würde mich nicht aufziehen, wenn ich ihr erklärte, was der Grund für meinen Anruf war. Sie war die beste Schwester, die es gab.

Das war ein guter Plan. Ein wirklich guter Plan.

Ich wischte mit dem Daumen über das Display, klickte die Kontakte an, rief die zuletzt gewählten Nummern auf und wollte gerade auf den Namen meiner Schwester tippen, als ich Schritte näherkommen hörte und jemand über den Parkplatz direkt auf mich zugelaufen kam.

Ich sah auf, zuckte zusammen, ließ die Hand mit meinem Mobiltelefon sinken, machte einen Schritt zurück und riss die Augen auf.

Es war mein Vater.

Oder eher mein Erzeuger.

Der direkt in meine Richtung kam.

Obwohl zwischen den kahlen Eichen, die den Parkplatz säumten, nur ein letzter Rest von kaltem, grauem Winterlicht auf die Gestalt mir gegenüber fiel und ich sie im Grunde gar nicht wirklich kannte, hätte ich sie überall erkannt. Ich konnte sein Gesicht nicht wirklich sehen, aber ich kannte den Gang, die Art, sich zu bewegen, durch die Gegend zu stolzieren wie es auch der älteste meiner Brüder, Jethro, tat.

Im Augenblick erstaunte mich vor allem, dass er seit unserem letzten Treffen kein bisschen gealtert war. In seinem grau melierten Haar waren die dunklen Strähnen noch immer deutlich in der Überzahl, er war groß und schlank und muskulös, und wirkte zwanzig Jahre jünger als er war, denn abgesehen von den tiefen Lachfalten, die sich um seine leuchtend blauen Augen und um seine Mundwinkel gegraben hatten, waren seine Züge völlig glatt.

Allerdings kam es mir seltsam vor, wie ähnlich wir uns sahen. Als schaute mich jemand mit meinem eigenen Lächeln auf den Lippen an. Ich hatte das alles andere als beruhigende Gefühl, mir selbst ins Gesicht zu sehen.

Ich erstarrte, denn erst jetzt wurde mir klar, dass er mich abgefangen hatte, während ich hier neben meinem Wagen stand, und mit mir würde sprechen wollen.

Aber warum zum Teufel sollte er das tun?

Ich hatte ihn zum letzten Mal gesehen, als er nach dem Begräbnis meiner Momma festgenommen worden war. Nachdem er einen Tag nach ihrem Tod im Morgengrauen vor unserer Tür gestanden, Forderungen gestellt und wüste Drohungen ausgestoßen hatte, hatte er versucht, dem Ansinnen, einen Teil des Erbes zu bekommen, durch die Entführung meiner Schwester sowie meines Bruders Billy Nachdruck zu verleihen.

Das letzte Mal davor hatte er mich eines Tages völlig überraschend und zum ersten Mal in meinem Leben von der Schule abgeholt und ich hatte mich unglaublich gefreut. Er hatte mich nach meinen Hobbys, nach der Schule, Mädchen und danach, was meine Momma machte, ausgefragt, und ich hätte geschworen, dass das der schönste Tag in meinem Leben war, bis er mich plötzlich grinsend mitten auf Hawk`s Field gezwungen hatte auszusteigen und zu sehen, ob ich von dort aus ganz allein zurück nach Hause fand. Er wollte sehen, ob ich ein ganzer Kerl war und verdiente, dass sein Blut durch meine Adern floss.

Ich war zwölf gewesen.

Und jetzt knirschte der Kies unter den Stiefeln dieses Kerls, während er langsam und geschmeidig auf mich zugelaufen kam und mich mit einem Blick bedachte, als ob er mich besser kennen würde als ich selbst.

Warum zum Teufel lächelt er?

Ich war von seinem Auftauchen derart verwirrt, dass ich nur dastehen und darauf warten konnte, was er wollte. Zumindest aber schaffte ich es, meinen Mund zu schließen, während ich die Stimme meines Bruders Cletus hörte, der mich anfuhr: »Mach den Mund zu, niemand will dein Gaumenzäpfchen sehen.«

Darrell Winston blieb vielleicht zwei Meter vor mir stehen und seine Augen leuchteten, als er den Blick an mir herunterwandern ließ.

»Junge«, grüßte er mich warm mit einer Stimme, die so tief wie die von meinem Bruder Billy, doch vom jahrelangen Rauchen und den Abgasen der Motorräder, die er selbst und seine Kumpel fuhren, deutlich rauer war. »Was für ein netter Zufall.«

»Ach«, gab ich zurück und stellte fest, dass ich vor lauter Überraschung ebenfalls ein wenig heiser klang.

Ich hätte nie – tatsächlich nie – damit gerechnet, ihn zu sehen. Weder jetzt noch überhaupt jemals.

»Natürlich ist es schön, dass wir uns sehen.« Darrells Grinsen wurde noch ein wenig breiter und ich nahm das amüsierte Blitzen seiner Augen wahr. »Wie geht es dir?«, erkundigte er sich in einem derart interessierten Ton, dass mir beinahe die Kinnlade herunterfiel.

Ich richtete mich kerzengerade auf, reckte mein Kinn und kreuzte meine Arme vor der Brust. Es war eine instinktive Abwehrhaltung, die mir aber gegen seine aufgesetzte Ehrlichkeit im Grunde auch nicht weiterhalf.

Denn seine Ehrlichkeit war selbstverständlich nur gespielt. Wie ich schon sagte, kannte ich ihn kaum, aber mir machte niemand etwas vor.

»Was willst du?«, fragte ich, als meine Überraschung kaltem Ärger wich, und gab mir keine Mühe, mich so höflich und interessiert zu geben, wie er es mir gegenüber tat.

Noch immer wirkte Darrell amüsiert, als er erneut den Blick an mir herunterwandern ließ. »Gehst du rein?« Er wies in Richtung des Lokals. »Dann komm. Ich lade dich zum Abendessen ein.«

Meine Nase rümpfte sich von ganz allein und ich verzog verächtlich das Gesicht. »Nein.«

»Nein?« Er lachte leise auf, als wäre ich ein süßes Kleinkind und als wäre er total vernarrt in mich. »Na komm schon, Roscoe. Schließlich haben wir uns … wie lange? Drei, vier Jahre? … nicht mehr gesehen.«

»Seit sechs Jahren und vier Monaten.« Und zweiundzwanzig Tagen, um genau zu sein.

Jetzt grinste er noch breiter, freute sich über die versehentliche Korrektur, und interpretierte ganz eindeutig viel zu viel hinein. Ich wusste immer, wann ich wen zum letzten Mal gesehen hatte. Es war also nichts Besonderes, dass auch unser letztes Treffen mir genauestens in Erinnerung geblieben war.

Lachend meinte er: »Na klar, dein Alter Herr hat dir natürlich keinen Augenblick gefehlt.«

Ich knirschte mit den Zähnen und wandte mich entschlossen ab. Ich hatte nicht die Absicht, diesem Kerl noch länger ins Gesicht zu sehen, der, wenn die Geschichten, die ich im Verlauf der Jahre mitbekommen hatte, stimmten, schuld am Elend unserer Familie war.

In dem Moment entdeckte ich Simone.

Sie war nicht mehr im Diner, um dort lächelnd Kaffee auszuschenken, sondern sah mir ins Gesicht, als sie über den Gehweg auf den Parkplatz kam. Ich wurde schreckensstarr und lenkte automatisch meinen Blick zurück auf meinen Vater.

Etwas an meinem Gesichtsausdruck musste ihm aufgefallen sein, denn er sah über seine Schulter, richtete sich auf und sah Simone entgegen, als sie auf uns zugelaufen kam. Dann wandte er sich abermals an mich und stellte feixend fest: »Wen haben wir denn da?«, als würden ihr Erscheinen und meine Reaktion darauf ihn amüsieren.

Ich muss sofort hier weg.

Ich konnte nicht hier weg.

Ich würde ganz bestimmt nicht gehen, denn dann wäre sie ganz allein mit diesem Kerl. Okay, nicht ganz allein, denn Garrison und Jeff saßen noch immer im Laden, aber bis sie hier draußen wären, könnte alles Mögliche geschehen.

Ich versuchte, mir zu sagen, dass ich mich bezüglich jedes Menschen so verhalten hätte, doch ich wusste selbst, dass das eine Lüge war. Es gab nicht viele Menschen, derentwegen ich die Nähe meines Vaters ertragen hätte, und Simone führte die Liste dieser Menschen an. Selbst wenn ein Dutzend Polizisten sie umgeben hätten, hätte ich nicht zugelassen, dass sie auch nur einen Augenblick mit diesem Mann zusammenblieb.

Zum Teufel. Nein.

Ich baute mich breitbeinig vor ihm auf und die Entschlossenheit, sie zu beschützen, war mir deutlich anzusehen.

Darrells Grinsen wurde tatsächlich noch breiter und er sah mir forschend ins Gesicht. »Wie’s aussieht, ist dein Mädchen jetzt eine erwachsene Frau.«

Ich konnte seinen Ton unmöglich missverstehen, und das Verlangen, ihm die Gurgel umzudrehen, breitete sich wie eine Schockwelle in meinem Innern aus.

Ich öffnete den Mund, um etwas zu erwidern und ihm unter Umständen zu drohen.

Bevor ich jedoch die Gelegenheit dazu bekam, rief sie mit lauter Stimme. »Roscoe? Roscoe Winston? Dachte ich mir doch, dass du es bist.«

Ich blickte sie nicht an, denn ich war immer noch auf die Gefahr direkt vor meinen Augen konzentriert, und runzelte die Stirn, als er an meiner Stelle sagte: »Ja, Kleine. Hier steht Roscoe Orwell Winston, wie er leibt und lebt.«

Er wandte sich ihr wieder zu und als ein Lächeln seinen Mund umspielte, blitzte ich ihn böse von der Seite an.

»Und Sie … sind Sie das, Mr Winston?«, fragte sie und klang, als würde sie sich freuen.

Ich traute meinen Ohren nicht. Simone hasste meinen Vater. Oder hatte es auf jeden Fall immer behauptet, als wir jung gewesen waren. Dazu kam mir ihre Art zu reden … seltsam vor. Als spräche sie absichtlich mit Akzent. Mein Vater merkte das wahrscheinlich nicht, aber ich hörte es auf jeden Fall.

Ich selbst, Simones Momma Daisy und ihr Großvater, der Richter, hatten einen ausgeprägten Südstaatenakzent. Simone, ihr Daddy, ihre Schwester und ihr Bruder aber hatten stets geklungen als ob sie Yankees wären.

Unbeeindruckt von der Art, in der sie sprach, nickte ihr Darrrell zu. »Hallo, Miss Simone.«

So hatte er sie schon genannt, wenn er sie früher bei uns angetroffen hatte, wenn er unerwartet auf der Bildfläche erschienen war. Belustigt und mit spöttischem Respekt. Worauf sie nie hereingefallen war.

Jetzt aber lachte sie, und während sich mein Stirnrunzeln vertiefte, gab sie gut gelaunt zurück: »Hallo, Mr Winston. Lange nicht gesehen.«

Ich lenkte meinen Blick auf sie, nahm sie aber aus Sorge, wie es weitergehen würde, gar nicht wirklich wahr.

Sie reichte meinem alten Herrn die Hand und statt sie kurz zu schütteln, hielt er ihre Finger so behutsam fest, als wären sie zerbrechlicher als Glas.

Dann sagte er mit so vertraulicher und sanfter Stimme, dass ich meine Fäuste ballte: »Gerade habe ich zu meinem Sohn gesagt, dass ich einfach nicht glauben kann, wie groß du in der Zwischenzeit geworden bist. Wie alt bist du?«

»Genauso alt wie Roscoe«, klärte sie ihn lächelnd auf, entzog sich seinem Griff und wandte sich an mich.

Anscheinend widerstrebend trat sie auf mich zu, aber ich starrte weiter Darrell an und mir blieb nicht verborgen, wie er seinen Blick an ihr herunterwandern ließ. Erst musterte er ihre langen, wohlgeformten Beine und danach bewunderte er derart ausgiebig ihr Hinterteil, dass ich ihm an die Gurgel hätte gehen wollen, während sie unaufhaltsam immer näherkam.

Ich wusste, weshalb Vatermord verboten war. Bei einem Vater wie meinem und aufgrund der Art, wie er Simone beäugte, konnte ich aber verstehen, dass es trotzdem dazu kam. Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als sie vollkommen überraschend einen Arm um meine Taille schlang.

Automatisch schlang ich meinerseits den Arm um ihre Hüfte, während ich mir sagte, dass die Gegenwart meines Erzeugers – und mein grenzenloser Hass auf diesen Typen – hoffentlich verhindern würde, dass mich diese flüchtige Umarmung zukünftig genauso quälen würde wie so viele andere Augenblicke in Zusammenhang mit dieser Frau.

Aber selbst, wenn, könnte ich nichts dagegen tun. Zeit meines Erwachsenenlebens hatte ich mich nach Simone verzehrt, auch wenn ich alles tat, um irgendwelchen Neuigkeiten und selbst der Erwähnung ihres Namens möglichst aus dem Weg zu gehen. Trotz bester Absichten könnte ich nichts dagegen tun, mich wenigstens an einen Teil dieses kurzen Augenblickes zu erinnern.

Der am Ende deutlich mehr als eine flüchtige Umarmung war.

Als unsere Körper sich berührten, atmete sie zischend ein, verstärkte ihren Griff um meine Taille und brachte mich vollends aus dem Gleichgewicht.

Ich blinzelte und konzentrierte mich, obwohl ich es nicht wollte, ausschließlich auf sie.

Sie riecht wie mitternächtlicher Jasmin.

Natürlich gibt es keinen mitternächtlichen Jasmin, aber Jasmin duftet auch nachts und ebendiesen Duft sog ich in diesem Augenblick in meine Lungen ein.

Ich kniff die Augen zu und gab mir alle Mühe, mich auf meinen Zorn zu konzentrieren.

Ich würde mich auf keinen Fall daran erinnern, wie es war, wenn sie in meinen Armen lag.

Ich würde mich auf keinen Fall daran erinnern, wie es war, wenn sie sich an mich schmiegte, wie gut unsere Formen zueinanderpassten, und wie zugleich weich und fest ihr Körper war.

Ich würde mich auf keinen Fall daran erinnern, welche Wärme von ihr ausging und wie es sich anfühlte, wenn ihre Wange und ihr Mund so dicht an meinem Hals lagen, dass er sie praktisch zu berühren schien.

Auf keinen Fall.

Verdammt.

Ich war total am Arsch.

2

Simone

Heiliges Kanonenrohr.

Hei. Li. Ges. Ka. No. Nen. Rohr.

Heilige Mutter sämtlicher Kanonen, die je abgefeuert worden waren.

Ich umarmte Roscoe Winston. Nach zehn Jahren praktisch ohne jeglichen Kontakt war das einfach total verrückt.

Und noch verrückter war, dass Darrell, dieser Arsch, uns währenddessen gegenüberstand.

Darrell Winston, der nur drei Monate vor Ende der für die Entführung zwei seiner erwachsenen Kinder über ihn verhängten Haftstrafe während des Freigangs abgehauen und seither unauffindbar gewesen war, stand auf dem Parkplatz unseres Diners und alberte mit seinem jüngsten Sohn herum, obwohl ihm das halbe FBI auf den Fersen war.

Ich konnte mein Glück einfach nicht fassen und es nicht erwarten, Meldung zu erstatten.

Konnte es tatsächlich kaum erwarten.

Und würde auf alle Fälle Meldung machen.

Ich schmiegte mich noch etwas fester an Roscoe.

Sobald ich damit fertig war.

#Prioritäten

Ich hatte eigentlich nicht vorgehabt, ihn zu umarmen, denn im Grunde war es mir um etwas völlig anders gegangen, als ich Roscoe und den Alten durch das Fenster unseres Diners hatte auf dem Parkplatz stehen sehen. Ich war nicht unbedingt der kuschelige Typ. Ich klatschte lieber ab und nickte anderen zum Gruß mit einem knappen Lächeln zu.

Vor allem hatte ich mich bei Verlassen unseres Diners nicht auf Roscoe, sondern ganz auf seinen Vater konzentriert.

Okay, vielleicht nicht ganz.

Ich hatte Darrell nur von hinten sehen können, und hatte im Grunde nur vermutet, dass der Kerl, mit dem sich Roscoe unterhielt, vielleicht sein Vater sein könnte. Aber es war tatsächlich Darrell Winston, Vizepräsident des Iron Wraiths Motorradclubs, ein Schwerverbrecher auf der Flucht und unseres Wissens nach der einzige Vertraute unseres Hauptverdächtigen. Wenn ich diesen seltenen Anblick möglichst umgehend melden und wir ihn in aller Stille festnehmen könnten, wäre ich im nächsten halben Jahr Nelsons absoluter Lieblingsmensch.

Nur war es leider so, dass mich versehentlich mein bester Freund aus Kindertagen in den Armen hielt. Ich konnte also nicht nur keine Meldung machen, sondern hatte obendrein auch keine Ahnung, wie es hatte dazu kommen können, dass ich jetzt in Roscoes starken Armen lag, den Kopf an seiner muskulösen Brust vergrub und seinen Duft in meine Lungen sog.

Moment mal, warum schnupperte ich auch noch an dem Kerl?

Weil er gut riecht. Go with the flow.

Der neue Roscoe roch erheblich besser als der alte, der seit seinem zwölften Lebensjahr den süßlich-stechenden Geruch nach Maischips und nach Sockenschweiß entwickelt hatte, wie er für heranwachsende Jungen typisch war.

Mein älterer Bruder hatte den Geruch bei uns zu Hause eingeführt, als ich noch in der Grundschule gewesen war, und etwas ängstlich hatte ich darauf gewartet, wie es würde, wen ich selbst in dieses Alter kam. Doch keine Angst, denn nicht alle Teenies riechen nach Käsefüßen. Nur Jungs.

Sauer auf mich selbst, weil ich keine Lust hatte, ihn loszulassen, schmiegte ich mich noch ein wenig enger an ihn.

Ich war diesem plötzlichen Bedürfnis hilflos ausgeliefert, und noch während ich ihm nachgab, überlegte ich, wie es dazu gekommen war.

Ich hatte mich gezwungen, seinem Bikervater, diesem Schleimer, kurz die Hand zu geben, dabei Roscoe angesehen und …

 … plötzlich waren Gefühle in mir aufgestiegen.

Gottverdammich noch einmal.

Im Allgemeinen sind Gefühle meiner Meinung nach durchaus okay. Ich freue mich für andere, wenn sie Gefühle haben, und ich wünsche ihnen damit alles Glück der Welt.

Versteht mich nicht falsch. Ich habe auch Gefühle, aber vollständig in Anspruch nehmen oder gar leiten lasse ich mich davon nicht. Dafür sind sie einfach nicht da. Wenn ich Führung suche, gehe ich auf Google Maps oder heuere einen Sherpa an.

Aus diesem Grund war ich ganz sicher nicht begeistert von den unpraktischen, plötzlichen Emotionen, die es mir unmöglich machten, meinen Job zu tun. Ich stand auf dem vermaledeiten Parkplatz in den Armen meines früher besten Freundes und verstand nicht, was da vor sich ging.

Du bist einfach nostalgisch. Weiter nichts.

Wie oft hatten wir uns als Kinder und als Teenager umarmt? Öfter als man zählen kann. Nicht, dass ich auf die Idee gekommen wäre, damals mitzuzählen. Hätte ich gewusst, dass unsere Umarmungen einmal ein so abruptes Ende nehmen würden, hätte ich das unter Umständen getan. Aber ich war völlig ahnungslos gewesen, und hatte deshalb nicht Buch geführt.

Stattdessen hatte ich mich blind darauf verlassen, dass er immer für mich da sein würde und wir allzeit beste Freunde wären.

Aber nein. Das hatte sich als grober Irrtum rausgestellt.

Wie aber heißt es doch so zutreffend? Die Zeit heilt alle Wunden, die nicht septisch sind. Infolgedessen hatte ich schon ewig nicht mehr an Roscoe Winston gedacht.

Vor allem war sein Verhalten vielleicht damit zu entschuldigen, dass wir damals noch Kinder waren. Wir waren gerade einmal sechzehn Jahre jung, und Roscoe hat mich einfach kurzerhand gegen die coolen Leute an der Schule eingetauscht. Er hat weder irgendwelche Lügen noch Gerüchte in die Welt gesetzt. Wir waren einfach freitags noch die besten Freunde und am Montag war er plötzlich nicht mehr für mich da.

Er hatte einfach kein Interesse mehr an mir gehabt. Womöglich hatten wir uns in verschiede Richtungen entwickelt, ohne dass es mir bewusst gewesen war. Was auch immer. So etwas kommt eben vor. Ich bin drüber hinweg.

Auch wenn es überraschend schön war, dass sein schwerer Arm auf meinem Rücken lag. Fest und stark. Und als er seinen Griff verstärkte, schmiege ich mich noch ein wenig enger an ihn an, presste meine Nase gegen seinen Hals und gab mich ganz meinen Gefühlen hin.

Irgendwie fand ich es seltsam und zugleich total normal, Arm in Arm mit Roscoe dazustehen. Es war wie früher, aber gleichzeitig auch neu. Die Nähe zwischen uns war tröstlich und vertraut und seltsam …

Aufregend? Verführerisch?

Oh nein. Ganz sicher nicht verführerisch. Verführerisch war ein beunruhigendes Wort. Niemand sollte es benutzen. Es war fast so schlimm wie prickelnd.

Plötzlich wurde er nervös, spannte sich an und mir wurde bewusst, dass ich schon viel zu lange Arm in Arm mit ihm dort stand. Er glitt mit seiner Hand in Richtung meiner Schultern, schob mich sachte von sich fort, und mit vor Verlegenheit und gleichzeitig Verwirrung roten Wangen ließ ich von ihm ab.

Ich kam jedoch nicht weit, bevor er schützend seinen Arm um meine Schultern schlang.

Maximal verwirrt von meinem eigenen impulsiven Vorgehen und von seiner Reaktion hob ich reflexartig den Kopf und sah, wie dieser neue Roscoe seinen Vater wütend anblitzte und kalt erklärte: »Du solltest jetzt besser wieder gehen.«

Okaaay.

Ja, dieser Roscoe war anders. So hätte der alte Roscoe nie mit seinem Vater gesprochen. Ich musste mich anstrengen, um gedanklich hinterherzukommen und den alten Roscoe mit dieser neuen Version zusammenzubringen.

Doch im Gegensatz zu mir fuhr Darrell unter Roscoes Worten nicht zusammen und wirkte nicht einmal besonders überrascht. Er bedachte seinen Sohn mit einem ruhigen Blick, kratzte sich lächelnd im Genick und wandte sich an mich. »Warum gehen wir nicht rein und klönen über die alten Zeiten? Wir geht es denn der Momma, Miss Simone?«

»Meiner Mom?« Ich griff mir an die Brust. »Oh, sie –«

»Darrell«, herrschte Roscoe ihn mit einer Stimme an, bei der die Luft, die uns umgab, gefror. »Ich weiß nicht, was du für ein Spielchen spielst, aber es interessiert mich nicht.«

»Darrell?«, hakte sein Erzeuger nach und unterzog ihn einer neuerlichen Musterung. »Gehört es sich etwa, den eigenen Dad bei seinem Taufnamen zu nennen?«

»Du bist vielleicht getauft, aber ich wüsste nicht, was davon abgesehen christlich an dir ist.«

Oha …

Der saß.

Unter dem kalten Klang der Stimme seines Sohns oder vielleicht wegen der Mordlust, die bei diesem Satz in Roscoes Augen blitzte, richtete sich Darrell kerzengerade auf.

Aus welchem Grund auch immer schien er kurz zu überlegen, nickte knapp und stellte fest: »Dann hat dein Bruder Billy dich also genau wie deine Schwester und Jethro gegen deinen eigenen Vater aufgehetzt.«

Roscoe runzelte die Stirn, aber bevor er reagieren konnte, fuhr der alte Winston bereits fort. »Oder war es Cletus, der Idiot? Sogar ein leeres Blatt Papier hat mehr Verstand als er.«

Ich verschluckte mich fast. Die Aussage war einfach nur falsch.Wenn irgendwer mir gripsmäßig das Wasser reichen konnte, war es Cletus Winston, doch bevor ich etwas sagen konnte, machte Roscoe einen Schritt nach vorn.

»Du hast ja keine Ahnung«, fuhr er seinen Vater an und eilig schlang ich abermals den Arm um seine Hüfte und hielt ihn entschlossen fest. Der neue Roscoe mochte deutlich tougher als mein bester Freund aus Kindertagen sein, doch wenn er nicht gerade ein Profi in Mixed Martial Arts geworden war, hätte er noch immer keine Chance gegen seinen alten Herrn.

Nach allem, was ich über Darrell Winston gelesen hatte, war er niemand, der sich während eines Kampfes an die Regeln hielt, und hatte kein Problem damit gehabt, auf seine eigene Frau und seine Kinder loszugehen. Und falls Darrell Roscoe schlug, wäre ich gezwungen, ihn zu schlagen und … tja nun, ihr wisst schon.

Das wäre komisch.

Zum Glück gestattete Roscoe mir, ihn festzuhalten, stellte aber mit herausfordernder Stimme fest: »Du kennst uns nicht. Und wir sind froh, wenn es so bleibt.«

Ich blickte zwischen beiden Männern hin und her. Instinktiv sowie aus falsch verstandener Treue gegenüber meinem früher besten Kumpel hätte ich ihm gerne applaudiert, aber mein Pflichtbewusstsein und die Logik rieten mir mit Nachdruck davon ab. Am besten täte ich genau das Gegenteil. Ich musste dafür sorgen, dass der Alte weiter in der Nähe blieb. Der Mann wurde gesucht, und zwar auch noch aus anderen Gründen als dass er nach seinem Freigang nicht mehr in den Knast zurückgekommen war.

Ich räusperte mich, drückte Roscoes Taille und bemühte mich um einen Ton, der nicht verriet, worum es mir in Wahrheit ging. »Warum gehen wir nicht erst mal alle rein und essen ein Stück Kuchen?«

»Wir?«, fuhr Darrell Roscoe an, ohne auch nur annähernd auf meinen Vorschlag einzugehen. Anscheinend war ihm Kuchen nicht so wichtig wie dem jüngsten seiner Söhne wenigstens mit Worten eine reinzuhauen. »Dann sprichst du also plötzlich für euch alle?«

»Allerdings. Das tue ich.« Roscoe zögerte keinen Augenblick.

Es lief nicht gut.

Daran war sicher nur die seltsame Umarmung schuld.

Ich öffnete den Mund, bevor ich aber wieder etwas sagen konnte, legte Roscoe seine Hand warm und bestimmt auf meinen Rücken und schob uns in Richtung des Diners.

Ich blickte über meine Schulter und auch wenn ich Roscoe wünschte, dass sein Alter uns nicht folgen würde, wünschte ich um meinetwillen genau das Gegenteil. Der Biker starrte reglos auf den Kies zu seinen Füßen, und je näher wir dem Diner kamen, umso kleiner kam er mir nicht nur aufgrund der wachsenden Entfernung vor.

Dann sah er noch mal auf und ließ den Blick auf Roscoes Rücken ruhen. Dabei ließ er die Schultern hängen, atmete tief durch und sah urplötzlich nicht mehr zornig oder wütend, sondern … traurig aus.

Hm. Interessant.

Da es schwer war, geradeaus zu laufen, wenn man über seine Schulter blickte, lenkte ich den Blick wieder nach vorn und tastete in meiner Hosentasche nach dem Handy, das ich ständig bei mir trug.

Beim Diner angekommen, ließ Roscoe mir den Vortritt und warf einen letzten hasserfüllten Blick auf seinen Vater.

Ich ging an ihm vorbei, rief schnellstmöglich die Nachrichtenfunktion von meinem Handy auf und schrieb Nelson eine kurze Nachricht. Darrell Winston @ Daisy’s.

Sie war in dem geheimen Unterschlupf, in dem wir uns nach Ende meiner Schicht mit Lundqvist treffen wollten, und wenn Winston sich nicht sofort in Bewegung setzte, stünden ihre Chancen, ihn noch zu erwischen, fifty-fifty, überlegte ich.

Verdammt, ich hätte ihr die Nachricht schicken sollen, bevor ich rausgegangen war. So schlampig war ich für gewöhnlich nicht.

Ich hörte Roscoes Schritte hinter mir, doch er blieb stehen, als ich hinter den Tresen trat.

Ich schickte schnell die Nachricht ab, steckte mein Handy wieder ein und sah mich nach ihm um. Statt mir zu folgen, stand er mit dem Rücken zum Lokal mit verschränkten Armen an der Fensterfront neben der Tür und blickte dorthin, wo sein Alter – Gott sei Dank – noch immer auf dem Parkplatz stand.

Ein Auge auf Roscoes kerzengeraden Rücken und das andere auf Darrell, schenkte ich den beiden Kunden, die am Tresen saßen, Kaffee nach und schlenderte, verstohlene Blicke auf mein Handy werfend, dorthin, wo mein ehemaliger bester Freund Wache hielt.

N: Sind unterwegs.

Ich: Beeilt euch. Er ist auf dem Parkplatz.

Mit vor Aufregung und freudiger Erwartung wild klopfendem Herzen steckte ich mein Handy wieder ein, trat neben ihn und sah ihn von der Seite an.

Das hieß, ich blickte zu ihm auf,denn dieser neue Roscoe war beinah zwei Meter groß.

Ich blinzelte und diesmal schlug mein Herz einen mir unwillkommenen Purzelbaum.

Okay. Jetzt hasst mich bitte nicht, aber ich fahre nun einmal auf große Männer ab. Alle Frauen haben irgendeine ganz besondere Schwäche – Sixpacks oder Hände oder Kiefer oder Augen oder muskulöse Schenkel oder weiche Bäuche oder rote Haare oder Haare auf der Brust. Das ist ganz einfach so, wir können nichts dagegen tun.

Und wenn etwas dein Ding ist, liebe es und steh dazu.

Ich hatte leider keine Zeit, zu lieben oder dazu zu stehen, also konzentrierte ich mich lieber auf das Zucken seines Kiefers unter seinem sorgfältig gestutzten Bart.

Er war angespannt. Aber anders als sein Vater war er gleichzeitig auch außer sich vor Zorn.

»Hey.« Ich legte zögernd eine Hand auf seinen Arm, obwohl diese Berührung nach der seltsam innigen Umarmung, die ich ihm ein paar Minuten vorher aufgezwungen und die er wortlos hingenommen hatte, geradezu verblüffend harmlos war.

Er blickte weiter aus dem Fenster und ich schob mich etwas dichter neben ihn.

»Alles okay?«

Er nickte, doch sein Kiefer zuckte und er starrte zähneknirschend weiter geradeaus. Genau das hatte er auch früher schon getan, wenn wir gestritten hatten. Hatte stundenlang geschmollt, kein Wort gesagt und meine Fragen achselzuckend abgetan.

Ich hatte mich dafür gerächt, indem ich Lieder aus der Werbung oder irgendwelchen blöden Shows im Fernsehen sang, die er dann nicht mehr aus dem Kopf bekam, und früher oder später hatte er gelacht, klein beigegeben und erklärt, warum er sauer auf mich war.

Ein unaufgefordertes Lächeln huschte über mein Gesicht. Das hatte ich total vergessen. Oder nicht vergessen, sondern einfach wie an Roscoe selber schon seit einer Ewigkeit nicht mehr gedacht.

Ich kann einfach nicht glauben, dass er hier ist.

Schon wieder diese blöde Nostalgie.

Das laute Knattern eines Motors lenkte meinen Blick zurück in Richtung Parkplatz und ich riss entsetzt die Augen auf. Es konnte doch nicht sein, dass Darrell Winston noch die Biege machte, während die Verstärkung schon im Anmarsch war.

Verdammt.

Verdammt verdammte scheiß Riesenscheiße.

Verdammt.

Ich erwog, alleine loszustürzen und ihn festzunehmen, und wenn nur die beiden anderen Kunden im Lokal gewesen wären, hätte ich das sicher auch getan. Solange aber Roscoe da war, konnte ich das einfach nicht.

Frustriert sah ich Darrell Winston hinterher, als er den Ständer seines Motorrads hochklappte, in hohem Tempo auf die Straße bog und Richtung Norden fuhr.

Ich tastete erneut nach meinem Handy, wandte mich von Roscoe ab und brachte Nelson auf den neuesten Stand. Ich schrieb, wohin er fuhr, wie er gekleidet war, nannte Marke und Modell seines Motorrads und noch ein paar andere Details, die vielleicht wichtig waren.

Ach hätte ich doch nur …

Tatsächlich aber hätte ich nichts machen können, weil ich schließlich undercover war. Auch wenn meine Geschichte anders als die anderer Agenten, die verdeckt ermittelten, nur teilweise erfunden war. Im Grunde spielte ich mich selbst. Ich tat, als ob ich meinen Job, den ich nach meinem Abschluss in Forensik an der George Washington University vor zwei Jahren beim Justizministerium bekommen hatte, aufgegeben hätte und mir erst mal überlegen wollte, wie es jetzt mit meinem Leben weitergehen soll.

Eigentlich war ich also einfach eine leicht zerstreute Version der Frau, die ich in Wahrheit war. Nur meine Eltern wussten, dass das FBI mich angeheuert hatte, auch wenn ich ihnen auf keinen Fall verraten durfte, was der Grund für diesen Einsatz war.

Obwohl ich wusste, dass ich Darrell unmöglich hätte verhaften können, war ich total frustriert. Hätte ich die Nachricht vor Verlassen des Lokales abgesetzt, statt kopflos loszustürzen, Roscoe nicht umarmt und wären nicht diese unwillkommenen Gefühle in mir aufgekommen, wäre es mir unter Umständen gelungen, Darrell Winston dazu zu bewegen, reinzukommen und ihn mit Getränken, Essen oder was auch immer zu versorgen, mit dem sich ein böser Biker festhalten ließ.

Inzwischen war die neue Nachricht abgeschickt und während ich verstohlen mein Handy wieder in die Tasche steckte, blickte ich erneut zu Roscoe auf. Er sah noch immer reglos aus dem Fenster, doch er knirschte nicht mehr mit den Zähnen, sondern biss sich auf die Unterlippe, ließ sie wieder los und biss sofort noch einmal zu.

Ich nutzte seine Abgelenktheit, um mir diesen neuen, großen Roscoe näher anzusehen. Mir gingen unzählige Fragen durch den Kopf

Obwohl er sich total verändert hatte, war er mir noch immer unglaublich vertraut. Er war nicht nur gewachsen, sondern hatte, wenn die Breite seiner Schultern und des Oberkörpers ein Indiz war, jede Menge Muskeln aufgebaut.

Vielleicht ist er ja wirklich ein Mixed Martial Arts Profi.

Es war, als hätte jemand meinen Freund genommen und sein Wesen in den Körper dieses … dieses … ausgewachsenen Mannes umgepflanzt.

Auch die Art, wie er mit seinem Vater gesprochen und ihn angesehen hatte, hatte mich verblüfft. Er hatte ausgesehen, als ob er die Rache des Gottes aus dem Alten Testament heraufbeschwören wollte – nicht Jesus, Jesus war warmherzig und sanftmütig, bis auf das eine Mal in dem Tempel –, der Menschen dreißig, vierzig Jahre dafür hungern ließ, weil sie den Marktplatz ihrer kleinen Stadt mit einem hübschen Kälbchen hatten schmücken wollen.

Der neue Roscoe war ein leidenschaftlicher und wilder Mann.

Doch Leidenschaft und Wildheit waren nicht mein Ding. Ich zog nachdenkliche, ruhige und reflektierte Männer vor. Mich brachte kaum etwas so sehr in Fahrt wie ein Gespräch mit einem klugen Mann.

Groß und belesen, dicke Brillengläser statt dicker Muskeln, das war mein Typ. Ich musste aber zugeben, dass diese neue Wildheit gut zu Roscoe passte und ihm wirklich ausgezeichnet stand.

Vor allem aber war der neue Roscoe wirklich heiß.

Nicht, dass es eine Rolle spielen würde, aber heiß war weder gut noch nicht gut. Heiße Kerle waren in Ordnung, doch nicht heiße Kerle sagten mir genauso zu. Schließlich waren auf Dauer alle Männer, ganz egal, wie heiß sie anfangs wirkten, gleichermaßen hässlich, wenn sie sich als untauglich für längere Gespräche über Themen von Belang erwiesen. Oder den Geschirrspüler nicht ausräumten. Oder aufs Klo gingen und die Tür offen ließen.

So was will niemand hören oder sehen. Selbst ich – die ich beruflich gegen das Verbrechen kämpfe – habe zwischenzeitlich akzeptiert, dass es Geheimnisse im Leben gibt, die besser nie gelüftet werden, wie zum Beispiel der Gesichtsausdruck des Partners, wenn er Blähungen oder Verstopfung hat.

Nein. Danke.

Moment. Wo war ich stehen geblieben?

Ach ja, richtig, bei dem großen, wilden, heißen, neuen Roscoe, neben dem ich gerade stand.

Ich sah ihn wieder von der Seite an und dachte nickend, schön für ihn.

Oh ja. Schön für ihn, dass er sein Leben lebte, und nicht nur erwachsen, sondern obendrein ein derart großer, wilder, heißer Kerl geworden war.

Das war auf alle Fälle schön für ihn.

Ich wandte mich von seinem festen Kiefer und den makellosen Zügen ab und griff mir an die Brust, in der ein bisher unbekannter Schmerz und ein Gefühl der Wehmut aufgestiegen waren.

Ich versuchte, meine Nostalgie zu ignorieren, und als das nicht funktionierte, unterdrückte ich sie mit Gewalt, denn schließlich musste ich mich ganz auf die Ergreifung eines Schwerverbrechers konzentrieren. Falls Nelson und Lundqvist es nicht schafften, ihn noch festzunehmen, müsste ich beim nächsten Mal gewappnet sein. Es gäbe garantiert ein nächstes Mal, denn so, wie Darrell Winston seinem Jüngsten hinterhergesehen hatte, war ich sicher, dass er in der Nähe bleiben würde, um ihn noch mal abzupassen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergab.

Ich atmete tief durch, wandte mich wieder an den Mann, den ich einmal so gut gekannt hatte, und stellte fest, dass mein Interesse hauptsächlich der Frage galt, wie sich sein Vater mit seiner Hilfe in die Falle locken ließ.

»Hey«, sagte ich und bot ihm lächelnd an: »Ich setze gerne frischen Kaffee auf, falls du –«

Bevor ich meinen Satz beenden konnte, zuckte er zusammen, bedachte mich mit einem kurzen, schmerzerfüllten Blick und stapfte los.

»Äh, Roscoe?«, rief ich ihm hinterher. Ich war zu überrascht, um etwas anderes zu tun als Roscoe beim Verlassen unseres Diners hinterherzusehen.

Der Kerl ließ mich tatsächlich einfach stehen. Ging durch die Tür, über den Parkplatz, öffnete die Tür von seinem Wagen, schwang sich hinters Lenkrad, ließ den Motor an, fuhr in südlicher Richtung los und ward nicht mehr gesehen.

Aha.

Ich verschränkte meine Arme vor der Brust und mir ging der verbitterte Gedanke durch den Kopf: Genau wie damals.

3

Simone

Um die achthunderttausend Menschen lebten im östlichen Tennessee. Da fielen den Behörden vierundzwanzig Tote durchaus auf. Die Einheimischen aber schienen nichts von diesen Todesfällen zu bemerken. Oder vielleicht waren sie ihnen auch schlicht egal.

»Sagt mir, dass ihr ihn habt.«

Ich sagte nicht hallo, fragte die beiden anderen nicht nach ihrem Tag, verkniff mir einen Kommentar zu dem Geschirr, das sich mal wieder in der Spüle türmte, und kam direkt auf den Punkt. Wir hatten zwar erst Ende März, aber nach all den Morden, die sich in den letzten beiden Jahren jeweils Ende Juni/Anfang Juli zugetragen hatten, warteten wir besser nicht den Sommeranfang ab.

Die beiden anderen tauschten einen schnellen Blick, Nelson schüttelte den Kopf und Lundqvist räumte seufzend ein: »Keine Spur von ihm.«

Verdammt.

Deswegen hatten sie also meine letzte Nachricht mit der Frage nach einem Update nicht beantwortet: Es gab kein Update.

Obwohl ich erst seit Kurzem Mitglied dieser Einheit war, hatte ich schon die Nase voll. Und nach allem, was ich über die Kollegen wusste, schien es ihnen auch nicht anders zu ergehen.

Ihre herabgezogenen Mundwinkel bestätigten, dass sie nicht weniger frustriert waren als ich.

Hisako Nelson strippte seit der ersten Mordserie im Juni vor zwei Jahren, das hieß seit neunzehn Monaten, im G-Spot. Der Stripclub wurde von sämtlichen Motorradclubs der Gegend frequentiert, und seit Auffinden der achten Leiche arbeitete Nelson dort undercover als Tänzerin. Sie war also von Anfang an dabei, weshalb sie mir und Lundqvist unsere Anweisungen gab.

Oscar Lundqvist wurde hinzugezogen, als die Zahl der toten Biker letzten Juli offiziell auf achtzehn angestiegen war, trotz unserer fieberhaften Suche nach dem Mörder aber waren noch sechs weitere Biker dazugekommen, die der Leichenschau in Knoxville nach alle im Juni umgekommen waren.

Die Black Demons hatten mit inzwischen sieben Mitgliedern die meisten Toten zu beklagen, deshalb arbeitete Lundqvist in der Rolle eines potenziellen neuen Rekruten an der Aufnahme in ihren Club.

Natürlich war da auch noch Isaac Sylvester, und ich wusste mit Sicherheit, dass auch er versuchte, rauszufinden, wer der Mörder aller dieser Männer war.

Die beiden anderen Agenten hatten keine Ahnung, wer er war. Sie wussten nur, dass es ihn gab, das hieß, sie wussten nur, dass jemand bei den Iron Wraiths auf unserer Seite war. Wahrscheinlich würde Isaac diesen Fall am Ende für uns lösen. Falls er lang genug am Leben blieb.

Genau wie ich war Isaac in Green Valley aufgewachsen, doch im Gegensatz zu mir war er nach seinem Highschool-Abschluss zur Armee gegangen und erst nach Jahren vollkommen verändert wiederaufgetaucht. Alle in der Stadt, einschließlich meiner Eltern, dachten, dass er einer von den Bösen war.

Aber das war er nicht. Er arbeitete normalerweise undercover für die Sicherheitsbehörde ATF und deckte illegalen Tabak-, Alkohol- und Waffenhandel auf, nachdem aber die ersten Leute hier gestorben waren, war er leihweise zum FBI gewechselt und ging seiner Arbeit jetzt genau wie ich in seiner alten Heimat nach.

»Wie sieht’s mit Donuts aus?«, erkundigte sich Lundqvist und ich nahm das hoffnungsvolle Blitzen seiner Augen wahr.

Am liebsten hätte ich gesagt: »Die muss man sich verdienen«, doch ich nickte einfach, während ich mit meinem Daumen über meine Schulter wies. »Sie liegen noch im Wagen.«

Mit einem schiefen Lächeln sprang er auf, lief aus dem Raum und Nelson und ich sahen einander an. Sie unterzog mich einer scheinbar missbilligenden Musterung aus dunkelbraunen Augen unter makellos gezupften Brauen, aber ich wusste, dass das nicht persönlich gegen mich gerichtet war. Sie hatte einfach eine Art, als flöße blaues Blut durch ihre Adern oder so. Sie konnte nichts dagegen tun.

Auch ihre Haltung war die einer Königin, und wenn sie in der Nähe war, setzte auch ich mich automatisch gerade hin. Ich hätte nicht gedacht, dass man allein durch Nachahmung zu einer besseren Körperhaltung kommen konnte, aber offenbar war das der Fall.

»Setz dich und erzähl mir, was passiert ist.« Nelson wies auf einen der vier Stühle an dem kleinen Küchentisch.

Ich nahm ihr gegenüber Platz und setzte mich dabei so gerade hin, dass eine Lücke zwischen meinem Rücken und der Lehne meines Stuhles blieb. »Es war reiner Zufall. Plötzlich tauchte er alleine auf dem Parkplatz auf.«

Sie sah mich aus so eng zusammengekniffenen Augen an, sodass ihre Oberlider überdeutlich zu erkennen waren. »Er stand also plötzlich einfach da. An deinem ersten vollen Arbeitstag.«

»Genau. Ich habe gerade Kaffee ausgeschenkt, sah aus dem Fenster und bemerkte, dass ein Wagen, den ich kannte, vorgefahren war. Dann sah ich zwei Personen, die sich neben diesem Wagen unterhielten, und erkannte, dass der jüngere der beiden Roscoe Winston war.«

Sie klappte ihre Lider mit den dicken, schwarzen Wimpern zu und wieder auf. »Der jüngste Sohn. Der Tierarzt.«

»Ja.«

Nachdem ihr Blick kurz abgeschweift war, konzentrierte sie sich abermals auf mich. »Du kanntest ihn. Ihr wart zusammen in der Schule, stimmt’s?«

Ich nickte stumm.

Obwohl ich mir die größte Mühe gab, hatte die nervtötende Nostalgie, die ich vorhin empfunden hatte, sich bisher nur teilweise gelegt, und lang vergessene Erinnerungen waren plötzlich wieder da. Bruchstücke von Gesprächen während unserer Kinderzeit und Jugend, und Momente meines Lebens, die ich in Gedanken übertapeziert oder in Kisten eingepackt und seither nie mehr angesehen hatte, schwirrten mir wie Mücken durch den Kopf.

Wir hatten beispielsweise über einen Zeitraum von acht Jahren eine einzige Partie Monopoly gespielt. Roscoes Schwester Ashley und ihr damals bester Kumpel Jackson James hatten beinah genauso lange durchgehalten, und es hatte uns beeindruckt, wie den beiden durch den Bau von Hochhäusern aus Ton und durch das Drucken eigener Scheine die Entwicklung eines neuen, völlig eigenen Spiels gelungen war.

Natürlich hatten auch wir beide unserem Spiel einen ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Statt Hochhäusern hatten wir Unterschlupfe von Verbrechern eingeführt, wir hatten Geld in den Hotels gewaschen und versucht, die Bank zu bestehlen, ohne dass der andere etwas davon mitbekam.

Und wenn man ins Gefängnis kam, war man auf keinen Fall sicher. Der Betroffene musste einmal täglich Liegestütze im Gefängnishof – der Mitte seines Zimmers – absolvieren, dem anderen Mittagessen machen oder ihm das Taschengeld bezahlen, das er im wahren Leben bekam.

Was hatten wir dabei für einen Riesenspaß gehabt.

Wir diskutierten und wir stritten uns. Wir spielten FBI (wobei er immer der Verbrecher war). Wir backten Kuchen in der Küche meiner Mom. Manchmal verliefen wir uns mit Absicht im Wald und fanden immer rechtzeitig zum Abendbrot zurück. Oder wir waren einfach dagesessen und hatten entweder für uns gelesen oder uns gegenseitig vorgelesen.

Ich runzelte die Stirn ob dieses wirren Durcheinanders an Erinnerungen, die verknotet waren wie eines dieser langen, grell orangefarbenen Verlängerungskabel, die man öfter in den Ecken irgendwelcher Werkzeugschuppen liegen sah. Das war ein durchaus passender Vergleich, denn mein Gehirn kam mir tatsächlich wie ein Werkzeugschuppen vor. Wie ein superaufgeräumter, blitzsauberer Schuppen, wo es einen festen Platz für alles gab.

Am besten achtest du nicht auf das blöde Kabel, das da in der Ecke liegt.

»Du wusstest, dass das Roscoe Winstons Wagen war?«, rief Nelson mich mit ihrer Frage in die Gegenwart zurück.

Ich nickte abermals und atmete tief durch. »Er hat ihn zu seinem sechzehnten Geburtstag von Duane und Beau – den Zwillingen – geschenkt gekriegt. Es ist ein 55er Chevrolet 3 100.«

»Verdammt. Welche der Brüder sind die zwei noch mal?« Nelson wandte sich dem aufgeklappten Laptop, den sie auf dem Tisch stehen lassen hatte, zu. »Wie zum Teufel soll man sich die Reihenfolge merken, wenn sie alle gleich aussehen?«

»Ich finde nicht, dass sie das tun.«

Roscoe sah wie eine Mischung aus den beiden ältesten der Winston-Brüder aus. Von Jethro hatte er vor allem dessen schlanke, hochgewachsene Gestalt und sich verschiedene seiner Eigenarten abgeschaut, und von Billy hatte er die leuchtend blauen Augen und die sorgfältig gestutzten dunklen Haare auf dem Kopf und im Gesicht.

Mit dem dritten Bruder Cletus aber hatte er nicht die geringste Ähnlichkeit, denn Cletus hatte wirres, wild gelocktes braunes Haar mit blonden Strähnen, Jethros grünen Augen, war erheblich kleiner und vor allem deutlich stämmiger und hatte einen langen Bart.

Am deutlichsten aber hoben die Zwillinge mit ihren leuchtend roten Haaren und den veilchenblauen Augen sich von ihren Brüdern ab. Sie sahen einander zum Verwechseln ähnlich, waren aber ansonsten komplett unterschiedlich.

»Ah, ja. Den Wagen habe ich schon mal auf einem Bild gesehen.« Nelson nickte und las irgendwas vom Bildschirm ihres Laptops ab. »Die Zwillinge haben diese Autowerkstatt und sie alle scheinen irgendwelche Oldtimer zu fahren.« Sie klang, als spräche sie vor allem mit sich selbst, klickte weiter und wartete ungeduldig auf das nächste Bild.

Der Laptop war uralt, aber wir waren trotzdem froh, dass wir ihn hatten, weil er unsere Verbindung zu den unzähligen Datenbanken der verschiedenen Behörden unseres Landes war.

»Nein. Die Autowerkstatt gehört Cletus, dem Drittältesten, und Beauford, einem von den Zwillingen«, klärte ich sie auf. »Duane, der andere Zwilling, lebt mit seiner Frau, Jessica James-Winston, in Italien.«

»Und Cletus ist mit dieser Bäckerin verheiratet?«

»Ja, Cletus ist mit Jennifer verheiratet, und sie ist Bäckerin«, bestätigte ich ihr.

»Keine Kinder …« Nelsons starrte konzentriert auf den Monitor. »Und diese Jennifer wurde einmal verhaftet, weil sie –«

»Das ist Jahre her«, winkte ich ab, denn die Verhaftung hatte nichts mit unserem Fall zu tun.

»Cletus ist also der dritte und danach kommt Ashley«, las meine Kollegin weiter vor. »Sie ist verheiratet mit Andrew Runous und hat eine Tochter.« Nelson legte eine Pause ein und hob die wohlgeformten Brauen an. »Ah, ja. Sie ist die Schwiegertochter von Senator Runous aus Texas.«

»Richtig«, stimmte ich ihr zu.

»Dann hat sie also echt gute Verbindungen.« Nelson griff nach einem Stift, trug irgendwas in ihr Notizbuch ein und fuhr dann fort. »Und Beauford ist der Typ mit der berühmten Frau. Stacy wie auch immer.«

»Shelly Sullivan, eine berühmte Künstlerin«, trat ich für seine Freundin ein.

Ich hatte Shelly wirklich gern. Sie und Beau kamen seit fünf Jahren jeden Samstagabend in das Diner und waren wirklich supernett. Ich fand es irgendwie beruhigend, wie sie mit der allergrößten Sorgfalt selbst Bananen schnitt. Und die Art, wie sich die beiden ansahen.

Wenn ich sie sah, wünschte ich fast, ich wäre ebenfalls liiert. Und zwar mit einem Menschen, der mich kannte, der mich so nahm, wie ich war, und eine grundlegende Wertschätzung für mich empfand.

Aber nur fast.

Im Grunde war mir klar, dass ich für so was nicht geschaffen war. Ich brauchte meine eigene Wohnung, in der neben meinen eigenen Sachen nicht noch die von jemand anderem lagen. Und ich liebte es zu arbeiten, so viel ich wollte, und ins Bett zu gehen, wann es mir passte. So sehr mir also der Gedanke gefiel, selbst jemanden zu haben, der mich ansah wie Beau Winston Shelly Sullivan, während sie Bananen sorgsam in gleich große Stücke schnitt, gefiel es mir noch mehr, mein ganzes Bett für mich allein zu haben, Entscheidungen zu fällen, ohne jemand anderen zu konsultieren, und so lange zu duschen, wie ich wollte, ohne dass noch jemand anderes nach heißem Wasser schrie.

»Nein, warte, eigentlich meine ich Jethro Winston.« Nelson schnipste mit den Fingern, als sie etwas auf dem Bildschirm las. »Den Mann von Sienna Diaz, der berühmten Filmemacherin. Sie haben drei Kinder«, fügte sie hinzu. »Als Wohnsitz ist Green Valley angegeben. Leben sie tatsächlich hier? Ich habe sie noch nie gesehen.«

Ich schüttelte den Kopf und hob die Schultern an. »Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich habe Jethro in den letzten Jahren höchstens zwei-, dreimal gesehen. Jedes Mal hatte er mindestens ein Kind im Schlepptau und kam nur kurz rein, um Donuts abzuholen. Vielleicht ist ja ihr offizieller Wohnsitz hier, aber bestimmt ist die Familie immer dort, wo Sienna gerade dreht.«

»Er war früher Ranger hier im Nationalpark, richtig?« Nelson scrollte sich durch eine Seite, deren Inhalt sie jedoch nur überflog.

»Er und Runous waren beide Ranger, aber Jethro hat nach seiner Hochzeit seinen Dienst quittiert.«

»Nach der Hochzeit und nachdem die Kinder kamen. Das heißt, dass er jetzt hauptberuflich Vater ist.« In Nelsons Stimme schwang Respekt, der aber gleich wieder verflog. »Und William Winston ist Kongressmitglied und der Verlobte deiner Schwester.«

»Richtig«, stimmte ich mit ausdrucksloser Stimme zu und Nelson sah mich forschend an.

»Hier scheint jeder auf die eine oder andere Art mit jedem verwandt zu sein.«

»Nicht jeder.«

»Nein? Duane – der andere Zwilling – ist der Mann von Jessica James-Winston, die die Adoptivtochter des Sheriffs und die Adoptivschwester von Deputy Jackson James ist«, versuchte Nelson noch die letzten Punkte zu verbinden, bis sich ein Gesamtbild sämtlicher Beziehungen in unserem Ort ergab.