Oskar Panizza (1853–1921) – Das Enfant terrible des Kaiserreichs Leopold Hermann Oskar Panizza war der wohl radikalste und umstrittenste Autor des wilhelminischen Deutschlands. Ursprünglich als Psychiater tätig, tauschte er das Skalpell gegen die spitze Feder, um die moralische Fäulnis von Kirche, Staat und Gesellschaft zu sezieren. Sein Leben war ein ständiger Kampf gegen die Zensur. Mit seiner beißenden Satire "Das Liebeskonzil" (1894) provozierte er den größten Literaturskandal der Epoche. Das Ergebnis war ein Schauprozess, der ihn wegen "Gotteslästerung" für ein Jahr ins Zuchthaus brachte – eine bis dahin beispiellose Härte gegen einen Künstler, die ihn zum Märtyrer der Meinungsfreiheit machte.