100 Fragen an deine Kinderärztin - Nele Marie Peters - E-Book

100 Fragen an deine Kinderärztin E-Book

Nele Marie Peters

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Beschreibung

So geht Kindergesundheit kinderleicht! Darf mein Kind mit Schnupfen in die Kita? Woran erkenne ich eine Blinddarmentzündung? Ist Drei-Tage-Fieber gefährlich? Wie kann ich meinem Kind bei Ohren-, Bauch- oder Zahnschmerzen helfen? Und wie gehe ich richtig mit Windpocken um? Sind die Kleinen krank, ist die Sorge groß. Damit du selbstbewusst, sicher und richtig handeln kannst, wenn es darauf ankommt, liefert dir die Kinderärztin Dr. Nele Marie Peters Antworten auf die 100 wichtigsten Fragen rund um das Thema Kindergesundheit. Sie vermittelt komplexes Fachwissen verständlich, einfühlsam und praxisnah, schafft Mythen aus der Welt und liefert vor allem eine Vielzahl hilfreicher Anwendungstipps zu allem rund um … - das Immunsystem, - Verdauungsprobleme, - Atemwegsbeschwerden, - Hautausschlag, - Ernährungsfragen oder - klassische Kinderkrankheiten wie Pseudokrupp oder Hand-Fuß-Mund. Dr. Nele hat die wichtigsten Infos parat und hilft dir, Symptome einzuordnen und richtig auf Beschwerden zu reagieren. So unterstützt du die Gesundheit deines Kindes und stellst auch ganz ohne Praxisbesuch sicher, dass es ihm gut geht!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 238

Veröffentlichungsjahr: 2023

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DR. NELE MARIE PETERS

100FRAGENAN DEINEKINDERÄRZTIN

DR. NELE MARIE PETERS

100FRAGENAN DEINEKINDERÄRZTIN

Alles, was du wissen musst, um Krankheiten richtig zu behandeln und die Gesundheit deines Kindes zu schützen

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen

[email protected]

Wichtige Hinweise

Dieses Buch ist für Lernzwecke gedacht. Es stellt keinen Ersatz für eine individuelle medizinische Beratung dar und sollte auch nicht als solcher benutzt werden. Wenn Sie medizinischen Rat einholen wollen, konsultieren Sie bitte einen qualifizierten Arzt. Der Verlag und die Autorin haften für keine nachteiligen Auswirkungen, die in einem direkten oder indirekten Zusammenhang mit den Informationen stehen, die in diesem Buch enthalten sind.

Originalausgabe

1. Auflage 2023

© 2023 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.

Redaktion: Magdalena Kieser

Umschlaggestaltung: Maria Verdorfer

Umschlagabbildungen: shutterstock/Artem Novosad, Happy Art, HN Works, Marina Akinina, Artco, Kirill Malyshev, Kurniawan170199

Illustrationen: shutterstock: 10: lemono, 15: judyjump, 26: Pixsooz, 32: hvostik, 34: Julia Kutsaeva, 38: maryartist, 51, 122: Fagreia, 51 (Zäpfchen): Marina Akinina, 53: Blueastro, 57: svtdesign, 64: Pepermpron, 72, 148: Pikovit, 90: zizi_mentos, 94: Katalin Macevics, 104: BY213, 129: gritsalak karalak, 134, 154: The img, 163: yomogi1, 192: Antonov Maxim; 205: Amelie Peters Films

Layout und Satz: Bernadett Linseisen (schere. style. papier), München

eBook: ePUBoo.com

ISBN Print 978-3-7423-2462-7

ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-2231-6

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-2232-3

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.rivaverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

Inhalt

Große Sorgen um die Kleinen

Wenn dein Kind krank ist

1 ImmunsystemWächter und Beschützer des Körpers

Wenn das Immunsystem gesund, zu schwach oder überaktiv ist

Wenn das Immunsystem gestärkt werden soll

2 FieberHilfreich statt gefährlich

Wenn sich der Körper wehrt

Wenn der Kopf glüht

Wenn das Fieber besonders wird

3 Kopf, Hals und LungeSpielplatz für Erkältungsviren

Wenn die Augen tränen

Wenn das Ohr schmerzt

Wenn die Nase läuft

Wenn der Mund wehtut

Wenn der Hals kratzt

Wenn der Husten quält

4 Bauch und UnterleibSchmerzhafte Probleme

Wenn Magen und Darm verrücktspielen

Wenn der Bauch schmerzt

Wenn der Stuhlgang ausbleibt

Wenn der Po juckt

Wenn es beim Wasserlassen brennt

5 Hautdas größte Organ

Wenn sich die Haut entzündet

Wenn sich die Haut ansteckt

Anhang

Hausapotheke

Quellenverzeichnis

Weiterführende Empfehlungen

Dank

Über die Autorin

Für Tanja

Große Sorgen um die Kleinen

Kaum etwas ist so wertvoll wie die Gesundheit. Scheint sie gefährdet, wenn auch in noch so kleinem Ausmaß, tritt alles andere für einen Augenblick in den Hintergrund. Die Gesundheit seines geliebten Kindes zu schützen und in Momenten der Krankheit richtig handeln zu können, ist deshalb ein instinktives elterliches Bedürfnis. Dieser Ratgeber steht dir mit fundiertem medizinischem Wissen zur Seite und soll dir Klarheit, Sicherheit und Ruhe schenken.

 

Wenn dein Kind krank ist

Vorab erhältst du nun einen Einblick in allgemeine Herangehensweisen im Falle einer Krankheit, die dir im gesamten Ratgeber immer wieder begegnen werden.

Immer was Neues

Unerklärliches Bauchweh, das erste Mal Fieber oder ein plötzlich aufgetretener Hautausschlag: Irgendetwas Neues gibt es mit einem Kind immer, oder? Dieser Eindruck entsteht aus berechtigten Gründen. Zum einen wird dein Kind mit einem unreifen Immunsystem geboren, das zunächst alle möglichen Krankheitserreger nach und nach kennenlernen muss. Deshalb kann es in den ersten Lebensjahren zu vielen Infekten kommen, was durch Geschwister oder den Kitabesuch oft noch intensiviert wird. Zum anderen beginnen einige Erkrankungen häufig im Kindesalter, beispielsweise eine Neurodermitis oder Allergie. Außerdem wirst du mit vielen Beschwerden deines Kindes erstmalig konfrontiert, entweder weil es dein erstes ist oder du sie von deinen anderen Kindern noch nicht kennst. So ist es völlig verständlich, wenn du dich ab und an in einer Situation befindest, in der du überfragt oder besorgt bist. Dieser Ratgeber soll dich deshalb bei der Erkennung und Behandlung typischer kindlicher Erkrankungen unterstützen.

Krankheiten ursächlich behandeln

Nur eine Minderheit der üblichen kindlichen Infekte wird ursächlich behandelt, was vor allem daran liegt, dass sie sehr häufig durch Viren verursacht werden. Es gibt gegen Viren wirkende (antivirale) Medikamente, die aber außerhalb des Krankenhauses nur selten angewandt werden (müssen). Hat dein Kind hingegen Läuse im Haar, Würmer im Darm oder eine Pilzinfektion des Windelbereichs, kann man diese Erreger gezielt bekämpfen. Auch bakterielle Infektionen lassen sich mit Antibiotika ursächlich behandeln. Zum Glück, denn sie können in bestimmten Fällen die Genesung beschleunigen, Komplikationen verhindern oder sogar lebensrettend sein, wie beispielsweise bei einer Blutvergiftung oder einer bakteriellen Hirnhautentzündung. Wichtig: Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Daher sind sie zur Behandlung eines viralen Erkältungsinfekts zwecklos. Nachteile von Antibiotika sind eine mögliche Resistenzbildung oder Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden oder ein Hautausschlag. Deshalb sollte der Einsatz nur erfolgen, wenn es wirklich notwendig ist. Auch bakterielle Infektionen können ganz von selbst abheilen, wie beispielsweise viele Mittelohr- oder Bindehautentzündungen.

Krankheiten symptomatisch behandeln

Mit einer symptomatischen Therapie ist die Behandlung der Krankheitsbeschwerden gemeint. Sie kommt am allerhäufigsten und meist auch ganz intuitiv zum Einsatz: Bei Fieber oder Schmerzen gibst du deinem Kind schmerzlindernde Mittel, bei einer verstopften Nase verabreichst du abschwellende Nasentropfen oder du trägst bei juckender, trockener Haut eine Pflegecreme auf. Für die zahlreichen viralen Infekte ist eine symptomatische Behandlung meist die einzige Therapiemöglichkeit. Sie kann aber für dein Kind einen großen Unterschied machen, da du sein Leiden verringern und so die Zeit bis zur Genesung erträglicher gestalten kannst. Die meisten Medikamente, die Symptome lindern, sind nicht rezeptpflichtig. Eine ärztliche Verordnung hat den Vorteil, dass du beraten wirst und Hinweise zur Dosierung erhältst. Außerdem werden die Kosten für viele Medikamente bei Kindern unter zwölf Jahren für gewöhnlich von der Krankenkasse getragen, wenn sie rezeptiert wurden.

Abwarten und Vertrauen

Selbstverständlich müssen einige Krankheiten ärztlich behandelt werden. Deshalb sind in diesem Ratgeber stets Warnzeichen benannt, die bei der Entscheidung »Zur Ärztin – ja oder nein?« helfen können. Auch ist ein Arztbesuch immer sinnvoll und gerechtfertigt, wenn du ein schlechtes Gefühl hast oder dir Sorgen machst.

Die Mehrzahl der kindlichen Beschwerden ist jedoch glücklicherweise selbstlimitierend, verschwindet also auch ohne jegliches Zutun von selbst wieder. So sagt man auch: »Eine Erkältung dauert ohne Therapie sieben Tage, mit Therapie eine Woche.« Natürlich sollen Schmerzen und andere Beschwerden gelindert werden. Aber darüber hinaus kann es ein guter Weg sein, die Genesungsarbeit bewusst dem Körper deines Kindes zu überlassen, ihm zu vertrauen und das auch deinem Kind zu zeigen. So kann es von klein auf lernen und erfahren, Vertrauen in den eigenen Körper aufzubauen. Dies darf gerne mit heilenden Ritualen oder natürlich der Erfüllung von Wünschen begleitet werden. Und manchmal sind Zuwendung, Liebe und Nähe ohnehin das allerbeste Rezept.

Wenn dein Kind krank ist, sind Zuwendung und Fürsorge manchmal die beste Medizin.

Mythos

Pflanzliche und homöopathische Mittel sind das Gleiche

Bei der symptomatischen Behandlung spielen pflanzliche oder homöopathische Arzneimittel in vielen Familien eine große Rolle. Sie werden häufig gemeinsam genannt, sind aber zwei verschiedene Dinge. Pflanzliche Medikamente enthalten einen Wirkstoff aus der Natur, beispielsweise Efeublätter in Hustensaft. Sie können hilfreich sein, aber »natürlich« ist nicht gleichbedeutend mit harmlos. Genauso wie »chemische« Medikamente können sie zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen führen und es kann zu gefährlichen Überdosierungen kommen. Daher sollte ihr Einsatz sorgfältig bedacht und exakt dosiert erfolgen. In homöopathischen Mitteln können die Ausgangsstoffe ebenfalls pflanzlich sein, aber auch anderen Ursprungs. Sie werden so stark verdünnt, dass sie kaum bis gar nicht mehr nachweisbar sind. Für das homöopathische Prinzip »je verdünnter, desto stärker die Wirkung« gibt es keine plausible naturwissenschaftliche Grundlage. Auch konnte durch Studien, die einem ausreichend hohen wissenschaftlichen Standard entsprechen, keine Wirksamkeit von Homöopathika nachgewiesen werden, die über einen Placeboeffekt hinausgeht. Sie bestehen darüber hinaus meist aus Zucker und/oder enthalten Alkohol. Du erkennst ein homöopathisches Mittel meist daran, dass auf die Inhaltsstoffe ein »C« oder »D« mit einer Zahl folgt.

1

Immunsystem

Wächter und Beschützer des Körpers

Wenn dein Kind ständig krank ist, fragst du dich vielleicht, ob es ein schwaches Immunsystem hat. In diesem Kapitel erfährst du, wie das Immunsystem arbeitet und woran du erkennst, dass es nicht ausreichend funktioniert – oder sogar zu eifrig ist. Im Anschluss erhältst du Tipps, wie du das Immunsystem und die Gesundheit deines Kindes unterstützen kannst. Am Ende sollten keine Fragen mehr offenbleiben, außer vielleicht: »Wie wird man immun gegen schlechte Laune?«

 

Wenn das Immunsystem gesund, zu schwach oder überaktiv ist

Das Immunsystem ist nach Geburt noch nicht voll entwickelt. Während dein Kind zu krabbeln, laufen und sprechen beginnt, lernt auch sein Immunsystem immer mehr hinzu. Allergien oder Immundefekte sind Erkrankungen, bei denen es nicht optimal arbeitet.

1 Wie funktioniert das Immunsystem?

Das Immunsystem ist ein großes und ausgefeiltes Netzwerk, das dein Kind vor schädlichen Einflüssen aus der Umwelt, wie unter anderem Krankheitserregern, schützt. Dieses Netzwerk ist lebenswichtig. Zu ihm gehören verschiedene Immunzellen, Botenstoffe und Organe wie Milz, Mandeln, Lymphknoten oder das Knochenmark.

Nach der Geburt hat dein Kind einen »geliehenen« Schutz, den Nestschutz, der durch die Übertragung von mütterlichen Antikörpern während der Schwangerschaft und über die Muttermilch entsteht. Jedoch ist dein Baby dadurch höchstens einige Monate lang geschützt und das nicht vollständig und nicht gegen alle Krankheitserreger. Bei Frühgeborenen ist der Nestschutz deutlich geringer ausgeprägt oder fehlt ganz.

Das eigene, angeborene Immunsystem deines Babys ist jedoch auch schon aktiv. Es schützt es äußerlich über die Hautbarriere vor Fremdstoffen oder macht es ihnen durch Schleim der Atemwege oder die Magensäure schwer, in den Körper einzudringen. Der Hustenreflex oder verstärkte Darmbewegungen können Unliebsames auf schnellstem Wege wieder nach draußen befördern. Wenn es Krankheitserreger doch einmal über diese Schutzbarrieren schaffen, werden sie mithilfe von Immunzellen und Proteinen unschädlich gemacht. Das angeborene Immunsystem ist schnell, aber nur begrenzt in der Lage, die Ausbreitung von Krankheitserregern zu verhindern. Es arbeitet außerdem unspezifisch, reagiert also auf alle Eindringlinge gleich und lernt nicht dazu.

Zusätzlich gibt es das erworbene – oder auch spezifische – Immunsystem, das eng mit dem angeborenen zusammenarbeitet. Es braucht etwas länger und muss zunächst, wie sein Name sagt, in den ersten Lebensjahren nach und nach ausgebildet werden, geht jedoch deutlich genauer vor. Bestimmte weiße Blutkörperchen erkennen spezifische Strukturen des Angreifers, können ihn gezielt zerstören oder bilden Antikörper. Letztere docken wie maßgeschneiderte »Marker« an den Eindringling an, machen ihn dadurch unschädlich oder signalisieren weiteren Abwehrzellen und Enzymen, bei seiner Bekämpfung mitzuhelfen.

Spezielle weiße Blutkörperchen können sich Erreger merken, mit denen sie bereits Kontakt hatten.

Das spezifische Immunsystem ist lernfähig und entwickelt ein Gedächtnis: Kommt ein Eindringling das zweite Mal, erinnert es sich: »Ah, dich kennen wir doch – wir sind schon auf dich vorbereitet!« Dadurch gelingt eine gezielte Abwehr, die viel schneller ablaufen kann als beim ersten Kontakt.

Das Immunsystem bleibt ein Leben lang anpassungsfähig, hat aber in den ersten Lebensjahren seine aktivste Lernzeit – was du möglicherweise durch viele Infekte deines Kindes bemerkst.

2 Wie oft werden Kinder normalerweise krank?

Während der ersten Lebensjahre trifft der Körper deines Kindes auf zahlreiche, ihm bisher unbekannte Krankheitserreger. Das geschieht in der Regel über Infektionen, die unbemerkt oder mit mehr oder weniger stark ausgeprägten Symptomen ablaufen können. Zum Teil passiert es auch über Impfungen, mittels derer dem Körper abgetötete oder abgeschwächte Viren oder Bakterien, oder deren Bestandteile, präsentiert werden. Das Ergebnis ist nahezu das gleiche: Das Immunsystem lernt die Krankheitserreger kennen, kann sich auf sie spezialisieren und vorbereiten und so beim nächsten Mal schnell darauf reagieren. So wird dein Kind bei einem erneuten Kontakt für gewöhnlich nicht mehr so stark krank – wie beim RS-Virus – oder sogar gar nicht mehr – wie nach einem durchgemachten Drei-Tage-Fieber oder nach zwei Masern-Impfungen. Gegen manche Erreger werden wir leider nie immun, zum Beispiel gegen die häufigsten Erkältungsviren, die Rhinoviren. Da es zahlreiche Varianten von ihnen gibt, die sich wiederum ständig verändern, schaffen sie es jedes Jahr neu, unser Immunsystem auszutricksen. So kann man sich auch im Erwachsenenalter noch regelmäßig erkälten.

Das Immunsystem deines Kindes arbeitet durchgehend und es gibt etliche Situationen am Tag, an denen man stolz und dankbar für seine Arbeit sein kann. Wie so häufig bekommen gewisse Dinge aber vor allem Aufmerksamkeit, wenn sie einmal nicht funktionieren: Ist ein Erreger dem Immunsystem noch unbekannt oder war es aus anderen Gründen nicht ganz so schnell, wird dein Kind krank.

Diese Situation tritt üblicherweise in den ersten Lebensjahren deutlich häufiger auf als im restlichen Leben. So kann es sein, dass dein Kind acht bis zwölf Infekte im Jahr durchmacht und dies trotzdem noch ganz normal und harmlos ist. Zu leichten Infekten gehören zum Beispiel Erkältungen mit oder ohne Fieber, Magen-Darm-Infekte, unkomplizierte Mittelohrentzündungen oder Mandelentzündungen. Wie du vielleicht weißt, können sie sich aber alles andere als leicht anfühlen: Insbesondere, wenn der Großteil der jährlichen acht Infekte in den Winter fallen und sich dort nah aneinanderreihen, entsteht manchmal der Eindruck, das Kind sei durchgehend krank. Das ist sehr anstrengend, aber für gewöhnlich vollkommen unbedenklich, denn das häufige Krankwerden hat in den allermeisten Fällen nichts mit einem zu schwachen Immunsystem zu tun, sondern lediglich mit einem fleißig arbeitenden. Welche Warnzeichen tatsächlich für einen Immundefekt – eine Störung der Abwehrfunktion – sprechen können, kannst du ab Seite 17 nachlesen.

Nicht jedes Kleinkind mit einem gesunden Immunsystem ist gleich häufig krank. So wie jeder Mensch individuell ist, ist auch das eine Kind etwas »anfälliger« für Infekte und das andere etwas weniger. Auch wenn dein Kind regelmäßig von anderen Kindern umgeben ist, es beispielsweise Geschwister hat oder die Kita besucht, kann es vermehrt zu Erregerkontakten und damit zu Infekten kommen.

Mein Kind ist fast nie krank

Häufiges Kranksein ist also in den ersten Lebensjahren meist völlig normal – was aber, wenn dein Kind nur selten krank wird? Du brauchst und sollst es nicht auf eine »Viren-Party« bringen – stattdessen kannst du dich einfach freuen. Denn das Immunsystem ist kein Muskel. Es muss nicht trainiert werden, um fit zu bleiben, und schrumpft auch nicht mit der Zeit. Stattdessen macht dein Kind vielleicht gewisse Infektionen unbemerkt durch oder kommt mit manchen Erregern erst später oder nach und nach in Kontakt, anstatt mit allen auf einmal. Fakt ist: Genauso wie dein Kind wird sich auch sein Immunsystem auf seine Art entwickeln.

3 Wie erkenne ich eine Immunschwäche?

Wie du bereits erfahren hast, steckt in den meisten Fällen nichts dahinter, wenn dein Kind häufig krank wird. Anders sieht es bei Kindern mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bronchialasthma, gewissen Herzerkrankungen oder starkem Übergewicht aus, oder bei Kindern, die andauernd Passivrauch ausgesetzt sind. Sie können eine krankhafte Infektanfälligkeit haben. Darüber hinaus gibt es einige seltene Erkrankungen, die eine »echte« Immunschwäche bedingen können. Folgende beispielhafte Warnzeichen können auf einen angeborenen Immundefekt hinweisen:1

langandauernde oder immer wieder aufflammende Infektionen oder eine antibiotische Therapie über zwei Monate oder länger ohne heilenden Effekt

zwei oder mehr Lungenentzündungen oder schwere Nasennebenhöhlenentzündungen in einem Jahr

zwei oder mehr innere Infektionen, beispielsweise Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung

acht oder mehr Mittelohrentzündungen in einem Jahr

Infektionen durch normalerweise ungefährliche Erreger

hartnäckige Pilzinfektionen der (Schleim-)Haut nach dem ersten Lebensjahr, beispielsweise ein dauerhafter Belag im Mund

wiederkehrende Eiteransammlungen tief unter der Haut oder in inneren Organen

Komplikationen durch Lebendimpfungen

Immundefekt oder krankhafte Infektanfälligkeit in der Familie

schlechtes Gedeihen – also zu geringes Körpergewicht und Körperlänge –, möglicherweise mit Durchfall einhergehend

unklare chronische Rötungen an Händen und Füßen bei Säuglingen

Sollte eines dieser Warnzeichen bei deinem Kind vorliegen oder machst du dir Sorgen, weil es häufiger oder »anders« krank ist als andere Kinder, ist eine ärztliche Untersuchung und Beratung auf jeden Fall empfohlen. So notwendig es ist, mögliche Erkrankungen wie einen Immundefekt zu entdecken, so wichtig ist es aber auch zu betonen, dass sie wirklich selten vorkommen. Stattdessen konnte dich vielleicht nun bereits das Lesen der Warnzeichen ein wenig beruhigen und dir zeigen, dass dein sonst gesundes Kind mit seinen häufigen Erkältungen wahrscheinlich sehr weit von einem Immundefekt entfernt ist. In den allermeisten Fällen brauchst du dir also keine Sorgen machen.

4 Woran merke ich, dass mein Kind eine Allergie hat?

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem deines Kindes nicht zu schwach, sondern zu stark, und zwar auf eigentlich harmlose Stoffe. Es hält sie für schädlich und versucht, sie zu bekämpfen, was die allergischen Beschwerden auslöst. Ein erhöhtes Risiko hierfür haben Kinder, die Eltern oder Geschwister mit ebenfalls Allergien oder Erkrankungen wie allergischem Asthma bronchiale oder Neurodermitis haben.

Nahrungsmittelallergien – vor allem gegen Hühnerei, Kuhmilch, Erdnuss, Soja, Weizen, Nüsse oder Fisch – können ab dem ersten Lebensjahr auftreten und werden meist durch einen Hautausschlag, Erbrechen, Durchfall, Husten oder Atemnot nach Verzehr sichtbar.

Zu den Auslösern inhalativer Allergien – also gegen Stoffe, die über die Luft verbreitet werden – gehören beispielsweise Hausstaubmilben, Tierhaare, Pollen oder Schimmelpilze. Sie können ab dem Kleinkindalter beginnen, typischer ist das (Vor-)Schulalter. Das betroffene Kind leidet unter juckenden und tränenden Augen, Niesen, Schnupfen oder Schnarchen, allergischem Asthma oder Tagesschläfrigkeit.

Solltest du den Verdacht haben, dass dein Kind von einer Allergie betroffen ist, hilft ein Blut- oder Hauttest (Prick-Test) in der Arztpraxis weiter. Manchmal ist ein ärztlich überwachter Provokationstest notwendig, bei dem dem Kind eine steigende Menge des Nahrungsmittelallergens verabreicht wird, um zu sehen, ob es darauf mit Symptomen reagiert. Bestätigt sich der Verdacht, muss es vorerst aus dem Speiseplan gestrichen werden. Bei einer inhalativen Allergie werden meist lindernde Medikamente wie Antihistaminika oder Kortison verordnet. In schweren Fällen benötigt ein Kind mit einer Allergie ein Set mit Notfallmedikamenten, das es immer dabeihaben muss. Ursächlich helfen kann eine Hyposensibilisierung, bei der das Allergen über einen längeren Zeitraum in aufsteigenden Dosierungen unter die Haut gespritzt oder als Tablette eingenommen wird. So soll sich das Immunsystem langsam an sie gewöhnen und nicht mehr überschießend reagieren. Die guten Nachrichten: Allergien können bei Kindern mit dem Alter besser werden oder ganz verschwinden, wie es beispielsweise bei einer Allergie gegen Hühnerei oder Kuhmilch meist der Fall ist.

Vorbeugung gegen Allergien

Da eine Allergie unter anderem durch eine gewisse Veranlagung entsteht, kann man sie nicht ganz verhindern. Es gibt aber einige Dinge, auf die du achten und damit das Risiko einer Allergie möglicherweise reduzieren kannst:2

Muttermilch: Ernähre dein Baby – sofern möglich und erwünscht – für die ersten vier bis sechs Lebensmonate ausschließlich mit Muttermilch und fahre während der Einführung von Beikost begleitend damit fort. Wenn du planst, dein Baby vollständig mit Muttermilch zu ernähren, sollte eine Zufütterung mit kuhmilchbasierter Säuglingsnahrung in den ersten Lebenstagen möglichst vermieden werden.

Säuglingsnahrung: Früher wurde dazu geraten, Kindern mit Allergierisiko, die nicht (nur) Muttermilch erhalten, eine hypoallergene Säuglingsnahrung (HA-Nahrung) zu geben. Für die zurzeit in Deutschland vermarkteten HA-Nahrungen fehlen allerdings wissenschaftliche Belege zur allergievorbeugenden Wirksamkeit, sodass sie mittlerweile nicht mehr pauschal empfohlen werden.

Beikost: Bei der Beikost, die nach und nach zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat dazukommt, sollen potenzielle Allergene nicht vermieden werden. Hier gibt es ein paar Ausnahmen, zum Beispiel, wenn dein Kind bereits eine bekannte Allergie hat oder besonders allergiegefährdet ist. Lasse dich deshalb vor Einführung der Beikost ärztlich beraten, ob du etwas Besonderes beachten musst. Ansonsten wird eine möglichst vielfältige Ernährung empfohlen, da diese neben vielen anderen Vorteilen auch einen allergiereduzierenden Effekt haben könnte. Du kannst deinem Kind also auch regelmäßig Hühnerei (zum Zwecke der Allergieprävention verbacken oder hartgekocht, kein Rührei), Fisch, maximal 200 Milliliter Kuhmilch (in der Nahrung verarbeitet, nicht als Getränk) pro Tag oder Naturjoghurt anbieten. Wenn ihr in eurem Haushalt regelmäßig erdnusshaltige Lebensmittel verzehrt, kann es einer Erdnussallergie möglicherweise vorbeugen, wenn dein Baby, falls es Neurodermitis (und keine Erdnussallergie!) hat, ab dem Beikoststart regelmäßig Erdnuss erhält, beispielsweise in Form von Mus.

Haustier: Sollte es in deiner Familie ein erhöhtes Allergierisiko geben oder dein Kind eine Neurodermitis haben, solltest du keine Katze neu anschaffen. Von einer Hundehaltung wird nicht abgeraten.

kein Zigarettenrauch: Du solltest weder in der Schwangerschaft rauchen, noch sollte dein Kind nach Geburt Passivrauch ausgesetzt sein.

Impfungen erhöhen entgegen manchen Behauptungen das Allergierisiko nicht, sondern es gibt sogar Hinweise darauf, dass sie es senken könnten.

Innenraumklima: Lüfte eure Wohnung ausreichend, um ein feuchtes Innenraumklima, das Schimmelpilzwachstum begünstigt, zu vermeiden.

Studien konnten keinen vor Allergien schützenden Effekt von Nahrungsergänzungsmitteln wie Probiotika, Vitamin D oder anderen Vitaminen zeigen. Das Aufwachsen auf dem Bauernhof kann eindeutig mit einem geringeren Risiko für Allergien einhergehen, allerdings werden nur wenige Familien deswegen umziehen. Auch fernab vom Bauernhof ist es für dein Kind wichtig, dass es im Matsch spielen darf und du übermäßige Hygiene und vor allem Desinfektion möglichst vermeidest.

Wenn das Immunsystem gestärkt werden soll

Wohin man auch schaut, gibt es Tipps oder Produkte für »starke Abwehrkräfte« in Hülle und Fülle. Die Wahrheit ist jedoch: Das Immunsystem deines Kindes ist von Natur aus stark. Es sinnvoll zu unterstützen bedeutet in erster Linie, ihm eine gute Grundlage zum Arbeiten zu geben: einen allgemein gesunden Körper. Daher erfährst du auf den folgenden Seiten nicht (nur), wie du das Immunsystem, sondern insgesamt die Gesundheit deines Kindes stärken kannst.

5 Wie viel Unterstützung braucht das Immunsystem?

Schon wieder eine Schniefnase, noch mal Fieber, erneuter Husten – eine Infektsaison ist alles andere als entspannt. Auch – oder gerade – bei einem gesunden Immunsystem ist es aber normal, dass es viele ihm noch unbekannte Krankheitserreger erst einmal kennenlernen muss. Deshalb kommt es in den ersten Lebensjahren zu häufigen Infekten, wie du bereits ab Seite 15 erfahren hast. Das ist also an sich kein Zeichen von Schwäche und bedarf auch keiner Stärkung, außer der des elterlichen Durchhaltevermögens. Sollte das Immunsystem hingegen wirklich krank sein, wie bei einem angeborenen Immundefekt, dann braucht es unbedingt eine ärztliche Behandlung – ein »Immunbooster« hilft hier auf keinen Fall.

Bei dem vielen Kranksein ist es aber verständlich, dass du dir wünschst, es gäbe irgendetwas, das du tun kannst, damit dein Kind seltener krank wird und leidet, und du endlich wieder besser schläfst und dich weniger sorgst. Leider gibt es so ein Wundermittel nicht – außer vielleicht den nahenden Frühling, der weniger Infekte mit sich bringt. Denn erstens muss man dem Immunsystem gar nicht wirklich helfen und zweitens kann man es auch nur in einem sehr begrenzten Umfang. Das Immunsystem eines sonst gesunden Kindes ist bereits ohne dein Zutun stark und funktionsfähig – das sind sehr gute Nachrichten.

Mit Mitteln, die das Immunsystem stärken sollen, kannst du Infekte demnach in der Regel nicht verhindern. Du kannst das Immunsystem deines Kindes jedoch in eine gute Ausgangslage bringen, damit es für den nächsten Infekt bestmöglich gewappnet ist. Dies meint, es nicht zu schwächen, sondern ihm mit einem ganzheitlich gesunden Lebensstil gute Voraussetzungen zum Arbeiten zu geben. Dieser ist letztendlich nicht nur für das Immunsystem wichtig, sondern fördert die Gesundheit deines Kindes gleich in verschiedenen Bereichen auf einmal. Deinem Kind von Anfang an selbstwirksame Gewohnheiten mit auf den Weg zu geben, die es ein Leben lang begleiten, ist zudem sicherlich die nachhaltigste Option eines »Immunboosters«. Aus all diesen Gründen erfährst du auf den folgenden Seiten wichtige Aspekte einer gesunden Kindheit.

6 Wie sieht eine gesunde Kinderernährung aus?

Eine gesunde Ernährung ist essenziell für einen guten Start ins Leben. Auch das Immunsystem profitiert davon, wenn dein Kind ausgewogen und abwechslungsreich isst und alle wichtigen Nährstoffe zu sich nimmt. Wichtig ist es ebenso, gemeinsame Mahlzeiten zu etablieren und von Anfang an die Freude am Essen und damit ein gutes Verhältnis zu (gesunden) Lebensmitteln zu fördern. Die wichtigsten Grundlagen sind:

viel Vollkorn: Greife bei Getreideprodukten am besten auf Vollkorn zurück, da hier viele Nähr- und Ballaststoffe enthalten sind.

viel Pflanzliches: Pflanzliche Lebensmittel sollten im Speiseplan an erster Stelle stehen. Biete deinem Kind reichlich Obst und Gemüse an – je bunter der Teller, desto besser.

Hülsenfrüchte und Nüsse: Hülsenfrüchte wie Linsen oder Bohnen sind unter anderem für eine pflanzliche Eisenzufuhr sehr wichtig. Nüsse sind ebenfalls tolle Nährstofflieferanten, dürfen aber in den ersten Lebensjahren nicht ganz, sondern nur als beispielsweise Mus gegeben werden.

Fermentiertes: Probiotika in Form von Joghurt, Kimchi, Sauerkraut oder Tempeh darf dein Kind gerne regelmäßig verzehren.

tierische Lebensmittel in Maßen: Milchprodukte, Fisch, Fleisch und Eier sollten nur in gemäßigtem Umfang auf dem Speiseplan stehen. Eine vegetarische oder rein pflanzliche Ernährung ist bei Kindern möglich. Wichtig ist, dass sie gut geplant und bedarfsdeckend ist, und dass eine – bei veganer Ernährung immer notwendige – Nährstoffsupplementation erfolgt.

wenig Zucker: Ein hoher Zuckerkonsum kann unter anderem zu Übergewicht oder Karies führen. Daher solltest du Süßigkeiten, aber auch zuckerhaltige Fertiggerichte oder süße Getränke – zu denen auch Fruchtpüree in Trinkbeuteln, Säfte oder Smoothies zählen – nur in kleinen Mengen erlauben. Am besten trinkt dein Kind hauptsächlich Wasser oder ungesüßte Früchte- oder Kräutertees.

wenig Salz: Dein Kind benötigt ab dem zweiten Lebensjahr jodiertes Speisesalz, allerdings nur in Maßen. Bei Kleinkindern sind maximal zwei Gramm am Tag empfohlen. Auf diese Höchstmenge kommt man schon mit ungefähr einem Laugengebäck (ohne sichtbares Salz darauf) und einer Scheibe Gouda. Allgemein enthalten vor allem Backwaren, Wurst, Käse oder Fertiggerichte viel Salz.

gesunde Fette: Gesättigte und trans-Fettsäuren, wie sie in Butter, Wurst, Käse, Frittiertem oder vielen Fertigprodukten enthalten sind, sollte dein Kind ebenfalls möglichst zurückhaltend verzehren. Besser sind Fette in pflanzlichen Ölen oder Nüssen.

Vielleicht denkst du dir nun: »Das ist ja alles schön und gut, aber mein Kind will kein Gemüse!« Mache dir keine Sorgen: Es ist absolut typisch für Kleinkinder, dass sie zeitweise ein sehr wählerisches Essverhalten zeigen – ohne dass es zu einem Nährstoffmangel kommt! Sehr wahrscheinlich ist dein Kind kerngesund und du kannst abwarten, bis auch diese Phase vorübergeht. Biete deinem Kind weiterhin reichlich Gesundes an, aber zwinge es niemals zum Essen. Machst du dir ernsthafte Sorgen um das Essverhalten oder das Gedeihen deines Kindes, ist natürlich eine ärztliche Einschätzung wichtig.

Die Muttermilch macht’s

Zu Beginn des Lebens besteht die optimale Ernährung aus ausschließlichem Stillen über mindestens vier Monate, danach begleitend während der Beikosteinführung. Muttermilch hat aufgrund ihrer einzigartigen Zusammensetzung etliche Vorteile gegenüber Säuglingsnahrung. Beispielsweise haben Babys, im Vergleich zu nichtgestillten, ein verringertes Risiko für Durchfallerkrankungen, Mittelohrentzündung oder späteres Übergewicht. Falls eine vollständige Ernährung mit Muttermilch nicht möglich ist, habe bitte kein schlechtes Gewissen. Teilstillen ist sehr wertvoll und auch Kinder, die ausschließlich Säuglingsnahrung erhalten, haben gute Voraussetzungen dafür, gesund aufzuwachsen.

7 Soll ich meinem Kind Nahrungsergänzungsmittel geben?

Vitamin-Booster, Immun-Smoothie oder Probiotika-Kur: Solltest du etwas zur Stärkung des Immunsystems suchen, lockt dich ein riesiges Angebot mit vielen Versprechungen. Außerdem wird Eltern allgemein häufig suggeriert, dass ihre Kinder unbedingt Vitaminpräparate bräuchten, um gesund zu bleiben. Das stimmt jedoch nur in wenigen und bestimmten Fällen, zu denen offizielle Empfehlungen existieren. Dazu gehören beispielsweise:

Vitamin K nach der Geburt: Neugeborene erhalten zur Verhinderung von Blutungen durch einen Mangel üblicherweise Vitamin K zu den Vorsorgeuntersuchungen U1, U2 und U3.

Vitamin D in den ersten zwei Lebensjahren: Insbesondere für gesunde Knochen ist es empfohlen, Kindern täglich Vitamin D bis zum zweiten erlebten Frühsommer zu geben. Bis zur Verwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta sollte im Vitamin-D-Präparat auch Fluorid enthalten sein. Achte nach Beendigung der Vitamin-D-Gaben darauf, dass dein Kind viel im Freien spielt und sich zwischen April und September regelmäßig für kurze Zeit mit unbedecktem Kopf, Armen und Beinen in der Sonne aufhält – selbstverständlich ohne in die Gefahr eines Sonnenbrands zu kommen. Die ungezielte Gabe oder auch Bestimmung von Vitamin D werden nicht empfohlen. Vielmehr sollte im Zweifel zunächst eine ärztliche Beratung stattfinden und herausgefunden werden, ob mögliche Risikofaktoren vorliegen. Es gibt Hinweise darauf, dass die Einnahme von Vitamin D bei einem Mangel einen positiven Einfluss auf die Vorbeugung von akuten Atemwegsinfekten haben könnte. Die wissenschaftliche Datenlage ist aber noch nicht so gut, dass es offiziell empfohlen werden kann.3

bestimmte Ernährungsformen: Kinder, die rein pflanzlich ernährt werden – oder manchmal auch bei vegetarischer Ernährung –, benötigen Vitamin B12 und gegebenenfalls andere Nahrungsergänzungsmittel.

chronische Erkrankungen oder andere Risikofaktoren: Hier sind zuweilen Nahrungsergänzungsmittel notwendig, die immer ärztlich besprochen werden.

Solltest du den ernsthaften Verdacht eines Nährstoffmangels haben, ist es wichtig, diesem nachzugehen. Dafür reicht häufig schon eine ärztliche Untersuchung aus, manchmal ist eine Blutuntersuchung notwendig. Ansonsten gilt: Viel hilft nicht viel. Ohne einen Mangel benötigt dein Kind auch keine Vitamine und eine ungezielte Einnahme schützt es nicht davor, dass es krank wird. Nahrungsergänzungsmittel sind häufig überflüssig, teuer und vor allem überdosiert. So kann eine »blinde Einnahme« in manchen Fällen sogar schaden. Eine gesunde Ernährung, auch wenn sie im Kleinkindalter phasenweise einseitig erscheint, liefert dem Immunsystem deines Kindes im Normalfall ausreichend Vitamine, Probiotika und andere Nährstoffe, damit es gut arbeiten kann.

Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung liefert alle notwendigen Nährstoffe und stärkt somit die Gesundheit und das Immunsystem.

8 Wieviel Schlaf braucht mein Kind?